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7.11.1933 Zweites Blatt
 
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Nr. 261 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Dienstag, 7. November 1933

MttAdolsHitier sieht und MtOeutschLand und damit Europa!

Von Wilhelm Müller-Scheid.

Die Bedeutung der Volksabstimmung und Reichs­tagsneuwahl am 12. November ist noch nicht von allen Wählern richtig erkqnnt worden. Die einen verstehen nicht, warum überhaupt eine Abstimmung !tattfindet und die anderen, die den Sinn der Ab- timmung verstehen, verstehen z. T. nicht, warum «er Reichstag neugewählt werden soll.

Die einen sagen:Zu den Maßnahmen der Re­gierung, vor allen Dingen zu der Stellungnahme zu Genf und zu dem Rücktritt von der Abrüstungs­konferenz können wir unbedenklichJa" sagen, aber die NSDAP, als einzige Partei für den Reichstag wählen, das können wir nicht!" Die anderen sagen: Adolf Hitler als Mensch ist uns recht, und wir sehen auch ein, daß er in jeder Beziehung eine ganz besondere Erscheinung ist, aber die NSDAP, kommt für uns nicht in Betracht." Und dann fangen sie an, in den Krümeln zu suchen und die Schwächen des einen und des anderen Parteigenossen, die Fehl­griffe einiger Amtswalter herauszustellen und sie verwechseln dann allgemein-menschliche Schwächen, die schon immer auf der Welt vorhanden waren und vorhanden sein werden, solange die Erde be­steht, mit dem Sinn, dem Ziel und dem Schwung der nationalsozialistischen deutschen Freiheitsbewe­gung.

Man kann nicht zu Hiller3 a sagenundzurNSDAP.Nei n, denn Adolf Hitler und die NSDAP.

s i n d e i n s. A d o l f h i k l e r ist der fiopf der NSDAP. Die NSDAP, ist der Leib, zu dem dieser Kopf gehört. Es wäre ein Unsinn, zu dem Kopf3a" und zu dem LeibNein" sagen zu wollen.

Die NSDAP, ist das Fundament, auf dem Hit­ler einzig und allein den Halt hat, den er braucht, um das ganze deutsche Volk aus dem Sumpf wirt­schaftlicher und kultureller Zersetzung, in dem es immer noch bis über die Brust steckt, herauszu­ziehen. Die NSDAP, nicht wählen heißt: dem Führer das Fundament entziehen, von dem aus er allein wirksam in das Schicksal Deutschlands ein­greifen kann.

Nehmen wir einmal an, daß eine überwältigende Mehrheit mitJa" stimmt, daß aber die NSDAP, nicht dieselbe Mehrheit bekommt. Dadurch würde sofort die Wirkung dieses mehrstimmigen Ja's der Welt gegenüber wieder aufgehoben. Nur wenn die Welt sieht, daß der Führer und seine große Organi­sation und das ganze deutsche Volk eine gewaltige, unerschütterliche Einheit bilden, nur dann wird es gelingen, soviel Achtung für das deutsche Volk in der Welt zurückzuerobern, daß der Führer und seine Vertreter sich erneut und diesmal mit Erfolg an den Verhandlungstisch mit den anderen Mäch­ten setzen können.

Adolf Hiller ist das Schicksal des deutschen Vol­kes. Das deutsche Volk ist so an ihn gebunden und von ihm abhängig, daß Sieg oder Nieder­lage Adolf Hitlers gleichbedeutend sind mit Sieg oder Niederlage des ganzen deutschen Volkes. Deshalb wird die Stellungnahme des ganzen deutschen Volkes zu Adolf Hitler und zur NSDAP, entscheidend sein für unsere deutsche

Zukunft.

Es wär kindisch, menschliche Einzelschwächen, die dem einen oder anderen Nationalsozialisten anhaften und die hier und da nach der Machtübernahme un­erfreulich in Erscheinung getreten sind, zu verallge­meinern und als typisch für die ganze Bewegung hinzustellen. Die nationalsozialistische Bewegung wird alle, die sich nicht bewähren, im Laufe der Zeit rücksichtslos ausstoßen.

Es nutzt nichts, diesmal abseits stehen und ab­warten zu wollen. Die NSDAP, zwingt nieman­den, mitJa" zu stimmen oder hinter dem Wahl­vorschlag der Hitlerbewegung ein Kreuz zu machen. Nur ein Zwang muh ausgeübt werden: Jeder Wahlberechtigte muß zur Wahlurne. Niemand darf sich der Verantwortung entziehen. Es soll jeder entscheiden, wie er es für richtig hält, aber jeder soll wissen, daß er mitverantwortlich ge­macht wird für das Ergebnis am 12. November.

