Ausgabe 
8.4.1933 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

beln. Neben einer gesunden Agrarpolitik zur Pflege des Binnenmarktes empfahl Dr. Schacht Aufträge der öffentlichen Betriebe, die sich gerade für das Kleingewerbe günstig auswirkten. Weiter setzte sich Dr. Schacht für eine vorsichtige und sparsame Fi­nanzpolitik und für eine pflegliche Behand­lung des Geldmarktes ein, um zu niedrigeren Zinssätzen zu kommen. Diskontsenkungen allein genügten noch nicht, da sie zunächst nur einem kleinen Kreise von Banken zugute kämen.

Kein Grund zur wirischast- lichen Beunruhigung.

Berlin, 7. 2lpril. (CAB.) DerAn­griff" erklärt gegenüber der von gewissen Kreisen im Auslande gezeigten Beunruhigung über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutsch­land: Die nationale Regierung hat sich von vorn­herein auf den vierjährigen Wirt­schaf t s p l a n eingestellt. Sie muß zunächst ein­mal die unerläßlichen politischen Voraus- s e tz u n g e n für einen Wiederaufbau des deut­schen Wirtschaftslebens schaffen. Für eine äln- ruhe über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ist nicht der mindeste Grund vor­handen. Die nationale Regierung rastet nicht: sie trifft nur die erforderlichen Maßnahmen auch auf wirtschaftlichem Gebiet mit der nötigen ruhigen und sorgfältigen Vorbe­reitung. Die Ungeduldigen werden sehen, daß in allernächster Zeit Durchgreifendes auch auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Reorganisation zur Stärkung der deutschen Wirtschaft geschieht.

Gegen selbständige Eingriffe in die Wirtschaft.

Anordnung der Politischen Zentralkommission der NSDAP.

Berlin. 7. April. (WTB.) Die Politische Zen­tralkommission der NSDAP, veröffentlicht folgende Anordnung:

Es ist den Mitgliedern der NSBO., SA.- und SS.- Männern oder sonstigen Angehörigen der NSDAP, untersagt, in die inneren Verhältnisse der Wirt­schaftsunternehmungen, Industriewerke, Banken usw. selbständig einzugreifen, gegen Gewerkschaften vorzugehen, Absetzungen vor­zunehmen und dergleichen.

Zu irgendwelchen Eingriffen muß die a u s d r ü ck- liche Genehmigung der Wirtschaftsbeauf­tragten der NSDAP, vorliegen, die nur im Ein­vernehmen mit de r Politischen Zen­tralkommission handeln dürfen.

Gez.: Rudolf Heß

Vorsitzender der Politischen Zentralkommission.

Der Aeichslandbund zum Emigungswerk des Sauerntums.

Berlin, 7. April. (CNB. Funkspruch.) Der Bundesvorstand des Reichslandbundes nahm eine Entschließung an, in der es heißt: Der Bundesvor­stand begrüßt die Aktivität des Präsidiums zur Verwirklichung des Sammelrufes des Reichsland­bundes. Insbesondere erblickt der Bundesvorstand in der Reichsführerschaft des deutschen Bauern­standes die gegebene Vorstufe zur Weiter­führung des Einigungswerkes. Dem Reichskanzler Adolf Hitler dankt der Bundesvor­stand für die Erfüllung der Bitte, Schirmherr der Führerschaft zu sein. Der Bundesvorstand hält es bei diesem Anlaß für seine Pflicht, auszusprechen, daß das Einigungswerk nicht auf Kosten des bis­herigen klaren nationalpolitischen Kampfcharakters des Reichslandbundes erkauft werden darf.

Ferner beschloß der Bundesvorstand, einen Auf­ruf zu einer Hitlerfpende des Reichsland­bundes zu erlassen. In dem Aufruf heißt es: Geld hat kein Landmann! Aber eine Stube und Kost auf ein, zwei, drei oder vier Wa­ch e n für einen deutschen Blutsbruder aus dumpfen, rauchigen Stadtmauern, der im Kampfe für das neue Deutschland immer fein Leben einsetzte. Dies soll unsere Spende werden, die es d e m B a u e r n -

Theater-Anekdoten.

