Ausgabe 
8.7.1933 Erstes Blatt
 
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Aussicht genommen für Beschaffung von Kraft­fahrzeugen und Bahnpostwagen 5,5 Millionen, Tclegraphenwesen 1,3 Millionen, Fernsprechwesen 51,1 Millionen, Funkwesen 2,5 Millionen, Bau­gewerbe (Hochbahn) 15,5 Millionen, Geräte (Mö­bel usw.) 0,7 Millionen Mark.

Vorerst keine Aktionen gegen Warenhäuser.

Berlin, 7. Juli. (TU.) Der Stellvertreter des Führers gibt bekannt:

Die Einstellung der NSDAP, zur W a r e n h a u s f r a g e " ist i in grundsätz­lichen nach wie vor unverändert. Ihre Lösung wird zu geeigneter Zeit im Sinne des NS.- Programmes erfolgen. Im Hinblick auf die allge­meine Wirtschaftslage hält die Parteileitung v o r - er st ein aktives Vorgehen mit dem Ziele, Warenhäuser und warenhausähnliche Betriebe zum Erliegen zu bringen, für nicht geboten. In einer Zeit, da die NS.-Regierung ihre Hauptauf­gabe darin sieht, möglichst zahlreichen ar­beitslosen Volksgenossen zu Arbeit und Brot zu verhelfen, darf die NS.-Be- wegung nicht dem entgegenwirken, indem sie Hunderttausenden von Arbeitern und Angestell­ten in den Warenhäusern und dem von ihnen ab­hängigen Betrieben die Arbeitsplätze nimmt. Den Mitgliedern der NSDAP, wird daher unter­sagt, bis auf weiteres irgendwelche Aktio­nen gegen Warenhäuser und waren­hausähnliche Betriebe zu unternehmen. Andererseits ist es den Mitgliedern der NSDAP, verboten, für Warenhäuser zu wer­ben.

Berlin, 7. Juli 1933. gez. Rudolf Heß.

Eine marxistische Aerzte-Zentrale in Berlin ausgehoben.

Berlin, 7.3uIL (CAB.) Unter dem Namen Beratungsstelle für Aerzte" hatte sich in Berlin eine Bereinigung marxistischer, kommu­nistischer und anarchistischer Aerzte aufgetan, von deren Bestehen nationalsozialistische Aerzte erst durch Zufall Kenntnis erhielten. Die national­sozialistischen Aerzte erstatteten sofort Anzeige beim Geheimen Staatspolizeiamt, von dem aus sofort an alle SA.-Aerzte Berlins Ala^nbefehl erging. Heute um 6 Uhr versammel­ten sich sämtliche SA.-Aerzte im Geheimen Staatspolizeiamt, von wo aus eine sorgfältig vorbereitete Aktion gegen die marxistischen Geheimbündler ausging. Bund 30 marxistische Aerzte wurden verhaftet und zahlreiches Ma­terial beschlagnahmt. Schon bei flüchtiger Durchsicht des beschlagnahmten Materials ergab sich, daß dieBeratungsstelle für Aerzte" ein staatsfeindliches Unternehmen dar­stellte, das in gewissem Sinne u. a. ein Mittel­punkt zur Berbreitung von Greuel- propaganda war. Wie die SA.-Gruppe Berlin-Brandenburg mitteilt, war die Geheim- vrganisationBeratungsstelle für Aerzte" inVer- bindung mit der jüdischen Gemeinde zu Berlin aufgezogen.

Eine Vorwärts-Ausgabe auch in Kopenhagen.

Kopenhagen, 7. Juli. (CAB.) Eine neue Ausgabe desVorwärts" wird jetzt auch in Dänemark herausgegeben. Gedruckt wird das Blatt in der Druckerei der Arbeiter­partei inSlagelse, einer kleinen dänischen Provinzstadt in der Nähe von Kopenhagen. Der Titel istNeuer Vorwärts, Sozialde­mokratisches Wochenblat t. Herausge­ber ist Ernst Sattler, verantwortlicher Ne- dakteur Wenzel Horn, beide in Karlsbad in der Tschechoslowakei. Das Blatt enthält Ar­tikel, deren offensichtlicher Zweck es ist, Deutsch­land zu verleumden.

