Ausgabe 
8.11.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 262 Erstes Blaff

183. Jahrgang

Mittwoch, 8. November 1933

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Dr. Friede. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An­zeigenteil L D. TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

des europäischen Konzerts durch

trat für seinen

War England der ehrliche Makler?

der Neubildung den Völkerbund.

Churchill

alten Lieblingsgedanken der Er­

es dürfe sich nicht in eine unzulässige Stellung hineinmanövrieren lassen,

Oie deutsche Wirtschaft tritt geschlossen hinter den Führer. Große Berliner Kundgebung für einen Frieden der Ehre und Gleichberechtigung.

Scharfe Abrüstungsdebatte im englischen Unterhaus.

Sir Lohn Simon verteidigt die Politik des Kabinetts.Lloyd George übt vernichtende Kritik an dem Versuch Deutschland, zu diffamieren.

Haltung eines st arten Frankreich ein. Es sei nicht wahr, daß England und die anderen Unterzeichnermächte den Frieden gebrochen hätten. Die überragende Tatsache sei heute, daß Deutsch­land aufrüste. Er habe zwar hierfür keine Jnfor- matiynsquelle, sondern nur Presseberichte, die von der ganz ungewöhnlich hohen Einfuhr von Nickel, Schrotteisen und Rohmaterial nach Deutschland sprächen. Man wisse, daß Macdonald gern die große Rotte auf der europäischen Bühne spielen wolle und dem Engländer als der Retter Europas er­lernen möchte. England könne aber nicht der Schutzmann der ganzen Welt sein. Es müsse wohl seine Verpflichtungen innehalten, aber

Ueberzeugung dem Wort des Herrn Reichskanzlers und Führers des deutschen Volkes zu, dem Dort, daß das letzte deutsche Maschinengewehr zerstört werden kann und soll, wenn zur gleichen Zeit und in gleichem Umfang die übrigen Völker das gleiche tun; sie stimmt zu nicht nur aus tief­ster moralischer Ueberzeugung, sondern auch aus klarster wirtschaftlicher Ueberlegung. Die deutsche Wirtschaft hat bewiesen, vor dem und nach dem Ruhreinfall, daß für die Industrie auch in einem abgerüsteten Staat Raum und Arbeit genug ist. Die deutsche Industrie ist darüber hinaus der Ueberzeugung, daß ein durch die gleichmäßige und gleichzeitige Abrüstung aller Staaten wir- lich gesicherter Frieden dem wirtschaftlichen Leben aller Völker einen Impuls geben würde, der niemals durch irgendwelche Aufträge für Rüstungszwecke auch nur annähernd er­reicht werden kann.

Die deutsche Industrie ist aber auch ebensosehr der Auffassung, daß es ein für die Wirtschaft aller Völ­ker unerträglicher Zustand ist, in dem Leben der großen, auseinander angewiesenen Völker, eine doppelte Moral zum herrschenden Prinzip zu machen. Zeugnis dafür abzulegen, daß mir Mann für Mann, Frau für Frau, bereit sind, alles, auch das Letzte, einzusetzen für unsere Ehre, dazu sind wir heute hier zusammengetreten, das geloben wir dem ehrwürdigen Schirmherrn des Deutschen Reichs, das geloben wir dem Führer des deutschen Volks.

Dr. von Renteln, Führer der Reichsstände des Deutschen Handels und Handwerks, hielt bann die nächste Ansprache, die er mit der Verlesung fol­gender Entschließung der gesamten aeroerb- Uchen Wirtschaft schloß:

20 000 deutsche Männer der Industrie, des Han- dels und des Handwerks vereint, um die Stimme der gewerblichen Wirtschaft zu den polttischen Ent-

starken Druck im Sinne einer großen Herabsetzung ihrer Rüstungen ausübe.

Anterstaaissekretär Eben

erklärte zu dem Vorwurf Lloyd Georges, die Regie­rung habe den. Konoentionsentwurs fallen gelassen und sich mit Abänderungen dazu befaßt, die Regie­rung habe zu dem Konventionsentwurf gestanden und st ehe weiterhin dazu. In unserem Wunsch, so sagte Eden, dem deutschen Standpunkt Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, müssen wir darauf achten, daß wir nicht anderen Ungerechtig­keit zufügen. Die Verhandlungen hatten einen Punkt erreicht, wo verschiedene Nationen dies anzunehmen schienen. Da die Verhandlungen fehlgeschlagen seien, bleibe der Konoentionsentwurs weiterhin in Gel­tung. Eden stellte in Abrede, daß irgendeine Dis­kriminierung gegen Deutschland in der Frage der Ueberwachung stattgefunden habe. Es sei beabsich­tigt gewesen, daß die Ueberwachung nicht nur auf Deutschland anwendbar sein soll, sondern auf jedes Signatarland sogar während der Bewährungsftist. Die Regierung wolle nicht, daß England eine Politik der Isolierung verfolge und wünsche auch nicht, daß irgendein anderes Land dies tue. Eng­land möchte in Zusammenwirkung mit Deutschland wie mit allen anderen Nationen arbeiten. Es sei

