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6.6.1933 Erstes Blatt
 
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Sie Stauung des Prinzen Wilhelm von Preußen.

Bonn, 3 Juni. (TU.) Es liegt in der (Eigenart der alten Universitätsstadt Bann, der ehemaligen kurfürstlichen Residenz und der beliebten Studien- staüt der Hohenzollern begründet, daß die Lermäh- lung des Prinzen Wilhelm van Preußen, des älte­sten Kranprinzensohnes, mit Darathea oon Salviati eine so ungeheure Beteiligung der Banner Bevölke­rung gesunden hat. Wenn das Brautpaar auch die Hochzeit in aller Stille beging, fo mahnte der krrch- lichen Trauung in der In stilvollem Rokoko erbauten Schloßkirche eine so große Menschenmenge bei, daß da» Brautpaar, als es vor der ftirdbe vorfuhr, Mühe hatte, sich einen Weg durch die Menschenmenae zu bahnen, die in laute Hochrufe ausbrach Stahlhelm­kameraden des Prinzen bildeten von dem Wagen bis zum Portal der Kirche Spalier. Zahlreiche Kame­ras und ein Tonfilmapparat waren auf das Paar gerichtet, als es die Braut in Weiß, der Prinz in Stahlhelmuniform den Wagen verlieh, und in die Kirche schritt.

Die Kirche sah den Freunde»- und Bekannten­kreis deS Hauses Salviati, bekannte Bonner Bürger und Mitglieder der Universität Auch Prinz Albrecht von Hohenzollern, von der katholischen Linie, wohnte der Trauung bei, ebenso

Prinz Hubertus von Preußen, der jüngere Bruder des Bräutigams. Psarrer Haun knüpfte seine Ansprache an den Konfirmationsspruch j>eS Prinzen Wilhelm an: Wer bis an das Ende auSharrt, der wird selig Der einfache Sinn dieses Spruches sei. Fest bleiben al» Richtschnur für da» ganze Leben.

Als die Reuvermählten die Kirche verließen, wurden sie draußen von der Menschenmenge ju­belnd empfangen. Der Wagen fuhr zum Hause Salviati zurück, wo das HochzcitScssen stattfand. 3tn Anschluß daran begab sich das Paar auf die Hochzeitsreise.

Bon der Generalverwaltung de» Preußischen Königshauses wird mit- gcteilt:Prinz Wilhelm von Preußen hat bei Eintritt seiner Dolljährigkeit für den Fall deS Eingehens einer Ehe. die der HauS- verfassung des Königlichen HauscS widerspricht, aus alle auS seiner Erstgeburt abzu - leitendenRechte verzichtet. Dieser Fall ist durch feine Dermahlung mit Fräulein Doro­thea v- Salviati e i n g e t r e t e n."

Ser Neubau der SeuWeu Evangelischen Kirche.

D. von Bodelschwingh predigt in der Berliner Zionskirche.

Berlin. S- Mai. (LAD.) D. v. D o d e l - schwingh hielt am Pfingstsonntag in der ZionSkirche seine angekündigte Predigt, der er al» Tert die Worte aus dem Römerbrief zu- arundelegte:Das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Jesus Lhristus, hat mich freigemacht." Bodelschwingh sprach zunächst von den ersten P s i n g st e n der urchrtstlichen Ge­meinde. Der Heilige Geist machte aus ängstlichen Leuten tapfere Männer, aus einer verfolgten und zerstreuten Schar eine christliche Gemeinde. So entstand eine Kirche ohne Organisation und Dersassung, in der 3efu Wort und der Heilige Geist lebendig war. 3n den 2030 Jahren, die seit­dem vergangen sind, sei dieser Geist der ersten Pfingsten oft erstickt worden. Man habe das Evangelium zu einem Lehrgesetz gemacht, die Kirche zu einer Heilsanstalt. Wan habe hohe Würden und Titel geschaffen, und leider sei auch viel Streit und Zerspaltung gewesen.

So steht auch heute die Evangelische Kirche i n einer Wende. Die neuwerdende Kirche solle sein eine lebendige, eine jugendliche, eine kämpferische und eine freie Kirche. Wir wenden uns, so fuhr Bodelschwingh fort, von aller Müdigkeit und Greisenhaftigkeit ab und wollen da- für eintreten, daß die Kircheeine im Heiligen Geist 5endliche Kirche sei. Die Jugend unseres Volks e wartend, hoffend und fragend vor Toren der Kirche. Sie werde nur gewonnen, wenn sie spüre, daß eine kämpfende Kirche da sei, die mit heißer Leidenschaft das Volk er­obern möchte für C h r i ft us. Aus einer solchen Gemeinschaft erwachse dann von selbst eine In- nerIich freie Kirche.

