Die AmtseiiWmng Prinz Philipps von Hessen als Oberpräsidenl von Hessen-Aassau.
Kassel, 7. Juni. (Lpd.) Ganz Kurhessen und Waldeck steht im Zeichen der feierlichen Amtseinführung des neuen Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Rassau, Prinz Philipp von Hessen, die durch die Teilnahme des Preu- hischcn Ministerpräsidenten Göring und zahlreicher in- und ausländischer Persönlichkeiten ein besonderes Gepräge erhielt. Kassel, die ehemalige Residenz Kurhessens, bietet ein farbenprächtiges Bild. Die Bahnhofshalle ist mit frischem Grün und Girlanden festlich geschmückt; auf dem Bahnhofsvorplatz wehen von vier hohen mit Tannengrün umkränzten Masten neben den Symbolen des alten und des neuen Reiches italienische Staatsflaggen. Ministerpräsident G ö- ring, der Prinz von Hessen, beide in SA.-LIniform, sowie die Gemahlin des Prinzen, Prinzessin Mafalda, wurden auf dem Bahnsteig von Reichsstatthalter Sprenger und Gauleiter W e i n r i ch , sowie von den Spitzen der Behörden begrüßt. Auf dem Bahnhofsvorplatz, wo eine Hundertschaft der Schutzpolizei, SA.-, SS.- und Stahlhelmabteilungen Aufstellung genommen hatten, wurde unter dem Klängen des Präsentiermarsches und dem Jubel der Bevölkerung die Front abgeschritten, worauf die Fahrt zum Roten Palais erfolgte, wo Oberbürgermeister Dr. L ahme y e r namens der Stadt Kassel dem Ministerpräsidenten herzliche Willkommensgrüße entbot und ihm den Ehrenbürgerbrief überreichte.
ijür die Gauleitung Kurhessen der NSDAP, begrüßte Gauleiter W e i n r i ch (Kassel) den Ministerpräsidenten. Reichsstatthalter Sprenger begrüßte den Prinzen Philipp als Oberpräsidenten und wies auf das verantwortungsvolle Amt, das ihn erwarte, bin. Er gab dem Wunsche Ausdruck zu gemeinsamer Arbeit, um die hohe Aufgabe erfüllen zu können, zu der der Führer den Weg gewiesen habe.
Ministerpräsident Göring
dankte zunächst dem Oberbürgermeister für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Wenn ich heute meinen ersten offiziellen Staatsbesuch gerade dieser Provinz zuteil werden ließ, so erkennen Sie darin auch ein gewisses Vorzeichen. Es ist das Herz Deutschlands und ich ging zuerst zum Herzen. Diese Provinz ist wirklich ein Juwel, und ich glaube, daß ich meinem lieben Mitkämpfer Prinz Philipp kein Größeres antun konnte, als daß ich heute dieses Juwel zu treuen Händen ihm übergebe. Ich bin mir bewußt, daß die Provinzen nur von Nationalsozialisten regiert werden können, und ich möchte hier sagen, das ist es, was uns verbindet, die gemeinsame Idee und der Kampf in vielen Jahren.
Es ist für diese Provinz etwas Besonderes, daß ich einen der treuesten Mitkämpfer an die Spitze stelle. Sie wissen, daß Sie das Bertrauen des Führers und mein Vertrauen haben und ich glaube Ihnen sagen zu können, wer das Vertrauen des Führers hat, hat auch das Vertrauen des Volkes und dieses Vertrauen wird Ihnen Ihre schwere Aufgabe erleichtern. Darüber hinaus begrüße ich es auch, daß ich Sie an die Spitze stellen konnte und daß ich Sie heute hier einführen kann, wo Ihre Ahnen einstens zum Segen des Hessenlandes regiert haben. Hier sollen sie nun Traditionen schönster Art forlführcn. Ich bin darüber hinaus froh, daß Kassel wieder nicht nur zu einem Mittelpunkt des kulturelles Lebens wird, sondern zu einem Mittelpunkt jener freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Lande Italien und unserem Vaterland. Die gemeinsame Weltanschauung, die beide Länder heute als Grundlage ihres Seins haben, verbindet sie. Darüber hinaus war Italien das einzige Land, das in den vergangenen Jahren wiederum zu Deutschland gestanden hat und jeder
Ore romantische Nacht.
