Ausgabe 
7.12.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Hf cf) e Propaganda zu betrachten set und auf Grund der Notverordnung mit dem Entzug der Ge Werbeberechtigung wegen Förderung der Tätigkeit einer verbotenen Partei bestraft werden müßte.

Zwei große kulturelle Gtütz- punf'e in Ostpreußen.

Berlin, 6. De;. (TU.) Auf einer Beranffalfung des Kampsbundes für deutsche Kultur teilte Ober­präsident Koch (Königsberg) im Rahmen eines Vor­trages überOstpreußen als Eckpfeiler deutscher Kultur" mit, daß in Ostpreußen demnächst zwei große kulturelle Stützpunkte errichtet würden. Die Königsberger Universität werde Reichs- Universität und die Marienburg werde eine große natlonalpolitsche Erziehung s- st ä t t e aufnchmen.

Dae naße Amerika.

Roosevelt fordert seine Mitbürger zur Mäßigkeit auf.

Washington, 6. Dez. (WTB.) Präsident Roosevelt hat eine Proklamation erlassen, in der die Abschaffung der Prohibitionsgesetzgebung ange­kündigt wird und die amerikanischen Bürger aus­gefordert werden, mit der Regierung in dem Be­streben zusammmenzuarbeiten, die Hochachtung vor dem Gesetz dadurch wiederherzustellen, daß alkoholische Getränke nur bei im Besitz einer Der- kausgenehmigung befindlichen Stellen gekauft wer­den. Roosevelt ersucht ferner die einzelnen Bundes­staaten, unter keinen UmständendieWie- dereinrichtung der sogenanntenSa- l 0 0 n s" sei es in der alten oder in einer moder- nen Aufmachung zu gestatten. Der Präsident er­klärt weiter in der Proklamation: Wir werden das Unwesen des Alkoholschmugglertums und sonstiger, auf Kosten einer guten Verwaltung, des Gesetzes und. der Ordnung betriebener Profit­macherei endgültig ausrotten. Ich ver­traue auf den gesunden Sinn des amerikanischen Volkes und glaube deshalb, daß dieses nicht den Fluch des Mißbrauchs der berauschenden Getränke auf sich laden und dadurch die Gesundheit seines Geistes und seine soziale Redlichkeit in Frage stellen wird. Unser Ziel ist es, jeden Bürger zu erziehen, um der ganzen Nation Mäßigkeit bcizubringen.

*

Die gestern aus Anlaß der Aufhebung der Pro- hibitionsgcsetzc in allen» Teilen der Vereinigten Staaten veranstalteten Feiern sind wider Erwarten überall recht ruhig verlaufen. Man äußert infolgedessen vielfach die Ansicht, daßdie verbotenen Früchte offenbar besser geschmeckt hätten als die erlaubten". Allerdings haben hohe Preise und teilweise auch S t o f f m a n g e l zur Dämp­fung der Feststimmung beigetragen. Diese wird, so nimmt man an, wohl erst allmählich in Gang kommen. Die Blätter veröffentlichen in großen An­zeigen die Weinfolgen der eleganteren Hotels. Die großen Menschenmassen, die gestern abend den Broadway bevölkerten, waren recht stillveranügt und freuten sich einstweilen über die mit Spiri­tuosen beladenen Lastkraftwagen, die unter dem Schutz von Maschinengewehren durch die Straßen sausten. Die meisten Lagerhäuser hatten infolge der späten Abstimmung über die Aufhebung des Alko- holoerbots in Utah bereits vor dem B'kanntwerden der Nachricht geschlossen. Insgesamt wurden nur 54 La st Wagenladungen alkoholi­scher Getränke freigegeben. Die Fest- nnhnien und Verhaftungen Überschritten nicht den täglichen Durchschnitt, obwohl die gesamte 19 000 Mann starke Polizei aufgeboten war. Die größten Feiern fanden in Hotels und geschlossenen Klubs statt, wo hinreichend Wein vorha..den war, aber Whiskymangel herrschte. Die Alkoholschmuqoler stellen aus Furcht vor Anz"ig?n durch die recht- mäßige Konkurrenz allmählich den Betrieb ein.

