Nr. 34 Erstes Blatt
183. Jahrgang
Donnerstag, 9. Februar MZ
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Was wird der Knegsschuldenkongreß vonWashmgion bringen?
Kuhhandel um Wirischastskonzessionen zwischen Amerika und England. Gefahren für Deutschland.
Don unserem H. W. v. D.-Derichterstatter. (Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Reuyork, Februar.
Rachdem zum ersten Male in der amerikanischen Geschichte der neugewählte Präsident (Roosevelt) unter dem Druck der wirtschastlichen Rotlage zugcstimmt hat, sich bereits vor seinem Amtsantritt direkt an entscheidenden Regierungsvcrhandlungen zu beteiligen, können die europäischen Schuldnerländer bereits Anfang März daran gehen, die Kriegsschulden- Verhandlungen wieder aus^unehmen und diesesmal voraussichtlich zu Ende zu führen. Würde cs sich hierbei nur um eine interne Regelung alliierter Schulden an Amerika handeln, so könnte sich Deutschland mit der Rolle eines interessierten Beobachters begnügen. Dadurch aber, daß die kommenden Verhandlungen in Washington in weitgehendem Mähe auf die Gebiete der Abrüstung, der Währungsstabilisicrung, der Schuhzollsragen und des Lausanneabkommens übergreifen werden, erhält diese Konferenz für Deutschland, ohne daß es selber an ihr teilnimmt, ganz besondere Bedeutung. Wenn auch die für März vorgesehenen Kriegsschuldenver- Handlungen mit den nichtsäumigen Schuldnern (England, Italien usw.) wahrscheinlich das Schema für die später zu erwartenden Verhandlungen mit den säumigen Schuldnern (Frankreich, Belgien, Polen usw.) abgcbcn werden, so ist damit nicht gesagt, daß diese nicht auch Deutschland stark interessierende Fragen berühren werden.
Die zunächst stattsindcnden englisch-amerikanischen Verhandlungen werden dos übliche Bild des politischen Kuhhandels bringen. Die Vereinigten Staaten sehen, daß sie ihre ausstehenden Milliardenbeträge (englischer Restbetrag rund 2.5 Milliarden Dollars) nicht eintreiben können und versuchen nun, die unumgängliche Schuldenherabsetzung gegen möglichst viele und wertvolle Konzessionen einzuhandeln. Die Engländer werden voraussichtlich die Verhandlungen mit dem Verlangen nach völliger Streichung der Kriegsschulden beginnen und sich unter Ausnützung ihrer günstigen Lage als Schuldner nur schrittweise zu Konzessionen bereiterklären. Sollte das neue englisch-amerikanische Schuldenabkommen englische B ar g e l d z a h - lunaen an Amerika vorsehen, so besteht die Gefahr, daß England (gleich den anderen europäischen Echuldnerländern) auf die im Lausan ne-Abkommenvorgefehenendrei Milliarden Reich s m a r k zurückgrei- f e n wird, wodurch sich die in Deutschland trotz rechtzeitiger Warnung verbreitete Illusion schwer rächen würde, daß nämlich die im Lausanne- Abkommen vorgesehene deutsche Zahlung von drei Milliarden Reichsmark „praktisch hinfällig" ist.
Der Wunschzettel der Amerikaner für wirtschaftliche Konzessionen im Austausch ge- gegcn eine Herabsetzung der Kriegsschulden ist lang und mannigfaltig. Es ist in letzter Zeit häufig berichtet worden, daß Amerika u. a. auf einer „Rückkehr Englands zum Goldstandard" bestehen würde. Das ist nicht ganz richtig, abgesehen davon, daß sich England nicht so leicht seine Hauptwaffe der gemäßigten Inflation aus der Hand schla- aen lassen wird; außerdem hat London in seiner Annahme der amerikanischen Einladung nach Washington zum Ausdruck gebracht» daß es die Währungsfrage nicht einseitig mit Amerika, sondern nur durch Verhandlungen mit den beteiligten Großmächten auf der Weltwirtschaftskonfe- r e nz zu verhandeln bereit sei. Wohl aber werden die USA. im Interesse ihres Außenhandels versuchen, England zu einer Stabilisierung des Pfund Sterlings zu bewegen, vielleicht mit dem Hintergedanken, anschließend durch eine A n - Passung des Dollars an den heutigen Wert des Goldes (d. h. durch eine Deflation) die Rohstoffpreise zu erhöhen und die fremde Einfuhr zu drosseln. Von englischer Seite wird dieses Verlangen mit derselben Begründung, daß es sich nämlich um eine amerikanische Einmischung in eine englische innerpolitische Angelegenheit handelt, zu- rückgewiesen werden.
