Ausgabe 
8.11.1933 Zweites Blatt
 
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Kr. 262 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen) Mittwoch, 8.November 1935

Aus Oer Provmzialhauptkadt.

Oie Verhütung von Frostbeulen.

Von Or. med. Paul Becker.

Wenn man erst Frostbeulen hat, ist es zu spät, dagegen einzuschreiten. Im allgemeinen trifft es schon zu, daß Menschen, die einmal Frostbeulen be» kommen haben, auch später immer wieder dazu neigen. Und doch ist es. eines der lästigsten winter­lichen Uebel, die wir kennen. Erfrorene Hände sind höchst unschön und erfrorene Füße eine wirkliche Pein: die Schuhe passen nicht mehr, und wenn die Füße heiß werden, so stellt sich ein unerträgliches Jucken ein.

Frostbeulen sind eine Blutstauung, kommen also immer dann vor, wenn der Blutumlauf nicht rich­tig funktioniert. Man muß deshalb nicht bei der Behandlung der Frostbeulen anfangen, da sie nur eine Folgeerscheinung sind, sondern man muß das Uebel bei der Wurzel, dem mangechaften Blut- uinlauf, packen.

Ein Hilfsmittel, das aber nur sehr kräftige Per­sonen anwenden dürfen, ist das halte Bad am Mor­gen. Das bringt das Blut so kräftig in Umlauf, daß einem stundenlang hinterher ganz warm ist. Wer sich das nicht zumuten kann, soll, sowie er aus dem Bette kommt, den ganzen Körper kräftig mit den Händen reiben.

Daß man keine engen Schuhe oder Handschuhe trogen darf, ist eigentlich selbstverständlich.

Dadurch, daß man an kalten Tagen in der Nähe des Ofens hockt, gewinnt man nichts. Lieber soll man, wenn man fröstelt, so viel körperliche Uebun- gen machen, daß der Körper selber die nötige Wärme erzeugt. Diese Körperwärme ist unbedingt das beste Schutzmittel gegen andere Leiden und Krankheiten; Wärme, die von außen herangebracht wird, tonn nur wenig nützen. Man findet vielmehr immer wieder, daß Menschen, die in allzu warmen Zimmern sitzen, regelrechtverpimpeln". Wer tags­über eine sitzende Beschäftigung im Hause hat, soll morgens, ehe er sich zur Arbeit niedersetzt, einen kurzen, schnellen Spaziergang machen. Er wird da­durch so erwärmt, daß der Körper auch einen kal­ten Tag gut übersteht.

Stellen sich aber trotz der Borbeugungsmaßnah­men Frostbeulen ein, so soll man keineswegs die körperliche Bewegung unterlassen, aber man muß dann zugleich auch noch andere Maßnahmen an- wenden. Eine der zuverlässigsten Behandlungen sind Wechselbäder, und zwar taucht man die erkrankten Stellen in so heißes Wasser, wie man irgend er­tragen kann, läßt sie so lange darin, bis man die Hitze nicht mehr empfindet, und taucht sie dann in kaltes Wasser, oder läßt sie mit kaltem Wasser überrieseln, worauf man wieder heißes Wasser nimmt und so fortgesetzt. Hinterher reibt man sie dann mit Olivenöl, dem man etwas Menthol bei­gemischt hat, ein.

Beim Waschen soll man die Regel befolgen, daß man immer, wenn man Hände ober Füße in war­mem Wasser gewaschen hat, sie zuletzt in kaltem Wasser nachwäscht, worauf man mit dem Hand­tuch so lange reiben muß, bis keine Spur von Feuch­tigkeit mehr auf der Haut ist. Hierauf pudert man die Haut mit einem einfachen Hautpuder ein und reibt mit der Hand abermals kräftig nach.

Wenn man all diese Maßnahmen richtig aus­führt, wird man höchstwahrscheinlich einem Win­ter ohne Frostbeulen entgegengehen.

Oos Stadftheater wirbt'

Unser Ziel: dos Theater eine Gemeinschaft, an der jeder teilnehmen soll.

