Ausgabe 
6.12.1933 Erstes Blatt
 
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Die trauernden Hinterbliebenen.

Gießen, Darmstadt, Offenbach, Breitenbach, den 5. Dezember 1933.

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Die Beerdigung findet Freitag, den 8. Dezember, 14 Uhr. von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt

Von Beileidsbesuchen bitten wir dankend Abstand zu nehmen.

Unsre liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester u.Tante

Berta Reich Witwe

geb. Basermann

ist heute nach vollendetem 71. Lebensjahr nach einem arbeitsreichen Leben sanft entschlafen.

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2. Fortsetzung.

Nachdruck verboten!

Georg Bidiler

Pfeffingen, den 5. Dezember 1933,

06858

[Neubrandenburg

Gießen, Wernerwall 3, den 5. Dezember 1933.

Fritz Weber und Familie in Wedenviel Fanni Weber und Familie in Wedenviel.

Walter Bichler Gertrud Bichler Elisabeth Bichler

Elise Bichler

Anna und Hans Nabholz und Kinder in Pfeffingen Margrit und Ewald von Kammacher und Kinder in

Gestern abend entschlief sanft nach langer, geduldig ertragener Krankheit, im 75 Lebensjahr, mein lieber Gatte, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel

'Uixmnes Geheimnis

Vornan von Klothilde von Siegmann llrheberrechtSschuh: Fünf.Lünne-Derlag Halle (Saale)

Die Bestattung findet Donnerstag, den 7. Dezember 1933, nachmittags 2 Uhr, in Basel, Krematorium Friedhof Hernie, statt

Für die uns erwiesene Teilnahme bei dem Heim­gang unseres lieben Entschlafenen sagen wir herz­lichen Dank.

Die trauernden Hinterbliebenen:

I d. N.: Marie Wagner, geb. Euler

Statt Karten!

Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, meinen Heben Mann, unseren guten Vater und Gioßvater

Wilhelm Louis Schäfer

am Samstagabend, im 75. Lebensjahr, zu sich in die Ewigkeit zu rufen.

Im Namen aller trauernden Hinterbliebenen

Juliane Schäfer, geb. Klotz

Gießen (Kaiserallee 26 p), Ludwigshütte bei Biedenkopf, Nieder­kleen (Kreis Wetzlar), den 2. Dezember 1933.

Die Beerdigung fand in Niederkleen statt

Wie Sie wünschen, gnädige Frau!" sagte sie kühl. Sie hatte die bestimmte Empfindung, daß aus der Sache nichts werden würde. Aber es würden auch noch andere kommen. Die Inserate waren ja eben erst erschienen.

Kaum hatte Irene die Korridortür hinter der Be­sucherin geschlossen, da öffnete sich die Tür vom Eß­zimmer ein wenig: das neugierige Gesicht der Frau von Merten erschien:

Na, Kind, Glück gehabt? Vermietet?"

So schnell geht's denn doch nicht, Mutti. Aber es kommt schon noch. Das war die Dame, die Fran; geschickt hat. Ich war auf Schlimmeres vorbereitet! Ucbrigens glaube ich nicht, daß sie wiederkommt. Ich hab's so im Gefühl."

Als Irene von Merten am Nachmittag von einer vergeblichen Vorstellung bei einer großen Firma zurückkehrte, sah sie, daß an dem Dermietungsschild an der Haustür etwas geändert war. Es stand nicht mehr darauf:Drei Zimmer zu vermieten!", sondern mit der Handschrift der Mutter:Ein geräumiges Zimmer mit allem Komfort zu vergeben."

Freudig eilte Irene die Treppen hinauf. Das ging ja alles besser, als sie je zu hoffen gewagt. Vier Zimmer vermietet! Selbst wenn sie nun nicht gleich eine Stellung fand, würde es möglich fein, vorläufig durchzukommen.

Die alle Berta begrüßte Irene ganz außer Atem.

Denken Sie nur, Fräulein Irene, wir haben noch zwei Zimmer vermietet. Und wissen Sie, an wen? An eine Ausländerin, die kein Wort deutsch sprechen tann. Ich habe erst gar nicht gewußt, was sie wollte, bis die gnädige Frau dazu. kam. Die gnädige Frau hat sich dann gleich mit der Fremden verstanden. Französin ist sie, hat die Frau Mutter mir gesagt."

Irene legte eilig ab und ging zu ihrer Mutter hinein, die ihr sofort von der Vermietung erzählte.

Eine Mademoiselle ist es. Aus der Französischen Schweiz, war aber zuletzt in Paris. Sie zieht heute nachmittag schon ein. In ihrem Zimmer will sie sich noch Verschiedenes umstellen. Im übrigen macht sie einen sehr soliden Eindruck, obgleich sie beim Film ist." Irene machte ein bedenkliches Gesicht. Aber ihre Mutter fügte sofort hinzu:Die Miete für den ersten Monat hat sie natürlich gleich bezahlt. Ich habe hundertdreißig Mark verlangt."

