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7.10.1933 Frühausgabe
 
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Samstag, 7. Moder 1933

183. Zahrgang

Nr. 235 Erstes Blatt

OiplomatischeVorbereitung der Abrüstungskonferenz

Oie Reichsregierung

Lrf<h«»n» täglich, autzo Sonntags und Feiertag» Beilagen; Vie Illustriert, Gießener FamilienbiStter Heimat im Bild Die Scholl, monats-Beingsprels:

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Zernsprechanschlüsfe anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Siehe«.

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Frankfurt am Main 11686.

Seite wird ferner nach wie vor der grundlegenden Forderung auf wesentliche Herabsetzung des gesamten Rüstungsstandes der übrigen Großmächte bereits in der ersten Etappe festgehalten. Das Schicksal der Abrüstungskonferenz liegt somit allein in den Hän­den der Gegenseite. Die Großmächte werden jetzt gegenüber dem grundsätzlichen deutschen Standpunkt ihre endgültige Auffassung bekanntzugeben haben.

Ein Mussolini-Interview.

Paris, 6.DEL (WTB.) Mussolini hat in Rom einen Mitarbeiter desEcho de Paris" empfangen, der die Rede auf die italienisch-französischen Be­ziehungen brachte mit dem Hinweis darauf, daß Italiens ungeheure Militärmacht doch gegen irgendjemand gerichtet fein müsse und daß

Durchsichtige pariser Pressemanöver

Frankreich hat keinen Grund verschnupft zu sein.

übermittelt den Regierungen Italiens und Englands ihre Stellungnahme.

zeichnend, die höhere Kaste: also ärmer und ein­facher, doch im Besitz der Macht". Wenn ein Speng­ler das Dritte Reich als die verkappte Diktatur des Proletariats bezeichnet, hat er vielleicht an dieses Nietzsche-Wort gedacht, aber er ist haßerfüllter und verständnisloser als der Philosoph von Sils-Maria. Weltenfern liegt dieser Gehirnkonstruktion die so­ziale Wirksamkeit in jeder einzelnen Phase der deut­schen Geschichte, die eines Stein, Bismarck und heute die Uebereinftimmung des mystischen und materiel­len Wollens der Massen mit dem ihres Führers. Wir brauchen nur den unermüdlichen Kampf Hit­lers um Frieden und Brot zu betrachten, um zu erkennen, daß der Staatsmann andere Aufgaben hat, als den Raubtierinstinkten zu fröhnen. Die Ideen des Preußentums und des Nationalsozialis­mus haben innerhalb einer Gemeinschaft von Raub­tieren keinen Platz. Da aber das deutsche Volk seit Jahrhunderten immer wieder zu sich selber und zu seinen guten Eigenschaften zurückgefunden hat, erweist sich die Spenglersche Raubtier-Perspek­tive als verhängnisvoller Trugschluß eines Mannes, der nicht das Leben sieht und schildert es vielmehr als einer Theorie, die am Schreibtisch entstanden ist, unterordnet.

Den Kritiker Spengler muß man ablehnen, Spengler als Mahner aber verdient Beachtung. Denn der weltpolitische Ueberblick, den Spengler in seinem neuen Buche vermittelt, eröffnet den Blick für die großen Gefahren, die Deutschland, wie es wirklich ist, drohen. Die Welt ist in Bewegung, kommende Auseinandersetzungen zeichnen sich am weltpolitischen Horizont ab, das Wettrüsten der Staaten erfüllt die politische Atmosphäre mit einer unheilvollen Elektrizität. Aber auch hier wird die Gefahr nicht dadurch abgewendet werden können, daß brutale Gewalt gegen brutale Gewalt gesetzt wird. Denn auf die Dauer siegt doch die große Idee über die Gewalt. Die Idee aber entspringt nicht den Instinkten des blutdürstigen Raubtiers, sondern den ewigen Kräften des Herzens,

als wichtigster der Nachbarn Italiens nur Frank« reich in Frage komme. Der Mann auf der Straße ... bei Nennung dieses Begriffs unter­bricht Mussolini feinen Besucher und erklärt: Spre- chen Sie mir nicht von dem Mann auf der Straße, Das ist eine angelsächsische Erfindung. Ich kenn« diesen Herrn nicht. Natürlich gebe es, fahrt Mussolini fort, in den Beziehungen von Volk zu Volk Höhen und Tiefen. Wenn man erkläre, daß Frankreich Italien nicht immer begreife, fei zu er- widern, daß Italien Frankreich nicht stets verstehe und das Italien keineswegs Anlaß habe, ewig und immer zufrieden zu (ein. Der Faschismus wolle nur Öen Frieden und arbeite nur für den Frieden. Wenn ich schloß Mussolini ein star- kes Italien will, geschieht es um seiner selbst willen, damit man auf es hört und damit man es respektiert.