Jeder kann und muß mittun. Es gilt der neuen Richtung auch im Theaterleben den Untergrund im Volke ju schaffen. Die Kunst soll und wird dem Volke gehören.

Soll ich 'Abonnent werden, oder eineZwölfer­karte" erwerben, oder derDeutschen Bühne" bei- treten-? Wir wollen alle gewinnen für den Neuauf­bau des Theaters. Auch auf deinen Baustein kommt es an.

Heber alle Fragen geben Auskunft Büro und Kasse des Theaters.

Mittun müssen alle bis auf den Letzten.

Jeder Volksgenosse muß teilhaben an seinem Stadttheater. __________

Gießener Stadttheater.

Johann Strauß:Wiener Blut."

Der Wiener Walzer, dessen Ende bereits des öfteren prophezeit worden ist, Hal nicht nur alle noch so ernst gemeinten miesepetrigen Prognosen seither immer wieder Lügen gestraft, sondern er hat bei uns gerade in letzter Zeit eine förmliche Renaissance erlebt. Man braucht dabei nicht nur ans Theater zu denken, sondern darf auch an die Mode im Gesellschaftstanz und vor allem an den Tonfilm erinnern, der mit dem tanzenden Wiener Kongreß einen seiner stärksten, weit über die Grenzen des Reiches hinaus reichenden Erfolge erzielt hat.

Zur Zeit des Kongresses spielt auch die drei- aktige Operette von Victor Leon und Leo Stein, deren Musik zu den populärsten Schöpfungen von Johann Strauß gehört. Sie darf als die typische Wiener Operette älteren Stils gelten und als ein vollkommener Ausdruck jener uns Heutigen sehr fern gerückten, gänzlich historisch gewordenen und nur noch gleichsam hinter Nebelschleiern erkenn­baren Epoche. Kostüm und Personal, Melodie und Handlung, gesellschaftliche Schichtung und Begrifss- bilbung sinb aus einem in sich geschlossenen Kultur­kreis hervorgegangen.

Das Libretto arbeitet mit den typischen Requi­siten unb Situationen bes Gesettschafts- unb Kon­versationsstücks. Es. fvinnt feine Fäden im Sinne der diplomatischen .-rhandlungen. jener Zeit zwi­schen den entlegensten Bezirken, also etwa dem Wiener Hofe und der Residenz von Reuß-Schleiz- Greiz" und gewinnt schon aus der landschaftlich grotesk wirkenden Gegenüberstellung der beider­seitigen Repräsentanten die zuverlässigsten Wirkun­gen. Vor allem aber durch ein überhaupt nur bühnenmäßig zu entwirrendes Ueberskreuz und Durcheinander von legitimer Bindung und jener unsterblichen unb unvergleichlichen Wiener Spezia­lität, bis unter bem SammelbegriffGspusi" zwang­los und großzügig untergebracht wirb unb als bas berühmtesüße Mäbel" bis in unsere Zeit hinein ein wesentlicher Typus ber österreichischen Literatur geblieben ist.

Was aber bie musikalische Seite betrifft, so braucht kaum daran erinnert zu werben, wie völlig die Begriffe Johann Strauß und Wiener Walzer

Beginn der Winterarbeitsschlacht.

Der bisher erreichte günstige Stand der Arbeits­losigkeit muß mit allen Mitteln gehalten werden. Da. zu dient vor allem die sofortige Bereit st e l. lung derArbeiten.die ohne Hinderung durch Witterungseinflüsse auch im Winter durchgeführt werden können. Die Reichsregierung hat für die Wintermonate ein großzügiges Programm für die Durchführung von Jnnenarbeiten auf- gestellt, die in der Hauptsache dem privaten Haus­besitz zugute kommen. Außer den Hausbesitzern er­halten auch die Mieter Reichszuschüsse für die Schönheitsreparoturen und Jnflandsehungsarbeiten in ihren Wohnungen. Die Inangriffnahme dieser Arbeiten wird Tausenden von Volksgenossen Arbeit unb Brot geben. Die Belebung des Baumarktes be­lebt die gesamte Wirtschaft. Deshalb müssen diese Arbeiten sofort aus breitester Front in Angriff genommen werden.