Wenn das deutsche Volk die Zeichen der Zeit begreift und sich am 12. November geschlossen hin­ter den Führer und hinter die NSDAP, stellt, dann kann der Führer im Inland und auch im Ausland gegenüber mit Erfolg zum Segen des deutschen Volkes Weiterarbeiten. Dann werden auch die ande­ren Völker aufhorchen und man wird bald dem Rüstungswahnsinn ein Ende bereiten. Dann wird die Sonne über Deutschland wieder aufgehen.

Wenn das deutsche Volk aber wieder aus klein­lichen Erwägungen heraus nur eine Halbheit voll-

Punkt 4 der Wilfonschen 14 Punkte lautet:Austausch angemessener Bürgschaften dafür, daß die Rüstungen der Völker auf das niedrigste, mit der inneren Sicherheit zu ver- einbarende Blaß herabgesetzt werden."

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3n einer Note, die von den Sieger st aa- f en bei Vorbesprechung des Versailler Vertrages überreicht wurde (vom 16. 3uni 1919):Die alliier­ten und assoziierten Mächte legen Wert darauf, klar­zustellen, daß ihre Bedingungen hinsichtlich der Rü­stungen Deutschlands nicht nur zum Zweck hatten, Deutschland die Wiederaufnahme seiner kriegerischen Angriffspolitik unmöglich zu machen. Diese Bedin­gungen stellen vielmehr den er st en Schritt zu der allgemeinen Herabsetzung und Be­grenzung der st ungen dar, die die be­zeichneten Mächte als eine der besten Mittel zur Kriegsverhütung zu verwirklichen suchen, und die herbeizusühren zu den ersten Aufgaben des Völker­bundes gehören wird."

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Aus der Einleitung des Textes des Versailler VertragesUm den Anfang einer all- gemeinenBeschränkungderRü st ungen aller N a t i o nen zu ermöglichen, verpflichtet sich Deutschland zur genauen Befolgung nachstehender Bestimmungen über die Land-, See- und Luftstreil­kräfte."

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3m Artikel der völkerbundssahung heißt es:Die Bundesmitglieder bekennen sich zu dem Grundsatz, daß die Aufrechterhaltung des Friedens eine Herabsetzung der st ungen auf das Mindestmaß erfordert, daß mit der natio­nalen Sicherheit und der Erzwingung internatio­naler Verpflichtungen durch gemeinschaftliches vor­gehen vereinbar ist. Der Rat entwirft unter Berück­sichtigung der geographischen Lage und der beson­deren Verhältnisse eines jeden Staates die Ab­rüstungspläne und unterbreitet diese den verschiede­nen Regierungen zur Prüfung und Entscheidung.

bringt und eine in sich zersplitterte Abstimmung durchführen würde, bann ist jede Möglichkeit, mit Erfolg an den Verhandlungstisch mit unseren ehe­maligen Gegnern zu treten, vorbei. Dann wird Deutschland weiter als Nation zweiter Klasse unter dem furchtbaren Druck des Stärkeren stehen. Dann wird auch der Führer fein großes Aufbauprogramm in Deutschland nicht mit dem Schwung und mit der Stoßkraft Vorwärtstreiben können, wie er es von ganzem Herzen wünscht.

Cs geht nicht um die NSDAP., es geht auch nicht um die Privatperson des Führers, es geht am 12. November im tiefsten Sinne der Bedeutung des Wortes um das zukünftige Schicksal des deutschen Volkes. Das Schicksal bietet den Deutschen eine im Augenblick fast noch nicht übersehbare Möglichkeit.

Ls muh sich am 12. November erweisen, ob die­ser große Moment ein kleines oder ein starkes Geschlecht findet.

3a und NSDAP, bedeuten Sieg, Aufstieg, Gleichberechtigung, Ehre und dazu einen starken Frieden.

Nein" oder Ablehnung der NSDAP, bedeu­ten gnadenlosen Fortgang des Zerfalls und un­wiederbringliches versinken des deutschen An- sehens in der ganzen Welt.