Deutschlands Standpunkt unverändert.

Auch Norman Davis in Kenntnis gesetzt.

G e n f, 6. Okt. (TU.) Die deutsche Regierung hat heute der englischen und italienischen Regierung in Weiterführung der in den letz­ten Wochen in Genf geführten Verhandlungen Über die Abrüstungssrage ihre Stellungnahme zu den Hauptpunkten dieser letzten Besprechungen übermittelt. Die deutschen Mitteilungen sind gleich­zeitig in Genf eingetroffen. Es handelt sich hierbei keineswegs um neue deutsche Vorschläge, auch nicht um eine Ergänzung, vielmehr um Erläuterun­gen bzw. Präzisierungen der in den letzten Ver­handlungen geltend gemachten grundsätzlichen deutschen Auffassung. Die englische Regie­rung hatte ihrerseits besonderen Wert auf ergän­zende deutsche Mitteilungen gelegt und die deutsche Regierung dringend ersucht, nähere ® e ft im­mun g e n der einzelnen Punkte des deutscken Standpunktes noch vor dem Zusammentritt des Präsidiums der Abrüstungskonferenz am Montag zu übermitteln.

Einer der deutschen Vertreter bei den kommen­den Verhandlungen über die Abrüstungsfrage, der deutsche Gesandte in Bern Freiherr v. Weiz- säcker, hatte bereits heute abend eine Bespre­chung mit dem amerikanischen Hauptdelegierten Norman Davis, den er analog den in Rom und London gemachten Mitteilungen über die deut- sche Auffassung unterrichtet hat. Weitere Be- fprechungen werden wahrscheinlich folgen, wenn Oer erste Delegierte Deutschlands auf der Abrüstungs­konferenz, Botschafter Nadolny, am Sonntag in Genf eintrifft.

Die deutschen Forderungen sind bekannt. Wir be­stehen darauf, daß bereits in der er ft en Periode der abzuschließenden Konvention Deutsch­land entsprechend der uns zugestandenen Gleich- Berechtigung diejenigen W a f f e n z u g e st a n- den werden, die es z u feiner Verteidi­gung braucht und die die andern nicht ad- schaffen wollen. Das Maß dieser Forderung hängt lediglich davon ab, in welchem Umfang die hochgerüsteten Staaten bereit sind, bereits jetzt bindende Verpflichtungen über die Abrüstung ihres Kriegsmaterials einzu­gehen. Wenn man Deutschland, wie es der englische Plan bekanntlich vorsieht, ziffernmäßig ein H e e r von 200 000 Mann zugesteht, so ist es selbst- verständlich, daß dieses Heer qualitativ eine andere Bewaffnung erhält, als es augen­blicklich der Fall ist. In diesem Zusammenhang ist I es ganz natürlich, daß uns über den V e r s a 11 - her Vertrag hinaus diejenigen Was - fengattungen zugestanden werden, die die andern aufgrund einer internationalen Konven- I tion nicht abschaffen wollen. Eine internatio­nale Kontrolle ist nur annehmbar, wenn sie gleichmäßig auf alle Staaten Anwen­dung findet und sofort in gleicher Welfe wirksam wird. Daraus ergibt sich, daß die fran­zösische These der B e w ä h r u n g s s r i st für die nur auf Deutschland abgestellte internationale Kontrolle nicht annehmbar ist. Auf deutscher

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Chefredakteur:

