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08/04/1933 Erstes Blatt
 
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Beamten im Dienst bleiben können, die schon in der Vorkriegszeit ihre Vestal- lungsurkunde erhalten haben und daß weiter Männer nichtarischer Abstammung, die nach­weislich Frontsoldaten waren, eben­falls ein Amt als Beamter in dem Reich, den Ländern und den Gemeinden ausüben können. Oer Ginn -er Reichsreform.

Berlin, 7. April. (LU.) Die Reichs­pressestelle derRSDAP. schreibt zu dem Rcichsreformwcrk der Regierung u. a.: Das neue Tesetzgebungswerk über die Statthalterschaft in den deutschen Ländern, das die Regierung der nationalen Revolution soeben zum Abschluß ge­bracht Hot, kann in seiner slaatspolitischen Bedeu­tung kaum überschätzt werden. Es ist eine ge­setzgeberische Tat, wie sie in der Ge­schichte des deutschen Reiches seit Jahrhunderten nicht verzeichnet ist. In klarer Erkenntnis ihrer Bedeutung und durchdrungen von der Rotwendig­keit der durch die nationale Erhebung sich wunder­bar aufs neue gefügten seelischen Verbundenheit und Einheit des deutschen Volkes auch das ihr entsprechende staatliche Fundament zu ge­ben, hat die Regierung Hitler diesen schöpferischen staatspolitischen Wurf zu einem wirklichen deutschen Volksreiche, zum ersten deut­schen Rational st aat gewagt.

Die Weimarer Verfassung brachte keine deutsche Reichsreform, sondern ließ in dieser Beziehung alles beim alten. Ein weiterer klarer Be­weis dafür, daß ihr jede schöpferische Kraft fehlen mußte, weil sie aus Schwäche und Verrat ge­boren war.. Wäre sie eine deutsche Volksrevolu­tion gewesen, so hätte sie sich niemals damit begnügen können, an die Stelle der Mo­narchie einfach eine Anzahl von Bon­zenparlamenten zu setzen, die nicht die Einheit, sondern die Zersplitterung gewährlei­steten. Alle diese bisherigen Entwicklungsstufen der deutschen Geschichte mußten überwunden werden, damit endlich durch das allumspannende Rationalgefühl des jungen Deutschland die po­litische Macht und Einheit der Ration auch staatsrechtlich gestaltet werden konnte. Die alten deutschen Stämme leben noch und sind die wahren Kraftspender der Ra­tion. Gerade dieses Bewußtsein ist der tra­gende Gedanke des neuen Gesetzgebungswerkes. Ihre Schöpfer sind von dem Willen beseelt. Gewordenes und Gewachsenes nicht nur zu achten, sondern es zu fördern. Sie wissen, dah Heimatliebe und blühendes kulturelles und wirtschaftliches Eigenleben der einzelnen Länder und Land­schaften besser gewahrt sind und sich stärker ent­falten können unter einer starken poli­tischen Reichsgewalt, die sich auf die großen politischen Aufgaben der Ration be­schränkt. als ein föderatives Staatengebilde, das in einem Gegeneinander der politischen Mächte die Kräfte der Ration als Ganzes verzehrt und verbraucht. Das deutsche Volk erkennt in diesein Reformwerk seiner neuen Führer die große und schöpferische Kraft, endlich das zu gestalten und zu vollenden, was seinem eigensten innersten Wunsche entspricht und die Sehnsucht von Jahr­hunderten erträumt hat.

Keine Schaffung neuer Orden oder Ehrenzeichen.

Berlin, 8. April. (WTB. Funkspruch.) Zur Vermeidung von Mißverständnissen wird darauf hin­gewiesen, daß das vom Reichskabinett beschlossene Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen lediglich unter Aufhebung der bisherigen Bestimmungen des Artikels 109, Absatz 4 und 5, der Reichsverfassung d i e Ermächtigung erteilt. Ehrentitel und Orden wieder einzuführen und die An­nahme von ausländischen Orden zu ge­nehmigen. Es ist zur Zeit nicht beabsich­tigt, neue Orden oder Ehrenzeichen zu schaffen.

