Amtsverkündigungsblati
für die Provinzialdirektion Oberheffen und für das Kreisamt Gießen
Nr. 60 Erscheint Dienstag und Freitag.
7. JioÜCttlber Äur durch die Post zu beziehen.
1933
Inhaltsübersicht: Die Abänderung der Borschriften über die Einrichtung und den Betrieb der Apotheken. — Straßensperre. — Die Ausstellung von Wandergewcrbescheinen für das Kalenderjahr 1934. — Gewerbelegitimativnskarten für Rj. 1934. — Die Nachweise für die Bevölkerungsvorgänge im Landkreis Gießen. — Schafräude in Garbcnteich. — Feldbereinigung Rödgen bei Gießen. - Sprechstunden bei dem Kreisschulamt. — Dienstnachrichten.
Verordnung
über die Abänderung der Vorschriften über die Einrichtung und den Betrieb der Apotheken.
Vom 26. Oktober 1933.
Die Vorschriften über die Einrichtung und den Betrieb der Apotheken vom 14. Januar 1897 (Reg.-Bl. S. 3) in der Fafsung der Abäuderungsverordnungen vom 31. Dezember 1924 lReg.-Bl. von 1925, S. 3) und vom 20. Februar 1929 (Reg.-Bl. S. 25) werden ivie folgt geändert:
§ 1.
In der Anlage A werden die unter Nr. 47a, 53, 56a, 65, 70, 86, 101a und 104 aufgeführten Mittel, nämlich:
47a. Heilmittel des Grafen Mattei (auch als Graf Cesare Mat- teische elektro-homöopathische Heilmittel).
53. Johannistee Brockhaus' fauch als Galeopsis ochroleuca vulcana der Firma Brockhaus).
. 56a. Komplexmittel, homöopathische, der Engel-Apotheke (Iso- Werk) in Regensburg (auch als zusammengesetzt homöopathische oder elektro-homöopathische Mittel System Mattei).
65. Magentropfen Bradys (auch als Mariazeller Magentropfen Bradys).
70. Naturmittel Pfarrer Jos. Schmidts, und zwar Anticon- vulso, Antieorposan, Antigrassol, Cancrostoma, Diabetum, Diabetol, Aedemal, Oedemasan, Pulmone, Pulmospira, Regular, Renieura, Renieurol, Salvador, Salvadoria, Stomafortin, Stomasana, Urinator, Urinoxal.
86. RcduktionSpillen, Marienbader, Schindler-Barneysche (auch als Marienbader Reduktionspillen für Fettleibige).
101a. Sternmittcl, Genfer, Sauters (auch als elektro-homöopathische Sternmittel usw.).
104. Tee Puhlmanns gestrichen.
§ 2.
Die Verordnung tritt am 1. November 1933 in Kraft.
Darmstadt, den 26. Oktober 1933.
Der Hessische Staatsminister.
9 gez.: Jung.
Bekanntmachung.
Wegen Ausführung von Wasserleitungsarbeiten wird die Provinzialstraße „Gießen—Watzenborn", Ortsdurchfahrt Watzenborn (Bahnhofstraße, vorn 6. November d. I. für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt über Steinberg und Grüningen.
Die aufgestellten Warnungstafeln sind zu beachten.
Gießen, den 1. November 1933.
Hessische Provinzialdirektion Oberhessen.
Betr.: Die Ausstellung von Wandergewerbescheinen für das Kalenderjahr 1934.
An das Polizeiamt Gießen
und die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Sie wollen die Wandergewerbetreibenden, die den Gewerbebetrieb im Umherziehen im Jahre 1934 fortzusetzen oder zu beginnen beabsichtigen, durch wiederholte ortsübliche Bekanntmachung auffordern, ihre Anträge auf Erteilung des Wandergewerbescheins bei Ihnen so zeitig zu stellen, daß sie zu Anfang nächsten Jahres im Besitze des erforderlichen Wandergewerbeschei.is sein können.
