Donnerstag, 6. )uli 1955
Nr. 155 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Wille zur Entspannung in Wien?
fast
ein
lgsiahr
Staate
1.
2.
ihm ein gewaltiger Strahl wird, ift auch deutscher Wunsch.
im bis ist.
barfeit des Bodens sich die Landwirte dort befinden, zeigt ein Brief, den ein deutscher Landwirt in Bio grande do Sul kürzlich an seine Eltern geschrieben. Bor zwölf Jahren ist er in jenes Land ausgewandert und betreibt seit einiger Zeit in einem von Württembergern vor etwa 30 Jahren gegründeten und deshalb Beu- Württemberg genannten Städtchen tief im Innern des Staates seine Landwirtschaft. In seinem
wöchentlich oder wenigstens alle 14 Tage da werden die Knochen mit dem Fleisch
Amend, Tv. Treis a. . _ „ öorf, Ernst Jung, To. Klein-Linden, 182; 29. R. Ohlemotz, Tv. Gambach, 181; 30. Herrn. Gutbub, Tv. 1846 Gießen, Anton Roth, Tv. Steinbach, Hrch. Agel, Tv. Dutenhofen, W. Strack, Tv. Nauborn, A. Schäfer, To. Dutenhofen, Walter Krämer, Tv. Krofdorf, Hans Althaus, To. Leihgestern, K. Schaaf, To. Treis a. d. L., 180; 31. Albert Jäger, Tv. Grünin- gen, Hrch. Kissel, Tv. Aßlar, Fr. Bach, To. Hochelheim, Ernst Fischer, To. Burg-Gemünden, 179; 32.
Ohwald, Tv. Wieseck, 198; 8. Willi Reitz, Tv. 1846 Gießen, Willi Bierau, Tv. Lollar, 194; 9. Karl Schöndorf, Tv. 1846 Gießen, Karl Belten, Tv. Leihgestern, 192; 11. Richard Dreier, Tv. Lang-Göns, 190; 12. Wilh. Hofmann, Tv. Hungen, 189; 13. Wilh. Dern, Tv. Lang-Göns, Hermann Röhl, Tv. Wieseck, 188; 15. Hrch. Hofmann. Tv. Gambach, 186; 17. Gg. Schwan, Mtv. Gießen, 182: 20. Kurt Faber, Tv. Großen-Linden. 177; 22. Ernst Mölcher, Tv. Freienseen, 174; 23. Richard Belten, Tv. Leihgestern, 173; 24. Hrch. Kuhlmann, Tv. Hermannstein, 172; 25. K. Jm- melt, Tv. Freienseen, 171; 27. Fritz Hermann, Tv. Lich, 168; 29. Ernst Emmerich, Tv. Hungen, 166; 30. Karl Weber, Tv. Heuchelheim, 164; 31. R. Günther, Tgm. Wölfersheim, 163; 32. Gg. Rahn, Tv. Groß-Eichen, 162.
