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schend im Sattel um. Der Sturm reißt die dichte Wolkendecke für Augenblicke auseinander, das Schneetreiben wird lichter und beginnt zu verebben. Deutlich sieht er im Galopp die Reiter, drei Punkte, näher kommen.
Er schlägt dem Rappen auf den Schenkel, klemmt sich fester im Sattel und rast die Waldstraße hinunter.
Jetzt geht es auf Tod und Leben! Den Hohlweg muß er gewinnen, bevor die Verfolger den Vorsprung eingeholt haben — koste es, was es wolle. Döllnitz kennt diesen Rambeaux. Jetzt ist keine Zeit zu Ueberlegungen — jetzt heißt es nur: Distanz halten, denn drei Pistolen treten sicherer als eine.
Der Gaul gibt das Letzte her. Die schnaubenden Nüstern dampfen den heißen Atem in die Kälte der Nacht. Der vor Anstrengung kochende Leib des Tieres taut die eisige Decke auf, rinnende Bäche von Wasser und Schweiß bedecken den Körper.
Mit letzter Kraft von Pferd und Reiter wird der Eingang des Hohlweges gewonnen. Der Hauptmann muß allen Bewegungen des Tieres im Sattel von Sekunde zu Sekunde folgen. Unter der weichen Decke des Schnees lauern bei jedem Huftritt Gefahren eines Sturzes.
Das Flockengewimmel ist zu Ende, die Sicht, die langsam aufkommt, kann für Döllnitz das nahe, unerbittliche Ende bedeuten.
Bei einer scharfen Biegung, die der Hohlweg macht, wobei er sich fast zur Schlucht vertieft, fällt der Rappe von selbst aus dem Galopp in ruhigen Gang. Die Flanken des Tieres zittern. Döllnitz ist machtlos. Eine Sekunde lang hört er das Stoppen von Hufen in der Ferne — dann erfüllt ein donnerähnlicher Krach die Luft. Nych einmal bäumt sich der Rappe vor Angst auf, dann steht er unbeweglich. Kurz hinter ihnen an der Biegung des Hohlweges, ist eine haushohe Tanne aus dem unterwühlten, sandigen Grunde durch das orkanartige, wieder einsetzende Toben des Sturmes gerissen worden.
Hauptmann Döllnitz atmet auf — das ist Hilfe in letzter Minute! Einen Augenblick herrscht Totenstille. Es scheint, als ob sich der Sturm im Anblick feines Werkes verschnaufe. Dann bricht der höllische Spektakel von neuem los. Schnee, Erdmassen und Steine bersten von der Wand, Strauchwerk und dürres Holz fegt herunter bis dicht zu Füßen des Pferdes, das von neuem Entsetzen gepackt, losrast.
Rambeaux ist mit seinen Leuten an dem Hindernis angelangt. Die Tanne mit ihrem mächtigen Stamm versperrt total den Weg. Da ist alles Fluchen umsonst. Auch die Meinung, daß dieser Preuße ein Bündnis mit dem Leibhaftigen habe, ist zwecklos und bringt die Verfolger keinen Schritt vorwärts.
Rambeaux bestehlt feinen Leuten umzukehren und mit den Pferden oben am Rand des Hohlweges zu folgen. Er selbst klimmt den steilen Abhang keuchend hinaus und gewinnt schließlich den Kamm.
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Freitag, den S.Juni abends 8 15 Probe Neunte Sinfonie 38osd Ter Vorstand.
Heute vormittag 9% Uhr verschied nach kurzer, schwerer Krankheit meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante
Frau Katharine Mandler
geb.Weller
im Alter von 55 Jahren.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Ludwig Mandler II.
Heuchelheim, den 7. Juni 1933.
Die Beerdigung findet Freitag, den 9. Juni, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Bachstraße 9. aus statt
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Rings, in die Wände eingelassen, stehen die eiche- neu Regale, über und über mit Pergamenten und schweinsledernen Bänden aus vielen Jahrhunderten bedeckt. Einen Augenblick sieht Lefevre schweigend auf die Pracht dieser Bibliothek. Das Kerzenlicht, von seinem erhobenen Arm geführt, wandert tastend über die Schätze hin.
„Sie werden immerhin eine gute Zeit brauchen, um das zu studieren, Herr Hauptmann", versucht die Baronesse zu scherzen.
„Du wirst nun wohl oder übel deine Besuche et- roas häufiger wiederholen müssen als bisher", meint lächelnd Jeannette.