Berlin, 7. Noo. (WTB.) Zur Unterstützung des Feldzugs der Reichsregierung und der NSDAP, hatten sich im Reich uni) in Berlin heute abend i n Hunderten von Versammlungen die Reichs st ände der Industrie, des Han­dels und des Handwerks zusammengefun­den, um ihre geschlossene Gefolgschaft dem Führer zu befunden. Besondere Bedeutung kommt der großen Kundgebung der gewerblichen Wirtschaft in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm zu, die von etwa 13000 Ver­tretern aus allen Wirtschaftszweigen nicht nur Ber­lins, sondern auch aus dem Reich besucht war. Nach dem Einmarsch von 500 Jnnungs-, Werks- und Handelsfahnen und mehreren Musikvorträgen hiett Dr. Krupp v. Bohlen und Halbach, der Führer des Reichsstands der Deutschen Industrie, eine Begrüßungsansprache.

0er FnebenswUle der deutschen Znbustne.

Wir Männer der praktischen Wirtschaft wissen, so führte er u. a. aus, wie sehr die Welt des Friedens bedarf, wir wissen aber auch, daß es nur eine sichere Grundlage für den Frieden gibt: die Anerkennung der Gleich­berechtigung sich gegenseitig achtender Völker Es ist uns, den Männern der praktischen Arbeit, die sich verantwortlich fühlen für ihre Werke, Kon­tore und Werkstätten, in denen Millionen Arbeit finden, in denen hoffentlich bald alle Arbeitswilli­gen Arbeit haben werden, bitter ernst mit diesem Wunsch nach Frieden!

Sicherlich wird man draußen in der Wett ge­rade bei dieser s Veranstaltung denken oder sagen: Rach Frieden ruft die deutsche Industrie, und doch will sie in Wirklichkeit nur-Auf- Iräge für Rüstungszwecke haben. Vor Ihnen allen, vor der ganzen Wett, erftäre ich hierzu klipp und klar: Die deutsche Industrie stimmt rückhaltlos und in voller

machten. Sir John Simon erinnerte auch an die vor einiger Zeit von Reichskanzler Hitler abgegebene Er­klärung, daß er eine engere Verbindung mit den Franzosen wünsche. Simon sagte: Wir müssen ernstlich hoffen, daß diese Erklärungen in der einen ober anderen Weise zur Wieder­aufnahme der Fühlung führen werden. England wolle wegen der Methoden nicht hadern, wenn sie sich für die Zwecke der weiteren Behand­lung der vorliegenden Fragen als geeignet erweisen sollten. Die Regierung glaube, daß dies die Haltung des ganzen englischen Volkes sei.

Sir Austen Chamberlain

erklärte, Deutschland habe die Abrüstungskonferenz in der Hoffnung verlassen, daß damit der Konfe­renz ein Ende bereitet werde, er aber hoffe, daß die Konferenz eine Vereinbarung ausarbeite, die man Deutschland zur Unterzeich­nung oorlegen solle. Wenn Deutschland ab­lehne, bann werbe bie ganze Wett wissen, welches Land die Hoffnung enttäusche. (!) Man müsse sich fragen, ob es angebracht sei, jetzt wieder Deutsch­land nachzulaufen und es zu feiner Rückkehr in den Völkerbund bewegen zu wollen. Deutschland werde nur bie Ueberzeugung gewinnen, diese Waffe bes Austritts aus bem Völkerbund jeber Zeit an« wenben zu können, habe Deutfchlanb an der Ab­rüstungskonferenz nur beshalb teilgenommen, weil es bie Rüstungsbegrenzung ber anderen wünschte? Der Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund bedeute noch nicht, baß Deutschland auch aus bem Locarnovertrag austreten könne. Der Schlüs­sel bes Friebens sei in ben Händen Englands, das seine Verpflichtungen innehalten müsse. Dies allein sei ber Grunb, aus dem ein deutsch-ftanzöscher Aus- gleich und ein europäischer Frieden aufgebaut wer­ben könnte.

