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8.3.1933 Erstes Blatt
 
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Hakenkreuz und Schwarz-Weiß-Rot auf den öffentlichen Gebäuden.

Q3etlip, 7. März. (Sil.) Auf dem Hause des Reichstagspräsidenten gegenüber dem Reichstag, ebenso auf dem Rathaus, dem Moa­biter Kriminalgericht und dem Funkturm ist am Dienstagnachmittag die Hakenkreuzfahnö gehißt worden. In Hannover wurden in Gegenwart einer zahlreichen Zuschauermenge unter Abhaltung einer Flaggenparade der SA. auf dem neuen Rat­haus schwarz-weiß.rote und Hakenkrcuzfahnen ge­hißt.. In Magdeburg wurden auf dem Re­gierungsgebäude und auf verschiedenen Kasernen die schwarz-weitz-rote, die preußische und die Ha­kenkreuzfahne aufgezogen. SS., SA., Stahlhelm und Schußpolizei marschierten zu einer feierlichen Flaggenparade auf. In Königsberg weht die Hakenkreuzfahne auf dem Regierungsgebäude, dem Stadthaus, sämtlichen städtischen Werken, der Universität und dem kommunistischen Leninhaus.

In Dresden gestaltete sich die Hissung der Hakenkreuz- und schwarz-weiß-roten Fahnen auf dem Rathausturm, den beidenFahnenstangen vor dem Rathause und auf dem Landtagsgebäuse zu einer großen Kundgebung. In Stutt­gart wurden auf Anordnung des Landtags­abgeordneten Mergentheler auf dem Landtags- gebäud« mit der württembergischen schwarz- rote» Flagge die Hakenkreuz- und die schwarz­weih-rote Fahne aufgezogen. Der Landtags­präsident hielt an die Tausende von Zuschauern eine Ansprache, in der er vom Beginn der natio­nalen Revolution in Württemberg sprach und gleichzeitig den Rücktritt des Staatspräsidenten forderte. In Breslau wurden von Ab­teilungen der SA. und des Stahlhelms auf dem Polizeipräsidium, auf dem Regierungsgebäude und auf dem Rathaus unter dem Beifall bon- Tausenden von Menschen die Hakenkreuz- und die schwarz-weih-rote Fahne gehißt. Zum Schluß wurde die Fahne auch auf dem Amts- und Landgerichtsgebäude gehißt, obwohl der Präsident des Landgerichtes Dr. Zint, sowie der Borsihende des Amtsgerichtes,. Landgerichts­rat Hohensee. Protest erhoben hatten.

In Königsberg versammelte sich vor dem Gerichtsgebäude eine große Menschenmenge. Eine Abordnung von etwa 20 SS.-Leuten forderte von dem Oberstaatsanwalt und dem zuständigen Un­tersuchungsrichter die Freilassung des seinerzeit unter dem Berdacht der Mitbeteiligung an den Zwischenfällen im August verhafteten Chauffeurs Philipp des RSDAP.-Gauleiters Koch. Rach zweistündiger Verhandlung wurde der Haft­befehl gegen Philipp aufgehoben. Bei seinem Erscheinen auf der Straße wurde Philipp mit dreifachem Heil begrüßt und von zwei SS.-Leuten auf die Schultern genommen.

In Halle verweigerte Oberbürgermeister Dr. R i v e dem Gauleiter der RSDAP. die Geneh­migung zum Aufziehen der Hakenkreuzfahne. Die von öem Oberbürgermeister angerufene Polizei lehnte es ab. das Hissen der Fahne zu ver­hindern. Sie besetzte die städtischen Amtsgebäude und unter ihrem Schutz wurde das Hakenkreuz­banner auf dem alten Rathaus, auf dem Stadt­haus und auf den Gebäuden des Ratshofes unter Trommelwirbel und unter den Heilrufen einer riesigen Menschenmenge gehißt.