Zwölfkampf-Unterstufe (281 Bewerber, 203 Sieger): 1. Otto Peter, Tv. Groß- Eichen, 213 P.; 2. K. Müller, Tv. Biedenkopf, 211: 3. W. Otterbein, Tv. Ober-Ohmen, 209; 4. Hugo Kreiling, Tv. Wieseck, Willi Werner, Tv. Wieseck, 208; 5. Hrch. Rinn, Tv. Heuchelheim, 205 ; 8. Rud. Jung II., Tv. Klein-Linden, Willi Fey, Tv. Burg-Gemünden, 202; 9. Hrch. Schmadel, Tv. Grünberg, 201; 11. 21. Lind, Tv. Freienseen, 199; 12. Rudolf Jung I., Tv. Klein- Linden, Karl Rinn, Tv. Heuchelheim, 198; 13. Fritz Zehner, Tv. Hermannstein, Karl Schäler, Tv. Hungen, Karl Hahn, Tv. Großen-Buseck, 197; 14. Karl Braun, Tv. Hochelheim, Hrch. Zimmer, Tv. Billingen, 196; 15. Hans Textor, Tv. Gro- ßen-Linden, Willi Cllermeier, Tv. 1846 Gießen, 195; 16. Hrch. Weber, Tv. Freienseen, Richard
Brief heißt es:
„Wit der Landwirtschaft ist hier wenig oder gar kein Geld zu machen. Das Kilo Schmalz kostet jetzt für uns nur 1 Milreis (— 25 Pfennig) und Schweinemast mit Auslassen sämtlichen Fettes beim Schlachten ist die Grundlage des Kolonisten. Das ausgelassene Fett wird dann verkauft an die Raffinerien, die es nochmals reinigen und hygienisch einwandfrei zum Versand bringen. Mit dem Fleisch ist kein Geschäft zu machen. Was im eigenen Betrieb nicht verbraucht wird, ist fast unverkäuflich. Bom Kolonisten kauft man Schweinefleisch für 300 Reis das Kilo, das sind etwa 10 Pfennig und weniger. Deshalb zieht man hie a sg sp och ne Spcckschwcine, d. h. solche, die ausgeschlach.et 10 P.ozent Schmalz und nur 30 Pro^eul Knochen und Fleisch geben. Wenn man aus dem Fleisch keine Wurst macht — in Sommer ist das nicht immer möglich auf dem Land und im Winter schlachtet der Kolonist fast
SJL^fpott
Das 60. Bezirksturnfest in Alsfeld
Bei starker Beteiligung hervorragende Leistungen.
Deutsche Landwirte in Brasilien.
Folgendes interessantes Stimmungsbild über die Lage von deutschen Einwanderern geht uns aus unserem Leserkreis zu. Die Landwirtschaft auf der ganzen Erde be- indet sich feit längerer Zeit in der schlimmsten Lage, weil ihre Erzeugnisse im Preis so tief gesunken sind, daß die Kosten des Anbaues nicht gedeckt werden. So ist's bei uns in Deutschland, so auch in überseeischen Ländern z. D. in Bra- ilien. Dort leben Hunderttausende von deutschen Landwirten. Besonders im südlichsten Staate Brasiliens, Rio grande do Sul, haben sich Deutsche seit 103 Jahren niedergelassen. In der Hauptstadt Porto Qllegre ist ihre Zahl so groß, daß man überall auf den Straßen deutsch prechen hört. Die meisten Deutschen, die dorthin auswanderten, sind Landwirte. Sie bauen Getreide, besonders viel Mais, auch Reis an manchen Orten, treiben Obstzucht: Apfelsinen, Pfirsiche usw-, auch Weinbau. Alles gedeiht in dem überaus fruchtbaren noch nicht ausgefogenen Boden. In welch schlimmer Lage trotz der Frucht-
heißen Fett schwimmend so lange gebraten, sie braun sind und alles Wasser heraus Das Fleisch ist vorher eingesalzen worden. Ist es so weit gut, tut man das Fleisch in Gasolin- Bleche (etwa 20 Liter Inhals mit soviel Fett, daß alles bedeckt ist (also luftdicht abgeschlossen). Das hält sich auch im Sommer wochenlang und schmeckt sehr gut. Mein Schweinebestand ist leider noch nicht so, daß wir dauernd eingebratenes Fleisch haben oder gar Wurst. Fleisch und Wurst gehen uns doch noch immer wieder aus. Aber Anfang März wird wieder geschlachtet. Rach der Maisernte werde ich etwa 15 Schweine fett
Deutschland niemand denkt.
