Auch in Madrid Unruhen.
Madrid, 9. Jan. (WTB. Funkspruch.) Die Aus- standsdewegung in Barcelona hat nun auch auf eine Reihe anderer Städte ü b e r gegriffen. Starke polizeiliche Sicherungsmaßnah- inen, die in Madrid getroffen wurden, haben sich als notwendig erwiesen, denn bereits in den späten Abenstunden versuchte eine Gruppe Radikalgesinnter, eine im Weichbild Madrids gelegene Kaserne zu stürmen. Es kam au einem Feuergesecht, bei dem einer der Angreifer verletzt wurde. Gegen 2 Uhr nachts fand eine Besprechung im Innenministerium statt.
In L e r i d a sind die Aufständischen in die In- fanteriekaserne eingedrungen, wurden aber nach kurzem Feuergefecht, dem vier Personen zum Opfer fielen, zurückgeschlagen. Auch ein Sturm auf das Schloß wurde erfolgreich abgeschlagen. Die Aufständischen büßten zwei Mann ein. Zu kleineren Unruhen kam es in Oviedo und Saragossa.
In Barcelona sind nach den letzten Nachrichten achtPersonenumsLeben gekommen ; 20 Personen wurden verletzt, vier von ihnen schwer. Unter den Verhafteten befindet sich der bekannte Anarchist Garcia Olivier. Man ist in Barcelona der Auffassung, die Bewegung sei von den Syndikalisten deshalb entfacht worden, weil man der Regierung den Beweis habe erbringen wollen, daß man nicht untätig fei. Die Polizei hält die Bewegung für endgültig gescheitert.
Regierungskrisis in Rumänien.
Das Genfer Protokoll im Hintergrund.
Bukarest, 7. Ian. (ERB. Eigene Meldung.) D'.e heute in Sonderausgaben erschienenen Blätter melden von neuen Schwierigkeiten des Kabinetts Maniu. In der Lage der Regierung ist eine Wendung eingetreten, da der König die vom Innenminister vorgeschlagene Absetzung des Polizeipräfekten der Hauptstadt und des Kommandanten der Gendarmerie, die ohne Genehmigung der Regierung verschiedene Maßnahmen getroffen hatten, nicht gebilligt hat. Die Regierung, die dies als Ausdruck des Mißtrauens betrachtet, hat sich mit dem Innenminister solidarisch erklärt. Di« offizielle Heberreichung der Demission des Gesamtkabinetts dürfte erst am Dienstag erfolgen. Heber die Gründe der Spannung zwischen König und Regierung ber.ch- ten di« Sonntagsblätter noch, daß der König «inen Antrag des Finanzministers über eine Kürzung der O f f i z ie r s g e h L l t e r um 7 Prozent abgelehnt habe.
Die Blätter heben hervor, daß eine Regierungskrise am Bortage der Wiederaufnahme der Genfer und der Pariser Verhandlungen bezüglich der Sanierung der rumänischen Finanzen dem Lande eine schwierige Lage bereiteten. Rach Ansicht informierter Kreise ist die Krisis für Maniu nur ein Dorwand, durch den eigenen Rücktritt von der Notwendigkeit entbunden zu werden, das Genfer Protokoll unterzeichnen zu müssen, das unverhüllt auf eine Finanzkontrolle in Rumänien hinausläust. Es sind nur zwei Möglichkeiten vorhanden- Entweder wird der König den Minister des Innern, Michalak«, bevollmächtigen, den Gendarmerie- und Polizei- präfetten abzusetzen. In diesem Falle würde die Regierung bleiben und weiterhin vor der schweren Entscheidung stehen, die Genfer Bedingungen anzunehmen oder abzulehnen. Halt der König jedoch die beiden von ihm ernannten Generäle auf ihren Posten, dann wird das Gesamtkabinett zurücktreten. In diesem Falle würde aber die Frage von Neuwahlen akut werden, die möglicherweise den Liberalen die Mehrheit bringen würden. Ein liberales Kabinett dürfte aber kaum den Wünschen der Krone entsprechen, so daß man mit großer Spannung bjn Ereignissen entgegensieht.
