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6.12.1933 Erstes Blatt
 
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Nr. 286 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Mittwoch, 6. Dezember 1933

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Dn>d und Verlag: Vrühl'sche Universttät§-vuch' und Steinörudcrei R. Lanqe in Gießen. Schriftlettung und Geschäftrftelle: ZchulM'aße 7.

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Dr Frcedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undfürdenAn- zeigenteil i. D. TH.Kümmel sämtlich in (Ziegen.

Ertcheini taglttf), aust« fconntaqs und Ferenoy» Beilagen; Vie Illustriert« Eiestener Familienblätter Heimat im Bild Vie Scholl» lllonats-vezugsprcts:

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nnler Sammelnummer 2251. Anjchrist für Drahlnach» richten Anzeiger Siesten.

poflschecktonto:

Kronifurt am Main 11686.

Italien fordert radikale Reform des Völkerbundes.

Los von Versailles.Von einer Rückversicherung der Giegermächte zu einer wahren Völkergemeinschast.

Rom. 6. Dez. (111.) Rach einer sehr langen Be­ratung, die von 22 Uhr bis gegen 2 Uhr dauerte, Hal der Große Faschistische Rat jum 3. und 4. Punkt feiner Tagesordnung, die das Verhältnis Italiens zum Völkerbund und die Kriegsschulden an Amerika betrafen, fol­gende Entschließungen gefaßt:

Der Große Faschistische Rat beschließt nach Be­sprechung der Lage, das weitere verbleiben Italiens im Völkerbund von einer grund­legenden (radikalen) Reform dieses Or­ganismus abhängig zu machen, die in kür­zester Frist zu vollziehen ist und den Völker­bund in feinem Aufbau, in feiner Funktion und in feinen Zielen zu betreffen hat.

Zur firiegsfdjulöenfrage erklärt der Große Fa- schiftische Rat, daß Italien angesichts des neuen Ter­mins vom 15.Dezember als Zeichen seines guten Willens 1 2U i H. Dollar zahlen wird in der Erwartung, daß die endgültige Rege­lung dieses Soll- und Haben-Kontos, das aus dem Kriege stammt, abschliehen wird.

*

Zu diesem Beschluß des Großen Faschistischen Rates meldet Reuter aus London: Bezüglich der Reform des Völkerbundes muh nach italienischer Ansicht eine Revision in drei Richtun­gen erfolgen:

1. die Beschränkung des Rechts der kleineren Mächte, ihre Stimme über Probleme abzugeben, die sie nur teil­weise berühren;

2. die Vereinfachung des Völker- bundsverfahrens; man ist in Rom der Ansicht, daß augenblicklich die endlose hinausziehung der Erörterungen und die Vermehrung der Ausschüsse einen Fortschritt so gut wie unmöglich machten;

3. die Befreiung des völk'rbundes vom Rahmenwerk des Versailler Ver­trages und anderer Rachkriegsverträge.

Dagegen ist in Italien stets unerbittlich gekämpft worden; man ist der Ansicht, daß dies den Völker­bund zu einer Einrichtung f ü r die Wah­rung der Belange der Sieger ft aalen und der Herrschaft Großbritanniens und Frankreichs macht. Die Folge war, daß die europäischen Ratio­nen in zwei Gruppen geteilt wurden, dieBe­sitzenden" und dieBesitzlosen". Man vertritt in Rom den Standpunkt, daß der Völkerbund durch eine radikale Revision ;u einer wirklich uni­versalen Körperschaft gemacht werden müsse. Ieht, da der Große Faschistische Rat seine Drohung gegen Genf gerichtet hat, erwartet man nicht, so schließt die Reutermeldung, daß irgendeine weitere Aktion in der nahen Zukunft folgen wird.

