Ausgabe 
6.9.1933 Erstes Blatt
 
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für d i e Arbeitslager ausgebildet mürben T und Brown sagt, daß er sich alles habe mieten und auch Ausbildungspläne mit sich nehmen können. Er selbst sei kein Faschist, aber er setzte sich dafür ein, daß man mehr als bisher in England versuchen solle, den deutschen Stand­punkt zu v e r st e h e n.

Einstein verleugnet sein Braunbuch.

Berlin, 5. Sept. (ERB.) Das vor einigen Tagen in London herausgekommeneBraun» buch gegen den Hitler-Terro r",heraus­gegeben vom Aktionskomitee (Ein st ei n)", muß schon nach wenigen Tagen das peinliche Schicksal erfahren, von seinem geistigen Bater ver­leugnet zu werden. Kaum zwei Tage war das Buch erschienen, da veröffentlicht Einstein eine Er­klärung, wonach er jede Beziehung z u sei­nem Buch ab st reitet. Das Abrücken E in­st e i n s von dem Braunbuch wird in Berliner politischen Kreisen als ein nicht e r n st zu neh­mendes Manöver angesehen, das in keiner Weise dazu angetan sei, Einstein irgenbtöie zu ent­lasten. In Berliner politischen Kreisen weist man barauf hin, baß das Buch von dem Aktionskomitee (Prof. Einstein) herausgegeben wurde. Diese Tat­sache rolfcbe in dem Braunbuch ausdrücklich f e st g e st e l l t; auch enthalte das Buch zahl­reiche Berufungen auf Einstein. Eine Londoner jüdische Sonntagszeitung schreibt, daß das Buch dadurch einenbesonderen Wert" erhalte, daß es von dem Aktionskomitee unter der Präsi­dentschaft Albert Einsteins herausgegeben worden sei.

Das Braunbuch stellt sich als ein absolut geistloses kommuni st isches Machwerk dar, das auch zahlreiche Widerspräche enthält. U. a. wird behauptet, daß die deutsche Regierung bzw. die Nationalsozialistische Partei van der Lubbe nach Deutschland geholt habe, mit dem Auftrag, das Reichstagsgebäude in Brand zu stecken. Im Gegensatz hierzu steht eine andere Stelle des Buches, wo es heißt, daß van der Lubbe völlig mittellos 14 Tage lang auf den deutschen Landstraßen nach Berlin gewandert sei. Als kommunistisches Agitationsmittel kennzeichnet sich das Buch, wenn in ihm nach gesteigerter revo­lutionärer Tätigkeit der Arbeiterschaft im Sinne der 3. Internationale aufgerufen wird und wenn am Schlüsse die Kommuni st en Torgler und Thälmann verherrlicht werden. Aber nicht nur der Inhalt, sondern auch der Preis des Buches es kostet nicht weniger als 18 Reichsmark stellt eine ziemliche Zumutung der Herausgeber an das internationale Publikum bar.

pauwels lehnt Verteidigung van der Lübbes ab.

Amsterbam, 5. Sept. (ERB.) Der Amster- bamer Strafverteidiger Pauwels hat der Auf- forberung der Familienangehörigen van der Lübbes, von der von ihm beabsichtigten Uebernahme der Verteidigung des Reichstagsbrandstifters abzusehen, stattgegeben, weil sich herausgestellt habe, daß die Familie van der Lübbes vollkommen unter dem Einfluß des bolschewisti­schen von-der-Lübbe-Komitees stehe. Da dieses Komitee sich in die Angelegenheiten der Verteidigung einzumischen suche, müsse er seine Absicht, van der Lübbe zu verteidigen, auf­geben.

Wie die Neichsautobahn in Bayern geführt werden wird.