Von Emil Heyse.

In den Ruhm, erfolgreichste und beliebteste Gast- spielvirtuosen zu sein, mußten sich zu Ende des vorigen Jahrhunderts Friedrich Haase, der ele­ganteste Kavalier der deutschen Bühne, und Ernst von Possart, der scharfe Charakteristiker, teilen.

Sie liebten einander nicht; einer neidete dem an­deren seinen Ruhm.

Auf einer Versammlung der deutschen Bühnen- angehörigen trafen die beiden, die sich noch nie ge­sehen hatten, zusammen. Hielten sich im großen Ver­sammlungssaal anfangs voneinander entfernt. Kei­ner achtete des anderen. Bis Possart es für ange­bracht fand, noble Gesinnung zu demonstrieren.

In seiner theatralischen Art eilt der untersetzte Mann mit weit ausgestreckten Armen auf den lan­gen Haase zu.Teurer Meister!" dröhnt er pathe­tisch,wie freue ich mich. Sie endlich, endlich ken­nen zu lernen!"

Des charmanten Haase wohlfrisierter Kopf neigt sich leicht.Sind Sie auch beim Theater?" fragt er mit gewinnendem Lächeln.

Auf seinen Knien hält der Generalintendant Ernst Ritter von Possart fein Enkelkind. Zum 2lus= getjen gerüstet; in voller Kriegsbemalung: Frack, Ordensband, Stern auf der Brust, Orden aus der Kravatte heraus, Ordenskette über dem Frackreoers.

Opapa" sagt das Kind und klappert an einem der bunten Dinger, die vom Großvater herunter- baumeln,was ist denn das?"

Wonne im Auge, blickt Possart seinen Enkel an: Das ist der Kronenorden 4. Klasse, mein Kind", saat er,ben hat Haase nicht!"

Und streichelt seinem Enkel gerührt das Haar.

*

Hamlet! Als Gast: Ritter Ernst von Possart! Die Schauspielerschar des kleinen Stadttheaters N. ist in Aufregung. Keine Kleinigkeit, neben dem il- lustren Gast zu bestehen, auf sein differenziertes, nuancenreiches, pausenerfülltes Spiel nach kurzer Verständigungsprobe einzugehen.

Am nervösesten ist der gute alte H., der humori­stische Vater des Ensembles, dessen Gedächtnis schon mürbe geworden, der sich wegen seiner Schwer­hörigkeit nicht einmal mehr auf den Souffleur ver­lassen kann. Er muß den Polonius spielen.

Hamlet sagt im zweiten Akt yi Polonius:Habt

kanzler Adolf Hitler ermöglicht, vielen eine Erholung und ein seelisches Neu­er st a r k e n in freierNaturzu geben. Gleich­zeitig ist es ein Dank des Landes an diejenigen in den großen Städten, die im Ringen um die Meder- geminnung der verführten Volksseele die schwerste Arbeit hatten.

Das Ergebnis der Osthiife-Llnterfuchung.

