Sicherheit Danzigs und die guten"Deziehungen zwischen Danzig und Polen ernstlich gefährde.
Der Kommissar des Völkerbundes hat daraus an den diplomatischen Vertreter der Republik Polen in Danzig ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt:
„Ich beehre mich. Ihnen anliegende Abschrift eines Schreibens vom 6. Mär; 1933 ju übermitteln. das ich soeben vom Präsidenten des Senats erhalten habe. Ich Hobe dem Präsidenten des Senates geantwortet, daß der hohe Kommissar keine Erlaubnis zur Vergrößerung des Bestandes der polnischen Wache auf der Westerplatte gegeben hat Wenn die in dem bei- gesügten Schreiben des Senats gegebenen Auskünfte richtig find, sehe ich mich verpflichtet. Sie zu bitten, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, daß die fraglichen Bestände unverzüglich von der Westerplatte zurückgezogen werden."
Sin Ausruf des SanzigerSenates
Danzig, 7. März. (WTB. Funkspruch.) Der Senat erläßt heute nachstehenden Aufruf: „An die Bevölkerung der Freien Stadt Danzig! Die polnische Regierung hat einen schweren Rechtsbruch gegen die Freie Stadt Sanjia unternommen und ohne Genehmigung des Hoyen Kommissars und unter Verletzung der bestehenden Verträge auf der Westerplatte eine Truppenabteilung mit schweren Waffen gelandet. Sowohl der Senat wie der Hohe Kommissar haben sofort alle erforderlichen Schritte unternommen, um diesem schweren Rechtsbruch entgegenzutreten. Wir erwarten von der Besonnenheit der Danziger Bevölkerung, daß sie wie bisher in ähnlichen Fällen
unbedingte Ruhe und Ordnung in dieser ernsten Lage bewahrt und Ausschreitungen vermeidet, die lediglich geeignet wäern, der gerechten Sache Danzigs Abbruch zu tun."
Vom Danziger Polizeipräsidenten ist ein Teil der Danziger Einwohnerwehr als Hilfspolizei aufgeboten worden. Sie versieht zusammen mit der Schutzpolizei den Straßendienst.
Aus oder Welt.
Die Schiffsglocke der „Emden" wiedergesunden.
Die Schiffsglocke des Kreuzers„Em- de n" , die im vergangenen Sommer vom Eingang des australischen Regierungsgebäudes in Garden- Island gestohlen war, ist wieder aufgefunden worden. Detektive fanden jetzt, wie aus Sid- neh gemeldet wird, die Glocke, die von der australischen Regierung als Andenken aufgehoben wurde, auf einem nahegelegenen Hügel in einer Tiefe von 30 Zentimeter vergraben. Bisher waren alle Versuche erfolglos, den Dieb, der wegen des schweren Gewichtes der Glocke sehr stark gewesen sein muh, ausfindig zu machen. Wie die Polizei auf die Spur der Glocke gebracht worden ist, ist noch nicht bekannt.
Rauschgiftfabrik bei Sofia entdeckt.
In der Stadt Radomir bei Sofia haben die bul- gorischen Behörden eine geheime Rauschgift- fabrik entdeckt, die ausschließlich Heroin und Morphin erzeugte und auf Schleichwegen ins Ausland ausführte. Insgesamt wurden über 100 Kilo Lagerware b - sch l a g n a h m t. Das Personal setzte sich aus Leuten verschiedener Rationalitäten zusammen, darunter auch Griechen und Armenier. Die Entdeckung erfolgte auf Grund einer Benach- rlchtigung des amerikanischen Gesundheitsamts über in USA. umlaufendes Heroin bulgarischer Herkunft. Man vermutet, daß in Bulgarien noch weitere Rauschgiftfabriken bestehen.
an diesem großen Siege unserer Idee. Roch mehr als bisher werdet Ihr Kämpfer des braunen Heeres die starke Stütze des Führers in seiner gigantischen Aufgabe und die Garanten der Macht unserer Bewegung sein. — Im alten frischen Geiste zum Marsch ins neue Reich! Deutschland, nichts als Deutschland!"
Bekämpfung
der Aacktkuiturbewegung.