München, 5. Sept. (ERB.) Ein Mitglied der obersten Bauleitung für den Bau der Krastfahr- zeugbahn MünchenLandesgrenze (Salzburg) ge­währte einem Redaktionsmitglied desVolk. Beoo." eine eingehende Unterredung über den Stand der Vorbereitungsarbeiten. Die Straße wird von München durch den Weifenhofer und Hoftodin- ger Forst in die Gegend östlich von Holzkirchen führen. Diese Teilstrecke soll voraussichtlich zuerst ausgebaut werden. Dann biegt die Linie nach Osten ab, läuft den Seehammer See entlang und geht an das S ü b u f c r des Chiemsees. Es ist beabsichtigt, die Kraftfahrbahn südlich von Traunstein nach Südosten abzweigen au lassen, um sie über Illzell nach Reichenha11 zu füh­ren. Noch in diesem Winter kann mit der Ver­gebung gewisser Arbeiten gerechnet werden. Die Gesamtlänge der neuen Straße wird 120 Kilometer betragen. Die Straße wird verhält­nismäßig gradlinig gezogen werden. Der Bau er­möglicht vielen Tausenden von Menschen auf eine Reihe von Jahren Broterwerb.

Normale Beziehungen zu Nußland.

Pariser Störungsversuche.

Berlin, 5. Sept. (END.) In der ausländischen Presse ist im Zusammenhang mit der Reise des sowjetrussischen Botschafters in Berlin Chinchuk nach Rom in sehr verworrener Form davon die Rede, baß Botschafter Chinchuk mit Mussolini über bie deuts ch ° russischen Beziehungen verhandeln soll. Der PariserMatin" führt in die­sem Zusammenhang sogar noch weiter aus, daß man in Deutschland beabsichtige, bie w e i ßgar- distischen Kreise zu unterstützen und die Ukraine selb ständig zu machen.

Von maßgebender politischer Seite wird dazu be­tont, daß die deutsch-russischen Beziehungen durch­aus normal sind. Der kürzlich abgeschlossene ita­lienisch-russische Vertrag ist gleich­lautend mit dem schon lange bestehenden deutsch-russischen Vertrag, so daß auch hier­durch keine Aenderung der deutsch-russischen Bezie­hungen zu erwarten ist. Was die Querschüsse und die Vernebelungsversuche der Pariser Presse und vor allem desMatin" betrifft, so kann demgegen­über nur festgestellt werden, daß, wie auch die amt­liche russische Politik sehr genau weiß, Deutschland nicht die Absicht hat, in irgendeiner Form in das staatliche Leben Rußlands einzugreifen.

Kriegsschiffe gegen Kaffee.

Tokio, 5. Sept. (TU.) Die japanische Schiffs­baueroereinigung wird am 20. September zusam­mentreten, um über den von Brasilien erteil­ten Auftrag über den Bau von 30 Kriegs­chiffen zu beraten. Das brasilianische Schiff- lauprogramm, das sich über zwölf Jahre er- treckt, sieht den Bau von drei Kreuzern, neun Zer- törern und 18 Unterseebooten vor. Die Kosten hierfür werden auf über 180 Millionen

Y e n veranschlagt. Der eingesetzte Ausschuß soll die Schwierigkeiten ausräumen, die durch die brasilia­nischen Bedingungen, die Hälfte des Prei­ses in Kaffee und Manganerzen zu be­gleichen, bestehen.

Aus aller Wett.

Das Eisenbahnunglück im Staate Neuyork.

Neuyork, 6. Sept. (WTB-Funkspruch.) Wie bas Reuter-Büro in Berichtigung seiner ersten Mel­dung mitteilt, hat es sich herausgestellt, daß bei dem schweren Eisenbahnunglück in Binghampton nur 14 Tote und 20 Verletzte zu beklagen sind.

Um das Skelett des Sultans INkwawa.

Die Wiederaufindung des Skeletts des Sultans M k w a w a , des Tanganjika-Häuptlings, der sich seinerzeit gegen die Deutschen erhob und bann Selbstmorb begangen hatte, ist, wie ein Brief inEast African-Stanaard anbeutet, wahrscheinlich schon vor zwölf Jahren erfolgt, aber bisher geheim- gehalten worben. Im Versailler Vertrag mar be­stimmt worden, daß dieses Skelett von Deutschland ausgeliefert werden solle, und trotz der Ver­sicherung der deutschen Behörden, daß es sich gar nicht in Deutschland befinde, haben immer wieder Verhandlungen darüber stattgefunden, in deren Verlauf Deutschland auch böser Wille nachgesagt wurde. Malcolm Roß, ein Land- und Häuser­makler in Tanga, berichtet jetzt, daß er chon im Jahre 1921 in seiner Eigenschaft als Sachwalter ehemaligen Feindgutes in der Wohnung eines Be­

