Ausgabe 
8.6.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

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Gießen:

** Sterbefälle in Gießen. In vom 15. bis 31. Mai verstorben in

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auf Burg Münzenberg.

Aampfverbänden Sonnwendieucr abgebrannt. Daran beteiligen sich nur die Knaben vom 6. Schul- fahr an. Die Schulleitungen wollen sich " " örtlichen Dienststellen der SA. und SS. nehmen setzen?

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Präsidenten v. Hindenburg und des hes- Ministerpräsidenten und Staatsministers Dr. Werner auf Grund der Ernennung »renbürgern der Gemeinde (9 r ü

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15.: Anno Elise Stieber. geb. Herling, 34 I. alt, Lchotlstraße 33. 16.: Katharine Gertrud Rohn, geb. Wolfs, 61 Jahre alt, Steinslraße 65. 17: Andreas Göbel, Botennieister i. R., 81 I. alt, Ebelstraße 15; Friederike Uhlmann, geb. Schulte, Wwe., 83 I. alt, Kaploneigasse 5. 18.: Wilhelm Ianz, Werkmeister, 80 I. alt, Erdkauterweg 50. 21.: Hermann Hammel, Metzgermeister 64 I. alt, Bahnhofstraße 10; Wil» Helm Brück, 2 M. alt, Brandgasse 3. 25.: Julie Rübe, geb. Schüler, 85 I. alt, Loverstraße 3. 26.: Elisa» bethe Busch, geb. Heinz, Wwe., 82 I. alt, Liebig» straße 13. 27. Ludwig Pfaff, Lokomotivführer, 57 I. alt, Mittelweg 15; Karl Rösinger, Gastwirt, 64 I. alt, Liebigstraßc 67.

Heimatoereinigung Schiffenberg. Unter dem Borsitz von Kaufmann W e i d i g (®ie- ßen) fand am Dienstognachmittag eine Ausschuß- sil-,ung statt, die sich mit der Ausgestaltung des am 18. Juni geplantenFestes der Jugend" auf dem Schiffenberg beschäftigte. Der Festzug stellt sich um 14.30 Uhr an der Apselbaumallee in der Richtung nach Hausen zu auf. Das Fest beginnt um 15 Uhr. lieber die Bortragsfolge wurde schon an dieser Stelle berichtet. Den Ordnungsdienst hat die Frei» willige Feuerwehr von Watzenborn-Sleinberg über­nommen, während der Sanitätsdienst in den Hän­den der Sanitätskolonne desselben Ortes liegt. An dem Fest beteiligen sich die älteren Schuljahrgänge von Garbenteich, Hausen, Klein-Linden, Leihgestern, Steinbach, Watzenborn-Steinberg und viele Slinder aus Gießen. Die evangelische Mädchenvereinigung von Klein-Linden bietet Reigen und Gesang, auch wirkt der Frauenchor von Hausen durch Gesang mit. Sämtliche Chöre behandeln Heimat und Vaterland, den Reigen liegen neben demselben Gedanken auch unsere schönen Volkslieder zugrunde. Jedem mit» wirkenden Schulkind wird eine Brezel überreicht.

Dank Oer Ehrenbürger von Grüningen.

(D Grüningen, 6. Juni. Dieser Tage gingen dem Bürgermeister Euler Dankschreiben des

n i n g e n zu. Die Dankschreiben haben folgenden Wortlaut:

Berlin, den 1. Juni 1933.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Für die Ehrung, die mir der Gemeinderat der Stadt Grüningen durch die Verleihung des Ehren- bürgerrechts erwiesen hat, und für die Ueberfenbung des Ehrenbürgerbriefes spreche ich meinen aufrich- tigen Dank aus. Ich nehme bis Ehrung gern an unb fenbe Ihnen unb meinen neuen Mitbürgern meine herzlichen Grüße unb meine besten Wünsche für bis Zukunft von Grüningen.

von Hindenburg.

Das Schreiben des hessischen Ministerpräsidenten unb Staatsministers Prof. Dr. Werner trägt durch Eigenhändigkeit des Schreibens eine persön­liche Rote unb beweist roieberum, wie sehr er sich mit seiner engeren Heimat oerbunben fühlt.