*

Der Beschluß des Faschistischen Großen Rates, des Obersten Politischen Organs des Faschistischen Re­gimes, über das Verhältnis Italiens zum Völker­bund bestätigt die Grroartung, die sich in den letzten Wochen aus der Haltung der italienischen Presse entnehmen ließ. Nach Rußland, Amerika, Japan uni) Deutschland hat sich nunmehr a I s fünfte Großmacht Italien vom Völker­bünde distanziert, allerdings nicht durch seinen for­mellen Austritt, sondern durch die Forderung nach einem völligen Umbau der Genfer Insti­tutionen. Indem Italien seine weitere Mitgliedschaft von der baldigsten Durchführung dieser Reform der Verfassung und der Ziele abhängig macht, richtete es an Genf ein Ultimatum, das auf alle Fälle das Ende des Völkerbundes, so wie er jetzt i st, bedeutet; denn ohne die weitere Mitarbeit Ita­liens würde dieser Bund zu einer ausschließlich eng­lisch-französischen Interessengemeinschaft, in der die anderen Mitglieder nur eine Zuschauerrolle zu spie­len hätten, herabsinken. Dem italienischen Reform­programm liegt demgegenüber der Gedanke einer Arbeitsgemeinschaft aller Groß­mächte zugrunde. Das schließt aber aus, daß der neue Völkerbund wieder mit bestimmten politischen Tendenzen und Friedensdiktaten in Zusammenhang gebracht und zum Inst ument ihrer Aufrechterhal- tung gemacht wird. De-Halb verlangte Italien seine Loslösung vom Versailler Vertrag und den änderen Rachkriegsoerträgen. Die neue Gemein­schaft müßte also auf einer objektiven und neutralen Grundlage aufgebaut werden, wie sie zum Beispiel im Kelloggpakt angebeutet ist.

Eine großzügigere politische Linie würde auch, wie man in Italien seit langem richtig erkannt hat, ein einfacheres und schnelleres Verfahren ermöglichen. Der Wortlaut der Aus­führungen Mussolinis über diese Reform liegt noch nicht vor, doch läßt sich schon aus den Beschlüssen des Großen Rates entnehmen, daß es sich für Ita­lien im wesentlichen um eine Erweiterung des Viermächtepaktes ins Universelle han­delt. Es wird nicht ausbleiben, daß die gleichen Widerstände bei denjenigen Staaten hervortreten, Die Mussolini diebeati possidentes" nennt und die bereits durch den Viermächtepakt ihre Interessen gefährdet sahen. Aber auch diese Länder werden

sich allmählich damit abfinden müssen, daß der Völ­kerbund mit feiner auf die Wünsche der Siegerstaa­ten zugeschnittenen Verfassung und Zielsetzung nur eine Uebergangserfdjeinung sein konnte und schon jetzt praktisch der Vergangenheit angehört.

Professor Bleyer gestorben.

Der Führer des ungarischen Deutschtums.

Budapest, 5. Dez. (TU.) Universitätsprofessor Jakob Bleyer, der Begründer und Führer des Deutschen Volksbildungsvereins in Ungarn, ist Dienstagabend an einem Herzschlag, den er infolge einer eitrigen Gallenentzündung erlitt, gestorben.

Professor Bleyer wurde 1874 in Dunacse im Komitat Bacs-Bodrog als Sohn eines Landwirts geboren. Er studierte in München, Leipzig und Bu­dapest, habilitierte sich 1908 an der Universität Klau­senburg, bis ihn 1911 die Budapester Universität zum Professor der deutschen Literatur berief. Prof. Bleyer war Mitglied der Deutschen Akademie in München, Senator der Universität Tübingen, füh­rendes Mitglied mehrerer ungarischer Unterrichts­vereinigungen. Auch in der Politik spielte er eine große Rolle und war Minister verschiedener Regie­rungen. Sein plötzliches hinscheiden ruft sowohl in der ungarischen Öffentlichkeit, als insbesondere un­ter der deutschen Minderheit größte Trauer hervor.

Oie englisch-irische Krisis.

England weicht aus.

Wunsch nach freundschaftlicher Zusammen­arbeit im Rahmen des Empire.

London, 5. Dez. (TU.) Die englische Ant­wortnote auf die Anfrage b e V a l e r a s, welche Stellungnahme die englische Regierung im Falle der Ausrufung einer irischen Republik einnehmen würde, wurde am Dienstag dem irischen Oberkommissar in London eingehändigt. Dieser teilte die Antwort sofort fernmündlich dem irischen Mini­sterpräsidenten mit.