Die stummen Gäste von Zweilinben

Roman vonAnny vonpanhuys.

Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold, 12. Fortsetzung. Rachdruck verboten!

Bor dem Kreuz machte er hall, stützte sich darauf und versuchte, sich zu besinnen, was eigentlich ge­schehen und weshalb er so gelaufen war, daß er gar keinen Atem mehr hatte. Die kalte Luft und die feuchten Schneeflöckchen hatten ihn doch schon etwas ernüchtert. Ihm fiel jetzt ein, was es gegeben, und er hielt sich fest an dem Kreuz, so erbebte er vor Schreck. Zweilinden hatte ihm im offenen Lokal ins Gesicht geschlagen, war ihm mit der Peitsche nach­gerannt, wie einem bösen, bissigen Köter!

Er war ja blamiert vor der ganzen Kreisstadt und der ganzen Umgebung. Keinem Menschen hier konnte er noch offen in die Augen sehen. Man würde ihn verspotten und verlachen

Aber er schoß gut. Zweilinden mußte ihm vor die Pistole!

Er zog seine Hand von dem Halt zurück, auf dem sie geruht; der Halt war so eisig, daß es ihn durch­schauerte.

Er blickte nieder, und Grauen packte ihn, denn er erkannte jetzt, er halle sich auf das Kreuz gestützt, auf dem geschrieben stand:Hier starb von ver­ruchter Mörderhand: Konrad von Zweilinden. Wan­derer, bete für seine Seele!"

Ein Schüttelfrost überfiel ihn, drückte ihn in die Knie; sein Kops sank gegen den Stein des Kreuzes. So lag er wohl fünf Minuten lang; dann erhob er sich langsam und schlich wie ein Dieb heim.

Am nächsten Tag bildete die Szene zwischen den beiden Männern das Tagesgespräch der ganzen Um­gebung, und auch Inspektor Flügge hörte davon. Er freute Jtdj über den Denkzettel, den Wulf Speerau erhalten, er hatte ihn vielleicht überreichlich verdient.

Zwei Tage später kam Inspektor Hans Durhardt vom Dorwerk und bat Betllna um eine Unterredung. Es war am Vormittag, und Betllna empfing ihn sofort. Er fand keinen rechten Anfang. Aber schließ­lich sagte er:Sie sind ja keine Zimperliese, Fräu­lein Claudius, und ich darf wohl offen zu Ihnen reden: Herr von Zweilinden will heimlich fort, er trifft alle Vorbereitungen dazu. Und gestern nacht hat er sich total betrunken, und nun schläft er noch. Die Gelegenheit habe ich benutzt und bin herge­fahren, um Ihnen alles zu erzählen, denn Sie wissen sicher noch nichts von dem, was die Spatzen hier schon von den Dächern pfeifen."

Bettina blickte ihn verwundert an, sagte fast schroff:Halten Sie sich nicht mit zu langen Vor­reden auf. Mein Vater war zwar Lehrer, aber seine

Norman Davis in Berlin.

Rücksprache mit dem Reichskanzler. - Wie steht Deutschland zur Abrüstung? Oie Vorbereitung der Weltwirischastskonferenz.

Berlin, 8. April. (WTB. Funklpruch.) Der außerordenlliche amerikanische Botschafter Norman Davis ist heute um 8.30 Uhr in Berlin ei n - getroffen. Er halle heute vormittag eine längere Unterredung mit Reichsaußenminister Freiherr von Neurath. Gegen 12 Uhr wurde er vom Reichspräsidenten von Hindenburg empfangen. Er ist heute mittag Gast des Reichs­außenministers. Für heute abend ist ein E m p f a n g beim Reichskanzler vorgesehen, bei dem der Reichsaußenminister gleichfalls zugegen fein wird.