Darmstabt, ben 3. Juni 1933.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Grüningen. bie alte, feste Stabt am Römerwall, sendet mir Ehre und Gruß zugleich. Und wie ich beides erhalte, taucht die Grüninger Warte, taucht Schiffenberg, taucht Münzenberg, die ganze geliebte Landschaft des Hüttenbergs und der nörd­lichen Wetterau vor mir auf, und mein Herz lacht, wenn ich sie schaue.

Seien Sie unb Ihr verehrlicher Rat herzlich für bie Ernennung zum Ehrenbürger bedankt, für eine Ehrung, bie ich gerne annehme und wohl zu würdigen weiß.

In Hessentreue grüßt Sie und Ihre Gemeinde Ihr alter Dr. Werner.

Blumen auf den Tisch!

3n der römischen Kaiserzeit wurden Mengen von duftenden Rosen aus die Tische geschüttet, Rosen von dunkelstem Rot und leuchtendstem Purpur, Rosen von schwerem, betäubendem Ge­ruch und mit vollen, herrlichen Blutenkelchen.

Diese Dlumenverschwendung war ein Ausdruck der damaligen Lebensform, entsprach der ba­rocken Kulturentartung. Sie verging mit dem Zusammenbruch des römischen Weltreiches, aber die Blume als Schmuck des gedeckten TischeS hat sich durch die Jahrhunderte hindurch erhalten, sich immer nach dem jeweiligen Lebenszuschnitt richtend und bald von großmütiger Hand in reicher Fülle hingestreut, bald zierlich als Strauß in einer Base gesammelt.

Auch heute noch ist das einladende Aussehen der gedeckten Tafel nicht nur von einem tadel­losen Tischtuch und einem geschmackvollen Ge­schirr abhängig. Die Aufstellung der Gläser und die Anordnung der Teller und Bestecke werden von Richtlinien bestimmt, die die Gesellschaft fest­gesetzt hat. Ilm Tafelschmuck allein kann die Wirtin ihren eigenen Geschmack und ihren Sinn für eine ansprechende Auflockerung der strengen Ordnung zeigen Blumen, lebende Blüten und Ranken, gehören auf den Tisch Jede Jahres­zeit schenkt uns eine Fülle von blühenden Ge­wächsen. auS denen man nur auSzuwählen hat.

In blauen Gläsern stehen die Hellen Früh­lingsglöckchen, und die ersten Blütenzweige legen sich schmal und zart über den Tisch. Ein bunter Strauß von Wiesenblumen und f eingliedrigen Gräsern sieht lustig aus dem runden Raps­kuchen heraus, und zu der verfeinerten, etwas müden Atmosphäre des Teetisches stimmen die rötlichen Ranken vorn wilden Wein und eine Schale voll gelber Rosen.

Das ist es: nichts vermag die Bedeutung der Stunde und die Eigenart des gedeckten Tisches so auszudrücken wie die Blume. Sie bringt mit ihren leuchtenden oder zarten Farben, mit ihren gefälligen ober bizarren Formen Leben in das Bild unb ist immer erfreulich aruufefren. Sie schmückt ben ganzen Raum unb grüßt jeden, der inS Zimmer tritt. Sie ist ein freundlicher Aus­druck eines heiteren, schönheitsinnigen Geistes.

Zugendtag und Sonnwendfeier -1933

Der Hessische Mini st er für Kultus und Bildungswesen teilt in einem Schrei- ben an die Direktionen unb Leiter der höheren Schulen und ber gewerblichen Lehranstalten sowie an die Kreis- unb Stadtschulämter folgendes mit:

Der Iugendtag wirb bieses Jahr am 2 4. I u n i als Fest ber nationalsozialistischen Revolution ge­feiert.

Morgens finbet das feierliche Aufziehen der Reichsflaggen auf den Schulen statt. Dazu haben ber ganze Lehrkörper und alle Schulklassen anzu­treten. In einer Rede ist besonders des Anteils der Jugend an der deutschen Revolution zu gedenken.

Mit Fahnen und Wimpeln des deutschen Jugend- Werks (HI., B d.M., ID.) marschiert jede Schule auf ben gemeinsamen Festplatz. Dort sollen weniger vorbereitete Darbietungen gezeigt werben, als fri­sches, fröhliches Treiben herrschen, umrahmt mit Musik, Mannschaftsspielen, Gesong, Tänzen usw. Aus die gemeinsame Beendigung ist Wert zu legen.

