sende Pilsener Klage endgültig abwieS.
2n der Begründung führte der zuständige Senat aus, daß bereits aus dem Jahre 1912 ein Urteil gegen Pilsen vorläge und Pilsen außerdem seit 28 Jahren die Bezeichnung „Bier nach Pilsener Art" geduldet habe. Dadurch habe sich ein gewisses Gewohnheitsrecht herausgebildet. Im übrigen handle es sich bei dem Wort „Pilsener" um einen Gattungsbegriff, und wenn die einzelnen Biere zusammen mit dem Ortsnamen als Pilsener bezeichnet würden, so wäre die Ursprungsbezeichnung so deutlich gegeben, daß jeder genau wisse, ob er deutsches oder echtes Pilsener trinke. — Die deutschen Brauereien können also unbesorgt ihr „Pilsener" weiter brauen, dos den Konsumenten unter einem vollkommenen Rechtsschutz noch einmal so gut schmecken wird.
Llniversität und Volk.
Ein Vortrag Professor Sauerbruchs in München.
München, 8. Febr. (WTB.) In der Münchener Universität sprach der Berliner Chirurg, Geheimrat Professor Dr. Sauerbruch, über das Thema „Universität und Volk". In Heimat und Heimatsprache sind die verbindenden Momente entstanden, so führte der Redner etwa aus, die schließlich, gefördert durch die gemeinschaftliche Arbeit, zur bürgerlichen Gemeinsamkeit und zur Staatenbildung führten. Hier erscheinen im Mittelalter die Universitäten, die dem Bedürfnis einer höheren aeistigen Bildung mit religiösen, weltanschaulichen Zielen entsprungen waren. Groß war die Wandlung, welche die Universitäten bis um die Wende des vorigen Jahrhunderts mitmachten, als auch für sie ein hochbedeutender Zeitabschnitt eintrat, der sie zu Trägern des nationalen Gedankens machte. Es war das goldene Zeitalter der deutschen Hochschule, dem mit dem Jahrhundert der Mechanisierung und Rationalisierung der Verfall folgte. Doch deutscher Kraftwille und deutsche Disziplin retteten auch das höchste Gut der Universitäten, ihre freie Rechtsentwicklung, deren letztes Ziel stets bleiben wird: Freiheit der Forschung und Freiheit der Lehre. Nie ließen sich die Universitäten an aufrechter Vaterlandsliebe von anderen übertreffen. Sie können aber nicht zur bürgerlichen Erziehungsanstalt werden, wie viele meinen. Eine Volksaufklärung von oben widerspricht den natürlichen Gesetzen. Noch weniger können die Universitäten eine Führung der Massen übernehmen. Ihre erste Aufgabe ist es vielmehr, mit ihrem Geist das deutsche Volkstum zu verbinden* — Mit einer eindringlichen Mahnung an die Jugend zur Erreichung einer alles umfassenden Volksgemeinschaft schloß der Redner seinen Vortrag.
Vie Llebergabe -es Namenschil-es -es Kreuzers ^Emden."
London, 9. Febr. (WTB. Funkspruch.) „Times" meldet, daß die Namenstafel des deutschen Kreuzers „Emden" in ungefähr zwei Wochen dem Reichspräsidenten v. Hinden - bürg von dem australischen Gesandten in London, Bruce, übergeben werden wird. Die deutsche Regierung hat den Gesandten nach Berlin eingeladen. Dec Gesandte beabsichtigt, nach Beendigung der Bölkerbundsversammlung in Genf nach Berlin zu kommen.
Die Ramenstafel ist auf einer Holzplatte befestigt die folgende Inschrift trägt: „Dem deutschen Bolke übergeben das australische Volk und d.e auuralische Regierung diese Ramenstafel des Kreuzers „Emden" in Anerkennung der Tapferkeit seines Kommandanten, seiner Offiziere und Mannschaften in dem Kampf mit dem australischen Kreuzer „Sydney" auf hoher See bei der Cocos-Jnsel am 9. November 1914 und zum Gedächtnis der Männer und Frauen beider Rationen, die im Weltkriege ihr Leben hingegeben haben."
Die kommunistische Funkpropaganda aus Moskau.