Lloyd George

erklärte, Deutschland sei aus dem Völkerbund aus­getreten, weil es den Eindruck hatte, daß die Ueber­wachung während ber Probezeit eine einseitige fein sollte. Die englische Regierung solle baher enb- gültig erklären, daß die Völkerbundsinspektoren während ber Probezeit verpflichtet seien, bie Fabri­ken und Arsenale Frankreichs, Italiens und Eng­lands genau s o w i e die Deutschlands zu besuchen. Wolle man anderen Staaten selbst nach, Ablauf der Probezeit gestatten zu warten, bis Deutschland seine Braune Armee aufgelöst habe und nur noch die erlaubte Anzahl von Gewehren besitze? Die Probezeit würde es einfach un­möglich machen, die Ziele zu erreichen, deren Durchführung nach seiner Ansicht schon jetzt in Angriff genommen werden könnte

Die Siegermächle hatten ben ver­trag gebrochen und ihre Unter- schriftnicht innegehalten. Deutschland stehe daher ohne Zweifel auf einem guten Rechts st andpunkt. Deutschland habe 2Hil- lioncn von Gewehren und Granaten, sowie sämt­liche Maschinen, bie der Herstellung von Kriegs­material bienen, vernichtet. Demgegenüber habe Frankreich bie ooUffänbigffe Kriegsausrüstung, bie jemals irgend ein Land gehabt habe. Er wisse, daß die Rachbarn Deutschlands zusammen sieben Millionen ausgebildete Soldaten und laufende von schweren Geschützen besähen, während Deutschland nicht ein einziges schweres Geschütz habe. Der Cocarnogeift sei nicht mehr trinkbar, weil man ihm zu viel Pikrinsäure bei­gemischt habe. Deutschlands gewaltige Rüstungen seien zerbrochen. Ls sei ganz unmöglich, schwere Geschütze heimlich zu bauen, vielleicht könne Deutschland heimlich verteidigungswassen Her­stellen, aber bie Deutschen könnten sicherlich nicht nur mit Gewehren in Frankreich einsallen. Lloyb George forberle bie Regierung auf, roieber zu bem ursprünglichen englischen Abrüstungsplan zurückzukehren, anstatt ben Weltsrieben zu ge­fährden. Ls sei gänzlich abwegig, wenn man be­haupte, in den letzten Wochen habe eine Ver­änderung in Deutschland stattgesunden. Italien und Amerika seien bereit, a u f die Probe­zeit zu verzichten. Wenn England daher dasselbe tue, bann würbe bie® von Frankreich verstauben werben.

Chamverlam

erklärt darauf, Lloyd George habe ein Bild von Deutschland gemalt mit 100 000 Gewehren und eini­gen Pfadfindern (Gelächter), umringt von einer bewaffneten Tschechoslowakei, einem bewaffneten Polen und einem bewaffneten Frankreich. Wenn er diese Schilderung glauben könnte, so würde er sich beruhigt fühlen. Aber bie überragende Tatsache Jet zur Zeit, daß De ut sch land wieder auf» r ü ft e. Man dürfe nicht vergessen, daß dies das­selbe mächtige Deutschland sei, das fast gegen bie ganze Welt kämpfte unb f a ft bie ganze W e l t besiegte, basfelbe Deutschland», bas 2Vi Millio­nen Leben für biefes deutsche Leben nahm. Kein Wunder, baß Besorgnis unb Furcht bei ben Natio­nen um Deutschland herum herrschten. Das ge­ringste Nisiko unb bie größte Hoffnung lägen in

Bonbon, 8. Noo. (ENB Funkspruch.) Seit Deutschlands Austritt aus ber Abrüstungskonferenz war bie britische Regierung in ber Abrüstungs­frage der englischen öffentlichen Meinung gegenüber in die Devensive gedrängt. Mit einem Schlage war es bem englischen Volk klar geworben, baß über 14 Jahre lang entscheidenbe Bebingun- aen bes Friebensvertrages nicht er­füllt worben find; nicht, wie es immer hieß, von Deutschland, sondern von ben alliierten Mächten. Beim Wieberzusammentritt bes Par­laments wollte die Regierung, noch bevor eine Kri­tik gegen sie gerichtet würbe, Zeugnis von ihren Bemühungen, Europa zur Abrüstung zu bekehren, ablegen. Der Außenminister, Sir John Simon, eröffnete unter größter Spannung bes dicht be­fetten Hauses bie Aussprache. Vor allem war ihm baran gelegen, ben Vorwurf, baß bie Siegerstaaten für ben Austritt Deutschlanbs auf ber Abrüstungs- konferenz verantwortlich seien, zu entkräften unb ein Fragezeichen unter bie Beweggrünbe ber beut» schen Regierung zu setzen. Mit Erfolg führte er bas Argument ins Felb, baß Großbritannien als ehrlicher Makler mit gutem Beispiel oorangegangen sei unb bis zur Grenze bes Tragbaren abgerüstet habe.

