Ausgabe 
6.7.1933 Erstes Blatt
 
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ten gelten zur Hinfahrt vom 8. Juli, von 12 Uhr, bis zum 9. Juli, 24 Uhr; zur Rückfahrt vom 8. Juli bis 10. Juli, 24 Uhr.

** Sonntag srückfahrkartenzum Prä­mie n m a r k t in Alsfeld. Von allen Bahnhöfen der Strecken GießenFulda, HungenMücke, Rie­der-OfleidenBurg- und Rieder-Gemünden, Rie- derjoffaBad Salzschlirf und NiederaulaAls­feld werden Sonntagsrückfahrkarten zum Prämien­markt am 9. und 10. Juli nach Alsfeld ausgegeben.

** Die fällig en Strom gelber im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat Mai 1933 können noch bis zum 15. Juli ohne Kosten bezahlt werden. Auf die gestrige Bekanntmachung im An­zeigenteil sei aufmerksam gemacht.

* Straßensperrung, mitgeteilt vom Oberheff. Automobil-Tlub E. D. (A. o. D.), Gießen. Die Ortsdurchfahrt Büches im Zuge der Straße OrtenbergBüdingenGelnhausen wird vom 7. vis einschließlich 15. Juli 1933 für jeglichen Verkehr ge­sperrt. Die Umleitung erfolgt über Lindheim, Dü­delsheim, Orleshausen und umgekehrt. Die Sper­rung der Strecke OrtenbergLißberg (vom Abzweig nach Eckartsborn) wird ab 10. Juli 1933 aufgehoben.

Stenographen - Tagung in Friedberg.

Daß auch die Stenographen am Wiederaufbau des Staates Mitarbeiten wollen, bewies die am Samstag und Sonntag in der alten Kreisstadt Friedberg abgehaltene 53. Vertretertagung des Deut- schen Stenographenbundes, Hessisch - Nassauischen Landesverbandes. Gleich zu Beginn der im Hotel Trapp abaehaltenen Tagung trafen als Vertreter der hessischen Behörden, von großem Beifall und Sieg-Heil"-Rufen bearüßt, Ministerpräsident Prof. Dr. Werner und Landtagspräsident Dr. Mül- I e r ein. Verbandsvorsitzender, Landtogsdirektor H. Werner- Darmstadt, eröffnete und leitete die Versammlung, zu deren Beginn das Horst-Wessel- Lied gesungen wurde. Er wies auf den großen po­litischen Umschwung hin, der auch einen kulturellen Aufstieg bedeuten würde. Er dankte dem Minister­präsidenten Prof. Dr. Werner für die lieber- nähme der Schirmherrschaft und die Stiftung eines Staatspreises. Gleichzeitig sprach er der hessischen Regierung d->n Dank dafür aus, daß sie kurz nach ihrem Amtsantritt die Einheitskurzschrift als pflicht- mäßigen Lehrgegenstand an allen höheren Schulen, Handelsschulen und Berufsschulen eingesührt habe. Der Verband Stolze-Schrey habe sich jetzt für die Einheitskurzschrift ausgesprochen. Mit einer Ver­einfachung des Regelwerkes der Einheitskurzschrift sei das Ziel der Durchführung einer einheitlichen deutschen Kurzschrift erreicht. Rach einer Begrü­ßungsansprache des Vorsitzenden der Ortsgruppe Friedberg, Damme, dankte Ministerpräsident Dr. Werner für die Begrüßung. Er hob die Bedeu­tung der Stenographie, die er in seiner politischen Laufbahn sehr schätzen gelernt habe, hervor. In einem modernen Staat und in einer modernen Kul­tur sei die Kurzschrift unentbehrlich. In ähnlichem Sinne äußerte sich Landiagspräsident Dr. M ü l - l e r. Die Versammlung genehmigte u. a. ein Begrü- ßungstelegramm an den Reichsstatthalter Spren­ger, in dem ihm treue Gefolgschaft und Unter­stützung bei der Berufsausbildung der deutschen Ju­gend in christlich-nationalem Sinne und tatkräftige Mitarbeit beim Wiederaufbau unseres Vaterlandes gelobt wurde.