Amerika wird weiter versuchen, zur Erschließung neuer Absatzgebiete Handelskonzes- fionen im britischen Weltreich zu erzielen und dadurch die Abmachungen der Weltreichs-Konferenz von Ottawa anzugreifen. Die Vereinigten Staaten haben die Gültigkeit der Ottawa-Beschlüsse niemals anerkannt, da diese angeblich die amerikanischen Handelsverträge mit Kanada und anderen unabhängigen britischen Dominien verletzen. England bringt hiergegen das Argument vor, daß die Ottawa-Verträge einen Akt britischer Selb st Verteidigung gegeit die ständig erhöhten Schutzzoll- mauern anderer Länder und besonders der LISA, darstellen. Es ist deshalb eher anzunehmen, daß man sich in Liebereinstimmung mit Roosevelts Absichten nicht auf einseitige britische, sondern aus gegenseitige Handelskonzessionen einigen wird. Die von Hoover in den letzten Tagen wiederum angedrohte Schutzzollerhöhung für Waren aus Ländern mit entwerteter Währung läßt bereits den Kurs erkennen, den diese wirtschaftlichen Besprechungen nehmen werden.
Es ist zu erwarten, daß der neugewählte amerikanische Kongreß, in welchem Roosevelt über
eine Zweidrittelmehrheit, bestehend aus Demokraten und progressiven Republikanern, verfügt, die zu erzielende Kriegsschulden-Revision, wenn auch nach langem Pallaver g u t h e i ß e n wird. Denn wenn Washington auch versuchen wird, so viel wie möglich aus der Gläubigermasse herauszuholen, so darf es doch den Dogen nicht Überspannen. Ein Mißerfolg der Washingtoner Verhandlungen würde nämlich England zwangsläufig in die von den Vereinigten Staaten so gefürchtete europäische Einheitsfront treiben und gleichzeitig die Stellung der Vereinigten Staaten auf der Weltwirtschaftskonferenz bedeutend erschweren.
Deutschland nimmt an den Washingtoner Konferenzen nicht teil und läuft daher Gefahr, daß man sich auf seine K o st e n einigen wird, besonders, nachdem deutsche Kreise durch unbegreiflich optimistische Aeußerungen über unsere Wirtschaftslage Wasser auf die Mühle unserer Vertragsgegner gegossen haben, und es erhebt sich die dringende Forderung, daß die deutschen offiziellen Stellen nicht nur durch gelegmtliche Reden der führenden Persönlichkeiten, sonoern durch eine weitverbreitete, intensive Propaganda das Ausland immer wieder auf die tatsächliche deutsche Zahlungsunfähigkeit Hinweisen, wofür z.B. die bevorstehenden Still- halteverhandlungen ein dankbares Feld abgeben würden.
Hoover für Valuta-Ausgleichzölle
Schutz des amerikanischen Binnenmarkics.
Washington, 8. Febr. (WTB.) Präsident Hoover betonte heute erneut die ungünstige Wirkung, die die verstärkte Einfuhr von etwa 150 Warenarten aus Ländern mit unter- wertiger Währung auf den amerikanischen Arbeitsmarkt und die inneramerikanifchen Kreise habe. Solle diesem Mißstand abgeholfen werden, so müsse entweder das Ausland zur Goldwährung zurückkehren, oder die Bereinigten Staaten müßten Ausgleichszölle errichten. Gegen die Errichtung solcher Ausgleichszölle haben sich die Demokraten und auch der Finanzunterausschuß des Repräsentantenhauses erst vor wenigen Tagen wieder ausgesprochen. Präsident Hoover hat seinerseits kürzlich wenn auch nicht einen Ausgleichzoll, so doch eine Verschärfung der Ver- zollungsvorschriften für japanische Gummiwaren verfügt. Der auf diesen Waren ruhende Wertzoll wird Danach nicht mehr nach den Herstellungskosten in Japan, sondern nach dem Großhandelspreis in den USA. für gleichartige amerikanische Waren berechnet. — Gegen die Einfuhr von Holz und Eisen aus Skandinavien werden von den amerikanischen Interessanten weiterhin heftige Proteste erhoben.