Berlin, 7. April. (TU.) Amtlich. Der O st - Hilfe-Untersuchungsausschuß hat am 6. April seine Beratungen abgeschlossen und einen Bericht hierüber dem Reichsmimster Dr. Hugenberg erstattet. Der Osthilse-Untersuchungs- ausschuß hat seine Arbeiten auf die Nachprüfung der dem Reichstagsausschuß vorgebrachten 2 6 Ost Hilfefälle beschränkt und in 11 Sitzungen eingehend erörtert und nachaeprüft. Vorher wa­ren au] Wunsch des Rechnungshofes bereits 6 Fälle von der Nachprüfung abgetrennt, die bereits vornRechnungshof nachgeprüft worden waren. Der Bericht kommt zu dem Er­gebnis, daß die in der linksgerichteten Tages- Presse im Januar 1933 erhobenen Angriffe gegen die beteiligten Behörden samt und sonders zu Unrecht erhoben worden sind. Von Riesenskandalen der Osthilfe und Korruption sei keine Rede. In keinem der von ihm untersuchten 26 Einzelfälle habe sich der Verdacht einer Korruption der beteiligten Beamten ergeben. Die erhobenen schweren Beschuldigungen fallen damit ohne weiteres in sich zusammen. Weiter hebt der Ausschuß hervor, Laß der Reichskommissar für die Osthilfc alle ihm unterbreiteten Beschwerden und Anregungen stets raschestens geprüft und für den Ausgleich zutage getretener Unebenheiten gesorgt habe. Auf Grund der Verhandlungen hat der Ausschuß sodann beschlossen, eine Reihe von Anregungen für die weitere Behandlung der Osthilfe zu geben.

Gegen einen politischen Druck auf Beamte.

Ein Erlaß des ReichssinanzministerS.

Berlin, 7. April. (CNB.) Unter der Ueber- schriftP o l i t i s ch e Be t i g u n g im Dien st" wendet der Reichsfinanzminister Graf Schwerin v. K r o s i a k sich in einer Bekanntmachung gegen Versuche, Beamte oder Angestellte durch Aus­übung von Druck für eine bestimmte politische Partei zu gewinnen. In die­ser Bekanntmachung heißt es:

Eine Angestelltengewerkschaft hat darüber Klagen geführt, daß mehrere ihrer Mitglieder während des Dienstes von anderen Angestellten und Be- amten teilweise unter Ausnutzung des dienstlichen Unterordnungsverhält­nisses beeinflußt worden seien, sich einer nicht ausdrücklich genannten politischen Partei anzu­schließen und daß mehrfach im Weigerungs- fallederVerlustderbisherigenStelle an gedroht worden sei. Ob diese Klage tatsächlich begründet ist, will ich nicht untersuchen. Ich stelle aber im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsminister des Innern fest, daß das behauptete Vorgehen demWillen derTräger der nationalen Regierung nicht ent­sprechen würde. Was aber die Regierung von allen im öffentlichen Dienst stehenden Personen ver­langt und verlangen muß, ist rückhaltlose Er- füllung der Dien st pflichten unter u n - bedingter Befolgung der Anordnun- Sen der Regierung. Alle Handlungen und nterlassungen der im öffentlichen. Dienst stehenden Personen haben sich ausschließlich nach die­ser Richtung zu bestimmen.

Personalveränderungen in der preußischen Verwaltung.

Berlin, 7.April. (CNB.) Die Kommissare des Reiches haben am 6. Avril eine Reihe von Personal­veränderungen beschlossen: In den Ruhestand ver­setzt wurde der Regierungspräsident Jaenicke in Potsdam (gleichzeitig wird genehmigt, daß der Re­

gierungspräsident z. D. Jaenicke in chinesische Staats­dienste übertritt); ferner 29 Landräte und zwei Re­gierungspräsidenten. Es werden beauftragt mit der kommissarischen Verwaltung des Land­ratamtes: in Schwelm (Ennepe-Ruhrkreis) der Dr. phil. Hanholz in Schwelm; in Weilburg ^)berlahnkreis) der Rechtsanwall Uerpmann in Frankfurt a. M., in Olpe der Oberregierungsrat Ströter beim Polizeipräsidium in Bochum; in H a - n a u der Kreisleiter der NSDAP. Staatskommis­sar Fritz Löser; in Grevenbroich der Oberregie­rungsrat Wallraf im Reichsministerium des Innern; in Kassel der Büroinspekteur Fritz Sengemann, M. d. R.; in Berleburg (Kreis Wittgenstein) der Regierungsasiessor Dr. Müller beim Landratsamt in Siegen; in Berlin (Kreis Teltow) der General­sekretär Koennecke, M. d. L,; in Seelow (Kreis Lebus) der Reichtsanwalt und Notar v. Nassau in Berlin; in Burg-Steinfurt der Ministerialrat Dr. Strunden in Berlin; in Bunzlau der Negie­rungsrat Dr. Schmige in Liegnitz; in Bergen (Kreis Rügen) der Graf v. Bismarck-Schönhausen, M. d. R.; in Clausthal der Regierungsrat von der Planitz beim Landesfinanzamt in Hannover; in Wandsbek der Oberregierungsrat Dr. Bock von Wülfingen beim Landesfinanzamt Kiel.