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An« zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Gut und Böse" 197):Man mißversteht das Raub­tier und den Raubmenschen (z. B. Eäsare Borgia) gründlich, man mißversteht dieNatur", solange man noch nach einerKrankhaftigkeit" im Grunde dieser gesündesten aller tropischen Untiere und Ge­wächse sucht, oder gar nach einer ihnen eingebore­nenHölle": wie es bisher fast alle Moralisten getan haben." Diese Herrenmoral prägt fich, wie Spengler von Nietzsche entnimmt, darin aus, daß die Geschichte Cäsaren zum Endzweck habe, Volks- verächter, die die Massen als Schemel ihrer Füße ansehen. Daher auch bei Spengler die Verachtung der Masse, das Leugnen jedes sozialen Gemein­schaftsgefühls, der billige Hohn über Lohnbewegun­gen und Bildungstendenzen des Volkes, das Frei­sprechen der Führerschaft vom sozialen Verantwor­tungsgefühl. Brutale Machtmenschen voll politischer Befähigung, bedingungslose Verehrer der Gewalt, Eroberernaturen, skrupellos in der Wahl der Mit­tel, ohne die Anwandlung irgendeines Gewissens, verschlagen und verwegen, blutdürstig und vom Geiste der Vernichtung beseelt, so werden nach Spengler die Staatsmänner der Zukunft beschaffen sein. Für den Arbeiter, also den Men­schen ohne Macht und Besitz, hat dagegen Spengler nur kalte Verachtung übrig. Er ist gut genug für eine moderne Form der Sklaverei, alles soziale Gefühl wird von Spengler mit Worten voll beißen­der Schärfe abgetan. Wie Spengler, kam auch Nietzsche dazu, die Massen aller Zeiten lediglich als Vorstufen für einen Gewaltmenschen hinzustellen. Wie weit dieses Denken bei Spengler führt, liegt der Gegenwart offen. Bei Nietzsche führt es zu bem Paradoxon, die Arbeiterklasse und hier dachte Nietzsche fast wie ein Marxist, müsse sich über die Bürgerclasse erheben, weil die Demokratie den Unglauben nähre:Im Grunde sind wir allesamt eigennütziges Vieh und Pöbel". Noch Nietzsche hat imWillen zur Macht" (496) die Idee:Die Ar­beiter sollen einmal leben wie jetzt die Bürger; aber über ihnen, fich durch Bedürfnislosigkeit aus-

gung und nationale Sicherheit endlich durch effektive Abrüstungsmaßnahmen der hochgerüsteten Staaten in Angriff ge­nommen werden muß. Gerade das ist es aber, was Frankreich hartnäckig zu tun sich weigert.

Diese abrüstungsfeindliche und damit den Inter­essen der gesamten friedliebenden Welt zuwider- laufende Haltung Frankreichs geht deutlich aus einem Artikel desPetit Journal" hervor, m dem es heißt, es sei unklug, das französische Heer in der Absicht zu vermindern, Deutschland an einen Vertrag zu binden, der nur die Folge be­deutet, daß die deutschen Rüstungen ins­geheim fortgesetzt würden. Deutschland, das seinen Abrüstungsverpslichtungen korrekt und loyal nachgekommen ist, muß sich solche tendenziösen Un­terstellungen verbitten und kann seinerseits nuc immer wieder darauf Hinweisen, daß es gerade Frankreich ist, das seinen moralischen und iu- ristischen Verpflichtungen zur Abrüstung sich im­mer wieder zu entziehen versucht. Ge­radezu grotesk muß es aber anmuten, wenn in dem gleichen Blatt von einer Aufrüstung Deutsch­lands in Verbindung mit einer Abrüstung Frank­reichs als dem Ergebnis der Abrüstungskonoention gesprochen wird. Derartige Manöver sind zu durch­sichtig, als daß sie wirklich imstande wären, die Weltöffentlichkeit darüber zu täuschen, daß der Wi- derstand gegen eine Abrüstung und damit die fort­dauernde Bedrohung des Weltfriedens von Frank« reich ausgeht.

England rüstet.

Das Flottenprogramm vorzeitig in Angriff genommen. Hochdruck in Sheffield.

London, 6. Okt. (WTB.) Die Admiralität hat das erste Fahrzeug des Progra mm s d on 1933 in Auftrag gegeben. Es han­delt sich um ein Konvoischiff, das nicht über 2000 Tonnen haben soll. Das volle Programm von 1933 umfaßt vier Kreuzer (wahrscheinlich einen von 7000 und drei von 5200 Tonnen), einen Flotil-

AllsderRaublier-pechektivel'

Zum neuen Buch Oswald Spenglers.

Der Zusammentritt des Völkerbundes in Genf und die täglich näher rückende Abrüstungskonferenz, die diesmal von schicksalhafter Bedeutung sein wird, lassen den Blick mehr als in den letzten dreioiertel Jahren auf das verworrene Gebiet der Außen- I Politik und der Stellung der Mächte zueinander I hinlenken. Große Geschichte wird immer außen - I politisch gemacht. Innenpolitik ist, auf die kür- I zeste Formel gebracht, die seelische, geistige und kör- I perliche B e r e i t st e l l u n g des Volkes für die außenpolitischen Entscheidungen. Es ist deshalb als ein grundsätzliches Verdienst anzusprechen, wenn Oswald Spengler in seiner neuen Schrift | Sabre der Entscheidung" die außen- h politischen Gefahren und Möglichkeiten mit einer überdeutlichen und oftmals schon grellen Schärfe ; aufzeigt. Zumal die deutsche Jugend hat in den , letzten 14 Jahren keinerlei Gelegenheit gehabt, in raumpolitischen Zusammenhängen zu denken oder ( aus eigenem Augenschein die Weltmächte kennen zu lernen. Hier die Blickbeschränkung auf die Innen­politik durchbrochen zu haben, hier die stolzen und kriegerischen Seelen zur Bereitschaft aufgerufen zu haben, bleibt das Verdienst Spenglers, auch wenn man wesentliche Teile seiner Schlußfolgerung ab­lehnt.