Berlin, 7.März. (TU. Amtlich.) Der Kommis- jar des Reiches für das preußische Ministerium des Innern hat zum Zwecke der Bekämpfung der Nacktkultur an die unterstellten Polizeibehörden einen Runderlaß gerichtet, in dem es u. a. heißt: So jehr cs im Interesse der Volksgesundheit zu begrüßen ist, daß der immer weitere Kreise, insbesondere auch der großstädtischen Bevölkerung bestrebt sind, d i e Heilkraft non Sonne, Luft und Wasser ihrem Körper dien st bar zu machen, so sehr muß die sogenannte Nacktkulturbe
wegung als eine kulturelle Verirrung abge- I lehnt werden. Es wird daher von allen Polizei- । behörden erwartet, daß sie in Unterstützung der durch die nationale Bewegung entwickelten geistigen Kräfte alle polizeilichen Maßnahmen ergreifen, uni die sogenannte Nacktkulturbewegung zu vernichten.
Dio Nacktkulturverbände sind auf das schärfste zu überwachen. Soweit den Nacktkulturocrbänden für ihre Zwecke Badean st alten oder freies Gelände zur Verfügung gestellt sind, ist auf die Eigentümer der Anstalten oder Grundstücke unverzüglich im Verhandlungswege dahingehend einzuwirken, daß sie die abgeschlossenen Verträge lösen. Werbeveranstaltungen sowohl wie Uebungsabende und sonstige Veranstaltungen der Nacktkulturverbände sind zu verbieten, da die Tatsache, daß derartige Veranstaltungen in Kenntnis einer größeren Personenzahl stattfinden, als eine Gefahr für die öffentliche Ordnung anzusehen ist. Abgesehen davon wird auch häufig eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit vorliegen.
Der neue polnische Rechlsbruch in Danzig.
VölkerbundSkommiffar Costing verlangt Zurückziehung der neuen polnischen Wache auf der Westerplatte.
Polnische Wache auf der Festungsmauer der Westerplatte, eine Geheimaufnahme, die dem Photographen erst nach stundenlangem Warten gelang. Mehrere Photographen, die solche Aufnahmen versuchten, wurden angeschossen. Die Westerplatte war ehemals ein beliebter Badestrand der Danziger Bevölkerung. 1924 wurde sie Polen auf Beschluß des Völkerbundes übergeben, damit es dort einen Hafen zur Aus schiffung von Munition unterhalten könne.
DerkonNneiitaleSicherheitspMmGensabgelehm
Es kommt kein Sonderausschuß zustande. - Eine französische Schlappe.
Genf, 7. März. (TU.) Das von der französischen Regierung mit so großem Rachdruck vorgeschlagene europäische Abkommen für gegenseitige Hilfeleistung, das in Wirklichkeit zur Stabilisierung der heutigen kontinentaleuropäischen Verhältnisse führen, und Frankreich die gewünschtenSicherheits- bürgschaften geben sollte, ist am Dienstag im politischen Ausschuß am Widerstand von Deutschland, England, Italien, Sowjetrußland, Oestereich, Holland und Ungarn gescheitert.
Die Verhandlungen im Ausschuß gingen von einem Vorschlag der Kleinen Entente, Finnland und Griechenland aus, nach dem der Ausschuß grundsätzlich ein europäisches Unter- stützungsabkommen beschließen und seine Ausarbeitung einem engeren Sonderausschuß übertragen sollte. Eden (England) erklärte, daß eine Teilnahme Englands an einem solchen Abkommen nicht in Frage komme, da der Völkerbunds-, Kellogg- und Locarno-Vertrag bereits die äußerste Grenze der für England tragbaren europäischen Sicherheitsbürgschaften seien. Der Aermelkanal sei der Ausdruck der Sonderstellung Englands. Auch der Vertreter Hollands lehnte eine Beteiligung ab. Der Vertreter Ungarns wies auf die Gefahren neuer Militärbündnisse in Europa hin und verlangte den Rüstungsausgleich aller europäischen Staaten. Der Schweizer Bundesrat Motta verwies auf die 400jährige militärische Reutralität der Schweiz, die eine Teilnahme der Schweiz an einem solchen Vertrag unmöglich mache.