Zu der nach der Bekanntmachung des Reichskanzlers, betreffend Ausführungsbestimmungen zur Gewerbeordnung, vom 4. März 1912 (Reichsgesetzblatt S. 189) vorgeschriebenen und in die Wandergewerbescheine einzuklebenüen Photographie bemerken wir:
Die Photographie muß von Visitenkartenformat, unausgezogen, ähnlich, gut erkennbar sein, eine Kopfgröße von mindestens 1,5 cm haben und darf nicht älter als fünf Jahr sein,- sie ist zu erneuern,
wenn in dem Aussehen des Gewerbetreibenden eine wesentliche Veränderung eingetreten ist.
Bei gemeinsamen Wandergewerbescheinen genügt die Photographie des Unternehmers, wenn ein Unternehmer nicht vorhanden ist, die eines Mitgliedes.
Auf den bei der Stellung der Anträge auf Erteilung von Wandergewerbescheinen vorzulegenden Photographien wollen Sie sofort auf der Rückseite die Persönlichkeit vermerken, damit Verwechslungen vermieten werden.
Photographien, die von uns bereits in Wandergewerbeschcine eingeklebt und abgestempelt waren und die von den Wandergc- werbetreibenden wieder abgelöst und zur Wiederverwendung in neue Waudergewerbescheine Ihnen vorgelegt werden, sind unzulässig und daher von Ihnen zurückzugeben.
Wir machen darauf aufmerksam, daß die ausgefertigten Wandcr- gewerbescheine von uns unmittelbar an die zuständigen Finanzämter abgegeben und von diesen, nach Verwendung des gesetzlicher: Urkundenstempels und nach Regelung der Wandergewerbesteuerfrage, an die Wandergewerbetreibenden ausgehändigt werden.
Sie wollen die Wandcrgewerbetrcibendeu bei Stellung der Anträge hierauf besonders Hinweisen. Die Wandergewerbescheine werden demnach nicht mehr am Kreisamt mitgenommen, sondern muffen bei dem Finanzamt abgeholt werden; das persönliche Erscheinen der Antragsteller bei uns ist daher zwecklos.
Die Anträge wollen Sie uns unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars baldigst vorlegen und die Photographie des Wandergewerbeschein Nachsuchenden und, wenn derselbe im Um- herziehen Druckschriften oder Bildwerke feilbieten will, ein Verzeichnis derselben mit eigenhändiger Namensunterschrift in zwei Ausfertigungen dem Berichte beischließen. In dem Verzeichnis sind die Druckschriften und Bildwerke einzeln aufzuführen.
Will ein Wandergewerbetreibenüer andere Personen von Ort zu Ort mit sich führen, so hat er dieselben ihrer Zahl nach bei der Landkrankenkasse des Ortes als Mitglieder anzumelden, bei dessen Polizeibehörde er den Schein beantragt.
Bei der Anmeldung hat der Arbeitgeber die Beiträge für die Zeit bis zum Ablauf des Wandergewerbescheins oder mit Erlaubnis des Kaffenvorstandes für kürzere Zeit im voraus zu entrichten. Die hierüber ausgestellte Bescheinigung ist gleichfalls dem Antrag auf Erteilung des Wandergewerbescheins beizuschließen.
Wandergewerbetreibende, die in diesem Jahre oder früher bereits im Besitze eines Wandcrgewerbescheins waren, haben diesen bei Entgegennahme des neuen Wandergewerbescheins zurückzugeben. Die Rückgabe der ungültigen Wandergewerbescheine liegt im Interesse der Wandergewerbetreibenden selbst, da hierdurch einer mißbräuchlichen Verwendung dieser Scheine vorgcbeugt wird. Die Wandergewcrbetreibenden sind bei Stellung der Anträge noch hierauf besonders hinzuweisen.
Falls Wandergewerbescheine nur noch für das lausende Jahr (bis Ende Dezember 1933) ausgestellt werden sollen, ist dies in den Anträgen auf der ersten Seite oben in der Rubrik besonders anzugebcn.
Hat der Antragsteller erst im laufenden Jahre seinen Wohnsitz in Ihrer Gemeinde genommen, so ist, sofern nach Lage der Sache die Möglichkeit mißbräuchlicher Verwendung des Wandergewcrbc- scheins nicht ausgeschlossen erscheint, durch Nachfrage bei der Polizeibehörde des früheren Wohnorts festzustellen, ob dem Antragsteller bereits ein Wandergewerbeschein erteilt war.