Im einzelnen schildert Spengler die Welt, von der Deutschland umgeben ist, kennzeichnet das Abglei- ten Englands von der Weltherrschaft, die Angst der Franzosen vor der Möglichkeit einer Entwer- hing ihrer Ersparnisse, die Verlagerung Rußlands nach Asien, die feste Stellung Japans, die ver- hängnisvolle Wandlung im einst viel bewunderten I Dollarland und gelangt, in ausführlicher Dar­stellung der gefahrdrohendenweißen W e 11 r e d o I u t i o n" zum Entstehen des Bolschewismus und zu dessen Auswirkungen.Die Gleichheit des Bolschewismus ist die Gleichsetzung des Volkes mit öem Pöbel, seine Freiheit ist Öie Befreiung von ber Kultur und ihrer Gesellschaft." Die Weltwirt­schaftskrise dieser und noch sehr vieler kommender Jahre sei nicht, so erklärt Spengler, wie die West glaube, die vorübergehende Folge von Krieg, Revo­lution, Inflation und Schuldenzahlung, sondern in allen wesentlichen Zügen das Ergebnis einer ziel- bewußten Arbeit der Führer des Proletariats.

In dem berfarbigen 23 e 11 r e d o l u t i o rt gewidmeten Schlußkapitel malt Spengler wieder I die Wahrscheinlichkeit eines bevorstehenden Ent- fcheidungskampfes der weißen mit der farbigen I Rasse aus. Neben dem Sieg des Arbeitersozialis- I mus über die Gesellschaft der weißen Völker sei der Gedanke an einen gemeinsamen Widerstand der gesamten farbigen Völker der Erde die zweite wirkliche Folge des Weltkrieges. Hier zeige sich die Quittung dafür, daß im Weltkriege auf europäi­schem Boden die Farbigen der ganzen Welt von Weißen gegen Weiße geführt worden sind. So sei der Weltkrieg zur Niederlage der weißen Rasse geworden. Heute durchschaue der in dieGeheim­nisse" der Kriegsführung eingeweihte Farbige den Weißen, wenn dieser vonMenschheit und ewigem Frieden" rede. Die Farbigen seien nicht pazifistisch; sie würden das Schwert aufnehmen, wenn wir es niederlegen. Und die größte Gefahr würde fein, | wenn sich eines Tages Klaffenkamvs und Rafsenkampf zusammenfchlossen.um mit der weißen Welt ein Ende zu machen.Wir haben vor den Augen der Farbigen unsere Kriege und Klassenkämpfe geführt, uns untereinander er­niedrigt und verraten und haben sie aufgefordert, sich daran zu beteiligen. Wäre es ein Wunder, wenn sie das endlich auch für sich taten? Hier, vielleicht schon in diesem Iahrundert, war en die letzten Entscheidungen auf ihren Mann. Wessen Schwert hier den Sieg erficht, der wird der Herr der Welt sein!"

So ist Spenglers Buch eine Kritik und eine May- nung zugleich. Von der Kritik muß heute verlangt werden, daß sie nicht aus eisiger Verstandeskalte, sondern aus einem mitschwingenden Herzen geübt wird. Spenglers Kritik jedoch auch feine Kritik gegenüber Dem nationalsozialisti­schen Deutschland kommt aus einem abstrakten Derstand, der kein blutwarmes Verhältnis zu den letzten Vorgängen in Deutschland hat. Wenn Speng­ler schreibt:Ich schreibe nicht für Monate ober bas nächste Jahr, fonbern für die Zukunft. Was richtig ist, kann durch ein Ereignis nicht aufgehoben werden , fo vergißt er, daß schließlich die deutsche Revolution kein belanglosesEreignis" ist, son- dem einen Vorgang von historischem Rang bedeu- tet der die Weltsituation von Grund auf verändert. Spengler hat in seiner Schritt, die $um größten Teil im vergangenen Jahr entstanden ist, nichts ge-

Gietzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

vrvck und Verlag: vrühl'lche Universtlüts-Vuch. und Zteindruckerel R. Lange in Stehen. Schristteitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.

