Ausgabe 
8.3.1933 Erstes Blatt
 
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Lanqgesuckie Mansardeneinbrechenn i eilgenommen.

WSN. Frankfurt a. M., 7. März. Ende vergangenen Jahres fanden vielfach Man­sardeneinbrüche statt, die, wie die Er­mittlungen ergaben, von einer Frau aus­geführt wurden. Am Tage erschien sie in Häusern, schloß mit Nachschlüsseln Mansarden auf und entwendete Bargeld. Traf sie im Treppenhaus Hausbewohner, so verstand sie cs, sich geschickt aus der Schlinge zu ziehen. In mehreren Fällen fragte sie geistesgegenwärtig nach einem Fräulein Goldschmidt, das selbst­verständlich nicht im Hause wohnhaft war. Nun­mehr gelang es, die Einbrecherin unschädlich zu machen. Es handelt sich um eine 25jährige ver­heiratete Frau.

Zwei Raubüberfätte in Frankfurt.

WEN. Frankfurt a. M., 7. März. Gestern wurde in der Gausstrahe einer Dame, die ah­nungslos ihres Weges ging, von einem jungen Mann die Handtasche, die sie nachlässig in der Hand trug, entrissen. Der Täter flüchtete. Auf die Hilferufe der Lieberfallenen nahmen zwei junge Männer die Verfolgung des Näubers auf. Cs gelang ihnen auch, den Täter zu fas- s e n und ihn der Polizei zu übergeben. Aus der Handtasche, die der Täter auf der Flucht fort­warf, ist das Portemonnaie herauSgefällen. Cs wurde von einer des Weges kommenden Frau ausgenommen und bisher noch nicht abgeliefert. Bei dem Täter handelt es sich um einen jungen Mann im Alter von 18 Jahren. Etwa eine Stunde nach dieser Tat ereignete sich ein ähn­licher Lleberfall im Hcrmesweg. Dort wurden

drei Frauen von einem etwa 40! bis 45 Jahre alten Mann überfallen. Der, Räuber fußte die eine Frau am Hals, würgte sie und warf sie zu Boden. Er versuchte ihr die Han d- tasche zu entreißen. Eine ihrer Beglei­terinnen sprang zu Hilfe und versuchte den Täter von seinem Opfer fort^ureihen. Es entspann sich ein Kampf, bet dem i)te Frauen laute Hilferufe ausstießen. Zwei ältere Herren kamen hinzu, hatten aber nicht den Mut, gegen den Täter einzuschreiten, oder ihn zu verfolgen. Als der Täter sah, daß er nichts mehr ausrichten konnte, flüchtete er, nachdem er einer Frau die Hand­tasche entrissen hatte.

Schwere Wohnungsembrüche in Frankfurt.

WSN. Frankfurt a. M., 7. März. In der vergangenen Nacht fand ein schwerer Ein­bruch in eine Wohnung in der Ostendstraße statt. Dem Täter fiel eine Kassette mit ©djmud- fachen, Bargeld und einem Sparkassenbuch in die Hände. Der Wert des gestohlenen DurLs beträgt etwa 4000 Mk. In den gestrigen Abendstunden statteten Einbrecher einer Wohnung in der Koselstraße einen Besuch ab. Den Tätern fielen 250 Mk. in bar, Schmucksachen im Werte von 1000 Mk. und Wäschestücke in die Hände.

Sämtliche Raubvögel

des Marburger Zoos davongeflogen.

WSN. Marburg, 7. März. In der vergangenen Nacht wurde von bisher unbekannten Tätern der Zwinger für die Raubvögel geöffnet. Von den davongeflogenen Vögeln konnte bisher nur einer wieder eingefangen werden.

Neues für -en Büchertisch.