Dann würden die Verleumder, die im Aus­lande gegen uns Hetzen, siegend triumphieren.

von zehn zu zehn 3ahren sind diese Pläne einer Nackyrrüfung und gegebenenfalls einet Berichtigung zu unterziehen. Die auf diese Weise festgesetzte Grenze der Stiftungen darf nach ihrer Annahme durch die verschiedenen Regierungen nicht ohne Zustimmung des Rates überschritten werden.

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3n der ersten Bundesversammlung des Völkerbundes wurde am 14. September 1920 nachfolgende Entschließung gefaßt:3n der Uebetjeugung, daß die Aufrechterhaltung des Frie­dens die Herabsetzung der st ungen in Uebeteinffimmung mit den Grundsätzen erfordert, die in Artikel 8 der Satzung sowie in der Einleitung des Teiles der Friedensverträge von Versailles, St. Ger­main und Neuilly niedergelegl sind, die Entwaffnung bestimmter llnterzeichnerstaaten vorsieht, um die Einleitung einer allgemeinen- stungsbeschränkung aller Nationen zu ermöglichen usw."

Der Mitschöpfer des Versailler Vertrages Lloyd George schreibt am 18. September 1932:Zwei von den vier Männern, die dieses feierliche Unter­nehmen (die allgemeine Abrüstung) entworfen haben, find nicht mehr unter den Lebenden, Herr Llemen- ceau und Präsident Wilson. Herr Orlando und ich sind übrig geblieben. Als einer der beiden Ueber- lebenben nehme ich keinen Anstoß, m i r d i e d e u t - sche Auffassung zu eigen ; u machen, die dahin geht, daß die Siegermächte schamlos die Treue in der Rüstungssrage gebrochen haben."

Der Haager Schiedsgerichtshof hat stets den selbstverständlichen Standpunkt eingenommen: Alle Verträge müssen so ausgelegt werden, daß jede Ungerechtigkeit ausgeschlossen wird und die Ergebnisse der Auslegung mit Ir eue und Glauben vereinbar sind."

ZeiigensiirdieAbrWngMrpflMngderMem

Gießener Konzrriverein.

Erstes Konzert: Gustav Havemann und Hans Martin Theopotd.

Ausschließlich Namen deutscher Musiker gaben dem Beginn des Konzertwinters das Gepräge und ließen so das erste Konzert zu einer Kündung deut­schen Geistes werden.

Was alle deutschen Meister auszeichnet, ist ihre innere Einstellung zu ihrer schöpferischen Gabe. Schaffen ist ihnen Gewissenssache, niemals wird ein Werk als Mittel zum Zweck außermusikalischen persönlichen Zielen dienstbar gemacht, sondern der Musik selbst als ihrem ureigensten Wesensinhalt. Diesem hohen Schaffensethos verbindet sich ein ernstes Bemühen um die Beherrschung des fach­lichen Könnens, um zu letzten Zielen zu gelangen. Es hat sich darum keiner der Großen in der User- losigkeit des Genialischen verloren; sondern einge­denk der ihm durch die Begabung gestellten Ver- pslichtung hat sich ein jeder die unumgänglich not­wendigen handwerklichen Grundlagen in ernstem Studium erringen müssen, um sich auf dieser siche­ren Fundierung zu letzter Größe erheben zu kön­nen. Ausnahmslos ist das Schaffen dieser Meister im deutschen Volkstum verwurzelt, sie vermögen die deutsche Volksseele im tiefsten Grunde zum Er­klingen zu bringen in der Vielgestaltigkeit der aus dem Vollen schöpfenden künstlerischen Persönlichkeit.

Es war durchaus kein Zufall, daß die deutsche ©eigentunft des Barockzeitalters vornehmlich in der Polyphonie wurzelte. Nicht an der glänzenden Ober­fläche der schönen Melodie ließ sich der deutsche Geiger genügen, er strebte bohrend in die Tiefe des inneren Aufbaus So trägt Joh. Seb. Bachs 0 - M o 11 - P a r t i. a für Violine, Solo, selbst da, wo die Musik einstimmig erscheint, durchaus den Charakter polyphoner Kunst; denn die einstimmige melodische Linie will so Organisch zerlegt werden, daß sie an verschiedene Stimmen verteilt erscheint, in ihrem Innern von vielgestaltigstem Leben erfüllt. In ernstem Ringen ermöglicht eine satztechnische Meisterschaft selbst bei dem durch die Spielmöglich- keiten der Violine begrenzten engen Rahmen ein Erfüllen mit der Tiefe der Durchdringung; in straff­ster geistiger Disziplinierung erstand so in Einmalig» leit der gewaltige Schlußstein der Partita, die Eia- cona.