Chamberlain gelang es sehr halb, Deutsch- (anb, wie üblich, mit erhobenem Zeigefinger, als ben

schwarzen Man n" hinzustellen. Als ChambsR Iain unter dem allgemeinen Beifall wieder seinen Sitz einnahm, sah es so aus, als wenn bie Defensiv- Offensive ber Regierung voll geglückt sei. Deutschland hatte vor Gericht geftanben unb war schuldig. Da ge- jchah bas Wunber I Der Mann, der ber Haupt- vertreter der britischen Regierung in Versailles gewesen war, erhob sich unb zer­pflückte in einer groß angelegten Anklagerede nicht gegen Deutschland, sondern gegen bie Al­liierten, vor allem gegen Frankreich alle Be­weisgründe, die gegen Deutschland mit Erfolg an­geführt worden sind. Während in der Rede Cham- berlains bas WortLocarno" heilig klang, war es im Munde Lloyb George ber Nachweis, bis zu wel­chem Grabe bie europäischen Staaten, vor allem Frankreich, seit Locarno roieber aufgerüstet haben. Lloyd George führte nüchterne Stattstiken ins Feld und als er seine Anklage bis zu ben Worten bie Sieger haben benFriebensver- trag gebrochen" steigerte, erhob sich im Unter­haus nicht eine Stimme bes Wiberspruchs. Lloyd George hat sich durch sein mutiges Eintreten gegen eine fast geschlossene Opposition für eine gerechtere Würdigung bes beutschen Standpunktes um den Frieden Europas und der Welt verdient gemacht. Um 16 Uhr war bie Regierung Anklägerin, um 20 Uhr war sie Angeklagte.

L o n d o n , 7. Nov. (TU.) Die Ankündigung, daß im Unterhaus wichtige Regierungsmitteilungen über die Kriegsschulbenverhanblungen, über Malta, Palä­stina unb bie Abrüstung ftattfinben werbe, rief in ber Oeffentlichkeit großes Interesse hervor. Große Menschenmengen hatten sich auf bem Platz vor bem Parlament versammelt, um bie Ankunft ber Mini­ster unb ber Abgeorbneten zu beobachten. Im Unter- Hause selbst herrschte große Erwartung. In ber Diplomatenloge sah man bie auslänbischen Bot­schafter unb Gesanbten, barunter ben beutschen Bot­schafter Herrn von h o e s ch.

Nach Erlebigung ber Anfragen würben die neu- gewählten Mitglieder des Unterhauses eingeführt und eingeschworen. Henderson wurde von seinen Parteigenossen mit großem Beifall begrüßt, ent­fernte sich aber wieder, als die Abrüstungsaus­sprache begann. Die Abrüstungsaussprache wurde durch eine große Rede Simons eingeleitet, der etwa eindreiviertel Stunden sprach.

Sir Lohn Simon

führte u. a. folgendes aus: Die Lage fei ohne Zwei- fei ernst, aber bie Sprache ber Panik fei ungerechtfertigt unb entspreche nicht ber Ruhe unb Urteilskraft bes englischen Volkes. Die Vorgänge im Abrüstungsbüro am 14. Oktober hät­ten nichts enthalten, was bie von Deutschland an- gewendeteSchock-Taktik" gerechtfertigt hätte. Der englische Abrüstungsentwurf habe sich durch Kühnheit und Ursprünglichkeit ausgezeichnet, eine vollständige Regelung vorgesehen unb sei von ber Genfer Konferenz als Verhanblungsarunblaae angenommen worben. Sowohl Deutschmnb wie Frankreich hätten ben englischen Entwurf grund­sätzlich angenommen.Ich stimme aufs wärmste mit der Ansicht überein, daß wir versuchen müssen, in bie Seele Deutschlanbs hineinzu- sehen unb zu verstehen, warum bas beutsche Volk biefen heftigen Unwillen gezeigt hat. Die langen Verzögerungen unb ber Zeitverbrauch müssen Deutschland in wachsendem Maße ungeduldig ge- macht haben." Es sei zwar vollkommen unrichtig, zu erklären, daß Dertschbands Abrüstung unter den Friedensverträgen von der sofortigen Erzielung einer allgemeinen Abrüstung ber anderen Staaten abhängig gemacht sei, aber es gehe aus bem Wort­laut bes Versailler Vertrages unb bem Elemenceau- Bries klar hervor, baß bie Abrüstung Deutschlanbs als ein er ft er Schritt zur allgemeinen 21 b r ü ft u ng betrachtet worben sei. Englgzrb habe bas Bespiel gegeben unb sei sührenb vorangegan­gen.Wenn berechtigterweise ein Appell für fair play gegenüber Deutfchlanb gemacht wirb, bann sind wir berechtigt, auch für England fair play zu verlangen." Auch in anderen Dingen fei England führend oorangegangen, fo bei ber Wiedereinsetzung Deutschlands in seine Stellung als gleichberechtigter Partner unb bei ber Entfernung ber auf Deutsch­land brückenden Diskriminierung.