Seydli h". Ein Reiterroman von Eckart von N a s o (Delhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig: Preis geb. 4 Mk.). (463.) Dieser lite­rarisch und historisch gleich wertvolle Roman ist dramatisch und äußerst spannend geschrieben. Großartige und fast sensationelle Schlachtschil- dcrungen wechseln mit Liebesszenen ab, die delikat bleiben, auch wenn sie menschlichste Probleme be­rühren, und der Hintergrund eines großen po­litischen Jahrhunderts wird über Krieg und Liebe spürbar. Der Roman begleitet, sachlich und leidenschaftlich, das einzigartige Schicksal des spä­teren Kürassiergenerals von den Knabenjahren an, da Dehdlitz als Page destollen Mark­grafen" von Schwedt für reiterliche Aben­teuer und Frauenliebe geschult den unver­gleichlichen Aufstieg beginnt, der ihn in drei chlesischen Kriegen vom Kornett zum Führer der riderizianischen Kavallerie emporträgt. Aber chon läßt das zentaurische Leben des Reiters die Bruchstelle erkennen: in ihm begegnen sich militärische Disziplin und menschliche Ausschwei­fung, Kommiß und Genie, Alltäglichkeit und Glanz. Frauen kreuzen seinen Weg: die kleine Circassienne" von der französischen Theater­truppe in Schwedt und Gräfin Gizella P., Jaga Steroschinska. Marianne von Rehdiger und jene junge Gräfin Susanna Albertina Hacke für wenige Jahre Generalin von Sehdlitz, ehe die andereCircassienne" als letzt« seiner männ­lichen Anmut unterliegt. Sie alle bleiben dem Wesen des Reiters fern, gemessen an dem über­

lebensgroßen Partner, der seinen menschlichen und militärischen Weg begleitet: dem König. In seltsamer Widersacherschaft, zwei feindliche Liebende, suchen sich König und General immer von neuem, finden sich, stoßen sich ab und finden sich wieder in der Ewigkeit des preußischen Ge­dankens, dem beide sich verschrieben haben. Es ist die Tragödie des Siegers von Rohbach und Zorndorf, daß er mit 36 Jahren den zu frühen Gipfel erreicht und länger als ein Jahrzehnt dem eigenen Abstieg zusehen muß: einer der Heroen, die nicht altern dürfen, dennoch altert und sich selbst überlebt. Es bleibt ein Beispiel, daß hier einer geboren wurde, lebte und grausam starb, der ein großer General und ein größerer Preuße war: der das Genie eines Reiters über die Erde trug und doch das Dienen höher achtete als eigenes Verdienst. Man liest diesen fein gestalteten Roman mit starker Spannung. Möchte dieses wertvolle Buch recht viele Leser finden, besonders in der heutigen Zeit!

Arno Moyzischewih: Fesseln f al- l e n. Ein deutsch-französischer Roman. In Ganz­leinen 4,80 Mk. (Verlag Gerhard Stalling, Ol­denburg i. O.) (385) Ein dramatischer, persön­licher Stoff iftln eine politische Handlung hinein­gewebt. Ein junger Elsässer erlebt den Zusammen­bruch von 1918 und das Elend der Nachkriegs­zeit voll Vaterlandsliebe und heißer Sehnsucht nach nationaler Wiedergeburt. Langsam kommt er zu der Lieberzeugung, daß nur durch einen Interessenausgleich mit Frankreich, weitab von

pazifistischen Ideen unter scharfer Betonung des Lebenswillens Deutschlands die großen natio­nalen Ziele erreicht und dauerhaft gesichert wer­den können. Er packt gemeinsam mit einem fran­zösischen Freund die Aufgabe an, einer fried­lichen Auseinandersetzung zw.schen Deutschland und Frankreich die Wege zu ebnen. Die Schil­derung der fast unüberwindlichen Schwierigkeiten, ?;cgen die jahrelang gekämpft wird, beleuchtet raß die deutsch-französischen Gegensätze der heu­tigen Zeit. In die Zukunft hinein wird dann eine politische Lösung konstruier^, die den deut­schen Lebensnotwendigkeiten vollauf gerecht wird und dennoch auch für Frankreich unter Nüchterner Abwägung seiner Zukunftsinteres-seN/nicht un­annehmbar erscheint. Wie weit Die -/^tworfenen Pläne heute noch krasse Utopie zu '/-in scheinen, die Frage müh jeder Leser für sich beantworten.