Abends werden mit der SA., SS. und den

und aufrüttelnd, wegweisend und zielgebend: Glaubt ihr nicht, so bleibet ihr nicht!* Anschließend hielt Pfarrer Dr. Lausenberg- Butzbach für die kleinere Schar der katholischen Iungvolkleute Messe. Rach dem Frühstück folgten Wettkämpfe und Singen mir anschließendem Mit­tagessen. Nachmittags setzte sich eine schier endlose Schar von über 3000 Jungen in Braunhemd, unter Liebgesang, Fanfarenklängen, bumpfer Landsknecht­trommelschlägen nach der Burg in Marsch. Mühsam drang die Kolonne durch die von vielen Tausenden gesäumten Anmarschstraßen. Der weite Burghof vermochte bie Massen nicht zu fassen. Mann stand an Mann in fürchterlicher Enge und Hitze.Was liegt daran!" Alle Mauerteile bis zum ersten der drei Tore und jedes freie Plätzchen waren schwarz von Menschen.

Ls mögen 6000 bis 7000 unb vielleicht noch mehr gewesen sein, bie sich unter der vom öst­lichen Turm knatternden hakenkreujfahne unb dem riesigen schwarzen Danner mit ber Sig- Rune, dem Zeichen des Jungvolkes, unb ber fchwarzwcißrolen Fahne sammelten.

Richt endcnwollender Gruß empfing den Reichs- statthafter Sprenger und grüßte vieltausend­fältig in ihm das ganze deutschfühlende Bolk und Land, samt Führer und Bewegung. Unter dump­fen Trommelwirbeln, Fanfarenstößen, Liedern und Märschen schritt der Statthalter mit seinem Stab die endlosen Fronten ab. Rach einem packenden Crußwort des Lager- und Stammesführers D. Hainer (Butzbachs und dem Treubekenntnis der Massen »um Führer und Deutschland des nationa­len Aufbruchs sprach der Statthalter ein­dringliche. wuchtige Worte über deutsches Volks­tum und Jugend. Freiheit und Brot und den Füh­rergedanken. Der Pfingstsonntag vereinigt, so sagte der Reichsstatthalter, u. a. deutsche Jugend zu einer Huldigung für Adolf Hitler, der es zur Aufgabe gemacht hat, der deutschen Jugend eine lichtvollere Zukunft zu bereiten. Die 3ugend bekennt sich heute wieder zur Sparsamkeit und zur Rüchternheit. zu alten deutschen Tugenden, die allein Gewähr find für den Fortbestand der Ra­tion, dessen Träger die Jugend ist. Es gilt wieder der Grundsatz der Leistung, zu dem sich gerne auch die Jugend bekennt. Es gilt wieder Pflichten zu erfüllen gegen Volk und Staat,, denn nur dann wird der deutsche Mensch auf seinem deutschen Boden wieder frei. Das deutsche Volk will sich unter ber Führung seines Dolkskanzlers wieder zu friedlicher Arbeit zurückfinden und damit der

Münzenberg, 7. Juni. Schon viele Ju­gendtreffen sah unser altes Städtchen und seine truhige Burg. Aoer wiche Massen von begeister- ten Jungen wohl noch nicht. Aus allen Gauen, Dörfern und Städten unserer Heimat waren sie herbcigeeilt, um frohe Tage zu erleben.

Biele Tage zuvor begannen bie ersten Vorbe­reitungen. Viel organisatorische Arbeit war zu leisten, um einen reibungslosen Verlauf, genu- genbe Verpflegung, gute Quartiere zu besorgen.

(Bern unb freudig halfen bie Münzenberger mit Rat und lat ben jungen Führern bei ihrem

Umsicht unb Tatkraft fordernden Werk.

Riesenzelte werden am Hang des Steinbergs, einer alten, germanischen Kultstätte, aufgeschla­gen, in jeber Scheuer Lager für 30 bis 70 Jun­gen gebaut, Feldküchen auf gestellt, Waschkessel in Gebrauch genommen, Raturalien gesammelt, Tele­phonleitungen gelegt, eine große Sanitätswache eingerichtet, Arbeit über Arbeit geleistet, alles in froher Erwartung großer Tage mit großer Begeisterung.