Beilegung des Konfliktszwischen Deut­scher Studentenschaft und Kösener SE.

Berlin,?. Juli. (TU.) Die Deutsche S t u- dentenschaft und der Kösener SC. - Ver­band teilen mit: Durch eine in Berlin in An­wesenheit von Herrn Dr. Scholz vom Verbin­dungsstab der NSDAP, zwischen dem Bundes­führer des Nationalsozialistischen Deutschen Stu­dentenbundes Dr.-Jng. Stäbel, dem Führer der Deutschen Studentenschaft Gerhard Krüger und dem Referenten Hederich in Anwesenheit des Bevollmächtigten der NSDAP., Landeshaupt­mann Otto einerseits und dem Führer der Kö­sener Korpsstudenten Dr. Blunk, Hamburg, und Rechtsanwalt B e r ch t o I d, München, anderer­seits stattgefundenen Besprechung wurden die be­stehenden Mißverständnisse besei­tigt und der daraus entstandene Konflikt b e i g e l e g t. Damit erledigen s i ch die in Veranlassung dieses Konfliktes gegenüber dem Kösener SC. getroffenen Maßnahmen.

Kleine politische Nachrichten.

Die Z e n t r u m s f r a 11 i o n des Hessischen Landtags hat ihre Auflösung beschlossen. Ein Verbindungsmann wurde beauftragt, Fühlung mit der nationalsozialistischen Fraktion aufrechtzuerhal­ten. Die früheren Mitglieder der Zentrumsfraktion sind zunächst parteilos, bis die Grundsätze über das Hospitieren bei der NSDAP.-Fraktion geklärt sind.

Aus Anlaß der Selbstauslösung der Zentrumspartei und damit der Beendigung des Weimarer Parteisystems ist dem Herrn Reichskanzler von dem Führer der auf dem Boden des Nationalsozialismus stehenden katho­lischen Vereinigung für Nationale Politik Oberregierungsrat Lossau das Bild Hermann der Cherusker" überreicht worden. Dos Bild trägt die WidmungDem Einiger aller Deutschen".

Die Reichsleitung der Volksrecht- Partei hat mit Rundschreiben vom 1. Iuli die freiwillige Selbstauslösung der Parteiorga­nisation erklärt und den Volksrecht-Kämpfern den Uebertritt zur NSDAP, empfohlen.

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Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat verfügt, daß olle Stu­dierenden an preußischen Hochschulen, die sich in den letzten Wochen nachweislich i m kommunistischen Sinne betätigt haben, auch ohne Mitglied der KPD. zu fein, mit so­fortiger Wirkung von dem Universitäts­studium auszuschließen sind.

Im zweiten Hippel-Prozeß wurde Gene­rallandschaftsdirektor v. Hippel wegen Abhaltung von Bieten zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Von der Anklage des Betruges wurde er freigesprochen. Gert v. Hippel, der Sohn des Generallandschaftsdirektors, wurde f r e i ge­sprochen.

Die Morgcnblätter geben eine Korrespondenz­meldung wieder, nach der auf Veranlassung des geheimen Staotspolizeiamtes der stellvertretende Führer derSchwarzen Front", der Schrift­steller Herbert Blank und der Herausgeber der seit einiger Zeit verbotenen Zeitschrift Schwarze Front", Brinkmann, verhaftet wor­den sind.

DieTägliche Rundschau" ist auf Grund der Notverordnung zum Schutze von Volk und Staat auf die Dauer von drei Monaten verboten worden.

Landgerichtsdirektor Block aus Altona, der im letzten Bombenlegerprozeß den Vorsitz geführt hat, wurde zum Präsidenten des zusammen­gelegten großen Amtsgerichts Berlin- Mitte ernannt, das nun das größte Amts­gericht Deutschlands ist.

Die Regierungskommission des Saargebiets hat dieKöln. Zeitung" und die Südwestdeutsche Bauernzeitung (Erscheinungsort Walfischbach i. d. Pf.) unbefristet verboten.

