Ausgabe 
6.12.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

wird bis zur Regelung der katholischen Feldseelsorge nach dem Reichskonkordat vom 30. Juli 1933 vom katholischen Wehrkreispfarrer im Wehrkreis III wahrgenommen.

*

Dienstag haben die informatorischen Besprechun­gen mit Vertretern der ausländischen Glau- biger lang- und mittelfristiger Kre­dite in der Reichsbank begonnen, wobei die auf den neuesten Stand gebrachten ziffernmäßigen Un­terlagen unterbreitet worden sind. Die Ziffern gei­gen die Unzulänglichkeit der deutschen Devisenlage. Beschlüsse sind nicht zu erwarten, da die Entschlie­ßungen bei der Reichsbank liegen.

Krupp von Bohlen und Halbach ist in die Deutsche Arbeitsfront eingetreten. Dar- aufhin hat der Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Staatsrat Pg. Dr. Robert Ley folgendes Telegramm an Herrn Krupp von Bohlen und Halbach gesandt: Ich begrüße Sie als Mitglied der Deutschen Arbeits­front herzlich. GlückaufI Gez.: Dr.Ley.

*

Der Präsident der Abrüstungskonferenz Hen­derson sprach am Quai d'Orsay vor, um Paul- Boncour über den Stand der Arbeiten der techni­schen Ausschüsse der Abrüstungskonferenz zu unter­richten und sich seinerseits über die bisherigen diplo­matischen^ Verhandlungen, die in der Abrüstungs- frage geführt wurden, zu informieren. In einer Mit- teilung der Havas-Agentur wird erklärt, daß der französische Standpunkt bisher keinerlei Aenderung erfahren habe.

*

Die estnische Regierung beschloß, den Deutschen Klub zu schließen und die na- tionalsozialistische deutsche WochenschriftDer Auf­stieg" zu verbieten. Ferner erklärte sie, daß sie ein wachsames Auge auf die nationalsozialistische Bewe­gung haben werde.

*

Das chinesische Außenministerium hat den Ver­tretern der fremden Mächte empfohlen, ihre Lands­leute zum Verlassen der Provinz Fuki en oufzufordern. Zum Schutze der die Gefahrenzone verlassenden Europäer und Amerikaner sind ein bri­tischer Zerstörer und ein amerikanisches Kanonen- boot im Hafen von Futschau eingetroffen. Truppen der Nanking-Regierung haben vier Städte im Inneren Juliens mit Artillerie beschos­sen. Es handelt stch um Städte, in denen außer Missionaren keine Europäer und Amerikaner weilen.

Kunst und Wissenschaft.

Hans Friedrich Bluncks Beileid zum Tode George».

Der Präsident der Reichsschrifttumskammer, Dr. Hans Friedrich B1 unck, hat an die Schwester Stefan Georges folgendes Beileidstelegramm gerichtet: Mit tiefer Erschütterung erfahre ich lo­chen von dem Tode Stefan Georges. Es drängt mich, Ihnen mein aufrichtigstes und herzliches Bei­leid auszusprechen. Das Werk Stefan Georges be­darf keiner Würdigung durch Worte mehr. Es ist als wirkende Macht längst eingegangen in den An­bruch einer neuen Zeit, deren Seher und Künder er war. gez.: Hans Friedrich Blunck.

Abschluß der Jtalienreise des NS.Sinfonieorchesters.

Das nationalsozialistische Sinfonieorchester unter Leitung von Franz Adam hat, nachdem es in Triest mit großem Erfolg aufgetreten war der Aufführung wohnten auch der Herzog und die Herzogin von Aosta in Vertretung des italienischen Königshauses bei, seine Konzertreise durch Italien mit einem Konzert in Turin abgeschlossen. Zu der Veranstaltung waren die Spitzen der Partei und der Staats- und Militärbehörden er­schienen. Unter stärkstem Jubel der Zuhörer brachte das Orchester nach Beendigung des Programms noch das Vorspiel zu denMeistersingern" zu Gehör.

Rsichsarbeitsgsmeinschaft der Nalurheilärzie.