Kowno, 8. Febr. (TU.) Die kommunistischen Stellen in Moskau, die sich mit den internationalen Funksendungen befassen, haben im Jahre 1932 über 21 000 Briefe aus den verschiedenen Ländern erhalten, in deren Sprache im genannten Jahre Rundfunkdarbietungen aus Moskau gesandt worden sind. So trafen ein: Aus Deutschland 8500 Briefe, aus England 6200 und aus Frankreich 2500 Briefe. Die übrigen kamen aus verschiedenen anderen Ländern, so aus China, Japan und Südamerika. Die kommunistischen Hörer im Auslande hätten sich inzwischen au Kollektivgruppen zusammengeschlossen, die für das tägliche Abhören der Moskauer Sendungen Propaganda machen. 3 n Deutschland gebe es 120 Zellen, in Frankreich 450, in England 600, in Belgien 257, t>ie die Moskauer Sendungen aufnehmen. Die Moskauer Sendungen sollen nun kräftig aus- gebaut werden. Uebrigens erhalten die russischen Sendestellen neben den erwähnten Dankschreiben aus den verschiedenen Ländern auch Briefe, die mit „Heil Hitler" oder „Es lebe der König" unterzeichnet sind, worin die ausländischen Hörer ihre Unzufriedenheit mit der kommunistischen Funkpropaganda zum Ausdruck bringen und bedauern, daß die bürgerlichen Regierungen keine wirksameren Gegenmaßnahmen träfen.
Wie-er ein Streik in der amerikanischen Automobilin-ustrie.
Reuhork, 8. Febr. (TU.) Zum zweitenmal innerhalb von 14 Tagen hat Amerika einen großen Automobilstreik. Am Dienstag traten in der Fabrik der Hudson-Motor-Co. in Detroit 3000 Arbeiter, die ausschließlich Fahrzeuggestelle Herstellen, in den Ausstand. Dadurch wurden in der gleichen Fabrik weitere 3000 Mann, die Motoren und die übrigen Automobil- teste anfertigen, zum Feiern gezwungen. Die Aus. ständigen verlangen Lohnerhöhungen von 20 bis 30 v. H., den Achtstundenarbeitstag, die Fünftagearbeitswoche und bessere Arbeitsbedingungen.
Die Werksleitung erklärt, der Ausstand gehe auf die gleichen kommunistischen Anstifter zurück, die kürzlich alle Fordfabri- k e n zum Stillstand brachten.
Aus aller Welt.
Kardinal Frühwirlh f.
Der Dekan des Kardinals-Kollegiums, und Kanzler der römischen Kirche, Kardinal Andreas Fruhwirth, ist in Rom im 88. Lebensjahr gestorben. Frühwirth war zu St. Anna am Aigen (Steiermark) geboren. Er trat zu Graz in den Dominikaner-Orden ein. Nach thomistischen Studien in Rom, wo er noch Zeuge des vatikanischen Konzils und der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas war, lehrte er in Graz als Professor Philosophie und Theologie, wurde später Provinzial der österreichisch-ungarischen Ordensprovinz und 1891 vom Ordenskapitel der Dominikaner zum Ordensgeneral mit dem Sitze in Rom gewählt. Den Satzungen des Ordens gemäß, legte er nach zwölfjähriger Führung des Generalats diese Würde nieder, blieb aber in Rom als einer der intimsten Berater des Papstes. 1907 übernahm er die Nunziatur in München. Er war der erste nichtitalienische Nunzius in München; 1915 wurde er Kardinal und blieb bis November 1916 in München. 1925 übernahm er das Amt eines Großpönitentiars und 1927 das des Kanzlers der hl. Römischen Kirche.
Schwere Bluttat auf einem westfälischen Gutshof.
Auf dem im Westfälischen liegenden Gutshof Engstfeld bei Wipperfürth ereignete sich eine
schwere Bluttat. Der 49jährige Schwiegersohn der Besitzerin des Gutes erschoß mit seinem Jagdgewehr den 50 Jahre alten Stallschweizer Barrabas. Darauf feuerte er noch einen Schuß gegen die Frau des Melkers ab, durch den diese schwer verletzt wurde. Die Frau wurde sofort im Krankenhaus operiert, ist aber nocht nicht vernehmungsfähig. Der Täter wurde festgenommen und dem Amtsgerichtsgefängnis in Halver zugeführt.
Der Ueberfall auf die wiener Schriftstellerin Meller fingiert.