Meine politische Nachrichten

Am heutigen Donnerstag von 22.25 bis 22.40 Uhr spricht Ministerialrat Dr. Gütt vom Reichsinn n- minifterium über alle deutschen Smder über die Verordnung zur Ausführung des Gesetzes zur Ver­hütung erbkranken Nachwuchses.

*

Wie der Evangelische Pressedienst erfährt, hat das G e i ft l i ch-e M i n i ft e r i u m zur Bereinigung der aus den kirchenpolitischen Kämpfen en'.ftonbcnen Konfliktsfälle einen Schlichtungsausschuß eingesetzt. Der Ausschuß soll unter Vorsitz eines Juristen, des Oberkirchenrates Dr. Ewers, stehen und hat zu weiteren Mitgliedern die Pfarrer H ei­ben r e i ch und Jacobi. Der Ausschuß hat seinen Sitz bei der Reichskirchenregierung.

Die Verhandlungen des Führers der D e u t s ch e n Erziehergemeinschaft mit dem Reichsleiter des Nationalsozialistischen Lehrer­bundes, die im Neichsministerium des Innern stattgsfunden haben, haben zu eimm befrie­digenden Ergebnis geführt. Die Zusammen­arbeit der Deutschen Erziehergemeinschaft mit dem DIS2B. ist gesichert.

*

Zum Chef des SS. - Stabes wurde der bisherige Oihef des Führungsstabes des Reichsfüh- r°r5 der SS., der SS -Gruppenführer Seidel- D i t t m a r s ch , ernannt. In dieser Eigenschaft sind ihm außer dem Führungsstab das Personal, Ge­richts- und Derwaltuimswesen der SS. unterstellt. Gruppenführer Seidel-Dittmarsch ist.Mitglied des Reichstages und preußischer Staatsrat.

In Bolivien ist ein Kabinett der nationalen Eini­gung gebildet worden. Ministerpräsident und gleich­zeitig Außenminister ist Carlovo von der Liberalen Partei. Die Regierung will vor allem einen den Ansprüchen und der Würde Boliviens Rechnung tragenden Frieden mi1 Paraguay.

Kunst und Wissenschaft.

Drofessor v. Gleispachs Antrittsvorlesung an der Berliner Universität.

3m überfüllten Auditorium maximum der Ber­liner Universität hielt Professor Dr. Wenzel Graf v. G l e i s p a ch, der bekannte Wiener Strafrechtslehrer, seine Antrittsvorlesung. Professor v. Gleisvach war im Oktober d. I. wegen seines Bekenntnisses zum Nationalsozialismus pensioniert worden und ist nun einem Ruf der Berliner juristischen Fakultät und des preußischen Kultusministers als Honorar,irofes- sor nach Berlin gefolgt. Der Sprecher der junsti- schen Fachschaft begrüßte im Auftrag der Deutschen Studentenschaft den Lehrer mit dem Ausdruck der Freude, einen so großen Sprachrechtslehrer und deutschen Mann in Berlin wirken zu wissen. Profes-

Helst durch Euren Weihnachiseinkauf dem deutschen Künstler!

Der Leiter des BerlinerKampfbundes für Deutsche Kultur", Staatskommissar Pg. Hans Hinkel, er­läßt folgenden Aufruf:

Deutsche Frauen! Deutsche Männeri

Zur ersten Weihnacht im Dritten Reich rufen wir Nationalsozialisten Euch alle auf: Vergeßt bei Eurem Weihnachtseinkauf den deutschen Künstler nicht! Denkt an die Mahnung des Führers, denkt an seine (Faße Rede auf dem Kongreß des Sieges in Nürn­berg 1933 und handelt danach, indem Ihr Euren Lieben zur Weihnacht möglichst auch W e r k e d e u t - scher Künstler schenkt! Wir verweisen Euch auf die vielen Ausstellungen deutscher Maler und Bild­hauer, Kunstgewerbler und Graphiker! Wir verwei­sen Euch auf die Ausstellungen deutscher Buchhand­lungen, die Euch Werke junger Deutscher, bekannter und unbekannter Autoren zeigen! Wir verweisen Euch auf die Möglichkeit, eine Eintrittskarte zu einem guten Theater, einem Konzert oder einem Vortrags­abend zu schenken! Denkt daran beim Einkauf von Geschenken, insbesondere von Geschenken für die Jugend. Der Künstler dankt Euch für den