Der Inhalt der englischen und irischen Rote wurde am Dienstag nachmittag vom Dominionminifter Thomas im Unterhaus unter größter Spannung der Abgeordneten milgeteilt. Thomas verlas zu- nächst die Rote de Valeros. Der irische Minister­präsident weist darin auf die von Thomas vor drei Wochen im Unterhaus abgegebene Erklärung hin, daß der irische Freistaat als Mitglied des englichen Weltreiches vollkommene Freiheit habe, seine eigenen Angelegenheiten zu ordnen. Wenn Irland jedoch seine Verant­wortlichkeit als We11reich s m itglied ab lehne, bann könne es in Zukunft auch bie Rechte der Mitgliedschaft nicht mehr genießen, hierzu erklärt be Dalera u. a.: Das irische Volk habe niemalsfreiroilligbie Mit­gliedschaft des englischen Weltreiches angestrebt. Ir­land habe sich vielmehr unter dem Druck ma­terieller Gewalt der englischen Herr- schäft gebeugt und habe den englisch-irischen Vertrag von 1921 nur angenommen, weil England mit sofortigem Kriege gedroht habe. Es habe den Vertrag aber nicht als endgültig

Regelung seiner Beziehungen zu England ange­nommen, umsoweniger, als England aus dem Ver­trag ein ständiges Recht herleite, sich in die verfassungsmäßige Entwicklung Ir­lands einzumischen. Eine bauernde Freund­schaft könne auf der Grundlage der gegenwärtigen englisch-irischen Beziehungen nicht erreicht werden, de Valero fragt dann an, wie sich England im Falle einer Ausrufung der Irischen Republik ver­halten würde.

Die englische Antwort Ist ausweichend ge­halten und lehnt von vornherein die Formulie­rungen de Baleras über die englisch-irischen Be­ziehungen ab. Da die englische Regierung nicht in der Lage sei, die Behauptung anzunehmen, daß eine dauernde Freundschaft auf der Grund­lage der gegenwärtigen Beziehungen nicht er­reicht werden könne, sehe sie keinerlei Grund, eine auf diese Behauptung gestützte Anfrage zu beantworten. Die englische Regierung könne nicht glauben, daß der irische Freistaat die endgültige Ablehnung sei­ner Vertragsoer pflichtuugen in der vorgeschlagenen weise erwäge. Sie fühle sich daher nicht zu der Mitteilung berufen, welche Stellungnahme sie unter Umständen ein- nehmen würde, die sie als völlig hypo- t h e s i s ch betrachte. Zum Schluß erklärte Tho­mas, daß England noch wie vor den Wunsch zur freundschaftlichen Zusammen­arbeit mit Irland innerhalb des Rahmens des englischen Weltreichs

Hobe.

Verständigung über den Fernen Osten?

Ein Versuchsballon.

Will Japan den Bereinigten Staaten einen Neutralitätsvcrtrag anbietcn?

Tokio, 4. Dez. (TU.) Die japanische Zeitung I o m u r i" veröffentlicht eine Meldung, wonach der japanische Außenminister 5) i r o t a beabsichtigen soll, der amerikanischen Regierung demnächst fol­gende Vorschläge zu unterbreiten:

1. Japan erkennt die amerikanischen Rechte auf die Philippinen an und spricht sich für die Aufrechterhaltung der amerikanischen Vorherrschaft dort aus;

2. Japan erkennt sämtliche Verträge an, die sei­nerzeit zwischen China und Amerika ab­geschlossen morden sind;

3. Japan gewährt Amerika gewisse Vorrechte für den Handel mit Mandschukuo;

4. Die Vereinigten Staaten erkennen die japani­schen Rechte im Fernen Osten besonders in der Mongolei und Mandschurei an;

5. Die Vereinigten Staaten verfolgen die Poli­tik der Neutralität im Falle eines Krieges zwischen Japan und einer anderen Macht;

6. Die amerikanische Regierung verzichtet auf bieUnterstützung von irgendwelchen po­litischen oder wirtschaftlichen Maßnahmen, die ge­gen den japanischen Handel gerichtet find und van anderen Mächten ausgehen;

7. Japan ist bereit, mit den Vereinigten Staaten über den Abschluß eines Schiedsge - richtsabkommens zu verhandeln;

8. Japan und Amerika o er ftänbig en s i ch über eine gemeinsame Politik in China;

Das japanische Außenministerium hat bie Mit­teilungen des Blattes nicht dementiert.

Oer amerikanisch-japanische Hkoiten- weilbewerb im varifik.

London, 5. Dez. (WTB.) Der Marinernitorbei- ter des Daily Telegraph widmet heute dem Flotten­wettbewerb im Stillen Ozean zwischen den Vereinig­ten Staaten und Japan einen Artikel. Er bemerkt, es entwickele sich jetzt im Stillen Ozean eine Lage, die eine unheilvolle Aehnlichkeit mit der im Jahre 1 920/21 Hobe. Beide Mächte bauten Kriegsschiffe in riesigem Maße.