Aus dem vom Derbandsgeschäftsführer L. Krapp- Darmstadt, erstatteten Geschäftsbericht ging hervor, daß der Hess.-Rass. Verband 126 Vereine mit rund 10 000 Mitgliedern und 2500 Unterrichteten zählt. An dem im Frühjahr abgehaltenen Schülerschreiben nahmen in 127 Schulen 3240 Jugendliche teil. Die Handelskammerprüfungen in Hessen bestanden im obgelaufenen Geschäftsjahr 250 Einheitskurzschrift­ler. Die Staatliche Stenographielehrerprüfung leg­ten in Hessen bisher 142 Personen ab. Der vom Derbandsrechner, Engelhardt, Mainz, erstattete Kas­senbericht und Voranschlag wurde einstimmig ge­nehmigt. Die Gleichschaltung des Verbandes erfolgte durch die Bestätigung des Verbandsoorsitzenden, Landtagsdirektors Werner, zum Führer.

Abends fand, ebenfalls im Totei Trapp, eine große öffentliche Kundgebung für die Deutsche Ein­heitskurzschrift statt. Im Mittelpunkt der Kundge­bung stand ein Referat des Bezirksschulrates Karl Lang aus Kulmbach, dem Vorstandsmitglied des Deutschen Stenographenbundes und Sachverständi­gen für Kurzschrift der NSDAP.

Mit dem Landesverbandstag war am Sonntag ein großes Wettfchreiben verbunden. Es nähmen rund 1200 Wettschreiber aus allen Teilen des Derbandsgebietes teil.

Gießener Stenographen erfolgreich.

Auch die Gießener Einheitsstenographen nahmen an dem Verbandstag und an dem Derbandswett- fchreiben teil. Sie konnten folgende Preise erringen:

Schnellschreiben: 240 Silben: 1. und Ehrenpreis der Stadt Friedberg: Willi Brück- mann; 200 Silben: 1. und Ehrenpreis: Willi Brück; 1. Preis Franz Koch; 180 Silben: 1. und Ehrenpreise: Johanna Bohl, Gertrud Müller, Emil I o st; 1. Preise: Erna Reininger, Otto Wilhelm, Fritz Reh, Karl B r ü ck e l ; 2. Preise: Fritz Dorf ner, Theodor Schwarz, Wilhelm P a u l u s. 160 Silben: 1. und Ehrenpreis: Ernst Eckhardt, 3. Preis: Karl B r e e. 140 Sil­ben: 1. und Ehrenpreis: Johanna G r a f; 1. Preise: Heinrich Volk, Willi Freiberg, Wilhelm Hofmann, Karl Marth, Wilhelm S ch a r d t, Luise Metz; 2. Preise: Ilse Lehmann, Berta Eisenbach, Rudolf Günther, Hans Wer­ner; 120 Silben: 1. und Ehrenpreis: Paula I ü n - ae r ; 1. Preis: Elfriede Tenninger; 2. Preise: Wilma Leipold, Anna M a g o l d , Emmy Roth, Hans Fuhr, Else Leinweber; 3. Preise: Gertrud Schäfer, Gerda Hüter, Elli Schick, Alfred W i s s e m a n n. 100 Silben: 1. Preile: Anni Kompf, Aenne Fendt, Hermann Blum, Agnes Frank, Otto Keßler, Elisabeth ' Paul, Adam Grünewald, Emma Reitz, Hildegard Eisenacher, Elli Jmmek, Anni S ch m i e t d i e 1, Adi Büchner, Ewald Als­dorf, Ferdinand Dörfner, Hedwig Lehn- hardt; 2. Preise: Annemarie Seibert, Adam Krug, August M ü II c r, Heinrich Diehl; 3. Preis: Irene WinterIin. 80 Silben: 1. und Ehrenpreis: Wilhelm Schmidt; 1. Preise: Erich Haibach, Hans Eisenacher, Willi Ernst, Helmut Müller, Erich Pfeil; 3. Preise: Hans Herrmann, Hanni Möbus, Emmy Wahl.