Der frühere Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, ist zum britischen Botschafter amQuirinal in Rom ernannt worden.

Am vergangenen Montag haben die Wahlen zum finnischen Reichstag stattgesunden. Dis jetzt lassen sich zwei Drittel der abgegebenen Stimmen übersehen. Danach scheint es, daß die Sozialdemokraten größere und die L i b e- ralen kleinere Gewinne auf Kosten der Konservativen erzielt haben.

Aus aller Welt.

Beisetzung der Token aus ZecheGeneral Blumenthal".

Unter ungeheurer Beteiligung der Bevölkerung der Stadt Recklinghausen und der Umgebung wur­den die 12 Todesopfer des Explosions­unglücks auf ZecheGeneral Blumenthal" zu Grabe getragen, lieber 100 000 gaben den toten Bergknappen das letzte Geleit. Auf dem Zechenplatz, wo die Toten zwischen Grün und Palmen aufge­bahrt waren, rief der Leiter des Jbernia-Schachts, Oberbergrat von Velsen, den Toten ein letztes Glückauf zu. Unter dem Geläut sämtlicher Glocken der Stadt setzte sich dann der Leichenzug zum Fried­hof in Bewegung, wo im Auftrage des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler der Reichs- Iugendführer Baldur von Schirach sprach. Unter den Klängen des Liedes vom guten Kamera­den nahm die Feier ihr Ende.

Zwei Bergleute tödlich verunglückt.

Schon wieder haben zwei Bergknappen den Tod gefunden. Am Freitagvormittag wurde in Reckling­hausen der 48 Jahre alte Bergknappe August Kai­ser durch plötzlich hereinbrechendes Gestein auf der Stelle getötet, der 28jährige Bergmann Stanis­laus K e d z i k erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb.

Röhm und Hühnlein kommen nach Koblenz.

Aus Anlaß des gewaltigen Kraftfahrtref­fens der Motor-SA. und des NSKK. am kom­menden Sonntag in Koblenz werden der Stabschef der SA., Röhm, und der Chef des Kraftfahrwe- lens der SA., Obergruppenführer Hühnlein, auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Koblenz den Vorbeimarsch abnehmen. An der Veranstaltung werden teilnehmen die Oberstaffeln Hessen-Nassau- Nord, Hessen-Nassau-Süd, Hessen-Darmstadt und Koblenz-Trier.

Riesige Waldbrände in Schweden.

3n Schweden herrscht seit einigen Tagen tropische Hitze, besonders auch in den nörd­lichen Teilen des Landes. 3n Lappland und Rorrbotten sind riesige Waldbrände ausge­brochen. Bei Murjek stehen über 203 000 Morgen Wald in Flammen. Millionenwerte sind ver­nichtet. Mehrere Militärabteilungen sind zur Hilfeleistung eingesetzt worden.

Der Tod in den Bergen.

Zwei Bäckergesellen, die einen Ausflug auf den Ningberg bei Tegernsee unternahmen, sanden etwa 50 Meter unterhalb des Gipfels eine männliche uni) eine weibliche Leiche, die etwa 120 Meter von­einander entfernt lagen. Es handelt sich um das Oberpoftinspektorehepaar Rudolf uno Mathilde Wolf aus Ludwigshafen. Der Mann stand im 56., die Frau im 49. Lebensjahr. Das Ehepaar hatte sich in Rottach in Ferienaufenthalt befunden. Wahr­scheinlich sind die beiden infolge eines Fehltritts ab- gestürzt. Sie hatten schwere innere Verletzungen, Knochen- und Genickbrüche erlitten.

Ein 20jähriger Innsbrucker Handelsakademiker, der seit dem 4. Juli von einem Ausflug auf die Nock-Spitze abgängig war, ist am Nordabhang des Berges tot aufgefunden worden. Er war beim Blumensuchen über eine 25 Meter hohe Fels­wand gestürzt. Der 31jährige Betriebsleiter der Wiener Gaswerke, Alfred Vogl hatte den Bettel­wurf bei Hall bestiegen. Dabei hatte er ein Schnee­brett losgetreten und war mit diesem bis 400 Meter unterhalb des Gipfels tödlich a b g e st ü r z t. Die Leichen der beiden wurden bereits geborgen.