Die Beisetzung des ermordeten Berliner Hitlerjungen.
Berlin, 7. Ian. (TH.) Am Samstagnachmittag erfolgte in Berlin unter starker Qlnteil- nafnne der nationalsozialistischen Parteigenossenschaft die Beisetzung des Hitlerjungen Walter W a g n i tz , der im 16. Lebensjahre in der Reujahrsnacht am Wedding von einem politi-schen Gegner durch Bauch st ich schwer verwun- d e t worden war und bald darauf seinen Ver- letzungen erlegen ist. Der Trauerzug führt« vom Leichenschauhaus in der Rahe des Oranienburger Tores am Schloß vorbei durch Alt- Berlin und den Südwesten nach dem allen Luisen- städ tischen Friedhof an der Bergmann straße. Einig« Hundert Kranze wurden von Hitlerjugend, Braunhemden und Parteigenossen in Zivil dem Zuge vorangetragen. Es folgte ein Wald von umflorten Standarten, Fahnen und Wimpeln. Den mit vierspännigen Leichenwagen geführten Sarg, dem Fackelträger der Hitler- lugend zur Seite gingen, deckte die Hakenlreuz- flagge. Im weiteren Gefolge des nach Zehn- tausenden zähleirden Trauerzuges marschierteir außer starken Abteilungen uniformierter Rationalsozialisten auch Partei-angehörige in Zivil. An der offenen Gruft sprach nach dem Geistlichen Reichsjugendführer Baldur von Schirach. Dann «rtlärt« der Berliner Gauleiter Dr. Goebbels, daß man diesen 16jährigen unbekannten Iungen wie einen König zu Grabe getragen habe. Bei aller Trauer erfülle es mit tiefem Stolz, daß gerade die ärmsten Kinder unseres Bolkes bereit seien, ihr Leben für eine betrete Zukunft einzusehen und zu opfern. — Fackeln beleuchteten die von den Fahnen und Standarten umgeben« Gruft. Rach dem Dorbeimarsch an der Gruft traten die SA.-Abteilungen, wiederum gefolgt von Tausenden von Parteimitgliedern, den Rückmarsch durch Berlin an, um der Kundgebung im Lustgarten beizuwohnen.
Kunst und Wissenschaft.
Der Mann, der 200 Sprachen beherrscht.
Am 10. Januar wird der als Kenner von 20 0 Sprachen weitberühmte Frankfurter Privatgelehrte Dr. Ludwig Harald Schütz60Iahre a [ t. Dr. Schütz, der Begründer des bekannten Frankfurter Vereins für Orientalische Sprachen, Hessen Dozent er noch heute ist, ist in Traunstein (Oberbayern) geboren und ist von Haus aus Mathe- matiker, Physiker und Naturforscher. Vergleichende Sprachstudien machten ihn schließlich mit Über 200 Sprachen teils eingehender, teils flüchtiaer bekannt. Als Frucht dieser Studien veröffentlichte er zahlreiche sprachliche Werke. Während des Krieges im Großen Türkischen Hauptquartier tätig, hatte er
in
Aus der Provinzialhauptstadt
Ein frecher Banditen st reich wurde Göggingen bei Augsburg ausgeführt. In einer der letzten Rächte verübte ein« dreiköpfige Einbrecherbande einen Raubübers all auf das Verwaltungsgebäude der Lebeg (Lebensmtttel- Einkaufs-Genossenschaft) im ehemaligen Artil- lerie-Depot Göggingen. Der Wächter, ein einarmiger Kriegsinvalide wurde niedergeschlagen, gefesselt und geknebelt. Dann durchschnitten die Täter die Fernsprechleitung, drangen in den Kassenraum ein und nahmen die lediglich in Schubladen verwahrten Barbeträge an sich. Zufällig waren am Vorabend noch größere Beträge eingegangen, so daß die Beute etwa 1 2 000 Mark betragen dürfte. Erst nach einer Dreiviertelstunde gelang es dem Wächter, sich frei zu machen und die Polizei zu verständ.gen. Inzwischen waren die Räuber, die sich durch Gesichtsmasken unkenntlich gemacht hatten, entkom
schon vordem in über 20 Sprachen den Behörden amtlich Auskunft gegeben. Erst kürzlich hat Dr. Schütz, der auf ein reiches, alle Gebiete umfassendes schriftstellerisches Schaffen zurüaoucken kann, eine Sammlung lyrischer Ucbertragungen aus fünfzig Sprachen veröffentlicht.
