national vom Mutterlands nicht zu trennenden Bauernstandes. Mit sinnfälligen Beispielen für den Wert alter deutscher Sitten und Bräuche erläutere er die Wirkung bäuerlichen Selbstbewußtseins am Beispiel der Siebenbürger Sachsen, die seit 800 Jahren auf ihrer Scholle als Kulturträger sitzen. Hat dieses Bauerntum bisher aus eigener Kraft feine Art erhalten, ohne daß in den bisherigen Jahren die deutsche Politik die verbindenden Brücken zu behaupten verstand, so muß nun endlich die planmäßige gegenseitige Förderung ihre zeitgemäße Form finden.
Nach dieser Begründung des Primats deutscher Bauernpolitik in weitschauender Volkstumsarbeit sprach Reichsinnenminister a. D. Freiherr o. Gayl, der Verwaltungsratsvorsitzende der Deutschen Siedlungsbank, stürmisch begrüßt als der frühere ost- preußische Abstimmungskommissar, und der Mann der Tat am 20. Juli o. I., über die oolkpolitifchen Aufgaben der deutschen Siedlung und Besitzbefestigung. Er betonte u. a.:
Nationalpolitisch sind Siedlung und Besihfesti- gung vornehmlich do am Platze, wo an den Grenzen unseres Volkstums der Kampf um die Behauptung deutschen Lebensraums geführt wird, veberall da, wo deutsche Grenzen in Gefahr sind, überflutet zu werden, tut eine dichte.
deutsche Bauernbevölkerung not.
Errichtung von Bauernhöfen ist keine Angriffs- sondern eine Abwehrmaßnahme, die heute in der Zeit wehrpolitischer Ohnmacht des Reiches und Oesterreichs nötiger ist denn je. Erhaltung der Volkskraft als Quelle der Bluterneuerung unseres Volkes und Erhaltung des deutschen Volksraums als Grundlage der Volkskraft, find die beiden großen volkspolitischen Aufgaben deutscher Siedlungs- und. Besitzbefestigungspolitik. Jede Grenze deutschen Volkstums ist ernst zu prüfen, ob an ihr nicht noch neue Bauernhöfe entstehen können. Vor jeder Ueberspannung muß aber im Interesse der Sache gewarnt werden. Im Rahmen der naturgegebenen Möglichkeiten muß vernunftgemäß gesiedelt werden, wenn das Werk Bestand haben und deutscher Raum gesichert werden soll.
Den Abschluß der Bauerntagung bildeten Vorträge über das ständische Prinzip im Aufbau der deutschen Landwirtschaft.
Oie Giubenientagung.
Im Rahmen der VDA.-Tagung hatten sich die Mitglieder des Vereins Deutscher Studenten zu einer besonderen Veranstaltung zusammengefunden. Neben dem Reichsführer des VDA., Dr. Steinacher, der selbst aus den Reihen des VDSt. hervor- gegangen ist, sprach für die anwesenden Führer der deutschen Volksgruppen in Europa der Abgeordnete Dr. Roth- Hermannstadt. Im übrigen hatten sich auch akademische Tagungsteilnehmer aus alten deutschen Auslandsgebieten eingefunden, an ihrer Spitze die geschloffene Vertretung der Studentenschaften. Den Hauptoortrag hielt Dr. U l l m a n n über die südostdeutschen Menschen. Außerdem wurden Erklärungen für die Führung der Deutschen Studentenschaft abgegeben. In einer weiteren akademischen Tagung erinnerte Universitätsprofessor Dr S p a h n an die volksdeutsche Bedeutung der Türkenschlacht vor Wien 1683.
Zur Jugend sprach noch einmal der neue Reichsführer des VDA., Dr. Steinacher, über den Kärntner Freiheitskampf.
0er Ausklang des Tages.
