Ausgabe 
8.5.1933 Frühausgabe
 
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zert der deutschen Stämme Hessen nicht unter- gehen darf, ein außerordentlich gutes Bekennt-

ms. wofür wir von Herzen dankbar sind.

Ein Völksstamm wie der hessisch-fränkische, der dem deutschen Volke Männer, wie Büchner, Liebig, Niebergall, Goethe, Grimm, Grimmelshausen und viele andere gegeben hat, ein Volksstamm der Ar­beitsamkeit, Fleiß, Humor und Hingabe an die hohen Ziele der Kultur, der beispielgebend war und immer sein wird, muß gewahrt werden. Sn diesem Sinne heiße ich Sie (Dr. Werner reichte dem Statthalter die Hand) im Hamen der hessi­schen Staatsregierung herzlich und aufrich­tig willkommen und begrüße Sie, mit Dank imo mit Genugtuung, mit der wir davon Kennt­nis genommen haben, daß Sie gesinnt find, uns zu helfen und zu stützen.

3d) hoffe, daß wir in gemeinsamer Arbeit das Hessenvolk dem deutschen Vaterland im Sinne des Führers für alle Zukunft erhallen.

Sie aber zu der Menge gewandt hessisches Volk, bekennen mit mir, wir wollen das T r e u - gelöbnis für unfern Führer nie ver­gessen. älnserem schönen Hessenland ein dreifaches Sieg-Heil I

Auch diesesSieg-Heil" fand begeisterten Wi­derhall in der den Reden in atemloser Stille lau­schenden Menge.

Stabsleiter H e y s e sprach dann noch einmal zur Menge und forderte sie auf einzustimmen in den Auf: Llnser Vaterland und unser Führer Adolf Hitler Heil! Der Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Lie­des beschloß den feierlichen Akt.

Telegramm der Negierung.

Darmstadt. 7. Mai. (IDSH.) An Reichsstatt. Halter Sprenger sandte die hessische Regie­rung gleich nach dem Bekanntwerden des Be­schlusses im Reichskabinstk den folgenden drahtlichen Glückwunsch nach Frankfurt: ..Die hessische Slaatsregierung bringt Ihnen zur hohen Berufung die besten Glückwünsche dar. MöchteIhre Arbeitgesegnet sein für Volk und Staat, für Land und Reich.

Ge;.: Dr. 1B e r n e r. Gez.: Dr. Mülle r. Landiagssihung um eine Woche verschoben.

WEN. D a r m st a d t, 7. Mai. Wie wir hören, ist die für Dienstag, 9.Mai, angesetzte konsti­tuierende Sitzung des neuen Hessi­schen Landtags mit Rücksicht auf die in­zwischen erfolgte Bestellung des Statthalters, Gauleiter Sprenger (Frankfurt), um eine Woche auf Dienstag, 16. Mai, ver­schoben worden.

Oberbürgermeister Dr. Jarres beantragt seine Beurlaubung.

WTB. Duisburg, 5. Mai. Die Kreislei­tung der NSDAP, und die Stadtverwaltung veröffentlichten eine Erklärung, in der es u. a. heißt: Der Gauleiter Terboven hat dem Oberbürger- meister Dr. Jarres eröffnet, daß nunmehr auch in Duisburg-Hamborn d i e Gleichschal­tung in der Stadtleitung erfolgen müsse. Eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung unter Leitung des Oberbürgermeisters komme nicht mehr in Frage. Auch die Staats­regierung fei der Auffassung, daß nunmehr eine baldige Entscheidung getroffen werden müsse, ziehe aber die weitere Verwendung des Ober­bürge rmei st ers im Staatsdienst oder sonstigen öffentlichen Aemtern in Erwägung. Bei dieser Sachlage wurde dem Oberbürgermeister drin­gend riahegelegt, seine Beurlaubung bis zur Entscheidung über die Neubesetzung des leitenden Postens selbst zu beantragen. Dabei wurde wieder­holt erklärt, daß die Person des Oberbürgern^xi- sters, seine Ehre und Reinheit seiner Amtsführung unangetastet dastehen. Seine in schweren Zeiten oft bewiesene vaterländische Haltung wurde anerkannt, ebenso bei aller Kritik im

Bismarck, der immer Tätige.