Endlich darf man an die wirtschaftlichen Verhältnisse erinnern, über die sich niemand anders als der Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß in sehr lesenswerten Ausführungen in der Internationalen Revue für Wirtschaft und Politik »Das neue Europa" geäußert hat Der Bundeskanzler bekennt sich darin zunächst zu den politischen Grundsätzen Dr. Seipels, der Oesterreich eine wirtschaftliche Aufbaumöglichkeit schuf. Daraus darf man wohl schließen, daß Dr. Dollfuß den Primat der Politik vor der Wirtschaft und den Grundsatz Seipels »Keine Kombination ohne Deutschlano" anerkennt. Seipel hat ferner stets betont, daß nur in der Zusammenfassung aller antimarxistischen Kräfte die Möglichkeit der Lleberwindung des Marxismus in Oesterreich liege, und endlich in seiner großen Osloer Rede auch die Bedeutung des Rationalsozialismus anerkannt, den er auch von seiner kirchlichen Einstellung aus als Erneuerungsbewegung (Seelensanierung) würdigte. Es öarf in aller Bescheidenheit gesagt werden, daß der Seipelsche Kurs nicht immer gesteuert worden ist. Soll das jetzt wieder anders werden, so ist der Boden für eine Verständigung sicher geebnet und eine politische Richtlinie aufgezeigt, die nach der Meinung vieler Einsichtiger in beiden Lagern Oesterreich allein einen Weg aus den wirtschaftlichen Röten zu weisen vermag.
Daß die Weltwirtschaftskrise, über die der Bundeskanzler sich sehr eingehend und mit großem Verständnis für die Zusammenhänge ausspricht, manche ungewöhnlichen Maßnahmen erfordert hat, ist ebenfalls ohne weiteres zuzugeben. Wenn man aber anerkennt, daß die Politik der Wirtschaft ihr Schicksal vorschreibt, kann man nicht hoffen, beispielsweise die Agrarkrise durch eine Bindung an Ungarn zu bannen, das mit feinen Produkten die österreichische Landwirtschaft unbarmherzig abwürgen würde. Ebenso würde eine wirtschaftliche Kooperation mit der Tschechoslowakei der österreichischen Industrie den Todesstoß versetzen. Paul Einzig hat in einem Buche „Behind the Scenes of International Finance“ (London 1932) dargelegt, daß die finanzielle Kriegführung Frankreichs das Einfrieren der Kredite und den Niederbruch der Geldinstitute zur Folge hatte, daß also auch in diesem Falle ausschließlich politische Hintergründe für den Zusammenbruch der Wirtschaft in Oesterreich maßgebend waren. Die wirtschaftlichen Erfolge der Regierung Dollfuß sollen nicht bestritten werden. Vielleicht ist es allzu optimistisch, wenn der Bundeskanzler sagt, daß „der Schilling eine der stabilisier- teften Währungen ist, die es überhaupt gibt", und
Kreistag in Wetzlar.
O Wetzlar, 5. Juli. Der gestrigen Kreis- tagssihung kam besondere Bedeutung zu, weil in ihr über das Schicksal der Rheinischen Amtsverfassung entschieden wurde. Rach kurzer Beratung wurde einstimmig beschlossen die Amts- Verfassung aufzuheben und die Gemeindeverfassung einzuführen. Cs wurde folgende Satzung beschlossen: »Im Landkreis Wetzlar treten mit dem 1. Oktober 1933 die in der Rheinprovinz geltenden Vorschriften über die Verfassung und Verwaltung der Aemter außer Kraft. Der Kreisausschuß wird jedoch ermächtigt, im Interesse eines geordneten Liebergangs der Verwaltung für einzelne Amtsbezirke das Weitergelten der bisherigen Verwaltungsund Verfassungsvorschriften bis zum 31. Dezember 1934 zu beschließen. Der Kreisverband Wetzlar tritt als Gesamtrechtsnachfolger in die bestehenden Rechte und Pflichten der Aemter ein. Auf Antrag von Fraktionsführer Haus, Bieber wurde noch beschlossen, daß die Aemter Hohensolms, Rechtenbach, Rodheim und Drand- oberndorf bis zum 1. Oktober und die übrigen Aemter bis zum 1. April 1934 aufgelöst werden.
Der Vorsitzende Landrat Grillo gab dem Kreistage bekannt, daß der Kreisausschuß bereits den Kreisetat verabschiedet habe. Der Etat
balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 3 480 000 Mark. Die Kreisumlage für das Rechnungsjahr 1933 ist auf 88 Prozent der in dieser vom Staate veranlaaten Realsteuern und an die Gemeinden fallenden Ueberweisungen aus der Reichseinkommen- und Körperschaftssteuer, sowie des Bürgersteueraufkommens nach dem Landessatz festgesetzt. Das erwartete Kreissteueraufkommen beträgt 660 000 Mk.