zirksbeamten des Bukoba, worin sich früher bie Geschäftsräume ber Firma Bahr 8t Co. befanden, eine Kiste entbeckte, in ber wieder in e ner zweiten Kiste ein Skelett eingepackt war. Er könne zwar nicht ganz bestimmt sagen, ob dieses Skelett Mkwawa war, aber auffallend sei die sorgfältige } Art der Verpackung gewesen. DerTimes"-Bericht sagt, daß, wenn dieses Skelett das des Sultans ge­wesen sei, dies die deutsche Behauptung beweifen würde, daß nämlich das Skelett niemals aus Deutsch-Oftaftika herausgebracht worden fei. Dieses Eingeständnis sucht ber Berichterstatter dann aber sofort abzuschwächen, indem er meint, daß das er­wähnte Skelett vielleicht auch em archäologischer Fund gewesen sei.

Großer Erfolg des Fischtages in Hamburg.

Die Anregung des Hamburger Senats und des Magistrats von Altona, zur Förderung des Fisch­verbrauchs einen Fischtag einzuführen, ist bei ber Groß-Hanrburger Bevölkerung auf fruchtbarsten Boden gefallen. Der letzte von allen staatlichen und städtischen Behörden unterstützte Fischtag war ein voller Erfolg. Zahlreiche Fischgeschäfte hatten schon am Mittag ihre Vorräte ausverkauft, so daß die Annahme berechtigt erscheint, daß in der über­großen Mehrzahl aller Hamburger Familien nur Fischgerichte auf den Tisch kamen. Im Hamburger und im Altonaer Fischereihafen löschten insgesamt zehn Fischdampfer ihre Ladung, und die Fischhänd­ler haben z. T. die dreifache Menge ihres sonstigen Bedarfs eingetauft.

Neue Revolution auf Kuba.

Oie Armee meutert.Oer Präsident zurückgetreten.-Eine linksradikale Junta bildet die provisorische ^Regierung.

Havanna, 5. Sept. (TU.) In Kuba hat die gesamte Armee, Marine und Polizei gemeutert und ihre Offiziere abgesetzt. Die Un­teroffiziere haben bie Führung übernommen. In ber Nacht mürben ben Offizieren in den verschiebe- nen Garnisonen unb Kasernen von ben Unteroffi­zieren erklärt, baß sie abgesetzt seien unb baß ihr Widerstand keinen Zweck habe. Die Soldaten hatten sich in denBesltz derWaffen undMu- n i t i o n gesetzt und erklärten, daß sie nötigenfalls kämpfen würden, falls man ihnen Schwierigkeiten in ben Weg lege. Offiziere in ben Provinzen tele­phonierten an ihre Vorgesetzten in Havanna unb baten um weitere Anweisungen. Ihnen würbe mit­geteilt, baß man die Revolution als eine Tatsache hinnehmen solle. Der Führer ber Truppen ist jetzt, soweit festgestellt werben kann, ber Sergeant B a t i st a. Der Sergeant Gonza » l e 3 hat bie Führung ber kubanischen Marine über­nommen, währenb der Leutnant Laurent das Kommando über bie Polizeistreitkräfte hat. Die neue Revolution richtete sich gegen bie Regie­rung bes Dr. Cespedes, dem man zum Vor­wurf macht, daß er nicht genug revolutio­när sei. Die Studenten unb bie nieberen Char­gen ber Marine Haden sich ben Meuterern a n a e s ch l o s sie n, bie in Havanna an den bie Stabt deherrschenben Punkten, besonders an ben Straßenecken, Maschinengewehre in Stel­lung gebrockt haben. Die Offiziere sinb von ben Aufttändischen gefangen genommen worben. Wie man hört, beabsichtigen bie Meuterer, eine linfsrabifale Regierung einzu­setzen.