Nur gut", bemerkte Irene, indessen sie sich ihre Teetasse füllte,daß sie nicht auch morgen einzieht wie Herr von Seeburg. Sonst würde der Korridor noch von Koffern überhäuft werden. Aber ich bin froh, Mutti, daß wir es so schnell geschafft haben."

3. Kapitel.

Aergerlich blickte Legationsrat Seeburg auf ein Schreiben, das er in der Hand hielt. Er schüttelte mit dem Kopfe, überlegte eine Weile.Angenehme Sache!" sagte er halblaut zu sich selbst und drückte auf einen Knopf der Klingeltastatur, die auf dem Schreibtisch seines Amtszimmers eingebaut war.

Wenige Minuten später klopfte es.

Assessor von Malesius stand in der Tür. Sein

Mein zweiter Auftrag geht dahin, die Herren er­neut um genaue Beachtung der erlassenen Bestim- mungen über die sofortige Rückgabe aller Akten an das Archiv zu bitten. Und dann noch eins: Wenn nachher Herr Kriminaldirektor Doktor Miller die Herren einzeln aufsuchen wird, so handelt es sich na­türlich nur darum, fcstzustellen, ob einer der Herren dem Beamten für seine Untersuchung etwas Zweck­dienliches mitteilen kann, nicht um eine Vernehmung. Exzellenz hat mich beauftragt, auch das den Herren zum Ausdruck zu bringen. Ich danke Ihnen, meine Herren! Die Besprechung ist beendet."

Staatssekretär Doktor Berg stand auf. Wieder eine leichte Verbeugung gegen die Anwesenden, dann ver­ließ er das Zimmer.

Nach dem Fortgang des Staatssekretärs herrschte einen Augenblick Stille. Dann erhob sich ein ge­dämpftes Durcheinander der Stimmen. Der Fall des Aktenstücks B 581 erregte die Gemüter. Denn selbst das unwichtigste Aktenstück hatte es sich nicht zu ge­statten, abgängig zu sein! Jeder der hier anwesenden Herren schwor auf die musterhafte Ordnung seines Ressorts.

Die verschiedensten Vermutungen wurden laut unb wieder verworfen, bis man sich darauf einigte, das Ergebnis der Nachforschungen durch Miller ab- Iuroarten. Dann ging man auseinander, denn die trbeit häufte sich, wie immer, im Amt.

Legationsrat von Seeburg hatte kaum an feinem Schreibtisch Platz genommen und sich in das Stu­dium der Eingänge vertieft, als der Diener den Kri­minaldirektor Doktor Miller anmeldete.

Hübsch haben Sie es hier, Baron! Aber daß wir uns sobald Wiedersehen würden, haben wir beide wohl nicht erwartet."

Nein, allerdings! Gut bekommen gestern? Also los, legen Sie mir mal die Daumschrauben an!"

Gott, Herr Baron, daß S i e von der Sache nichts wissen, kann ich mir ohnehin denken! Also pflicht- gemäß: Ich Ihnen gestern hier etwas aufgefallen, Herr Baron?"

Nein!"

Haben Sie jemanden gesehen, der Ihnen ver­dächtig vorkam, Herr Baron?"

Dann hätte ich doch von mir aus schon Feststel­lungen getroffen, lieber Doktor! Soviel ich weiß,

hübsches, verlebtes, etwas fades Gesicht hatte einen scheuen Ausdruck, und feine Augen irrten ab, al» er fragte:

J)err Legationsrat wünschen mich zu (preßen?

Jawohl!" Seeburg sagte es wenig freundlich. Nehmen Sie Plan!"

Zögernd folgte Malesius ber Aufforberung seines Vorgesetzten, der ihn einen Moment schweigend und scharf beobachtete.

,4jerr von Malesius! Ich muß mich, dem Wunsche des Herrn Staatssekretärs folgenb, eines peinlichen Auftrages entledigen. Aus Ihren Personalakten geht hervor, daß Ihnen schon zweimal über Ihr außerdienstliches Verhalten Vorhaltungen gemacht worden sind. Bitte..." er machte eine schroffe Bewegung, die dem anderen bas Wort abschnitt, unterbrechen Sie mich nicht. Sie werden später Gelegenheit zur Aeuherung haben. Es ist nun wiederum eine Klage über Sie eingelaufen. Es handelt sich um Beträge, die ein Herr Orbach von Ihnen fordern zu können glaubt. Ich habe Ihnen 3u eröffnen, daß diese Angelegenheit unbedingt binnen fünf Tagen erledigt fein muß. Es ist nicht angängig, daß ein Hilfsarbeiter des Auswärtigen Amtes Verpflichtungen in diesem Umfange hat. Es wäre zweckmäßig, wenn Sie mir. einen einiger­maßen ausreichenden Grund für Ihre Verschuldung angeben könnten, denn dauernd ist ein solcher Zu­stand nicht aufrecht zu erhalten. Sie müssen sonst damit rechnen, daß wir Ihren Posten einem ande­ren Herrn übertragen, dessen Personalakten ein­wandfrei sind. Unb nun, bitte, äußern Sie sich."