Aus aller Well
Frecher Landttenstreich in Göggingen.
Wettervoraussage.
Die nördliche Störungstätigkeit hat nach Skandinavien einen Wirbel gebracht, dessen Einfluß auf dem Kontinent stärker ist als der zur Zett noch bestehende hohe Druck. Ein ausgedehntes Nieder- schlagsfeld beherrscht ganz Frankreich und Deutsch- land bis zur Elbe. Da durch den Druckfall zunächst maritime Luft aus höheren Breiten zufließt, so wird der Witterungscharakter wechselhaft bleiben, noch schauerartige Niederschläge werden auftreten und die Temperaturen gehen vorerst etwas zurück.
Vorhersage für Dienstag: Verander- liches Wetter, wolkig und aufklarend, noch Schauer, auf den Bergen als Schnee, leicht auffrischende um West drehende Winde.
Vorhersage für Mittwoch: Anhalten der wechselhaften Witterung, vereinzelte Niederschläge mit späterer Milderung.
Lufttemperaturen am 8. Januar: mittags 3,1 Grad Celsius, abends 4,3 Grad; am 9. Jan.: morgens 3,9 Grad. Maximum 4,5 Grad, Minimum 1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Januar: abends 0,5 Grad: am 9. Januar: morgens 0,7 Grad. — Niederschläge 7 mm.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
men.
Lin „Fliegender Hamburger- für die Sahara?
Der.Fliegende Hamburger", der neue Schnelltriebwagen der Reichsbahn, soll in den nächsten Tagen eine neue Fahrt unternehmen, an der sich viele ausländische Sachverständige beteiligen werden. darunter sechs Bertreter einer Pariser Gesellschaft. Man trägt sich nämlich mit Plänen, Wagen und Art des .Fliegenden Hamburgers" auf der TranS-Saha ra-Dahn einzu- setzen, die augenblicklich noch im Bau ist und bei der technische Schwierigkeiten wegen des Betriebsstoffes bestehen.
Raubüberfall und Bombenanschlag.
Nach einem Raubüberfall auf den Rittergutspächter Steinirfe, Streithof bei Stettin, an dessen Folgen dieser gestorben ist, wurden vier Täter verhaftet, die nach Mitteilung der Polizei der SA. angehören. Die Polizei hat, wie eine amtliche Verlautbarung besagt, ferner ermittelt, daß es sich um dieselben Personen bandelt, die im letzten Sommer den Bombenanschlag auf das Gebäude des sozialdemokratischen „Stettiner Volksboten" verübten. Weitere Festnahmen sind bereits erfolgt. Der an den Folgen des Raubüberfalles gestorbene Rittergutsbesitzer Steinicke, Streithof, war Vorsitzender des
Zuchthaus
für einen ungetreuen Postagenten.
Darmstadt, 8. 3an. (WSR.) Wegen fortgesetzter Amtsunterschlagung, Fälschung und Vernichtung von am t li,ch en Hrkünden sowie unrichtigen Eintragungen in die Bücher hatte sich der Kaulftnann und Postagent Georg Böhrer aus Dreieichenhain vor dem Bezirksschöffengericht zu verantworten. Das Geschäft des jungen Mannes war seit einiger Zeit durch die Rotlage und durch eine neu aufgetauchte Konkurrenzfirma gefährdet und so konnte er nicht widerstehen, gelegentlich und immer wieder einen kleinen Griff in die Amtskasse zu tun. Durch geschickte Falfcheintragungen und Zurückhalten von Zahlkarten wußte der Angeklagte seine Manipulationen bis zum April 1932 zu verdecken. In der Verhandlung war er m allem geständig, nachdem er vorher nur zugegeben hatte, was man ihm strikt« nachweifen konnte. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Iahreinen Monat Zuchthaus, will aber die Hmwand- lung in Gefängnis befürworten.