Prof. Gustav Havemann ist als Hüter derck- scher geigerischer Tradition bekannt. In seiner sach­lichen Erfülltheit und in letzter Hingabe an das Werk erblickt er sein höchstes Ziel und strebt damit Werten zu, in denen wir die Eigenart deutschen Mu­

sizierens erkennen. Eine Tatsache, die ihn als Füh­rer der ausübenden deutschen Musiker ganz beson­ders prädestiniert erscheinen läßt. Es muß von allen Hörern dankbar anerkannt werden, daß er gerade dieses Gipfelwerk barocker Violinkunst gewählt hatte; denn was er gab, war nicht nur eine klang­liche Uebermittlung des Notenbildes, sondern die schöpferischen Impulse, die im Werk gebunden sind, wurden in lebensvoller Unmittelbarkeit wach, und die einstimmige Polyphonie erstand in fast seherischer Schau in organischer Artikulierung; eine schlechthin vollendete Bogentechnik ließ die einzelnen Stimmen in plastischer Markierung dem Hörer bewußt wer­den. Die Durchführung der Ciacona mußte jedem letzte Bewunderung abringen durch die unerschöpf­liche Fähigkeit in der typischen Durchgestaltung der einzelnen Abwandelungen des Themas.

Die Variation nimmt im Schaffen von Johann Brahms eine wichtige Stellung ein. Junge Mu­siker, die sich bei ihm für ihre Fortbildung Rat holen wollten, verwies er immer wieder auf diese Form; ja, die vielfache Ausdeutungsmöglichkeit entsprach besonders seinem auf organische Durchdringung hin- zielenden Wesen. Wie die Händel - Variatio­nen in sachlicher Klarheit und in letzter Verbun­denheit mit der thematischen Vorlage sich aufbauen, das ließ die Wiedergabe durch Hans Martin T h e o - pold (Berlin) in Erscheinung treten. Theopold rechtfertigte vollkommen den ihm vorausgehenden Ruf. Ein verhältnismäßig junger Musiker, verfugt er über ein alle technischen Anforderungen meistern­des Können. Mehr aber noch waren diese Vanatio- nen ein Prüfstein für feine Musikerschafü Wie er jede einzelne Variation als individuelles Wesen er­faßte, ohne dabei die Beziehung zum Thema ver­missen zu lassen, wie er die einzelnen Variationen wieder zu geistigen Gesamtgruppen in höherer Ein­heit zusammenfaßte, wie er die ganze Folge in; der mächtigen Schlußfuge gipfeln ließ, das verdient höchste Anerkennung. Im zartesten Stimmgewebe entfaltete sich das Thematische in Durchsichtigkeit, ebenso wie er selbst im dröhnenden Forte voll klang­licher Wucht niemals das Organische entschwinden ließ. Nach diesen beiden Einzelgaben wurden die Künstler ganz besonders gefeiert.

Die große C-Moll-Sonate von Beet- Hoven (op. 30, Nr. 2) zeigte die beiden im Nach­schaffen dieses verhältnismäßig viel gespielten Wer­kes. Es war ein Musizieren in vornehmer geistiger Haltung, ein Musikerleben nach innen, sorgsam ab­gewogen, jeder Einzelentwicklung im Aufbau nach­spürend, ein Eins-Werden und Sich-Finden beider im Werk. Machtvoll die Ecksätze; van seelischer Tiefe getragen das Adagio cantabile mit seinen Momen­ten stärksten Aufwallens.

Die Sonate, namentlich aber auch das zum Schluß gespielte Rondo in H - Moll von Franz Schubert, ließen Vergleiche zur einstigen Wie­dergabe durch Busch-Serkin zu. Während in der damaligen Aufführung das synkopierte Thema in schärfster Pointierung den rhythmischen Impuls des Rondos in den Vordergrund rückte und somit dem Motorischen beseonderes Uebergewicht einräumte, lie­ßen die beiden Konzertgeber diesmal den lyrischen Stellen mit schönster Kantabilität besondere Liebe angedeihen, damit dem wahren Lebensnerv Schu­berts gerecht werdend. Dabei aber gewährten sie andererseits auch den rhythmischen Akzenten vollstes Ausmaß, getragen von stärkstem innerem Impuls entzündeten sie bei der Zuhörerschaft jubelnden Beifall. Dr. H.