Die Schriftstellerin und Chemikerin Dr. Rosa Meller in Wien legte auf Grund des erdrückenden Beweismatcrials das Geständnis ab, den dieser Tage gemeldeten Raubüberfall im Laboratorium der Arbeiterkrankenkasse fingiert zu haben. Frau Dr. Meller hatte angegeben, sie sei von einem unbekannten jungen Mann überfallen und durch Messerstiche verletzt worden, doch habe sie noch so viel Kraft besessen, dem Täter zwei Fläschchen Salzsäure ins Gesicht zu schütten. Rach dem Gutachten der Gerichtsmediziner kann es als fast vollkommen ausgeschlossen gelten, daß die Verletzungen Frau Dr. Meller von fremder Hand zugefügt worden sind. Cs handele sich nicht um Stichwunden, sondern um ganz leichte Hautrihe. Auch die Richtung der Wunden deutet darauf hin, daß es sich um selbst verursachte Wunden handelt. Frau Dr. Meller befindet sich zur Zeit auf dem Polizeipräsidium, wo sie einem Verhör unterzogen wird.
Im Paradies der Schieber.
Liechtenstein/ -ie Zuflucht -er Gebrüder lotter.
Auf deutschen Universitäten sang man vor vielen Jahren — vielleicht auch heute noch? — ein Spottlied mit dem schönen Refrain: „Und der Fürst von Liechtenstein, dessen Land ist gar so klein, fällt ein Faß Petroleum um, stinkt das ganze Land davon." Größer ist ja der Staat Liechtenstein seither nicht geworden. Er hat immer noch nicht viel mehr als etwa 150 Quadratkilometer, aber das mit dem Faß Petroleum, das stimmt nicht mehr. Denn inzwischen sind die Parfums, die über diesem Fürstentum liegen, so dicht geworden, daß ein einziges tfafj Petroleum dagegen nicht mehr an kann. Es sind ja In den letzten Jahren allerlei interessante Enthüllungen laut geworden über das, was sich in V a d u z) der Hauptstadt dieses seltsamen Staates, alles tut. Die tüchtige Regierung hat frühzeitig erkannt, daß sie viel Geld verdienen kann, wenn sie sich a l s Zufluchtsstätte für alle diejenigen anbietet, die ihr redlich oder unredlich erworbenes Geld vor den Zugriffen neugieriger Steuerbehörden in Sicherheit bringen wollten. Die ganze Gesetzgebung Liechtensteins ist systematisch auf diesen Zweck zugeschnitten. Jeder ist willkommen, der Geld bringt, unter der Voraussetzung, daß er nicht die Absicht hat, irgendwelche Geschäfte zu treiben, um dadurch etwa den Erwerb der „Eingeborenen" zu schädigen. Man kann sogar um sich und sein Vermögen eine eigene Gesellschaft gründen und so allen Finanzbehörden ein Schnippchen schlagen, indem man sich unter den Schutz der Anonymität zurückzieht. Ganze Villenviertel sind allein in Vaduz neu entstanden, deren Bewohner, um sich vor der Neuner etwaiger Besucher aus dem „Ausland" zu schützen, auf jedes Türschild mit Angabe ihres Namens verzichten. Sie wissen ja, daß sie da wohnen, und daß ihnen, so lange Liechtenstein seine schützende Hand über sie hält, niemand ihren Raub ab jagen kann. Sonst aber braucht kein Mensch von ihrer
geheimnisvollen Existenz in Kenntnis gesetzt zu werden.
In dieses Milieu find nun auch die Gebrüder Rotter hineingeraten, die als verkrachte Berliner Theaterdirektoren in den letzten Wochen eine ettoaä traurige Berühmtheit er- I langt haben. Man erinnert sich, daß sie mehr als ein halbes Dutzend Berliner Theater gleichzeitig betrieben, diese Betriebsamkeit aber gesellschaftlich so verschachtelt hatten, daß niemand, selbst die Polizei nicht, durchsehen konnte und dann eines Tages eine Millionenpleite da war, bei der nicht nur Schauspieler, sondern auch die Autoren und das ganze Bühnenpersonal die Leidtragenden waren. Das war schon schlimm genug. Es wird aber noch schlimmer dadurch, daß sich jetzt hinterher herausstellt, daß die tüchtigen Brüder, die sich bei jeder Gelegenheit sonst ihren idealen Theaterfanatismus bestätigen ließen, schon seit ungefähr zwei Jahren diese Katastrophe vorbereitet hatten, indem sie sich klamm- heimlich auf Grund eines Leumundszeugnisses aus Berlin in Liechtenstein naturalisieren ließen; wahrscheinlich doch nicht um des stolzen Gefühls willen, Bürger eines solchen Großstaates zu fein, sondern nur um im Zusammenhang damit erhebliche Geldwerte in Sicherheit zu bringen. Auf diesem Vermögen sitzen sie nun und lachen ihre Berliner Gläubiger aus. Denn ihr neues Vaterland liefert seine eigenen Bürger nicht aus. Die deutsche Staatsanwalt, schäft hat also das Nachsehen. Allerdings nur, solange die Brüder ihre rettende Insel nicht verlassen. Für die umliegenden Staaten gilt das Privileg nicht, und wenn die Rotters einmal ihre Rase in die Schweiz hineinstecken, wird man sie hoffentlich aus diesem Paradies der Schieber endgültig herausholen.