2m übrigen entwickelte sich in der Stadt Passau das gewohnte bunte Leben und Treiben der 10 000 Mädel und Buben, die mit ihren bunten Wimpeln und Fahnen den VDA.-Veranstaltun- gen ihren besonderen Charakter gaben. Auf Dutzenden von Plätzen und Gärten konzertierten die VDA-Kapellen 2ln der 2nnbrücke sanden sich Spielschargruppen zu einer Singestunde zusammen. Den Abschluß des Tages bildete ein gesamtdeutsches Gelöbnis der Jugend am Feuerstoß. Für die Massen der Teilnehmer loderte ein Stoß am Dreifluheck, am Zusammenfluß von Donau, 2nn und Ilz, während ein zweiter Stoß von der hochgelegenen Maierhofwiese heruntergrüßte.
Lob der Einsamkeit.
Zu den zermurbendsten Nebenerscheinungen der bolschewistischen Lebensform, die von gewissen, der Scholle entwachsenen Literaten immer wieder als erstrebenswert hingestellt wird, gehört die Aus- rottung der Einsamkeit. Es gibt keine Entwicklung ohne Einsamkeit und kein Reifen ohne sie. Selbst jene, die sich noch immer für das jetzige Dasein in Rußland begeistern, können ein leises Bedauern nicht unterdrücken, wenn sie das dumpf gesellschaftliche, nur von materialistischen Debatten unterbrochene Zusammenleben der russischen Studenten und Arbeiter schildern, die, in engen Wohnungen zusammengepfercht, keinen Sinn für das tiefe Walten der Natur besitzen, die nur in Zahlen und Schlagworten denken und seelisch immer mehr verkümmern. Aus den Briefen junger Sowjetfrauen klingt stets von neuem der Sehnsuchtsschrei: „Warum können wir nicht einmal allein sein? Warum gibt es jetzt kein Berstecken vor den anderen, ein seliges Zueinanderfinden, eine glückliche Zweisamkeit?"
Eine Zufriedenheit ohne Einsamkeit ist unvorstellbar. denn Zufriedenheit erwächst aus der Selbstbetrachtung und aus der Verinnerlichung, in der besonders der Grotzstadtmensch nur dann Zeit und Gelegenheit findet, wenn er aus dem Häusermeer heraus in das Freie und in die Weite wandert. Wir haben es verlernt, einsam zu sein. Richtiger, man hat uns den Sinn und die Freude an der Einsamkeit in dem Maße genommen, wie man — aus merkantilen Gründen — unsere Bedürfnisse steigerte und unsere Crlebnisfähigkeit durch vermehrte, flüchtige, dem oberflächlichen Sinnenreiz dienende Darbietungen verminderte und abstumpfte. Jedes Bolk holt und schöpft seine seelische Kraft aus dem Boden seiner Heimat in der tiefen Erkenntnis, daß Mensch und Scholle zusammengehören, daß sie eins sind wie Seele und Körper.
2n den Zähren nach dem großen Kriege Hat die Reifesehnsuchr wie eine Krankheit die großen Massen erfaßt. Tausende und Abertausende haben sich auf die Dahn gesetzt und den Schiffen an Schiffen anvertraut, um weit, recht weit zu reifen, die Welt kennen zu lernen, wie sie sagten. Aber sie sind nur in Hotels und Pensionen abgestiegen, haben Fassaden gesehen und mehr oder minder gute Menüs gegessen, sie haben um die Wette photographiert und sind schließlich übersättigt von so vielen auf sie einstürmenden Eindrücken und dennoch hungrig wieder heimgekehrt. Sie waren auf der Flucht vor sich selbst und sind es heute noch
Oie Nationalsozialisten und der VOA.