Der Vorschlag der fünf Mächte wurde dann vom Ausschuß mit 14 gegen 5 (Deutschland, Italien, Holland, Ungarn und Oesterreich) Stimmen bei Stimmenthaltung Sowjetrußlands und der nichtbeteiligten europäischen Staaten angenommen.
Als der Präsident aber dann die Einsetzung des vorgesehenen Sonderausschusses für die Ausarbeitung des Unterstützungsabkommens vorschlug, erhob sich zuerst der Vertreter Italiens, dann die Vertreter Deutschlands, Oesterreichs, Ungarns und Sowjetrußlands und lehnten die Teilnahme an dem Sonderausschuß ab. Nadolny betonte ebenso wie die Vertreter Italiens und Ungarns, daß für Deutschland infolge grundsätzlicher Bedenken eine Teilnahme an dem Ausschuß unmöglich sei. Deutschland habe volles Verständnis für die besondere Lage Englands, jedoch zeige die Ablehnung verschiedener europäischer Staaten die völlige Aussichtslosigkeit auf dem Gebiete eines solchen Vertrages zu iraktischen Ergebnissen zu, gelangen. Deutschland ei jedoch bereit, einen Beobachter in den Anschuß zu entsenden. Der r u s s i s ch e Vertreter lehnte )ie Teilnahme an dem Ausschuß mit dem Hinweis auf den Doppelcharakter Sowjetrußlands als europäische und asiatische Macht ab.
Unter dem Eindruck dieser Erklärungen sah sich der französische Luftfahrtminister gezwungen, dem Präsidenten Henderson vorzuschlagen, von der Einsitzung des Ausschusses A b st a n d zu nehmen. Henderson erklärte darauf den Uebergang zum nächsten Punkt der Tagesordnung. Die weitere Behandlung des Unterstützungsvertrages wurde fristlos verschoben.— Die französische Sicherheitspolitik hat damit eine Niederlage erlitten. Selbstverständlich war aus französischer Seite niemals ernsthaft mit einer allgemeinen Annahme eines kontinental-europäischen Unterstützungsoertrages gerechnet worden. Ebenso wie die übrigen französischen Sicherheitssorderungen sollte der Vorschlag eines europäischen Unterstützungsvertrages nur die Stellung Frankreichs auf der Abrüstungskonferenz festigen und Frankreich bei einem Scheitern der Konferenz die Abwälzung der Verantwortung auf andere Mächte erleichtern.
Danzig, 7.März. (211.) Der Danziger Senat hat an den Hohen Kommissar des Völkerbundes in Danzig, R o st i n g, über die Verstärkung der polnischen Wachtmannschaften auf der Westerplatte bei Danzig eine Rote gerichtet, in der darauf hingewiesen wird, daß die Verstärkung nur mit Zustimmung des Döl - kerbundskommissars erfolgen dürfe. Es wird dann angefragt, ob diese Zustimmung erfolgt sei und welche Gründe gegebenenfalls dafür vorlagen. Auf diese Rote hat Rosting die Antwort erteilt, daß er keine Erlaubnis zur Vergrößerung des Bestandes der polnischen Wache gegeben habe. Aus Grund dieser Antwort hat der Präsident des Danziger Senats, Dr. Z i e h m, an Rosting den Antrag gerichtet:
1. Gemäß Artikel 39 des Pariser Vertrags zu entscheiden: Die polnische Regierung ist verpflichtet, den auf den Verträgen beruhenden
tegalenZustandunverzüglichwie- der h e r z u st e t l e n und die Besetzung der Westerplatte auf die vorgesehene Starke zu- rückzuführen.
2. Sofort Maßnahmen zu treffen, daß diese Handlung der polnischen Regierung als eine „action direde“ feftgefteUt wird.
In der Begründung wir darauf hingewiesen, daß" Polen das Recht erhalten habe, auf der Westerplatte Wacht- und Aufsichtsmannschaften zur Bewachung des dortigen polnischen Muni- tioirslagcrs zu unterhalten. Diese Wachmannschaft sei auf höchstens zwei Offiziere, 20 Unteroffiziere und 66 Mann festgesetzt worden. Eine Erhöhung dieses Stan- d e s ohne Einwilligung des Hohen Kommissars widerspreche dem Vertrage vom 22. Juni 1921 und stelle eine Handlung dar, die die öffentliche
Das Urbild des Rofenlavaliers.