Die Beantwortung der gestellten Fragen ist von Ihnen so eingehend zu vollziehen, daß Rückfragen und damit Verzögerungen in der Ausstellung vermieden werden. Eine Beantwortung wie „unbekannt" hat zu unterbleiben, es sind vielmehr die erforderlichen Ermittlungen von Ihnen vorzunehmen.
Ferner machen wir Sie noch darauf aufmerksam, daß Sie nicht berechtigt sind, Bescheinigungen an die Gewerbetreibenden auszustellen, wonach solchen erlaubt ist, in den Gemeinden zu hausieren usw. (859, Ziffer 1 bis 4 GO.).
Gießen, den 19. Oktober 1933.
Kreisamt Gießen. I. V.: Schmidt.
littwoch, 8. November 1955
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Chefredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An» zeigenteil L D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.
Drutf im Sinne einer großen Herabsetzung istungen ausübe.
ltersiaatssekretär Eden
zu dem Borwurf Lloyd Georges, die Reaie. be den Konoentionsentwurf fallen gelassen mit Abänderungen dazu befaßt, die Regie» be zu dem Konoentionsentwurf gestanden ihe weiterhin dazu. In unserem so sagte Eden, dem deutschen Standpunkt ;keit widerfahren zu lassen, müssen wir ichten, daß wir nicht anderen Ungerechtig» gen. Die Verhandlungen hatten einen Punkt wo verschiedene Rationen dies anzunehmen Da die Verhandlungen fehlgeschlagen seien, er Konventionsentwurs weiterhin in Gellen stellte in Abrede, daß irgendeine Dis- •ung gegen Deutschland in der Frage der chung stattgefunden habe. Es sei beabsich- efen, daß die Ueberwachung nicht nur auf mb anwendbar sein soll, sondern auf jedes :land sogar während der Bewährungsfrist, gierung wolle nicht, daß England eine )er Isolierung verfolge und wünsche auch ß irgendein anderes Land dies tue. Eng- chte in Zusammenwirkung mit Demschland allen anderen Rationen arbeiten. Es sei ils die britische Politik gewesen, die Deutsch- den Völkerbund gebracht habe, und Eng- se, daß vor Ablauf der zwei Jahre Deutsch- ustrittsankündigung zurückgezogen werde, it endete die Abrüftungsdebatte im Unter-
räche Makler? rzen Mann" hinzustellen. Als ChamboR er dem allgemeinen Beifall wieder seinen ahm, sah es so aus, als wenn die Defensiv- der Regierung voll geglückt fei. Deutschland ' Gericht gestanden und war schuldig. Da ge- ) Wunder! Der Mann, der der Haupt- te r der britischen Regierung in illes gewesen war, erhob sich und zer- in einer groß angelegten Anklagerede — en Deutschland, sondern gegen die A l» 1 n, cor allem gegen Frankreich — alle Selbe, die gegen Deutschland mit Erfolg an- oorben sinb. Währenb in der Rebe Chani- das Wort .Locarno" heilig klang, war es >e Lloyd George der Nachweis, bis zu wel- abe die europäischen Staaten, vor allem ch, seit Locarno wieder ausgerüstet loyd George führte nüchterne Statistiken und als er seine Anklage bis zu den Worten eger haben den Friebensver- 'brachen" steigerte, erhob sich im Unter- ht eine Stimme des Widerspruchs. Lloyd int sich durch sein mutiges Eintreten gegen geschlossene Opposition für eine gerechtere ng des deutschen Standpunktes um den Europas und der Welt verdient gemacht, lhr war die Regierung Anklägerin, um 20
sie Angeklagte
Zirffchast r den Mhrer.