Der Führer der deutschen Aerzteschaft, Dr. Wag­ner, teilt mit, daß die biologischen und 9t a - turheilärzte, die sich auf einen früheren Auf­ruf gemeldet haben, in einer Reichsarbeits­gemeinschaft zusammengefaßt werden sollen. Die Reichsarbeitsgemeinschaft setzt sich aus Verbän­den und Einzelmitgliedern zusammen. Mit der Durchführung hat Dr. Wagner als seinen Beauf­tragten Dr. Griesbeck (München) betraut, der zunächst in jedem Landes- und Provinzialoerband des Hartmannbundes einen Vertrauensmann auf­stellen wird.

Aus oder Wett

Deutsches Nachrichtenbüro G. m. b. H."

In Berlin fand eine Generalversammlung der Continental Telegraphen-Companie Wolff's Tele­graphisches Büro AG. statt, in der die Auflösung der Gesellschaft zum Zwecke der Umwandlung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung beschlossen wurde. Im Anschluß hieran wurde die neue Ge­sellschaft unter der FirmaDeutsches Nach­richtenbüro G. m. b. H." gegründet. In den Auf­sichtsrat der neuen Gesellschaft sind eingetreten: Ver­leger Hugo Bruck mann- München als Vorsitzen» der, ferner Bankier Hamel, Rechtsanwalt R i e n- Hardt, Hauptmann a. D. Weiß und Generaldi- rektor Klitzfch.

Australisch-amerikanische Expedition in die Antarktis.

Der australische Forscher Hubert W i 1 k i n s und die beiden amerikanischen Forscher und Flieger Lin­coln Ellsworth und Bernt Batchen gingen von Dunedin (Neuseeland) mit dem Motorschiff Wyatt Earp" zu dem ersten Abschnitt ihrer ant­arktischen Expedition in See. Ellsworth plant während des Antarktis-Sommers das Weddell- Meer nach beiden Richtungen zu überfliegen.

peinliche Ueberraschungen bei der französischen Staa',lotterte.

Wie in Paris erst jetzt bekannt wird, hat ein Schwindler mit einem gefälschten Los der französischen Staatslotterie einen Gewinn von einer Million Franken abgehoben. Der Be­trug wurde erst entdeckt, als einige Stunden später ein Los mit der gleichen Nummer vorgelegt wurde. Die Lotteriebeamten stellten zu ihrer größten lieber- raschung fest, daß derGewinner", der zuerst dage- wesen war, die letzten beiden Zahlen der Nummer fortradiert und durch andere ersetzt hatte. Der recht- mäßige Gewinner erhielt iedoch seinen Gewinn aus­bezahlt. Es dürfte der Polizei schwer fallen, den Be­trüger zu finden, da die Kassenbeamten von den Abhebern der Gewinne keinen Ausweis über ihre Persönlichkeit verlangen dürfen.

Wenig später wurde aus Rennes gemeldet, daß ein Bauer eines in der dortigen Nahe liegenden Dorfes, der kurz vor der Ziehung starb, mit fei­nem Lotterielos in der Tasche beerdigt wurde, und daß dieses Los angeblich eine Million Franken ge-

FürdeutschesVolkstum imAusland

Sine Berliner Kundgebung des VOA.

Berlin, 5. Dez. (TU.) Der Volksbund für das Volkstum im Ausland veranstaltete eine große volksdeutsche Kundgebung in dem mit den deutschen Flaggen, den Fahnen des VdA., der deutschen ßän- der, Danzigs und anderer deutschen Gebiete fesllich geschmückten Sitzungssaal des früheren Preußischen Landtags. Der Abgeordnete des Ostoberschlesischen Seims, Dr. h. c. Otto U l i tz - Kattowitz wandte sich gegen die kleindeutsche und staatsdeutsche Ver­engung einer Geschichtsauffassung, die ost verges- sen habe, daß 44 Millionen Deutsche außerhalb der Reichsgrenze siedeln und an der Geschichte des deutschen Volkes wertvollen Anteil haben. Die deutsche Volksgemeinschaft, die das Deutschtum außerhalb der Grenzen deutscher Staaten anstrebe, sei keine politische Gemeinschaft. Die Ausländsdeutschen erblickten die deutsche Volks- gemeinschaft in der seelischen und geistigen Verbun­denheit aller Menschen deutschen Blutes und beut- scher Sprache auf dem ganzen Erdball. Die Aus­ländsdeutschen wolllen die Beziehungen zum Mut­tervolke und zu den anderen deutschen Volksgrup­pen pflegen, ohne im Widerspruch zu den Pflichten zu kommen, die ihnen als Bürger anderer Staaten erwachsen. Sie wollten und konnten Brücke sein