Kauf eines auch noch so kleinen Werkes. Ihr bereitet durch einen solchen Kauf auch ihm der in all der großen Notzeit nicht verzweifeln durfte und um lein Werk und feine Gestattung rang eine Weihnachts- freude! Zeigt ihm, daß Ihr ihn nicht vergeßt! Ein gutes Bild, ein gutes Buch, eine gute kunstgewerb­liche Arbeit, eine kleine gute Plastik, eine Karte für ein gutes Theater oder ein gutes Konzert ist neben dem für das tägliche Leben Notwendigen etwas im besten Sinne Wertbeständiges, es bereitet Euch immer von neuem Freude! Ihr kennt die Parole: Spendet Kraft, indem Ihr Freude spendet. Denkt an ein Theater-Abon­nement bei derDeutschen Bühne", schenkt einen Monats- oder Vierteljahrsbezug einer guten deut- scheu Zeitschrift! Vergeßt nicht die so große Litera­tur des Nationalsozialismus! Der deutsche Maler oder Bildhauer, Dichter oder Bühnenkünstler, Mu­siker, Schriftsteller oder Kunstgewerbler, besonders auch die künstlerisch tätige Frau sie alle werden es Euch danken. Ihre Freude sei Euch der schönste Dank!

Fahrt ins Donauial.

Don unserem AS.-Sonderberichierstatier.

n.

Grenzen von Trianon.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

' Budapest, November.

Die tschechische Hauptstadt mit ihrem heute im paneuropaischen" Trubel besonders seltsamen Ge­triebe verschwindet, der Zug eilt hinaus in das böh­mische Land, hin zu den Orten, die dem Deutschen Geschichte sind, Begriffe einer Entwicklung, die, als Epoche betrachtet, heute ferner zu liegen scheint denn je.

Nicht lange, und an den Ufern der zum Flüßchen gewordenen Elbe, die hier nicht mehr weit von ihrer Quelle entfernt ist, taucht Solin auf, wo ein großer Preußenkönig eine Schlacht verlor in einem Ringen zwischen Mächten, die heute ein seltsamer Zug der Geschichte auf ähnlicher Linie sich zu bewegen scheinen, wie einst in längst vergan­genen Tagen, da Preußen neu gezimmert wurde, da Preußen groß wurde und stark. Aber diese schein­bare Gleichgerichtetheit zwischen dem Einst und dem Heute, sie hält keinerlei gedankliche Belastungsprobe aus, zerplatzt vielmehr wie eine Seifenblase, wird zur Illusion, wenn in Rechnung gestellt wird, daß die Gegenwart mitVölkern und mitRäu- men rechnet, nicht aber mehr mit Regierungsbe- schlüssen, die an grünen Tischen Zustandekommen, auch nicht mehr mit Siegen, oder mit Niederlagen Bahnlinie die Schlachtfelder von zurückliegenden litik dienen, die auch heute dasselbe ist, wie sie immer war: ein altes Lied, ein garstig Lied ...

Es ist ein gesch chtlicher Raum, den man da durch­eilt. Die Ausläufer des schlesischen Gebirges rücken in greifbare Nähe, und rechts und links von der Bahnlinie die Schlachtfelder von zurückligenden Jahrhunderten: Nach od, Trautenau,- n i g g r ä tz. Und wenn das Glatzer Bergland schon fast erreicht ist, wenn man sich beinahe an der deut­schen Grenze befindet, macht die Bahnlinie einen Knick, und hinaus geht es aus dem böhmischen Land gen Süden, nach Mähren zu. Die Nacht senkt sich auf die bunte Herbstlandschaft herab. Eine dunkle Wolkenmauer bedeckt den südlichen Horizont. Mäh­rens Hauptstadt, Brünn, wird verlassen und bald ist man in nächster Nähe der neuosterreichi- schen Grenze, die zwar politisch heute zwei Staaten trennt, die aber keineswegs die Tatsache aus der Welt schaffen konnte, daß diesseits und jen­seits von ihr, von dieser Grenze, Deutsche woh­nen, mit gleichem Blut und gleicher Sprache.