Von H. Schm dt-Ellrich.
Wir befanden uns auf der Fahrt von Amsterdam nach Vigo. Klar und mild war die Rächt. Wir lagen zu fünfen in unseren Stühlen auf dem Promenadendeck und dachten endlose Gedanken. Leise stampfend zog die „Sierra Cordoba" ihre Dahn durch das glatte, sternenüberglänzte Meer.
„Eine romantische Rachti" unterbrach Lützeler, der Rotterdamer Kaufmann, das Schweigen. Rie- mand antwortete ihm. Rur Leggewie, der junge Schriftsteller, ließ sein schallendes Lachen hören, worauf jener, beleidigt und ein wenig erregt, sich an diesen wandte:
„Darf ich Sie fragen, mein Herr, was Sie veranlaßt —?"
„Aber nicht doch", fiel ihm besänftigend Leggewie ins Wort.' „Richt, daß ich Sie hätte beleidigen wollenl Verzeihen Sie, wenn es den Anschein hatte! Ich lachte nur, weil mit einfiel, daß die Gedanken eines jeden unter uns, bei Licht besehen, wohl wenig mit Ihrer gefühlvollen Feststellung übereinstimmen. Sie werden das selbst zugeben müssen, Herr Lützeler. Jedenfalls, was mich betrifft: ich überlegte soeben — rein sachlich! — die Pemte einer Kurzgeschichte, die ich anfangs kommend r Woche nach Berlin zu liefern habe."
Da lachte über die gelungene Art auch der Holländer. L.ggcwie, der fei che Junge, schallerte hinterdrein und wir andern schlossen und gleichfalls an.
„Ra, gut denn", sagte der Mynheer, „so will ich auch Ihnen gestehen, zuerst —"
zuerst und vor allem", vollendete Kam- mann, den wir als Weltbummler kennengelernt hatten, frei in seinem Sinn den Sah, „zuerst und vor allem an die gegenwärtig ungünstige Entwicklung der Kupferpreise gedacht zu haben." „Gut geraten!", bestätigte der Börsenmann. „•Unb du?", wandte sich Leggewie, mein Freund, nun auch an mich. Unb immer noch lachend, bekannte auch ich, daß die Dinge, die ich gedacht hatte, durchaus nüchterner Ratur und wirklich nicht romantisch gewesen waren.
„Ra also!" gab er sich endlich zufrieden.
Dann tat er, was er immer tat, wenn er recht bekommen hatte: er begann vorzutragen.
„Meine Herren! Sie haben gesehen, daß es in unserer späten, schnellebigen Zeit einen Hang nach Romantik nicht mehr gibt. Die Romantik ist gestorben. Der Realismus, die Uebermacht alles Realen in unferm hastenden Dasein."
„Sie irren. Mister Leggewie!!"
an seinem Platz hat versucht, diese Beziehungen auszubauen und Sie wissen, Prinz Philipp, wie unser Führer an den Stufen des Reichstags diesen herzlichen und engen Beziehungen aufrichtige Worte gewidmet hat. Ich bitte Sie, diese Beziehungen weiter auszu- bauen und Kassel zu einem Mittelpunkt dieser außenpolitischen Aufgaben zu machen."
Prinz Philipp
dankte in herzlichen Worten für die Einführungsrede des Ministerpräsidenten, die ihm als Leitfaden für sein ganzes zukünftiges Wirken dienen solle. Er betonte, daß er als treuer Rationalso- zialist dem Ruf seines Führers gefolgt sei und bat um das Vertrauen seiner Mitarbeiter, welches das Fundament der Arbeit sein soll, ßum Besten der Provinz und des Vaterlandes.