Die Neuordnung im Gesundheitswesen.

Berlin, 7. April. (BDZ.) Bon dem Kom­missar der Nerztlichen Spihenver- bände wird mitgeteilt, daß um das zahlenmäßige Mißverhältnis der jüdischen Gei­stesarbeiter zu den deutsch stämmi­gen zu beseitigen, bereits von den in einzelnen Ländern eingesetzten Kommiffarenfür das Gesundheitswesen eine große Zahl jüdi­scher Acrzte aus Universitäten, Instituten, Klini­ken und aus dem kommunalen Gesundheitsdienst entlassen worden seien. Der Kommissar der ärztlichen Spitzenverbände habe veranlaßt, daß in allen Gliederungen der Berufsorganisa­tion die jüdischen Aerzte aus den Vorständen und aus der Geschäftsführung ausgeschlossen wür­den.

Auf Veranlassung des Kommissars bereite das Reichsarbeitsministerium Maßnahmen vor, um die jüdischen Vertrauensärzte und Gutachter bei den Versicherungs­trägern und Versicherungsanstalten auszuscheiden., Die Untersuchungen f ü r den Freiwilligen Arbeitsdienst wür­den nicht mehr von jüdischen Aerzten vorge­nommen werden. Die Vorschriften für die Zu­lassung zur kassenärztlichen Tätig­keit würden so geordnet, daß jüdische Aerzte nicht mehr oder nur in Ausnahmefällen zur kassenärztlichen Tätigkeit zugelassen werden. Aus den Schiedsämtern und aus dem Reichs­schiedsamt für Aerzte und Krankenkassen würden die jüdischen Mitglieder zurückgezogen. Von den gleichen Maßnahmen würden auch marxisti­sche und solche Acrzte betroffen, die sich inner­lich auf die Gleichschaltung und die Erfordernisse der heutigen Zeit nicht umstellen wollten oder könnten.

Die Krankenkassen und ihre Vereinigun­gen und Verbände würden in gleicher Weise ge­reinigt. Mit unnachsichtlicher Strenge werde gegen die vorhandenen Korrup­tionserscheinungen vorgegangen. Die vielfach unrentablen Eigen betriebe der Krankenkassen und ihre Vereinigungen und Verbände, insbesondere die Behandlungs­an st alten der Ortskrankenkassen, Am­bulatorien und andere unrentabele Institute wür­den. aufgelöst, womit der Beginn zur Ent­politisierung der gesamten 'Krankenversiche­rungen gemacht sei.

Numerus clausus für Medizin- studierende in Bayern.

München, 7. April. (WTB.) Unter Hinweis auf die Tatsache, daß der Bedarf an Aerzten in Deutschland jetzt für neun Jahre g e - deckt ist, hat der kommissarische Innenminister Wagner bestimmt, daß Neuinskriptionen für das Studium der Medizin an der

»Universität München auf 345 Studenten, I an der Universität Würzburg auf 130 Studen­ten und an der Universität Erlangen auf 98 Studenten zu beschränken sind. Angehörige der jüdischen Rasse sind überhaupt von der Neuinskription für das Studium der Medizin aus­geschlossen.