Franz von Malesius war bleich geworben. Er fchluckte ein paarmal, bann sagte er stockend:

.Herr Legationsrat! Die Angelegenheit wird, wie gewünscht, in binnen fünf Tagen erledigt sein."

Legationsrat Seeburg sah überrascht auf:

.Zch kann mich nicht mit dieser Erklärung zu­frieden geben, Herr von Malesius. Wenn Sie üoer folche Möglichkeiten verfügen, warum haben Sie sich dann erst in derartig peinliche Situationen gebracht?"

Malesius suchte nach Worten.

Es ist mir außerordentlich peinlich, daß die An­gelegenheit überhaupt an meine Behörde he^an- gekommen ist: ein guter Freund von mir hat den Betrag bereits zur Verfügung gestellt. Hier, Herr Legationsrat" dabei nahm Malesius ein Schrift­stück aus seiner Brieftasche,ist das Bestäti­gungsschreiben der Bank über die Ueberweisung der ganzen Summe an Herrn Orbach."

Seeburgs Gesicht wurde um einen Schein freund­licher.

Es ist mir in Ihrem Interesse lieb, daß Ich dem Herrn Staatssekretär die Erledigung ber unange­nehmen Angelegenheit heute noch melben kann. Für die Zukunft empfehle ich Ihnen aber ent­schieden größere Zurückhaltung."

Malesius verbeugte sich schweigend.

(Fortsetzung folgt.)

werden derartige Sachen immer nur von Menschen gemacht, die ga.^ich unoeroächtig aussehen."

Ganz meine Meinung, Herr Baron! Aber wenn mir biete blödsinnige Fragerei nicht vornehmen, ist man »Dben* unzufrieden."

,^d) weiß Bescheid, Doktor! Ucbrigens: Ich habe heute, das wird Sie doch sehr interessieren, bei Frau von Merten zwei Zimmer gemietet. Ich ziehe am Ersten ein. Man ist doch schließlich, wenn man ohne- hin auf der Suche ist, dem armen Merten schuldig, feiner Familie behilflich zu fein."

Und das kleine Fräulein? Hat es sich getröstet?" Offenbar. Sie schien mir heute etwas befangen. Vielleicht fürchtet sie, mir gegenüber in eine schiefe Stellung zu kommen."

Na, hoffentlich haben Sie gut gewählt. Ich muß jetzt leider weiter ..."

Nette Unordnung ist das", brummte die alte Berta unb sah sich mißbilligen!) im Korridor um. Wenn jetzt jemand wegen der anderen Zimmer kommt, so macht er sicher gleich kehrt."

Wütend stieß sie an einen Tisch, den sie soeben aus den Vorderzimmern herausbefördert hatte.

Aber dafür ist es doch vorn hübsch, Berta!" tröstete Irene.Das wird alles werden. Und so schnell kommt auch keiner ..." Sie unterbrach sich die Flurklingel schlug an.

J)ab' ich's nicht gesagt?" Berta floh in die Küche. Ich kann nicht aufmachen, Fräulein Irene so wie ich aussehe!?"

Irene sah an sich herunter, streifte den weißen Kittel ab, den sie über ihr bräunliches leichtes Woll­kleid gezogen, und ging an die Tür. Durch das Guck- loch soh sie eine elegante, mittelgroße Dame in einem blauen Smokingkostüm, die einen Zettel in der Hand hielt. Irene öffnete.

Bitte, Sie wünschen, gnädige Frau?"

3 bitt' schön!" sagte die Dame in einem leichten Wiener Tonfall und sah unter ihrem kleinen weißen Filzhütchen prüfend in Irenes Gesicht.Der Herr Vetter, der Herr von Malesius, hat mir wegen eines Zimmers die Adresi' gegeben ... Kann ich das Zim­mert mal anschau'n?"

Jawohl!" gab Irene, zurückhaltender, als sie eigentlich wollte, zurück. Die hübsche, zutrauliche Orau hätte ihr schon gefallen, wäre sie nicht von ranz von Malesius geschickt worden. Aber die Ab­neigung, die Irene gegen den Vetter hatte, übertrug sich sofort auf die Besucherin. Die schien Irenes stumme Abwehr zu merken, denn sie verstummte gleichfalls in ihrem lebhaften Geplauder und musterte kritisch die beiden Zimmer, die Irene ihr öffnete.

lieber den Preis würben wir schon einig werben. Aber ein bisserl zu laut ist's vom Lützowplatz her. Ich bin von Wien an viel Ruhe gewöhnt. No, ich werd's mir halt noch überlegen. I ruf' bann nachmittags nochmal an."

Irene nickte zustimmenb.

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Stadttheater

Gießen 7311D Donnerstag, 7.Tez.

20 bis 22 Uhr Deutsche Bühne

Jleilje 1: Ungerade Mitglieds nummern wenn der önlill irühL VolkSftück in 3 Akten von Anguß Hinrichs