Im Dresdner Opernhaus kam es am Dienstagabend bei der Rigoletto-Aufführung, die Generalmusikdirektor Fritz Dusch dirigierte, zu Skandcrlszenen. Als Busch am Diri­gentenpult erschien, und die Oubertüre einsehte, begann ein minutenlanges Pfeifkon­zert der in großer Zahl anwesenden unifor­mierten Aationalsozialisten, die ge­gen den Dirigenten protestierten, so daß Busch das Pult berlieh. Rach Verlauf bon zehn Minuten erschien dann Staatskapellmeister Kurt Strieglet, der darauf das Orchester dirigierte. Die Aufführung selbst berlief dann in Ruhe und stand aus beachtlicher künstlerischer Höhe. Rach dem Finale wurde Kurt Strieglet lebhaft gefeiert.

Oer Reichskanzler spricht am Samstag im Rundfunk.

Berlin, 8.März. (WTB. Funkspruch.) Reichs­kanzler Hitler wird am Samstag, 11. März, in der Zeit von 19.30 bis 20 Uhr über alle deutschen RundfunksenderZur Lage" sprechen.

Das. Kasseler Gewerkschastshaus von SA. beseht.

WSA. Kassel. 7. März. Heute nachmittag formierte sich vor den Bürgersälen eine Abtei­lung von SA.-Leuten und zog mit klingendem Spiel nach dem in der Spohrstrahe gelegenen Gewerkschastshaus. Flugblätter und Papiere wurden auf der Straße angezündet und ver­brannt. Dr. Roland F r e i s l e r hielt vom Bal­kon des Gewerkschaftshauses an die versammelte Menge eine Ansprache. Auf dem Gewerkschafts­haus wurde die Hakenkreuzfahne gehißt, worauf die Menge das Horst-Wessel-Lied sang. Der Leiter der Rationalsozialistischen Betriebszellen- vrganisation, Stock, erklärte dann in einer Ansprache, daß in der kommenden Woche der Einzug der RSBO. in das Gewerk­schaftshaus stattfinden würde, um die Ein­richtungen der Gewerkschaften, die dem Dolk dien.en sollen, wieder ihrem eigentlichen Zweck für die Arbeiter dienstbar zu machen. Darauf zog die Abteilung zum Martinsplah, wo ein Holz­stoß errichtet wurde, auf dem die im Gewerk­schaftshaus vorgefundenen roten Fahnen und ein Bild Scheidemanns verbrannt wurden.

Kommunisten beschießen einen Leichenzug.

Düsseldorf,?. März. (TU.) Am Dienstag- nachmtttag gegen 16 Uhr kam es anläßlich des feierlichen Leichenbegängnisses des in der vergangenen Woche von Kommunisten erschos,enen SA.-ScharführersHofmann au einer S ch l e h e r e i auf d^c Lorettostraße. In der Gegend der Martinskirche wurde der Leichen­zug von Dächern und Fenstern einzel­ner anliegender Häuser beschossen. Die Polizei erwiderte das Feuer und stellte da­durch im Augenblick die Ordnung wieder her. Eine Person wurde getötet, sechs andere mehr oder minder schwer verletzt. Die PoliAei um­stellte und untersuchte die Häuser und nahm 50 Personen fest.

Kleine politische Nachrichten.

Der Borstand der SPD. hat an Vizekanzler von Papen ein Schreiben gerichtet, in dem Ein­spruch dagegen erhoben wird, daß Angehörige

der SPD. mit dem Brand im Reichstag und angeblichen Terrorakten in Zusammenhang gebracht würden und aus dieser Verbindung das Recht zum polizeilichen Vorgehen gegen Angehörige sozialdemokratischer Verbände her­geleitet werde. Die SPD. habe sich zu allen Zeiten ihres Bestehens gegen Terrorakte ge­wandt.

Der hessische Landvolkabgeordnete Glaser, Rordheim, hat sich der RSDAP. als solcher und der Fraktion im Landtag als Mitglied ange­schlossen.