Schön - und Richtigschreiben (Verkehrs­schrift): 1. und Ehrenpreis: Luise Reinhardt; 1. Preise: Hans Fuhr, Emil I o st, Paula I ü n - ger, Otto Wilhelm. 2. Preis: Hans W e r- ner. Redeschrift: 1. Preis: Johanna Bohl; 3. Preis: Luise Reinhardt.

M die hungernden Rußlanddeutschen!

Große Kundgebung in der Volkshalle.

DerDolksbund für das Deutschtum im Ausland" veranstaltet, am morgigen Frei­tag, 8. Juli, 20.30 Uhr, in derDolkshalle" eine Kundgebung für die hungernden Rußlanddeutfchen. Zum ersten Male soll angesichts der großen Not der Deutschen in Wolgarußland, die vor dem Hun­gertode stehen, diese ^Umgebung zu einem

Ausdruck der großen deutschen volksgemein- schafl über die Grenzen des Reichs hinaus werden. Darum werden sich auch die Organisationen der NSDAP., der SA., SS. und der Hitlerjugend usw. als die Repräsentanten der deutschen Volks­bewegung, geschlossen an dieser Kundgebung beteili­gen. Es ist Pflicht jedes Deutschen, an dieser Kundgebung teilzunehmen.

Wenn auch das Schicksal der bedauernswerten Brüder und Schwestern, die zum großen Teil Nachkommen alter hessischer Fami­lien sind, die einstmals aus unserer hessischen Hei­mat auswanderten, vielleicht nicht mehr aufzuhalten sein wird, so soll doch diese Kundgebung den Schmerz der Mutter Germania zum Ausdruck brin­gen, wenn eines ihrer Kinder stirbt. Die Kund­gebungen, die im ganzen Reich ftattfinben, sollen aber auch den anderen 35 Millionen Deutschen in den verschiedensten Teilen der Well sagen, daß sie nicht verlassen sind in ihrem Kampfe, sondern daß hinter ihnen die große deutsche Volksgemeinschaft steht und ihnen die Hände reicht.

Man sage nicht, wir hätten heute genug mit uns zu tun. Das Schicksal der Auslanddeutschen läge uns ferner, als unsere eigene Not ober ginge uns gar wohl nichts an, wer so denkt, der hat das Wort Volksgemeinschaft in seiner Totalität nicht verstan­den und steht auch der Idee des Nationalsozialis- mus noch fern.

hierbei gibt es kein Drinnen enb Draußen, hier gibt es keine Grenzen, sondern nur die Gemeinsamkeit des Blutes und des Volkstums.

Wer so denkt, der denkt auch politisch falsch. Deutschland steht heute im Anfangsstadium eines politischen Kampfes, in dem die Ausländsdeutschen die Front, die Pioniere, die Vorposten sind, von denen noch ungeheure Opfer verlangt werden müssen, die sie letzten Endes auch für uns Inland- deutsche bringen, die wir gewissermaßen dabei doch nur in der Etappe stehen. Mag die Volksgemein­schaft im Innern Deutschlands auch noch so ton- solibiert sein, so ist das noch nicht genug, denn wir sind ein Volk unter Völkern im Herzen Europas und sind in das europäische Geschehen hineinver- stochten, wir können uns nicht isolieren. All die großen Probleme des Nationalsozialismus können letzten Ende nur dann gelöst werden, wenn Deutsch­land auch im außereuropäischen Geschehen diejenige Machtposition einnimmt, die ihm auf Grund seiner Lage, seiner Bedeutung und der 80 Millionen deutschen Menschen, die im mitteleuropäischen Raume wohnen, gebührt.

Darum ist der Kamps des deutschen Volkes heute in hohem Maße zu einem außerpolitischen Kampf geworden, und

es gilt, den außenpolitischen willen des deut­schen Volkes ebenso mobil zu machen, wie der innenpolitische Wille mobil gemacht wurde.

Das aber können wir am besten, indem wir in der Etappe die Front des Deutschtums draußen in jeder Beziehung stützen und stärken. Dann wird auch der Sieg nicht ausbleiben und der innerpoli­tische Sieg erst seine Krönung erfahren.

