Ausgabe 
8.6.1933 Erstes Blatt
 
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Reichsminister Hugenberg über die Mittelstandspolitik der nächsten Zukunst.

Berlin, 7. 3unl. (ERD.) Reichsminister Dr. Hugenberg erörtert im .Tag" die nächsten Aufgaben auf dem Gebiet der MittelstandSpoli- tit Der Minister betont, daß nun hoffentlich bald die Periode der Eingriffe und der Unruhe in der Wirtschaft beendet sei. Denn das sei eine unentbehrliche Voraussetzung wirk­lichen Aufschwunges und der Ueberwin- düng der Arbeitslosigkeit. Ein wieder hoffender, wohlorganisierter Mittelstand sei eine der posi­tivsten Machte im wirtschaftspolitischen Leben. Line falsche Politik habe ihn krank gemacht. Groß- betriebe, Konsumverein, Warenhaus, denen man keine Schranken und keine moralischen Pflichten auferlegt habe, feien für ihn Feinde geworden. Dr. Hugenberg geht dann auf die von verschiede­nen Seiten ihm zugeleiteten Befürchtungen ein, waS werde, und führt u. a. aus: Das, waS sein Wird, wollen wir in die richtigen Wege des Wachstum- leiten, nicht das mut­willig zerstören. waS ist, ohne dah wir dafür schon Ersah haben.

könnte es einen Zweck haben, die bestehenden Warenhäuser und dergleichen mit Steuern und anderen Mitteln geradezu toizuschlagen und mit ihnen ein großes kapital und viele Existenzen und Lieferanten? Rein, der Tiefstand der heutigen Kaufkraft und damit der Umsätze wird wieder überwunden werden. Der neue Umsatz soll auf die Mühle de» Mit­tel st andes geleitet werden. Ls soll kein neue» Warenhaus oder dergleichen enl- stehen. Die bestehenden sollen die Umsätze, bei denen sie noch bestehen können, nicht über­schreiten. Das soll eine lediglich aus diesen Zweck gerichlele geslasfelte Umsatzsteuer wirksam ver­hüten. wir wollen keine Begünstigung der Mammutbetriebe mehr. Aber wir wollen nicht sinnlos vorhandene Werke entzweischlagen.

Unser städtischer Mittelstand will, daß er wieder leben und sich entfalten kann. Dor allem müssen zu diesem Zweck die Dorbelo st ungen unserer Wirtschaft mit einem gewissen Glauben an Zu­kunft und eigene Kraft baldmöglichst avge-

baut oder ausgeglichen werden. DerBe­trieb" statt der .Organisation" muh wieder in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Geschehens gerückt werden. Der deutsche Zinsfuß, der immer noch koch über dem der übrigen industriell entwickelten Länder steht, muh auf seinen natürlichen Stand heruntergedrückt werden Das kann man nicht kommandieren. Aber man kann die Hindcr- nisse wegräumen, die aus der Unrentabilität und den Bindungen der Vergangenheit hemmend in die Gegenwart hineinragen. Es geht auf die Dauer nicht an, dah ein viele Jahre dauernder Auftauvro- zeh der großen feftgefrorenen Kredite, insbesondere auch der Auslandskredite, alles neu ent- st e h e n d e Kapital an s i ch saugt und feft- hält. Ich bin dafür, dah d i e Kräfte sich frei entwickeln. Aber die Kräfte eines Jeden rings im Lande, auch die Kräfte der Kleinsten. Denn das schafft durch die millionenhafte Vervielfachung der Kraft des einzelnen Armes und des einzelnen Geistes erst die riesenhafte und unendliche Kraft- entsaltung, die wir brauchen.