Ein unbekannter Brief aus dem Jahr der Reichsgründung.

Am 16. August 1871 schrieb die Herzogin Feodora von Sachsen-Meiningen an den Fürsten Bismarck:Eine große Bitte möchte ich an Euer Durchlaucht richten, welche darin besteht, mir zu lieb ein wenig Baterlands- DcrrÖtcr zu werden, indem Sie mir das Staats­geheimnis der Rückkehr der 22. Division verraten. Mein landesmütterliches Gewissen verbietet mir, bei der Rückkehr unseres Regiments fern von Mei­ningen zu fein; weshalb ich meine Reiscpläne nach diesem Ereignis einrichten möchte. Verzeihen mir Durchlaucht das kühne Unternehmen, Ihre Pflicht­treue zu erschüttern, und halten Sie diesen Schritt, meinem unpolitischen Frauenherzen zu gut .. Daraus antwortete Bismarck aus Gastein am 24. August 1871:Durchlauchtigste Herzogin. Ich hatte gehofft, Eurer Hoheit Frage beantworten zu können, wenn ich diesen Bries einige Tage ausschob: das Ungeschick der Gallier in diplomatischen Ge­schäften hat aber die Verständigung über frühere Räumung nicht zum Abschluß kommen lassen. Ich kann aber nur melden, daß die tapfere 22. Division bestimmt ist, die erste zu sein, welche heimkehrt; der Zeitpunkt hängt davon ab, daß Frankreich zahlt oder uns bezüglich des Elsaß einige Gefälligkeiten erweist, welche wir mit Gegendiensten bezüglich früherer Räumung zu vergelten schon langst be reit sind. Da aber Frankreich bisher ungefällig ist und sich fälschlich mit der Hoffnung schmeichelt, seine Wunsche auf Nebenwegen gratis erfüllt zu sehen, so glaube ich kaum, daß cs in den nächsten 14 Ta gen tunlich sein wird, mit der Zurückziehung irgend­eines Teiles der Okkupations-Armee zu beginnen. Sr. Majestät dem Kaiser bekommt das Bad vor­züglich, und ist Seine Gesundheit seit der Abreise von Berlin in hohem Grade gekräftigt. Am 6. Sep­tember, vielleicht schon am 5., findet die Abreise und, nach den bisherigen Abreden ein Besuch Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich in Salzburg

Dieser, bisher unbekannte kleine Briefwechsel, der im neuesten Heft derPreußischen Jahrbücher" ver- össentlicht wurde, ist in mehrfacher Hinsicht für die Eigenart des Kanzlers und feine unablässige Ar beit an der Festigung des Deutschen Reiches bezeich- nend^Zunächst einmal zeigt der eigenhändige Brief des Fürsten an die Herrscherin eines der kleinsten Bundesstaaten, wie sorgfältig der Kanzler die Be­ziehungen zu den Einzelstaaten pflegte und wie er

einzelnen seine vom besten Wollen für das Gemein­wohl getragene verdienstvolle Arbeit für die Stadt. Der Oberbürgermeister hat daraufhin unter Zu­rückstellung schwerer sachlicher Bedenken im Interesse der Stadt bei dem Regierungspräsidenten seine Beurlaubung beantragt.

Ehrungen von Mitgliedern der ASOAp.