Dr. W. H e n ß.

AalivnalsoziMmsundDeiiWesLhnstentum"

Versammlung des NS.-LehrerbundeS im Kreis Gießen.

Gestern nachmittag sand im Saal des ®af£ Leib, der mit Tannengrün und mit Hakenkreuzfahnen prächtig geschmückt war, eine Versammlung des RS-Lehrerbundes des Kreises Gießen statt Auch eine Anzahl Geistlicher nahm teil. Kreisschulrat Dr. H e n h begrüßte die Kollegen und die Gäste und gab dann eine Reihe geschäftlicher Mit­teilungen bekannt. 2lm kommenden Sonntag finde in Darmstadt der Hessische Erzieh er tag statt; die Teilnahme aller Kollegen sei Pflicht. 3n seinen weiteren Ausführungen wies der Ver­sammlungsleiter auf die im Kreise gebildeten Arbeitsgemeinschaften im AS. - Leh­re r b u n d hin und forderte jeden Kollegen zur Mitarbeit auf. Die näch ste Kreisver­sammlung des RS-Lehrerbundes finde Ende August oder Anfang September statt. Als Red­ner für diese Versammlung sei der Kultusminister von Sachsen Dr. Hartnacke gewonnen worden, der über das Thema:

Unser öffentliches Bildungswescn im Lichte der Lrblehre"

sprechen werde. Ferner gab Kreisschulrat Dr. H e n ß bekannt, daß bei allen Eingaben an das Ministerium das DIR-Format. zu verwenden sei. Die Sprechstunden des Kreis- und des Stadtschul­amtes muhten eingefallen werden. Rektor Re­be l i n g sei von ihm als stellvertretender Kreis­leiter des RS. - Lehrerbundes und Lehrer Schmidt, Kesselbach, als Vezirksobmann für den Bezirk Londorf bestimmt worden.

Anschließend wies der Redner noch auf die Kundgebung in der Volkshalle am kommenden Freitag hin, die zugunsten der hungern­den Rußland - Deutschen veranstaltet werde. Die Schuljugend solle möglichst vollzählig daran teilnehmen, da in den Kindern der Sinn für die Ganzheit des Volkes geweckt werden solle. Die Ausländsdeutschen sollten fühlen, daß das ganze deutsche Volk hinter ihnen stehe. Das Aus- landsdeutschtum müsse im Reiche allen Rückhalt finden. Der Kampf der Ausländsdeutschen sei Kampf des deutschen Volkes überhaupt. Deutsch­land stehe inmitten des europäischen Geschehens; der Rational!ozialismus sei zur europäischen Frage geworden und werde von den umliegenden Ländern bekämpft. Die Ausländsdeutschen stünden in vorderster Front und sie im Kampf um ihr und unser Deutschtum zu unterstützen sei völkische Pflicht. Mit einemHeil-Hitler!" schloß der Ver­sammlungsleiter seine Ausführungen.

Als Redner der Tagung sprach sodann

Pfarrer Probst/ Frankfurt a. M.

über das ThemaRationalsozialismus und Deutsches Christentum". Er führte u. a. aus:

Wenn man heute vorn Nationalsozialismus spreche, so sei vielen bewußt geworden, daß mit der NSDAP, nicht nur lediglich eine Partei geschaffen worden sei, auch nicht nur eine Weltanschauung, sondern im Nationalsozialismus sei ein Wort Got­tes in dieser Zeit, ein Wunder und eine gewaltige Straft lebendig geworden. Man habe in Deutschland sicherlich beste Kräfte gehabt (Diplomaten, Gene­räle Volkswirtschaftler, Gelehrte), denen es aber trotz ernstesten Wollens nicht gelungen sei, Deutsch­land von dem drohenden Abgrund zurückzureißen. Da sei nun Adolf Hitler gekommen, er, der Freiwillige des Weltkrieges, der bis dahin nie her­vorgetreten, und nicht für feine Aufgabe vor- qebilöet gewesen sei, habe kommen müssen, um Deutschland zu retten. Er habe organisiert und auf- gebaut er sei an keiner Schwierigkeit gescheitert. Adolf Hitler sei eine Hilfe Gottes für das deutsche Volk.