Hier merkt man zum erstenmal so recht, wie sich alles ins Groteske verzerrt in diesem Raum, der mit dem Danauftrom heute in mehr als einer Hinsicht Begriff geworden ist Dieser Donauraum, dort also, wo ein Völkergemisch auf verhältnismäßig kleinem Raum zusammenwohnt, wie man es vielleicht zum zweiten Male auf dieser Erde nicht zu finden ver­

mag, er steht im Zeichen der Friedensdiktate, er trägt den Stempel der Willkür, der 'Bru­talität in höchster Potenz. Hätte man die Karte nicht, man könnte sich heute, wenn man nachts im Zuge durch die Nachfolgestaaten der früheren Doppel­monarchie fährt, kaum zurecht finden. Niemand ver­mag so ohne weiteres aus völlig fremdklingenden Namen zu enträtseln, daß hier einmal Nikols- bürg gelegen, dort ßundenburg, dort wieder Prehliurg, das nunglücklich" den dritten Na­men erhalten hat, feit es besteht.

Preßburg! Die Magyaren nannten es Pozfony, die Tschechen wiederum haben die Bezeichnung Bra- tislawa ersonnen. Hier kann man schon, falls man vor Paßschikanen keine Bange hat, mit der Straßenbahn Wien erreichen. Unfinnige Grenze, Gebiet, das Zankapfel ist und seinen Ver­hältnissen heute lediglich vergleichbar scheint mit jenemewigen Wetterwinkel", wie man vor dem Kriege den Balkan zu benennen beliebte. Die Bal­kanisierung Mitteleuropas, sie wird einem hier so recht vor Augen geführt. Man braucht nicht einmal ausjufteigen. Eine Eisenbahnfahrt genügt, selbst wenn sie in einer trüben Novembernacht erfolgt.

Mit verbundenen Augen fühlt man heute bei einer Reise durch irgendeinen Teil des Donauraumes, daß die Friedensdiktate Verhältnisse schufen, ohne deren Abänderung es keinen wahren Frieden geben kann in diesem Erdteil Europas. Deutsche, Magyaren, Slowaken und Tsch chen find hier aufeinander- gehetzt. Müssen sich hassen, weil eine Grenzziehung weltfremder Art, die nicht einmal die elementarsten geographischen oder volklichen Begriffe kannte, in einer Atmosphäre erfolgte, die nur von einem diktiert war: von abgrundtiefem Hasse, und dann allerdings auch von einer nicht geringen Dosis vonSieger"- Uebermut.

Zur Rechten schimmern die Uferlichter der Donau bereits herüber. Dort, jenseits des Stromes, liegt Ungarn. Aber auch hier ist ungarisches Land. Auf den Stationen hört man nur ungarische Laute, aber die Bahnhofsschilder sind tschechisch. Tschechisch sind die Uniformen, und wenn man bei Szob die Tria- noner Grenze erreicht, so hört man: in dreiviertel Stunden ist man in Budapest Sv nahe die Hauptstadt eines zerstückelten, zerissenen, aus tau send Wunden blutenden Landes. Die Brücke über ein winziges Flüßchen trennt die Tschechoslowakei von Ungarn. Und dreiviertel Stunden weiter liegt Ungarns Hauptstadt Budapest! Trotz der Dun­kelheit ist am andern Donauufer die Basilika zu erkennen, die Höhen, auf denen Stephan der Hei­lige geboren wurde, der dieses Land groß gemacht, das heute ein blutender Torso geworden. Es ist ein seltsam Ding, so eine Trianon-Fahrt ins Donau­tal, die Geschichte offenbart uns politischen Wahn­witz. Die vielen Tausenden von Lichtern Budapests tauchen am Südhimmel auf, während im Westen der Abendstern strahlend untergeht.

sor o. Gleispach erklärte, daß der Hochschullehrer Bekenner sein solle, der seine Ansicht bekannt geben solle, ob sie ihm nütze oder schade. Dann ging er zu seinem Vorlesungsthema über, das der Straf­rechtsreform gewidmet ist.