Am Lifengrat-Säntis bei Appenzell stürzte ein holländischer Tourist tödlich ab. Er hatte mit einem anderen Holländer auf dem Säntis über­nachtet, und beide wollten die Wanderung Lisen- grat-Säntis-Altmann unternehmen. Da beim Aus­bruch dichter Nebel herrschte, wurde ihnen von der Tour abgeraten. Aber trotz dieser Mahnung be­gaben sie sich auf den Weg. An einer abschüssigen Stelle am ßifengrat glitt der eine Tourist aus und stürzte ab. Er war auf der Stelle tot. Der Ueber- lebenbe kehrte nach dem Säntis-Gasthaus zurück und alarmierte die Bergwacht, die die Leiche zu Tal schaffte. Die Personalien des Toten konnten noch nicht ermittelt werden.

Umfangreiche Betrügereien eines früheren Restaurators der staatlichen Gemäldegalerie.

3m vorigen 3ahre wurden anläßlich eines Zivilprozesses schwere Vorwürfe gegen den ehemali­gen ersten Restaurator der staatlichen Gemälde­galerie in Berlin, Professor Alois Hauser, er­hoben, die auch in der Presse erörtert wurden. Im Zusammenhang hiermit wurde ein Strafverfahren gegen Professor Hauser eingeleitet, das schließlich Zur Eröffnung der Voruntersuchung wegen B e -

trug es führte. Es bestand der dringende Verdacht, daß Hauser in gewinnsüchtiger Absicht falsche Gut­achten über ihm oorgelegte Gemälde ausgestellt hatte. Im Laufe der Voruntersuchung hat sich her­ausgestellt, daß Hauser wahrschemlich Hunderte von bewußt unrichtigen Gutachten im Laufe der letzten Jahre erstattet hat. Bilder, die auf Auktio­nen häufig für wenige hundert Markt erstanden wurden, sind mit Hilfe der Hauserschen Gutachten als alte Meisterwerke, u. a. als Gemälde von Rem­brandt, Rubens usw., in ganz Deutschland und dar­über hinaus für phantastische Preise verkauft wor­den. Der Untersuchungsrichter beim Landgericht III hat mehrere der Händler, die Gemälde mit Hauser­schen Gutachten verkauften, in Haft genommen. Im Laufe der Untersuchung hat sich auch der dringende Verdacht ergeben, daß gefälschte Gutachten von Ge­heimrat Wilhelm von Bode und dem bekannten verstorbenen holländischen Kunstsachverständigen Hofsteede de Groot in den Handel gebracht worden sind.

Schwere Strafe für einen Kindesräuber.

3n Barnstaple (Massachusfets) verhängte der Gerichtshof eine drakonische Strafe über einen Kindesräuber. Angeklagt war Kanneth Buck, der im Mai ein kleines Mädchen, die zehnjährige Margaret M c M a t h, entführt hatte, um von den Eltern ein Löfegeld zu er­pressen. Der Angeklagte wurde zu 25 3ahren Zuchthaus verurteilt.

Letzte Ehrung für Marga von Etzdorf in Hamburg.

Die sterblichen Lieberreste der deutschen Flie­gerin Marga v. Etzdorf, die am Mittwoch mit dem Levante-DampferThessalia" im Hamburger Hafen eingetroffen waren, wurden nach Berlin übergeführt. Bevor der Sarg auf den Kraftwagen gehoben wurde, fand in einem großen Kaischuppen eine Trauer - und Gedenk stunde statt, an der Angehörige, Freunde und Fliegerkameraden

der Verstorbenen teilgenommen haben. Der wette Raum war mit Flaggen und Blumen geschmückt. SA. hielt die Ehrenwache. Ein Vertreter des Deutschen Luftsportverbands sprach Worte deS Gedenkens und ließ noch einmal den Werdegang und die fliegerischen Leistungen der tapferen Sportfliegerin an den Anwesenden vorüberziehen. Während der Trauerfeier kreuzten Sportflug­zeuge mit schwarzen Wimpeln tief über dem Hafen und entboten der toten Fliegerin den letzten Gruß der Stadt Hamburg.