Der Korrespondent lenkt auch die Aufmerksamkeit auf die Schaffung von Flottenstützpunkten im Stillen Ozean von Seiten Japans und der Ver­einigten Staaten und hebt hervor, daß dadurch un­vermeidlich die beiden Flotten in nahe Füh­lung gebracht würden.

Qlwinows Besuch in Rom.

Die italicnisch-rufsifche Freundschaft.

Rom, 5. Dez. (WTB.) Litwinow verlas vor der ausländischen Presse eine Erklärung, in der er alleVermutungen und Kombinationen" der Presse über den Zweck seiner Romreise in Abrede stellte. Mit seinem Besuch habe er in erster Linie der Genugtuung über die zwischen Sowjetrußland und Italien seit lan­gem bestehenden Beziehungen Ausdruck geben wollen. Es habe sich kein Konflikt und f a ft keine Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Ländern eingestellt, die aus ihrer wirtschaftlichen und politischen Zusammen­arbeit nur Nutzen ziehen konnten. Ausgehend von dem gemeinsamen Wunsch der Sicher st ellung des allgemeinen Friedens und von der Notwendigkeit einer dahin zielenden internationalen Zusammenarbeit haben sich von neuem eine Menge Berührungspunkte in der Politik der beiden Län­der ergeben. Alles, was den Frieden fördert ober garantiert, kann mit Sicherheit auf die Zustim­mung Sowjetrußlands rechnen, während es alle zweifelhaften Kombinationen ablehnt. Die Bespre­chungen über bie internationalen Probleme, bie er in ben letzten Wochen mit dem französischen Außen­minister Paul-Boncour, mit dem Präsiden­ten Roosevelt und mit dem italienischen Regie­rungschef Mussolini gehabt habe, hatten nicht nur ben Beziehungen zwischen ben entsprechenden Ländern, sondern auch der Sache des allgemeinen Friedens gedient. Auf einige Fragen antwortete Litwinow u. a., baß er noch keine endgültige Ent­scheidung über seinen Reiseweg getroffen habe. Sollte er über Berlin fahren, so werde sein Auf­enthalt nur vorübergehend und ohne amtlichen Charakter fein, auch wenn er einen Vertreter der Reichsregierung treffen sollte. Für das Scheitern der Abrüstungskonferenz sei von ihm in Neuyork weder Japan, noch Deutschland genannt

ober gar verantwortlich gemacht morden. Ein E i n« tritt Rußlands i n den Völkerbund sei eine Frage ohne aktuellen Wert. Was eine Aenderung der Beziehungen der Kleinen En­tente zu Sowjetrußland betreffe, so habe die russische Regierung immer den Wunsch und sei auch bereit, mit allen Regierungen in guten Beziehungen zu stehen Es hänge von der Kleinen Entente ab, einen entsprechenden Wunsch vorzubringen. Mit dem Vatikan schließlich habe er in Rom kei­nerlei Fühlung gehabt.

Am Dienstagmittag gab der amerikanische Botschafter zu Ehren Litwinows ein Frühstück, am Nachmittag hatte der türkis ch e Bot­schafter den russischen Gast zu einem Teempfang geladen. Um 21.30 Uhr erfolgte die Abreise Litwinows. Er trifft am Donnerstag vormittag zu kurzem Aufenthalt in Berlin ein. Im halb­amtlichenGiornake d ' I t a l i a" faßt Gayda im Anschluß an Litwinows Feststellungen, daß Italien und Rußland außenpolitisch viele Berüh­rungspunkte und gemeinsame Ansichten hätten, diese gemeinsame Politik dahin zusammen: Keine Allian­zen und Blockbildungen, keine Einmischung in die Innenpolitik anderer Länder, Bevorzugung klarer Situationen und konkreter Taten, Ablehnung verzögernder Methoden und juristi­scher Verklausulierung. Böide Länder glaubten nicht an bie Möglichkeit allgemein gelten­der Lösungen unb richteten baher ihr ganzes poli­tisches Streben auf bie Schaffung unmittel­barer Beziehungen zwischen ben verant­wortlichen Faktoren ber Weltorbnung.

Das Alkoholverbot aufgehoben.