Ohne Zweifel ist es schwierig, geduldig zu sein .für ein großes Volk mit stolzen Ueberlieferungen, für ein Volk, das ernstlich Mit. daß die Heilung seiner Beschwerden überfällig ist. EL ist aber eine grobe Ungerechtigkeit gegenüber England, alles zu vergessen, was England seit dem Kriege zur Forderung der guten Beziehungen in Europa getan hat, indem es die Unterschiebe zwischen Sieger unb Besiegten auswischte. Der greifbarste Beitrag zur Wieberherstettung bes Vertrauens in Europa würbe eine internationale Vereinbarung über bie Ab­rüstung sein, an ber selbstverstänblich Deutschlanb teilnehmen solfte Man müsse ber zentralen Tat­sache ins Gesicht sehen, daß das hauptsächlich poli­tische Problem dahin gehe, die deutschen Gleich­berechtigungsforderungen mit dem französischen Sicherheitswunsch auszusöhnen

Ich glaube, wir haben eine ganz' besondere Rolle zu spielen, denn es war England, das die Parteien zusammenbrachte Wir werben weiterhin jebe Mühe zu diesem Ende auf uns neh­men, ob Deutschland in Genf ist oder nicht. Wir ha­ben eine ungeheure moralische Autorität zur Gel­tung zu bringen England hat abgerüstet und hat das Recht, zu sprechen und wir benutzen diese Autorität auf die einzig mögliche Weise, indem wir keine besonderen Bündnisse mit ober gegen ir­gend eine Macht abschließen, sondern indem wir für Freundschaft und Frieden mit allen Mitteln arbeit tcn. Auch durch den Locarnovertrag sei keine englische Regierung blind gebunden Die Frage sei, ob bie Verpflichtungen Englanbs ihr Enbe erreichen würden, wenn nach Ablauf von zwei Jahren Deutschland seine Absicht zum Austritt aus bem! terbunb ausgeführt hab» die es jetzt angefündigt habe. Deutschland habe die Möglichkeit, diese Kündi gung jederzeit im Laufe der nächsten zwei Jahre zurückzuziehen und das ganze Unterhaus, daß die weitere Entwicklung ber Ereignisse zu einem sol chen Schritt Deutschlands führen werde. So sehr auch die englische Regierung die deutsche Handlungs­weise bedauere, die sie nicht für gerechtfertigt halte, so bestehe doch kein Grund, etwa so sprechen zu wollen, als ob die Türe schon zugeschlagen sei. (Eng­land werde vielmehr jede Gelegenheit wahr- zunehmen versuchen, um mit Deutschland und ben anderen Unterzeichnermächten bes Locarnover- irages in Fühlung zu bleiben.

Sir John Simon nahm bann auf bie geftnye Hebe bes Freiherrn v. Neurath Bezug, in ber biefer erklärte, baß bie Deutschen ben anberen Mächten ein ehrliches und aufrichtiges Angebot

großenteils die britische Politik gewesen, bie Peutsch- ianb in ben Völkerbunb gebracht habe, unb Eng- h i y c lanb hoffe, daß vor Ablauf der zwei Jahre Deutsch- Stellung hineinmanövriepen (affen, in lanbs Austrittsankündigung zurückgezogen werde, die es hineingeraten würde, wenn es auf Frank- I Damit endete die Abrüstungsdebatte im Unter- reich unb andere Nachbarstaaten Deutschlands einen * Haus.