Aus der provinzialhaupista-i.
Direktor Dr. Humper-iuck-Wehlar f.
Gestern ist nach kurzer Krankheit an den Folgen der Grippe der Hüttendirektor der Buderuswerke in Wetzlar Dr. Humperdinck im Alter von 57 Jahren verstorben. Durch den Heimgang Direktor Dr. Humperdincks verlieren nicht nur die Buderuswerke, denen er feit 1920 feine Kraft widmete, sondern auch die Universität Gießen und insbesondere die Gießener Studentenhilfe einen Mann, der in hervorragender Weise feine hohen Gaben der von ihm vertretenen Sache zur Verfügung stellte.
Die Gießener Studentenhilfe hatte an Direktor Dr. Humperdinck, der in Anbetracht seiner großzügigen Hilfsarbeit und seiner gemeinnützigen Gesinnung bei der Förderung hilfsbedürftiger Studenten unserer Llniversität von der Juristischen Fakultät zum Ehrendoktor ernannt wurde, feit vielen Jahren einen ihrer besten Freunde und Helfer. Was Dr. Humperdinck für das studentische Hilfswerk und damit auch für die Llniversität Gießen getan hat, wird in der Geschichte unserer Alma mater Ludoviciana immer als ein Ruhmesblatt verzeichnet bleiben. Er half nicht allein durch Sachspenden und gute Ratschläge, sondern er war auch durch die menschenfreundliche Art seines Llmganges für viele Studenten eine seelische Stühe, die ihnen trotz aller Schwere der Zeit Kraft zum weiteren Ringen um das Vorwärtskommen gewährte.
Das Andenken an diesen warmherzigen Förderer unserer Universität, der auch im Rahmen der Gießener Hochschulgesellschaft sich betätigte, wird in unserer Stadt und insbesondere in den Kreisen der Universität immer in Dankbarkeit lebendig bleiben.
Ausstellung „(Stabt un- Land."
Der Verkehrsverein veranstaltet vom 26. März bis 2. April eine Frühjahrs-Werbewoche, die im Zusammenhang mit dem Früh- jahrs-Pserdemarkt und der immer sehr stark besuchten Frühjahrs-Messe durchgeführt werden soll. Die Veranstaltung soll der Geschäftswelt die Möglichkeit geben, ihre Waren einem großen Konsumentenkreis nahezubringen, sie soll aber auch dem Ziele dienen, dem kaufenden Publikum zu zeigen, in welch vielseitiger und preiswürdiger Weise Einkaufsmöglichkeiten in unserer Stadt enthalten sind.
Als äußerer Hauptpunkt der Werbewoche wird eine Ausstellung unter dem Titel „Stadt und Land" hergerichtet, die die Aufgabe haben wird, die Verbindung zwischen Stadt und Land unter dem Gesichtspunkt des Kaufs deutscher Ware herzustellen. An diesem Charakter der Ausstellung sind zweifellos die weitesten Devölkerungsschichten in Stadt und Land interessiert, denn verstärkter Llmsatz deutscher Erzeug- nisse dient dem Gesamtwohl, aber auch dem Interesse des einzelnen. Die Ausstellung „Stadt und Land" soll insbesondere darauf eingestellt sein, daß sie der Landbevölkerung gute Einkaufs- Möglichkeiten für die bevorstehende bäuerliche Wirtschaftsperiode an die Hand gibt; es wird aber auch Bedacht daraus genommen, daß die städtischen Käuferiuteressen zu einem wesentlichen Teile ihre Erfüllung durch die Ausstellung finden.