Statistik der Hundertjährigen.

Preußische Staatsangehörige, die das hun­dertste Lebensjahr erreichen, werden vom Staatsministerium durch ein Glückwunschtelegramm und ein Geschenk geehrt. Im Jahre 1932 sind, wie das Statistische Landesamt mitteilt, 31 Personen dieser Ehrung teilhaftig geworden. Unter den 31 Jubilaren waren 10 Männer und 21 Frauen. Auch bei den Jubilaren der Jahre 1925 bis 1931 bestand fast das gleiche Uebergewicht des weiblichen Ge­schlechtes: auf 10 Männer tarnen 20,5 Frauen. Von den Männern waren sämtliche verwitwet, von den Frauen waren 20 verwitwet und eine ledig.

Was nun den Nachwuchs der Jubilare betrifft, so kann gesagt werden, daß im allgemeinen die Kinderzahl" recht ansehnlich war. Insgesamt hatten die 30 verheiratet gewesenen Jubilare 178 Kinder gehabt, so daß auf jeden im Durchschnitt etwa 6 Kinder entfielen. Im einzelnen zeigt sich eine große Verschiedenheit. Zwei Jubilare z. B. hatten je 11 Kinder; drei Jubilare je 10 Kinder; daneben kommen aber drei Ehen mit nur 2 Kindern und eine Ehe mit einem Kind vor. Kinderlose Ehen fehlen völlig.

Ueber den Nachwuchs in zweiter und dritter Ge­neration sind nicht überall zahlenmäßige Angaben gemacht worden. Von den beiden Jubilaren, Die je 11 Kinder gehabt hatten, hatte der eine 31 Enkel und 34 Urenkel, der andere nur 7 Enkel und 5 Ur­enkel. Von den 31 Jubilaren des Berichtsjahres hatte die überwiegende Mehrzahl (17) ihren derzeitigen Wohnsitz in einer Landgemeinde.

Die Provinz Hannover ist mit einer außerge­wöhnlich hohen Zahl von Jubilaren (8) vertreten; Ostpreußen, das in den vorhergehenden Jahren immer die höchste Zahl von Hundertjährigen auf­wies, steht mit 4 Jubilaren an vierter Stelle. West-

Oie Kunst in der Einheitsfront des 12. November.

Berlin, 6. Nov. (WTB.) Die Abteilungen für bildende Künste und für Musik b er Preußischen Akademie de r Künste haben an den Reichskanzler Adolf Hitler eine Kund­gebung gerichtet, in der es unter anderem heißt: Wir sind uns der hohen Verantwortlichkeit für die Erfüllung unserer Pflichten dem Volk und dem Staate gegenüber bewußt, und besonders tief emp­finden wir sie in Erwartung des Tages, an dem alle Deutschen einmütig sich ihrem Führer zur Seite stellen sollen.

Die deutsche Gruppe des PEN-Klubs erläßt folgenden Aufruf: Die deutsche Gruppe des PEN- Klubs, die die deutsche Literatur innerhalb des in 48 Staaten der Erde organisierten internationalen

Deutschland will Frieden Deutschland hat ab- gerüstet!

PEN-Klubs autonom vertritt und die geistigen und persönlichen Verbindungen zwischen den deutschen und den fremdländischen Schriftstellern im Sinne der Völkeroersöhnung auf der Grundlage der gegen­seitigen Achtung der völkischen Eigenart aller schöpferischen Arbeit sowie der nationalen Ehre und Freiheit pflegt, bekennt sich mit vollem Verantwor- tungsbewußtsein vor allen Schriftstellern der Welt zum Führer des deutschen Volkes, Reichskanzler Adolf Hitler, in der Ge­wißheit, daß der wirkliche Friede und die wirkliche Völkerversöhnung allein unter seiner Führung ge­schaffen wird.

gez. Hans Hinkel, Hanns Johst, Rainer Schlösser, Johann von Seers, Edgar von Schmidt-Pauli, Hans Martin Elster, Erich Kochanowski.

Die Deutsche Akademie der Dichtung veröffentlicht folgende Kundgebung: Wir Mitglieder der Deutschen Akademie für Dichtung stimmen dem Entschluß der Reichsregierung bei, einen unerträg­lichen Zustand durch den Austritt aus dem Völker­bund zu beenden. Wir begrüßen, daß der 2(ufruf ins deutsche Volk gegangen ist, seine Einigkeit in dieser Ehrenfrage vor der Welt zu bekunden. Wir erwarten, daß jeder Deutsche am 12. November durch sein Ja die gerade Politik des Volkskanzlers Adolf Hitler stärken wird.