Die Rechnung der Kreissparkasse für das Geschäftsjahr 1932 wurde abgenomen und genehmigt. Sie schließt ab in Soll und Haben mit je 37 055 928,58 Mark, die Bilanz in Vermögenswerten und Verbindlichkeiten mit je 10 979 227,02 Mark, die Gewinn- und Verlustrechnung in Ausgabe und Einnahme mit je 839 539,74 Mark. Die Verlange»
wilhelm-willSlaffellauf.
Es beteiligten sich daran aus 6 Kreisen (bisherige Bezeichnung Bezirke) je eine Zehner-Mannschaft. In den Endlauf kamen der 1., 2. und 4. Kreis. 1. Sieger: 1. Kreis (Marburg) 2:7,2 Min.; 2. Sieger: 4. Kreis (Alsfeld) 2:10 Min.; 3. Sieger: 2. Kreis (Gießen) 2:12 Min.
Musterriegen.
Es beteiligten sich daran in der Iahnklasse 7 Vereinsriegen, von denen u. a. bewertet wurden: Tv. Großen-Linden (Barren, 18 Teilnehmer), 108 Punkte mit „sehr gut"; Tv. 1846 Gießen (2 Seifpferbe, 16 Teilnehmer), 10714 P. mit „sehr gut"; To. Grünberg (Barren, Körperschule, 7 und 8 Teilnehmer), 99 P. mit „gut".
In der Götzklasse beteiligten sich 10 Vereinsriegen, darunter Tv. Heuchelheim (Pferd, 9 Teilnehmer), 106 P., „sehr gut"; To. Treis a. d. L. (Barren, 8 Teilnehmer), 103)4 P., „sehr gut"; Tv. Eroßen- Buseck (Pferd, 12 Teilnehmer), 92^ P., „gut"; To. Hochelheim (Reck, 12 Teilnehmer), 9114 P., „gut"; Tgm. Wölfersheim (Barren, 9 Teilnehmer), 85 P., „gut".
In der S ch m u ck k l a s s e beteiligten sich 18 23er- einsriegen, darunter: Tv. Gröningen (Pferd, 6 Teilnehmer), 10714 P., „sehr gut"; To. Wieseck (Barren, 6 Teilnehmer), 103 P., „fefjr, gut"; To. Krofdorf (Barren, 6 Teilnehmer), 102 P., „sehr gut"; Tv. Lang-Göns (Barren, 5 Teilnehmer), 9614 P., „gut"; To. Dutenhofen (Barren, 7 Teilnehmer), 9514 P., „gut"; To. Burg-Gemünden (Pferd, 7 Teilnehmer), 9014 P., „gut"; Tv. Hungen (Reck, 7 Teilnehmeri, 9014 P., „gut"; Tv. Groß-Felda (Barren, 6 Teilnehmer), 85 P., „gut"; Tv. Leihgestern (Barren, 6 Teilnehmer), 8114 P., „gut".
machen können. Der Durchschnittskolonist muh 20 bis 40 fett machen. Im ersten Jahr habe ich aber nicht gleich soviel Futter bauen können. Jetzt habe ich mehr, wenn auch die Trockenheit im Januar die Maisernte sehr geschädigt hat."
Bemerkung: Wenn bei uns Winter ist, ist dort, in Rio grande do Sul, Sommer und sehr heiß. 40 Grad Celsius und mehr ist keine Seltenheit, und wenn bei uns Sommer und Erntezeit ist, ist dort Winter, der in einer längeren kühlen Regenzeit besteht, wobei die Temperatur manchmal nachts so tief sinkt, daß es in Tälern reift; aber Schnee und Eis kommen dort nicht vor. Der Staat Rio grande do Sul ist etwa so groß wie zwei Drittel Deutschlands. Kaffee und Tabak wird von den Kolonisten dort nicht gezogen, aber Zuckerrohr, aus dem auch ein Schnaps gebrannt wird. F.