CNV. Berlin, 6. Mai. Der S t e 11 o e r t r e - terdesFührers, Rudolf Heß, erläßt folgende Anordnung: Alle kommunalpolitischen Fraktionen der NSDAP, sind verpflichtet, die Genehmi­gung der Reichsleitung einzuholen, bevor Anträge auf Ehrung von Mitgliedern

der nationaljoziallstischen Bewegung (Verleihung des Ehrenbürgerrechts, Straßenbenen­nungen usw.) eingebracht werden, sofern es sich nichtum denFührer selb st handelt. Dem Er­suchen um Genehmigung ist eine Begründung der beabsichtigten Ehrung beizusügen. Die Reichsleitung erwartet, daß Nationalsozialisten die Annahme des TitelsDoktor ehrenhalber" ab­lehnen, so, wie ihn Adolf Hitler selbst bereits ab« gelehnt hat. Die nationalsozialistischen Führer haben sich ihre Namen aus eigener Kraft ge­schaffen. Sie haben keine Veranlassung, vor ihn einen Titel zu setzen, der ohnehin durch Verleihung an die für die Periode deutscher Ehrlosigkeit verant­wortlichen Politiker an Wert verloren hat.

Dr. Goebbels ober den neuen Aufbau.

Ein klares Bekenntnis zum Friedenswillen.

Chemnitz, 7. Mai. (TU.) Auf einer Kund­gebung der NSDAP, sprach am Sonntagnachmittag in der überfüllten Radrennbahn Reichsminister Dr, Goebbels. Der Minister führte u. a. etwa fol­gendes aus:

Es ist nicht nur eine nationale, sondern auch eine soziale Revolution. Wenn man uns entgegenhält, wir hätten uns verbündet mit ande­ren Gruppen und Parteien, so antworten mir, i n jeder Koalition setzt sich immer her Stärffte durch. Der, der weiß, was er will, wird zum Ziele kommen, auch wenn er Umwege einschlägt, bis das große Einigungswerk des deut­schen Volkes vollzogen ist.

Denn wir sind ein Volk von Brüdern in einem einzigen einigen Reich. 3n Adolf Hiller liegt die feste Linie deutscher Politik nach innen und außen. Es wird niemand mehr möglich fein, diese Politik zu durchkreuzen.

Noch vor drei Monaten hat ein sogenannter bayeri­scher Ministerpräsident erklärt, ein Statthalter, der von Beilin komme, würde beim Ueberschreiten der bayerischen Grenze verhaftet werden. Dieser Mann ist heute längst in der Versenkung verschwunden. Wir sind aber noch nicht .am Ende. Wir werben

weitermarschieren. Hat man erst eine feste Autorität und ein einiges Reich, bann werden auch wirtschaftliche und sozial» Maßnahmen von ganz anderem Erfolg begleitet sein. Das wird in den nächsten Wochen und Monaten in Deutschland jeder zu erfahren bekommen. Das Bekenntnis zum Reich haben wir am 21. März in Potsdam abge­legt. Das Bekenntnis zum Volk, zum ar­beitenden deutschen Volk am 1. Mai.

Wir sagen es der Welt, daß wir mit ihr in Frieden leben wollen. Es ist nicht wahr, daß wir zum Krieg treiben. Wahr ist, daß das deut­sche Volk sich dem inneren Ausbau zuwenden will. Aber es verlangt von der Welt, daß man

es beim inneren Aufbau in Frieden läßt.

Wir haben mit dem Aufbau begonnen, und dieser Aufbau wird durchgeführt auf allen Gebieten. Das Volk muß dabei mithelfen. Wir wollen vor der Welt bekennen, daß der Nationalsozialis­mus bas ift, was er war, und er bleibt bas, was er ift. Dieser Staat steht treu zu seinen Wor­ten, treu zu feinen Grunbsätzen, unverbrüchlich treu zu feinem Führer. Der Minister schloß mit einem Heil auf bas beutsche Volk und ben Führer Abolf Hitler.

Reichsregierung und Kriegsopfer.

Eine Rede des Reichsarbeitsmimsiers.

Berlin, 6. Mai. (TU.) Der nationalsozialisti­sche Reichsbund Deutscher Kriegso.p - f e r veranstaltete am Samstag eine große Kund­gebung, die eingeleitet wurde mit einer Minute stillen Gedenkens für die im Kriege Gefallenen und die in der Nachkriegszeit gefallenen Kameraden.

