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Bemerkung des alten Kutschers. Der flackernde l er unbemerkt von chr welterschrM. Deutlich stantz -Merrung p „ , ..~x -xJ, I aut einmal jene kleine Szene vor der Schmiede vor
ihm, und sein Wunsch, das Leben möge sie bitten lehren, fiel ihm ein. Wie dumm und töricht! Trug nicht jeder Mensch irgendeine Bürde durchs Dasein? Beleidigter Jungenstolz, an seiner empfindlichsten Stelle getroffen. Richtig, in Rußland hatte Wera Wettern ja damals gelebt. Was mochte sie in all diesen Jahren durchgemacht haben?!
ige Gesichtchen.
„Loslassen!" herrschte das Kind den Verdutzten an. Etwas in Ton und Blick ließ dem Jungen das Blut zu Kopf steigen. Er ließ die zerrenden Hande nicht locker. ,v
„Sag' bitte", forderte er, dann bist du frei!
Die kleine Person bebte vor Zorn. „Nie sage ich bitte zu dir — nie!" stieß sie hervor.
Es war charakteristisch für Wera, daß sie dabei nicht einmal die Stimme hob; es fiel ihr gar nicht ein, um Hilfe zu rufen.
Aber duzen kannst du mich auf einmal ganz freundlich", lachte Magnus gezwungen.
Die Kleine warf den Kopf zurück. „In Rußland sagen wir zu allen Bauern du!"
„Ah, so ist's gemeint! Du bist ebenso höflich wie aufrichtig." Jäh lockerte der Junge feinen Griff. „Ich wünsche dir, daß das Leben dich bitten lehrt! sagte er hart. n .
Frei und furchtlos stand das Kind vor ihm. Zwei Augenpaare sprühten sich an. Dann drehte sich die Kleine auf dem Absatz herum und ging auf den ab ten Kutscher zu, der soeben aus der Haustur kam.
Das war Magnus Mahlers erste Begegnung mit Wera Wettern gewesen. Tags darauf reifte sie mit ihrer Mutter in ein Bad.
Zehn Jahre vergingen. Er führte schon langst den Namen seines Chefs, der ihn nach dem plötzlichen Tod des Vaters in aller Form als Sohn und Erben adoptiert hatte. Um den Verkauf der Schmiede, die er bis dahin verpachtet, zu erledigen, war Magnus in seine Heimat gereift.
Auf dem Feldweg zum Bahnhof, der am Gutspark vorbeiführte und den er in einer seltenen Aufwallung von Kindheitserinnerungen emgefdjlagen hatte, fah er an der Mauerbrüstung eine weibliche Gestalt stehen. Regungslos stand sie da, mit hängenden Armen, und sah in das erntereife Land, das sich bis zum Horizont in ungebrochener Flache dehnte. Golden flimmerte blondes Haar um em feines, blasses Gesicht.
Er erkannte sie sofort wieder. Aber die schwarzen Augen, die damals so gestrahlt und ihn dann so zornig angesprüht, starrten stumpf und glanzlos vor sich hin, als sähen sie nichts von Sonne und Fruchtbarkeitssegen.
Das Mädchen da oben hatte den Schmerz kennengelernt, fuhr es ihm durch den Sinn, wahrend
jungen Verstand mit jedem Male wuchs. Nur un- gern hatte er ihm den Urlaub nach Haufe bewilligt; er fürchtete jede Einwirkung anderen Einflusses. Aber Magnus fühlte sich wohler im Werk als daheim bei dem polternden Vater, dessen Sinn über die einfachsten Dinge des nüchternen Alltags me hinausgestrebt. Was der Junge an Geist und Ehrgeiz besaß, hatte er von seiner Mutter, einer Lehrerstochter, geerbt, die sich in den schönen, kraftvollen Mann verliebt hatte und nach kurzer, aber schon unglücklichen Ehe in jungen Jahren gestorben war. Der Besuch beim Vater entsprang nur einem Pflichtgefühl.
Und gelegentlich dieses Besuches hatte Magnus das blondlockige Kind zum ersten Male gesehen, dessen schwarze Augen voll Entzücken an dem glühenden Eisen gehangen, aus dem der Schmiedegesell mit harthämmerndem Schlag spähenden Funken- regen zauberte. Magnus, der vor der Tür auf der Steinbank saß, hörte sie in die Hände klatschen und bas weiche, Helle Sümmchen lachend aufjubeln.