Passau, 5. Juni. (CNB.) Der Stellvertreter des Führers der NSDAP. Adolf Hitler, Rudolf Heß, hat in seinem Schreiben an den Reichsfllhrer des VDA. Dr. Steinacher, in dem er seine Behinderung, an der VDA.-Tagung teilzunehmen, zum Ausdruck bringt, folgendes mitgeteilt: „Ich wünsche Ihrer Tagung umso mehr einen recht großen Erfolg, als ich — selbst Auslandsdeutscher — die Bedeutung der Arbeit des VDA. für unser Volkstum jenseits der Grenze besonders och einschätze. Ich weiß auch darüber hinaus sehr wohl, daß die
Lleberall, wohin ich kam, erlebte ich dasselbe. Feriendurstige Menschen, die nur eine Sehnsucht kannten, frei zu fein, des Alltags Fron zu vergessen, begannen nach den ersten vierundzwanzig Stunden, die sie irgendwo in einem idyllischen Orte verbrachten, unruhig zu werden, sich nach passender „Unterhaltung" umzusehen.
„Man langweilt sich hier zu Tode!"
„Richt einmal Musik gibt es dal"
„Man kann doch schließlich nicht den ganzen Tag baden oder spazieren gehen!" So konnten alle nicht einsam sein, wußten alle nichts mit sich und ihrer freien Zeit, aus die sie sich ein ganzes 2ahr gefreut hatten, anzufangen. Richt einmal in Gesellschaftzu zweit, dritt oder viert fühlten sie sich wohl. Ihre Augen und Wünsche wanderten in die anderen Hotels, sie suchten, eine ihnen selbst nicht erilärliche Tlnruhe und Llnrast trieb sie fort, bald da und dorthin. So groß war die Welt, und so wenig bot sie denen, die nicht die Ratur. die nicht das Wunderbare, das Erlebnis der Stille, sondern die Menge, die wahllos zusammengewürfelte Gesellschaft der Tanzsäle und Hotelbars suchten. Kein Wunder dann, daß sie sich langweilten, daß auch die raffiniertesten Genüsse, der schönste Komfort sie nicht befriedigen konnte.
2hr ganzes Streben geht dahin, während der Zeit der Ausspannung „lustig" zu sein. Lustigkeit aber ist eine gewollte, eine erzwungene, zumindest eine nicht ursprüngliche Heiterkeit. Gewiß kann in einer wohlabgestunmten Gesellschaft schöner, reiner Frohsinn herrschen. Frohsinn und Heiterkeit, beides Eigenschaften, die im Gegensatz zu der landläufigen Meinung nur der Einsame, Verinnerlichte in sich trägt, sind aber etwas ganz anderes als Lustigkeit. Der Psycholog Dr. Philipp Lersch hat diesen grundlegenden Unterschied in feinem Werk „Gesicht und Seele" sehr hübsch auseinandergeseht. Was man als Frohheit schlechthin bezeichnet, begegnet uns, so sagt er in zwei Modifikationen, als Heiterkeit und Lustigkeit. Der Unterschied ist im gewissen Grad dem analog, der zwischen Traurigkeit und Mißmut besteht. Die Heiterkeit ist zurückhaltend, in sich zentriert: die Lustigkeit wirft sich in die Umwelt hinein, greift nach den Dingen und wirbelt sie durcheinander. Die Heiterkeit ist mehr gelassen, die Lustigkeit mehr ausgelassen. Dies zeigt sich auch in der sprachlichen Aeuherung: wenn der Heitere auch völlig sozial aufgeschlossen ist, so ist er dennoch nicht so laut in seiner Aeuherung wie der Lustige, der durch seine Lautheit gelegentlich aufdringlich werden kann. Der Lustige amüsiert I sich an den Dingen, der Heitere freut sich ihrer.
Wirkungsmöglichkeit des Verbands umso größer ist, jemehrer sichnach w i e v o r f r e l z u h a l- ten versteht von Einflüssen des offiziellen Deutschlands, gleichgültia, ob dieses sich in Regierungen oder in Parteigebilden verkörpert, und sei es selbst in einer Bewegung, die im Grunde so wenig Partei in normalem Sinne ist wie die Nationalsozialistische. Ich darf ausdrücklich betonen, daß diese meine Auffassung sich durchaus deckt mit der Auffassung des Führers selbst, die er auch verschiedentlich Vertretern des VDA. gegenüber zum Ausdruck brachte, und an der sich, wie ich weiß, heute weniger denn je etwas geändert hat."