Dor seiner Abreise aus Paris erklärte er einem Vertreter desParis Soir", in Berlin wolle er neben dem Außenminister auch den Reichskanzler Hitler aufsuchen. Er wolle feststellen, wie der eigentliche Standpunkt der Reichsregierung zur Abrüstung aus­sehe. Auf die Frage, ob die amerikanische Re­gierung die Absicht habe, als Vermittler zur Erleichterung einer Lösung der verschiedenen wichtigen Fragen einzugreifen, erwiderte Ror- man Davis, daß Washington nicht die Ab­sicht habe, sich unmittelbar in die europäischen Fragen einzuschalten. Rorman Davis beabsichtigt, am Dienstag wieder in Paris zurück zu sein.

Ein wesentlicher Teil der Berliner Beratungen von Norman Davis wird den Vorbereitungen der zweiten Weltwirtschaftskonferenz gewidmet sein. Der Reichskanzler hat ja bereits in seiner Regierungserklärung vom 23. März dargelegt, daß wir den Plan einer Weltwirtschaftskonferenz begrüßen und mit ihrem baldigen Zusammentritt einverstanden sind.

Die jetzige Regierung der Vereinigten Staaten hat wiederholt ihre Absicht erklärt, die Initiative für eine allgemeine Senkung der Einfuhr­zölle zu ergreifen. Man wird sich in Deutschland einer solchen Mitarbeit auf dem Gebiete der indu­striellen Zölle nicht entziehen. Das Ziel dabei muß sein, daß die allgemeine Z o l l h ö h e in den wichtigen Ländern des internationalen Güter­austausches untereinander ausgeglichen wird.

Eine Vorkonferenz von Vertretern der Großmächte zur Vorbereitung der Welt­

wirtschaftskonferenz in Washington wird von der Reichsregierung begrüßt. Das Vorbereitende Komitee für die Weltwirtschaftskonferenz in Genf hat in zwei arbeitsreichen Tagungen zwar schon wichtige Vorarbeiten für die Konferenz gelei­stet und ein Verhandlungsprogramm ausgearbeitet. So wertvoll diese Arbeit ist, so kann aber doch nicht verkannt werden, daß diese Arbeit über d i e Her­ausarbeitung der Probleme nicht hin­ausgekommen ist. Nach den Erfahrungen mit großen internationalen Wirtschaftskonferenzen ge­nügt das nicht zur Vorbereitung. Es ist notwen­dig, daß auch schon die Lösung der Probleme in den Hauptlinien vorher vorbereitet wird. Dafür könnte eine solche kleine Vorkonferenz in Washington wertvolle Dien ft e leisten.

Die Einladung Amerikas zu Vor­besprechungen in Washington.

Washington, 7. April. (WTB.) Das Staats­departement hat der deutschen, der französischen und der italienischen Regierung durch die hiesigen Bot­schafter die Einladung übermittelt, Vorbe­sprechungen über d i e Weltwirtschafts­konferenz mit ihm zu pflegen. In der Einla­dung wird betont, daß die eigentliche Konferenz nach wie vor für London vorgesehen ist. In Washington soll lediglich ein Meinungsaustausch über den A b - bau der internationalen Handels­schranken stattfinden, damit ein glatter Verlauf der Londoner Konferenz gewährleistet wird. Es ist weder beabsichtigt, gemeinsame Besprechungen am runden Tisch abzuhalten, noch ist eine gemeinlame Erörterung der Schuldenfrage geplant. Vielmehr will das Staatsdepartement mit dem Vertreter jeder auswärtigen Macht einzeln verhandeln. Die Ein­ladung richtet sich zwar an die Regierungschefs selbst. Aber die amerikanische Regierung bringt xum Ausdruck, daß es ihr ebenso recht ist, wenn andere Mitglieder der Kabinette hierherkommen, oder wenn die Verhandlungen durch die in Washington akkre­ditierten Botschafter geführt werden.

Göring wird preußischer Minister­präsident

Berlin, 8. April. (CRB. Funkspruch.) Die wir erfahren, steht nunmehr fest, daß Reichsminifter Göring zum Ministerpräsidenten in Preußen ernannt werden wird. Vizekanzler von Papen durfte selbst auf die Ernennung zum Ministerpräsidenten in Preußen verzichtet haben. Ls verlautet, daß er andere wichtige Aufgabengebiete für das Reich übernehmen wird.