Bevorstehende Rückzahlung des Rediökontkredites der Oolddiskontbank

Berlin, 8. Juni. (END. Funkspruch.) Wie wir erfahren, wird der am 1. JuU fällig werdende ameri­kanische Rediskontkredit der Golddiskont- bank in Höhe von 45 Millionen Dollar zurück- gezahlt werden. Auch die Rückzahlung dieses Kre­dites entspricht, wie seinerzeit die des Rediskont­kredits der Reichsbank, dem Bestreben des Roten- inftituts, bie wahre Gold- und D e v i s en­de ck u n g in den wöchentlichen Ausweisen zu zeigen. Durch die inzwischen cingetretene Entwertung des Dollars ergibt sich, da die Rückzahlung des Kredites in Papierdollars erfolgt, ein Kurs­gewinn, der sich unter Zugrundelegung eines Kurses von 3,50 bis 3,55 RM. für den Dollar auf etwa 30 Millionen Reichsmark errechnet. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Reichs- bank bzw. Golddiskontbank auf der anderen Seite als Verwalterinnen von Dollargut­haben das Risiko aus den Währungs­entwertungen zu tragen haben.

Aus aller Well.

Entlassungen an der Berliner Staalsoper.

Auf Grund des Beamtengesetzes erhielt General­musikdirektor Dl Otto Klemperer seine Ent- lassuna. Außer ihm scheiden aus: Kapellmeister Fritz Zweig, die Sopranistinnen Tilly de Garmo, die Gattin Fritz Zweigs, und Lotte S ch o e n e und der Tenor Marcel Roe. Generalmusikdirektor Leo Blech wird von den Maßnahmen nicht betrof­fen, da er schon 25 Jahre an der Staatsoper tätig ist. Auch die Bassisten Emanuel List und Alexander K i p n i s bleiben weiterhin tätig.

Besudelung eines Hitler-Ehrenmals.

Wie die Iustizpresfestelle mitteilt, wurde in der Rächt vom 22. zum 23. Mai die Tafel an der am Tage dec Rationalen Arbeit gepflanzten Hitler-Linde auf dem Berliner Ar­min i u s p l a h besudelt und zerschlagen. Die Staatsanwaltschaft l hat als Täter den jüdi­schen Pianisten Max Wolff ermittelt und gegen ihn Anklage erhoben. Wolff befindet sich seit dem 24. Mai in Tlntersuchungshaft.

Anderthalb Tahre Zuchthaus für Mißbrauch der SA.-Unisorm.

Das Sondergericht Altona verurteilte den Arbei­ter Maul aus Kiel, der im April feftgenommen wor­den war, weil er in S A. - U n i f o r m wider­rechtlich Spenden auf Sammellisten entgegennahm, zu anderthalb Jahren Zucht­haus. Maul war früher Angehöriger der SA. ge­wesen, 1931 ausgeschieden und hatte dann die natio­nale Revolution benutzt, um mit der Uniform, die er behalten hatte, in bie eigene Tasche zu sammeln.

Jlotlanbung Matterns.

Der amerikanische Weltflieger Mattern hat bei Prokopjewsk, 600 Kilometer von Nowosibirsk

entfernt, eine Notlandung vorgenommen. Don Nowosibirsk aus ist ein Flugzeug mit einem Mecha­niker und Ersatzteilen nach Prokopjewsk geflogen.

Der Südatlanlik über dieWestfalen" zum erstenmal überquert.

Bei dem von der Deutschen Lufthansa unter­nommenen praktischen Versuch für den Beginn einer Luftpostverbindung nach Südamerika hat das DornierwalflugzeugD 206 Monsun zum ersten Male denSüdatlantik überquert. Der Atlantikflug wurde in der vorgesehenen Weise inzwei Etappen mit einer Zwischenlan­dung auf dem als Flugstützpunkt im Südatlantik festgelegten Dampfer ,W e st f a l e n" durchge­führt. Der Start von Bord der Westfalen er­folgte mittels der neuen Grohschleuderanlage. Reichsluftfahrtminister Göring hat der Deut­schen Lufthansa seine Glückwünsche zu dem vollen Erfolg für die Verwirklichung des großen Zieles, eine schnelle Luftpostbeförderung zwischen der eu­ropäischen Heimat und den Großstaaten Südame­rikas herzustellen, übermittelt.