Förderung der guten Beziehungen in Europa getan hat, indem es die Unterschiede zwischen Sieger und Besiegten auswischte. Der greifbarste Beitrag zur Wiederherstellung des Vertrauens in Europa würde eine internationale Vereinbarung über die Abrüstung sein, an der selbstverständlich Deutschland teilnehmen sollte Man müsse der zentralen Tatsache ins Gesicht sehen, daß das hauptsächlich politische Problem dahin gehe, die deutschen Gleichberechtigungsforderungen mit dem französischen Sicherheitswunsch auszusöhnen
Ich glaube, wir haben eine ganz besondere Rolle zu spielen, denn es war England, das die Parteien zusammenbrachte. Wir werden iveiterhin jede Mühe zu diesem Ende auf uns nehmen, ob Deutschland in Gens ist ober nicht. Wir ha- den eine ungeheure moralische Autorität zur Geltung zu bringen England hat abgerüstet und bat das Recht, zu sprechen und wir benutzen diese Autorität auf die einzig mögliche Weise, indem wir keine besonderen Bündnisse mit oder gegen irgend eine Macht abschließen, sondern indem wir für Freundschaft und Frieden mit allen Mitteln arbeiten. Auch durch den L o c a r n o v e r t r a g sei keine englische Regierung blind gebunden Die Frage sei, ob die Verpflichtungen Englands ihr Ende erreichen würden, wenn nach Ablauf von zwei Jahren Deutschland seine Absicht zum Austritt aus dem Völkerbund ausgeführt habe die es jetzt angekündigt habe. Deutschland habe die Möglichkeit, diese Kündigung jederzeit im Laufe der nächsten zwei Jahre zurückzuziehen und das ganze Unterhaus, daß die weitere Entwicklung der Ereignisse zu einem solchen Schritt Deutschlands führen werde. So sehr auch die englische Regierung die deutsche Handlungsweise bedauere, die sie nicht für gerechtfertigt Halle, so bestehe doch kein Grund, etwa so sprechen zu wollen, als ob die Türe schon zugeschlagen sei. Eng- lond werde vielmehr jede Gelegenheitwahrzunehmen versuchen, um mit Deutschland und den anderen Unterzeichnermächten des Locarnovertrages in Fühlung zu bleiben.
Sir John Simon nahm bann auf bie gestrige Rede des Freiherrn v. Neurath Bezug, m der dieser erklärte, daß die Deutschen den anderen Möchten ein ehrliches und aufrichtiges Angebot
Frankreich die vollständigste Kriegsausrüstung, die jemals irgend ein Land gehabt habe. Er wisse, daß die Nachbarn Deutschlands zusammen sieben ZHitiionen ausgebildete Soldaten und Tausende von schweren Geschützen besähen, während Deutschland nicht ein einziges schwere» Geschütz habe. Der Locarnogeisl sei nicht mehr trinkbar, weil man ihm zu viel Pikrinsäure bel- gemischt habe. Deutschlands gewaltige Rüstungen seien zerbrochen. Es sei ganz unmöglich, schwere Geschähe heimlich zu bauen, vielleicht könne Deutschland heimlich verleidigungswasfen Herstellen, aber die Deutschen könnten sicherlich nicht nur mit Gewehren in Frankreich einfallen. Lloyd George forderte die Regierung auf, wieder zu dem ursprünglichen englischen Abräslungsplan zuräckzukehrcn, anstatt den Weltfrieden zu gefährden. Es fei gänzlich abwegig, wenn man behaupte, in den letzten Wochen habe eine Der- änderung in Deutschland statlgesunden. Italien und Amerika seien bereit, auf die Probezeit zu verzichten, wenn England daher dasselbe tue, dann würde dies von Frankreich verstanden werden.
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erklärt daraus, Lloyd George habe ein Bild von Deutschland gemalt mit 100 000 Gewehren und einigen Pfadfindern (Gelächter), umringt von einer bewaffneten Tschechoslowakei, einem bewaffneten Polen und einem bewaffneten Frankreich. Wenn er diese Schilderung glauben könnte, so würde er sich beruhigt fühlen. Aber die überragende Tatsache sei zur Zeit, daß Deutschland wieder aufrüste. Man dürfe nicht vergessen, daß dies dasselbe mächtige Deutschland sei, das fast gegen bie ganze Welt kämpfte und f a st bie ganze Welt besiegte, basselbe Deutschlanb, das 2Vi Millionen Leben für dieses deutsche Leben nahm. Kein Wunder, daß Besorgnis und Furcht bei den Nationen um Deutschland herum herrschten. Das geringste Risiko und die größte Hoffnung lägen in
Große Berliner Kundgebung für einen Frieden der Ehre und Gleichberechtigung.