Nationalsozialismus bedeute Umgestaltung des deutschen Volkes in allem und jedem.

Der Nationalsozialismus beschränke sich nicht auf bas Politische, er stoße vor zu Kultur unb Religion. Deshalb könne er nicht vor ber Kirche Hall machen. Der Nationalsozialismus könne nicht bie Kirche als Staat im Staate anerkennen. Die Kirche als Ge- meinbe habe viel versäumt. Was der Nationalsozia­lismus getan habe, wäre die Aufgabe der Kirche gewesen. Die Kirche hätte früher dem Marxismus entgegentreten müssen, hätte früher dem Volke zur Einheit verhelfen müssen. Nun sei Adolf Hitler zum Gewissen der Kirche geworden. Der Kirche aber

habe die Hingabe und der Eifer des Nationalsozia­lismus gefehlt. Es dürfe nicht so weitergehen wie bisher. Wer den Nationalsozialismus begriffen habe, müsse mit gleicher Energie für die Kirche wirken, wie es der SA.-Mann für den National­sozialismus getan habe.

Die GlaubensbewegungDeutsche Christen" habe nichts mit einer neuen Religion zu tun, wolle keine germanische" Religion, sondern sie wolle ein deut­sches Christentum in durchaus lutherischem Sinne. Es solle dabei gar nicht dahin kommen, daß das Alte Testament ausgeschaltet werde, denn was in ihm wahrhaft Gottes Wort sei, werde sich nicht aus­schalten lassen. Wohl aber feien bie Gestalten bes Allen Testaments nicht mehr so wichtig, weil sie uns ja nicht ideal erscheinen könnten. Es sei Ver­leumdung, wen behauptet werde, daß die Deutschen Christen vom Evangelium abfallen wollten. Die alten Glaubensbekenntnisse seien nur für die Fragen der Gegenwart keine Antwort mehr.

. Ls fei eine Forderung der Zeil, ein neues Glaubensbekenntnis zu Christus zu schaffen, das dem hastenden Menschen unserer Tage etwas zu geben vermöge.

Der Mensch brauche ein lebendiges Christentum. Die Kirche müsse wirklichkeitsnahe werden.

Unserem Volke sei von fremdrassigen Menschen in den letzten Jahrzehnten viel Gutes zerstört wor­den. Wenn man nun 'zurücklenken wolle zu den schöpferischen Kräften des eigenen Volkes, so bedeute das doch kein Unrecht! Wenn man die Reinheit des Blutes in den Vordergrund stelle, so sei bas eines Volkes begreiflichster Wille. Man werfe ben Deut- schen Christen vor, sie seien zu berb unb theologisch zu wenig umrissen. Das sei wohl richtig, aber ein Theologe sei kein urwüchsiger Mensch. Die Glaubens­bewegungDeutsche Christen" wolle eine junge Be- roegung sein, benn bie Jugend sei auch hier die Zu­kunft. Man wolle eine Theologie, aber durch sie solle bas Innere nicht ersetzt, sonbern eine Leere ausge­füllt werben.

Die Kirche müsse aus ihrer tonfiftorialen Ruhe aufgescheucht roerbefi. Sie müsse wieder Volksküche werden. Die Kirche habe den Auftrag:Gehet hin in alle Wett!" Sie müsse wieder Missionskirche fein. Aus der pastoralen Kirche müsse wieder eine Laien­kirche werden. Eine Kämpferschar müsse für die Kirche eintreten, wie der SA.-Mann für ben Na­tionalsozialismus.

Das Volk warte auf die Kirche und auf ihre Antworten für unsere Zeit.

Es gelte, Schulungsstätten zu schaffen, in denen die Kämpfer der Kirche herangebildet würden.