Wellftieger Mattern in Sibirien gefunden?

Ein russischer Funkspruch aus Nowostbirsk teilt mit, daß ein russischer Dampfer, der den Fluß Jnde- girka in Ostsibirien befährt, auf ein Flugzeug un­bekannter Nationalität gestoßen sei, das von dem Kapitän des Schiffes später als die Maschine des verschollenen amerikanischen Weltfliegers Mat­tern festgestellt worden sei. Weitere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt. Auf Veranlassung der sowjetrussischen Regierung sind sowrt zwei russische Flieger gestartet, um festzustelleü, ob es sich tat­sächlich um Mattern handele. In Moskau ist man zunächst noch skeptisch, weil der Fluß Jndegirka nicht auf dem Wege liegt, den Mattern auf seinem Flug nach der Behringsee einschlagen wollte. Nach einer anderen Meldung aus Moskau befindet sich Mat­tern, von dem man seit vier Wochen keine Nach­richt mehr erhalten hatte, vollkommen ge­sund in Anadirschutka in Sibirien.

lieber das Schicksal des Weltfliegers Mattern wird weiter bekannt, daß Mattern infolge einer Motorpanne etwa 80 Meilen vom Golf von Anadyr (Kamtschatka) entfernt, in einem Wüstengebiete, not- landen mußte. Durch sowietrussifche Küstenwäch­ter, die ihn auffanden, wurde ihm die erste Hilfe­leistung zuteil. Um seinen Flug fortsetzen zu können, muß Mattern seine Maschine mit einem neuen Mo­tor ausstatten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Goldene Tage.

In dem WortFerien", dessen Wirklichkeit nun bald heranrückt, sind unzählige Welten eingeschlos­sen, spannen Himmel ihre Sonnenzelte über jugend­licher Sehnsucht nach Freie und Weite, nach Helle und Wärme. Denn dem Geschlecht unserer Tage weht Gottes Odem frischer durch die Brust, als noch vor einer Generation, der die Natur von allerlei hygienischen, pädagogischen und sonstigen Hinder­nissen und Warnungstafeln umstellt war. Während die damals die Natur größtenteils nur homöovathisch und in abgewogener Dosierung genossen, reden die Heutigen Fraktur mit ihr. Dieses Duzverhältnis,' das schon der Däumling mit der Allmutter als Selbst­verständlichkeit betrachtet, führt man sich in den Fe­rien nach allen Regeln gewandelter gesundheitlicher Richtlinien weidlich zu Körper und zu Gemüt. Weil die Wechselwirkungen zwischen beiden erst die Voll­wertigkeit eines gesunden Menschen ausmachen.

Ferien! Tausende von Toren sind weit aufgeschla- gen, und hinter ihnen dehnt sich das Schlaraffenland des süßen Nichtstuns. Selbst die modernsten Schul­räume sind Folterkammern, weil sie Zeit und per­sönliche Neigungen einengen. Nun sind diese Fesseln gefallen, der Uhrzeiger tritt außer Kraft, und an feiner Stelle übernimmt lediglich der Magen die Zeitzeichen, die Eltern werden in jedem Fall zu Tnrannen, die Sonne hat striktes Streikverbot, we­nigstens theoretisch, weil Regen und Ferien sich wie Feuer und Wasser vertragen, zu dem keine einzige Ferienfreude werden soll, kurz: der Himmel hat voller Zupfgeigen zu hängen!

Ferien! Frohe Wanderfahrten künden von der Schönheit der näheren Heimat und der deutschen Lande in immer neuen Motiven und Bildern. Das Schauen weitet nicht bloß den Blick, es läßt auch in der jungen Seele die Saiten erklingen, die das Lied der Erde mit der ewigen Melodie verwebt, so­wohl das Geheimnis der Sternennächte, als auch der reifenden Saaten ist.