Heichsrechiliche Regelung der Zulassung jüdischer Rechtsanwälte

Berlin, 7. April. (Bdz.) Im Reichsjustiz­ministerium sand eine Konferenz über die Wiederzulassung jüdischer Rechts­anwälte und Notare statt. An dieser Kon­ferenz nahmen Vertreter der Landes­justizbehörden teil, und zwar zumeist die Reichskommissare und Minister selbst. Haupt­zweck der Besprechungen war, daß die Landes­justizverwaltungen Darlegungen über die Maß­nahmen machen konnten, die sie selbst bereits auf diesem Gebiet getroffen haben und daß die Länder ihre Wünsche für eine reichsrecht­liche Regelung der Zulassung jüdi­scher Rechtsanwälte vorbringen konnten. Das Reichsjustizministerium nahm diese Darle­gungen und Wünsche zur Kenntnis. Mit einer reichsrechtlichen Regelung der Frage ist in aller Kürze zu rechnen.

In einer Pressebesprechung erklärte de r K o m - missar für den Vorstand der Berli­ner Anwaltskammer Rechtsanwalt Dr. Neubert, daß die auf Grund des Verhältnisses der jüdischen zur Gesamtbevölkerung in Berlin z u g e - lassene Zahl jüdischer Anwälte auf 3 5 festgesetzt worden ist. In Berlin waren bisher etwa 3400 Anwälte tätig, von denen der jüdische Anteil auf 2500 geschäht wird. Die Aus­wahl der 35 jüdischen Anwälte bereitet er­hebliche Schwierigkeiten. Als Bedin­gung der Zulassung wird eine besondere Bewäh­rung im Felde a l s F r o n t m p f e r ver­langt. Der Kommissar betonte, daß dieser Um­stellung nicht etwa wirtschaftliche, sondern ledig­lich ideelle Motive zugrundeliegen, die mit der inneren völkischen Erneuerung eng verknüpft sind.

Kunst und Wissenschaft.

kolonial-kunstausstellungDer Urwald ruft

Eine Kunstausstellung, wie sie in dieser Art noch nie in Deutschland veranstaltet ist, wurde in Berlin eröffnet. Zum ersten Mal gibt hier eine Ausstellung Kunde von dem Schaffen deutscher Künstler, die in den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika tätig waren. Inmitten eines Saales ist das ganze Zeltlager einer Expedition aufgebaut mit einem echten Neger darin, der stolz feine schwarz­weißrote Fahne schwingt. Bilder und Plastikem ver­vollständigen den Eindruck afrikanischer Landschaft. Exzellenz Dr. Schnee, der frühere Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, dankte für die Begrüßungs­worte des Leiters der Ausstellung, des Bildhauers Georg Roch, und gab feiner Freude darüber Aus­druck, daß der koloniale Gedanke wieder an Boden gewinne. Er hoffe, daß diese Ausstellung beson­ders unserer Jugend die Sehnsucht nach dem da draußen erwecken würde und daß die jetzige na­tionale Regierung bald die Erfüllung unserer Kolonialwünsche bringen würde. Ein Rundgang führte durch die Ausstellungsräume, von denen dem bekannten verstorbenen Altmeister Wil­helm Kuhnert ein Ehrenplatz eingeräumt war. Es würde zu weit führen, die ausstellenden Maler und Bildhauer im einzelnem aufzuführen; Moritz P a t h e , Paul Reichard, Professor Behn und. Rudolf H e l l g r e w e seien erwähnt.

Dec kommissarische 3nfenbanf für den Sudwestfunk.

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Pro­paganda hat den bisherigen Leiter der Nachrichten­abteilung der Reichsrundfunkgesellschaft, Walter Beumelburg, zum kommissarischen In­tendanten des Südwestdeutschen Rundfunks in Frankfurt a. M. ernannt.

Hanns Johsts DramaSchlageter".

Am Berliner Staatlichen Schauspielhaus findet am 20. April die Uraufführung des neuesten Stückes von Hanns I o h ftSchlageter" statt, das dem Reichskanzler Adolf Hitler gewidmet ist. Das Stück ist bis jetzt von mehr als 40 deutschen Bühnen erworben worden.

Ihr eine Tochter? Laßt sie nicht in die Sonne gehen ..."