Aach Zahnbehandlung nicht rauchen!
WSR. Alzey, 8. Ian. Der Sohn eines hiesigen Gastwirts hatte trotz Warnung nach erfolgter Zahnbehandlung sofort geraucht. Es stellt« sich infolge der Rikotineinwir- kung Blutvergiftung ein, an deren Folgen der junge Mann schwer erkrankte. An seinem Auftommen wird gezweifelt.
Verhinderter Zuwelendiebstahl.
F r a n k f u r t a. M., 8. Jan. (MSN.) Am Samstagabend drang ein Einbrecher über den Balkon von der Gartenseite aus in eine Villa in der Bet- tinastraße ein, um einer dort wohnenden Familie Juwelen zu stehlen. Er hatte bereits eine Kassette, in der sich Juwelen im Werte von etwa 20 000 Mark befanden, geöffnet, als er durch Zufall von einer Frau, die bei der Familie zu Besuch weilte, überrascht wurde. Die Frau wollte nämlich ein Fenster schließen. Als sie einen Vorhang auseinanderschob, faßte sie in ein Messer, das der hinter dem Vorhang versteckte Dieb in der Hand hatte. Die Frau verletzte sich an der Hand und schrie laut auf. Dadurch wurde der Einbrecher verscheucht und er entkam unerkannt. Seine Beute mußte er im Stich lassen.
Zwei lauggesuchte Kellereinbrecher festgenommen.
Frankfurt a. M., 7. Jan. (WSN.) Kürzlich wurden zwei langgesuchte Kellereinbrecher von der Polizei bei einem Einbruch überrascht und fe ft genommen. Schon seit längerer Zeit haben beide Kellereinbrüche verübt und hauptsächlich Weine gestohlen. Zum Fortschaffen des Diebesgutes benutzten sie einen Koffer und ein Dreirad. Als sie am 3. Januar aus einem Keller in der ©arten» straße 70 Flaschen Wein entwendet hatten, konnte einer der Täter festgenommen werden, während der zweite mit etwa 30 Flaschen Wein flüchtig ging. Auch er wurde später ermittelt und festgenommen. Bei den Tätern handelt es sich um den 27jährigen Reisenden Ludwig Heim und den 40jährigen Kaufmann Anton Gambert.
Kaninchenzüchter in Kelsterbach beteiligten sich die Züchter und Mitglieder des Kaninchenzuchtvereins Gießen: Schellhaas, Kreiling, Hllrich- Gießen, Dtroh-Wieseck, vom Verein Großen- Linden W. Zarth und vom Verein Daubringen Fr. Wagenbach-Mainzlar. Trotz stärkster Konkurrenz wurden 5 Ehren-, 5 erste, 3 zweite und 2 dritte Preis« errungen. Außer diesen wurden für besondere Zuchtleistung in der Selbstzuchtklasse den Züchtern Zarth (auf Marburger Feh) und Hllrich (auf Rheinische Schecken) die Meistertitel- Auszeichnung verliehen.
(Strafkammer Gießen.
* Gießen, 6. Ian. Ein Händler aus Vilbel wollte am 9. Rovember 1931 auf der Provinzial- strahe bei Dortelweil ein PferdefuhrwÄ in langsamer Fahrt überholen, als er im Rebel einen ihm schnell entgegenkommenden Motorradfahrer bemerkte. Er bog wieder nach rechts ein und bremste, um nicht auf das Fuhrwerk aufzufahren. Infolge des schlüpfrigen Kleinpflasters kam das Auto etwas ins Schleudern und stieß mit dem Motorrad zusammen, dessen Fahrer dabei schwer verletzt wurde. Das Amtsgericht Vilbel hatte den Autofahrer von der Anklage der fahrlässigen Körperverletzung freigesprochen. Rach eingehender Verhandlung, in der außer einer Reihe von Zeugen auch drei Autosachverständige gehört wurden, verwarf die Strafkammer, dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, die Berufung des als Rebenkläger zugelassenen Motorradfahrers. Auch das Berufungsgericht war der Auffassung, daß nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme dem Angeklagten ein Verschulden nicht nachgewiesen sei, insbesondere nicht festgestellt werden könne, daß er unter den gegebenen Um« ständen zu schnell gefahren sei und in nicht sachgemäßer Weise das Fuhrwerk zu überholen versucht habe.