Und dies heißt im Grunde nichts anderes als dies, daß her Lustige egozentrischer, ichgebundener ist, und daß ihm das Gütige und Schenkende bei weitem nicht in dem Maße eigentümlich ist, in dem es die echte Heiterkeit besitzt. Zweifellos liegt auch in der Lustigkeit eine Bejahung der Dinge, aber der Lustige bejaht die Dinge weniger so, wie sie für sich sind, als vielmehr in ihren Beziehungen zu seiner eigenen Person. Der Lustige sieht kaum über seinen Anspruch, amüsiert zu werden und zu amüsieren, hinaus, er verliert leicht das Interesse und den Sinn für Leute, die seine Stimmung nicht mitmachen können: der Heitere dagegen hat mehr Verständnis und Güte auch für Menschen, die nicht heiterer Stimmung sind. Anderseits kann sich der Heitere der Außenwelt gegenüber völlig aufschließen, aber er bedarf dieser keineswegs notwendig, um heiter zu sein.
In der Einsamkeit liegt vielmehr die Quelle echten, natürlichen Frohsinns und nicht der Schwermut, wie viele irrtümlich meinen. Denn gerade der Schwermütige läßt sich gelegentlich gern in einen Zustand absurder, zumindest übertriebener Lustigkeit versetzen. So ist auch unser gesellschaftliches Leben nicht von echter Heiterkeit durchströmt, nicht einmal mit Lustigkeit erfüllt, sondern exaltiert. Wir glauben uns zu unterhalten und sind bestenfalls nur angenehm gekitzelt. Auf die Lustigkeit folgt Ernüchterung und Langeweile. Der Mensch aber, der feine Heiterkeit aus der Einsamkeit schöpft, der sich in sich und in der Ratur sucht und wiederfindet, bleibt heiter, gütig und froh, auch wenn er aus der heiterkeitsspendenden Einsamkeit in den Kreis der anderen zurückkehrt.
Was sind das für schreckliche Zeitgenossen, die jetzt an warmen, sonnendurchpulsten Frühlingssonntagen hinaus ins Freie ziehen, den tragbaren Sprech- oder Radioapparat in der Hand, um in der nächsten Waldlichtung sich niederzulassen und — Musik zu machen! Wieviel Musik rauscht und zittert in Wald und Flur, wieviel Gesang und Stimmenglanz liegt in einer Mittags- oder Abendstimmung! Richts von dem wundervollen Konzert der Atmosphäre wird dem Lustigen offenbar Er bringt seine barbarischen Zivilisationsgeräte in die Ratur und vernichtet damit ihren Zauber. Wer die Einsamkeit loben und sich ihrer erfreuen will, der schreie sie nicht in alle Welt. Jene, die sagen, sie seien einsam oder sie sehnen sich so sehr nach Einsamkeit, wissen nicht, was Einsamkeit ist, sie ahnen nicht, wieviel Köstlichkeit sich dahinter verbirgt.
Man kann nicht in die Einsamkeit hinausgehen. Man muß sie erringen und erkämpfen. Man muß
tereaux fährt, gerieten gestern abend di? Kleider des Lokomotivführers in Brand. Don Schmerzen gepeinigt sprang er von der Lokomotive ab und wurde von einem entgegenkommenden Zuge überfahren und getötet. Der Heizer übernahm darauf die Führung der Lokomotive. Aber auch seine Kleider gerieten in Brand, so daß es ihm nicht mehr möglich war, den Zug zum Halten zu bringen. Glücklicherweise war der Zugbegleiter aufmerksam geworden. Er arbeitete sich zur Lokomotive vor und konnte auf Grund der Winke, die ihm der fast ohnmächtige Heizer gab, den Zug mit den erforderlichen Hebeldrücken anhalten. Roch vor der Einlieferung ins Krankenhaus ist auch der Heizer seinen Brandwunden erlegen.
Aus aller Welt.