21m Freitag begann bann von allen Seiten unserer engeren Heimat ber Anmarsch ber Kolonnen zu Fuß, mit Dahn, Omnibus. Last­wagen auf staubigen Straßen, unter heißer Sonne, oft auf weiten Wegen. Aber die frohe Erwar­tung ließ alle begeistert ausharren. Wie viele Scharen machten selbst nach anstrengendsten Mär­schen einen exakten Eindruck und Dcrrieten die Disziplin der Jungens und bie Tüchtigkeit so manchen Iungführers. Und Münzenberg grüßte das Jungvolk mit einem Wald von Fahnen des alten und des neuen Reichs, alter unb neuer Kraft. Fast , jedes Haus zeigte ferne Festes­freude. , ...

Am Samstag wurde geprobt, geübt und die letzte Vorbereitung getroffen, ein ^^ß-Thing nach Vorväter Weise gehalten und mit Appell das Lager eröffnet. Eine große von vielen Tausenden besuchte

Gefallenengedächtnisfeier im Burghof beschloß ben ersten Lagertag mit lobembem Feuer.

Arn ersten Pfingsttag in aller Frühe versammelte sich die schier unübersehbare Schar der Lagerleute und Gäste von fern unb nah zum evangeli­sch e n Felbgottesdienft im Burghof. Der Ortsgeistlicl-e, ein langjähriger Anhänger ber Be­wegung, Pg. Pfarrer Lenz, rief Gottes Wort von Pfingsten in bas Heute unb bie Herzen, mahnend

gen Dr. ortgefchlen ®e- echsJahre» ® elbftrafe Ehrenrechte auf aatsanwall bi- r ei gang im 1 Zum Betrüge chen unb wegen Falle der Zeit- .

sechs Mo- fahren. Dr. Ge- nbenburg-fiura- Verfügung fbn- Dr. Gereke die leller und Pfen>

452 000 Tbrl en Berechtigten getroffen, durch öierigkiltn ge- t gewesen [ein, n durfte, sonst n operiert. Fm rusgestellt, bah it hinein nur )C5 mar. Es llhause an, bafj Durben, um die e hinwegzubrin. eichen Zeitpunlt [er Summe entnommen hier habe er die en Verband >g>

menschlichen Kultur unb der Zivilisation bienen; es betermt sich zu Adolf Hitler und zum greifen Generalfeldmarschall, zu ihrer Arbeit im Dienste des DolteS. Ihnen gilt der Treuschwur und daS dreifache »Sieg-Heill" Das Horst-Wef fei- Lied brauste auf, Tausende von Armen strecken zum Gruß gen Himmel, unb bann verlieh ber Statthalter die begeisterte Menge, zu neuer Ar­beit fahrend.

Die Weihe zahlreicher Wimpel be­schloß bei loderndem Feuer und einer wiederum den Burghof überfüllende nach vielen Tausenden zählenden Menge ben Abend. Der verheißene und mit Spannung erwartete Iungvvlkführer Deutsch­lands und Oesterreichs Bun Geißler hatte leider abgesagt.

Den zweiten Pfingsttag füllte fröhliche- Lager- treiben, Geländespiel u a. m.

Den Höhepunkt diese« läge« bildete da« Erscheinen de« hessischen Staatspräsidenten

Dr. IDerner,

und allen durch seinen sein ganze- Leben füllen­den Kamps gegen undeutschen Geist ein guter Be­kannter und verehrter Führer geworden

Der Pfingstdienstag brachte ebenfalls fröhliche Stunden und abwechslungsreiches Treiben im Lager. Feld und Straßen Am Abend wurde das Lager mit einer Feier und prasselnden Flammen beendet- Ab Mittwoch früh erfolgte ber Ab­marsch, einige Aufräumungskommandos blieben diesen Tag noch zurück.

Alles in allem sei gesagt, daß das Jungvolk große Tage hier verlebte. Möchten sie von blei­bendem Wert sein! Richt nur durch eine lebendige Erinnerung, sondern auch und noch viel mehr durch Stärkung des nationalen Kampfes und des sozialen Geiste-.