5fefan-(Deotge-preis für das beste Buch des vergangenen Jahres.

Aus Anlaß des so plötzlichen Ablebens des deut- schm Dichters und Sehers Stefan George hat der Minister für Valksaufklärung und Propaganda be­stimmt, daß der vom Reichsministerium für Volks­aufklärung und Propaganda alljährlich am 1. Mai für das beste Buch des Dorangeganqcncn Jahres zur Verteilung kommende Preis in Höhe von 1 2000 Mark di" BezeichnungStefan-George- Preis" führt.

Nobelpreisträger Bunin in Stockholm.

Als elfter Nobelpreisträger traf der mit dem Literaturpreis ausgezeichnete russische Schrift­steller Iwan Bunin in Stockholm ein, wo ihn die russische Emigrantenkolonie auf übliche Weife mit Salz und Brot willkommen hieß. In einer Unter­redung sagte Bunin u. a., daß er die Bolschewisten verachte und an das alte Rußland glaube. Die sowietrussische Literatur entbehre jedes Interesses. Bunin, der in Frankreich lebt, hatte sich auf der Reise einen Tag in Hamburg aufgehalten und äußerte sich begeistert über diese Stadt.

Aus aller Welt

Schwere Vulkanausbrüche auf Island.

Neue schwere Vulkanausbrüche im Innern Islands haben die Bewohner der Insel in große Aufregung versetzt. Die Vulkantätigkeit in den Gletschergebieten und dem Berg Vota Hockul ist im Zunehmen begriffen. Drei große Rauch- und Feuerfäulen sind in etwa 45 Kilometer Entfernung von Reykjavik sichtbar.

Schwerer Raubüberfall. Lin SA.-Rlann niedergeschosfen.

Vor dem Auszahlungslokal der Nuhrknappschaft Bochum in Obermaßen wurde ein schwerer Raub- Überfall verübt. Der Auszahlungsbeamte war gerade in Begleitung eines SA.-Mannes, der eine Geldtasche mit 12 000 Mk. Inhalt trug, mit seinem

Auto vorgefahren, als ein junger Mann an den Wagen heransprang, einen Revolver zog und den SA.-Mann n i e d e r s ch o ß. Er gntriß dem schwer Getroffenen die Tasche, schwang sich auf ein Fahr­rad und ergriff die Flucht. Fahrrad und Aktentasche wurden später aufgefunden. In der Tasche befanden sich noch 7800 Mk., die der Räuber nicht gesunden hatte. Der SA.-Mann wurde mit einem schweren Lungenschuß ins Krankenhaus gebracht.

Verurteilung der Angeklagten im Lahusenprozeß beantragt.

Im Lahusen-Prozeß beantragte der An­klagevertreter die Verurteilung der beiden Ange­klagten G. Karl La Husen und Heinz Lahusen wegen gemeinschaftlich begangenen Konkurs- vergehens in Tateinheit mit fortgesetztem Ver­gehen nach § 314 des HGB.

Böß und Brolaf als Zeugen im Benecke-Prozeß.

In dem Prozeß gegen den früheren Berliner Stadtrat Wilhelm sBe nette, der sich in einer be­reits mehrere Tage währenden Verhandlung unter der Anklage der fortgesetzten passiven Bestechung zu verantworten hat, traten der frühere Oberbürger« me'ster Böß und der frühere BVG.-Direktor Fritz B r o l a t als Zeugen auf. Brolat wurde zu der Frage vernommen, weshalb er, als Stadtrat Be- necke und Oberbürgermeister Böß in Amerika weil­ten, bei der Schneiderfirma Keller & Furch Schul­den des Stadtrats Benecke beglichen habe. Brolat erklärt dazu, er habe, als sich Benecke in Amerika befand, erfahren, daß die Anzüge, die die st ä d t i s ch e n Beamten von den ©Ma­rets bezogen, bei der Firma Keller 8c Furch gearbeitet und auch bezahlt wurden. Er habe sich dorthin begeben und habe sich seinen eigenen Rechnung sauszu g geben lassen, den er dann auch beglichen habe. Bel dieser Gelegenheit habe er erfahren, daß auch Benecke etwa 2000 Mk. bei Keller 8c Furch Schulden hatte. Er habe diesen Be­trag für Benecke bezahlt, um ihm Unan» nehmlichkeiten zu ersparen. Das erforderliche Geld habe er sich dazu leihen müssen. Bei der Rückkehr Beneckes aus Amerika setzte Brolat ihn von der An- gelegenheit in Kenntnis, und B. zahlte an ihn den Betrag zurück. Er habe auch die Rechnung des frü­heren Stadtschulrates Nydahl bezahlt. Die Schul­