graben haben: strahlende Kinderaugen mustern die dampfenden Speisen, und mit Vorliebe verzehren die Kinder eingemachte Zwetschen und Schlehen, die vor Jahren im Vogelsberg nie auf dem Tische fehlten. Die Sorgen des Alltags werden vergessen, und nicht fetten sitzt man bis zu Mitternacht beisammen und verlebt Stunden, die sich so tief einprägen, daß man sie »m Leben nie vergißt.
Der Außenstehende, der den Winterabend auf dem Lande aus der Erinnerung der Kindertage kennt, oder ihn schon miterlebt hat, ist davon über- zeugt worden, daß diese Verbundenheit, die Bodenständigkeit, das Verwurzettsein mit Scholle und Heimat hohe innere Werte schassen, die Träger der Heimat- und Vaterlandsliebe sind. I. B.
Spende für die Winternothilfe.
Don der Geschäftsstelle der Gießener Winternot- Hilfe wird uns mitgeteilt, daß die Kohlenhandlung von Emil Lotz, Kaiserallee, 100 Zentner Kohlen zur Abgabe an die Hilfsbedürftigen gespendet hat.
Weitere Spenden für das Hilfswerk werden jeder- zeit gerne angenommen.
’-tio rni) tuen.
— Tageskalender für Montag: FGF.: 20.30 Uhr, Monatsversammlung, „Germania". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Schützenkönig".
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*♦ Schüler können dem Jung-Stahl- heim angehören. Der hessische Kultusminister hat den Direktionen und Leitern der höheren Schulen und der gewerblichen Unterrichtsanstatten, sowie den Kreis- und Stadtschulämtern in einer Verfügung mitgeteilt, daß er das im Ausschreiben vom 12. Mai 1926 ausgesprochene Verbot der Zugehörig- keit von Schülern zum „Jungstahlhelm" aufgehoben habe.
♦♦ Nothelferversammlung. Die im Anzeigenteil vom Samstag angekündigte Nothelfer- Versammlung findet am Donnerstag, 12. Januar (nicht am 19. Januar) in der „Stadt Mainz" statt.
** Derhaftungen. Am Samstaa wurden der 29 Jahre alte Schuhmacher Hubert Köcher aus Köln wegen Betrugs (Fahrgeldhinterziehung) und ein 24 Jahre alter Milchausträger von hier wegen Sittlichkeitsverbrechens festgenommen.
*• „Hochland-Symphonie". Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße lief gestern vormittag wiederum ein Film, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Berglandschönheit zu zeigen. Die un- endliche Mannigfaltigkeit der bayerischen Alpen, die vielfältigen landschaftlichen Reize der Doralpen, der bayerischen Seen, der herrlich gelegenen Königsschlösser, der Wasserfälle in den wildesten Felsklüf- ten, das alles war mit großer künstlerischer Sicher- heit im Bilde erfaßt und in hoher tecknischer Voll- enbung wiedergegeben worden. Da sah man die Berge, die, zum Teil von Nebeln mystisch umhüllt, gigantisch aufragten, da sah man die freundliche Kapelle St. Borthoholrnä am Königsfee vor dem dunklen Hintergrund stell aufragenber Felsen im Sonnenscheine leuchten, man schritt mit den Skiläufern und Bergsteigern die von der Fülle des Schnees ausgeglichenen Halden hinan, um dann auf schmalen Graten zu wandern und die Wolken über die Gipfel treiben zu sehen, silbern durchleuchtet vom Glanz der reineren Sonne dieser Höhen. Namen klangen auf, deren Klang mit der Schönheit der Landschaft zu einem Begriff geworden sind. Man nahm im Geiste teil am Fest St. Leonhards in Tölz (dem Feste der Pferde), am Fron- leichnamsfest auf der Insel Frauenwörth, sah dem Holzschnitzer von Oberammergau bei seiner Arbeit über die Schütter, fuhr mit der Drahtseilbahn nach steilem Aufstieg von der Zugspitze zu Tal und erlebte so durch den Film Schönheit und Originalität eines Landes, das vom Schöpfer mit einer lieber- fülle des Reizvollen gesegnet ist.