Der bayrische Ministerpräsident Dr. Held hat namens des Gesamtministeriums an den Landtagspräsidenten Dr. Stang ein Schreiben gerichtet, in dem gebeten wird, die bereits ein­geleiteten Schritte zur Reubildung der Staatsregierung in Bayern beschleu­nigt durchzuführen. *

Die schaumburg-lippische Landes­regierung ist mit Rücksicht auf die verän­derten politischen Machtverhältnisse zurückge­treten. Der Landtag wird sofort zusammen­treten, um über seine Auflösung und die Reu- wahlen Beschluß zu fassen.

Der Anhaitische Landtag nahm einen Antrag der NSDAP, an, wonach künftig Staats­beamte und Staatsange st eilte nicht mehr Mitglieder der SPD. sein dürfen.

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Zu Mitgliedern des Beirats für das Kraftfahrwesen hat der Reichsverkehrs­minister ernannt: Herzog Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, Präsident des Nationalen Deutschen Automobil-Clubs und Ma­jor a. D. Hühnlein vom Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps.

Aus aller Well.

GoeiheMedaille für Paul Ernst.

Der Reichspräsident von Hindenburg hat dem in St. Georgen (Steiermark) lebenden Dichter Paul Ern st die Goethe-Medaille verliehen.

Unterschlagung von Sparkassengeldern in Köln.

Bei der Ueberführung von Geldern von der Haupt­stelle der Städtischen Sparkasse Köln zu den einzel­nen Nebenstellen in der Stadt wurden auf äußerst dreiste Weise 39000 Mark unterschlagen. Als der Tat dringend verdächtig ist der Geldzähler Paul Koch, der flüchtig ist und bisher noch nicht gefaßt werden konnte. Koch muß das Geld unterschlagen haben, als auf dem Hof der Haupt- sparkaffe die für die Nebenstellen bestimmten Gelder zu dem Auto geschafft wurden, mit dem die Beträge zu den einzelnen Nebenstellen hingebracht werden. Erst als das Auto bei der letzten Nebenstelle vorfuhr und der Begleiter den Geldbetrag aus dem dafür bestimmten Fach entnehmen wollte, mußte er das Fehlen des Geldes feststellen. Man erinnerte sich, daß der auf der Hauptstelle beschäftigte Geldzähler Koch, der bei dem Verteilen des Geldes mitgeholfen hatte, sich plötzlich unter dem Vorwand entfernt hatte, sich Zigaretten holen zu wollen. Als man Koch zur Rede stellen wollte, war er nicht mehr aufzu­finden.

Dieser Tage wurde auf Grund vieler Anzeigen bei der ZwecksparkasseFamilienschutz" in Köln eine Durchsuchung vorgenommen, die Beweise für Un­terschlagungen in bedeutender Höhe ergab. Der Direktor des Unternehmens kam in Haft. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei gestalten sich außerordentlich schwierig, da sich im Geschäftsbetrieb eine völlige Unübersichtlichkeit ergeben hat. Bisher konnte über den Vermeid von 40000Mark nichts klargestellt werden. Die Gesellschaft unterhält Zweig­stellen in Wien, Luxemburg und Saarbrücken, die ebenfalls einer eingehenden Revision unterzogen werden.

Explosion in einer belgischen Filmfabrik. vier Toie, ein Schwerverletzter.

Bei der Society des Produits Chimiques in Tervuren, die sich auch mit der Herstellung von Filmen befaßt, ereignete sich eine folgenschwere Explosion. 15 000 Kilogramm Filmmaterial gingen in Flammen auf. Vier Personen kamen bei der Explosion ums Leben. Eine Person wurde schwer verletzt.

Deutschland gegen eine internationale Lufifireitmacht.