Vcandkataslrophe in einem Heidedorf. —
11 Gehöfte niedergebrannt.
Das Heidedorf A h a u f e n bei Rothenburg wurde am zweiten Pfingstfeiertag während des Got- tesdienstes von einer Feuersbrunst heimgesucht, durck die f a ft ein Drittel des gesamten Dorfes in Asche gelegt wurde. Das Feuer war durch spielende Kinder, denen in Abwesenheit der Eltern Streichhölzer in die Hände gekommen waren, in einem Gehöft entstanden, während im Gottesdienst der Einleitungschoral gesungen wurde. Als das Feuerhorn durch das vereinsamte Dorf gellte, brach der Pastor den Gottesdienst sofort ab und forderte sämtliche männlichen Kirchenbesucher auf, die Löscharbeit in Angriff zu nehmen. Da viele Häuser und Gehöfte aber noch mit dem niedersächsischen Strohdach gedeckt waren, breiteten sich die Flammen mit großer Geschwindigkeit aus und äscherten in kurzer Zeit 11 von etwa 30 Gehöften des Dorfes ein. Der Schaden beträgt nach erster Schätzung etwa 250 000 Mark. Die meisten der von der Katastrophe Betroffenen stehen, da ihnen das Feuer alle Habe vernichtet hat, vor dem Nichts.
Sieben Personen durch Starkstrom getötet.
In Chiggiogna im Levantiner Tal sind sieben Personen beim Transport von Langholz mit einer Seilbahn durch Starkstrom getötet worden. Das Drahtseil der Förderanlage war aus unaufgeklärter Ursache mit einer Starkstromleitung in Verbindung gekommen. Außer den Toten sind noch zwei Schwerverletzte zu beklagen.
Wochenendflug englischer Sportflieger nach Deutschland.
In Erwiderung des vorjährigen Wochenendfluges deutscher Flieger nach England trafen fünf englischeSportmaschinen auf dem Düsseldorfer Flugplatz Lohausen als Gäste des Düsseldor fer Aeroklubs ein. Die Engländer waren über den gastlichen Empfang sehr erfreut und sprachen sich anerkennend über den deutschen Flugsport aus. An dem Flug, dessen Führer das Parlamentsmitglied W. Lind- sah E v e r a r d ist, nahmen auch vier Damen teil, darunter die Prinzessin Windischgrätz. Weitere sieben Maschinen werden noch erwartet.
Schweres Flugzeugunglück in Fürth. — Zwei lote.
Ein schweres Unglück ereignete sich am Sonntag» nachmittag auf dem Flugplätze in Fürth, wo anläßlich der NS.-FIugwoche fliegerische Wettbewerbe zum Austrag kamen. Beim Baklon- rennen stießen zwei Flugzeuge in ungefähr 100 Meter Höhe zusammen und stürzten ab. Der Flugzeugführer Flöder (Dresden) wurde sofort getötet, während der Flugzeugführer Gaßner (Fürth) schwer verletzt ins Krankenhaus übergeführt werden mußte, wo er alsbald seinen Verletzungen erlag. Der Mitfahrer Flöders konnte sich noch im letzten Augenblick durch Absprung aus geringer Höhe retten.
Explosionskatastrophe In Kalifornien.
In Long-Beach (Kalifornien) find bei der Explosion einer Petr oleum-Raffinerie sieben Todesopfer gezählt worden. Fünfzig Personen wurden verletzt. Der Sachschaden wird auf zwei Millionen Dollar geschätzt.
sich erst auf sie vorbereiten, da sie einen sonst erdrückt wie alles Große und Ungeheure und Unfaßbare.
In der großen, echten, tiefen Liebe ist die Einsamkeit der Weg zur beglückenden Zweisamkeit. Und was ist denn die Liebe anderes als das aufwühlende Bewußtsein einer nach Ergänzung und Erfüllung drängenden Einsamkeit?