Nach dem Gottesdienst spielte vor dem Portal der Kirche die Berliner Posaunenmission unter Leitung von Posaunenmeister Nedlitz Choräle. Lange noch wartete eine unübersehbare Menschenmenge auf D v. Bodelschwingh und grüßte ihn herzlich, als er die Kirche verließ.

Bodeischwinghs psingflbotschast.

An die evangelische Christenheit Deutschlands.

Berlin, 6. Juni. (TU.) D. Friedrich oon Bodelschwingh richtete, wie der EPD. mitteilt, aus Anlaß seiner Bestimmung zum R e i ch s b i s ch o f der künftigen deutschen evange­lischen Kirche folgendes G r u ß w o r t an die Ge­meinden, das in den Gottesdiensten des ersten Pfingsttages oon den Kanzeln verlesen wurde:

Der wahre Schatz der Kirche ist das aller- heiligste Evangelium der Herrlich­keit und Gnade Gottes." Dieses Wort Dr.

Martin Luthers beschreibt den Reichtum und die Verantwortung der Gemeinde Jefu, sie schafft glauben: Das ist ihre Freude. Sie schafft die­nen: Das ist ihre Kraft. Der Dienst der Kirche soll nichts anderes fein, als d i e Ausbreitung des Evangeliums durch Wort und Tat. Das Evangelium aber kann und will uns frei und selig machen.

3n der Wende der Zeit, die unserm Bolk und Baterland geschenkt worden ist, schickt sich unsere deutsche evangelische Kirche an, ihre äußere Ge­stalt zu erneuern und s i ch fester als bisher zusammen zu schließen. Daraus kann nur ein bleibender Segen erwachsen, wenn wir un- alle nfitcinanbet demütig beugen vor der Maje­stät unseres Gottes, miteinander lauschen auf die Stimme des guten Hirten, der für uns gestorben und auferstanden ist, miteinander dem Geist ge­horchen, der uns beten und lieben lehrt.

Als die miteinander und füreinander Betenden laßt un» Pfingsten feiern! Der ewig reiche Gott aber wolle Gnade geben, daß jede einzelne Ge­meinde wie ein grünender (Sorten fei, der gute Früchte trägt und wie eine frsiche Quelle, die viele erquickt. Er schenke unserer ganzen Kirche, daß sie ihr neues Haus auf dem festen Grund baut, der in den Stürmen der Zeit allein Bestand hat. Einen anderen Grund aber kann niemand legen, als den, der gelegt ist. 3e- sus Christus, hoch gelobt in Ewigkeit." Gin Zwischenfall in Berlin-Friedenau.

Berlin. 5.3uni. (XXI.) Da» Kirchen­bundesamt teilt mit: Die Gottesdienste de» Pfingstsonntags, in denen ein religiös gehaltene» Gruhwort des neuen Reichsbischofs D. von Bo­delschwingh den Gemeinden bekanntgegeben wurde, sind bis auf wenige Ausnahmen ohne Stö­rungen verlaufen. 3n der Frieden­auer Kirche zum'guten Hirten kam es zu einem bedauerlichen Zwischenfall. Als Pfarrer Detter die Botschaft des Reichsbischofs zu ver­lesen begann, erhob sich in der überfüllten Kirche eine Gruppe, deren Führer mit lauter Stimme dazwischenrief:3m Rainen der Rationalsozia­listischen Partei erheben wir Einspruch". Die weiteren Worte gingen in der allgemeinen Unruhe der aufs tiefste erregten und empörten Gemeinde unter. Die Gemeinde stimmte das LutherliedEin feste Burg ist unser Gott" an. Währenddessen verliehen nur etwa 10 Gottes­dienstbesucher die Kirche. Die Kundgebung des Reichsbischofs konnte dann ohne Störung ver­lesen werden.

Die Reichsleitung der Glaubens» betoegung Deutsche Christen" hatte vor dem Fest alle ihre Anhänger aufgefordert, in ihrem etwaigen Unmut Gottesdienste auf keinen Fall zu stören, sondern ihren Protest hinterher anzumelden.

Japans Sieg in Ostasien.