Genf, 7. März. (WTB. Funkspruch.l Im Luft­fahrtausschuß, der sich mit der Schaffung einer internationalen Luftstreitmacht nach dem französischen Plan befaßt, sprach der deutsche Delegierte, Ministerialdirektor Brandenburg, über Zweck und Aufgabe dieser Luftstreitkraft:

1. Luftverkehr im Zeichen politischer Spannung und drohender Kriegsgefahr:

2. Erkundigung, ob in irgendeinem der in Be­tracht kommenden Staaten Vorbereitungen ge­troffen werden:

3. soll die internationale Luftstreitkraft benutzt werden, um die Zivilluftfahrt eines Staates daran zu hindern, für militärische Zwecke ein­gesetzt zu werden;

4. Einsatz der internationalen Luftmacht zur Be­kämpfung eines Angreifers.

Ministerialdirektor Brandenburg hob zunächst hervor, daß Deutschland keine militärische Luftmacht besitzt und daher zur Zeit nicht in der Lage wäre, sich an der Aufstellung einer internationalen Streitmacht zu beteiligen. Der Ver­kehr während einer politischen Krisis kann ohne Zweifel durch ermietete Zivilluftfahrt- zeuge betrieben werden. Ich bin davon überzeugt, daß die Deutsche Lufchansa es sich zur Ehre rech­nen würde, dem Völkerbunde ihre Flugzeuge gegen Erstattung der Selbstkosten zur Verfügung zu stel­len und ihn so von der Notwendigkeit zu befreien, dauern eine große und teuere Luftflotte zu unter­halten. Ich komme immer wieder zurück auf den deutschen Vorschlag, ein allgemeines Bom -

benabwurf verbot und eine entsprechende Definition des BegriffesMilitär- flugzeug" zu beschließen. Mit dem Augenblick, wo wir dies tun würden, wären wir aller Sorgen um die befürchtete militärische Verwendung der Zivilluftfahrt enthoben. Wie soll die i n t e r n a t i o- < nale Polizei zusammengesetzt fein?

Wer soll den Oberbefehl führen? Soll das Personal unter Umständen gegen das eigene Land oder gegen befreundete Staaten eingesetzt werden? Wie denkt man sich den Einsatz dieser internatio­nalen Polizei? Wer bestimmt ihre Zusammen- «im Falle politischer Spannung, wer den ser Zusammenziehung und den Einsatz, wer gibt die formulierten Aufklärungs- und Kampfbe­fehle? Solange diese Fragen und ich könnte diese noch um viele vermehren vollkommen of­fen stehen, können die Urheber des Gedankens es nicht als bloßen Widerstand auffassen, wenn eine gewisse Skepsis gegen diesen Plan geäußert wird.

Der französische Luftfahrtminister Pierre C o t antwortete dem deutschen Delegierten, daß sich die Kommission bemühen müsse, sich über die Prinzipien zu einigen, und sich nicht durch technische Einwände zu sehr behindern zu lassen. Pierre Cot dankte dem deutschen Delegierten für den Vorschlag einer evtl. Zusammenarbeit mit der Deutschen' Lufthansa und wies auf die wertvolle Mitarbeit hin, die Deutsch­land in technischer Beziehung der Organisierung einer internationalen Luftstreitmacht zu gewähren in der Lage wäre. Aus Vorschlag des englischen Delegierten beschloß sodann der Ausschuß, die Frage in einem Unterkomitee weiterzubehandeln.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Dor den Toren des Frühlings.

In einem grimmig kalten Winter sah ich im Hoch­gebirge einen Wasserfall, der yanz zu Eis erstarrt war. Da, wo sonst das Wessar in frischem Uebermut von Fels zu Fels stürzte und Wolken von feinstem Wasserstaub die Luft erfüllten, hingen jetzt mächtige Eiszapfen, gleich den Pfeifen der Kirchenorgel. Kein Laut war zu Horen, alles stand schweigend, bis weit hinauf konnte das Auge die erstarrten Wasser ver­folgen. Berge und Täler lagen tief verschneit. Wohl schien die Sonne, aber ihre Strahlen wurden nicht wie im Sommer von den herabstürzenden Wassertröpfchen in einem farbenprächtigen Bogen gebrochen. Kalt und hart lag das Licht über Der weißen Fläche.