•• Erfolgreiche Kaninchenzüchter. Vom Kaninchenzuchlverein Gießen wird uns mitgeteilt: An der Landesverbands-AussteUung Hess.
In der Berliner Automobilausstellung werden die meisten Wagen mit Continental-Reifen ausgestellt. Es sind dies'die besten Reifen — Überall bevorzugt.
Kreisvereins Randow der D N D P., ferner Stahlhelmmitglied und Vorsitzender des Kriegervereins Glasow-Steithos Es handelt sich jedoch um eine reine Kriminaltat, bei der bisher nicht die geringsten politischen Beweggründe seftgesteltt worden ’ Die Kreisleitung Stettin der NSDAP, teilt dazu folgendes mit: „Die an dem Streithofer Ueberfall Beteiligten gehören der NSDAP, nicht mehr an. Die NSDAP, hat bereits in mehreren Fällen seftgestellt, daß als Provokateure und Spitzel in die NSDAP, entsandte politische Gegner vorsätzliche Handlungen begangen haben, die geeignet waren, das Ansehen der NSDAP, zu schädigen. Da auch in diesem Fall der Haupttäter aus marxistischenKreisen zur NSDAP, übergetreten ist, besteht der begründete Verdacht, daß der Sprengswffanschlag auf den „Dolksboten" eine von politischen Gegnern der NSDAP, angezettelte Provokation ist. Die Kreisleitung Groh-Stettin der NSDAP, hat mit dem Sprengstoffanschlag auf den „Dolksboten" nichts zu tun und lehnt ausdrücklich der- artige Terrorakte als für die Organisation unvereinbar a b."
Blutiger Streif in einem Sofioter Restaurant.
In einem vornehmen Restaurant der Stadt Sofia hat sich ein blutiger Zwischenf all abgespielt. An einem Tisch« faß der angefdjene Rechtsanwalt A p o st o lo w in Gefellfchaft des Fabrikanten M a g e r o f f. Als der SektionSchef des Kriegsministeriums, Pawlow, in Gesellschaft einer Dame das Lokal betrat, machte der Advokat eine Bemerkung über die Dame, worauf er von dem Obersten gestellt wurde. Es entspann sich ein heftiger Wortstreit, in dessen Verlauf der Advokat mit einem Stuhl auf den Obersten einschlug, während der Fabrikant eine Weinflasche nach dem Offizier schleuderte. Der Oberst zog darauf einen Revolver und tötete den Advokaten durch einen Schuß, während er den Fabrikanten so schwer verletzte, daß dieser gleichfalls wenige Minuten später starb. Rach der Tat lief der Oberst in seine Wohnung, wo er eine Bombe Äur Explosion brachte, die ihn gräßlich verstümmelte.
Schweres Linsturzungück auf Korsika.
Bei einer Trauerfeier in Ajaccio auf Korsika, der über 100 Personen beiwohnten, stürzte die Decke in der zweiten Etage eines Hauses ein. Sämtliche Trauergaste wurden in di« Tiefe gerissen. Zwei Frauen wurden als Leichen geborgen, während 17 Personen schwer beriet) t wurden, sv daß si« ins Krankenhaus ge- । schafft werden muhten.
Winierabenh auf hem Lande.
Der Tag neigt sich seinem Ende zu. Dämmerung schleicht leise durch die Natur. Krächzende Raben ziehen über das Dorf, um in dem nahen Walde einen sicheren Unterschlupf für die Nacht zu finden. Die Glocken verkünden das Nahen der Nacht. Flink eilen die letzten spielenden Knaben dem Elternhause zu. Durch die rußigen Fenster der Dorsschmiede leuchtet der Helle Schein des Schmiedefeuers: auf dem Amboß erklingen die wuchtigen Schläge des Dorfschmiedes. In den Hofreiten rasseln die Eimer, ein Zeichen, daß die Fütterung der Haustiere nur noch kurze Zeit in Anspruch nimmt. Dunkel wird es auf den Dorfstraßen.