Schaum, Tv. Leihgestern; 194; 17. Wilh. Weller, Tv. Heuchelheim, O. Klauß, To. Groß-Felda, O. Röhrsheim, Tv. Krofdorf, Jakob Singel, To. Gröningen, Wilh. Faber, Tv. Leihgestern, 193; 18. O. Nicolai, To. Großen-Buseck, Max Hardt, Tv. 1846 Gießen, 192; 19. Ernst Engel, Tv. Gröningen, L. Wammbach, Tv. Aßlar, Hrch. Herbei, Tv. Aßlar, Otto Bingel, Tv. Holzheim, 191; 20. Ernst Gömbel, Tv. Dutenhofen, Otto Rinn, To. Heuchelheim, 190; 21. Walter Mehl, To. Großen-Linden, 189; 22. Joh. Hainer, Tv. Stornborf, 188; 23. Otto Agel, Tv. Dutenhofen, Karl Thönges, Tv. Steinfurth, Hrch. Nickel, Tv. Treis a. b. L., 187; 24. Fritz Hans, To. Hermannstein, Hans Happel, To. 1846 Gießen, 186; 25. Ernst Weil, To. Muschenheim, Fritz Emmerich, To. Hungen, W. Wagner, Tv. Gambach, Hrch. Wal- ter, Tv. Münchholzhausen, 185; 26. Herrn. Eisen- huth, Tv. Steinfurth, 184; 27. Lubwig Reinschmibt, To. Steinbach, Ernst Trautwein, To. 1846 Gießen, 183; 28. Wilh. Schmibt, Tv. Krofdorf, Gg. Volp, To. Steinfurth, Starl Singel, To. Gröningen, Hrch. d. ßv Fritz Leicht, To. Krof-
Der Wiener Korrespondent des Wolff» schenTelegraphen-Sureaus berichtet im folgenden über die augenblickliche Lage in Oesterreich:
In den letzten Tagen ist in den Beziehungen zwischen Oesterreich und Deutschland, die man mit Unrecht als „Kriegszustand" bezeichnet hat, eine fühlbare Entspannung eingetreten. Die große Wiener Presse hat alles vermieden, was eine weitere Verschärfung herbeiführen könnte. Sie hat über die systematische Entwicklung Deutschlands zum Totalitätsstaat fast kom- mentarlos berichtet und sich auf die Wiedergabe der amtlichen Verlautbarungen beschränkt. Die Maßnahmen gegen die Bayerische Volkspartei, den Rücktritt Hugenbergs, die Selbstauslösung der Zentrumspartei sind als zwangsläufige Erscheinungen der Gesamtentwicklung bezeichnet worden. Hin und wieder ist ein Wort des Bedauerns eingeflossen, das einem Rachruf auf eine -verschwindende Epoche der polittschen und wirtschaftlichen Geschichte gleichkam.
Die Ursachen dieser Entspannung sind nicht leicht zu finden. Es ist aber sicher bezeichnend, daß sich in der großen Presse — die kleine hetzt, konspiriert und „greuelmärt" unentwegt weiter — die Stimmen mehren, die erklären, daß der Vormarsch des Faschismus unaufhaltsam sei. In der Tat sind ja auch die allerletzten Maßnahmen der Regierung, der Schutz der Sittlichkeit, Zwangsschlichtung und Verbot der Aussperrung, die Regelung kollekti- oer Arbeitsverhältnisse bei öffentlichen Bauten, die Bestellung von Sicherheitskommissaren, das Freidenkerverbot, ferner die Verordnung über Auflage- nachrichten, die Aufstellung eines freiwilligen Schutzkorps und endlich der Entzug der Gewerberechtigung Schritte auf dem Wege zum Autoritätsstaat, wie er in Italien, Rußland und Deutschland bereits verwirklicht, in Frankreich und England in hoffnungsvollen Anfängen sich befindet. Alle diese Maßnahmen sind auf Grund des kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes aus dem Jahre 1917 erlassen, das im Kriege nur für bestimmte wirtschaftliche Maßnahmen geschaffen wurde. Sie sind ohne die Kontrollmöglichkeit der verfassungsmäßigen Faktoren, Parlament und Verfassungsgerichtshof, zustande gekommen.