Nun kam die linde, laue Luft. Die Dächer fingen an zu tropfen, der Schnee sank zusammen, das Eis krachte und brach. Auch der Wasserfall wurde ge- wcckt. Zögernd und scheu tropfte es zuerst von den blanken Zapfen, bann kam die Märzsonne und half. Ueberall standen glänzende Perlen. Bald rauschte das Wasser wieder wie einst und wurde täglich stär­ker und mächtiger. Rauschendes Wasser, fließendes Leben! Unaufhörliche Bewegung! das Himmelsblau spiegelt sich in den Wellen, die Sonne spielt und zaubert wunderbare Gebilde in dem klaren Naß.

So strömen und rauschen nun die Bäche durch die Lande, befreit und ungehemmt. Der Bann des Win­ters ist gebrochen. Sie erzählen von den kommenden Schönheiten, und jedermann, der die Sprache der Natur versteht, lauscht ergriffen. Hier und da glän­zen schon die grünen, saftigen Blätter der Wasser- gewächse, aus dem Gras am Bachrand lugen grüne Spitzchen hervor.

Die murmelnden Bächlein fließen durch die Lande, an Wäldern vorbei, durch Wiesen und Obstgärten, und immer mehr Geschwister vereinigen sich mit ihnen. Sie kommen in die Dörfer und bringen die Kunde von der erwachenden Natur. Sie tragen den zarten Dust von kommenden Blumen und den fri­schen Erdgeruch zu den Menschen.

Zum rauschenden Wasser gesellen sich die Lieder der Vogel. Stare und Amseln sitzen auf den Weiden, bäumen, Finken schmettern ihre Weisen, und die kleinen Meisen hüpfen von Ast zu Ast. Sie rufen und locken.

Ihre Stimmen bringen zu uns. Der mübe Ar­beiter, ber Bauersmann, der Städter, alle horchen auf, wenn die Stimmen bes Frühlings ertönen.

Schauen wir den Anfang bes Frühlings! Alles Werbenbe, neu Erwachende ist einzig schon. Jetzt können wir der Natur noch ins Auge schauen. Wie schnell kommt die Zeit, in der uns der Reichtum bes Wachsens verwirrt. Die ersten Blümchen, die ersten Dogellieder, sie sind die schönsten Geschenke. M. V.

Oie ich nicht leiden kann.

Großmütter mit platin-blonden Patent-Dauerwellen.

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chen, die meuchlings auf Saxophonen üben, chen mit Sachlichkeit und Geschichtstabellen. chen mit Vorliebe für ungekochte Rüben.

Men chen, die sich mit Schuhen ins Bett begeben. Men chen, die sich einen Affen zu Hause halten. Großväter, die noch auf Tanzturnieren schweben. Menschen, die Zahnstocher im Mund behalten.

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chen, die nicht erfreut, sondern stets entzückt sind, chen, die den Käse mit dem Messer verzehren, chen, die vor Aeraer immer gleich verrückt sind, chen, die jedes Glas in Reichweite leeren, chen mit Händen wie kalte Schweinskoteletten, chen. die immer ihre hübschen Zähne zeigen, chen, die bei jeder Gelegenheit wetten.

chen, die lange Klavier spielen oder geigen.

Men chen, die immer mit den Kellnern frafeelcn. Men chen, die Angst haben, dicker zu werden. Men chen, denen irgendwelche Knöpfe fehlen. Menschen, die sich absichtlich kindlich gebärden. Menschen, die in der Straßenbahn pfeifen. Menschen, die sich selbst gern reden hören. Aber vor allem Menschen, die niemals begreifen, daß sie durch ihre Anwesenheit stören.

Puck.

Hurra! Mein Mann hat Gicht!