Präsibent de C e s p e b e s ist, dem Druck ber revolutionären Massen weichend, zurückgetre- t e n. Die unter Führung des Kommunisten Carbo stehende Junta hat die provisorische Regierung übernommen. Die neue provisorische Regierung, der

neben dem kommunistischen Journalisten Carbo ber Unioersitätsprofessor San Martin unb ber Ser­geant 23 a t i ft a angehören, hat in einem Aufruf erklärt, sie werde Leben unb Eigentum aller Bür­ger schützen und die finanziellen Verpflichtungen bes Staates erfüllen. Sie werbe roieber zurücktreten, sobald eine endgültige Regierung auf Grund von Wahlen gebildet sei.

In Havanna herrscht nach wie vor Ruhe. Die Straßen ber Stabt werden von Aufständischen mit Maschinengewehren bewacht. Außer ber Polizei, bie sich sofort ben revolutionären Solbaten angeschlossen hat, unterstützen auch bie stubentischen Verbänbe und die geheime Vereinigung ABC. die Bewegung. In Santiago stehen ebenfalls alle Soldaten und Studenten auf Seiten der Revolution. Der Oberst D e l g a b o , ber mit seinen Truppen den bisherigen Präsidenten unterstützt hatte, erklärte, daß nach der Meuterei ber Truppen ein Ein­greifen ber Vereinigten Staaten die beste Lösung für Kuba sein würbe. Die höheren Offiziere sollen von den aufständischen Truppen im Lager von Colombia eingeschlossen worden sein. Vier Mitglieder ber Geheimpolizei bes Präsi­denten Machado wurden gestern vomPöbel er­mordet, der ein Arsenal plünderte und sich mit Waffen versah. Soldaten legten sich ins Mittel und verhinderten weitere Plünderungen.

Amerika will abwarten.

Washington, 5. Sept. (TU.) Die amerika­nische Regierung hat beschlossen, gegenüber ben Er­eignissen in Kuba völlige Unparteilichkeit zu wahren. Präsibent Roosevelt hat bem Gesanbten Welles entsprechende Anweisungen erteilt. In Havanna sind alle dort nicht ansässigen Amerikaner im HotelNational" untergebracht worden. Ein amerikanischer Zerstörer hat in der Nähe des Hotels Anker geworfen.

Der korporaltve Mklschastsstaat in Italien.

Italiens nationale Revolution ging ber deutschen um eine Reihe von Jahren voraus. Aber mit dem Neuaufbau ber Wirtschaft ist Mussolini außerordent­lich langsam unb zögernd vorgegangen. Man darf nicht vergessen, daß die italienische Wirtschaft vor der Machtergreifung bes Faschismus schon weit­gehend durch marxistische Kräfte und Organisatio­nen durchsetzt war. Langsam und schrittweise, vor­sichtig zwischen kapitalistischen und sozialistischen Jdeengängen sich vorarbeitend hat der Faschismus den Neubau bes korporativen Wiri­sch a f t s st a a t e s in Angriff genommen. Jetzt steht dieser vor ber Dollenbung.

Bisher gab es in Italien nur bie einzelnen Syndikate" ber Arbeitgeber unb A r - beitnehmer. lieber ihnen stand ber Natio­nalrat der Korporationen, ber etwa un­serem früheren beutschen Reichswirtschaftsrat ver­gleichbar ist. Der Unterschieb besteht nur darin, daß dieser eine parlamentarische Körperschaft war, wäh­rend der italienische Nationalrat ber Korporationen bie höchste Spitze der neuen faschistischen Wirtschafts­leitung barftellt. Aber Mussolini hielt es für nötig, bie Verbindung zwischen diesem Nationalrat und den Syndikaten erst nach deren innerer Neugestaltung herzustellen. Etwa sieben Jahre hat es gedauert, bis diese in Italien besonders schwierige Aufgabe ge­lost war. Jetzt hält Mussolini den Augenblick für ge­kommen, um als Bindeglied zwischen dem Nationalrat unb ben Einzelorganisationen der Ar­beitgeber und Arbeitnehmer die Korporatio­nen ins Leden zu rufen, die künftig die eigentlichen Träger des neuen faschistischen Wirtschaftsgebäu­des werden sollen. Schon vor etwa zwei Monaten ist in einer Sitzung bes korporativen Zentralkomi­tees ber Beschluß gefaßt worden, nunmehr die Kor­porationen zu schaffen, die sich als Organe bes Staa­tes auf bem Gebiete ber wirtschaftlichen Beziehun­gen zwischen ben oerschiebenen Gruppen als aus- gleichende Faktoren betätigen sollen. Ihre besondere Aufgabe besteht darin, auf eine einheitliche Diszi­plin der Produktion hinzuwirken.