Im Anschluß an ben Festakt trugen sich die Gäste in das Goldene Buch der Stadt Kassel ein. Di? Reden wurden durch Lautsprecher übertragen, so daß die vor dem Roten Palais versammelte tausend- köpfige Menschenmenge an dcn Feierlichkeiten teil« nehmen konnte. Als der Ministerpräsident mit dem neuen Oberpräsidenten auf dem Balkon des Schlosses erschien, erklangen das Deutschlandlied und die ua- lienische Nationalhymne. Ministerpräsident Goring hielt eine Ansprache an die Bevölkerung. Das Hoist- Wessel-Lied und der italienische Faschistenmarsch bildeten den Abschluß der Feier. Die Gäste begaben sich dann vor das Hauptportal des Schlosses, wo sie den Vorbeimarsch der nationalen Verbände und einer Hundertschaft der Schutzpolizei abnahmen. Darauf folgte die Weiterfahrt nach W i l h e l m s h ö h e, wo der Ministerpräsident und Prinz Philipp von Hessen Wohnung genommen haben.
Den Abschluß der Kasseler Feierlichkeiten bildete eine Festaufführung der Oper „Lohen- g r t n" im Staatstheater. Ministerpräsident Göring und Prinz Philipp von Hessen wurden bei dem Betreten der Ehrenloge von den Theaterbesuchern lebhaft begrüßt. Nach Beendigung der Festvorstellung bewegte sich ein großer Fackelzug durch die Straßen der Stadt. Von der Bevölkerung begeistert begrüßt, wurde sodann die Rückfahrt nach Wilhelms- Höhe angetreten. Am Donnerstag findet eine Besichtigung von Wilhelmshöhe statt, worauf um 12 Uhr d i e Fahrt durch Hessen-Nassau angetreten wird.
Zusammenarbeit der preußischen Ober- und Regierungspräsidenten mit den Gauleitern der NSDAP.
Berlin, 7. Juni. (WTD. Funkspruch.) Amtlich. Ministerpräsident Göring hat an die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten einen Erlaß gerichtet, in dem es heißt, daß die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten bei Erfüllung ihrer Aufgaben die Pflicht haben, mit den führenden nationalsozialistischen Persönlichkeiten ihres Bezirkes, also in erster Linie den Gauleitern Fühlung zu halten. Selbstverständlich wird hierdurch das dem Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten zustehende Recht der Exekutive in keiner Weise berührt; diese verbleibt vielmehr ausschließlich ihnen. Jedoch werden sie zweckmäßig vor wichtigen Maßnahmen mit dem zuständigen Gauleiter in Verbindung treten, um diesem Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Zu solchen Maßnahmen rechnen besonders die über leitende Beamte zu machenden Personalvorschläge. In den Berichten über derartige Personalangelegenheiten ist die Stellungnahme des Gauleiters anzugeben und, falls sie von der eigenen Auffassung abweichen sollte, dazu Stellung zu nehmen.
Seltsam! Denke ich an jenen Augenblick unserer Unterhaltung zurück, so ist mir, als wären wir alle erschrocken zusammengefahren, als Spaun, der fünfte unb frembeste in unserer Reisegesellschaft, so jäh Leggewies Redefaben zerriß. Wie auf Kommando blickten wir alle zu ihm hinüber. Unbeweglich lag er ba, bie Decke bis unters Kinn gezogen, unb mit geschlossenen Augen. Als hätte er bie Worte nie gesprochen.
„Wieso irre ich, Herr Spaun?" fragte ber junge Leggewie nach einer Weile.