Wirklich einsam und verlassen ist daher nur jener Mensch, der die Einsamkeit nicht kennt, der sie nicht in ihrer herben Süße ausgekostet, sie nicht mit allen Fasern seiner Seele zu erringen gesucht hat. Der Einsame in des Wortes schöner Bedeutung ist so angefüllt mit Güte und Heiterkeit, daß er die Einsamkeit als einen Rausch empfindet, der als einziger Rausch keinen Kater hinterläßt, weil er in der Seele glückhaft weiterschwingt. So müssen auch alle naiven Gemüter, die mit einem befreiten Ausatmen aus der Hetzjagd des täglichen Lebens auf das Land oder ans Meer flüchten, um, wie sie vermeinen, „die Einsamkeit" aufzuspüren, bald enttäuscht werden, denn sie suchen die Einsamkeit, statt sie zu erobern und finden nur sich selbst und wissen mit ihrer Person nichts anzufangen. Sie drehen sich im Leeren, sie tasten nach etwas Wesenlosem, fie wollen sich an der Ratur begeistern und merken nicht, daß alles in der Welt nur ein Reflex ihres Selbst ist, und daß die Welt nicht strahlen und nicht glänzen kann, wenn nicht aus ihnen und von ihnen das Licht und der Glanz kommt.
In die Einsamkeit fliehen — welch' eine verkehrte Wendung! Fliehen wir denn in das Glück? Wir ziehen es an uns, wenn wir den in uns allen verankerten Keim hegen und pflegen, wenn wir von der Plattform des oberflächlichen Lebens in die rätselhaften Tiefen unserer Seele hinabsteigen.
Langeweile ist ein Zustand, in den ein wahrhaft Einsamer, also ein Glücklicher, ein Zufriedener nie fallen kann. Rirgends in der Welt findest du die Einsamkeit, wenn nicht in dir. Niemals darfst du sie loben, wenn du sie nicht verscheuchen willst. Denn sie trägt das höchste Lob in sich.
In den dichten Wäldern Schwedens trafen wir einmal einen alten Förster, munter und vergnügt trotz seiner siebzig Jahre, von denen er fünfzig in der rauschenden Stille seiner Daumriesen verbracht hatte. Ein junges Mädchen aus unserer Gesellschaft fragte ihn: „Langweilen Sie sich denn niemals, wenn Sie so ganz mutterseelenallein sind?"
„Wie sollte ich?", gab der Alte zur Antwort, „die Freude läßt mir keine Zeit dazu!" G. S,
Weli-Alleinflug eines Amerikaners.
Oie erste Etappe Aeuyork—Moskau zurückgelegt.
Oer Start.
N e u y o r k, 3. Juni. (WTB.) Der amerikanische Flieger James I. Mattern ist heute um 5.20 Uhr zu einem Welt-Alleinflug gestartet. Nach Aussage seiner Freunde will er sofort nach Europa fliegen und erst in Berlin oder, wenn möglich, sogar erst in Moskau niedergehen. Mattern gehört zu den beiden amerikanischen Fliegern, die schon im Vorjahr einen Weltflug versuchten, infolge Absturzes in Rußland aber von ihrem Unternehmen absehen mußten.
Zwischenlandung in Norwegen.
Oslo, 5. Juni. (WTB.) Der Flieger Mattern ist heute morgen 4.20 Uhr in der Nähe von Oslo gelandet und hat um 6.40 Uhr den Flug mit Richtung auf Moskau fortgesetzt. Er erklärte, er habe die Westküste von Norwegen für die Küste Schottlands gehalten und habe wegen eines Gewitters und wegen des Nebels seit längerer Zeit mehr nach Norden halten müssen. Deshalb habe er später versucht, einen südlicheren Kurs einzuschlagen und Berlin zu erreichen. Am Sonntagabend sei er jedoch auf der Insel Jomfruland (am Skagerrak, südwest
lich der Stadt Langesund) gelandet, weil er dort einen günstigen Boden gefunden habe. Nach 23stün- digem Flug habe er noch 50 Liter Benzin und 40 Liter Oel gehabt.
Landung in Moskau.