Llm die bereits in Angriff genommene Vorbereitung der Ausstellung rechtzeitig abzu- schliehen, ist es notwendig, daß der Vorstand des Derkehrsvereins möglichst rasch einen Lleberblick über das Ausmaß der Beteiligung interessierter Firmen erhält. Zu diesem Zwecke wird im Anzeigenteil des heutigen Blattes darauf hinge- wiesen, daß die Anmeldungen möglichst umgehend, spätestens bis zum 17. Februar beim Vorstand des Derkehrsvereins (Stadthaus Bergstraße) eingereicht sein müssen.
Ilm den Firmen ihre Beteiligung zu annehmbaren Bedingungen zu ermöglichen, wird nur eine geringe Standgebühr erhoben, deren Ausmaß so festgesetzt ist, daß die Kosten für jeden Geschäftsmann tragbar sind. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten und sich umgehend an den Vorstand des Verkehrsvereins wenden. Arbeitgeber un- Bürgersteuerabzug.
Die Bürgermeisterei veröffentlicht in unserem -heutigen Anzeigenteil eine Bekanntmachung über die Bürgersteuer der Lohn- und Gehaltsempfänger. Im Zusammenhang damit weist die Bürgermeisterei besonders darauf hin, daß der Arbeitgeber für die Einbehaltung und Abführung der Bürgersteuer feiner Arbeitnehmer haftet. Falls er dieser Verpflichtung nicht nachkommt, wird die Steuer von ihm durch Haftungsbescheid angefordert und nötigenfalls im Verwaltungszwangsverfahren beigetrieben.
Oer Krieg der Zukunst.
In einer Versammlung der Studentenschaft, zu der auch Gäste aus der Bürgerschaft geladen waren, sprach gestern abend in >cr Reuen Aula General der Infanterie a. D. Tdöllwarth über dos Thema „Der Krieg der Zukunft". Der Vortragende betonte einleitend, daß es immer Kriege geben werde, solange Völker existieren; ebenso wie in der Natur ein ständiger Kampf um den Lebensraum sich abspiele, werde auch immer zwischen den Völkern ein Ringen des Stärkeren gegen den Schwächeren sein. Deutschland wolle keinen neuen Krieg, denn wer den Krieg kennen gelernt habe, sehne ihn nicht herbei und werde ihn nicht absichtlich wollen. Aber Deutschland fordere Sicherheit vor einem Krieg, Schutz des heimatlichen Bodens vor kriegerischen Verheerungen und damit Sicherheit für jeden einzelnen des Volksganzen.
Der Redner erläuterte sodann kurz den Begriff „Kriegsziel", das eine politische und eine militärische Seite habe und im Verlaufe des Krieges auch wandelbar sei. Das militärische Kriegsziel werde stets fein, die feindlichen Streitkräfte so rasch und so gründlich wie möglich zu vernichten, das politische Kriegsziel bestehe darin, aus dem Ergebnis der militärischen Operationen den größtmöglichsten Vorteil für das eigene Land zu ziehen. Unter diesem Gesichtspunkt seien alle Maßnahmen der Staatsleitung auf das Ziel einzustellen. Unter gewissen Umständen fei auch für ein Volk die Notwendigkeit gegeben, einen Präventivkrieg zu führen, um künftigen ungünstigen Entwicklungen für es selbst vorzubeugen; z. B. wäre es für Deutschland günstig gewesen, im Jahre 1905 einen Präventivkrieg zu führen, als Rußland durch den Krieg mit Japan gefesselt war.
Weiter gab der Redner einen lleberblick über die Entwicklung der Kriege, der Waffentechnik und der Materialoerwendung bis auf den gegenwärtigen Stand. In diesem Zusammenhänge betonte er besonders die Wichtigkeit der Geheimhaltung neuerer Erkenntnisse und Verbesserungen dec Kampfmitteltechnik, damit gegenüber dem Feind immer das starke Wirkungsmittel der Ueberrafdjung gegeben sei- Er beschäftigte sich dann mit den Lehren des Stellungskrieges und des Raumkrieaes, welch letzterer durch die Flugzeuge und U-Boote zu dem Fläckjenkrieg hinzugekommen fei. Er warnte bei dieser Gelegenheit vor Illusionen über geheimnisvolle Kampfmittel und betonte demgegenüber die Notwendigkeit der starken einheitlichen Willensbildung eines Volkes zur Durchsetzung seiner Ziele und zur Erringung und Sicherung seiner nationalen Freiheit. Nachdem der Redner noch über die Entwicklung des Gaskampfes, der Tanks, der U-Boote und der Flugzeugwaffe, sowie die Vernebelungstechnik gesprochen hatte, beleuchtete er in großen Zügen die militärische Ungleichheit zwischen Deutschland und seinen Nachbarn anhand eindrucksvoller Zahlen über die Heeresstärken und die Ausrüstung mit Waffen aller Art. Auf Grund dieser Betrachtung betonte er die Wichtigkeit der deutschen Forderung nach einem Rüstungsstand, der uns befähigt, unsere Grenzen und damit die Sicherheit unseres Volkes zu schützen.