Die „Arbeiterzeitung" versucht sich in einem spaltenlangen Leitartikel „Schritt für Schritt" gegen diese Entwicklung zu stemmen, sie bedauert, daß die bürgerlichen Demokraten das Ende dieses Weges nicht sehen wollen, das die Heimwehrleute mit Entzücken begrüßen. Die Sozialdemokratie Oesterreichs zeigt die gleiche Verständnislosigkeit für die zwangsläufige Abkehr von politischen und wirtschaftlichen Formen, die sich, wie die Weltkrise ganz eindeutig gelehrt hat, nicht bewährt haben, und die darum xum Absterben verurteilt sind wie die Ideen der deutschen Sozialdemokratie. Es spricht nur für die Intelligenz der „bürgerlichen" Demokraten, wenn sie etwas weitsichtiger sind und nun unterzukommen versuchen. Vielleicht ist auch eine der Ursachen der Entspannung in der wiederholten Erklärung führender österreichischer Politiker zu sehen, daß sie d i e deutsche Mission Oesterreichs in tau- endjähriger Geschichte jetzt nicht mit einem Feder- trich als nicht existent bezeichnen wollen, ober in )er wieberholten Versicherung amtlicher.deutscher Stellen, baß es sehr wohl zwei getrennte ß ä n b e r geben könne, in ber b i e gleichen Parteien am Ruber seien, daß ferner die Anerkennung Adolf Hitlers als Vaters des Nationalsozialismus und Führers eines nicht an Landesgrenzen gebundenen Deutschtums, das auch die 30 Millionen Deutscher in allen Ländern der Erde umfaßt, nichts mit der Unabhängigkeit Oester- reichs zu tun habe, an dessen Gleichschaltung schon mit Rücksicht auf den Diermächtepakt in
Walter Luh, To. Großen-Linden, W. Engelhardt, To. Heuchelheim, W. Weber, Tv. Dutenhofen, 178; 33. W. Hofmann, Tv. Grüningen, Fritz Feldmar, Tv. 1846 Gießen, Friedrich Weber, Tv. Dutenhofen, 177; 34. Hermann Weil, To. Muschenheim, Willi Menges, Tv. Lich, Hans Denker, Tv. Steinbach, Hrch. Faber, Tv. Hochelheim, O. Philippi, Tv. Ober- Ohmen, 176; 35. Otto Jockel, Tv. Hungen, 175; 37. O. Volz, To. Groß-Felda, Walter Gasche, Tv. Muschenheim, O. Kroppenstädt, Tv. Groß-Felda, Paul Stein, Tv. Grönberg, Albert Schreiner, Tv. Hungen, H. Döring, Tv. Eichelhain, 173; 38. H. Schorge, Tv. Großen-Linden, Herm. Weber, Tv. Aßlar, W. Figgi, Tv. Groß-Felda, 172; 39. Karl Weiß, To. Watzenborn-Steinberg, Otto Knöß, Tv. Groß-Eichen, Fr. Eckhardt, Tv. Hochelheim, Otto Weiß, To. Großen- Linden, 171; 41. Ludwig Baum, Wtv. Gießen, Otto Neidei, Tv. Heuchelheim, Ferd. Becker, Tv. Grüningen, 168; 42. Richard Jung, Tv. Hochelheim, 167; 43. Otto Sommer, Watzenborn-Steinberg, W. Petri, Tv. Nauborn, Wilh. Heyer, To. Treis a. d. L, Wilh. Zeiß, To. Holzheim, 166; 44. A. Reeb, Tgm. Wölfersheim, 165; 45. Rud. Graf, Tv. Billingen, H. Sinke!, Tv. Nauborn, 164; 46. Paul Schmidt, Tv. 1846 Gießen, F. Schieferftein, Tv. Hochelheim, A. Leib, To. Hermannstein, Karl Hahn, Tv. Großen- Buseck, Wilh. Römer, Tv. Lang-Göns, 163; 48. Hrch. Seel, To. Leihgestern 161; 49. Hrch. Pfannkuchen, Tv. Holzheim, Adolf Becker, Tv. Muschenheim, 160.