Die Zahl der reparaturbedürftigen Gebäude und Wohnungen ist so groß, daß fast jeder Hausbesitzer unb zahlreiche Mieter Arbeiten vergeben können.

Ich weise hiermit die Kreis- unb Ortsgruppen- leitet an, sich im Einvernehmen mit den Landräten, Bürgermeistern unb Arbeitsämtern mit den ört­lichen Hausbesitzer- und Mieterorga- nifationen in Verbindung zu sehen und durch aufklärende Vorträge in Hausbesitzer- und Mieter­versammlungen auf alle Möglichkeiten hinzuweisen, die die neuen Bestimmungen über die Gewährung der Reichszuschüsse für Instandfet - zungr-, Ergänzungs- und 11 ra b au ar­beit e n geben, bie Hausbesitzer und Mieter zu be­raten unb bei der Durchführung der Arbeiten in jeder Beziehung zu unterstützen. Die Arbeitsämter erhalten entsprechende Anweisungen durch das Lan­desarbeitsamt.

Ich erwarte, daß jeder zu seinem Teil dazu bei­trägt, bas Winterprogramm der Reichsregierung verwirklicht zu sehen, und unter Einschaltung des bodenständigen Handwerks Arbeitslose in weitestem Umfange in Arbeit und Brot zu bringen.

gez.: Sprenger.

Arbeit und Brot" für alte Kampfer.

Unter Bezugnahme aus meinen letzten Aufruf vom 19. Oktober d. I. weise ich daraus hin. daß für die Unterbringung von land-, forst- und Milchwirtschaft, lichen Angestellten die Bezirksstellennachweise des Deutschen Land- und Forslangestelllenverdandes, so­wie die anerkannten Stellenvermittlungen der An­gestelltenverbände innerhalb der Deutschen Arbeits­front ebenfalls den Arbeitsämtern gleichgestellt sind. Sie verfahren im Sinne meiner Anordnung. Die Unternehmer des Reichsnährstandes werden hiermit aufgefordert, alle Arbeitskräfte dieser Art bei diesen Stellen anzufordern und durch Doppelverdiener- Entlassungen freigewordene Arbeitsplätze neu zu be­sehen. gez.: Sprenger.

Hiller schasst Arbeit!

Weitere bewilligte Maßnahmen im Arbeitsbe­schaffungsprogramm:

Einmalige hochbauliche Jnstanbsetzungs- unb Ergänzungsarbeiten an stäbt. Miet- Häusern in Wiesbaben 2000

Einbau von elektrischen Lichtanlagen in stäbt. Mietwohnungen in Worms 1000

Verbesserung ber Spannungsoerhältnisse des Licht- unb bes Kraftnetzes in

Frankfurt a. M. 2330

Ausbau ber Erpe für Vorflutbeschaffung in Oe» meinbe Ehringen 2600 Tagewerke auf ber Baustelle.

Ausbau ber Warne für Vorflutbeschaffung in Zierenberg 7800 Tagewerke a. b. B.

Ausbau ber Twiste unb Erpe unb bes Stabt- brudjgrabens zur Vorflutbeschaffung in Volkmarsen 15 000 Tagewerke a. b. B.

Lahnverbreiterung im Bobenfell» und Herstellung einer Flutöffnung an ber Eisenbahn­brücke unterhalb ber Stabt Wetzlar 54 273 Tage- werke a. b. B.

Herstellung eines Lahnburchstiches beim Has­st u t Altenberg, Kreiskommunalverbanb Wetz­lar, 38 406 Tagewerke a. b. B.

Deutschtum in Rumänien.