Als sie an der Seite des alten Kutschers herauskam und den jungen Menschen dasitzen sah, blieb sie stehen und strahlte ihn an aus glänzenden Augen. „Der August kann aber Funken machen! Haben Sie das gesehen? Fein!"
„Ja", nickte Magnus ernsthaft, „fein! Wie em Elflein hatte sie vor ihm gestanden in ihrem wer- hen Kleidchen. Und da der Alte in die Schmiede zurückhumpelte, wo er eine Frage vergessen hatte, trat die Kleine in kindlicher Neugier einen Schritt näher. „Kennen Sie den August auch?"
„3a!"
„Da wohnen Sie wohl hier?
„Nein", antwortete der Jüngling. Und ein seltsames, nie gekanntes Gefühl süßer Beklommenheit beengte ihm auf einmal den Atem. „Ich wohne weit weg — in D."
„Ist's da schön?" _
„Ja — ich glaube doch", stammelte Magnus Mahler verwirrt. Was wußte er von der Schönheit der Stadt, der nur für die Arbeit in „fernem Werk lebte ...
, Wir wohnen in Moskau", erzählte die Kleine. , Da haben die Kirchen viele goldene Türme, und im Winter liegt furchtbar viel Schnee — da fahren wir mit der Troika weit, weit hinaus ... Sie breitete die Arme aus. Ein zarter Duft umwehte den Jungen, den er noch nie eingeatmet, der ausging von diesem süßen, sorgfältig gepflegten Kindeskorper.
Da läuten all die Glöckchen am Geschirr der Pferoe — das klingt luftig." Sie lachte leise, tat einen kleinen Hopser. „Mögen Sie auch Schlitten fahren, Herr —? Wie heißen Sie denn?"
„Magnus — Magnus Mahler!"
' Mahler?" wiederholte die Kleine verwundert. So heißt ja der Schmied hier!" Ihr Blick wanderte do dem schlanken, jungen Menschen im gutsitzenden, dunklen Anzug zu der vierschröügen Gestalt des Mannes mit dem derbzügigen Gestcht, das übermäßiges Trinken stark aufgeschwemmt hatte, der neben dem Feuer, die Hände im Gurt der Leder- schürze, stand und dröhnend lachte zu irgendeiner
Jawohl, Herr Doktor; aber meine Braut hat den größten Teil ihres Lebens in Rußland,bei ihrer Großmutter verbracht. Seit 1918 ist sie Waise.
„So!" Steinherr griff nach einer Zigarette und setzte sie an der kleinen Zünderflamme >a Brand, einen seltsamen Ausdruck in den Augen. „Hoffentlich genügt ihr die bescheidene Wohnung."
Sie hat Sorge und Not kennengelernt, Herr Doktor, und weiß das Gute wohl zu schätzen .erwiderte Georg von Bandro ruhig. Und beim ernsten Klang seiner Stimme verschwand der leichte Spott aus des anderen Zügen.
„Das freut mich für Sie, Bandro , bemerkte er, Papiere in die Aktentasche schiebend. „Nicht jede Frau von Stand findet sich in andere Verhältnisse.
Vandro verneigte sich leicht und nahm die -Ruppe entgegen, wieder ganz der aufmerffame Angestellte. Magnus Steinherr war nicht der Mann, den man länger als nötig mit Privatgesprächen behelligte, jede Minute seiner Zeit war kostbar.
*
Pfeilgeschwind glitt der Wagen durch den nebel- verhangenen Morgen, der einer schwülen Gewitter» nacht gefolgt war. Kleine Pfützen standen noch im Graben zu beiden Seiten des Weyes, sammelten sich zu dünnen Rinnsalen in jeder tfurdje.
Wald wurde durchquert, der noch nicht dem Moloch Stadt zum Opfer gefallen war. Von den alten windzerzausten Lärchen und Fichten tropfte es leise. Es sah aus, als trauerten die Baume m Tra- ^Zwei Siedlungen huschten vorbei, kleine Häuser in schmucken Gärtchen. .
Sonst erlebte Magnus Stemherr diese stillsried- üche Landschaft mit innerstem Behagen. 3m Dorje geboren, lag ihm die Liebe zur Erde im Blut; er war außerordenllich empfänglich für, all die wechselhaften Erscheinungen in der Natur. Aber heute ahen feine Augen nur ein einziges Bild vor sich, heraufbeschworen durch den Namen, den Georg von Bandro vorhin genannt.