Dann nahm Reichsarbeitsmini ster S e l d t c das Wort. Er führte u. a. aus, das Vaterland des 9. Novembers habe den Kriegsopfern keinen Dank gebracht. Der braune Strom von Süden und der feldgraue Strom von Norden kommend, hätten sich aber jetzt vereinigt zu einer starken Macht. Eine siegreiche Kraft sei von Hitler aus­gegangen.

Die neue Reichsregierung sehe ihre vornehmste Aufgabe darin, nicht mehr äußerlich die Ver­dienste der Kriegsopfer anzuerkennen, sondern den Opfern, die sich vor die Ration geworfen hatten, den Dank abzustatten. Der Frontsoldat, der für dos Vaterland Leben und Gesundheit cingeseht habe, gehöre zu den besten Söhnen des Vaterlandes und habe Anspruch auf Ehrung und Würdigung.

Er, Minister Seldte, werde, solange er im Amte sei, dafür sorgen, daß, wenn gespart wer­den müsse, dies nicht die Kriegsopfer zu tragen hätten. Das neue System werde auch dem Frontsoldaten sein Recht geben.

Dann machte der Minister Mitteilung von Vor­schlägen, die dem Arbeitsministerium von natio­nalsozialistischer Seite zur Verbesserung der Lage

der Kriegsopfer unterbreitet worden seien und die er als eine durchaus brauchbare Otunblagc be­trachte. Das Problem sei angepackt worden und werde durchgeführt werden. Der Redner wies aus das besondere Interesse des Reichspräsidenten und der Reichsregierung an den Kriegsopfern hin und fuhr fort:

Viele Wünsche zu erfüllen, sei infolge der fi­nanziellen Schwierigkeiten vorerst nicht möglich. Aber die Kriegsopfer sollten, sobald es gehe, ent­schädigt werden. Die Verhandlungen mit dem Fi­nanzministerium seien so weit fortgeschritten, daß sich ein großer Teil der nationalsozialistischen Vor­schläge bald werde verwirklichen lassen.

Mit großer Dankbarkeit erkenne er an, daß es

den Braunhemden gelungen fei, Volk und Staat

einen Führer zu geben, der den Weg in die Zukunft zu weisen wisse. Dieses Kabinett werde seine Aufgaben vollbringen, weil es sich auf eine große Begeisterung und einen großen Ar­

beitswillen des Volkes stützen könne.

Die Rede des Ministers wurde oft von stürmischen Kundgebungen unterbrochen. Der Führer des Verbandes forderte vom Minister Siedlungs­möglichkeiten für die Kriegsopfer und regte an, den Tag, an dem die deutschen Soldaten ins Feld gezogen seien, zu einem Tag des nationalen Soldaten zu machen.