Zwei schwere Explosionen in Ostoberschlesien.

In Kattowitz ereignete sich beim Legen einer Was­serleitung des staatlichen Wasserwerks im Ostteil Bogutschütz ein schweres Unglück. Beim Schweißen einer Rohrleitung explodierte plötzlich der Schweiß- apparat, wodurch drei Arbeiter getötet, einer schwer und vier leicht verletzt wurden. Ein löjähriger junger Mann, der den Schweiharbriten zugesehen hatte, wurde gleichfalls schwer verletzt. In Schoppinitz flog in einer Seifenfabrik ein Ben­zinbehälter in der neuen Ölraffinerie in bie Luft. Ein Monteurmeister aus Berlin sowie zwei Monteure erlitten schwere Verbrennungen unb wür­ben in hoffnungslosem Zustanb ins Lazaretl einge­liefert.

Bereitsein ist alles.

Zum Deutschen Hotkreuztag am 11.3uni.

$ e r e i t f e i n ist alles! Dies Wort trifft ben Kern des Wesens des Roten Kreuzes. Das gesamte Material, bas nach Satzung unb Verpflichtung des Roten Kreuzes für ben Kriegsfall bereitstehen soll, das gesamte Sanitäts- unb Schwesternpersonal, das dafür ausgebildet ist unb weiter ausgebildet wirb,

alles ist in steter Bereitschaft zu erster Hilfe-

(eiffung bei allen Arten von Unglücksfällen, die das Leben täglich mit sich bringt

Bei Katastrophen wie Erdbeben, Gruben- unb Eisenbahnunglücken, Epibemien ist das Rote Kreuz sofort am Platze. Der Rettungsdienst für Unfälle auf der Landstraße unb auf bem Wasser, besonders an Sonntagen, ist von ihm bis ins letzte genau burdjorganifiert. Es stellt bie Rettungsstellen bei allen großen unb kleinen öffentlichen Leranstaltun- gen wie Kunbgebungen, Feiern unter freiem Hirn- mel unb in Sälen, Sportveranstaltungen, Fluglagen, Wettkämpfen usw.

Sereitfein ist alles! steht auch als Leit- ftern über ber gesamten Wohlfahrtsarbeit des Roten Kreuzes unb seiner Mitgliebsvereine. Wo Fürsorgeeinrichtungen sich als notroenbig erweisen, wo eine Ausgabe, eine Pflicht sich zeigt, eine Lucke vorhanben ist, wo Hilfe im einzelnen nottut im­mer ist bas Rote Kreuz bereit, einzugreifen, auszu- bauen, zu helfen, mitzuarbeiten. Was wäre das flache Land ohne die GemeinbekrankenpflegestatiO' nen, die Städte unb Dörfer ohne bie Krippen, Kin- bergärten, Mütterberatungsstellen, bie Küchen unb Wärmestuben unb ohne bie anderen ungezahlten Fürsorgeeinrichtungen ber Frauenvereine vom Roten Kreuz?

Die Notwendigkeiten nationaler Dienstver­pflichtung erkennend, ist das Rote kreuz selbst­verständlich bereit, bei allgemeinen öffentlicher» Maßnahmen mitzuwirken.

So beteiligt es sich mit eigenen Einrichtungen an ber Durchführung des hilfswerks ber Deutschen 9ugenb, des Freiwilligen Werkjahrs ber Abiturien­ten unb bes Freiwilligen Arbeitsbien,tes.

fBereitfein i st alles! Nach biefem Orunb- satz hanbeln all bie Tausenbe unb aber Tausende von freiwilligen Helfern unb ehrenamtlichen Mitarbeitern im Roten Kreuz. Wenn sie gebraucht werben, wenn man sie ruft, finb sie zum Mithelfen, zum Mitarbeiten da. Am Tage ber nationalen Ar­beit, am 1. Mai, bedurfte es keines besonderen Alarms, um sie inmitten der Mafsenaufzüge, bis in bie Nacht zum Rettungsbienst bereit zu halten. Wie manche Hausfrau unb Mutter sieht ihre besten Frei- unb Erholungsstunben darin, in den Fürsorgeein- ridjtungen des Roten Kreuzes mitzuarbeiten unb sie daburch erhalten unb fördern zu helfen. Kein Rotkreuzverein, unb fei es auch im kleinsten Flecken, bem nicht stets genügend Aerzte ihre freien Abende nach anstrengender Berufsarbeit zur Abhaltung von Ausbilbungs- unb Fortbilbungslehrgängen, von Dorträgen unb Hebungen opfern.