zwischen den Völkern, in deren Staaten sie leben und dem deutschen Muttervolk. Auf diese Weise könnten sie mitbauen an der Ausgestaltung fried­licher Beziehungen zwischen den Völkern.

Dr. Hans Steinacher, der Reichsführer des VDA., erklärte darauf: Allmählich erst beginne man ZU begreifen, daß im großen Kriege das deutsche Volk als Ganzes angegriffen worden fei und daß es trotz heroischer und unvergleichlicher Sei- !tung den Sieg nicht behaupten konnte, weil es ich nicht im Bewußtsein der Einheit und Ganzheit Zutscher Nation und mit letzter Seelenkraft des Volkstums zu verteidigen wußte. Volkstum be­deute Wesensgemeinschaft der Men­schen gleicher Sprache, gleichen Blutes, Gemein­schaft des Bodens, des Mythos, der Sitte und des Brauchtums, also alles dessen, was den Menschen wesenhaft formt. Deutsches Volk und Deutschland seien daher viel größer als das Deutsche Reich. Der Staat könne schwach fein oder von verderbten Kräften beherrscht werden, erst oomVolkstum her erhalte der Staat seine Hoheit, Würde, Kraft und Aufgabe. Aufgabe des VDA. sei es, im Staats­bürger auch den Volksgenossen zu erwecken.

Gegen ausländische Zalschmeldungen über die denlsche Raffenpolitik.

Berlin, 6. Dez. (TU.) Reichsinnenminister Dr. Frick hat eine Erklärung zur Rassenfrage ab­gegeben, in der es u. a. heißt: infolge unrichtiger Meldungen ist in Ländern Des Fernen Ostens in den letzten Wochen in der Tat eine gewisse Beunruhigung über die Pläne der Reichsregierung in der Rassenfrage entstan­den. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang in der Presse Japans und Indiens die Be­fürchtung zum Ausdruck gekommen, daß in Deutsch­land die Absicht bestehe, die Angehörigen fremder Rassen zu deklassieren und sie gegenüber den Angehörigen der eigenen Rasse allgemein zurückzu­setzen. Namens der Reichsregierung kann ich fest­stellen, daß derartige Nachrichten jeglicher Grundlage entbehren.

Als fremde Rasse ist in Deutschland am stärksten das Judentum vertreten. Obwohl der zahlen­mäßige Anteil der Juden in Deutschland nur 1L o. H. beträgt, hatten sie doch in den letzten Jahr­zehnten, besonders aber seit 1918 durch den Z u - ström von Juden aus dem nahen Osten einen ungeheuren Einfluß auf wirtschaftlichem, fi­nanziellem und politischem Gebiet erlangt. Um nur einige Beispiele zu nennen, möchte ich auch bei die­ser Gelegenheit Daran erinnern, daß die Zahl der jüdischen Rechtsanwälte in Preußen allein 3515 von insgesamt 11814, d. h. 29,8 v. H. betrug.