Der Nationalsozialistische Lehrerbund im Kreise Gießen, Gau Ausland, veranstaltete am Montag in ber Pestalozzischule einen Vortrag. Stubienassessor Dr. Maul sprach über basDeutschtum in Ru­mänien". Der Redner wies in seinen Ausführun­gen insbesonbere auf die grundsätzlichen Berschte- benheiten zwischen bem Deutschtum ber Siebenbür­ger Sachsen unb bem ber Banater Schwaben hin. Er beschäftigte sich babei mit bem Wesen unb ber völkischen Eigenart ber Siebenbürger Sachsen, die ihr Deutschtum inmitten eines fremden Landes über 7 Jahrhunderte hinweg in vollem Umfange aufrechterhalten konnten. Die ersten Siebenbürger Sachsen seien im 12. Jahrhundert nach Siebenbür­gen ausgeroanbert, so führte ber Rebner u. a. aus, ihre Einheit habe sich bewähren können, nicht zu- zuletzt durch die geographische Geschlosienheit bes Laubes, burch religiöse Binbungen unb burch bie Tatsache, baß bas Volk stets als eine Kampfgemein­schaft gegen bie verschiebensten Gegner (Papst, Mongolen, Türken, Rumänen) habe auftreten müs­sen. In ber Gegenwart sei ber Kampf um bas Laub Siebenbürgen roieber heftiger, ba bie Rumänen nach wie vor Anspruch auf bie Landschaft erheben, bie ursprünglich von ber rumänischen Urbevölkerung bewohnt gewesen fein solle. In Siebenbürgen habe sich nur bie fämpfenbe Gemeinde erhalten können, ein einzelner Hof stelle in diesem Lande eine Un­möglichkeit bar. Als freie Bauern unterstünden bie Siebenbürger Sachsen lebiglich bem König.

Nachbem ber Rebner Einzelheiten über bie Ge­schichte bes Siebenbürger fianbes zur Kenntnis ge­bracht hatte, roanbte er sich ben Verhältnissen in

ber Gegenwart zu unb sprach insbesonbere von der Einigung der Deutschen in Rumänien unter ber SiebenbürgerNations-Universität". Der Unter­schieb zwischen ben Siebenbürger Sachsen unb ben Banater Schwaben sei letzten Enbes barin zu sehen, baß bie Banater Schwaben erst im 18. Iahrhunbert nach dem Banal gekommen seien unb in bieses Land schon ben freiheitlichen liberalistischen Geist, der nach ber Zeit ber französischen Revolution auf­gekommen sei, mitgebracht haben unb in jener in- divibualistischen Haltung einen Teil bes völkischen Zusammenhaltes opfern mußten. Allerbings fei bas in den letzten Jahren mit dem steigenden Erwachen des deutschen Nationalbewußtseins auch im Banat anders geworden. Die Behanblung der mannig­fachen Probleme des europäischen Südostens be­dürfe, so schloß der Redner seinen mit großer Auf­merksamkeit aufgenommenen Vortrag, einer beson­deren Behandlung.

Die interessanten Ausführungen wurden durch unterhaltsame Schilderungen von Pfarrer Dr. Kaufmann ergänzt.

Daten für Mittwoch, 8. November.

1773: ber preußische General Friedrich Wilhelm von Seiblitz in Ohlau gestorben (geboren 1721); 1923: Hitler proklamiert in München die nationale Diktatur.

Bornotizen.

Tageskalenber für Mittwoch: Stabt- theater, 19.30 bis 22 Uhr,Wiener Blut". Licht- spielhaus, Bahnhofstraße:Der Walzerkrieg" mit Renate Müller unb Willy Fritsch.

zu einer bis heute fortroirfenben, gültigen Ein­heit verschmolzen sinb. Unb ber schwungvolle Drei­vierteltakt bes großen Walzers, bem bie Operette ihren Namen verbankt, beherrscht nicht nur ben Mittelakt, fonbern charakterisiert zugleich rhythmisch unb melobisch bie gesamte Partitur.

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Die fließende Aufführung unter ber fleißigen unb gepflegten Regie von Paul Wrebe verhalf bem Stück zu einer bantbar willkommen geheiße­nen Neubelebung. Die Herren Löffler (Bühnen­biiber) unb Keim (Beleuchtung) hatten im Sinne bes Altwiener Biebermeier gefällige Dekorationen für bie klassischen Schauplätze in Döbling unb Hietzing, unb burch bie Einführung von Zwischen- vorhängen eine szenisch geschickte Glieberung bes Spielraumes geschaffen. Am Dirigentenpult wirkte Kapellmeister Cujö mit leichter Hanb unb saube­ren Einsätzen, währenb Herr ulke bie Em- Kubierung ber Tänze überwacht hatte. Die große GruppeGeschichten aus bem Wiener Walb^ im zweiten unb bas IntermezzoBeim Volksfest" im britten Akt (Elsa Metz unb Maja von Rabe­nau) fanben allgemein lebhaften Anklang.