Buntes Allerlei.

Elektrizität sichert den iHaum.

In dem Wettlauf zwischen Technik und Ver­brechen haben sich bisner die Einbrecher nicht be­siegt gegeben. Stets hören wir wieder von un­erwünschten Besuchen, oie Geschäften und Banken abgestattet werden- Das Berliner Polizeipräsi­dium hat bereits vor einem Jahrzehnt eine eigene Beratungsstelle geschaffen, die Die bewährtesten Sicherungs-Systeme sammelt und das Publikum Aur Benutzung solcher Maßnahmen anspornt, da Die Polizei ja im Kampf gegen das Verbrecher­

unwesen gewöhnlich erst bann auftreten kann, wenn es zu spül ist, b. h wenn der Raub bereits au-geführt ist Einen intereffanten llcbcrblid über den ..elektro-automatischen Sicherheitsdienst", der heute für den Haus- und Raumschuh möglich ist, bietet Ingenieur Kirsch in der Leipziger .Illustrirten Zeitung" Dabei muß sowohl auf die Eigenart der Räume wie auf die Lage der Gebäude Rücksicht genommen werden. Der Auhenschuy beginnt bereits an den Fenstern. Türen und Schlössern, an den so leicht zugäng­lichen Auslagen der Geschäfte. Die Türfelder werden vollständig unsichtbar unb so weit ge­sichert, daß schon beim Anfeyen eine- Bobrers oder Stemmeisens die hindurchgehende elektrische Leitung geschlossen unb Alarmsignal gegeben wirb. Aehnlich ist es bei Schloß-Sicherungen- Jeder unbefugte Eingriff löst bei der geringsten Berüh­rung Warnungssignale aus- Für den Innenfchutz sind heute die Apparate so ausgebildet, daß selbst die größten Räumlichkeiten automatisch abgerie- gelt werden können Das Geheimnis der Anlage liegt in dem eingebauten Klein-Rotor, ber schon bei ber leisesten Berührung der ausgespannten unsichtbaren Fallen-Schnüre ben Alarm auslöst. An Signal-Apparaten werden in erster Linie Läutwerke, Sirenen unb Hupen verwendet, wobei gewöhnlich noch in Leuchtschrift bie Worte ..Ein­bruchsdiebstahl, ilcbcrfall!" aufflammen und die Aufmerkfamlett beS Personals ober von Polizei­streifen erwecken Durch bie Verwendung feiner Kontaktfäden, die an der Rückseite angebracht sind, können auch Kunstgegenstände aller Art gegen Diebstahl gesichert werben. Ein Fußboden­schutz, ber unsichtbar angebracht unb auch unter dem Puh der Wandbespannungen angelegt wer­den kann, tritt in Wirksamkeit, wenn versucht wirb, Böden und Mauern zu durchbrechen Gegen Schaufensterberaubung sichert der clettro-automa- tische Eturzpanzer, von dem der Einbrecher nichts vermutet, der aber in dem Augenblick nieder- stürzt, ba die Glasscheibe verletzt ist, und das Schaufenster selbsttätig abricgelt. Die modernen Stahlkammern können durch ben sog Baupa- Penbel vollkommen geschützt werben Die unsicht­baren, von lichtempfindlichen Photozellen aus­gehenden Strahlen bringen in dem Moment Alarm hervor, in dem der Verbrecher sich im Bereich der ausgestrahlten Lichtwellen bemerkbar macht. Bei diesem modernen elektrischen Sicher­heitsdienst ist jeder Kurzschluß oder Zerstörungs­versuch sowie die Möglichkeit eines blinden Alarms ausgeschlossen-

Die fliegende Teufelskugel.

OerMontgolfitzre" erster Aufstieg im Juni 1783.

Don Hans Sturm.