Ferien sollen ein Gesundbrunnen, keine Rekord­angelegenheit sein. Wenn in einem gesunden Kör­per auch ein lebenstauglicher Sinn stecken soll, dann darf das Maß alles Tuns nur weife Mäßigung fein, wobei für den einen gut fein mag, was dem anderen zum Nachteil ausschlägt. Ferien! Goldene Tage! Sonnensegel flattern auf der Fahrt in den Ozean des Lebens. Glückliche Reise und frohe Zeit!

K. I. G.

Oie Staatspreffestelle umgezogen.

Die Staatspressestelle der Hessischen Regierung in Darmstadt befindet sich von jetzt ab n i ch t m e h r im Staatsministerium Neckar st raße, sondern im Ministerium am Adolf-Hitler-Platz, erster Stock.

Polizeibericht.

3n der Nacht zum 7. 3uli wurde in der Pestalozzischule eingebrochen. Der Täter, der nach den Spuren zu urteilen, Gummi­schuhe trug, entfernte von einem Kellerfenster den dort angebrachten Rost, schlug eine Scheibe ein und stieg in die Kellerräume. Nach dem Erbrechen von zwei Türen kam er in die Vorräume zu den Klassenzimmern. 3n diesen Zimmern, die nicht verschlossen waren, öffnete er acht Schränke ge­waltsam und entwendete etwa 15 Mark Bargeld. Die polizeilichen Ermittelungen sind eingeleitet.

Am 6. 3uli wurde hier ein 1 4 j ä h r i g e r 3unge fe st genommen, der während der Fahrt von Frankfurt nach Gießen mehrere Schüsse aus einer Schreckfchuß-Pistole aus dem Zuge her­aus abgegeben hatte. Beim Verhör stellte sich heraus, daß er in Frankfurt auf den Tennis­plätzen am Palmengarten einer Spielerin aus dem auf einer Dank liegenden Mantel 19 Mark ent­wendet hatte. Von diesem Gelde kaufte er sich die Schreckschußpistole, ein Seitengewehr, außerdem verschiedene andere Kleinigkeiten. Gleichzeitig be­stritt er von dem Gelde die Reise nach Gießen. Auf Anordnung des Fürsorgeamts Frankfurt wurde der 3unge gestern in das Erziehungsheim Schloß Dehrn bei Limburg verbracht.

Oer Rauchwaren-/Lebens- und Genuß­mittelverkauf nach Ladenschluß.

Die Hessische Polizeidirektion Gie­ßen teilt mit:

Ein Verkauf von Rauchwaren und sonstigen Lebens- und Genuhmitteln außerhalb der Laden­schlußzeit und an Sonn- und Festtagen ist in den Gast- und Schankwirtschaften und insbesondere auch bei den Wasserhäuschen nur an Gäste ge­stattet, die tatsächlich auch in den Räumen zur Befriedigung ihrer momentanen Bedürfnisse ver­weilen.

Waren und namentlich auch Rauchwaren, die nicht der s o f o r t i g e n Befriedigung dienen, son­

dern zum Mitnehmen bestimmt sind, dürfen inner­halb dieser Sperrzeit nicht verabreicht werden. Auch dem vielfach geübten Unfug, daß Gäste sich von einem Wirt, der zugleich Metzger ist, Fleisch­waren nach der üblichen Verkaufszeit und an Sonntagen zum Mitnehmen erstehen, wird für die Folge mit aller Strenge entgegengetreten. Dieses Verbot erstreckt sich nicht auf die freigegebenen Verkaufsstunden an Sonntagen in den Verkaufs­buden bezüglich des Verkaufs von Obst, Süd­früchten, Schokolade- und Zuckerwaren an Pas­santen in kleinen Mengen. An Wochentagen haben die nichtkonzessionierten Verkaufsbuden um 19 Uhr jeden Verkauf einzustellen.

Die Polizeibeamten sind auf schärfste Durch­führung dieser Vorschriften hingewiesen und hoben Weisung, gegen jeden Zuwiderhandelnden unnach­sichtlich Strafanzeige vorzulegen.

Katastrophenhilfsdienst im Bereich der Standarte 116.