Don Dr. Stephan Kekute von Stradonih
„Octavian, genannt Duinquin, ein junger Herr aus großem Haus", so wird im Personenoerzeich- nis der Oper „Der Rosenkavalier" von Hof- mannsthal und Richard Strauß, der Träger der Titelrolle bezeichnet. Woher der Verfasser des Textbuches den «tof| zu diesem genommen hat, ist mir bisher nicht bekannt geworden, die Urbilder des „Octavian genannt Quinquin" und, um es gleich mit zu erwähnen, auch der „Feldmarschallin Fürstin Werdenberg" auf genealogischem Wege aufzustöbern, schon seit langem mein Bemühen. Da ist es nun merkwürdig, baß, wer den Spitznamen „Quinquin" jum Ausgangspunkte nimmt, auf eine andere Persönlichkeit kommt, als wer von dem Vornamen „Octavian" ausgeht.
Das Stück spielt unzweifelhaft zu der Zeit Maria Theresias, und Zwar in Wien. Den Spitznamen „Quinquin" hatte am Hofe dieser Fürstin, wie aus den Tagebüchern des Grafen, seit 1763 Reichsfürsten Johann Joseph von Khevenhüller, ihres Obersthosmeisters, zugleich Staats- und Konferenzministers, hervorgeht, der Graf Franz Esterhazy von Galant ho, aus der Forchtensteiner Linie dieses berühmten Geschlechts, geb. 1715, gestorben als Kämmerer, Geheimer Rat, Ritter des Goldenen Vließes, Großkreuzritter und Kanzler des St. Stephans-Ordens, Bonus von Dalmatien-Kroatien-Sla' uonien, ungarisch-siebenbürgjjcher Hofkanzler, am 7. November 1785, ein, nach den Bildern, blendend schöner, daneben auch eleganter, lebenslustiger und sehr reicher Mann. Das paßt also alles. Aber nur zu ein Viertel sozusagen paßt m die Hofmanns- thalsche Fabel seine Gemahlin, die in gefälligen Genealogien als „Nikoletta Franziska verw. Baronin Dirville, geb. Richard de la Potr^au" bezeichnet wird, 1801 zu Wien gestorben ist, und die er 1756 geheiratet hatte. Hierzu ist zunächst zu sagen, daß cs „Pontr^au" heißen müßte, bann, daß ihr das Prädikat „de la Pontröau;' gar nicht zu kam, indem sie einfach eine geborene „Richard^ war (also nicht abelig!), endlich, daß sie auch keine „verwitwete Baronin Duroille gewesen ist, aus dem einfachen Grunde, weil es damals noch gar keinen Boron oder Freiherrn von Duroille, infolgedessen aud) keine Baronin oder Freifrau von Duroille gegeben hot, indem erst noch ihrer Verheiratung mit dem Grafen Franz Esterhazy ihre Durville-Kinder aus ihrer ersten Ehe, und zwar auf Verwendung ihres Stiefvaters, der bei Maria Theresia sehr in Gnaden stand, den Adel und Freiherrnstand erhielten. Bei Lofmannsthol-Strauß heiratet aber der „Rosenkavalier" am Schlüsse die Tochter eines
„reichen Neugeodelten" („von Faninal"), wozu wieder zu bemerken ist, daß es eine adelige Familie dieses Namens nidjt gibt.
Graf Franz Esterhazy war übrigens aud) sonst ein merkwürdiger Mann. Er hat in der Freimaurerei Oesterreichs eine gewisse Rolle gespielt und auf seinen und des am Tage vorher (6. November 1785) verstorbenen k. k. Generalmajors Herzog Georg August von Mecklenburg-Strelitz Tod Hot Mozart seine berühmte „Maurerische Trouermusik" für Orchester geschrieben, wie aus einer handschriftlichen Bemerkung des Tondichters festfteht. Sie war für die Wiener- Loge „Zur gekrönten Hoffnung" bestimmt, in der nm 17. November einer Totenfeier zu Ehren ihrer beiden vorgenannten Mitglieder ftattfanb.