Bei den Notaren waren es 1945 von insgesamt 6226, das lind 31,2 o. H. Noch stärker war dieser Einfluß auf allen deutschen Hochschulen, in De­ren Lehrkörper die Juden durchschnittlich mit 30 v. H. vertreten waren. In den medizinischen Fa­kultäten der Universitäten Berlin und Breslau waren es sogar 45 v. H. Dieser übermäßigen lieber» frembung Einhalt zu tun, war für bas beutsche Volk eine Lebensfrage geworben, so baß seine Ras­sengesetzgebung nur einen A k t b e r Notwehr unbnichtbesHasses barstellt. Darüber hinaus ist es bas Ziel ber Reichsregierung, bas Rassen- aut b e 5 beutschen Volkes zu pflegen und feine Reinerhaltung sicherzustellen. Mit diesen Be­gebungen will die Reichsregierung in keiner Weise ein Werturteil über andere Rassen fällen. Sie ist sich durchaus bewußt, daß viele vom deutschen Volk rassisch verschiedene Völ­ker eine alte und hohe Kultur vertreten. Diese herab- xufeöen, liegt der Reichsregierung und dem deut» scheu Volk fern. In diesem Zusammenhang möchte ich vor allem daraus Hinweisen, daß Angehö­rige fremder Staaten in Deutschland nach wie vor ihrem Erwerb nachgehen kön- n e n und daß ihrer Jugend deutsche Bil­dungsanstalten nach wie vor offen stehen.

Verfügungen des Stabschefs der SA.

Keine Zugehörigkeit zu politischen Klubs.

München, 5. Dez. (CNB.) Der Chef des Sta­bes ber SA. verbietet burch eine neuerliche Ver­fügung allen Angehörigen ber SA., SS. und SAR. bie Z u gehö r i gke i t zu irgenbwelchen Klubs ober ähnlichen Vereinigungen, bie sich nach ber nationalsozialistischen Revolution nun auf- fallenberroeife roieber gebilbet haben in bem offen­sichtlichen Bestreben, alte politische Bezie­hungen aufzunehmen unb wachzuhalten.

Es wiberspricht bem Sinn unb Geist ber Volksge­meinschaft, sich in kleinen Sonbergruppen, bie meist ber alten Standesabschließuna bienen, abzusonbern. Der SA -Mann findet die wahre und uneigennützige Kameradschaft in seiner Einheit und erlebt dort die Volkswerbung. Auch ein Bedürfnis nach politischer Belehrung von feiten solcher Klubs muß verneint werden. Für diese Aufgabe sind ausschließ­lich die Gliederungen der NSDAP, da, die heute weniger denn je eine Befruchtung von privater Seite brauchen.

Alle diese Zusammenschlüsse wollen vielfach nur durchpersönliche Beziehungen" mühelos erschlei­chen, was der ehrliche Kämpfer in ber Schule ber SA. hart erwerben muß. Für bie Führer aber finb solche außenbienstliche Zugehörigkeiten in vielen

Fällen ein Hemmschuh bei ber pflichtgemäßen bienst- liehen Entscheibung. Die Abmelbuna aus bem genannten Klub unb gesellschaftlichen Bereinigun­gen muß bis zum 31. Dezember 1933 voll­zogen werben.

Ote Neugliederung der GA.

Weiter erläßt ber Chef bes Stabs folgenbe Be­kanntmachung über bie Glieberung ber gesamten SA.:

Die gesamte SA. gtiebert sich in Zukunft gemäß meiner Verfügung vom 6.11.1933 in SA. (ein­schließlich SS.), SA. - Reserve I unb SA. - Re­ser v e II. Mit ber Führung ber SA.-Reserve II habe ich ben Oberst a. D. Reinharb beauftragt. Die SA.-Reserve II umfaßt im allgemeinen bie Angehörig en über 45 Jahre aller Ber« bänbe wie Kyfshäuserbunb, Offiziers-, Marine- unb Kolonialverbände unb bergleichen, soweit beren Angehörige nicht schon in bie SA. ober SA. -Reserve I eingegliebert finb. Bunbes- unb Vereinsleben und bie bamit zusammenhängenben Einrichtungen bleiben unberührt. Die oorge- nannten Bünde, Vereine usw. werden ersucht, bal­digst mit dem Führer der SA.-Reserve II Oberst- Landesführer Reinhard, Berlin W. 57, Büloro- straße 103, in Verbindung zu treten und ihn bei ber Aufstellung ber SA.-Reserve II weitestgehenb zu unterstützen.

wvnnen hätte. Die Hinterbliebenen bes bopielt un­glücklich betroffenen Bauern haben bie Ausgra­bung ber sterblichen Ueberrefte beantragt, um nach bem Los zu suchen. Man weiß aber noch nicht, ob bie Genehmigung bazu erteilt wirb.