Mehrere Jahre vor Ausbruch ber französischen Revolution verlieh ein junger Student namens Joseph Michel Montgolfier bie Uni- terfität zu Paris, ba ihm bie mathematisch<m, physikalischen unb mechanischen Stubien nicht mehr recht zusagten, unb übernahm in seiner Heimat- ftabt Annonay unweit von Lyon die Papier­mühle seines Vaters, in ber zuerst bic glatten Velinbogen bis bahin kannte man nur geripp­tes Schreibpapier hergestellt würben. In fei­nen Muhestunben las er kaum bie Aufklärungs­schriften der Voltaire, Rousseau und Diderot, die in seinen Landsleuten einen fieberhaften Hunger nach Völkerbeglückung erweckten; er vertiefte fio) lieber in bic Werte früherer Dichter, bie er auf einem vor ber Stabt gelegenen Hügel genoß-

Eines Tages fiel ihm ein mit schönen Kupfern gezierte- Buch in bie Hände,Komisch e G e - schichten ber Staaten unb bes Rei­che- auf bem Monde", verfaßt von Ly­rano be Bergerac, gedruckt zu Straßburg im Jahre 1655. Er blätterte darin herum und fand bie Stelle, wo geschildert wirb, wie sich ein Weltreisender in bie Luft heben läßt:®t füllte eine Anzahl von Flaschen mit Tau unb band sie sich mit seidenen Schnüren um den Leib. Die Son­nenstrahlen erwärmten ben Tau in ben Flaschen, unb ber gewärmte Tau hob sich langsam, wie man bie- bei größeren Gewitterwolken beobachten kann höher unb höher". Unb weiter las er von einem Luftfahrzeug,bad mit Hilfe von rauchgefullten Gefäßen sich in bie Wolken zu heben vermag". Da dachte er an bie mit dem Bruder Iaques Etienne früher unternommenen physikalischen Versuche, das Gewicht der verschiedenen Luftarten festzustellen. Sie hatten in einem großen Sack aus Seide die Luft erwärmt, und dieser Sack war sofort gegen die Zimmerdecke gestiegen.

Jetzt nahm er mit seinem Drüber bie Versuche toieber auf. Die Beiden stellten Berechnungen an: wenn man einen größeren Papierballon herstelle und die Atmospäre in diesem genügend verdünnen könne, müsse er aller Voraussicht nach in bie Höhe steigen, beim benMenschen mit Vogel­flügeln" hielten bie beiden zwar kühn, aber immer­hin sachlich denkenden Brüder für eine Unmöglich­keit. Vielleicht enthält auch der sich beim Feuer- machen entwickelnde Rauch eine auftreibende Kraft?, <o überlegten sie weiter. Dies schien ihnen einfacher unb erfolgversprechenber als bie Idee des Portugiesen G u s m a o ; dieser hatte im Jahre 1709 vor dem König Don 3uan V. im Hose bes Palastes zu Lissabon versucht, in einem Luft­fahrzeug mit luftleer gepumpten Blechkugeln auf­zusteigen. Er flog aber gegen eine Zinne des Kö­nigspalastes und wurde nun von den einen an­gestaunt. von den anderen ausgelacht von allen aber bald vergessen. Die Brüder stellten noch einige Versuche mit Papierballonen und mit Was­serdampf gefüllten Säcken aus Leinen an und be­gannen dann den Bau des ersten gro­ßen Luftballons, dessen Aufstieg auf den 5. Iuni 1783 angeseht wurde unb bas ganze Städt­chen in Aufregung brachte.

In aller Frühe schon war ber kleine Marktplatz von Annonay menschenüberfüllt; nicht nur alle Einwohner hatten sich eingefunden, sondern auch auch der Umgegend waren die Reugierigen gekom­men, um das Wunder mitzuerleben. Ratürlich wa­ren auch die Behörden zugegen. Mitten auf dem Platze hob sich die rauchgefüllte Kugel, wurde praller unb praller und sah mit ihren 20 000 Kubikfuh Inhalt und ihrem etwa 11 Meter be­tragenden Durchmesser aus wie eine Riesenzitrone, bie immerhin ein Gewicht von 225 Kilogramm hatte. Sie war aus Leinenstoff gefertigt unb innen mit festem Papier verklebt. Lustig brannte auf dem Boden unter dem Ballon ein Feuerlein aus feuch­tem Stroh und zerhackter Wolle. Unheimlich schwankte die mächtige Kugel im Morgen­wind. neigte sich hin und her und zog an den Halleseilen, so daß schon einige überängstliche

Bauern in die Kirche liefen und beteten, der Herrgott möge doch diefliegende Teufelskugel" zerstören.