Achtzehn Jahre alt war er damals gewesen, als er zum ersten Male feit Beginn der Lehrzeit im Steinherilchen Werk seinen Bater in Wetternwalde wieder besuchte, ein hoch aufgeschossener 3unghng, mit strengem, verschlossenem Gesicht, hart an der Grenze seines frühreifen Mannestums, von brennendem Ehrgeiz erfüllt, sich ein vollgerüttelt Maß Erfolg im Leben zu erzwingen. Der alte, kinderlose Mann, dessen weitberühmtes Geschäftsgenie den verbissenen Fleiß und die hervorragende Tüchtigkeit des jungen Arbeiters bemerkt, hatte hier bald das Werden einer ungewöhnlichen Persönlichkeit herausgefühlt und ließ ihm jedmögliche Forderung angedeihen. Letzthin war Magnus öfters Gast bei feinem Chef gewesen, dessen Gefallen an dem scharfen,
,?Er ist mein Bater", sagte der lächelnd und beugte sich vor und zog die Kleine an beiden Händen zu sich heran. Ein unbändiges Verlangen erfüllte ihn, einmal über diese samtweiche Kinderwange, das goldflimmernde Haar zu streichen. Ganz scheu und unversehens regte sich die Sehnsucht nach Zärtlichkeit in ihm. Er hätte gern diese kleinen Aermchen um seinen Hals gespürt. ro
Aber — war der Schreck ob seiner plötzlichen Bewegung zu groß, fein Griff zu hart: der zarte Körper steifte sich, ganz blaß wurde das eben noch ro-
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Als solle ihm Antwort werden, traf Magnus Steinherr auf der kleinen Station mit dem Pfarrer zusammen, der feinen ehemaligen Schüler lebhaft begrüßte und in seiner freundlichen Redseligkeit schnell ins Plaudern geriet. Da erfuhr der junge Fabrikherr unter allerlei anderen Begebenheiten, daß Wera Wettern feit vier Jahren das Gnadenbrot bei den Verwandten aß, die der alte Pfarrer ob ihrer Güte in diesen schweren Zeiten pries.
Und wenn sie tausendmal gut sind: das Anneh- menmüssen bleibt hart!, dachte Magnus Steinherr, als er im Zuge saß und durch das sonnenbeschienene Land fuhr, über dessen Feldwege hochbeladene Getreidewagen von stämmigen Pferden gezogen wurden. Wie stolz hatte die Kleine ihr Köpfchen getragen. Reizend war sie damals gewesen, bis er mit seiner dummen Jungenderbheit ihre Zutraulichkeit zerstört hatte.
Lange dachte Steinherr an das Mädchen, das unbewußt den ersten Hauch von Weiblichkeit in sein Leben gebracht, bis Arbeit und neue Eindrücke ihr Bild verwischten. Und nun wußte er, daß jenes Mädchen, das er vor Wochen zweimal auf der Straße gesehen, wirklich Wera Wettern gewesen war — jene Wera Wettern, die nächstens in sein Haus zog, als Frau feines Chauffeurs. Wahrlich das Schicksal führte einen manchmal wunderliche Wege!
14. Kapitell
„Herr Steinherr, gnä’ Frau!"
Jenny Maloreen ließ das Buch fallen, in dem sie soeben gelesen hatte, und zerdrückte ihre Zigarette im Aschenbecher.
„Ich lasse bitten!" Sie hatte gewußt, daß er den Weg zu ihr finden würde. Man erreichte stets, was man wollte, wenn man es nur stark genug wollte und — warten konnte. Diesen Mann zwang so leicht niemand.
„Wissen Sie, was ich soeben las?" sagte die klanglose Stimme, die Steinherr so lange verfolgt. „Horen Sie!" Sie nahm das Buch, schlug es aust „Nur den Menschen, die sich ihren Weg aus dem steinigen Felsenchaos des Lebens selber Schritt für Schritt heraushauen, ist Erfolg auf die Dauer de- schieden. Die anderen nennen das ,Glück haben und bedenken nie, daß nur intensivster Wille, Höchsts Kraft dieses unsicherste und wankelmütigste aller irdischen Güter festzuhatten verstehen."
Sie hob den Kopf und sah ihn an, em Leuchten, in den seltsamen Augen. „Als ich das las, mußte ich an Sie denken. Und es schien mir soeben ganz natürlich, Sie zu sehen."
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