Tatsächlich ist hier etwas ganz Neues im Werden. Darum hat es so lange gedauert, bis man sich über die Verwirklichung ber Idee des korporativen ita­lienischen Wirtschastsstaates geeinigt hat. lieber bas Ziel ber Wirtschaftsreform waren sich die maßgeben­den Kreise bes Faschismus natürlich längst klar. Aber sie wollten keine Experimente machen, nicht bie gerade in ben romanischen Ländern so sehr gefürchtete ^Dirtschaftsbürokratie ins Leben rufen, sonbern lebendige Organisationen, die von ber Mit­arbeit ber besten Kräfte ber italienischen Wirtschaft, ber Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer, getragen werden.

Man würde dem Wesen und der Bedeutung ber faschistischen Korporationen nicht gerecht werden, wenn man sie etwa nur als Arb eitsgemein-

schäften der Unternehmer- und'Arbeiterverbände bezeichnen wollte. Das sind sie natürlich auch. Sie bedeuten bie endgültige Ueberroinbung unb die Aus­schaltung bes Klassenkampfgedankens aus dem so­zialen Leben bes italienischen Volkes. Ader sie sind noch weit mehr, benn es werben ihnen die wichtig­sten Funktionen, bie ber Staat auf wirtschaftlichem unb sozialem Gebiet besitzt, übertragen. Darum steht an ber Spitze der für jeden einzelnen Berufszweig zu errichtenden Korporation nicht etwa ein von den Vertretern ber Arbeitgeber und ber Arbeitnehmer gewählterUnparteiischer", sonbern ein Unter- Staatssekretär, also ein hoher Regierungsbe­amter.

Die Korporation umfaßt alle ©lieber bes großen Berufszweigs, für ben sie errichtet ist, Unternehmer, Arbeiter und Angestellte, Erzeuger und Händler, Rohstoffproduzenten, Weiterverarbeiter und Verbraucher. Sie ist in dem ihr zugewiesenen Wirkungskreise der Träger des wirtschaft­lichen Ausgleichs und zugleich der Schöpfer einer neuen wirtschaftlichen Ordnung, die ber Staat durch seine eigene Autorität stützt. Sie setzt die Arbeitsbedingungen fest, also auch die Löhne, berät die Regierung in allen wirtschaftlichen und sozialen Fragen, die ihr Fach betreffen, wird bei allen ge­setzlichen Maßnahmen vorher gehört und um ihr Guthaben ersucht, sie vermittelt schließlich bei allen Differenzen und Jnteressenkonflikten, entlastet also hierdurch bie staatlichen Arbeitsämter.

Die wesentlichste Aufgabe ber Korporationen ist also die Ordnung ber Wirtschaft. Sie sichern ben Arbeitsfrieden unb verhindern alle Aus­schreitungen des zügellosen Konkurrenzkampfes. Hier wie dort sollen sie ben wirtschaftlich Schwa­chen stützen. Sie nehmen bamit bem Staate eine seiner wichtigsten Funktionen ab, weil sie biese weit besser als irgenbeine bürokratische Behörde ausüben können. Der korporative Wirtschaftsstaat setzt sich selbst Schranken, um einerseits die Auswirkungen einer schrankenlosen Freiheit wirtschaftlicher Betä­tigung, andererseits die Lahmlegung der privatwirt­schaftlichen Initiative durch eine staatliche Bürokratie und eine von dieser geleitete Planwirtschaft zu oer» meiden. Er will bas Schiff ber Wirtschaft zwischen der Scylla eines hemmungslosen Kapitalismus und ber Charybbis einer sozialistischen ober staatskapi- talistischen Bürokratisierung hindurchsteuern unb in den Hafen einer ruhigen, von den natürlichen Ge­setzen bes Wirtschaftens beherrschten Arbeit leiten.