Neun kämpf, 1. Altersklasse (35 bis 45 Jahre), 26 Bewerber, 23 Sieger: 1. Wilh. Hof- mann, To. Krofdorf, 173 P., 2. Wilh. Laux, Tv. Leihgestern, 166; 3. Wilh. Hofmann, To. Großen- Linden, 155; 5. Franz Sauer, Tv. 1846 Gießen, Herrn. Hofmann, Tv. Hungen, 148; 6. Otto Hofmann, Tv. Großen-Linden, 147; 8. Hrch. Wagner, Tv. Münchholzhausen, 144; 9. Hch. Rock, Tv. Treis a. d. L., 142; 11. Karl Möller, Tv. 1846 Gießen, 139; 12. Fritz Volkmann, Tv. Heuchelheim, 136; 13. Ph. Bender, To. Grönberg, 134: 14. Albert Hahn, Tv. Billingen, Wilh. Junker, Tv. Großen- Linden, 133; 15. Fr. Jung, Tv. Hochelheim, 132. — 2. Altersklasse (über 45 Jahre), 9 Bewerber, 8 Sieger: 1. Hrch. Amend, Tv. Krofdorf, 149 P.; 2. Balth. Bonarius, Tv. Großen-Buseck, 140; 3. L. Bender, To. Alsfeld, 137; 5. Hrch. Listmann, To. Grünberg, 130.
Fechten.
Die Wettkämpfe.
Die turnerischen Mehrkämpfe, zu denen die stattliche Zahl von über 400 Einzelturnern angetreten war, sowie die spannenden Wettbewerbe der Fechter und Fechterinnen füllten den Bormittag des Fest- Sonntags aus. Der neue Gauoberturnwart Rudolf Paul, dem in Gaumännerturnwart M. Textor (Marburg), Gauvolksturnwart M a l f o m e j i u s (Gießen) und 120 Kampfrichtern und Riegenführern treue Helfer zur Seite standen, war den Kämpfen ein umsichtiger Leiter, der auch bei den großen Maf- sendarbietungen des Nachmittags sein organisatorisches Talent unter Beweis stellte. Die Beteiligung an den Wettkämpfen übertraf alle Erwartungen. Auch die Leistungen standen auf beachtlicher Höhe und zeigten, daß der Gau um seinen Nachwuchs nicht besorgt zu sein braucht. Recht erfreulich ist die starke Beteiligung der Landoereine, von denen Großen-Linden und der neue zum Gau hinzugekommene Tv. Wieseck ein besonderes Lob verdienen. Nachstehend die
Ergebnisse
in einem Auszug aus der umfangreichen Siegerliste. Meisierschaftsturnen.
P f e r b: ”1. Sieger (Gaubester) A. Ahrens, Tgm. Marburg, 67,5 P.; 2. W. Fink, T. u. Spo. Marburg, 57,5 P.
Reck: 1. (Gaubester) A. Ahrens, Tgm. Marburg, 76 P.; 2. W. Sinnwell, Tv. 1860 Bad-Nauheim, und Richard Seth, Tv. Großen-Linden, je 71 P.
Barren: 1. (Gaubester) R. Seth, To. Großen- Linden, 70,5 P.; 2. A. Eberspächer, Tgm. Marburg, 68,5 P.
Körperschule: 1. (Gaubester) A. Eberspächer, Tgm. Marburg, 64,5 P.; 2. Karl Schick, Tv. 1846 Gießen, 63,5 P.
Mehrkämpfe.
Zwölfkampf, Sonderklasse (6 Bewer- ber 5 Sieger): 1. W. Sinnwell, To. 1860 Bad-Nau- heim, 219 P.; 2. A. Eberspächer, Tgm. Marburg, 204 P ■ 3. Fritz Weitershous, Tv. Großen-Linden, 189 P.; 4. Karl Schick, Tv. 1846 Gießen, 185 P.; 5 W Hartmann, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 169 P.