Der Führer des Reichsverbandes Deutsche Bühn e", Dr. Walter Stang, hat in einer Verfügung an alle Landesgeschäftsführer, Ortsgruppen und Stützpunkte derDeutschen Bühne" angeordnet, daß in der Woche vom 5. bis zum 11. November 1933 vor Beginn jeder Vor­stellung derDeutschen Bühne" und jeder sonstigen Veranstaltung kurz auf die Bedeutung der Volks­abstimmung und der Reichstagswahl am 12. No­vember hingewiesen wird.

Ein Kampfring

der Oeutsch-Oeflerreicher im 3Reic6.

Kassel, 6. Nov. (TU.) In Kassel fand im Hotel Schirmer" die Gründungsoersammlung des Kampfringes der Deutsch-Oesterreicher im Reich" statt. Weit über 100 Vertrauensmänner aus allen Teilen des Reiches, darunter viele, deren Namen als Deutfch-Oesterreicher an führender Stelle im Reich stehen, waren erschienen. Vor ihnen hielt der Landesinspekteur von Oesterreich der NSDAP. Theo Habicht eine Rede, die den Erschienenen die großen Richtlinien des Kampfes um das Deutsch­tum in Oesterreich aufzeigte und zeichnete ein plasti­sches Bild der Verfolgungen, denen heute alle deutschbewußten Menschen in Oesterreich ausgesetzt sind. Die unerhörten Willkürakte gegen alle Deut­schen in Oesterreich verlangten einen Verband, wie es der Kampfring ist.

falen und Oberschlesien hatten diesmal keine Hun­dertjährigen aufzuweisen.

Auch die Eltern der Jubilare hatten zum größten Teil ein hohes Alter erreicht; 43 waren über 60 Jahre alt geworden, davon hatten 16 das 80., 7 sogar das 90. Lebensjahr überschritten. Die Väter der 31 Jubilare setzten sich ebenfalls zum überwie­genden Teile aus Personen zusammen, die in der Landwirtschaft beschäftigt waren.

Tonfilm:Baby".

Im Lichtspielhaus sieht man seit gestern wieder einmal Anny Ondra, die im Privatleben seit kurzem Frau Schmeling heißt, in ihrem jüng­sten Lustspiel, einem Vandor-Film der Vereinigten Starfilm GmbH., Berlin; Drehbuch von Hans H. Zerlett; Regie: Karl L a m a c. In diesem mun­teren Spiel hat Anny Ondra als achtzehnjähriger Backfisch ausführlich Gelegenheit zur Entfaltung ihres oft ans Groteske streifenden komischen Ta­lentes und im elterlichen Hause, auf einem Dampfer, auf der Bühne, im vornehmen Klub, im Pensionat und in der Tanzschule eine Reihe erstaun­licher Streiche anzustellen und die tollste Verwir­rung zu stiften, die aber zum guten Ende, wie sichs geziemt, auf dem Standesamt zur allgemeinen Zu­friedenheit eine freundliche Lösung findet. Anny O n d r a s schmächtiges Bubenfigürchen ist für eine derartige Ausgabe (einschließlich einer feschen Ho­senrolle) wie geschaffen; ihr quecksilbriges Tempe­rament und drolliges Mienenspiel beherrschen die mit heiteren Episoden gespickte Handlung, die von Carnac mit großzügiger Ausstattung und aller­lei neckischen Einfällen inszeniert wird. Neben der Ondra sind vom Ensemble an erster Stelle Olly von Flint, Adolf W o h 1 b r ü ck, Willy S t e 11 - n e r und Emilie Und a zu nennen. Im reich­haltigen Beiprogramm sieht man die neue Wochen- schau, einen fesselnden Bildbericht von der Hoch­seefischerei in amerikanischen Gewässern und je einen Vorspann zu kommenden Filmen; der nächste wird am Donnerstag hier anlaufen:Walzerkrieg" mit Renate Müller, Hanna Waag und Willy Fritsch.

Hochschulnackrichten.

Dem o. Professor Dr. August Skalweit von der Universität Kiel ist vom 1. November ab die planmäßige ordentliche Professur für wirtschaftliche Staatswisienschasten, insbesondere Wirtschaftsge­schichte, an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universi­tät inFrankfurt am Main übertragen worden.