Berlin, 7. Nov. (WTB.) Zur Unterstützung des Feldzugs der Reichsreaierung und der NSDAP, hatten sich im Reich und in Berlin heute abend i n Hunderten von Versammlungen die Reichs st ände der Industrie, des Handels und des Handwerks zusammengefunden, um ihre geschlossene Gefolgschaft dem Führer zu bekunden. Besondere Bedeutung kommt der großen Kundgebung der gewerblichen Wirtschaft in den Ausstellungshallen am K a i f e r b a m m au, bie von etwa 13 000 Vertretern aus allen Wirtschaftszweigen nicht nur Berlins, fonbern auch aus bem Reich besucht war. Nach bem Einmarsch von 500 Jnnungs-, Werks- unb Hanbelsfahnen und mehreren Musikvorträgen hielt Dr. Krupp o. Bohlen und Halbach, der Führer des Reichsstands oer Deutschen Industrie, eine Begrüßungsansprachc.
©er Friedenswille der deutschen Industrie.
Wir Männer der praktischen Wirtschaft wissen, so führte er u. a. aus, wie sehr die Welt des Friedens bedarf, wir wissen aber auch, daß es nur eine si cher e Grundlage für den Frieden gibt: die Anerkennung der Gleich- bered)tigung sich gegenseitig achtender Völker. Es ist uns, den Männern der praktischen Arbeit, die sich verantwortlich fühlen für ihre Werke, Kontore unb Werkstätten, in benen Millionen Arbeit ftnben, in benen hoffentlich bald alle Arbeitswilligen Arbeit haben werden, bitter ernst mit diesem Wunsch nach Frieden!
Sicherlich wird man draußen in der well gerade bei dieser «Veranstaltung denken oder sagen: Rach Frieden ruft die deutsche Industrie, und doch will sie in Wirklichkeit nurAuf- träge für Rüstungszwecke haben, vor Ihnen allen, vor der ganzen Welt, erkläre ich hierzu klipp und klar: Die deutsche Industrie stimmt rückhaltlos und in voller
Ueberzeugung dem wort des Herrn Reichskanzlers und Führers des deutschen Volkes zu, dem wort, daß das letzte deutsche Maschinengewehr zerstört werden kann und soll, wenn zur gleichen Zeit und in gleichem Umfang d i e übrigen Völker das gleiche tun; sie stimmt zu nicht nur aus tiefster moralischer Ueberzeugung, sondern auch aus klarster wirtschaftlicher Ueberlegung. Die deutsche wirtschaft hat bewiesen, vor dem und nach dem Ruhreinfall, daß für die Industrie auch in einem abgerüsteten Staat Kaum und Arbeit genug ist. Vie deutsche Industrie ist darüber hinaus der Ueberzeugung, daß ein durch die gleichmäßige und gleichzeilige Abrüstung aller Staaten roir- lich gesicherter Frieden dem wirtschaftlichen Leben aller Völker einen Impuls geben würde, der niemals durch irgendwelche Aufträge für Rüstungszwecke auch nur annähernd erreicht werden kann.
Die deutsche Industrie ist aber auch ebensosehr der Auffassung, daß es ein für die Wirtschaft aller Bölter unerträglicher Zustand ist, in bem Leben der großen, auseinander angewiesenen Völker, eine hoppelte Moral zum herrschenben Prinzip zu machen. Zeugnis bafür abzulegen, baß wir Mann für Mann, Frau für Frau, bereit sinb, alles, auch das Letzte, einzusetzen für unsere Ehre, bazu sinb wir heute hier zusammengetreten, bas geloben wir bem ehrwürdigen Schirmherrn bes Deutschen Reichs, bas geloben wir bem Führer bcs deutschen Volks.
Dr. von Renteln, Führer der Relchsstände des Deutschen Handels und Handwerks, hielt dann die nächste Ansprache, die er mit der Verlesung folgender Entschließung der gesamten Qemerb- liehen Wirtschaft schloß:
20 000 deutsche Männer der Industrie, bes Han- bels und des Handwerks vereint, um bie Stimme der gewerblichen Wirtschaft zu den politischen Ent-