Geht man von dem Vornamen „Octavian" des Rosenkovaliers bei Hofmannsthal-Strauß aus, so kommt man auf dos berühmte böhmische Geschlecht Kinsky, denn jener seltene Vornome kommt m diesem totsächlich vor, z. B. bei dem Grafen Johann Octavion, bann bei besten Sohne, bem Grafen Werner Norbert Octavion Kinsky von Wschinitz usw. Beibe waren Großwürbenträger in Böhmen, da sie aber zeitlich zu früh sind, so soll auf Einzelheiten hier nicht weiter eingegangen werden. Der zweite der beiden oorgenannien Grafen war zweimal vermählt: in erster Ehe mit der Gräfin Anna Franziska von M o r t i n i tz, in zweiter mit Gräfin Mario Anno Theresia v. Nesselrode. Aus beiden Ehen stammten fünfzehn Kinder, adjf aus der ersten und sieben aus der zweiten, vier Söhne aus der ersten und drei aus der zweiten. Bei keinem dieser sieben Söhne kann ich aber vorläufig den Vornamen „Octavian" oder gar den „Quinquin" als Vor- oder Spitznamen Nachweisen, so daß man auf diesem Umweg wieder auf den Grafen Franz Esterhazy zurückkommen zu sollen scheint.
Und nun die „Feldmarschallin Fürstin Werdenberg", die ganz große Dame, die dem geliebten jugendschönen „Rosenkovolier" zugunsten des von ihm erwählten jungen Mädchens, das er als Gattin heimführen wird, entsagt? Es ist wohl unnötig, zu sagen, daß es eine fürstliche ober gräfliche Familie „Werbenberg" zur Zeit Maria Theresias nicht gegeben Hot, nod) weniger bie Gemahlin eines Felb- morscholls unb Fürsten aus diesem Geschlechte. Forscht man aber dem Namen „Werdenberg" sonst genauer nach, so gelangt man doch zu einem gewissen Ergebnis. Werbenberg ist eine ganz kleine Stabt, bie kleinste ber Schweiz, bort im Rheintale, linksrheinisch gelegen, mit einer großen alten Burg, Stammort eines nach ihm benannten Grafengeschlechts, bas aber 1534 schon ausgestorben ist. Dann gab es nod) ein anbercs Geschlecht gleichen Namens im Görzischen, im 18. Jahrhunbert gegraft, gleich 1733 aber wieder erloschen. Die kleine links-
rheinische Stadt Werdenberg in der Schweiz nun liegt unmittelbar bem Fürstentum Liechtenstein unb dessen in neuerer Zeit vielgenannten Hauptstädtchens Vaduz gegenüber, und das bringt ganz unwillkürlich auf die Idee, daß Hofmannsthal im „Rosenkavalier" „Werdenberg" als Decknamen für „Liechtenstein" eingesetzt hat. Und siehe, in der Tat hat es zur Zeit Mario Theresiias einen berühmten Generalfeld- marschall (unb Geheimen Rat) Fürsten v o n L i echte n st e i n gegeben, ben Fürsten Joseph Wenzel, großen Artilleristen unb Organisator, geboren 1696, gestorben 1772, vermählt seit 1718 mit Maria Anna, geborene Prinzessin von Liechtenstein, vorher verwitwet gewesener Gräfin Ernst von Thun, bie 1753 gestorben ist, also brei Jahre, ehe „Quinquin" bie geborene Richard geheiratet hat. Da diese Feldmarschallin 1699 geboren war, stimmen somit auch bie Altersverhältnisse zwischen ihr und bem „Nosen- kovolier" wie ebensv ber ungeheure Reichtum bes Hauses Liechtenstein zu bem Aufwonbe, bem Hof- monnsthal unb Strauß im ersten Aufzuge ber Oper im „Werbenbergschen" Palast herrschen lassen. Aber nicht bie geringste Spur deutet darauf hin, daß zwischen dieser Fürstin und bem Grafen Franz Ester- hozy ober gar einem ber obenerwähnten Grafen Kinsky jemals irgendeine Liebelei ftattgefunben habe. So ist also bas Endergebnis, daß Hofmannsthal >e- biglid) eine ganze Reihe von Einzelzügen, die ihm verschiedene Personen der Zeit boten, in einen im übrigen frei erdichteten „Rooellenstoff" hineinver- arbeitet und dadurch allerdings diesen Novellenstoff zu einem Rokoko-Kulturbild allerersten Ranges aus- gestaltet hat.
llcbrigens hat ber genannte Generalfelbmarschall Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein eine gewisse Bedeutung für ben preußischen Kunstbesitz gehabt. Die bekannte antike Bronzeftatue bes sogenannten „Adoranten" (betenben Knaben) hat Friebrich ber Große im Jahre 1747 für 5000 Taler von ihm gekauft.