in seinem Verkehr auf bas Peinlichste bie zeremo­niellen Formen wahrte. Der Brief ist aus einer Zeit vielseitiger Inanspruchnahme heraus geschrie­ben unb würbe nur einige Tage später beantwor­tet, weil Bismarck hoffte, bann genauere Angaben machen zu können. Sein Aufenthalt im Sommer 1871 in Gastein biente ja durchaus nicht bloß der Erholung. Der Kanzler hatte bie Reise unternom­men, weil er in Varzin bie Nachricht von einem Räumungs-Abkommen erhielt, bas ber Oberbe­fehlshaber ber Befatzungsarmee in Frankreich, Ge­neral Manteuffel, eigenmächtig abgeschlossen unb bem Kaiser zur Annahme empfohlen hatte. Bismarck, ber darin einen schweren Uebergriff Man­teuffels sah, eilte sofort nach Gastein, wo der Kai­ser zur Kur weilte, um die Billigung dieses Ver­trages zu verhindern, der ben Franzosen ohne jebe Gegenleistung große Zugestänbnisse machte. Der Fürst unterbrach seine Karlsbader Trinkkur in Var­zin unb traf am 17. August in Gastein ein, wo er mit bem bort roeilenben österreichischen Reichskanz­ler Grafen von B c.u st in fast täglichen Unter­redungen den Grund zur Wiederherstellung freund­licher Beziehungen mit Oesterreich-Ungarn legte unb bie Zusammenkunft ber beiben Kaiser in Salzburg vorbereitete. Den Abschluß des Vertrages verhin­derte er unb schickte ben Grafen Harry Arnim, ber am 20. auf seinen Wunsch nach Gastein kam, als Gesandten nach Paris, um weitere Husarenritte Manteuffels zu verhindern. Den provisorischen Ge­schäftsträger in Paris, Grafen 2ßa Iber fee, be­orderte er nach Gastein zum Bericht, nahm außer­dem fast täglich an ber kaiserlichen Hoftafel teil unb unterzog sich einer regelrechten Babekur. In ben Briefen an seine Frau fpricht er von einer Hoff­nung auf Erfolg dieser Kur, während sich einst­weilen nur bie übliche Müdigkeit nach ben Bädern geltend mache. In dem Brief an die Herzogin sind die Schwierigkeiten skizziert, ohne deren Beseitigung die thüringischen Regimenter, die zur 22., Division gehörten, nicht zurückkehren könnten. Erst am 12. September, nachdem vertragsmäßig eine halbe Milliarde Francs gezahlt worden war, gab ber Kaiser Befehl, mit ber Räumung zu beginnen. Wie bei «bieiem notmenbig gewordenen Kuraufenthalt in Gastein hat auch sonst Bismarck, der immer Tätige, auf seinen Erholungsreisen selten Ruhe gehabt, son­dern oft die wichtigsten Entscheidungen getroffen. Seme nächsten Mitarbeiter, die ihn babei'begleite- ten, hatten oft mehr Mühe, die Arbeit zu bewäl­tigen, als in Berlin, wo ein reichliches Kanzlei- Personal zur Verfügung stand. Als Bismarck 1886 sich auf der Badereise bejanb, ließ er am 9. August durch dieBerliner Politischen Nachrichten" die

folgende Notiz verbreiten:Einige Zeitungen haben daraus, daß ber Herr Reichskanzler auf feiner dies­jährigen Reise von einem höheren Beamten begleitet ist, ben Schluss gezogen, daß er sich auch während seiner Kur ben Geschäften wibme. Danach könnte es scheinen, als ob ber Reichskanzler sich sonst auf sei­nen Reisen von ben Geschäften fernhalte. Das ist indessen unrichtig. Der Reichskanzler ist niemals in Urlaub. Stets befinbet sich in seiner Begleitung ein höherer Beamter, weil er bie Geschäfte unausge­setzt in ber Hanb behält."

Deutsche Romantiker-Bilder kehren heim.

Die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts hatte eine feinsinnig gepflegte Stätte in der Samm­lung des früheren dänischen Kunsthändlers Gro- sell gefunden. Diese Sammlung, die 'vor einiger Zeit aufgelöst wurde, umfaßte bedeutende Werke der deutschen Malerei von der Romantik bis zu Steinhaufen und Thoma. Wie in der Bruckmannschen ZeitschriftDie Kunst" mitgeteilt wird, braucht die Auflösung dieser Kollektion bei uns keine wehmütigen Betrachtungen hervor- zurusen, denn fast alle Bilder fanden ihren Weg in die Heimat zurück, wo sie schmerzlich empfundene Lücken in öffentlichen und privaten Sammlungen ausfüllen. Grosell hatte eine aus­gesprochene Vorliebe für die deutsche Romantik, die ja durch vielfache Fäden mit dänischer Kunst verknüpft ist. Auf seinen Reisen durch Deutsch­land suchte er solche Werke mit besonderem Eifer. Das Hauptgewicht lag für ihn auf Caspar David Friedrich und seinem Kreis, und so war es ihm gelungen, von diesem größten Land­schaftsmaler der Romantik zwei hervorragende Arbeiten zu gewinnen, nämlich dieRuine in einem Nadelwald" und die phantastischenWei­den im Mondschein". Dazu kam noch ein stim­mungsvolles Aquarell. Von dem Dresdner Ge­fährten Friedrichs, dem genialen Arzt, Philo­soph^, Dichter und Maler Carus, hatte er eine ganze Reihe bezeichnender Bilder zusam­mengebracht,- die einen Querschnitt durch sein Schaffen gaben: nicht minder reich war sein Landsmann Dahl vertreten. Von Blechen befanden sich in der Sammlung mehrere seiner großartig hingeworfenen Skizzen. An diese Ver­treter der Romantik schlossen sich dann zahlreiche Meister, die diese Stimmung durch das 19. Jahr­hundert fortgesetzt haben, so Kersting, Krüger, Kobell, Rayski. Waldmüller bis au Steinhaufen und Thoma.