den yave er nur aus reiner Gefälligkeit beglichen. Heute bedauere er diese Gefälligkeit. Brolat, der aus der Strafhaft, wo er wegen fahrlässigen Falscheides eine Strafe verbüßt, vorgeführt wurde, bleibt we­gen des Verdachtes der Mittäterschaft unvereidigt. Der frühere Oberbürgermeister Boß, der aus der Untersuchungshaft vorgeführt wird, soll ebenfalls über die Frage vernommen werden, ob Stadtrat Benecke ihm auf der Amerikareise, als der Sklarek- ftanbal bekannt wurde, gejagt habe, daß er selbst Anzüge von den Sklareks bezogen, aber nicht bezahlt habe. Böß erklärt da­zu: In San Franzisko teilte mir Stadtrat Benecke das mit, er sagte aber nicht, daß er die Anzüge nicht bezahlt hätte, sondern er sagte, es könne sein, daß er davon etwas bezahlt hätte. Der größte Teil sei jedenfalls beglichen. Der Zeuge Böß bittet, als ihm der Vorsitzende ble Eidesformel vorspre chen will, diese nicht in religiöser Form vorzuspre­chen. Der Vorsitzende erklärt, der religiöse Eid sei Vorschrift. Der Zeuge leistet daraufhin den Eid in religiöser Form.

Sühne für die (Ermordung eines SS Mannes.

Im Dortmunder Prozeß gegen die Kommunisten .Ruptur und Paulisch wegen Erschießung des SS.-Führers Adolf Höh wurde Kaptur wegen Mordes zum Tode verurteilt, Pmilisch zu acht Jahren Zuchthaus. Kaptur war beschuldigt, am 5. Dezember 1930 den SS.-Führer Adolf Höh er- schossen zu haben; Paulisch hatte auf Nationalsozia­listen geschossen.

Greises Ehepaar

einer Gasvergiftung zum Opfer gefallen.

In ihrer Wohnung in Hamburg wurden die 75 Jahre alten Eheleute !ß aulstotaufgefun­den Der Tod ist durch Gasvergiftung eingetreten. Die alten Leute hatten einen Topf mit Wäsche auf den Gasherd' gestellt und nicht bemerkt, das die Gasflamme durch das überkochende Wasser gelöscht worden war.

Brandstiftung auf elektrischem Wege.

Im August d. I. war in dem bei Bad Dürkheim gelegenen Anwesen des Klavierbauers Stephan Eckhardt ein Brand ausgebrochen. In der Werk­statt aufgehäufte Holzabfälle, Gummi- und Stoff­reste, in die ein mit der Stromleitung verbundener Draht hineinführte, deutete auf Brandstiftung. Das überschuldete Gebäude war weit über feinen Wert hinaus versichert. Bald konnte der Sohn des abwesenden Besitzers, Adolf Eckhardt, überführt werden, daß er den Brand sachkundig angelegt hatte, indem er den Draht unter Strom setzte und so zum Glühen brachte. Das Schwurgericht Fran­kenthal verurteilte ihn im September b. I. wegen Brandstiftung und Versicherungsbetruges zu drei Jahren Zuchthaus und sechsjährigem Ehrenrechts­verlust. Auf die Revision des Angeklagten hob das Reichsgericht antragsgemäß bas angegriffene Ur­teil auf. Das Vordergericht wird in der neuerlichen Verhandluna die Tat unter dem bisher nicht er örterten Gesichtspunkt der versuchten Brandstiftung zu prüfen haben.

3rod Bahnarbeiter vom Fug gelötet

Wie das Reichsbahnbetriebsamt Leipzig mitteilt, wurden zwischen Leipzig-Connewitz und Oetzsch ein Rottenführer und ein verheirateter Zeitarbeiter aus Crimmitschau bei Vermessungsarbeitcn von einem Eilzug der Strecke LeipzigPlauen überfah­ren und getötet.