Berlin, 7. Okt. (CNB.-Funkspruch.) Die Mit­teilungen, die die deutsche Regierung in unoerbind- sicher Form den Engländern und Italienern zu- gehen ließ, haben noch einmal den bekannten Standpunkt Deutschlands in der Abrüstungsfrage präzisiert, wie er sich aus dem selbstverständlichen Anspruch auf Gleichberechtigung und nationale Sicherheit ergibt. Es war klar, daß aus der ver­mittelnden Rolle, die von London und Rom im gegenwärtigen Stadium der Besprechungen einge­nommen wird, sich die Notwendigkeit ergab, diese beiden Regierungen über bie beut s ch e Auffassung zu unterrichten. Die französische Presse nimmt bie Tatsache ber Nicht­benachrichtigung Frankreichs zum An­laß, mit burchsichtigen Manövern bie Basis ber Erörterungen zu verschieben. Es muß höchstes Er­staunen Hervorrufen, ausgerechnet aus Frankreich in bie,em Zusammenhang Hinweise auf ben Diermächtepakt zu vernehmen, beffen Geist durch bas Vorgehen Deutschlanbs angeblich verletzt worben sei. Man hat von solchen Erinnerungen auf ben Viermächtepakt in Frankreich nichts ver- nommen, als in Paris vor dem Zu- ammentritt ber Völkerbunbsver- ammlung S o n b e r b e f p r e ch u n g e n ftatt« anben, obwohl es bei biefen ben Franzosen offen- kundig darauf ankam, ihren englischen Gesprächs- Partner auf eine den egoistischen Wünschen Frank- reichs entsprechenden Zeitpunkt f e st z u l e g e n.

Im übrigen dienen diese Manöver der franzö­sischen Presse, die sich anmaßt, Deutschland Beleh- rungen über dieKorrektheit" diplomatischer Aktio­nen zu erteilen, natürlich nur dazu, öie sachli­ch e n Momente zu verschleiern. Die öeut= scheu Erklärungen haben noch einmal klar unö deutlich erkennen lassen, daß die Reichsregierung an dem Macdonald-Plan fest halt und auf seiner Grundlage an der Herbeiführung der Abrüstungskonvention in der von Deutschland stets beachteten loyalen Weise mitzuarbeiten*gewillt ist. Es ist klar zum Ausdruck gebracht worden, daß Verwirklichung des Anspruches auf Gleichberechti-

unb Lebensgefühl erroiefen. In jeher Beziehung geht Spengler auf alte Auffassungen zuruck, dreht und wendet sich nur, um sich auf Den gegenteiligen Standpunkt zu stellen. Als Skeptiker verneint er bie bisherige stufenweise Entwicklung des alten Stänebeftaates mittelalterlicher Ausprägung über ben Absolutismus unb Liberalismus zum neuen Nationalbewußtfein, er verabscheut aus einer pessi­mistischen Grundauffassung alles Geschehens heraus, das aber nicht zur Mitleidsphilosophie eines Scho­penhauer führt, jedes organische Werden, weil es nicht in seine Theorien paßt. Hinter ,eder funkeln- den Periode lauert der Doktrinär, ber aber nicht fähig ist, den Plan und Umriß eines Werdenden, geschweige denn eines Neubaues zu entwerfen. Ein wirklichkeitsfremder Gelehrter, der auch pol.tsich in beinahe nur astronomischen Zahlen und Zeit­läuften denkt, verliert allzu leicht den Bl d! für die Wirklichkeit und Gegenwart. Die Lieblosigkeit der änbert I Kritik, wie Spengler sie übt, hebt auch da jede

Das' Bekanntnis des Reichskanzlers zur Stände- Wirkung auf, wo sie berechtigt ist, z^B or,^wo aemeinfchaft gipfelte im Bekenntnis zur sozialen Spengler mit Recht sagt, ^6 bie etgent cji ü STr" am feit jeglichen FÜHrertums unb in ber probe für bas neue Deutschland noch bevorstehe. Erenntnis daß fein 5taiü) fein kann ohne bas Dies aber braucht nicht besonders betont zu werben Derstänbnis unb bie Hilfe bes anberen. Damit ist beim Abolf Httler bentt "^./mcrers b das Führerprinzip aus ber ausschließlich machtpoli- in jeber Rebe zur Besonnenheck un ^?.en S.V.S"r'k.".S Ä.?X? "j ti s»

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dieser mit Behauptung unb Gegenbehauptung alle der Mensch sei das scheußlichste Raubter unö ö ^raaen lösende Theoretiker noch befangen ist im widerwärtige Pavian, und Nietzsche sagte in sei Den?en und in ber Vorstellungsweise ber Bergan- Willen zur Macht:Wenn durch Uebung in eme ÄXn S Ä *es S Väe.

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