Kunst und Wissenschaft.

Kultusminister Dr. Rust über die kulturellen Probleme im neuen Staat.

Kultusminister Dr. Rust sprach in Berlin vor Vertretern ber Presse über bie großen kulturell len Probleme des neuen Staates. Er teilte u. a. mit, baß bie Hochschule für Politik Erziehung bcs Deutschen sein solle. Der Kultus- eine Volkshochschule für bie politische Minister hat in bie preußische Dichterala­be m i e berufen bie Herren Werner Beurnel- bürg, Hans Friedrich Blunck, Hans C a r o s s a, Peter Dörfler, Paul Ernst, Friebrich Griese, Hans Grimm, Hans I o h st, E. G. Kolben- Heyer, Agnes M i e g e I, 'Borries von Münch­hausen, Wilhelm Schäfer, Emil Strauß unb Will Vesper. Ausgeschieben sinb: Döblin, Leonhaxb Frank, Fulda, Georg Kaiser, Kellermann, Thomas Mann, Alfred Mombert, Alfons Paguet, Rudolf Pannwitz, Rene Schickele, Fritz v. Unruh; Jakob Wassermann unb Franz Werfel. Ferner um- riß ber Kultusminister bas Verhältnis bes Staates zur Kirche. Für bie Beziehungen zur katholischen Kirche gelte, was er bem Bischof von Osnabrück versichert habe, baß für ben Staat die Verträge maßgebend seien. Was die Beziehungen zur evange­lischen Kirche anbelange, so lehne er bie kürzlich er­folgten Veröffentlichungen, baß bie Freiheit ber Kirche gefährdet sei, ab. Der Minister unterstrich, daß die preußische Regierung diese Absicht nie ge­habt habe. Wenn auf ber letzten Tagung berDeut­schen Christe n" Meinungsoerschiebenheiten mit bem Oberkirchenrat zutage getreten seien, so sei bas eine interne Angelegenheit ber evangelischen Lan- beskirche, deren ©lieber bieDeutschen Christen" seien.

Die Brahmsseiec in Hamburg.

Das Protektorat des Reiches und die starke Anteilnahme der Bevölkerung der Vaterstadt des Tondichters gab ber Hamburger Feier am hundertsten Geburtstag von Johan-» nes Brahms eine erhöhte Bedeutung. Anr. Geburtshaus in einem Hof der Speckstraße irt der Altstadt veranstaltete vormittags der Rund­funk eine Gedenkstunde. Mit dem Vortrag der Rhapsodie unter Dr. Karl Muck mit Emmy Leisner als Solistin begann der staatliche Fest­akt. Dann sprach Bürgermeister Dr. Burchard- M o tz. Hamburg könne feinen großen Sohn nicht besser ehren, als durch Ehrung solcher Männer, die zu Pslegern seines künstlerischen Vermächt­nisses berufen seien. Er verleihe darum di« bronzene Brahmsmedaille an Professor S p e n g e l, an Eugen Papst und an Professor Alfred Si11ard. Dem einzigen Besitzer der goldenen Brahmsmedaille Dr. Karl Muck wurde ein Schreiben des Senats mit einem Lorbeerkranz überreicht. Staatskommissar Hans Hinkel be­grüßte als Beauftragter des Reiches, des preußi­schen Kultusministeriums und des Kampfbundes für deutsche Kultur die Festversammlung. Nichts könne das noch immer vielfach mißverstandene kulturelle Wollen der nationalen Revolution besser kennzeichnen als eine Ehrung Johannes Brahms, eines wahren deutschen Künstlers, eines Verkünders des deutschen Liedes und der deut­schen Seele. Der Hamburger Musikschriftsteller Professor Dr. Ferdinand P f o h l hielt an­schließend die Festrede über den Menschen und Künstler Brahms. Mit derNänie" unter Eugen Papst, wiederum mit Emmy Leisner als So­listin klang die Feierstunde aus.