„Wieso?" — Kalt und gedehnt gab es Spaun zurück, öffnete die Lider zu einem schmalen Spalt und musterte mit spöttisch verzogenen Mundwinkeln den Schriftsteller. Leiser und wie in innerer Hast fuhr er dann fort: „Weil Sie das Leben, das lebendige Leben, in unserer Vielgestaltigkeit verkennen, ©entfernen! Realismus ist ein törichtes Wort, mit dem diejenigen hausieren gehen, bie geistig zu blind sind, um den starken Zug nach allem Romantischen in unferm alltäglichsten Dasein zu erfassen. Zu blind — oder zu borniert. Das letztemal hörte ich das Wort aus dem Mund eines reichen Hamburger Bankmenschen. Sein Leben war gerade und dürr verlaufen wie ein Zollstock. Liebe war ein Begriff, den er nicht kannte. Oder dem er aus 2lngst vor — Romantik ausgewichen war. „Mein Leben steckt in meinen Bilanzen!", sagte er. Drei Tage später fand man ihn auf ber Terrasse feiner Sommervilla, in einem Sessel liegen!) — tot. Auf ber Weste ein kleiner, buntelroter Fleck. Ein Dolchstoß mitten ins Herz hatte unter fein zahlenreiches, wenig romantisches Leben einen nic^t gerade alltäglichen Bilanzstrich gesetzt--“
Hier schwieg ber Erzählenbe. Erst nach längerer Pause sprach er weiter:
-Der Mürber würbe nie entbedt. Er hatte wohl bie Spuren seines Verbrechens sorgfältig zu beseitigen verstauben. Rur in ber Bibliothek beg Hauses, in einer alten Familienbibel versteckt, sank) man ben kleinen, flachen Dolch mit ■Imc^er aKorö ausgeführt worben war. Unb — ich hätte es beinahe vergessen — im Privatwert- fad) des (Srmorbeten fehlten bie hunberttausenb 28ark, Die ber reiche Mann sich am Tag zuvor Don ^iner Bank hatte holen lassen, um einen Grunbstuckskauf zu tätigen — —“
Wieder schwieg Spaun. Unb wieder nach einer OSeile erhob er sich plötzlich, verneigte sich kurz und sagte: 0
denke, es ist an ber Zeit, schlafen zu gehen!
Verbuht sahen wir ihm nach, wie er hager unb ein wenig gebeugt, in ber Dunkelheit ber- schwand. Dann war es lange still.
Die AbriifflWskonserenz bis zum 27juni vertagt
Präsident Henderson begibt sich zu privaten Besprechungen nach London.
Genf, 7. Juni. (TU.) Das Präsibium ber Abrüstungskonferenz hat am Mittwoch auf Vorschlag bes Präsibenten Henberson einstimmig beschlossen, sich bis zum 2 7. Juni zu vertagen. Die erste Lesung bes englischen Abkommensentwurfes soll am Donnerstag endgültig abgeschlossen werden. Die nächste Sitzung des Präsidiums der Konferenz ist erst auf den 2 7. Juni festgesetzt worden. Diese dreiwöchige Vertagung der Konferenzarbeiten wurde von dem Präsidenten Henderson mit dem Hinweis begründet, daß ihm nach dem letzten Beschluß des Hauptausschusses jetzt die Führung der privaten Besprechungen mit den Mächten zur Vorbereitung der zweiten Lesung übertragen worden fei. Henderson betonte, daß die Anwesenheit ber Regierungschefs unb ber Außenminister ber maßgebenden Mächte a u f der Londoner Weltwirt s ch a f t s k o n f e r e n z für ihn eine Verlegung seines Sitzes nach London notwendig gemacht habe. Er beabsichtige, sich zunächst in London niederzulassen, um während der Konferenz fortlaufend bie nottoenbigen Besprechungen mit den Hauptmächten zu führen. Ein festes Programm für diese Besprechungen liege nicht vor. Auf Grund dieser Ergebnisse werde sodann das Präsidium bis zu dem auf den 3. Juli festgesetzten Wiederzusammentritt des Hauptausschusses die 2. Lesung des englischen Abkommensentwurfes vorbereiten können.
Der Vorschlag Hendersons wurde von Botschafter Radolnh unterstützt. Die Abrüstungskonferenz wird damit vom Donnerstag, dem 8. Juni an, zunächst bis zum 27. Juni ihre Arbeiten aussetzen, da auch keinerlei Aus - schußsitzungen während dieser Zeit stattfinden sollen. Das Schwergewicht der Abrüstungskonferenz verlagert sich nunmehr für die Dauer der Vertagung nach London. Der Vertagungsbeschluß entspricht den deutschen Interessen. Von deutscher Seite ist immer wieder auf bie Notwendigkeit endgültiger Entschei - düng em hingewiesen worden. Da die öffentlichen Verhandlungen der Konferenz ohne jede Einigung verlaufen sind, muß nunmehr als letzte Möglichkeit der Weg privater Besprechungen beschritten werden.