Hauptversammlung der Dhv.-Kasse.

Die Berufskrankenkasse ber Kauf- mannsgehilfen hielt zu Weimar in An­wesenheit bes Thüringischen Ttinifterpräfibenten Marschler eine Hauptversammlung ab. Die Haupt­versammlung hatte vornehmlich Die Aufgabe, bie nötigen Beschlüsse zur Durchführung ber im Zuge ber Neuorbnung ber Angestelltenverbände im Juli erfolgten Umglieberung ber Krankenkassen zu fassen. Auch nahm bie Hauptversammlung bie Neubestel­lung bes Vorstanbes und bes Aufsichtsrates vor. Der Gründer und bisherige Leiter ber Kasse, Pg. Anton Tarnowski (Hamburg) schieb nach 35jähriger Tätigkeit aus. Der Stellvertreter bes Verbanosoorstehers bes DHV., Pg. Grönbah 1, würdigte in herzlichen Worten das Werk unb bie Person Tarnowskis, besten Name nicht nur bei ben Berufskrankenkassen, fonbern in ber beutschen Kran­kenversicherung überhaupt weithin Geltung unb Ansehen hat. Als neuer Vorsitzer ber Kasse würbe ber Verbanbsvorsteher bes DHV. Pg. Haib be­rufen. Der DHV.-Kasse gehören gegenwärtig runb 410 000 Kaufmannsgehilfen unb -lebrlinge, sowie annähernd 350 000 mitversicherte Familienange­hörige an.

Todesstur; eine» Geistlichen.

Pastor Nissen aus Plön (Holstein), ber sich mit seinem Motorrad auf ber Fahrt nach Heiligenhafen befanb, Überholt bei Schönweibe ein kleines Ge­fährt, bas von einem Hunb begleitet würbe. Das Tier sprang gegen bas Motorrab. unb Pastor Nis­sen stürzte so unglücklich, baß er einen hoppel­ten Echädelbruch erlitt, dem er bald Darauf

erlegen ist. Der Geistliche war 38 Jahre alt unb hinterläßt eine Frau und fünf kleine Kinder.

Mit 235 Stundenkilometer von Italien nach Sibirien.

Wie erst jetzt bekannt wird, hat eins von den fünf Wasserflugzeugen, die Rußland kürzlich von Italien kaufte, die 22 000 Kilometer lange Strecke von ber Werft am Lago Maggiore nach Sibirien mit einer Stunbenburchschnittsgeschwinbigkeit von 235 Kilometer bewältigt.

Grohfeuer in Lüneburg.

In ber Nacht zum Dienstag entstanb in einem Schaufenster bes Warenhauses Rubolf Kacstabt in Lüneburg, burch eine Heizsonne ein Brand, ber rasch auf ben Verkaufsraum Übergriff. Das Feuer fanb in Kleiber- unb Stoffvorräten reiche Nahrung. Die Jnnenräume brannten völlig aus. Die Feuerwehr hatte bei ber Kälte mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Schaden, ber burch Versicherung gebeckt ist, dürfte etwa 250 000 Mark betragen.

Neue Unwetter schöben in Italien.

Aus Kalabrien unb Sizilien werben immer neue Unwetterschäben gemeldet. In Kalabrien ist ber Turm eines mittelalterlichen Schlosses, bas als Gefängnis bient, singe stürzt. Ein Gefangener wurde getötet, 12 andere wurden verletzt. In Sizilien haben Uederfchwemmungen und Erdrutsche bedeutenden Schaden angerichtet. Die Eisenbahnverbindung MessinaCatania ist unter­brochen.

Antifaschistische Brandstifter in Padua festgenommen.