Blutiges Liebesdrama. Drei Schwerverletzte.

Ein blutiges Liebesdrama spielte sich in Kunersdorf in Nordböhmen ab Der zwanzigjährige Mehgergeselle Knobloch unterhielt dort mit der gleichaltrigen Briefträgertochter Bendel ein Lie­besverhältnis, bas jedoch von dem Mädchen gelöst wurde. Knobloch erschien nun in dem Hause der Bendel. Als ihm die Mutter den Zutritt zum Zimmer des Mädchens verweigerte, zog Knobloch eine Pistole aus der Tasche und schoß die Mutter und die Großmutter der Bendel nieder. Dann er­griff er ein Beil und schlug damit auf die beiden Frauen ein. Ehe es ihm gelang, in die Kammer des Mädchens, das sich dort eingefchloffen hatte, einzudringen, eilten Nachbarn herbei. Der Fleischer- geselle richtete nun die Waffe gegen feine Schläfe unb brachte sich einen Schuß bei. Alle drei wurden in schwerverletztem Zustande in das Kran­kenhaus in Böhmifch-Kamitz gebracht. Der Täter dürfte das Augenlicht verlieren. Der Zustand der beiden Frauen ist ernst.

Schwedischer Zerstörer vom eigenen Torpedo getroffen.

Ein eigenartiges Unglück ereignete sich in der Hanöbucht an der schwedischen Küste. Der schwedi­sche TorpedobootszerstörerKlas Uggla" wurde von einem Torpedo getroffen, das er selbst abgefeuert hatte. Das Geschoß hatte seine Bahn geändert unb traf das Kriegsschiff Achtern, riß ein Leck und beschädigte die Schiffs-schraube.

Das Geheimnis um den Tod Lord kitcheners.

Der Sfriegsminifter Kitchener galt im Weltkrieg als der fähigste und energischste Mann Englands. Darum wurde er 1916 zum Zaren geschickt, um die russische Dampfwalze", die stecken geblieben war, wieder in Marsch zu bringen. Da er den Seeweg ums Nordkap nehmen mußte, wurden alle möglichen Vorsichtsmaßregeln zur Sicherung der Ucberfahrt getroffen; dennoch ging der KreuzerHampshire", auf dem Kitchener fuhr, unter. Das Geheimnis die­ses Unterganges, der überall gewaltiges Aufsehen und in England größte Bestürzung Erregte, wird jetzt im neuen Heft derBerliner Illustrierten Lei­tung" gelüftet.

Schweres Autounglück in Spanien. 24 lote.

In der Nähe von Huercal in der spanischen Pro- vinz Granada stürzte ein Omnibus, auf dem 24 Mitglieder der sozialistischen Partei von einer Wahl­versammlung nach Hause fuhren, in einer Kurve in einen tiefen Abgrund. Alle 24 Personen wurden getötet.

K'Cttcrv cautzsagc.

Das Polentief hat auch auf unseren Bezirk stö­rend eingewirkt und zu etwas Schneefall geführt. Da aber der Luftdruck anfteigt und besonders über Skandinavien sich erneut hoher Druck aufbaut, wird die Wetterlage wieder in ruhigere Bahnen gelangen, fo daß bei meist östlichen Winden später neben nebliger Bewölkung auch Aufklaren eintritt unb der Frost erneut zunimmt. Vorerst dürfte es allerdings vereinzelt noch zu leichteren Schneefällen kommen.

Aussichten für Freitag: Neblig-wolkig mit Aufklaren, vereinzelt noch etwas Schnee, wie­der Zunahme des Frostes.

Aussichten fürSamstag: Meist trockenes Frostwetter.

Lufttemperaturen am 6- Dezember: mittags 1,6 Grad Celsius, abends8,7 Grad; am 7. Dezember: morgens7,2 Grad. Maximum1 Grad Mini­mum12 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Dezember: abends3,6 Grad; am 7. Dezember: morgens3,7 Grad Celsius. Son- nenfeyeinbauer 5'a Stunden.