Den Tausenden von Sanitätsmännern und Rotkreuzschwestern und außer ihnen den vielen Tausenden jungen und allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Roten Kreuzes ist ihr Dienst am Roten Kreuz Lebensinhalt und Lebensaufgabe geworden.

Es wird wohl kaum jemanden in Deutschland geben, her mit diesem Dienst nicht dankbar in Berührung gekommen wäre. Mögen sich alle Dankschulbigen am Rotkreuztag um ihre große Wohltäterin ver- sammeln unb ihr durch eine Spende helfen, daß sie weiter Helsen kann! Denn einmal im Lahre nimmt bas Rote Kreuz Dank und Anerkennung für sich in Anspruch um ihn selbstlos in neuen Segen für bie umzuwandcln, bie seiner in Not unb Hilf­losigkeit bebürfen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit.

Vielleicht ist selten mit einem Wort soviel Mißbrauch getrieben worden- Man erzählt unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit ein und dieselbe Geschichte der Freundin, der Dachbarin und wundert sich, wenn das sorgsam gehütete Geheimnis sich wie ein Lausscuer im ganzen Be­kanntenkreis verbreitet. Jeder Mensch hat eine Aussprache nötig. Eie erleichtert, kann Wunden bellen und oft einem betrüblichen Vorgang das Schwere und Drückende nehmen- Doch nie sollte man vorsichtiger sein als in der Wahl der Men­schen, denen man Vertrauen schenken will. Wenn Eheleute kein Geheimnis haben, ist schon damit der Beweis einer glücklichen Zweisamkeit gegeben. Sobald jedoch einer der beiden Portner das Ver­trauen bricht und unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit erzählt, was den anderen an- geht, kann ein Riß entstehen der nie wieder gutzumachen ist.

Vertrauen zwischen Eltern und Kindern! Es ist da- erstrebenswerteste für Eltern, die Herzen ihrer Kinder zu besitzen. Wenn Erika ihrer Mutter erzählt, dah ein Arbeitskamerad ihr seine Liebe gestanden hat, und dah dieses Ge­ständnis die Vorstufe zur Verlobung sein wird, steigert sich das Glück der Tochter im Augenbblick der Mitteilung. Aber es zerbricht, wenn sie merkt, dah die Mutter vielleicht im über­strömenden Mitgefühl für ihr Kind einer Rochbarin die geringste Andeutung gemacht hat.

Eltern sehen in ihren erwachsenen Kindern Ver­traute, die Schicksal und Los mit ihnen teilen. Rur zu selbstverständlich, dah Söhne und Töchter nie ein Wort über das terlieren, was der Vater ihnen offenbart hat. Es sollte gar nicht mehr des Zu­satzes bedürfen: .Ich erzähle dir das unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit."