Gleichzeitig mit der Verbreitung antifaschistischer Flugblätter waren in zwei Kirchen Paduas im letz­ten Sommer wiederholt Brandstiftungsver- s u ch e festgestellt worden. Der Polizeipräsident ber Stabt ließ baher einen verstärkten Wachtbienst ein» richten, dem es in ber Nacht gelang, zwei Männer festzunehmen, als sie gerabe bte Hintere Pforte bes

Domes mit Benzin In Brand gesteckt hatten. Es handelt sich um einen sizilianischen Handelsreisen­den und einen Mittelschul-Schüler, die beide ein umfassendes Geständnis abgelegt haben unb sich al» Urheber auch ber ftüheren Branbftiftungen und ber Verbreitung von Flugblättern bekannten.

GegenLlnWenbeiderVeflaggung

Ein Erlaß

des Reichspropagandaministeriums.

Berlin, 5. Dez. (WTB.) Das Reichsministerium für Volksaufklärung unb Propaganda teilt mit:

Es ist zu beobachten, daß an Prioathäufern bie nationalen Flaggen vielfach ohne jeben be­sonderen Anlaß gezeigt werben, daß sie an ben Tagen, an Denen eine allgemeine Beflaggung ftattfanb, nachts nicht roieber eingezogen roerben unb oft sogar tage - unb wochenlang hängen bleiben. Um biefer bie Bedeutung ber Flaggen unb bie Würbe ber nationalen Symbole beeinträchtigenden Unsitte zu steuern, wirb Darauf hingewiesen, daß Flaggen nur an ben la» ?en gezeigt werben bürfen, an benen aus b e- on beren Anlässen bie Beflaggung von Pri- vathäusern von behördlicher Seite als angebracht und erwünscht bezeichnet oder von parteiamtlicher Seite angeorbnet worben ist. Die Flaggen müssen an diesen Tagen möglichst frühzeitig gehißt werben unb sind mit Sonnenuntergang wieder einzuziehen.

Es wird nochmals Darauf aufmerksam gemacht, daß es nicht statthaft ist, die Hakenkreuzflagge und die schwarz-weiß-rote Flagge, die beide neben­einander bestehen, in irgendeiner Form zu ver­einigen.

Oer Prozeß gegen Professor Dessauer.

München-Gladbach, 5. Dez. (Lpd.) Am zweiten Verhandlungstag kam die Frage Des Weiterverkaufs ber Carolus-Anteile durch Professor Dessauer an ben berüchtigten Deut­schenhetzer Mühlon zur Sprache. Dessauer er­klärte, Mühlon sei ein Schulfreund gewesen, und er habe sich an ihn gewannt, weil er wegen ber starken finanziellen Beanspruchung seines Unter­nehmens diese Anteile wieder aufgeben mußte unb zu einem angemessenen Kurs sonst keinen Käufer fanb. Die Ausführungen, bie Mühlon nach Presse- berichten in auslänbischen Zeitungen gegen Deutschlanb gemacht habe unb worin er Deutschland ben größten Teil ber Kriegs- schulb zuschob, bebauere er auf bas tiefste: bamals habe er bas aber nicht gewußt.Ich kannte wohl bie Vorgänge", so erklärte Dessauer,aus bem 2ahre 1918, wußte aber aus persönlichen Be­sprechungen mit Mühlon, baß biefer später bisse Dinge aufs tiefste bedauerte. Bei allem Abscheu vor ben unglückseligen Vorgängen war ich ber festen Ueberzeugung, baß er im Grunde seines Her- zens deutsch war unb fühlte, sonst hätte ich mich mit ebensolcher Härte zurückgezogen, wie von Friebrich Wilhelm Foerster." Wie die Verhandlung weiter ergab, hat Mühlon die Anteile zu pari übernom­men. Für den Carolus-Verlag verblieb ein lieber« schuß von etwa 5 bis 6000 Mark gegenüber dem Preis und ben Kosten, bte Dessauer aufgeroenbet hatte.