Auch in Hessen hat sich, wie uns von der Stan­darte 116 mitgeteilt wird, der sogenannte Ka - tastrophendie n ft gebildet, der ein enges Zu­sammenarbeiten zwischen den technischen Forma­tionen der SA. und den Gemeinden bezweckt, um im Falle einer Gefahr, die Leben und Eigentum der Bewohner bedroht, als Helfer einzufpringen. Diese Formationen sollen, wie in der Mittwoch­ausgabe schon betont wurde, die ehemaligen Pio­niertruppen ersehen. Auch in Gießen hat sich in­nerhalb der SA. ein Katastrophenhilfsdienst ge­bildet, dem die technischen Stürme angegliedert sind. Wir bitten alle, die irgendetwas beisteuern können, das zu tun, und zwar benötigen wir dringend: Spaten, Aexte, Klauenbeile, Draht, Kabeldraht, alte noch brauchbare Telefonapparate, Blinklampen, Dindestricke, Taue, Klammern, Vor­schlaghämmer, Stangen, Bohlen, Bretter und Fahrzeuge

Die deutschen Volksgenossen in Gießen und Um­gegend werden gebeten, sich mit Assessor R e u s ch- li n g, Truppführer beim Stab der Standarte 116, Gießen, Astcrweg 50 (Telephon 2129), in Verbin­dung zu sehen, oder auf dem Standartenbureau (Kreisamt Gießen) zwecks Abholung der Ma­terialien vorzusprechen. 3eder, der in der Lage ist, hier zu helfen, bedenke, daß er eine vater­ländische Pflicht erfüllt, wenn er eine Sache unter­stützt, die für die Allgemeinheit arbeitet.

Oer Seefischgenuß im Sommer.

Dem Reichsseefischausschuß gelang es in den letz­ten Jahren in 21 befanntgeroorbenen Fällen an­geblicher Fleischvergiftung festzustellen, daß es sich dabei in keinem Falle um eine Fischvergiftung, son­dern um andere Erkrankungs-Ursachen handelte. Vergiftungen durch Fisch sind auf drei Arten mög­lich: Einmal kann es sich um Fische handeln, die, ähnlich den Giftpilzen, an sich giftig sind. Solche Fische kommen in Deutschland und auf den von deutschen Fahrzeugen befischten Gründe überhaupt nicht vor. Die zweite Möglichkeit besteht darin, daß Fische während des Lebens krankmachende Bak­terien durch Verseuchung von Flüssen, Bächen und Teichen in sich ausgenommen haben. Dies kann ge­legentlich einmal bei Süß- und Brackwasserftschen gutreffen, macht sich aber dann meist durch ein allgemeines Fischsterben in den betreffenden Ge­wässern bemerkbar. Zum dritten können krank- machende Bakterien nachträglich, d. h. in der Zeit vom Fischfang bis zum Kochtopf, in die Fische hin­eingelangen, genau wie dies bei anderen Nahrungs­mitteln möglich ist. Sauberkeit im Betriebe auf der einen Seite und der gesetzlich Schutz, der eine Kon­trolluntersuchung nach dieser Richtung für alle Personen fordert, die im Lebensmittelgewerbe tätig sind, werden diese Uebertragungsmoglichkeit leicht und weitgehend eindämmen.

Beim Verzehr von Fischkonserven ist darauf zu achten, daß sich in der Büchse keine gasbildenden Bakterien entwickelt haben, die wie bei jeder Art von Konservenvergiftung, den Deckel der Büchse a?r irgendeiner Stelle stark bucklig auftreiben. Fisch- konferven soll man besonders an heißen Tagen nicht in angebrochenen Dosen aufbe­wahren. Es ist für sofortigen restlosen Verzehr zu sorgen, oder die Fische sind auf einen Teller zu legen, der, am besten mit einem Drahtnetz bedeckt, an kühlem Orte aufbewahrt wird. Wer also See­fische, Süßwasserfische und Fischkonserven nur aus hygienisch einwandfreier Quelle kauft, für sofortige Zubereitung in sauberen Gefäßen, fowie für mög­lichst restlosen Verzehr am gleichen Tage sorgt, der kann jederzeit und soll auch im Sommer unbesorgt Fische essen.

toiefoener Wochcnmarktprcise.

* Gießen, 8. 3uli. Es kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt Landbutter 1,20 Mark das