Seit ich die Freude habe, meinen Mann durch einen Gichtanfall ständig zu Hause zu sehen, komme ich zu der Ansicht, daß Gicht ein ausgezeichnetes Mittel ist, das eheliche Glück zu festigen. Ganz ab­gesehen davon, daß die ewige Jugend des Mannes solche Anfälle ohne weiteres überwindet.

Denn trotz ber gelegentlichen Gichtanfälle, bte für manche Männer viel zu selten auftreten, wirb ber Mann überhaupt nicht alt.

Aus diesem Grunde erschrecke ich auch immer, wenn ich von Mitteln lese, die dem Manne die Ju­gend lang erhalten sollen.

Die Frau, Die heiratet, übernimmt doch eigentlich die Pflicht, einen Jungen zu erziehen. Schicksal der Frau ist, daß sie über dieser Arbeit alt und grau wird, während sie erkennen muß, daß sie ihren Mann in vielen Dingen über die Jünglingsjahre nicht hinausgebracht hat.

Und Da kommt bann auf einmal so ein Zwicken unb Zwacken und fesselt den lieben, wanderlustigen Pfadfinder an bas Haus!

Hurra! Jetzt ist er da! Man sieht sich wieder länger, bleibt beieinander, lernt sich erneut wieder kennen, kann die Gegenwart des Mannes genießen und nimmt das bißchen Pflege und fein Brummen gern in Kauf.

Ich glaube, daß manche Frau im Laufe ber Jahrs btefen Zeitpunkt herbeigesehnt hat. Unb in ber stil­len Hoffnung, daß der Gute eines Tages doch etwas länger zu Hause bleiben wird, hat sie oft ein Auge zugedrückt.

Denn ein Mann mit Gicht ist ein guter Ehemann.

Es ist das einzige Mal im Jahre, daß die Frau weiß: Er bleibt zu Hause und denkt nicht daran, auszugehen. ' M. A.

Oie Fristen für die Steuererklärungen.

In den vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will zu Gießen herausgegebenenAktuellen Steuer­fragen" (Rundschreiben Rr. 5) lesen wir folgendes:

Die Fristen für die Abgabe der Einkornmen- und Umsatzsteuer-Erklärungen find bekanntlich auf die Zeit vorn 15. Februar bis 15. März 1933 fest­gesetzt worden. Die Mehrzahl der Steuerpflichti­gen wird aber Verlängerung beantragen. Der­artige Anträge werden im allgemeinen wohl­wollend behandelt: in diesem Iahr insbesondere auch aus dem Gesichtspunkt, daß die Finanzämter zur Zeit außerordentlich mit Arbeit überlastet sind und zu einem erheblichen Teil das Ver­anlagungsgeschäft 1931 noch nicht abgeschlossen haben. Es empfiehlt sich aber, alle Verlänge­rungsanträgeeingeschrieben" zu stellen, denn sonst können die Finanzämter, wenn Nachweis des Antrages auf Verlängerung nicht geführt werden kann, Zuschläge bis zu 10 Prozent der veranlagten Steuern wegen verspäteter Abgabe erheben. Ein Antrag auf Fristverlängerung für die Einkommen- und Körperschaftssteuer-Erkla- rung gilt nicht ohne weiteres auch für die Llmsah- steuer: für letztere wird in der Regel Ausstand nicht gewährt.

Fristverlängerung ist ratsam besonders für bi­lanzierende Steuerpflichtige. Bei der Bewertung gibt es in diesem Iahr außerordentlich zahlreiche Zweifelsfragen. Erst die Entwicklung der nächsten Wochen und Monate wird diese Fragen einer Klärung entgegenführen. Rach RFH. Reichs­steuerblatt Seite 728 können bei Aufstellung der Bilanz auch diejenigen Umstände berücksichtigt werden, die zur Zeit der Dilanzaufstellung Vor­lagen, obwohl ja die Bilanz auf einen früheren Zeitpunkt aufgestellt wird. Es bietet sich also so die Möglichkeit, Außenstände, Wertpapiere usw. nach dem Zeitpunkt der Bilanzaufstellung und nicht bloß nach den Umständen am Bilanz­stichtag zu bewerten.