Moskau, 5. Juni. (WTB.) Mattern ist heute mittag in Moskau gelandet. Vertreter der russischen Regierung, der Zivilluftfahrt und der Presse hatten sich zu seiner Begrüßung eingefunden. Besonders herzlich war die Bewillkommnung Matterns durch die Sowjetflieger.
Unterwegs nach Irkutsk.
Moskau, 5. Juni. (TU.) Der amerikanische Flieger Mattern ist nach kurzem Aufenthalt auf dem Moskauer Zentralflughafen wieder zum Weiterflug noch Irkutsk gestartet. Für den Weiterflug wurde der Flieger mit russischem Kartenmaterial versorgt.
Matterns gestorbener Vater ist übrigens in Mannheim geboren, seine Mutter lebt mit ihrer Schwester, einer Frau Muelzej, in Fortworth (Indiana).
Schweres Eisenbahnunglück in Frar kceich.
Bisher 14 Tote und 25 Verletzte.
Nantes, 4. Juni. Der von Paris kommende Nacht schnellzug, der mit Pfingstausflüglern voll beseht war, ist in den frühen Morgenstunden kurz vor Nantes entgleist. Auf die Nachricht von dem Unglück begaben sich sofort hilfs- mannschaften nach der Unfallstelle. Dort bot sich ihnen ein grauenhaftes Bild. Line Reihe von wagen war zertrümmert, schreiende und blutende Menschen lagen unter den Trümmern.
Nach einer Meldung der Direktion der Orleans- Lisenbahnen beträgt die Zahl der Opfer der Zugkatastrophe von Nantes 14 Tote und 25 verletzte. hiervon sollen 5 oder 6 schwer verletzt fein. 3n anderen Meldungen wird die Zahl der verletzten mit über 10 0 angegeben. An der Unglücksstelle war vor einigen Tagen ein Güterzug entgleist, und die Gleise sollten aus- gebessert werden. Der Lokomotivführer hat die Signale, die langsame Fahrt vorschrieben, übersehen, brau st e mit 90 Kilometer Geschwindigkeit heran. Sein versuch, in letzter Sekunde zu stoppen, hatte die entgegengesetzte Wirkung. Die Maschine sprang aus den Schienen und schlug um Sämtliche Wagen schoben sich ineinander Die Bergungsarbeiten waren sehr schwierig. Der Lokomotivführer ist in Untersuchungshaft genommen worden.
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Das Dild an der Tlnfallstelle ist unbeschreiblich. Aus dem ineinandergedrückten Wagen tagten Körperteile der Toten und Schwerverletzten hervor, die man oft erst durch Auseinander- schweihung der Eisenteile befreien konnte. Eine Frau war über vier Stunden mit dem Oberkörper zwischen zwei Eisenstangen eingeklemmt, während zu ihren Füßen die Leiche ihrer Schwester lag, die sie infolge der furchtbaren Verstümmelung nicht erkannte. In einem Abteil fand man eine junge Mutter mit ihrem 18 Monate alten Kind in den Armen. Beide waren tot. Wieder andere waren bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. So wurde eine Reisende buchstäblich in zwei Teile zerschnitten. Die Schreckensszenen, die sich während der Rettungsarbeiten abspielten, waren herzzerreißend. Am ersten Pfingstfeiertag und in der Nacht vom Sonntag zum Montag arbeiteten Feuerwehr, Militär und Gendarmerie an den Aufräumungsarbeiten.
Ein zweites Eisenbahnunglück im letzten Augenblick verhütet.
Paris, 6. Juni. (WTB. Funkshruch.) Nachdem sich am ersten Feiertag das große Eisenbahnunglück bei Nantes ereignet hat, wäre es am Abend des zweiten Feiertages infolge eines ganz ungewöhnlichen Vorkommnisses beinahe wieder zu einem Eisenbahnunglück gekommen. Der Vorfall hat sich folgendermaßen abgespielt: Auf einem Vorortzug, der von Paris nach Ion«