Vor diesem Satz pflegte Possart eine große, zu überlebendigem Mienenspiel bestimmte Pause zu machen.

Deutlich schlägt der Souffleur an:Habt Ihr eine Tochter?"

Auf der Bühne bleibt es still.

Ein Schrecken durchfährt den alten Polonius H.. Um Gotteswillen, hab' ich das am Ende zu sagen ?" Und er nähert sich andächtigen Schrittes dem Prin­zen Hamlet.

Possart blickt ihn entsetzt an.

Habt Ihr eine Tochter, mein Prinz?" beginnt demütig lächelnd Polonius.

Hinter den Kulissen erstarren der Regisseur, der Inspizient und die das Spiel verfolgenden Schau­spieler.

Aber Meister Possart ist schon wieder im Sattel.

Nein!" weist er die unberechtigte Frage zurück, ich habe keine." Sein Organ füllt das Haus.Aber Ihr habt eine Tochter! Laßt sie nicht in die Sonne gehen ..."

Am nächsten Abend spielte statt des.alten H. ein anderer Schauspieler den Polonius.

*

Längst sind die vielgespiellen Stücke der Drama­tikerin Birch-Pfeiffer vergessen. Gottlob. Auch ihren Namen kennt man kaum noch. Einst gastierten alle Virtuosen in den dankbaren Rollen ihrer Effektstücke.

Wieder kommt ein Gast an das kleine Stadt­theater N. Es wird ein Schlager der Birch-Pfeiffer gegeben. Wieder muh der alle humoristische Vater H. mitspielen. Der nicht mehr lernen kann, der o schlecht hört.

Den Sekretär des Gutsherrn gibt er, den neidi­schen, der den Gutsherrn aufhetzt sogar gegen dessen Mündel, die Afra.

Der Gutsherr ist nach langer Abwesenheit heim­gekehrt. Die Bauern stehen ihm feindlich, fordernd gegenüber. Erregte Szene. Tumultarisch gehen die Bauern drohend ab.

Gutsherr (der berühmte Gast) und Sekretär (der alle^H.) bleiben allein zurück.

Sonderbare Sitten habt Ihr hierzulande", sagt wütend der Gast (als Gutsherr).

Der alte H. (als Sekretär) hat bedeutungsvoll zu erwidern:Und die Afra ist nicht anders!"

Statt dessen meint er, da er den Souffleur nicht versteht, wohlwollend bloß:Ja, freilich, freilich."

Mit voller Lungenkraft brüllt der Souffleur: Und die Afra ist nicht anders!"

Unb in Afrika i ft das nicht ander s", seufzt der alte H. und zuckt bedauernd die Achseln.

*

Souffleure, Inspizienten, Requisiteure leben und sterben fürihr Theater", an dem sie seit Jahren wirken, dessen Gedeihen ihr Wohl ist und dessen Lieblinge ihnen ans Herz gewachsen sind gleich Kindern.

Mit tiefstem Schmerz empfand der alte Souffleur des Wiener Burgtheaters den Tod des genialen Mitterwurzer. Erst hatte er sich gegen diesen neuaufgehenden Stern gewehrt. Denn er verehrte den alten Meister Sonne nthal. Dann aber batte Mitterwurzers Kunst ihn bezwungen und er wurde der treueste Anhänger dieses eigenartigen Mannes, der die Burg revolutionierte.

Und nun war Mitterwurzer, erst 51 Jahre alt, plötzlich gestorben.

Des geschäftigen Wiener Straßenbildes nicht ach­tend, ganz versunken in seinen Gram, steht der alte Souffleur morgens, vor Beginn der Probe, am Bühneneingang des Burgtheaters.

Mitterwurzer ist tot!

Grüß Gott", weckt ihn eine Helle Stimme. Ein junger Schauspieler ist herangekommen. Seit einem halben Jahr am Burgtheater engagiert. Darf mit­unter kleine Rollen sprechen. Blond und fröhlich ist der junge Mann, der bis jetzt durch nichts sich noch hervorgetan hat.