Eine Industrie „schustert sich empor".
An der Wiege der deutschen Schuhindustrie.
Während der französischen Besatzungszeit ist die Stadt Pirmasens in der Pfalz zu einer gewissen Berühmtheit gelangt. Als räubernde Separatistenhorden durch das Land zogen und versuchten, dieses kerndeutsche Land vom Reiche abzutrennen, packte eines Tages die biederen Pfälzer die Wut: Sie bewaffneten sich mit Dreschflegeln, Mistgabeln und Jagdgewehren und schlugen in der „Schlacht bei Pirmasens" das Separatistengesindel in blutigem „Gefecht" derart zusammen, daß ihm für alle Zeiten die Lust verging, die Pfalz vom Reiche abzutrennen.
Spricht man heute von Pirmasens, so denkt man unwillkürlich an jene Schlacht. Aber diese pfälzische Stadt ist auch in anderer Hinsicht von besonderer Bedeutung: in ihren Mauern stand sozusagen d i e Wiege der deutschen Schuhindustrie. Aus allerkleinsten Anfängen hat sich diese Industrie im wahrsten Sinne des Wortes emporgeschustert. Heute ist Pirmasens nicht nur zur Schuhmetropole Deutschlands, sondern zu einem Mittelpunkt der Weltschuhindustrie geworden. Die Vorläufer der Pirmasenser Schuhindustrie sind ehemalige Soldaten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert wurde der kleine pfälzische Ort durch den Landgrafen Ludwig IX. von Hessen zum Standort eines Grenadierregiments und einer Abteilung roter Husaren gemacht. Als Ludwig IX. 1790 starb, wurde das Regiment aufgelöst, die Offiziere verschwanden und die Grenadiere hatte ausgedient. Run hatten die Frauen der Grenadiere zur Vermehrung des 5-Kreuzer-Svldes seither Hausschuhe aus Tuchabfällen und Wvllgestrick hergestellt. Als das Regiment aufgelöst war, zogen die ehemaligen Soldaten und ihre Frauen mit Tragkörben und Kiepen ins Badische, nach dem Schwarzwald, ins Elsaß und nach Frankreich, um mit diesen Hausschuhen zu hausieren. Aus Frankreich brachten sie manche
neue. Erfahrung mit. Bereits 1815 hatte sich die Pirmasenser leichte Schuhmacherei einigermaßen entwickelt. Schon kurz nach 1820 waren die Pirmasenser nicht mehr nur Hausierer, sondern Marktliefe- ranten auf den Jahrmärkten des südlichen Badens, des Mittel- und Niederrheins, sowie der schweizerischen Grenzorte. Ende der 60er Jahre ist Pirmasens bereits Fabrikationsz entrum. In 13 größeren und 63 kleineren Unternehmungen wurden jährlich 130 000 Dutzend Paar Stiefel und Schuhe im Werte von 2 Millionen Gulden hergestellt. In jahrzehntelanger, mühevoller Arbeit fetzte sich der Aufstieg fort: 1912 betrug die Zahl der Schuhfabriken bereits 300 mit 12 500 Arbeitern und, einer Erzeugung von über 13 Mill Paar im Werte von 70 Millionen RM.
Krieg und Kriegsfolgen haben die Stadt Pirmasens und ihre Industrie stark getroffen. Wieder einmal mußte sich die Zähigkeit der Pfälzer beweisen. Die Pfalz wurde Aufmarschgebiet der deutschen Armeen, Etappe, Einmarschgebiet fremder Besatzungstruppen, Tummelplatz der Separatsten- Horden, und trotz all dieser Schicksalsschläge hat sich die Schuhindustrie ihren Weg emporgebahnt: Heute beträgt ihre Jahreserzeugung im Durchschnitt der letzten fünf Jahre 24 Millionen Paar Schuhe im Werte von 150 Millionen Mark. Blättern wir in dem „Goldenen Buch" der deutschen Schuh- und Lederwirtschaft, das jetzt anläßlich seines 75jährigen Bestehens der Zeitschrift „Schuh und Leder" herausgegeben wurde, so sehen mir die große Bedeutung von Pirmasens und der umliegenden Dörfer in der deutschen Schuhindustrie. In Pirmasens steht ein Schusterbrunnen, der die Inschrift trägt: „Der Schuh hat hier uns groß gemacht, drum Schuh und Schuster nicht veracht." Das gilt nicht nur für die Pirmasenser Schuhindustrie, sondern für die deutsche Schuhindustrie überhaupt.