Der Kampf um den Reichsbischof hatte unerträg« liche Formen angenommen. Der Staat mußte ein­greifen. Er habe es mit Recht getan. Wenn die Kirche ihre Form gewonnen habe, werde ein Staats- kommissar nicht mehr nötig fein. Als Deutscher und Nationalsozialist leide man sehr unter dem konfes- fioneUen Zwist in unserem Volke. Die Trennung des deutschen Volkes in zwei Konfessionen bedeute Un­natur. So komme das deutsche Volk nie zu einer Gesamtschau seiner selbst. Im großen ganzen habe man doch einen gemeinsamen Glauben an Gott und an Christus.

Für Dogmen habe man ja längst kein Verständnis mehr.

Da das Volk im Nationalsozialismus einig gewor­ben sei, könne man boch annehmen, baß man auch im Konfessionellen einig werben könne. Deutschlanb könnte sich in einem beutschen Christentum fin­den. Dann würde bas beutsche Volk unüberroinb- lich sein. Die große Zeit unseres Daterlanbes sei ge- kommen. Man bürfe nun nicht mehr hängen blei­ben an Einzelheiten ober gar an Persönlichkeiten; es müsse ein unüberroinbliajer Glaube in das Volk gelangen, damit es über alle Not zu einer neuen deutschen Geschichte geführt werde. (Starker Beifall.) Kreisschulrat Dr. Henh dankte dem Redner für seinen aufschlußreichen Vortrag, der, so führte er aus, gleichzeitig als eine Vertiefung des Rationalsozialismus bezeichnet werden könne. Der Vortrag solle gleichzeitig Anlaß dazu sein, mehr über den tieferen Sinn der nationalsozia­listischen Bewegung nachzudenken. Mit einem dreifachenSieg-Heil!" auf den Volkskanzler Adolf Hitler und mit dem gemeinsam ge­sungenen Horst-Wessel-Lied fand die anregende Versammlung ihren Abschluß.

Der Vorstand.

4395 D

Denkt an die(Stiftung für Opfer der Arbeit"!

Einzahlungen an ReichskredttgeseUfchast Berlin W 8, Behrensstrahe 21/22, sowie auf deren Reichs­bankgirokonto und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der Kontobezeichnung:Stiftung für Opfer der Arbeit".

(Volksbund für das Deutschtum im Auslande)

Große Kundgebung in der Volkshalle

für die

hungernden Rußland - Deutschen am Freitag, dem 7. Juli 1933, abends 8.30 Uhr, unter Mitwirkung einer SA.-KapeUe.

Es sprechen: Pfarrer Struckmeyer. Frankfurt/M. Univ.-Prof. Dr. Tn. Mayer, Gießen Schulrat Dr. Henß, Gießen.

Wir fordern die Bewohner Gießens auf. an dieser Kundgebung teilzunehmen. Der Eintritt ist frei.

Bauernkammer" nichtLandwirtschastSkammer^.

Das Gesetz über die Abänderung des Gesches über die Landwirtschastskammer.

WER. Darmstadt, 5. Juli. Das Gesetz zur Abänderung des Gesetzes über die Landwirt­schaftskammer wird heute in der amtlichen Darmstädter Zeitung" veröffentlicht und ist da­mit in Kraft getreten. Auf Grund des Artikel 1 Ziffer I ist das WortLandwirt­schaftskammer" jeweils durch das WortBau­ernkammer" zu ersehen. Aus diesem Ar­tikel sind noch folgende Bestimmungen bemer­kenswert:

Ziffer III: Die Artikel 7 und 8 des alten Gesetzes über die Landwirtschaftskammer erhal­ten folgende Fassung: Artikel 7.Die Bauern­kammer besteht aus 36 ordentlichen Mitgliedern, die nach den Vorschriften der Art. 17 ff. gewählt werden.

Die Bauernkammer kann bis zu vier weitere, um die Landwirtschaft verdiente, im Volksstaat Hessen wohnende Personen als ordentliche Mit­glieder zuwählen."

Artikel 8.Die Bauernkammer kann als außer­ordentliche Mitglieder mit beratender Stimme sachverständige Vertreter bestimmter Fachgebiete und Zweige der Landwirtschaft zuwählen, wofür insbesondere Vertreter der landwirtschaftlichen Genossenschaften, des landwirtschaftlichen Insti­tuts der Landesuniversität Gießen sowie der

Landesorganisationen auf den verschiedenen land­wirtschaftlichen Fachgebieten in Betracht kommen."