Indessen stieg die Spannung auf dem Marktplatz von Annonay von Minute zu Minute. Da trat der Bürgermeister auf die Brüder Montgolfiör zu und wechselte mit ihnen einige Worte. Run gab ein Böllerschuß da- Zeichen zum Aufstieg; bie Knechte ließen die Halleseile los, und mit einer unerhörten Leichtigkeit erhob sich der Riesenvogel lautlos ben Wolken zu, und zwar, wie ein Chro­nist berichtet, etwa dreihundert Meter hoch. Rach acht Minuten ging er zwei Kilometer sübwärts in einem Weinberge nieber.

Heberall war man überrascht von bem günsti­gen Ausgang ber ersten Luftfahrt. Einige begei­sterte Beamte von der Verwaltung bes Departe­ments erörterten schon bie Frage, ob der Luftbal­lon nicht bald die langweiligen Gestelle der Land­straße ersetzen könne, man brauche dann keinen Radbruch mehr zu befürchten unb auch keinen ileberfall burch Räuberbanden. Die Gelehrten schreiben und erhallen Briefe unb regen eine Sammlung für einen neuen Ballon an, ber in wenigen Tagen 100 000 Livres bringt. Wenige Wochen später steigt ber neue, burch ben Physiker Charles verbesserte Ballon auf. Er ist mit WasserstosfgaS gefüllt und erhebt sich trotz eines einfehenden Platzregen- schnell tausend Meter hoch, um darauf in den Wolken zu ver­schwinden. Rach' dreiviertelstündiger Fahrt geht er bei bem Dorf Gonesse nieber. Die Bauern stürzen herbei, um bas vermeintliche Ungeheuer, vom Teufel gefandt, mit Mistgabeln unb Dresch­flegeln totzuschlagcn; bem Pfarrer, ber bie Leute beruhigen will, hält man entgegen, ber fliegenbc Unhold habe eben nochgiftigen Atem" von sich gegeben. Sie binden die Fetzen der Ballonhülle an ben Schweif eine- Pferbes, bas sie johlend über bie Felber treiben, unb lassen erst davon ab, als bie Regierung überall Warnungen und Anordnungen erläßt, daß es sich um eine zwar neue, aber harmlose Erfindung handelt.

Im windstillen September wurde eine dritte Fahrt unternommen, diesmal m i t drei lebenden Passagieren : einem Hammel, einem Hahn unb einer Ente. Els Mi­nuten dauerte die Füllung des Ballons, der nach acht Minuten drei Kilometer vom Startplatz ent­fernt in einem Gehölz bei Dancresson landete. Die Tiere waren wohlbehalten, nur dem Hahn war die Spitze des rechten Flügels gebrochen, bas rührte aber von einem Fuhstoße bes Schafes her, unb war in Gegenwart von mehr als zehn Zeugen wenigstens eine halbe Stunde vor dem Versuche gescheyen".

Der ben gelandeten Ballon zuerst fand, der Apotheker de Rozier, war auch der erste Mensch, der mit seinem Freunde d ' A r l a n - des wenige Wochen später eine Luftfahrt unternahm. Eine gefährliche Fahrt, denn die Bei­den muhten bald das Feuer schüren, um nicht ab­zustürzen, bald es wieder dämpfen, um nicht zu ersticken oder gar zu verbrennen, bis sie acht Kilo­meter von Paris in einem lieblichen Tal lande­ten. FünfundzwanzigMinuten hatte der erste Menschenflug gedauert. Als der Ballon auf Boden aufsehte, senkte sich die Hülle auf die Luft­fahrer nieder und drohte sie zu verbrennen; Mar­quis d'Arlandes konnte ausweichen, de Rozier ver­mochte sich nur mit großer Mühe hervorzuarbeiten. Mit allen erdenklichen Ehren wurden die Beiden überhäuft, die als ersteihr Leben einer Luft­blase anvertraut" hatten.

Es ist ein weiter Weg von dem Aufstieg der ersten unbemannten Montgolsiere bis zu unseren Zeppelin-Luftschiffen, aber in der Geschichte der Luftschiffahrt wird hell leuchten der 5. Iuni 1783, der Tag, an dem der ikarifche Traum der Menschheit seine erste, allerdings noch primitive Verwirklichung fand.