Die „Zeven provimien" noch nicht gestellt.
Ein neuer Funkspruch her „Sieben Provinzen".
Bei den niederländischen Regierungsstellen ist ein neuer Funkspruch vom Panzerkreuzer „Sieben Provinzen" eingelaufen, in dem die Besatzung ihre Kapitulation unter den von ihr früher gestellten Bedingungen anbietet. Das Telegramm trägt die Unterschrift: „Die europäische und indische Besatzung." Weiter werden die Empfänger des Funks pruchs gebeten.'die übergeordneten Regierungsstellen davon zu unterrichten, daß der Meuterei keinerlei kommunistische Tendenzen zugrunde lägen und daß die Besatzung keine Gewaltakte beabsichtige. Sie habe lediglich gegen die Soldkürzung und die Verhaftung ihrer Kameraden protestieren wollen.
Auf her Zagh nach heu iuhischeu Meuterern.
Amsterdam, 8. Febr. (WTB.) Der Panzerkreuzer „Zeven Provincien" bewogt sich weiterhin in langsamer Fahrt — sechs bis sieben Knoten — in südlicher Richtung, und zwar längs der Insel Siberoet in Richtung auf die Stadt
B e n t o e I e n. Die Abnahme der Fahrtgeschwindigkeit wird damit erklärt, daß die Meuterer so sparsam wie möglich mit dem Brennstoff umgehen Dürften. Der aus südlicher Richtung eingetroffene M i - nenleger „Goldener Löw e'^ führte auf der Höhe von Padang eine Umgehungbewegung in nordwestlicher Richtung aus. Der Panzerkreuzer „I a v a" und die beiden ihn begleitenden Torpedobootsjäger hatten bis heute mittag die Sunda» ftraße noch nicht erreicht. Bor morgen dürften sie auch nicht dort sein. Der aus nördlicher Richtung den Panzerkreuzer verfolgende Regierungsdampfer „E r i d a n u s" ist durch ein Schwesterschiff, die ,,O r i o n", abgelöst worden, die den Kommandanten der „Zeven Provincien" und die ihn begleitende Truppenabteilung übernommen hat.
In europäischen Kreisen hat es Beunruhigung her- oorgeruren, daß es heute bereits der vierte Tag ist, an dem die Meuterer unbehindert längs der Westküste der Insel Sumatra kreuzen. Es sind sogar Befürchtungen laut geworden, daß die Meuterer aus reinem Uebermut Küstenplätze b e - schießen könnten. Diese Besorgnis ist vermutlich Darauf zurückzuführen, daß in West-Java in der Umgebung der Stadt Serang Abteilungen des Land- Heeres konzentriert werden. Erhebliches Aufsehen hat eine Meldung des „Deli Courant" erregt, wonach der Kommandant des meuternden Panzerkreuzers mehrere Stunden vor dem Ausbruch der Meu
terei die Warnung erhalten habe, daß ernstliche Ereignisse bevorständen. Er scheint aber diese Warnung als unglaubwürdig i n b e n Wind geschlagen zu haben.
Auswirkungen her Meuterei.
In verschiedenen Orten Niederländisch-Jndiens fanden öffentliche Kundgebungen statt, um den Kolonialbehörden zu zeigen, daß die Mehrheit der Bevölkerung loyal eingestellt ist. Es machen sich aber auch andere Symptome bemerkbar. So beabsichtigten verschiedene nationalistische Organisationen, in Kundgebungen ihrer Sympathie mit den Meuterern Ausdruck zu verleihen. Diese Kundgebungen wurden jedoch überall verboten. Auf dem Kreuzer „I a v a" hat man bei Bekanntwerden der Meuterei auf dem Panzerschiff „Sieben Provinzen" eine Reaktion der eingeborenen Maaten und Matrosen befürchtet, da beinahe die Hälfte der 514 Kopse zählenden Bemannung aus Eingeborenen besteht. Die Offiziere trieben deshalb, unterstützt von europäischen Unteroffizieren und Matrosen, das aus Eingeborenen bestehende Schiffspersonal in bestimmte Räume, die unter ftrenge Bewachung gestellt wurden. Daraufhin wurde der Kreuzer von dem europäischen Teil der Bemannung nach Surabaja gebracht, von wo er später wieder in Richtung Sunda-Straße abging.