Auch bas Ensemble war mit Hingabe um ein wohltemperiertes Zusammenspiel bemüht. Die Gra- fin Gabriele würbe von Maria Perry elegant unb sicher gespielt unb gesungen. Sybille Fl e m - ming gab mit leichter Koketterie, vielleicht um einen Ton zu seriös für biese Partie, bie Tänzerin Cagliari, Erna Renz in munterem Gegensatz die naturfinblid) naive Probiermamsell Pep« unb führte ben Tanz ber Komtessen im Mittelakt an.

Herr Wrebe war als lockerer unb munbferti- ger Lakai ein treuer Diener feines ungetreuen Herrn unb herzhaft wienerisch ganz m fernem Element. Herr Fierment bemühte sich> gut ge­launt um bie gesanglich (abgesehen vom Mittelakt) nicht befonbers bankbare Partie bes flatterhaften Grafen Zeblau. Herr Hub als reußischer Minister unb Intenbant König als wienerischer Karussell- besitzer Kagler brachten zwei liebevoll abgerunbete luftige Personen. Herr Volck als arbmar vom Leber ziehenber Fiakerkutscher unb Herr M i ch e in ber repräsentativen Rolle bes Grafen Bitowski fügten sich bem Ensemble treffsicher ein.

Die Neueinstubierung fand bei gut besuchtem Hause eine freundliche Aufnahme. htb.

Merkwürdige Zeugen nordischerVorzeit

Auf ben Arraninseln, bie wie ein Wellenbrecher vor ber Galway-Bucht an ber Westküste Irlanbs liegen, gibt es gewaltige Felsblöcke. Die Sage er­zählt, baß die Männer von Connemara sie vor langen Zeiten auf die Inseln geworfen haben. Wenn man an ber Küste bes nahegelegenen Lanb- oorfprungs von Connemara steht, möchte man glau­ben, baß biese Inseln für ein sagenhaftes Riesen- geschlecht ein verlockendes Wurfziel gewesen sein müssen. Arramore, bie größte ber Inseln hat eine uralte Geschichte. Seit unbenklichen Zeiten haben Menschen auf ihr gehaust, was uns seltsam erscheint, benn der Boben ist sehr kärglich, und noch heute lebt die Bevölkerung vornehmlich von Fisch­fang unb vom Einsammeln einer bestimmten Art von Seegras. Ueberall finden wir Ruinen, bie ernsten Zeugen grauer Vergangenheit. Auf einem Felb gibt es allein bie Ueberreste von sieben ver­lassenen Kirchen, aus einem anderen befindet sich ein vollständig erhaltenesWohnhaus" in ber Form eines Bienenkorbes. Man kann noch heute hinein' kriechen und sich an ben grob zugehauenen Herb­stein setzen, lieber ben abschüssigen Klippen ragen die stolzen Trümmer dreier großer Befestigungen mit Wällen, Treppenstufen, Wehrgängen unb Ter­rassen empor, bereu Anlage schätzungsweise um 1500 v. Chr. erfolgte. Es gibt auch vergleichsweise neuere Ruinen, so Runbtürme aus bem Mittelalter ber irischen Geschichte unb bie Reste einer Umwal­lung, die unter Cromwells Regierung angelegt wurde. Die Insel ist ungefähr 15 Kilometer lang und etwas über 3 Kilometer breit. Von den Klip­pen am Atlantischen Ozean fällt sie allmählich zum Flachstrand gegenüber bem Festland ab. Mit großen Steinwällen ist sie in eine Unzahl kleiner Felber geteilt. Einige davon sind nicht größer als ein Tischtuch, einige sind vollkommen mit Felsbrocken übersät unb nur wenige sinb größer als ein geräu­miges Zimmer. Wenn sich ein Mensch ein Haus zu bauen wünscht, so greift er einfach zur Axt unb holt sich bas Baumaterial aus bem Boben, benn ber gan$e Untergrunb ist steinig. Die Wälle, von benen bie Felder umgeben sind, sind teilweise so hoch baß bie Aussicht nach allen Seiten versperrt ist. Will man bas Land durchqueren, so muß man bei einer Strecke von ungefähr 1 Kilometer 50 sol­cher Wälle übersteigen, denn es gibt keine Tore. Dazu gehört die Geschicklichkeit einer einheimischen Ziege. Die Eingeborenen benutzen für ben Fisch­fang ein Boot, da, mit grobem Leder und Leinen-