DaS Schönste, das unser Leben reich macht, ist Vertrauen zu einem anderen Herzen. Aber wie alles Edle und Hohe kann es nur selten sein. Das Mitteilungsbedürfnis, nicht etwa nur von Frauen, sondern auch von Männern, ist teils aus Ge­dankenlosigkeit, teils auS dem Wunsch, wichtig zu erscheinen, oft im ungeeigneten Augenblick sehr groß, und dann entschlüpft das Wort, das nicht mehr zurückgenommeu werden kann. Rur Ihnen, liebe Frau Müller, sage ich es", strahlt die junge grau. »Endlich hat mein Mann den Posten als Ungenicut bekommen. Der Vertrag wird über­morgen geschlossen, sobald der leitende Direktor von seiner Reise zurück ist. Richt wahr, Sie spre­chen nicht darüber!" Aber Frau Müller spricht darüber, weil ja die meisten Menschen froh sind, wenn sie überhaupt etwas zu erzählen haben und nicht gern nachdenken, um einen Tlnterhaltungs- stoff zu finden, der außerhalb der alltäglichen Be­richterstattung liegt. Der Ingenieur, Mann der jungen Frau, bekommt seinen Vertrag nicht und hat keine Ahnung, was gegen ihn im Spiele war. Vielleicht ein Glück im Anglück, daß seine Frau für ihn außerhalb jedes Verdachtes stand, sein Ge­heimnis ausgevlaudert zu haben, sonst wäre noch in die Ehe ein schwerer Mißklang gekommen. Rur die junge Frau ahnte das Spiel hinter ihrem Rücken, und um ihre Schuld gutzumachen, gestand sie ihren Fehler ein. Das, was verloren schien, konnte der junge Ingenieur im letzten Augen­blick tzutückerobern. Seine Frau jedoch hat nie wie­der ein Geheimnis weitergetragen.

Unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit eine sehr kluge Frau wehrte sofort heftig ab, wenn Fernstehende ihr etwas mit dieser Ein­schränkung erzählen wollten. Begründung: Sie war überzeugt, nicht die einzige Vertraute zu sein, und sie wollte sich von vornherein vor dem Ver­dacht sichern, als Schwätzerin zu gelten. Manche Menschen plaudern ein Geheimnis unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit aus, nur weil sie genau wissen, daß es bann fraglos weiterge­tragen wird. Gräfin Metternich, eine der geist­vollsten Frauen ihrer Zeit, erklärte einmal, als eine Bekannte sie für eine Mitteilung um strengste Diskretion bat: .Bitte, erzählen Sie es mir nicht, ich spreche nämlich doch nicht darüber!"

Steuern pünktlich bezahlen!

Der Staatssekretär für die hessischen Ministerien teilt mit:

I den verflossenen 14 Jahren sind der deutfchen Wirtschaft Steuern in einem ihrem Wiederaufstieg hindernden Maße aufgebürdet worden. Der Wiberstand hiergegen verstärkte sich burch ben Einbruck, baß bei ber Verwendung bes Steueraufkommens nicht immer mit der peinlichsten Sorgfalt verfahren werde Zu ber nationalsozialistischen Regierung hat bie Be- oölterung bas feste Vertrauen, baß in steuerlicher Hinsicht nicht mehr als bas unumgänglich Notwen- bigfte verlangt wird. Die Zuversicht ist berechtigt, daß bie Maßnahmen ber Reichs- und ber hessischen Regierung zur Durchsetzung äußer st er Spar- [a m r e i t in ben öffentlichen Verwaltungen, zur Wiederherstellung gesunder Derhältnisie in ber Landwirtschaft unb zur vermehrten Beschaffung von Arbeit auch zu einer Milderunades Steuer- bruckes führen werben. 6s_ wirb eine dringliche Sorge ber Regierung fein, Steuererleichte­rungen zu verfügen, jobalb es bie Lage ber öffentlichen Finanzen nur irgeno geftattet Anbeter- feits muh aber gefordert werben, bah sich jeder ein­zelne Dolksgenoffe feiner Verpflichtungen gegen bie Gemeinschaft burchaus bewußt ist unb seine Steuern auch bie nach ben derzeit gültigen Gesetzen geschuldeten p ü n r t l j ch entrichtet, soweit bas nur irgenb in fei­nen Kräften steht.

Oie Arbeiter-Turn- und Sportvereine verboten und aufgelöst.