Ziffer XVII: Artikel 39, Absatz 1 erhält folgende Fassung:Können die von der Bauernkammer für ihre eigenen Bedürfnisse sowie diejenige ihrer Or­gane und Einrichtungen aufzubringenden Mittel nicht aus Staatszuschüssen oder sonstigen eigenen Einnahmen bestritten werden, so ist der Fehl­betrag durch Umlage zu decken. Heber die Höhe der Umlage und ihre Deckung beschließt die Bau­ernkammer; dieser Beschluß bedarf der Geneh­migung des Staatsministers."

Ziffer XX: Artikel 47 erhält folgende Fassung: Zu den Sitzungen der Bauernkammer und ihres Vorstandes ist das Ministerium unter Beifügung der Tagesordnung einzuladen. Das Ministerium ist berechtigt, zu diesen Sitzungen Vertreter ab­zuordnen, denen auf Verlangen jederzeit das Wort zu erteilen ist."

Bemerkenswert ist ferner noch Absatz 1 des Artikels 2, der folgenden Wortlaut hat:Die Mitglieder der Bauernkammer der derzeit lau­fenden Wahlperiode, die bis 31. März 1937 er­streckt wird, werden ihres Amtes enthoben und der Staatskommissar für Landwirtschaft zum Vorsitzenden der Bauernkammer bestellt mit der Ermächtigung, die Mitglieder, die nach Artikel 7 Absatz 2 zu wählenden weiteren ordentlichen Mit­glieder und den Vorstand für den Rest der Wahl­periode nach den im Artikel 7 Absatz 1 und 2 bzw. 9 des Gesetzes festgelegten Bestimmungen zu ernennen."

Kundgebung der NSBO. in Frankfurt a. M.

WSN. Frankfurt a. M., 4.Juli. Die Frank­furter NSBO. veranstaltete auf dem Riesenplatz vor ber Großmarkthalle eine Massenkundgebung, bei ber auch ber Führer ber Deutschen Arbeitsfront Dr. Rovert Ley, bas Wort ergreifen sollte. Dieser war aber zu einer Führerbesprechung nach Berch- tesgaben berufen worben, fo baß für ihn als Reb- ner Reichstagsabgeorbneter Dr. Albrecht- Ber­lin, Mitglieb bes Reichsrats unb Mitglleb bes Klei­nen unb Großen Arbeitskonvents, einjprang. Dr. Albrecht überbrachte bie Grüße bes Führers ber Deutschen Arbeitsfront unb warf bann einen Rück­blick auf bas in ben letzten fünf Monaten Erreichte. Er ging bann bes Näheren auf bie in ber Gewerk­schaftsfrage vorgenommenen Maßnahmen ein unb erklärte, baß aus ben bisher 28 Verbänben bes Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunbes für bie Zukunft 15 Derbänbe gemacht würben. Es habe sich in ben letzten Wochen gezeigt, bah bie christlichen Gewerkschaften gleichgeschattet werben mußten, weil sich in diesen Verbänden ber Marxismus roieber breit zu machen angefangen habe. Der Rebner ging bann eingehenb auf die Pläne der Reichsregierung zur Arbeitsbeschaffung ein, schilderte ausführlich die Durchführungsvorbereitungen für den Bau der gro­ßen Autostraßen unb bie sonstigen Gelegenheiten, um Arbeit zu schaffen, unb schloß seine von lebhaf­tem Beifall begleiteten Ausführungen mit ber Mah­nung an bie Versammelten, treu zusammenzustehen, damit bas große Ziel ber Wieberausrichtung bes beutschen Volkes halb erreicht werbe. Als zwei­ter Redner beschränkte sich Reichstagsabgeordneter Pg. Schuhmann, Führer des Gesamtoerban­des ber deutschen Arbeiter, darauf, eine Schilderung der Vorgänge in Genf auf der Tagung der Ar­beitskonferenz zu geben. Anschließend an seine Aus­führungen nahm Pg. Schuhmann bie Weihe von 68 neuen Fahnen ber NSBO. vor.