'Zwölfkampf, Oberstufe (24 Bewerber, 16 Sieger): 1. Karl Leinweber, Tv. Treis (Lumda), 200 P.; 2. Ludwig Herbert, Tv. 1846 Gießen, 199; 3 21. Ahrens, Tgm. Marburg, 195 P.; 6. Hch. Jung, Tv. Großen-Linden, 180 P.; 8. Albert Leun, Tv. Großen-Linden, 177 P.; Hch. Herbert, Tv. 1846 Gießen, 176 P-; 10. Heinz Meyer Mtv. Gießen 175 P • 13. Karl Keßler, Tv. Großen-Linden, 169 P., 14.’ Ernst Rinn, To. Krofdorf, 168 P.
Zehnkampf, Oberstufe (6 Bewerber, 5 Sieger): 1. Richard Seth, Tv. Großen-Linden, 181 $.;92. Ernst Schöffmann, Tv. Wieseck 160 P^; 3. Walter Fink, T. u. Spv. Marburg, lv7 P.. Wilh. Hofmann, Tv. Lollar, 155 P.; 5. W. Strauch, Tv. ®e3 to ö t H°a m »f . ® 111 e I ft u f» (58 Dewei. ber 48 Sieger): 1. Rud. Rohrbach Tv. Lech- gestern, 205 P.; 2. Erich Fink, T. u. Spv Mar- tnira 203 3. Fritz Mertz, Tv. Schlitz, 201, 4. Adolf Kreiling, Tv. Wieseck, 200 ; 6. Alfred
daß eine Gefahr für die Währung nunmehr restlos vorüber sei. liebet die Vermehrung der Kapitalmöglichkeiten durch die Erhöhung der Spareinlagen sind die Meinungen in Wirtschaftskreisen noch sehr geteilt, und es ist auch unverkennbar, daß die Einsparpolitik durch die Ausgaben für die verstärkte Exekutive, die Fremdenverkehrswerbung, das Defizit der Bundesbahnen aus den ermäßigten Personentarifen, die Ausgaben für die Hilfspolizei u. a. m. beeinträchtigt wird.
Die Ankündigung der neuen Form einer gesunden Volksvertretung, einer Länder- und Städtekammer, die unmittelbar zur Gesetzgebung in Wirtschaftsdingen berufen sein wird (berufsständische Auffassung), und endlich das Verbot der Aufmärsche und Demonstrationen, das die Vertreibung der ^reinden verhindern soll (bislang waren nur solche der Opposition verboten), werden im Reiche sehr interessieren. Dabei darf doch wohl angenommen werden, daß eine Bewegung, die ein Drittel der Bevölkerung umfaßt, beratend und mit- bestimmend herangezogen wird. Das scheint sich schon in dem Satze auszudrücken: „Seien wir unfern Vätern und ihrer Arbeit gegenüber nicht undankbar, daß wir die Leistungen unseres Deutschtums vergessen oder verkleinern". Ein zarter Hoffnungsschimmer ist jedenfalls auf getaucht; daß aus
Fechter-Oberstufe, Säbel (8 Bewerber): R. Schauß, Tv. Wetzlar (6 Siege, 23 Treffer); Hans Mulch, Tv. Wetzlar (5 Siege, 16 Treffer); 3. Ludwig Vaubel, Tv. 1846 Gießen (5 Siege, 18 Treffer); 5. Walter Gerhardt, Tv. 1846 Gießen (4 Siege, 26 Treffer); 6. Christian Ziegler, Tv. 1846 Gießen (3 Siege, 29 Treffer).
Fechterinnen-Ober stufe, Florett (8 Bewerberinnen): 1. Lotte Mohr, Tv. 1846 Gießen (4 Siege, 18 Treffer); 2. Luise Kühn, Tgm. Friedberg (4 Siege, 15 Treffer); 3. Christel Oröninger, Tv. 1860 Bad-Nauheim (2 Siege, 19 Treffer). 6. Else Wirth, To. 1846 Gießen (1 Sieg, 22 Treffer).