Der Staatsfommifiar für das Polizeiwefen in Hessen erläßt folgende Verfügung: Sämtliche Turn- und Sportvereine, bie bem Arbeiter-Turn- unb Sportbunb angehören, ober am 6.März 1933 angehört haben, werben hierburch auf Grund des § 1 ber Verordnung bes Reichspräfibenten zum Schutze von Volk unb Staat vom 28. Februar 1933 im Bereich bes Dolksstaats Hessen verboten und a u f g e l ö ft. Wer sich an einem der aufgelösten Vereine als Mitglied beteiligt, ober ihn auf anbere Weife unterstützt ober ben organisatorischen Zusam­menhalt förbert, wirb nach § 4 ber angezogenen Derorbnung bestraft. Das Dermögen ber Ber- etne wirb beschlagnahmt. Mit ber Abwicklung ber Dereinsgeschäft und mit der Liquidation bes Vermögens ber aufgelösten Vereine wirb ber Be­auftragte bes Reichs, portkommissars, Herr Lehrer K 1 o ft e r m a n n, Referent im Ministerium für Kultus unb Bilbungswesen, beauftragt unb ihm zu­gleich bie Befugnis erteilt, soweit erforberlicf), U n

terbeauftragte zu bestellen unb zu bevoll­mächtigen.

EhestandsdarlehenS-Gesuche an die Gemeinden richten!

In ben letzten Tagen sinb im Reichsfinanzmini- fterium sehr viele Anträge auf Gewährung von Ehe­standsdarlehen eingegangen. Es wirb barauf bin- gewiesen, daß bie Anträge nicht an bas Reichsfinanzmini st erium, sondern an bie ®emcinbe bes Wohnsitzes des fünft!-* * gen Ehemannes zu richten sind. Die im Reichs- finanjminiftcrium bereits eingegangenen Anträge werden an bie zusiänbigen Gemeinden zur weiteren Behanblung abgegeben. Die Gemeinben geben bie Anträge im Falle ber Befürwortung an bas zu- ständige Finanzamt weiter, das über den Antrag endgültig entscheidet unb gegebenenfalls bie Auszah­lung bes Ehestandsdarlehens durchführt. Mit ben Auszahlungen kann nicht vor August 1 93 3 begonnen werben. Denn bie zur Beschaffung ber Mittel erforderliche Ehestanbshilfe wirb erst mit Wirkung ab 1. Juli 1933 erhoben. Bei ber Stellung von Anträgen auf Gewährung von Ehestandsbar- lehen sind nur bie Vorbrucke zu verwenben, bie ab 1. Juli 1933 bei ben Gemeinbekanzleien erhältlich sein werden.

Bornotizen.

Tageskalenber für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Champ" unb Der Sohn bes Rajah"

Die Kausmannsgehllsen Im na- tionalsozialistischen Staat Die hiesige Ortsgruppe bes Deutschen Handlungsgehilfenoer- banbes veranstaltete am Samstag, 10. yuni. 20 Uhr, im großen Saale bes Coss Leib eine große öffent­liche Kunbgebung für alle Kaufmannsgehilfen, lieber bas ThemaDie Kausmannsaehilsen im national­sozialistischen Staate" spricht Pg. Walter Piske, Gauvorsteher bes DHD. aus Frankfurt a. M. Außer- bem werben Ansprachen gehalten von Pg. B a r t ho­le m ä u s unb Pg. Hermann Wagner, beide von Gießen. Diese große Kundgebung, zu ber alle kauf- männischen Angestellten ber weiteren Umgebung er­wartet werden, wirb burch beutsche Marschmusik, ausgeführt von ber DHV.-Musikergilde, umrahmt. Der Unkostenbeitrag beträgt 20 Pf. Für Erwerbs­lose ist ber Eintritt geaen Ausweis frei. Man be­achte bie Anzeige in unserem morgigen Blatte.

(tfkfocncr 2\jöd)cnni iitprcnc.

Gießen, 8. Juni. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 bis 135 Pf, Landbutter 130, Kochbutter 110, Matte 25, Wirsing (grün) 18, Römischkohl 10 bis 15.