DerReichsstatthalter inHeffen

1. Bett.: D i e n st st u n b e n. Für das Büro bei Reichsstatthaltcrs wirb ab 1. November 1933 bie durchgehende Arbeitszeit eingeführt. Dienststundenr 8 bis 16 Uhr, Samstag 8 bis 13 Uhr.

2. Belt. Schriftverkehr. Sämtliche Zuschrif­ten sind, wenn sie nicht an ben Reichsstatthalter per­sönlich gerichtet werben, mit ber AufschriftAn den Reichsstatthalter in Hessen, Darmstadt. Reckarslraße?" zu versehen. Die Zusammenfassung des gesamten Schriftverkehrs beim Leiter bes Büros, Regierungs­rat Reiner, läßt es nicht zu, daß Schriftstücks aller Art an bie persönliche Anschrift des Referenten gerichtet werben.

3. Rücksprachen mit dem Reichsstatthaller sind nur nach vorangegangener Anmeldung und unter Angabe des Grundes möglich.

Aus bem Stabttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, pünktlich 19.30 Uhr, Wie­derholung ber Operette:Wiener Blut" von Jo­hann Strauß: Leitung: Wrebe, C u j 6, Bäulke. Operetten-Preise. Enbe: 22 Uhr. Freitag, 10. No­vember, 6. Vorstellung im Freitag-Abonnement, zu gewöhnlichen Preisen bas Zeitstück unb Segelflie­ger-Schauspiel:Am Himmel Europas" von Schwen- zen-Malina; Spielleitung: Anton Neuhaus. Enbe: 22.15 Uhr. Am Wahlfonntag, 12. November, startet im Stabttheater, 19 Uhr, einBunter Abenb", hef­ten Programm nach Wolfgang Kühnes unb Paul Nierens Ansage aus Kunterbunt unb Vielerlei besteht. Um bie Theaterbesucher über die Wahl­ergebnisse fortlaufend zu unterrichten, werben wäh­renb ber Veranstaltung bie Wahlresultate betomü- gegeben. Die Veranstaltung ist außer Abonnement unb zu Preisen von 0,50 bis 1,50 Mark. Enbe: 22 Uhr.

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** Po st Personalien. In den Ruhestand treten: Postbirektor Vogt in Gießen, bie Oberpost­sekretäre Buchwalb m Friebberg unb Rein- i) a r b t in Bab-Nauheim, bie Oberpostschafsner Mölich in Butzbach unb Wöll in Nibba. Ver­setzt sinb: Postbirektor Graefe von Singen (Ems) nach Gießen, Telegraphenwerkführer Boßler von Gießen nach Darmstadt, bie Postschaffner B u ß von Ober-Ramstabt nach Butzbach unb Spitzley"von Ober-Wibbersheim nach Nibba, bie PostaMentln- nen Karoline Arras von Mainz nach Alsfelb und Elisabeth S ch r o p p von Alsfeld nach Darmstadt. Angenommen wurden als Postanwärter ber Ver­sorgungsanwärter Fritz Auberer in Gießen, als Postschaffner auf Probe ber Versorgungsanwärter Julius Fischer in Friebberg.'