Aus aller Well.

Sübameritaflug desGraf Zeppelin".

Das LuftschiffGraf Zeppelin" stieg am Samstag, 20.42 Uhr, unter Führung von Dr. Eckener in Friedrichshafen zur ersten dicsi jährigen Südamerikafahrt nach Pernam- buca auf. Elf Passagiere nehmen an der Fahrt teil. Der Flug ging nach den bisherigen Stand­ortmeldungen über Lyon, Valencia, Kap Palos (östlich von Cartagena): am Sonntag, 17.30' Uljr, wurde Gibraltar überflogen.

Wie englische Kriminalbeamte geprüft werden.

Mord in Scotland Pard, dieser englischen Hoch­burg des Kampfes gegen das Verbrechertum! Mitten in einem Zimmer, dessen Scheiben zer­brochen sind, liegt eine regungslose Gestalt auf dem Boden ausgestreckt, neben ihr ein Revolver mit einer benutzten Patrone. Ringsum herrscht wilde Einordnung im Gemach, die auf einen ber- zweifelten Kampf schließen läßt. Wenn man aber näher zusieht, dann zeigt sich, daß der auf der Erde liegende Körper nur eine Wachspuppe ist: denn das ganze Schauspiel, das sich jährlich zwei­mal wiederholt, ist zur Prüfung der Anwärter für den Beruf von Kriminalbeamten sorgfältig inszeniert. Nacheinander werden die Prüflinge in dasMordzimmer" geführt und müssen hier alle Spuren genau prüfen, die zur Aufklärung des Verbrechens führen können. Dabei haben sie reichlich Gelegenheit, ihre Findigkeit zu beweisen, da es zahllose kleine Anzeichen gibt, oie der Un­begabte als belanglos übersieht, während sie in Wahrheit für die Lösung der gestellten Aufgaben von höchster Wichtigkeit sind. Eine andere Prü­fung, dec sich die Kandidaten unterziehen müssen, besteht darin, daß ein bis zwei Dutzend Menschen an ihm vorüberziehen, die er genau nach Alter, Größe, Kleidung und besonderen Merkmalen be­schreiben muß. Dann werden diese Personen von einem erfahrenen Beamten von Scotland Vard in ihrer äußeren Erscheinung gründlich verän­dert. Der Prüfling, der die amtliche Beschreibung eines ber Männer, die er vorher gesehen hat, er­hält, soll diesen nun in seiner neuen Gestalt er­kennen undverhaften". Bei dieser Probe ber- sagen, wie die Statistiken zeigen, rund 80 Prozent aller Anwärter. Don den 20 000, bie sich alljähr­lich um Aufnahme in Scotland Pa cd bewerben, genügen nur rund 1000 den sehr hohen An­sprüchen, die an Gesundheit, Körpergröße und Fähigkeiten gestellt werden. Besondere Kurse wer­den in Scotland QJarb für junge Detektive ab­gehalten, die in diesem Beruf schon einige Jahre tätig waren. Unter den Tlnterrichtssächern stehen die meisten europäischen Sprachen an erster Stelle , aber auch entlegene Sprachen, -toie z. B. Hindosta- nisch, werden gelehrt. In besonderen Fällen emp­fangen Provinz- und Kolonfalbeamte in der Schule von Scotland QJarb ebenfalls ihre Ausbil­dung, wie sich auch Kriminologen aus aller Welt um Rat und Hilfe bei ihren Arbeiten hierher wenden. T» K.