Und Maria fährt mokant fort: „Vielleicht sind diese Folianten eher imstande, Herr Hauptmann, Sie als unseren Gast zu sehen, als alle meine wiederholten Einladungen."
Lefevre hat endlich den Leuchter auf den mächtigen Tisch, der mit ein paar wuchtigen Sesseln das einzige Mobiler dieses Raumes ist, niedergestellt. Er sucht, überaus beglückt, nach Worten: „Ich konnte nicht ahnen — Baronesse ..."
„Keine Ausrede, Herr Hauptmann!" unterbricht ihn Maria, während Jeannette lachend hinzufügt: „Das Beste hebt man sich immer bis zuletzt auf!"
Die Frauen wissen, daß der Hauptmann für die nächsten Stunden ihr freiwilliger Gefangener ist. Ihr Plan ist zur Hälfte gelungen.
Die Baronesse entschuldigt sich für einen Augenblick und eilt hinunter in die Gesindestube, wo ihr Bruder Karl und Tobias auf sie längst gewartet haben. „Es ist alles in Ordnung, Karl! Sorgt Ihr dafür, daß Vater und Döllnitz unbemerkt von der Wache ins Schloß gelangen." Maria übergibt ihnen den Schlüssel zu Jeannettes Boudoir, den sie von der Französin für alle Fälle erhalten hat. „Sollte irgendein unvorhergesehener Zwischenfall eintreten, so versteckt ihr Döllnitz im Boudoir der Madame Lefevre. Dort ist er am sichersten, bis die äußerste Gefahr vorüber ist."
Als Maria die Gesindestube verlassen hat, sieht Karl von Löbau auf die geschnitzte Bauernuhr an der Wand und beginnt sich für den geheimen Wachdienst anzukleiden. Tobias ist chrn bei Anlegen der schweren Stiefel und des Pelzes behilflich. „In einer Stunde löst du mich ab."
Karl verläßt die warme Stube und schreitet mit breiten Schritten in die eisige Nacht hinaus.
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der Sandgrube durch den Wald genommen. In einer Viertelstunde wird er den Hohlweg erreicht haben, dann liegt die Hälfte des Weges nach Löbau hinter ihm.
Bis jetzt hat der Rappe gut durchgehalten. Döllnitz läßt das Tier in ruhigem Gang verschnaufen, während er eine Waldschneise hinaufreitet. Die Sicht ist die schlechteste, die der Hauptmann bei allen seinen Ritten diesen Winter über angetroffen hat. Wenn er nicht müßte, würde er heute sich und das Tier schonen und unter sicherem Dach bleiben. Ausgerechnet bei solchem Wetter müssen ihn die Spürhunde aufjagen! Der Himmel scheint bis in die Wipfel der Tannen zu hängen, um die pfeifend das Gewimmel der Flocken jagt. In der Mähne des Pferdes, auf Pelz, Handschuhen und Sattelzeug, liegt eine starke Kruste von Eiskristallen. Die Stiefel sind fast an den Steigbügeln festgefroren, das Leder knirscht hart und brüchig.
Die Schneise ist zu Ende, Döllnitz sieht vor sich ein Brachfeld liegen, das gegen das andere Waldstück ziemlich breit und offen zu sein scheint. Er hält den Rappen an und horcht angespannt in die Nacht. Schließt die Augen, um besser in die knappen Atempausen des Windgeheuls lauschen zu können. Plötzlich stutzt er — seine schlaffen Sinne werden überwach: Er glaubt in der Ferne deutlich Pferdegetrappel zu hören. Stimmfetzen verklingen im Echo fern dort drüben.
Döllnitz greift nach seiner Pistole, nimmt die Zügel fester und galoppiert über das Brachfeld, um so schnell als möglich das jenseitige, schützende Waldstück zu gewinnen. Jetzt verschlingt das rhythmische Stampfen der Hufe und das sausende Fauchen des Sturmes, der hier auf offenem Feld ungehindert wüten kann, jeden anderen Laut.
Das Pferdegetrappel und die Stimmen, die Döllnitz von fern gehört hat, stammen von Rambeaux' Patrouille.- Einer feiner Begleiter ist vom Pferd gestürzt, das über eine im Schnee verborgene Baumwurzel stolperte. Obgleich ihm nichts geschehen ist, flucht er mörderisch auf das Sauwetter und den verdammten Dienst in solcher Hundenacht. Rambeaux, der mit seinen Leuten den geraden Weg auf offener Landstraße von Breslau hierher geritten ist, hat den Vorsprung, den der Hauptmann zeitlich hatte, mit Leichtigkeit eingeholt.