Spinat 10 bis 15, Spargel 18 bis 40,

Erbsen 25 bis 30, Tomaten 40 bis 50,

Rhabarber 8 bis 10, Stachelbeeren 25 bis 30, Kartoffeln (alte) 3 (pro Ztr- 2,30 bis 2,50 Mk.). (neue) 12, Kirschen 25 bis 30, Suppenhühner 60 bis 80, junge Hähne 90 bis 100 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 60, Eier (int ) 8, Käse 5 bis 10. Blumenkohl 45 bis0, Salatgurken 30 bis 45, Salat 5 b. 10, Oberkohlrabi 10 b. 15. Rettich 10 6.15 Pfennig pro Stück: gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 12 bis 15, Radieschen 5 bis 10 Pf. pro Bund.

* Forstperfonakie. Der Kanzleigehilfe bei bem Forstarnt Rabenau zu Londorf, Philipp Höchst zu Londorf, wurde mit Wirkung vorn 1. Mai zum Kanzlisten ernannt.

** Eine Neunzigjährige. Frau Äaroline Peterrnann, wohnhaft Kaiserallee 50, begeht heute in seltener geistiger und körperlicher Frische ihren 90. Geburtstag.

Fünf Geschwister 390 Jahre altl Die Geschwister Ferro, vier Brüder und eine Schwester, die sich durchweg in hohem Alter be­finden, zählen zusammen nicht weniger denn 390 Lebensjahre. Der Friseur Heinrich Ferro zu Ridda ist 83 Jahre, Theodor Ferro, Offen­bach, 82 Jahre, Käthe Sinne r, geb. Ferro, Frankfurt a M, 77 Jahre, Heilgehilfe Gustav Ferro, Offenbach, 76 Jahre, Robert Ferro, Frankfurt a. M., 72 Jahre alt.

Die Volks-, Berufs- unb ^Betriebs- zählungam.Juni betrifft eine Bekanntmachung im gestrigen Anzeigenteil. Die Einwohnerschaft fei besonders darauf aufmerksam gemacht.

** Don ber Volkshochschule. Der nächste Pslanzenkundliche Ausslug" am Sonntag, 11 Juni, führt bie Teilnehmer in das Biebertal, das in bota­nischer Hinsicht manche Seltenheit aufzuweisen hat. Jnteresienten feien deshalb besonders daraus auf- merksam gemacht. Näheres siehe heutige Anzeige.

* Theologische Konferenz im Stu­dentenheim. Am Donnerstag, 15. Juni, findet im Studentenheim eine theologische Konferenz statt. Als Redner wurden Generalsuperintendent D Dr. D i b e l i u s-Berlin unb Privatbozent Lic. Schlier- Marburg gewonnen. Ersterer spricht am Vormittag über bas ThemaDie Aufgaben bes deutschen Pro­testantismus gegenüber bem europäischen Osten", letzterer über bas ThemaDie Gemeinde unb bie Welt in ber Johannesapokalypse".

Ausführung der Rennten Sym­phonie. Wie uns der Orchesterverein 1908 mit­teilt, sind die Vorbereitungen zur Aufführung der Neunten Symphonie voll im Gange Ram- hafte Künstler sind gewonnen toorben. Das Kon­zert dürfte wohl das Interesse aller musiklieben- den Kreise finden, zumal die niedrig gehaltenen Preise es jedem ermöglichen werden, sich daS herrliche Werk anzuhören. Auf die heutige An­zeige sei hingewiesen.

** Tiit einer Schußwunde in die Äli- nit eingeliefert. Der 19 Jahre alte Landwirt Hans Wenzel von Appenrod wurde gestern abend mit ei -'m Steckschuß in den linken Unterschenkel in die hiesige Chirurgische Klinik eingeliefert. Die Zu­sammenhänge bes Vorfalls sinb noch nicht geklärt.

Briefkasten der Heöofhon.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

Lin Radiohörer. Anonyme Einsendungen werden nicht berücksichtigt.

Sonnenqebräunte Haut

*CREME

oder aber

NIVEA - ÖL