Dann ist es auf einmal still im Dorfe geworden. Nichts stört den tiefen Frieden in Haus und Hof. Die Familie hat sich an den Tisch gesetzt, um das einfache, aber kräftige Abendessen einzunehmen. Nur noch kurze Zeit, dann ist groß und klein im Wohnzimmer um den warmen Ofen versammelt. Wohl ist die Ofenbank, auf der die Nachbarn Platz zu nehmen pflegten, eine große Seltenheit geworden, und die Zimmereinrichtung ist mehr oder weniger der modernen Zeit angepaßt: manches alte Möbelstück hat auf dem Speicher oder sonstwo einen wenig ehrenvollen Platz gesunden. Das Beschauliche, dieses traute Zusammensein, wie es vor dem Kriege noch überall auf dem Lande üblich war, hat manches an innerer Wärme eingebüßt, und trotzdem ist der Winterabend auf dem Lande auch heute noch etwas ganz Besonderes, etwas, was der Städter nicht kennt und niemals in der Form nachahmen könnte.
Der Großvater hat im Sessel in der Nähe des Ofens Platz genommen; die Großmutter strickt; die Mutter bringt Strümpfe und Kleider für die Kinder in Ordnung; der Vater lieft eifrig in der Zei- tung, und die Buben und Mädchen spielen mit Pup- pen und Baukasten. Nach einer kleinen Weile tritt der Nachbar, vielleicht auch die Nachbarin mit dem Strickstrurnps, ein, und nun beginnt eine rege Unterhaltung. Die Tagesneuigkeiten des Dorfes wer- den besprochen, und gar oft werden harte Urteile gefällt. Tagesereignisse fröhlicher und trauriger Art bieten reichlich Stoff zur Unterhaltung. Man spricht von dem Vieh, den Preisen, den schlechten Zeiten, und nicht zuletzt spielen Verlobung, Hochzeit, Kindtaufe in dem Dorfe bei dem Gespräch eine große Rolle. Auch die hohe Politik kommt zu ihrem Recht, und rückhaltlos werden die Notverordnungen und die Anordnungen der Regierung kritisiert. Erleb- nisse aus dem Weltkrieg werden ausgetauscht und bieten Gesprächsstoff für manchen Abend. Bei guten Reden „fließt die Arbeit munter fort". Ebenso schnell verfliegen die Stunden, und um 10 Uhr verlassen die Nachbarsleute die Stube, damit sie recht- zeitig zu Bett kommen, und am nächsten Morgen mit frischer Kraft ihrer Tagesarbeit nachgehen können.
Indessen hat sich die Jugend in der Spinnstube versammelt. Es wird nicht mehr gesponnen, aber leißig gestrickt. Burschen und Mädchen unterhalten ich; Volkslieder, aber auch moderne Schlager werden gelungen. In manchen Orten des Vogelsbergs ist im Winter das „Achtläuten" noch üblich. Da gehen die Kinder zu Bett, und die Spinnstube zieht singend durch die Straße des Dorfes. Leider wird das alte Volkslied nicht mehr so gepflegt, und alte Sitten und Gebräuche der Spinnstube kennt man längst nicht mehr.
Ein ganz besonderes Ereignis im Winter ist das Schlachtseft, die Metzelsuppe, die in diesem Zusam- menhang nur kurz erwähnt werden soll. Verwandte und gute Bekannte kommen am Abend, um das Ende des arbeitsreichen Tages festlich zu begehen. Während der Hausherr noch am Wurstkessel seines Amtes waltet, herrscht in der Stube schon reges Leben, und die Gäste haben sich bereits um den weiß gedeckten Tisch gesetzt, um Sauerkraut und Wellfleisch zu essen. Da geht ein Zug von innerem Glück und Zufriedenheit über die Gesichter der Allen, in die Arbeit und Sorge oft tiefe Furchen ge°