Almanach de Gotha 193$. Verlag Justus Perthes, Gotha, Preis 28 2l^ark (4). Die Deutsche Ausgabe erscheint nicht mehr. Der Verkaufserlös reichte nicht annähernd zu, die Kosten der Redaktion und technischen Herstellung zu decken. Ein unentbehrliches Nachschlagewerk ist ein Opfer der Krise geworden. Daß der Almanach de Gotha erhalten bleibt, ist ein ge­wisser Ausgleich; er bietet ja die Uebersehung des Jahrbuches (daneben noch den Inhalt des Genealogischen Hofkalenders). Der Deutsche frei­lich wird nicht erfreut fein, ein deutsches Werk nicht in seiner Muttersprache benutzen zu dürfen. Aber das im Augenblick Wichtigste ist, wenig­stens dem Almanach das Schicksal des Jahr­buches zu ersparen. Man kann den Almanach, auch ohne Beherrschung des Französischen, ohne Schwierigkeit verstehen; denn Namenlisten, Ta­bellen usw. sind in jeder Sprache verständlich.

Technik voran" 1 933. Herausgegeben vom Deutschen Ausschuß für Technisches Schul­wesen E. 23. und dem Reichsbund Deutscher Technik E. 23. 240 Seiten mit 8 Kunstdruckbeilagen und 81 Abbildungen sowie einer Kartenbeilage. Ganzleinen 0,90 RM., kart. 0,75 RM. Datsch-Lehrmitteldienst, Berlin W 35. (376.) Das Verständnis der Jugend für die großen Aufgaben der Technik zu wecken, hat sich das Jahrbuch zur Aufgabe gemacht. Die Aufsätze sind fast alle von namhaften Fachleuten geschrieben, das instruktive Bildmaterial ist sorgfäl­tig ausgewählt, lieber viele wichtige Gebiete der Technik (Maschinenbau, Verkehrswesen, Elektro­technik, Schiffbau, Luftfahrt, Bera° und Hütten­wesen) und ihre wirtschaftlichen Zusammenhänge wird berichtet. Auch das persönliche Erlebnis ist berücksichtigt in Sport- und Reiseerlebnissen, An­weisungen zu Bastelarbeiten usw.

Den Freunden des Verlags F. A. Brockhaus (Leipzig C 1) ist der in zwölfter Folge erscheinende kleine Almanach (478) gewidmet, der außer einem ausführlichen Verzeichnis der Ver­lags-Produktion Beiträge von Colin Roß, Sven Hedin, Ernst Sorge (über die Auffindung des Grön­landforschers Alfred Wegener), C. L. Woolley u. a. enthält.

Rundfunk-Jahrbuch 1 933. Her­ausgegeben von der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft, Berlin. 180 Seiten auf bestem Kunsidtuckpapier, mit 42 Beiträgen und rund 280 Bildern und Zeichnungen. Kart. 1,50 Mk. (561.) In diesen Tagen ist das neue Rundfunk-Jahrbuch der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft erschienen. Wie im Vorjahr ist dem Buch eine ansprechende Form gegeben worden, die eine wirkungsvolle i nck- technische Anordnung von Bild und Schrift mög­lich macht. Der von Professor Orlowski ent­worfene Einband gibt dadurch einen sinnfälligen

Hinweis auf die kulturelle Arbeit des Rund- funls, daß neben den technischen Hilfsmitteln des Rundfunks Sendeturm und Aethecwelle ein altdeutsches Kunstwerk, eine Nürnberger Maske aus dem LInschlitthaus zum Blickpunkt gemacht worden ist. Diese Maske wirkt durch die sprechende Formung des Mundes wie ein ge­gebenes Zeichen für den Rundfunk. Der Umfang des Buches ist trotz einer erheblichen Preis­senkung vergrößert worden, um dem Hörer einen möglichst umfassenden Lieberblick über den heuti­gen Stand des Rundfunks und alle damit zu- lammenhängenden Fragen geben zu können. Es wird die Neuorganisation des Rundfunks, feine Entwicklungsgeschichte und zum erstenmal auch die Wirtschaftsführung im Rundfunk be­handelt. Auch die neuen Richtlinien für die Sendungen des Rundfunks sind abgedruckt. Neben launigen Schilderungen aus dem Funk­betriebe sind wertvolle Hinweise für den Hörer zu finden:Hörerrechte und Pflichten", «Funk­technisches für den täglichen Gebrauch",Groß- 'fenöer und Hörer",Neues von der elektrischen Musik". In einer AufsahrejheHeitere Erinne­rungen ernste Gedanken" plaudern deutsche Rundfunkberichter zur Frage der Entwicklung der Hörberichtcrstattung. Einige literarische Bei­träge und statistische Angaben, die jeden Hörer interessieren, ergänzen die Ausführungen des Buches.