Rambeaux treibt seine Leute an. Der Gestürzte ist wieder aufgesessen, und als man sich einen Augenblick über den Weg orientieren will, vernimmt man aus der Ferne verschwommen das Pochen von Pferdehufen auf der hartgefrorenen Schneedecke.
Die drei haben im Nu Aerger und Müdigkeit vergessen und geben den Gäulen die Sporen, daß sie aufbäumend davonstieben. Der Wind hat sich zum Sturm gesteigert, der rasend über das Feld fegt, so daß die Reiter nur mit verkniffenen Augen die Richtung halten können.
Döllnitz, am Waldrand angelangt, verhält von neuem das schnaufende Tier und wendet sich for-
In irrsinniger Wut, die ihm übermenschliche Kräfte verleiht, rast er dem Gange des Hohlweges nach.
Döllnitz hat mit seinem Rappen, der wie von Furien gepeitscht läuft, fast das Ende des Hohlweges erreicht, als ihn ein Geräusch sein Pferd mit eiserner Faust ruckartig auf der Stelle anhalten läßt. Er hört Peitschenknallen und wieder das (Stampfen von Hufen. Immer näher kommt der Ton. Döllmtz fährt sich mit der Hand über das schweiß- bedeckte Gesicht — er glaubt, ihn narren seine erregten Nerven. Aber unaufhörlich kommt das Geräusch näher, nun wächst aus dem Dunkel ein Gefährt, Pferdeleiber sind zu erkennen! Also — umstellt? In der Falle?
Der Hauptmann reißt seine Pistole heraus — das Ende soll teuer erkauft sein! Jetzt ist das Gefährt auf Schußweite heran. Döllnitz bringt die Pi- ftole in Anschlag — da erhebt sich drüben im Schlitten eine Gestalt — ruft seinen Namen — des Hauptmanns Hand läßt die Pistole sinken, im nächsten Augenblick ist der Schlitten mit dem Baron und Förster Brinkmann heran.
„Wir holen Sie — Döllnitz!" Der Baron springt aus dem Schlitten. Brinkmann bringt die Pferde zum Stehen.
„Sie sind hinter mir her — wir müssen fort hier!"
Der Förster reißt den Schlitten herum und reicht Döllnitz die Zügel. „Fahren Sie, Herr Hauptmann — ich nehme Ihr Pferd!"
Der Baron treibt zur Eile an: „Los, Döllnitz — unsere Gäule halten die Strecke durch'— in einer Stunde sind Sie in Sicherheit!"
Die Pferde ziehen an. Döllnitz' Faust hat die Zügel umklammert — knatternd saust die Peitsche. Förster Brinkmann ist eben auf den Rappen auf» gesessen, als ein Pistolenschuß die Luft zerreißt.
Die drei Männer sehen sich um — nichts ist zu entdecken. Förster Brinkmann winkt den beiden im Schlitten zu, zu fahren, wendet langsam sein Pferd herum und reitet den Hohlweg zurück — die Strecke, die Döllnitz gekommen ist.
Da knallt ein zweiter Pistolenschuß, als Döllnitz und der Baron schon längst den Ausgang des Hohlweges hinter sich haben.
Rambeaux hat gut getroffen. Er hat oben, vom Rande des Hohlweges, in sicherem Anschlag auf den Reiter gezielt. Wie ein Stein ist die Gestalt vom Pferd gefallen. Rambeaux läßt sich, der Gefahr im Vollgefühl seines endlichen Sieges nicht achtend den Steilhang hinabgleiten. Zynischer Triumph steht in seinem Gesicht. Er eilt zu dem Toten, der als schattenhaftes Etwas im Dunkel der Schlucht neben dem Pferde liegt. Rambeaux wendet langsam die Gestalt, deren Blut den Schnee rot zu färben beginnt, zu sich ins Licht. Starr sehen ihn die Totenaugen an — unheimlich bewegt noch, vom eben entflohenen Leben. Das ist nicht der preußische Hauptmann — Rambeaux weiß es. Breit, verzerrt, pressen sich seine Lippen in dem zerfalteten, wachs- gelben Gesicht zusammen. Ohnmächtige Wut Der- schließt dem Mund einen Fluch. (Forts, folgt.)
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