Tonfilm: ^Ben Hur".
Wir hoben diesen amerikanischen Film ber Metro- Goldwyn-Mayer vor mehreren Jahren hier gesehen unb seinerzeit ausführlich besprochen. Er erscheint jetzt in einer teilweise nachsynchronisierten Neufassung, bie technisch unb stilistisch am ehesten an bie zweite Fassung von „Quo vaais?“ erinnert. Zwar wirkt bieser neue „Ben Hur" auch jetzt noch, vor allem in ben Einzelszenen, wie ein stummer Film; aber Erfolg unb Anziehungskraft beruhten ja von Anfang an auf bem Augeneindruck unb auf ber technischen Leistung ber Regie von Freb N i b l n, dem ber berühmte Roman bes Lewis Wallace, wie
man weih, bie Grundlage für bas Drehbuch geliefert hat. Die Ausmaße dieser Inszenierung in personeller unb materieller Hinsicht erscheinen auch heute noch imponierend. Der Aufwand an Kapital unb ber Einsatz an Menschen ist enorm. Als bromatische Höhepunkte ber Massenszenen bürfen die von einem schwimmenden Regieturm aus geleitete unb aufgenommene Seeschlacht der römischen Galeeren gegen bie übermächtige Piratenflotte unb bas mit bem ganzen sportlichen Ehrgeiz und Elan ber Amerikaner in Szene gesetzte große Wagenrennen in ber Arena von Antiochia gelten, in dem Ben Hur über seinen unversöhnlichen Gegner Messala triumphiert. Als eine technische Pikanterie wurden schon seinerzeit bei ber ersten Aufführung eine Anzahl naturfarbiger Bilder in der ausladenden Szenenfolge hervoroe- hoben. Die Handlung lehnt sich in großen Umrissen an die literarische Vorlage unb andeutungsweise an die in ben Evangelien ausgezeichnete Passionsgeschichte an. Ein richtiges Empfinden für bie natürlichen Grenzen ihrer Arbeit hat bie Hersteller dazu veranlaßt die Gestalt Christi nicht ober {ebenfalls nur inbireft ins Bild zu bringen. Die Darsteller sind von früher her bekannt; in her Hauptrolle sieht man Ramon Novarro, ber sich mit feurigem Temperament für Ben Hur einsetzt. Aus bem übrigen Solopersonol erwähnen wir: F. T. B u s h m a n (Messala), Moy M c A v o y (Esther), N. be Br u- licr (Simonibes), Frank Currier (Arrius) unb Betty Bronson (Mario). — Der Film lauft fett gestern im Lichtspielhaus unb scheint von seiner früheren Anziehungskraft nichts eingebüßt zu haben.
Zeitschriften.
— Das Märzheft ber ..Zeitwende" (C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung) enthält eine lesenswerte Besprechung der Denkwürdigkeiten des Obersten House, des vertrautesten Mitarbeiters Wilsons. Kurt von Raumer stellt vor allem das für die Tragödie Deutschlands Bedeutsame in den Vordergrund: den Kampf gegen deutschen Geist und gegen die moralische Widerstandskraft des deutschen Voltes, den Wilson und House mit der ganzen raffinierten Kunst demokratischer Massen-» bceinflussung führten und der schließlich die deutsche Revolution auslöste. Wir blicken hier in das Laboratorium, in dem die berüchtigten „14 Punkte" gebraut wurden. — Wie ein Seitenstück zu dem Aussatz über Wilson wirkt Wolfgang H. Veils „Bismarck und Bamberger". Hier erblicken wir den Kanzler in einem lebenfüllenden, dramatischen Kampf, der gegen ihn und von seiner Seite mit allen Waffen geführt wurde.