K. D. von Mechow: Der unwill­kommene Franz, SammlungDie kleine Bücherei" des Verlages Alb. Langen & ®«org Müller in München. (403) Sprachliche Zucht und eine Bescheidenheit, die die Vorbedingung der Gröhe ist, zeichnen Karl Benno von Mechow aus. ImLändlichen Jahr" schon, seinem Erst­lingsroman, noch mehr in dem herrlichen Reiter­romanDas Abenteuer" durfte man sich seiner gepflegten Einfachheit der Sprache, seiner vor­nehmen Abneigung gegen alles Gesuchte, des ruhigen Gesinnungsernstes und des stillen, ganz unauffälligen Humors freuen. Alle diese Vor­züge Mechows erscheinen in feiner neuesten Er­zählung wieder, nunmehr zu edler Reife ab­geklärt. So hebt sich diese scheinbar belanglose Geschichte eines ledigen Kindes, das, unwillkom­men, erblich belastet und töricht erzogen, früh zugrunde geht, in das Gebiet der hohen Kunst, die auch das Kleinste adelt, die aber noch Wich­tigeres vermag: uns durch Erschütterung zur Befreiung zu führen und tief zu beglücken. Ein Buch, das im engsten Rahmen eine Welt umschließt.

Wettervoraussage.

Durch allgemeinen kräftigen Barometeranstieg ist die Störungstätigkeit nach Norden abgedrängt wor­den. lieber Deutschland hat sich eine Hochdruckbrücke zwischen dem Biskana- und Estlandhoch gebildet. In ihrem Bereich bleibt das Wetter trocken, und abgesehen von Frühnebelbildung wird sich der Him­mel aufheitern. Da somit die Temperaturen durch Ein- und Ausstrahlung bestimmt werden, erfahren sie zwischen Tag und Nacht stärkere Gegensätze und kommen nachts unter den Gefrierpunkt zu liegen.

Aussichten für Donnerstag: Stellen­weise Frühnebel, tagsüber aufheiternd und ziem- lich mild, leichter Nachtfrost, trocken.

Lufttemperaturen am 7. März: mittags 7,1 Grad Celsius, abends 5,3 Grad; am 8. März: morgens 1,5 Grad. Maximum 7,6 Grad, Minimum 0,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 7. März: abends 2,7 Grad; am 8. März: morgens 1,5 Grad Celsius. Niederschläge 0,1 mm.

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Gießen (Marktstraße 9), den r. März 1933 z.Z. Kath. Schwesternhaus

Bekanntmachung.

Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Januar 1933 können noch bis zum 15.0.217. ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nicht­zahlung bis zu diesem Termin erfolgt Bei­treibung und Stromsperre aus Kosten des Abnehmers. 1630V

Gießen, den 7. März 1933.

Direktion

der Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage u.Straßenbahn d.Stadt Gießen: Stolte.

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WerlonoiigGieh Die diesjährige Gesellen-Prüfung findet Anfang April statt. Anmeldungen sind bii xnm 19. Hirz d. J. zu richten an die GeechUHntelle der Fleischer-Innung, Gießen. Neustadt 61, woselbst auch jede weitere Auskunft erteilt wird.

Der Vorsitzende des Lchrllngsprüfnngs-Ausschusses: Louis Vogt, Metzgermeister.

Gießen, den 3. März 1933. 1632V

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Am Mittwoch, bem 12. April 1933, vor­mittags 9 Uhr, wirb im Amtsgerichts- gebäude zu Gießen, Zimmer 10L das nach- stehende im Grundbuche von Gießen den Ludwig hinterlang Eheleuten in Gießen zuaeschriebene Anwesen üaiserallee 5

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Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt.

Gießen, den 6. März 1933.

I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher.

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