Fahnen auf öffentlichen Gebäuden.

Im Laufe des gestrigen Tages wurden von Abteilungen der SA., die gestern früh auf den Dürgermeistereigebäuden H k nkreuzfah.en gehißt hatten, noch auf weiteren öffentlichen Gebäuden, darunter u. a. die Post- und die Gerichtsgebäude, Hatenkreuzfahnen aufgezogen. Ferner sieht man am Gebäude der Provinzialdirektion neben der Staatsflagge die Hakenkreuzfahne. Heute vormittag wurden von einer Abteilung des Gießener Stahlhelm auf dem Stadthaus Bergstraße, dem Stadthaus Gartenstraße und auf dem Alten Rathaus am Marktplatz, ebenso auf den Gerichtsgebäuden und am Kreisamt zu den rotweißen und den Hakenkreuzfahnen noch schwarzweihrote Fahnen gehißt.

OaS Flaggen am Volksiraueriag.

Amtlich wird aus Berlin mitgeteilt: Rach An­ordnung der Reichsregierung sind zu Ehren der Toten des Weltkrieges, die ihr Leben unter der Flagge Schwarz-Weiß-Rot dahingegeben haben, am Gedenktag für die Opfer des Weltkrieges (12. März) in denjenigen Ländern, in denen die staat­lichen Gebäude die Flaggen auf Halbmast setzen, von den Reichsbehörden neben den Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold (Rationalflaggen oder Reichs­dienstflaggen zu Lande) Flaggen in den Farben Schwarz-Weih-Rot auf Halbmast zu sehen. Für die Behörden, die die Reichskriegsflagge, die Reichsdienstflagge zur See, oder neben der Ratio­nalflagge oder der Reichsdienstflagge die Han­delsflagge sehen, verbleibt es bei den bestehenden Bestimmungen.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 20 bis 22 Uhr,Da stimmt was nicht". Handels- und Gewerbebank, 20.30 Llhr, Restaurant Hindenburg, ordentliche Generalver­sammlung. Deutsche Jugendherbergen, 20.15 Llhr, Singsaal der Oberrealschule, Hauptversamm­lung. Katholisches Vereinshaus, 20 Uhr, Kla­vier- und Rezitationsabend Heinrich Meyer- Willy Müller. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Den Hur".

Die bauliche Entwicklung besülorb» O st - V i e r t e l s. Stabtbaurat Graoert hält, wie man uns schreibt, auf Einladung des Bezirksoereins Nord-Ost am Donnerstag, 9. März, 20.30 Uhr, einen öffentlichen Lichtbildervortrag überDie bauliche Entwicklung des Nord-Ost-Dier- tels". An Hand von über 60 Lichtbildern verspricht ber Vortrag überaus interessant zu werben. Alle Interessenten, bie Stadtverwaltung, Stadträte, Bau­fachleute sowie alle Mitbürger sind eingeladen. Ein­tritt frei. (Siehe gestrige Anzeige.)

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** Rückständige Zahlungenfür Elek- trizitätsbezug im Ianuar sind bis zum 15. d. M. ohne weitere Sonderkosten noch zu zahlen. Wer bis dahin seiner Verpflichtung nicht entspricht, hat die Beitreibung der Beträge und Stromsperre zu gewärtigen. Man beachte die heutige Bekanntmachung des Elektrizitätswerkes.

Wäschedieb st äh le. Der Polizeibericht meldet: In der vergangenen Rächt wurden in den Anwesen Moltkestraße 2, Bahnhofstraße 62 und Goethestrahe 46 Wäschediebstähle ausge­führt. Die Diebe entwendeten die Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt war, von der Leine. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloßen.

Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten.