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6.6.1933 Erstes Blatt
 
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GIESSEN

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Ein vaferländifcherRoman vonHansDietzKe

Urheber-Rechtsschutz

durch Verlag Oskar Meister, Werdau.

15. Fortsetzung. Vachdruck verboten>

Döllnitz hat seine Mahlzeit beendet. Er erhebt sich, nimmt Mantel und Pelzmütze und tritt durch die niedere Tür ins Freie.

Ehe der Spitzel folgt, stiehlt er mit geschicktem Griff den Brief aus dem Fach an der Wand und birgt ihn hastig in seinem dunklen Rock. Dann wirft er lässig dem eben herbeieilenden Wirt eine Münze zur Begleichung seiner Zeche auf den Tisch und verläßt die Gaststube.

Einsam liegt die Hohegasse do. Fußhoher Schnee macht den Weg schwer passierbar. Die Augen des Spitzels haben mit einem Blick die mächtig ragende Gestalt des Hauptmanns um die Ecke biegen sehen. Ohne Hast, in bewußtem Abstand, folgt er. Der Fang ist ihm sicher.

Ahnungslos geht Döllnitz durch die verschlafenen, abendlichen Straßen. Ab und zu kommt ein Bür­ger oder eine Frauensperson, der ein Diener mit der Handlaterne den Weg erleuchtet.

Ebenso still und dunkel liegt die Webergasse da, in der das Haus des Professors Berger liegt. Licht­schein dringt aus einer breiten Fensterreihe zu ebe­ner Erde durch die sorgsam dicht geschlossenen Vor­hänge.

Döllnitz tritt durch die unverschlossene Flurtür ein. Die Gestalt des Spitzels birgt sich mit lautlosen Schritten in einem gegenüberliegenden dunklen Tor­weg.

Rach geraumer Weile verläßt der Lauscher seinen Posten und eilt davon. Die Falle ist geschlossen!

Während zu gleicher Zeit der Schlitten mit den Rettern unterwegs war, gingen die beiden Frauen an die Ausführung chres Planes.

Jeanette weiß so gut wie Maria, daß alles da­von abhängt, ihren Mann abzulenken, um Döll­nitz ohne Aufsehen in das Schloß zu bringen und hier so lange versteckt zu halten, bis sich der erste Aufruhr gelegt hat.

Scheinbar unbefangen und mit lächelnder Miene betritt sie das Zimmer ihres Gatten. Lefevre ist freudig überrascht. Seine Unruhe steigerte sich in der letzten Stunde über allem Denken bis zur Un­erträglichkeit, die Einsamkeit begann ihn zu quä­len. Er wollte Jeanette nicht vorzeitig von ihrem Vergnügen losreißen und versuchte sich die schlei­chende Zeit mit allerlei müßigen, zerstreuenden Dingen zu vertreiben. Aber in dem krampfhaften Bemühen sich abzulenken, wurde das umklammern­

de Gefühl des Alleinseins zu doppelt bedrückender Last.

Um so freudiger begrüßt er nun Jeanette. Zärt­lich küßt er ihre Hand.Du hast mir sehr gefehlt d£ri!" In unverhohlener Liebe schließt er dann die yrau in seine Arme.

Mit leicht verlegenem Lächeln befreit sich Jean­nette.Desto eher wirst du mir hoffentlich einen Wunsch erfüllen, der mir sehr am Herzen liegt." Sie sieht ihrem Mann voll in die Augen. Findet den Mut zu einer Lüge, die durch , tiefste Ueber- zeugung ihrer Notwendigkeit, durch innersten Zwang eines absoluten Mitgefühls von dem Schimmer reinster, stärkster Wahrheit umkleidet ist.Du weißt, Ren6 ich störe dich nicht gern über deinen Bü­chern ..."

Du störst mich nicht, Jeanette. Im Gegenteil es ist mir lieb, daß du kommst, aber ..." der Ernst in den Augen seiner Frau läßt ihn besorgt auf­merken,... jetzt verrate mir deine Bitte ich bin recht neugierig." Lefevre setzt ein etwas ge­zwungen erwartendes Lächeln auf. Jeannette senkt den Blick und zieht Ren6 in den Sessel, auf dessen Lehne sie sich setzt, ihre Arme sanft und bittend um seinen Hals legend.

Du mußt es mir schon vorher versprechen ..." ihre Stimme ist rührend leise,... dieses einzige Mal nur sollst du es tun!"

Lefevre beginnt zu lachen.Du bist ja so ge­heimnisvoll und feierlich, chärie, als ob es sich um die größte Sache der Welt handele!"

Also du versprichst es mir? Jeanettes Augen suchen Ren6 voll betörendem Liebreiz in ihrer ver­haltenen Angst, die beinah kindlich ist.

Ich wüßte nicht, was ich dir abschlagen sollte." Lefevre ist gespannt in Erwartung, die etwas Ko­misches und Verlegenes zugleich ist.

Endlich platzt Jeanette mit der Bitte heraus, ihren Mann dabei fest ansehend:Du sollst mit hin­über in Maria von Löbaus Salon. Die Baronesse erwartet uns wir wollen musizieren heute abend."

Der Hauptmann wendet den Blick ab von seiner Frau. Ein verschlossener Zug tritt in fein Gesicht. Seine Lippen pressen sich zusammen in stummer Abwehr. Jeannette nimmt die Arme von seinem Hals, als ihr Mann sich erheben will.Du hast es mir versprochen! Ren6 dieses eine Mal nur!" Das kann ich nicht, Jeanette! Du weißt ge­nau, daß ich Pflichten habe, daß ich hier als Offi­zier meiner Armee stehe. Ich darf nicht tun, was ich als Bürger in diesem besonderen Falle um so lieber tun würde."

Jeannette kämpft mit den letzten Waffen, die ihr noch bleiben. Sie führt den ganzen Zauber ihres Wesens ins Treffen. Sie sieht Ren6 mit einem langen, stummen Blick an, mit einem Läckeln, dem er nicht widerstehen wird.Soldat, du?' eine schmollende Nichtachtung liegt in ihren Worten, ein sanfter Hohn auf seinen Stolz.Immer wieder

deine dumme Pflicht! Niemand sieht es, als wir zwei. Und niemand zwingt dich, gegen dein ehrliches Gewissen zu handeln oder glaubst du, die Ba­ronesse hat sich mit mir verschworen, dir militä­rische Geheimnisse zu entlocken?" Jeanette nimmt seinen Kopf in ihre Hände und lacht ihn einfach aus.Recht hast du schon wir haben Hinterge­danken und verschworen haben wir uns auch. Aber nur um dein Geigenspiel zu hören! Ich habe der Baronesse soviel davon erzählt und jetzt willst du mich im Stich lassen schäm dich, du Soldat!"

Lefevre fühlt seinen Widerstand schwanken, aber er schweigt hartnäckig. Da reißt Jeanette die Ge­duld.Früher hättest du so etwas nicht gewagt. Aber seitdem du von Paris fort bist, hast du ja höhere Wünsche zu achten, als die, um die deine Frau zu bitten wagt."

Der Hauptmann kann nicht länger ernst bleiben bei dem schmollenden Gesicht seiner Frau.Wie Majestät befehlen!" sagt er und bietet ihr den Arm. Ein strahlendes Lachen Jeanettes belohnt feine Antwort.Ich freue mich, ch6rie, endlich wieder eine Geige in die Hand nehmen zu können!"

Und die Baronesse wird sich freuen, dich endlich einmal als ihren Gast zu sehen. Sie hat es um meinetwillen verdient. Du hättest längst kommen sollen", Jeannette sieht ihn, während sie aus dem Zimmer gehen, mit komischer Geringschätzung von der Seite an,aber, ich vergaß dabei: Du bist ja Soldat und Soldaten haben keine Manieren nötig! Du versagst deiner Würde nichts, denn heute ist niemand anderes im Schloß als die Baronesse und da hielt ich den Augenblick für geeignet, deine Kavaliersehre wieder herzustellen."

Klug und süß wie immer, ch6rie!" Lefevre küßt seine Frau auf die Wange, die vor kaum verhalte­ner Erregung glüht.

Sie gehen über die Freitreppe der Diele hinaus zum Salon, wo Maria von Löbau wartet. Die Komödie kann beginnen.

Unten aber in der Gesindestube sitzen Karl und der alte Tobias und starren ins verglimmende Feuer. Ihre Gedanken sind bei den beiden, die mit jagenden Pferden das Leben deutscher Männer zu retten versuchen.

*

Hauptmann Döllnitz spricht zu den bei Professor Berger in der Webergasse in Breslau versammel­ten Führern des Tugendbundes. Es sind nur we­nige Männer, die verläßlichsten, denen in letzter Stunde die heiligsten Geheimnisse des Bundes an- vertraut werden. Der Hauptmann hat chr Gelöb­nis unverbrüchlicher Treue, ihr Plan ist gefaßt. Noch einmal läßt er in den Herzen die Flamme bedingungsloser Hingabe auflodern, mit Worten, die tiefster Wirkung durch die Kraft ihrer Ueber- zeugung gewiß sind.

Seit Monaten schon wirken in Heimlichkeit und Stille unter den Augen französischer Spitzel in ganz Schlesien tapfere Männer für die Sache der

Freiheit überall sprechen in diesen Tagen und Stunden Mitglieder unseres Bundes zu deutschen Patrioten. Alle hoben ein Ziel, dasselbe Denken und Hoffen steht in ihren Herzen: Die Erlösung des Vaterlandes aus Schmach und Not!..."

Döllnitz' helle, klare Stimme schwingt in gedämpf­ter Leidenschaft durch den Raum. Sein Blick sucht die Büste des großen Königs, ein Spender der Kraft, die leuchtend von hohem Bücherbord auf die Männer herabsieht.

Noch ist das Los unserer Nation: Schweigen müssen mit Gewalt Wahrheit und Vaterlands­liebe unterdrücken! Welcher rechtschaffene Patriot, dem Volk und Vaterland mehr sind als Worte und Phrasen, soll sich Elend und Jammer unserer Zeit die wahrlich allenthalben ihren Höhepunkt er­reicht haben noch länger untätig mit ansehen?! Ueberall das gleiche: Die Bauern hungern, den Bürgern erpreßt man mit Tributen das letzte und die Regierung schweigt! Das Militär wartet Gewehr bei Fuß. Männer wie Scharnhorst und Gneisenau sind machtlos gegen des Königs Zau­dern! Hier gibt es nur eine Rettung: Das Volk muß sprechen! Die Stimmen von Hunderttausenden kön­nen nicht ungehört verhallen!"

Ein Ruck geht durch die Körper der Männer, Entschlossenheit steht auf ihren Gesichtern, die zu allem bereit ist.

Döllnitz hämmert mit der Wucht seiner Rede un­erbittlich die trübe Wahrheit in das Gewissen seiner Hörer: Kein Taler fließt in eure Kaffen, den nicht Tribut verkleinert keine Zeitung wird in eurem Land gedruckt, die nicht von Fremdlingen geneh­migt ist kein Schiff, kein Wagen darf in eure Grenzen, der nicht von Zöllnern überwacht zer­störter Handel, vernichtete Fabriken, menschenleere Felder und Steuern, Erpressung überall! Spione zählen eure Schritte, bewachen eure Wege ..."

Da schrillt lärmend die Ziehglocke der Haustüre, Fäuste hämmern gegen das verschlossene Portal. Rambeaux mit seinen Beamten steht draußen. Er schäumt vor Wut: Die Türe versperrt der ge« waltsame Einlaß erfordert kostbare Zeit ...

Einen Augenblick herrscht laullose Stille im Bibliothekszimmer des Professors. Das Licht der Kerzen erlischt. Hände greifen nach dem Pistol eine Stimme zischt:Verrat!"

Dann hallt dumpf und befehlend wieder die Stimme von draußen:Deffnen Sie im Namen des Kaisers öffnen Sie sofort!"

Hauptmann Döllnitz steht unbeweglich, mit ver­kniffenem Gesicht. Das ist das Ende jetzt haben sie ihn. Die Meute hat ihn gestellt jetzt gibt es kein Entrinnen mehr.

Er ist von den Männern umringt. Worte drängen auf ihn ein:Retten Sie sich, Herr Hauptmann!" ...Der Bund braucht Sie!" ... Es ist Wahnsinn, wenn Sie sich jetzt opfern!"

l Fortsetzung folr''

bei allen Hausfrauen beliebt wegen ihrer Güte -- 5 Würfel nur 17 Pfg.

Wiesede, den 6. Juni 1933.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 7. Juni, nachmittags

3 Uhr, vom Trauerhause, Kirchstraße 11, aus statt.

3761 D

a.d. Gieß. Anzeiger.

FluflbXfitb im Fliegerlaflor

In tiefer Trauert

Heinrich Geißler und Angehörige.

Gr.-Linden, Leihgestern, Hörnsheim, den 6. Juni 1933.

Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. Juni, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehaus, Alte Heerstraße 13, aus statt. 766 D

Im Namen der trauernden Hinterbliebenen;

Heinrich Schäfer X.

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II

Wenn er mit Hilfe der vielerlei praktischen Gartengeräte seine Arbeit vollbracht hat, wenn alles sprießt und lustig gedeiht, dann steht er auf dem Standpunkt:

Nach der Arbeit die Bequemlichkeit

Deshalb hat er sich eine wunderhübsche Ecke mit Garten­möbeln eingerichtet, in der sich's nach Feierabend und und Sonntags urgemütlich sitzen läßt. Meints die Sonne mal zu gut klapp, hat er den bunten Gartenschirm schon aufgespannt und sitzt im Schatten.

Lustige Gartenfiguren schauen ihm zu und ein paarStein-Pilze schaffen mit einer Tanne zusammen einen Privat - Wald. Eine Idee was? Die paar Mark für Gartenmöbel bringen Sie doch auch noch auf? Kommen Sie mal in meine Gartenmöbel-Ausstellung.

3530 A

MAGGI5

'I Fleischbrühwürfel

ommep- ppossen