Oie Kontrolle
der WaffenhersteUung.
Der französische Antrag zurückgestellt.
G e n f, 7. Juni. (TU.) Botschafter Nadolny brachte im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz bei der Aussprache über den französischen Vorschlag zur Regelung ber Kontrolle der Waffen- herstellung und des Waffenhandels Bedenken der Reichsregierung zum Ausdruck. Die deutsche Abordnung seit bereit, eine jede Regelung der Waffenherstellung und des Waffenhandels anzunehmen, wenn dadurch die Abrüstung gefördert würde, wenn sie praktisch durchführbar sei und gleiche Anwendung auf alle Mächte finde. Die Regelung dieser Frage sei jedoch lediglich eine Ergänzung der praktischen Abrüstungsbestimmungen, keineswegs jedoch eine Bedingung für die Abrüstung. Botschafter Nadolny lehnte in Uebereinftim- mung mit Norman Davis die Abschaffung der privaten Rüstungsindustrie mit dem Hinweis ab, daß hierdurch nur die Schaffung von staatlichen Rüstungsindustrien gefördert würde. Deutschland sei bekanntlich jede staatliche Rüstungslndustrie verboten worden. Jetzt versuche man auch, die private Rüstungsindustrie zu verbieten. Deutschland verlange, daß die gleiche Kontrolle auf die staatliche und auf die private Rüstungsindustrie Anwendung finde.
Der italienische Vertreter Don R u s p o l i bezeichnete den französischen Vorschlag als eine voll
ständige Umgestaltung bes englischen Abkommens- entwurfes. Die italienische Regierung würbe zu einer grundlegenden Aenderung ihrer gesamten Haltung gezwungen sein, wenn ein derartiger Plan angenommen würde. Auch Staatssekretär Eden äußerte sehr ernste Bedenken. Ueberein- stimmend wurde von den Vertretern dieser Mächtegruppe darauf hingewiesen, daß selbver- ständlich die gewaltigen Kriegsmaterial l ä g e r einzelner Länder bei einer Kontingentierung in Anrechnung gebracht werden müssen, da sonst eine vollständige Verschiebung der Rüstungsverhältnisse eintreten würde. Rach einer mit ungewöhnlichem Stimmenaufwand vorgetragenen Anklagerede des französischen Sozialistenführers I o u h a u x gegen bie private Waffenherstellung, wurde dann der Antrag b i s zur 2. Lesung zurückgestellt und Henderson beauftragt, in der Zwischenzeit in direkten Verhandlungen eine Einigung herbeizuführen.
Oie (Strafanträge im Gereke-prozeß.
Berlin, 7. Juni. (ERB.) Im Gereke-Pro- zeß wurden bie Strafanträge gegen bie beiden Angeklagten gestellt: In feinem Plädoyer betonte der Anklagevertreter Assessor v o n H a a k e. er müsse mit aller Bestimmtheit feststellen, daß das Verfahren gegen Gereke mit Politik nicht mehr und nicht weniger zu tun habe, als je- der andere Prozeß, in dem der Staat gegen einen Schädling, gegen einen Gesehesverbrecher seinen gesetzlichen Strafanspruch geltend macht. ...es handele sich vielmehr umreineVermögens- d e l i k t e. Die rechtswidrige Aneignung von 74 000 Mk. durch Dr. Gereke allein rechtfertige schon die Verurteilung des Angeklagten. Dr. Gereke habe, anstatt auf die schweren Vorwürfe klare, eindeutige Ausführungen zu machen, um die Frage herumgeredet.