Daten für Mittwoch, 6. September.

1634: Schlacht bei Nörblingen. 1813: Sieg der Preußen über die Franzosen, Sachsen und Württemberger bet Dennewitz. 1830: Die Braun­schweiger vertreiben den Diamantenherzvg Karl II.

Aus her proviuzialhaupistahl.

Bubenstreiche.

Äon £oni Lauxmann-Kinzelmann.

Wer selber einen Jungen daheim hat, womöglich noch ein paar Mädels dazu, der weiß allerlei über dieses Kapitel zu schreiben. Gerade weil in solcher Familie der Vergleich zwischen dem wilden Jungen unb dem stilleren, artigeren Mädchen so besonders stark ins Auge fällt, wird über Die Streiche des Jungen viel geseufzt.

Wir müssen immer unterscheiden lernen, ob Mut­wille und Uebermut ober bösartige Charakteranlage des Knaben Tun beeinflußt Haden, benn bie aus Lebensübermut unb Kraftfülle entsprungenen Streiche find meist ganz harmloser Natur. Aller­dings wäre es gut, wenn man diese Lebensfülle in andere, bessere Bahnen zu lenken versuchte. Austoben" muß sich nun einmal ein frischer, ge­sunder Junge. Drum bedeutet Spiel und Sport nicht nur eine gesunde Betätigung, sonderen gibt auch dem sprühenden Kampfgeist bestimmte Gren­zen unb Ziele.

Viele Eltern, benen selbst in der Jugend so eine Betätigung versagt ward, nörgeln über dieSport­wut" des Jungen. Doch gerade das Gegenteil wün­schen wir von den Eltern: lebendige, frohe Anteil­nahme, wenn sich die Jugend im Sport die Glieder stählt. Gerade diesesMittun" der Eltern und sei es auch durch einAnteilnehmen" ist für beide Teile von Vorteil.

Wir Erwachsenen müssen überhaupt dem Kinde gegenüber viel mehr in ein Verhältnis des Ver­trauens kommen. Nicht immer verbieten unb be­fehlen sich mit richtigem Verständnis für die jugendliche Seele uns auf sie einstellen. Gerade ein Befehl sei er in unrechter Weise vorgebracht, ober würbe er von dem Knaben nicht ganz ver­standen oder gefühlsmäßig verstanden, bringt den Jungen gar zu gern in eine Kampfstellung gegenüber den Erwachsenen. Er empfindet es dann als gewollte Herrschsucht und lehnt sich dagegen auf.

Man kläre den Knaben in netter Form über bie Dinge des täglichen Lebens auf. Man verbiete ihm einfach nicht basWerfen mit Steinen" oder der­gleichen, sondern erzähle ihm an Beispielen, weich' traurige Folgen ein Steinwurf haben kann, wieviel Unglück schon so eine Werferei gebracht hat. Man mache immer wieder darauf aufmerksam, welche Schuld man auf sich laden kann, wen ein Stein einem andern ins Auge fliegt, und wie, wenn evtl, die Sehkraft zerstört ist, so ein armer Mensch für fein ganzes Leben erblindet ist.

Obststehlen" in fremden Gärten gehört zu den beliebtesten Streichen unserer Buben. Dabei lockt nicht einmal immer bas Obst, denn sie haben oft genug daheim, aber was lockt, ist die Gefahr, in bie man sich begibt, nicht die Beute. Man wandelt da­bei phantasievoll auf den Pfaden seiner Indianer- geschichten.

Wenn man den Jungen vorhält, baß diesDieb­stahl" ist, so sieht man meist völlig erstaunte, über­raschte Gesichter. Denn das diesStehlen" meist gar nicht der Beweggrund solcher Streifzüge war, kann man sich von vielen Erwachsenen aus Erinnerung an ihre Knabenzeit bestätigen lassen. Gerade diese' Aufregung der Gefahr lockt so manchen Knaben zu einem solchen Streich.