Man rechnet damit, daß abgesehen von Preu­ßen im ganzen zehn Statthalter ein­gesetzt werden, und zwar je einer für Bayern, Sachsen, Dürltemberg, Vaden, Hessen, Thürin­gen, ferner ein gemeinsam er Statthalter für beide Mecklenburg, ein weiterer gemein­samer für Braunschweig und Anhalt, außerdem ein gemeinsamer Statthalter für Olden­burg und Lippe und schließlich einer für die drei Hansa st ädte zusammen.

Oer große Appell der SA. im Rundfunk.

Berlin, 7. April. (TA.) Der Deutschland­sender teilt mit: Weit übereine halbe Mil -

Dorfahren waren alle Bauern, die Männer und die Frauen."

Er berichtete nun, was sich vor einigen Tagen im HotelEichkatz" in der Kreisstadt zugetragen.

Bettina lauschte mit angehaltenem Atem, und ihr Herz schlug stark vor Zorn über die Gemeinheit Wulf Speeraus. Schließlich schloß Hans Durhardt: Herr von Zweilinden liebt Sie, Fräulein Claudius, und es hat ihm sehr weh getan, was sich Graf Speerau herausgenommen. Nun fürchtet er sich aber vor Ihnen und will fort. Und das wäre doch schade, wenn er wieder so ins Zweifelhafte zurückliefe. Ex ist im Grunde gut, aber er hat große Neigung zum Alkohol und ist jähzornig; ich hatte Angst um ihn, und da dachte ich, am besten ist es, Ihnen die volle Wahrheit zu sagen."

Bettina holte tief Atem.

Sie haben ganz recht gehandelt, Herr Inspektor, und ich werde mit Ihnen nach dem Vorwerk fahren, ich will mit ihm reden."

Der junge Inspektor nickte zufrieden.

Ja, kommen Sie mit, Sie haben immer so etwas Sicheres und Klares im Sprechen und handeln, Fräulein Claudius, und damit werden Sie ihn zur Vernunft bringen."

Und Bettina brachte Ottfried von Zweilinden zur Vernunft. Sie stellte sich vor ihn hin und fuhr ihn an:Willst du mich hier in der ganzen Gegend bloßstellen, bann laufe wieder fort, wie du es da­mals mit deinem Vater gemacht hast." Sie sprach gemäßigter weiter:Ich habe Wulf Speerau geliebt, ja, aber er begehrte nur die reiche Erbin, und als es hieß, ich erbe nichts, zog er sich auf häßliche, bru­tale Weise zurück. Meine Liebe starb an Verachtung und Ekel. Du liebst mich, hat mir dein Inspektor verraten, der mir auch verriet, du willst weglaufen, und da bin ich gekommen, dir einen Vorschlag zu machen."

Er stand wie ein bummer Junge vor ihr, ber aus- gescholten wirb, und wagte ben Blick nicht vom Boden zu heben.

Sie fragte:Ist bas wahr, liebst bu mich wirk­lich, hat ber Inspektor recht? Warum kommst bu nicht einmal zu mir, um dich darüber auszusprechen?"

Er wechselte die Farbe, erwiderte leise:Es ist eine Beleidigung, wenn es dir ein Mensch sagt, wie ich einer bin."

Nachträglich betrachtet, ist es eine viel größere Beleidigung für mich, wenn es ein Mensch wie Wulf Speerau zu mir sagt. Und er hat es doch getan", gab sie zurück.

Es war eine Gemeinheit, eine Unverschämtheit", brauste er auf und hob den Blick.

Sie nickte.Damals habe ich mich darüber ge­freut", erwiderte sie,jetzt aber gebe ich dir recht, es war eine Gemeinheit, eine Unverschämtheit. Je­doch nun antworte mir: Liebst bu mich wirklich, Dttfrieb?"

lieber feine Züge glitt es wie Sonnenschein.