Der Staatsanwalt beantragte gegen Dr. G e - r e k e wegen Betrugs und wegen fortgesetzten Betrugs eine Gesamtstrafe von sechs Jahren Gefängnis und 1-0 0 0 Mark Geldstrafe unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von fünf Jahren. Der Staatsanwalt beantragte ferner, den Angeklagten Freigang im Falle der Beihilfe zur Untreue und zum Betrüge beim Hindenburg-Ausschuß freizusprechen und wegen Beihilfe zum fortgesetzten Betrug im Falle der Zeit-, schrift Gefängnis st rafe von sechs Monaten Bewährungsfrist von drei Jahren. Dr. Gereke war Bevollmächtigter des Hindenburg-Kuratoriums, dem diese Wahlgelder zur Verfügung standen. Nach Schluß ber Wahl mußte Dr. Gereke bie von ihm gemachten Ausgaben auf Heller und Pfen- nig abrechnen. Er hat dadurch, daß er 452 000 Mark Ueberschuß nicht zurückgab, den Berechtigten gegenüber eine Vermögensverfügung getroffen, durch die das Kuratorium in erhebliche Schwierigkeiten geriet. Dem Angeklagten mußte bewußt gewesen sein, daß er in dieser Weise nicht handeln durfte, sonst hätte er nicht mit falschen Rechnungen operiert. Im Falle „Zeitschrift" hat sich herausgestellt, daß Dr. Gereke bis in die neueste Zeit hinein nur Treuhänder des Verbandes war. Es mutet wie ein Stück aus dem Tollhause an, daß Dr. Gereke 30 000 RM. bewilligt wurden, um die Zeitschrift über die nächsten Monate hinwegzubringen, während Dr. Gereke zum gleichen Zeitpunkt bereits das Doppelte dieser Summe aus den Ueberfchiisfen der Zeitschrift entnommen hatte. Wenn Dr. Gereke erklärt, auch hier habe er die Gewinne aus der Zeitschrift für den Verband verwandt, so ist auch dies unrichtig.
„Eine Geschichte", meinte Leggewie schließlich, „ber bie innerliche Rutzanwenbung fehlt."
„Immerhin möglich", versetzte Kammann, gleichgültig, „baß wir sie noch erfahren. Aber ich glaube, für heute folgen wir erst mal bem Beispiel jenes kuriosen Knaben unb gehen zu Bett!"
Wir brachen auf,. An ber Treppe verabschiebete sich Kammann von uns: „Ich muß noch zum Funkraum hinauf; ein Telegramm — ich vergaß es."
Zwei Tage später lief bie „Sierra Corboba" in ben Hafen von Vigo ein. Als wir an ber Kaimauer festmachten, erschienen zwei Beamte ber Hafenpolizei an Bord unb fragten nach Herrn Spaun. Ich sah, wie er sich meldete, sah, wie die fremden Herren ihre Ausweise zeigten, ein kur er Wortwech'el — unb als erste verliehen bie brei, Spaun in ber Mitte, bas Schiff.
Leggewie unb ich starrten uns wortlos an. Da schlenberte Kammann vorbei.
„Hallo, Kammann, wissen Sie, was bas zu be- beuten hat?"
„Romantik!", lachte bet unb trat näher zu uns. „Ich gehörte nämlich, müssen Sie wissen, bamals zu ber Kommission, bie bas Verbrechen an dem Hamburger Bankherrn aufkläten sollte. Wir fanden keine Spur. Richt einmal bas Werkzeug, das zum Mord benutzt worden war — — bis vorgestern nacht der Mörder selbst das Versteck verriet. Ich fünfte nach Hamburg, und siehe ba: ber Dolch würbe nach Jahren an ber von Spaun genau bezeichneten Stelle gefunden"
„Rann?", frohlockte Leggewie, und ein triumphierendes Lächeln umzog seinen knabenhaften Mund. sah nur den erledigten Gegner.
„2a, junger Freund!" klopfte ihm Kammann, der „Weltbummler", vertraulich auf die Schulter, „aber mit dieser Pointe hat Spaun Sie auf ber ganzen Linie geschlagen. — Leben Sie wohl, meine Herren!"
Zeitschriften.
— In ber neuesten Rümmer 4603 ber „311 u ft r i e r t c n Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) sagt über bie Geselligkeit unb ihr belebendes Element, bie Unterhaltung, Eugen Kalk- schmidt tiefe Wahrheiten in einem Beitrag "Dinge, bie man nicht sagt". — In die Anfänge der Geschichte führt uns ein Artikel über die neuesten Grabungsarbeiten in Babylon und die Erforschung des Turmes zu Babel von Prof. Dr. Walter Bombe, -dem eine Anzahl inter» essanterAbbildungen beigegeben ist. Helen Hartmann schildert die Reifebeschwerlichkeiten in Lateinamerika und ihre Behebung mittels Flugzeugs. — Das aktuelle Gepräge des vorliegenden
Heftes wird noch durch bie eingehenbe Berücksichtigung ber mannigfaltigen Tagesereignisse erhöht.