Am Schlüsse seines Vortrages schilderte der Redner die voraussichtliche Entwicklung des Krieges der Zukunft, die wahrscheinlich mit schlagartigem Lieberfall des ungeschützten Landes durch feindliche Flugzeuggeschwader, mit Vergasung, Brandbomben usw. beginnen wird, aber dennoch die Gegenwehr nur verzögern, sie jedoch nicht unterbinden kann. Die Waffenwirkung, insbesondere durch Artillerie und Flieger, schilderte der Redner sowohl für die Zeit des Aufmarsches der Streitkräfte, wie auch für den Beginn und Verlauf der Operationen auf Grund der Erkenntnisse, die nach dem heutigen Stand der Dinge zu ziehen sind. Er kam aber zu dem Schluß, daß nicht die Macht der Kriegsmaschine und die Technik der Waffen, sondern immer noch der einzelne Mensch und damit die moralische und geistige Spannkraft eines ganzen Volkes schließlich den Ausschlag in dem kriegerischen Ringen geben werde. Aus dieser Sachlage zog er die Schlußfolgerung, daß bei einem Kriege der Zukunft das ganze Volk beteiligt und handelnd mit tätig sein müsse, und je stärker und einheitlicher der Wille zum Sich- durchsetzen sei, um so besser stünde es um die Erfolgsausfichten dieses Volkes.
Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. S. Magnifizenz der Rektor Professor Dr. Je ß sprach dem Redner den Dank der Zuhörer aus.
Sinn un- Be-eutung
-es freiwilligen Arbeits-ienstes.
Die Loge „Hafsia" im Guttemplerorden vereinigte gestern abend ihre Mitglieder im Saale der „Herberge zur Heimat". In Vertretung des erkrankten Regierungsrates Dr. B u e s sprach Studienrat Dr. König über den freiwilligen Arbeitsdienst. Freiwilliger Arbeitsdienst bedeute, unter dem Gesichtswinkel der Vergangenheit betrachtet, etwas Neues. Die Wurzeln der Bewegung feien ideeller und praktischer Natur. Die ideelle fei aus dem Kriege gewonnen, aus einer Art Frontgeift, aus einem Gemeinschaftsgeist geworden. Im FAD. feien die „Ferien vom Ich" verwirklicht. Fronterlebnis wurde Grundlage für Zukünftiges. Aus dem „Interesse" sei „Dienst" geworden. Das habe sich zunächst im Bündischen geäußert; man wandte sich (hauptsächlich in der Jugendbewegung) von der Zivilisation ab, der Kultur, dem Boden, der Landschaft aber zu. Jugend habe des Denken in Profit und Strebertum überwinden wollen. FAD. im heutigen Ausmaß wäre allerdings nicht gekommen ohne die Krise. Es mußte eine Form der Betätigung für die Arbeitslosen gefunden werden. Der Erwerbslose dränge nach sinnvoller Arbeit.
Mit Geldunterstützung allein sei der Mensch seelisch nicht stabil zu halten. Arbeitsdienst sei heute keine allein reichsdeutsche Angelegenheit mehr, er wurde vielmehr zur Volksdeutschen Bewegung. FAD. diene zunächst der Jugend. Aus der bloßen Betätigungsmöglichkeit sei Idee geworden, dienend der Gemeinschaft, aber nie dem privaten Menschen. Freie Arbeit dürfe aber nicht behindert werden; zusätzliche Arbeit gebe es in Deutschland genug zu leisten. Indirekt werde die Wirtschaft befruchtet. Schwierigkeiten bereitete naturgemäß die Finanzierung. Im Mittelpunkt stehe aber doch die sittliche Idee. Wichtig wurde deshalb die „Freizeit" mit ihrem lebensförderndem Geiste, mit ihrem Ziele, den