Hon SA.- und SS. -Männer treten am Samstagabend in Deutschland und Oesterreich an. Der oberste Führer Adolf Hitler wird um 19 Ahr im Berliner Sportpalast die Ber­liner SA. und SS. und durch das Mikrophon die in allen deutschen und österreichischen Gebieten angetretenen SA.-Formationen begrüßen. Punkt 19 Ahr wird des Führers Ruf:Heil SA." und der Gruß der SA.:Heil mein Führer" erschallen und im ganzen Reiche Widerhall finden. Dann wird der Führer zur SA. sprechen und die ungezählten MiUionen in Deutschland und Oesterreich werden die Worte hören. Vor dem Appell gibt Dr. Goebbels ein Stimmungs­bild für die Rundsunkhörer. Die Gesamtüber­tragung erfolgt 18.45 Ahr durch den Deutschland­sender. Alle deutschen Sender find an­geschlossen.

Kleine politische Nachrichten.

Reichspräsident v. Hindenburg emp­fing den neu ernannten kaiserlich japanischen Botschafter Matsuzo Ragai zur Entgegen­nahme seines Beglaubigungsschreibens. An dem Empfang nahmen außer oen Herren der Umge­bung des Reichspräsidenten, der Reichsminister des Auswärtigen Frh. v. Reurath sowie Staats­sekretär v. Bülow teil.

Ja, ich liebe dich, Bettina, liebe dich mehr als mein Leben, aber"

Sie sah ihn ernst an.Dann gibt es keinAber", dann ist es am besten, mir heiraten uns. Nach der bösen Skanbalsache im HotelEichkatz" zwischen Wulf Speerau und dir wirb meine Person nun mit in allerlei Geklatsch hineingezogen werben; aber wenn wir uns verloben, sieht man bas Geschehene anbers an. Unb auf diese Weise fällt auch Zwei- linden wieder an dich zurück und wird wieder Eigen­tum eines Zweilinden. Bor allem aber wagt es dann niemand, mich so zu verklatschen, wie man es sicher tun würde, wenn ich keinen männlichen Schutz habe. Ich sitze überhaupt zu allein im Herrenhaus, cs ist zu groß für mich." Ihre Augen flammten auf.Ich traue, feit ich das mit Wulf Speerau erlebte, keinem Mann mehr. Ich bin reich, und ich würde bei jedem, der mir von Liebe spräche, daran denken müssen, daß Wulf Speerau nur mein Geld geliebt hat, unb daß es jeder andere auch tut. Bei bir aber ist es nicht so. Du gehörst beinern Blut unb Recht nach auf ben Platz, ben ich einnehme, unb ich will ihn gern mit bir teilen, ben ich mit keinem anderen ohne Mißtrauen teilen könnte. Ich möchte mir, verzeihe, daß es ganz sachlich klingt, durch deine Person ein für allemal Ruhe verschaffen vor Klatsch und Mit­giftjägern. Ich liebe dich nicht, aber bu bist mir sym­pathisch. Ich glaube, ich könnte dich sehr gern haben, schon weil mich vieles an dir an Vater erinnert, den ich geliebt unb verehrt habe." Sie lächelte.Ich weiß, ich tue etwas sehr Ungewöhnliches, aber mgs schabet das. Ueberlege bir nur meinen Vorschlag recht halb. Mir liegt viel an beiner Antwort, denn ich will nicht, baß Klatsch unb Verläumbung jetzt aus- jchlachten, wozu Graf Speerau unb bu ihnen Ge­legenheit gegeben hast." Sie wiederholte heftig:Ich will es nicht!"

Ottfried von Zweilinden hatte das alles in sich aufgenommen, als hinge von jedem Wort sein Seelenheil ab. Nun fragte er stark betont:Unb bu glaubst, Bettina, mich eines Tages gern zu haben?"

Bettina neigte ben Kopf.