Amerika feiert den ersten nassen Tag.

N e uy o r k, 6. Dez. (TU.) Wie aus Sait Lake City gemeldet wird, hat der Staat Utah als 36. Staat um 16.45 Uhr Neuyorker Zeit (22.45 Uhr MEZ.) für die Abschaffung der Prohi - b i t i o n gestimmt. Damit ist die Entscheidung über bas Enbe ber Prohibition in ben Vereiniaten Staa­ten gefallen. Präsibent Roosevelt erklärte amt­lich, baß bas amerikanische Alkvhokverbvt um 18.55 Uhr Neuyorker Zeit auf gehoben sei. Durch biefe formelle Erklärung werben vier Nvtsteuern, bie insgesamt 227 Mill. Dollar ergeben sollten, außer Kraft gesetzt, ba sie vom Kongreßbis zum Wiberruf ber Alkoholverbots" erlassen waren. Der ftelloertretenbe Staatssekretär Philipps hat eine Proklamation über bie Beseitigung ber Prohibi­tionsvorschriften erlassen. Die Prohibitionsvorfchrif» ten, bie bekanntlich im 18. Zusatz zur Ver­fassung ber Vereinigten Staaten nie» berqelegt finb, können auch nur burch einen Ver­fassungszusatz roieber beseitigt werben. Dieser Zu­satz, ber nunmehr ber 21. ist, tritt mit dem Erlaß der Proklamation in Kraft. Die Nachricht von ber Ratifikation Utahs wurde durch Rundfunk über das ganze Land verbreitet. Die Zeitungen gaben Ertrablätter aus. In allen Städten hatte sich bie Bevölkerung auf ben Straß-m ver­sammelt unb brach beim (Eintreffen ber Nachricht in frenetischen Jubel aus. In Neuyork würbe eine Puppe, bie bie Prohibition verlornem sollte, von ber jubelnben Menge an einen Maft ber Straßenbeleuchtuna gehängt. Nach ber feierlichen Hinrichtung wurde sie wieder von ihrem improvisierten Galgen herabaebolt unb in einen Sara gelegt. Von riesigen Menlch-nmassen begleitet setzte sich bann biefes Soottaobilhe eines Trauerzuges burch bie wichtiasten Straßen h»r Stabt in Bewegung. DerLeichenwagen" würbe von einem Kamel gezogen.

Frankreichs unsichtbares Bollwerk.

Paris, 5. Dez. (TU.) Der Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, Guy la Chambre macht zur Zeit eine Inspektionsreise burch bie ostfranzösilche Befestigungsanlagen, um bie Unterkunftsmöglichkei­ten ber Truppen zu prüfen. Ein Vertreter des Journal", der den llnterftaatsfefretär auf feiner Reife begleitet, unterstreicht noch einmal bie vor- zügliche Anlage biefer Bollwerke, bie von außen völlig unkenntlich feien. Unter» irbifche Gänae pflamten sich nach allen Richtungen fort, ohne daß der Uneingeweihte feftfteden könne, wohin sie führen. Die Truppe, bie in ben Befesti» aungsanlagen Wache halte, werbe alle 24 ober 48 Stunben abgelöft unb verbringe ihre Ruhe­tage in ben Lagern, bie jeweils wenige Kilo­meter Hinter ber Festungskette eingerichtet siien. In biefer zweiten Linie feien Lazarette mit Zentral» heizuna, Svortvlätze, Bibliotheken unb Berfamm- lungsfäle mit Runbfunkemvfänqern eingerichtet. Sie Grenzbefeftiaungswerke selbst befänben sich fernab von jeber Sieblung.

Verbot politischer Beta'iqung für katholische Geistliche in Oesterreich.

Wien, 5. Dez. (ERB.) Das erzbischöfliche Orbi- natiat in Wien teilt mit: Rach reiflicher Ucber- legung, ob es günstig ober ungünstig fei, baß f a- thotis che Geistliche unter ben gegenwärtigen besonders heiklen politischen Verhältnissen als po­litische Mandatare sich weiter betätigen, hat die österreichische Bischofskonferenz ben Beschluß gefaßt, die für die Ausübung des Man­dats erforderliche bischöfliche Zustimmung vorüber­gehend und allgemein zurückzunehmen. Geist­liche, die Mandate als Rationalräle, Bundesräle, Landlagvabgeordnele ober Lanbesräle, Gemeinde-