** Golbene Hochzeit. In geistiger unb kör­perlicher Frische feiert ber frühere Hausmeister der Pestalozzischule Wilhelm D e ch e r t mit seiner Ehe­frau Maria, geb. Leinweber, Lahnstraße 3, am Don­nerstag, 9. November, das Fest ber golbenen Hoch­zeit. Möge bem Jubelpaare ein gesegneter Lebens­abend beschieden fein.

** Die Sprechstunden beim Kreis« schulamt Gießen fallen am morgigen Donners­tag, 9. November, aus.

** Straßensperre. Wegen ber Ausführung von Wasserleitungsarbeiten wirb bie Provinzial- «straßeGießenWatzenborn", Ortsburchfahrt Wat­zenborn (Bahnhofstraße), für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Steinberg und Grüningen.

** Geschäftsübernahme. Das seit 1886 hier bestehenbe Kaufhaus Elsoffer in ber Marktstraße ist nach bem Ausscheiben bes bisheri­gen Inhabers auf bie Herren Lauer & Wöll übergegangen. Die neuen Geschäftsinhaber wollen bas Geschäft vollkommen umstellen unb speziali­sieren.

** Dichterabend Mathias Claudius unb Paul Ernst. Der Deutsche Hanblungsgehil- fen-Verbanb hatte im Rahmen feiner allgemeinbil- benben Veranstaltungen am Montag zu einem Didjterabenb in ben Saal bes Stubentenheimes ent­

lud) oertleibet ist unb so zerbrechlich aussieht, daß ber Frembe sich fürchtet, sich hineinzusetzen. Sie er­weisen sich bann aber als tüchtige Fahrzeuge, die den Launen des Meeres gut widerstehen. Auf bem Land ist ber Maulesel bas Hauptoerkehrsmittel. Die Arran-Jnseln haben den seltenen herben Reiz nor­discher Landschaft. Sie sind noch umwittert von den Sagen der ersten seefahrenden Vorväter unserer Geschichte unb haben sich bis heute in ihren steiner­nen Zeugen bie einsame Größe bes nordischen Men­schen bewahrt.

Zeitschriften.

Immer neues Wissen, neue Anregung unb Freude bringt bie MonatsschriftNeues Volk", Blätter bes Aufklärungsamts für Bevölkerungspolitik unb Rassen­pflege, beffen Novemberheft uns vorliegt. Die vor­züglichen, im besten Sinne volktümlich gehaltenen Beiträge erster Autoren führen uns im Verein mit etwa 40 in ihrer Art ganz seltenen, höchst einbring- lichen Silbern in eine überraschenb neue Welt von Erkenntnissen. Daß Deutfdjlanbs Fortbestanb burch Geburtenrückgang unb rassischen Niebergang bebroht ist, zeigen Bild unb Schrift in bezwingender Weise; aber auch, welche herrlichen Güter an Gesundheit unb Kraft in bemfelben Volk liegen, welcher Reich­tum an unerfüllten Möglichkeiten völkischen Lebens noch seiner Erweckung harrt. Unb wir sehen mit Freube, welche schöne Ueberlieferung alter Sitten heute zu neuen Ehren aufersteht, erkennen, welche ungeheure Kraft im gefunben Erbstrom alter Ge­schlechter, bie bie Verbunbenheit mit ber heiligen Scholle als völkisches Erbe ber Väter unb Mütter lebenbig verkörpern, enthalten ist. So bietetNeues Volk" eine Fülle vielseitiger geistiger Anregung und weist neue Wege in eine schönere beutsche Zukunft. Um bie Verbreitung in allen Volkskreisen zu sichern hat bas Volksaufklärungsamt ben Bezugspreis mit vierteljährlich 75 Pf. niebrig gehalten. Der mit bem Versanb betraute Verlag ber Deutschen Aerzteschaft, Berlin \V 35, Potsdamer Straße 118 b, versendet Probehefte auf Wunsch kostenlos.

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Der ao. Professor an ber Universität Greifs« roalb, ßanbgcridjtsrat Dr. Heinrich Herr- f a 1) r b t, erhielt einen Ruf als Ordinarius für öffentliches Recht, insbesondere allgemeine Staats­lehre, an bie Universität Marburg