Alle diese Streiche aber sind harmloser Natur und verlieren sich, wenn ber Knabe in Spiel und Sport eine andere Richtung seines Lebensübermutes findet.

Dagegen sind bösartige Streiche, wie das Qualen und Täten von Tieren, raffinierte kleinere Dieb­stähle ufw., meist oder immer sehr bedenklich, denn sie zeigen einen schweren Charakterfehler unb einen moralischen Defekt, der zu schwersten Befürchtungen Anlaß gibt. Allerdings heißt es nicht immer sofort ben Stab über solcy einen Jungen brechen. Man versuche genau die Beweggründe ber Tat aufzuklä­ren, benn es gibt auch willenlose Knaben, bie sich schnell ben fremden Einflüssen schlechter Kameraden hingeben. So heißt es auch ben Umgang bes Kna­ben überwachen, benn was ein gutes Elternhaus aufbaut, in kurzer Zeit können es schlechte Spiel­gefährten nieberreißen.

Vertrauen zu eurem Jungen und Vertrauen des Jungen zu euch das ist bas Schönste, was man sich als Eltern wünschen kann. Dadurch wird man­ches Böse verhütet und manch' Großes aufgebaut.

Und macht mal der Junge einen Streich nrr nicht gleich das Schlimmste denken. Fragt unfzre großen Männer, ob sie keine harmlosen 23xben- streiche in ihrer Jugend machten. Sie werden lachend Ja" sagen...

ASOAP. Gießen,

Am heutigen Mittwoch, 21,15 Uhr, ist Zellen- abend der NS. - Frauenschaft Gießen- Mitte, Zelle 2, im Cafe Ebel. Bericht­erstattung über Nürnberg.

Von ber NS. -Frauenschaft Gießen- Nord kommt am morgen Donnerstag, 20,30 Uhr, ber Turn- unb Singekreis unter Leitung von Frl. Messinger erstmalig im Cafä Ebel zu­sammen. m t

Die Ortsgruppe Gießen-Sud oeran- stattet am morgigen Donnerstag, 20,15 Uhr, im Physiologischen Institut, Friedrichstraße, für die Zellen Kliniken (3) und Frankfurter Straße (4) einen Luftschutzkursus. Zu dieser Veranstaltung ist das Erscheinen aller Parteigenossen Pflicht, darüber hinaus sind auch die übrigen Volksgenossen in diesen Straßen zum Besuche herzlich eingeladen.

Büdesheimer Weinsestwoche.

Eine der originellsten Veranstaltungen ist bie Weinfe st woche, die die altberühmte Rheinstadt Rüdesheim alljährlich veranstaltet. In dksem Jahre beginnt die Weinfestwoche am San/stag, 9. September, und endigt am 17. September. An ben beiden Haupttagen (Sonntag, 10., unb Sonn­tag, 17. September) bewegen sich durch die male­rischen Straßen der Stadt Festzüge, die im ersten Teil Küfer und Winzer in ihren Serufstrad/ten und mit ihren Fachgeräten, im zweiten Te'1 ein Spiegelbild der Beziehungen des Menschen zum Wein zu allen Zeiten zeigen. Dazu läuft täglich der Weinbrunnen, einer der begehrtesten Anzie- hungspunkte; auf bem reizvollen Marktplatz Rübes- Heims werden am Samstag, 9., Mittwoch, 13., und Samstag, 16. September, volkstümliche Veranstal­tungen geboten. Zu alledem bewirkt die luftige Weinlotterie, deren am Orte erzeugte Gewinne Wein, Schaumwein, Weinbrand und Pralinen sofort in Empfang genommen werden können, He­bung ber rheinisch-frohen Stimmung. Wer über die Weinfestwoche noch Näheres hören möchte, wenbe sich an ben Verkehrsverein in Rüdesheim. (Siehe heutige Anzeige.)

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwochs Deutsche Arbeitsfront, 20,30 Uhr, Dolkshalle, öffent*