Feindselig blickt ihn der alte Souffleur an.Mit­terwurzer ist tot", ächzt er,Mitterwurzer!! Und das lebt?!"

Er haut dem jungen Mann eine kräftige Ohrfeige herunter und geht bekümmert in sein Burgtheater.

Des alten Burgtheaters gewaltiger Reckendar­steller, der trinkfeste (3 a b i (I o n , renommierte einst in heitrer Tafelrunde, seit Jahren fei kein Tropfen Wasser über seine Lippen gekommen.

Na, na, Herr Gabillon, übertreiben Sie nicht", lachte einer der Konkneipanten,was nehmen Sie denn morgens zum Zähneputzen?"

Einen leichten, spritzigen Mosel", gab Gabillon unerschüttert zurück.

Hochschulnacknchten.

Auf ben Lehrstuhl für Stäbtebau an ber Tech­nischen Hochsckule in Darmstadt wurde Profes­sor Dr.-Jng. Karl Gruber in Danzig berufen.

Auf den Lehrstuhl für Landwirtschaftliche Be­rufslehrer in Halle wurde Professor Dr. E. Woermann von der Technischen Hochschule in Danzig berufen.

Waldweben."

Wir haben bereits im Dezember vorigen Jahres, zu Weihnachten, auf dieses schöne Buch hingewie­sen, das im Hugo Bermühler Verlag in Berlin- Lichterfelde erschienen ist:W a l d w e b e n". Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bil­dern. Bon K. Gerhard und G. Wolff. 150 eigene Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflan­zenleben des heimatlichen Waldes. Der' schöne und stattliche Ganzleinenband kostet nur 4,80 Mark, und wir möchten gerade jetzt, wo es Frühling wird, noch einmal mit nachdrücklicher Empfehlung auf dieses Buch aufmerksam machen, bas uns als Ge­schenk zu Ostern und zur Konfirmation vortrefflich geeignet erscheint.Waldweben" wendet sich nicht etwa nur an die Fachleute, an den Forstmann, den Jäger und den Biologen, sondern an jeden, jung oder alt, der Sinn unb offene Augen für die Natur­schönheiten unserer Heimat hat, für das tausend- fällige Leben von Tier und Pflanze im deutschen Wald. Wer die reiche Bilderfülle dieses Bandes durchblättert, muß ja Lust bekommen, ob er will oder nicht, selber hinauszuwandern in die Natur mit ihren vielfältigen, geheimen ober offen zu Tage liegenden Schönheiten, die großenteils unbekannt sino oder übersehen werden. Das Buck öffnet einem die Augen darüber, was man auf solchen Streif­zügen und Entdeckungsreisen durch den heimatlichen Wald erhoffen darf: die beiden Verfasser haben mit ihrer Arbeit gezeigt, was man mit Geduld, Geschick­lichkeit und Liebe zur Sache erreichen kann: ihre Aufnahmen sind so schön und klar und unmittelbar zum Beschauer sprechend, daß sie eigentlich kaum eines Kommentars bedürfen; so ist dieses Werk im Wesentlichen ein Bilder-Buch geworden, und der einführende Text, knapp und sachlich gegründet, will nur Sinn und Charakter des Buches umreißen unb gibt im übrigen die notwendigen naturkundlichen (Erläuterungen zu den Photographien, die samt upb sonders vorbildlich reproduziert sind: ein über­raschend reichhaltiges Panorama aus dem Tier- unb Pflanzenleben unseres Waldes, der hier dies ist für die Arbeit der beiden Verfasser charakteristisch als eine lebenbiae, biologische Einheit ersaßt unb bem Leser unb Beschauer vor Augen geführt wirb. So empfiehlt sich bas Werk als ein schönes unb sinn­volles Geschenk von bleibendem Wert zumal für die Jugend auch durch ben erstaunlich nieb- rigen Preis unb eine gebiegene unb geschmackvolle Ausstattung, bie es zur Zierde jedes Bücherschrankes macht.