Oer Waffenstillstand mit China.-Rußland verzichtet auf die ostchinesische Bahn.

Amerika revidiert seine Haltung.

Berlin, 6. Juni. (CNB. Funkspruch.) Während Abrüstung, Viermächtepakt und Weltwirtschaftskon- fcrcnz im Vordergründe des europäischen und teil­weise auch des amerikanischen Interesses stehen, ver­folgt Japan unbekümmert um all die internatio­nalen Orpanisationsbeschränkungen mit größter Kon- seuenz seine Politik aus dem asiatischen Kontinent. China mußte sich mit einem Waffenstillstand ab­finden, der die Be st ö t i g u n g der von Japan in der Mandschurei geschaffenen tatsächlichen Lage in sich schließt.

Gleichzeitig nifnmt die Auseinanderset­zung mit Der Sowjetunion Formen an, die deutlich zeigen, daß Japan sich in der Frage der ostchinesischen Eisenbahn stark genug fühlt, o o l - lendete Tatsachen zu schaffen, ohne ernste Verwicklungen befürchten zu müssen. Schon fetzt ist die Bahn praktisch von dem russischen Netz getrennt und unter Der tatsächlichen Kontrolle Japans. Die Anomalie, daß in der Mandschurei eine Eisenbahn­linie Eigentum eines fremden Staates ist, hat Japan durch das von ihm veranlaßte und geleitete Vorgehen der Mandschuku-Behörden für alle praktischen Fragen b e {e i t i a t; Rußland scheint sich mit seiner Verdrängung schon abgefun- den zu haben und nur noch die Zahlung eines Kaufpreises oon mehreren Hundert Millionen Jen zu erwarten, es ist aber nicht ganz sicher, ob die tatsächliche Lage für Japan bzw. den mandschuri­schen Staat den formellen Ankauf der Bahn noch notwendig erscheinen läßt. Die wiederholten Pro­teste der Sowjetregierung verdecken nur die Ohn­macht ! aßlands und stellen einen letzten Versuch dar, Javan wieder auf den Weg ordnungsmäßiger Verhandlungen zu bringen.

Daß auch Amerika keine Lust hat, wegen der Mandschurei den feit Jahrzehnten angekün­digten Konflikt mit Japan ausbrechen zu taffen, bewiesen die verschiedenen örtlärungen über den Wunsch nach Entspannung und Zusammenarbeit in Ostasien. Die Formel, daß die Mandschu­rei als eine Art Dominion anzu- sehen sei, ist für Amerika eine geschickte Hm»

gehung der offiziellen Anerkennung des neuen Staates. Da der frühere Leiter der amerikanischen Außenpolitik Staatssekretär S t i m s o n die Richt­anerkennung aller unter Verletzung des Kellogg- Paktes und der anderen Verträge geschaffenen Disposition zur internationalen Doktrin erhoben hatte und in Gens im Februar festgestellt worden ist, daß das Dorgehen Japans rechtswidrig war, bedeutete die neue Haltung Amerikas einen entscheidenden Erfolg Japans, der die Bahn für eine spätere vertragliche Regelung mit den Teilnehmern des ReunmächteabkommenS frei macht.

China wird geöemütigi.

Mukden, 6. Juni. (TU.) Wie hier verlautet, sind die Verhandlungen zwischen den japanischen amtlichen Stellen der Militärbehörde und dem Außenministerium über die allgemeine Stellung- nähme Japans zu den Friedensverhandlungen mit China noch nicht beendet. Die japanische Militärbe- Hörde fordert die Annahme folgender Bedingungen:

1. China darf nur eine begrenzte Anzahl seiner Truppen in Nordchina unterhalten.

2. 2llle chinesischen Truppenbewegungen in Nordchina müssen der sa panischen Be­hörde mitgeteilt werden.

3. Dschehol wird der Mandschurei ein- verleibt.

4. Das Gebiet oon Schanhaikwan und Tsinwangtau wird unter japanisches Protektorat gestellt.

5. China verpflichtet sich zur Anerkennnung des Staates oon Mandschukuo.

6. Die chinesische Regierung verpflichtet sich, alle Beschwe rden gegen Japan in Genf zu - rück^uziehen.

7. Alle Befestigungen im Gürtel Kupeiku- Paß-LuainPeking werden vernichtet.

China verpflichtet sich, keine Bündnisse gegen Japan und die Mandschurei einzugehen.

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