— Die Monatsschrift „Deutsche Ratio n“. Verlag I. I. Weber, Leipzig, Reudnitzer Str. 1—7 (Preis 75 Pfennig je Heft) bringt in ihrem Heft 6 Worte Moeller van den Brucks über die Größe eines Volkes. Heber den ungebrochenen Willen Japans, bas von seiner großen Sendung im Osten nicht lassen wird, handelt ein Aufsatz des japanischen Kriegsministers Araki. Dr. von Leers schreibt über bie Verpflichtung, die das Parteibuch dem deutschen Rationalsozialisten auferlegt. Beachtung verdient ferner die neueste Form der Rubrik „Was das Ausland schreibt"... Dazu ein vorzüglicher Dilderteil.
— „Der Naturforscher" vereint mit „Natur und Technik". Bebilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaft und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, Wirtschaft und Technik. Herausgeber Dr. Oskar P r o ch n o w. Jahrgang 10, Heft 2: 36 Seiten Text, 2 Tafeln und 27 Textabbildungen. Preis vierteljährlich 2,50 Mark, einzeln 1 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Benin- Lichterfelde. — Das Maiheft bringt aus allen Gebieten der Naturwissenschaften — aus Tier-, Pflanzen- und Menschenkunde, aus Erdkunde und Erdgeschichte,. aus Physik und Technik — eine Reihe von beachtenswerten großen und kleinen Beiträgen mit reizvollen und sorgfältig gedruckten Bildern. In einem großen Aufsatz über „Kernfragen der Vogelzugsforschung" behandelt der Leiter der Vogelwarte Rosfitten, Dr. E. Schüz in gedrungener Form an Hand der neuesten Karten den Vogelschutz, näml'ch das Wie, Wohin und Warum ber Züge. Dieser Beitrag wird den ungezählten Vogelfreunden gewiß sehr willkommen sein, da feit längerer Zeit keine knappe Uebersicht über ben Stand ber Forschung gegeben wurde. — Die Frage ber Geschlechlbeeinslussung, die ja nun auf Grund ber Erforschung der Geschlechtsbestimmung der Beantwortung näher gerückt ist, erörtert Prof. Andersen vom Zoologischen Institut Weihenstephan an Hand sehr interessanter biologi- scher Versuche. — Ueberraschen.de Bilder von den giftigen Lorcheln, von denen kürzlich bereits in einem Aufsatz des Gießener Anzeigers die Rede war, den „Morcheln" des Handels, und den wirklichen Morchel' gibt der Pilzfachmann Dr. Hennig. — Erwähnt seien bie eindrucksvolle geographische Skizze der Wüste Namib mit prächtigen Bildern, die Darstellung über ben großen Bruder ber Verstärkerröhren, nämlich ben gittergesteuerten Gasgleichrichter mit Glühkathode, über bas Vordringen des Kartoffelkäfers, über überwinternde Störche, Aalsterben, den Ozaphanfilm, über die Bereitung des Biers ber alten Germanen, sowie über eine Reihe von psychologischen, biologischen und erdkundlichen Fragen.
** Sterbefä vom 15. bis 31.
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Der hessisch unb Bikbung- ben an bie Diref Schulen unb ber ■ •an bie Kreis- uni
„Der Zugenbtag als Fest ber nati feiert.
Morgens finbei Aeichsflaggen auf ber ganze Lehrkä treten. In einer f 3ugenb an ber b<
Mit Fahnen uni werks (HI., L.b.M ben gemeinsamen vorbereitete Darbt. £s, fröhtidjes T
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Nenbs werben Mpfoerbänben S Jaran beteiligen si jofir an. Die Sch örtlichen Dienste! nehmen setzen?
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