Ja, ich glaube es. Auch läge bas völlig in deiner Hand. Wenn bu bein unseliges Vätererbteil, ben Jähzorn, nach besten Kräften meisterst unb nicht mehr trinkst, wie bein Durst verlangt, bann werbe ich dich vielleicht eines Tages sehr gern ljaben."

Zweilinben sah sie plötzlich mit so glückseligen Augen an, baß sie Rührung empfanb. Die Liebe, die er ihr entgegenbrachte, war echt, bas spürte sie wie eine heilige Gewißheit.

Plötzlich neigte er sich tief, brückte ihre Hanb an die Lippen.

Nachdem er sich wieder aufgerichtet hatte, lächelte er sie an.

Ich habe einmal in meinen ganz jungen Jahren ein Theaterstück gesehen, darin küßte ein Edelmann den Kleibersaum ber Frau, die er liebte. Ich habe das bamals furchtbar komisch gefunden unb laut gelacht. Und heute, Bettina, l)eute mit einem Male

Im Reichsernährungsministerium fand eine Besprechung mit Vertretern der Länder übe, die Herabsetzung der Schlachtgebüh­ren statt. Ein Reichsrahmengesetz soll über dis Vieh- und Schlachthöfe und insbesondere für Reuregelung, der Gebühren geschaffen werden. Schon in Kürze soll jedoch eine Entscheidung über die Gebühren auf den Schlachtviehhofen, auf dem Schlachtviehmarkt und auf dem Fleisch­großmarkt getroffen werden.

Deutschland mit dem unverfälsch­ten Muffoliniplan einverstanden.

Kein deutscher Gegenvorschlag.

Berlin, 7. April (CNB.) Nachdem gestern derenglischeGegenvorschlag zum Mus- soliniplan den deutschen Amtsstellen zugeleitet worden ist und die französischen Gegen­vorschläge wahrscheinlich in der nächsten Zeit herauskommen werden, ist verschiedentlich die Frage aufgetaucht, ob auch deutscherseits ein Gegenvorschlag gemacht werden wird. Davon kann aber keine Rede sein. Deutschland hat es gar nicht nötig, einen Gegenvorschlag zu ma­chen, da es mit dem ursprünglichen Plan Mussolinis durchaus einver­standen ist und höchstens einige kleinere Re­tuschen wünschen könnte. Diese Auffassung ist auch in dem in letzter Zeit dauernd durchgeführten Ge­dankenaustausch mit Rom und London zum Aus­druck gekommen. Wenn Deutschland einen Vor­schlag machen müßte, so könnte es nur der gleiche Vorschlag sein, wie ihn der Mus- soliniplan darstellt. Was Deutschland verlangt, ist lediglich der unverfälschte und un­verdünnte Mussoliniplan.

Kirche und Giaai in Hessen.

Eine Kundgebung der Evangelischen Kirchenregierung.

Darmstadt, 7. April. (WER.) Die Evan­gelische Kirchenregierung in Hessen hat sich am 6. April 1933 in ihrer ersten Sitzung nach der staatlichen Umgestaltung eingehend mit der Frage des Verhältnisses von Staat und Kirche beschafttgt. Sie erläßt folgende Kundgebung:

Die evangelische Kirche bekennt sich heute so gut wie in den Tagen der Väter in Treue zur deutschen Heimat, in der sie nach Gottes Willen gewachsen ist. Evangelischer Glaube ist aufs engste verbunden mit deutschem Volkstum, das seine Eigenart, seine Seele, sein Denken, seinen treuen und tapferen Sinn weithin aus den ewigen Quellen der Reformation empfangen hat. Protestantisches Denken bejaht die deutsche Ration, die vom Herrn aller Geschichte geschaffen ist und aus Rot und Trübsal ihren Weg zu Recht und Frei­heit in der Welt gehen wird. Deutsches evan­gelisches Christentum steht zum Deutschen Reich, zu dessen Dienst es sich von Gott durch das Evangelium berufen weiß. Diese hohen Güter der Ration hat die evangelische Kirche durch alle Zeiten, durch Krieg und Revolution, in treuen Händen gepflegt. Sie braucht sich also hier nicht umzustellen.