Wahlzusammenschluß Der Miiielparieien.
Berlin, 9. Febr. (CRD.-Funkspruch.) Rach- dem sich die Bildung eines Christlich- nationalen Blockes auf breiter Grundlage als unmöglich erwiesen hat, haben Deutsche Dolkspartei, Christlich- Sozialer Volksdienst und Deutsche Bauernpartei das von ihren Parteileitungen vorbereitete technische Wahlabkomme n in Kraft gesetzt, das dazu dienen soll, alle Möglichkeiten des Wahlgesetzes zugunsten der Sicherung aller für diese Parteien abgegebenen Stimmen auszuschöpfen. Die drei genannten Parteien stellen zu diesem Zweck einen gemein- samenReichswahlvorschlag auf, an den alle einzelnen, selbständigen Kreiswahlvorschläge dieser Parteien angeschlossen werden. Die Deutsch-Hannoveraner sind dem Christlich-Sozialen Volksdienst angeschlossen. In dem Abkommen wird ausdrücklich festgestellt, daß die politische Selbständigkeit der vertragschließenden Parteien nicht berührt wird.
Zollerhöhungen für Vieh, Fleisch und Schmalz.
Berlin, 9. Febr. (WTB. Funkspruch.) Auf Vorschlag des Reichsministcrs für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Hugcnberg hat die Reichsregierung zunächst zugunsten der besonders schwer darniederliegenden deutschen Viehwirtschaft eine Reihe wichtiger Zollerhöhungen beschlossen. Es handelt sich um eine Verstärkung desZoll- schuhes für leben des Vieh, Fleisch und Schmalz. Auf diesen Gebieten soll jede überflüssige Einfuhr vermieden werden. Im einzelnen werden erhöht der Zoll für lebendes Rindvieh auf 50 Mark je Doppelzentner, für Schafe auf 45 Mk. und entsprechend für lebende Schweine auf 50 Mark je Doppelzentner. Die Fleischzölle werden erhöht auf 100 Mark je Doppelzentner für frisches Fleisch; 150 Mark je Doppelzentner für Fleisch einfach zubereitet und auf 280 Mark je Doppelzentner, zum feineren Tafelgenuß zubereitet.
Ein Einfuhrbedarf liegt bei diesen Erzeugnissen nicht vor. Die deutschen Viehbestände sind größer als vor dem Kriege und reichen für die einheimische Versorgung völlig aus. Ein Eingreifen war auf diesen Gebieten dringend, da die Preise im Verhältnis zur Vorkriegszeit hier besonders nirdrig liegen. So beträgt beispielsweise der Index für die gegenwärtigen Preise bei Rindern nur 53, bei Schweinen 67, bei Schafen 64, bei Vieh insgesamt 62 v. H. gegenüber der Vorkriegszeit.
Die Erhöhung des Schmalzzolles auf 5 0 Mark hat die Aufgabe, eine stärkere Deckung unseres Fettbedarfes aus einheimischer Er- zeugung herbeizuführen. Diese Maßnahme ist für unsere Schweinezucht von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Der außerordentliche Tiefstand der Schweinepreise hat zu einem nicht unerheblichen Teil seinen Grund in den Absatzschwierigkeiten für Schweinefett, Die unter Dem Einfluß einer steigenden Schmalzeinsuhr eintraten. — Die erhöhten Zollsätze treten mit Ablauf der Zollbindungen im deutsch-schwedischen Handelsvertrag am 15. 2. 1933 in Kraft.
„Pilsner" contra „Deutsches Pilsner".
Seit Iahrzehnten bestand zwischen dem Bürgerlichen Bräuhaus in Pilsen und verschiedenen deutschen Brauereien ein Rechtsstreit um die von den letzteren eingeführte Bezeichnung „Deutsches Pilsens r". Das Bürgerliche Dräuhaus hatte eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs angestrengt, weil deutsche Brauereien Bier herstellten und es in Verbindung mit dem Rainen des Riederlassungsortes der betreffenden Brauerei als „Pilsener" in den (Handel brachten. Wie so viele andere, so ruhte auch dieser Prozeß nicht eher, bis das Reichsgericht jetzt im Iahre 1933 die seit langem lau-
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