Professor Dessauer erklärte weiter, er habe bie Juben nicht bevorzugt, aber auch nicht benachteiligt. Bei ben sieben Fällen von Einbürgerungen, für bie er sich eingesetzt habe, unb bie von ber Anklage herangezogen werben, handele es sich in zwei gäl­ten nicht um Juden. Bei ben anderen handele es sich meist um begabte unb tüchtige Hochschullehrer, für beren Einbürgerung auch andere Professoren und Arier sich einsetzten. Es stimme, daß er Mit- glieb des Vereins zur Abwehr bes Antisemitismus gewesen sei, habe sich aber selbst nicht beteiligt.

lieber bie Politik seiner Zeitung äußerte sich Dessauer, er müsse es ablehnen, für jebe Notiz bie Verantwortung zu übernehmen, er habe oft Wochen lang kaum Zeit gehabt, bie Zeitung zu lesen. In bem FallZinnfolbaten", ben bie Anklage anführe, habe er selbst bie Entlassung bes Mitarbeiters an» georbnet. Den Aufsatz über bieFememorde" hält er für abscheulich und würde ihn nie gebilligt ha­ben. In dem Aufsatz über bie Fürstenabfinbung habe er seine eigene Einstellung niebergelegt, es fei bann aber ein Wink bes beutschen Episkopats ge­kommen, baß man bie Sache lasse, wie sie fei, unb diesem Wink habe er sich loyal gefügt, lieber feine EinstellungzumNationalsozialismus erklärte Dessauer, als Zentrumsmann habe er selbst« verständlich politisch gekämpft, auch gegen die Na­tionalsozialisten: bas sei aber nach ben Worten bes Reichskanzlers jetzt als ausgeglichen zu betrachten. Er fei Verhanblungsträger zwischen Zentrum unb Nationalsozialisten gewesen, benn er habe geglaubt, cs sei vorteilhaft für Deutschlanb, wenn ber Natio­nalsozialismus burch bas Zentrum eine Bindung gewissermaßen als Bremse erhalte.

Auch ber zweite Angeklagte, Dr. Knecht, be« tunbet, baß für bie vom Volksverein-Verlag über­nommenen Carolus-Anteils ein höherer Preis als 90 000 Mark nicht hätte gezahlt werben können, weil mehr Geld nicht zu beschaffen war. Er habe nie ben Eindruck gehabt, baß Professor Dessauer politischen Ehrgeiz besaß: wohl habe er wissenschaft­lichen Ehrgeiz gehabt unb sich gefreut, als beutscher Gelehrter nach Spanien unb Amerika berufen zu werden. Wenn Prof. Dessauer, wie bie Anklage be­haupte, sich burch bie Beteiligung seiner Carolus- Druckerei eine politische Plattform habe schaffen wollen, so sei zu biesem Zwecke im bamaligen Augenblick nichts unangebrachter gewesen, als sich bei der kleinen, vollständig herabgewirtschafteten Carolus-Druckerei zu beteiligen.

Wetter' .aussage.

Obwohl in ber Hochbruckbrücke über Deutschland noch ein Kaltluftherb lagert, zeigt bas Barometer stark fallende Tendenz. Somit werben bie Ausläufer ber nordöstlichen Störung sich südlich ausbreiten und durch Zufuhr warmer Luft, bie sich bereits in höhe­ren Schichten bemerkbar macht, Eintrübung unb in« olge ber Bshinbsrung ber starken nächtlichen Aus« trahlung auch Frostaoschwächung herbeiführen. Da­rei ist späterhin auch bie Möglichkeit zu Schnee« ällen gegeben.

Aussichten für Donnerstag: Eintrübung unb Abschwächung bes Frostes, später auch Neigung zu Schneefällen.

Aussichten für Freitag: Etwas wechsel­haftes Wetter mit vereinzelten Schneefällen.

Lufttemperaturen am 5. Dezember: mittags2,7 Grad Celsius, abends7,3 Grad: am 6. Dezember: morgens11,2 Grad. Maximum2,5 Grad, Minimum12,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. Dezember: abends2,5 Grad; am 6. Dezember: morgens 3,5 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 6% Stunden.