In der Erfüllung ihres Dienstes muß sich die evangelische Kirche auf ihre eigentliche Sendung besinnen. Sie will allen die­nen. Sie ist Heimat für alle Volksgenossen, die zu ihr gehören, ohne Anterschied des Standes, des Berufs und der Par- t e i. Sie weiß sich zu dem einzigartigen Dienst berufen, das Wort Gottes zu verkündigen und unentwegt auf die ewigen Lebensgesehe des Schöpfers und Erlösers hinzuwei­sen, ohne die eine Ration nicht gestaltet werden und ein Volk nicht leben kann. Gottesfurcht

habe ich verstanden, wie bas aufzufassen ist, unb daß man bas Verlangen haben kann, so etwas zu tun bei einer Frau, bie man nicht nur begehrt, die man auch verehrt, weil mantzweiß, sie ist viel zu schabe für einen Menschen, wie man boch nun mal ist/'

Bettina bachte, welche Tiefe steckte in Ottfried von Zweilinben, der ein wenig plump wirkte, ber jäh­zornig war unb manchmal über den Durst trank, der davongelaufen in bie weite Welt und > zehn Jahre draußen herumgestrolcht.

Sie reichte ihm die Hand.

Ich erwarte dich heute nachmittag in Zweilinden, wir wollen alles besprechen."

Er erwiderte glücklich:Ich werde kommen; aber nenne mir lieber eine bestimmte Stunde, sonst fängt bei mir der Nachmittag spätestens in zehn Minuten an."

Sie mußte lachen und er lachte auch, und unten stand Hans Durhardt unb freute sich, weil beide, als sie aus dem Hause traten, so vergnügt aussahen.

Zweilinden faßte ihn scherzend am Ohr, flüsterte: Olle Petze, Spion, Verräter!"

Bettina nickte ihm zu:Ich danke Ihnen, lieber $)err Durhardt, daß Sie mich geholt haben, es hätte mir sehr leid getan, wenn er wieder weggelaufen märe. Zum Dank sollen Sie auch der erste sein, der die Neuigkeit erfährt; wir werden uns Neujahr ver­loben, Herr von Zweilinden und ich!"

Der junge Inspektor strahlte.

Ach, nun bin ich doppelt froh, daß ich spioniert, gepetzt unb Verrat geübt habe." Er blickte fragend. Soll bie Neuigkeit noch geheimgehalten werben?"

Bettina stieg in ben Wagen.Ich wüßte keinen Grunb dafür. Sie, Herr Inspektor, sind natürlich unser Verlobungsgast."

Der Inspektor wollte sich auf den Bock schwingen, doch sein Herr schubste ihn zurück.

Wäre ja noch schöner, was Bettina? Ich fahre dich nach Hause.'

Er knallte luftig mit der Peitsche, und los ging es.

Bettina dachte, er war eigentlich wie ein großes Kind, dieser Mensch, ber so rabiat unb starrköpfig fein konnte. Sie wollte es als ihre Lebensaufgabe ansehen, alles Gute in ihm freizulegen unb alles minber Gute zu ersticken. Die frische Schneeluft kühlte Stirn unb Wangen; es war so wohltuenb.

Als man Zweilinben erreichte, sagte Dttfrieb spitz­bübisch:Vielleicht geht meine Uhr ein bißchen vor, aber auf ber hat ber Nachmittag schon mächtig an- gefangen! Guck selbst, Bettina."

Er hatte ben Zeiger auf -bie Zahl vier gestellt.

Unb wieder lachte Bettina; und so mußte denn ein Knecht ausspannen, und Ottfried von Zweilinden durfte mit ins Haus und wurde zu Tisch emgelaben.

Inspektor Flügge ward auch gerufen, unb zu dreien feierten sie eine kleine Vorverlobung, Ernst Flügge gefiel bie Losung sehr, bie Bettina gesunden, um aus allem Klatsch und Tratsch heraus­zukommen. (Fortsetzung folgt)