Ausgabe 
6.6.1933 Erstes Blatt
 
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Dnitf litit Otrlog: SrLHI'fche Unlveifilätr-Vuch. und Stelndruckere! N. fange In Stehen. Sdjriftleitung und SefdjäftsfteHe: SchnIMa»« 7.

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Itr. 129 Erstes Blaff 185. Jahrgang Dienstag, 6. Juni 1953

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Halle die Treue

deinem angestammten Heimatblatt!

3n 2icuc f?at auch zu dir und zu deinen Vorfahren der Gießener Anzeiger ge» standen durch beinahe zwei Zahrhunderte hindurch! Zu dieser Erinnerung zwingen uns bedauerliche Vorgänge geschästlichen Eigennutzes und ungerechtfertigter Be« einflussung bei der Werbung für ein auswärts hergestelltes und rein privatwirt- schastlich aufgezogenes, politisches Kopfblatt.

Auch anderwärts sind derartige Erscheinungen hervorgetreten.Der Verein Deutscher Zeitungs-Verleger, zu dem auch die nationalsozialistische presse gehört, hat sich deshalb zu einer Entschließung veranlaßt gesehen, die wir nachstehend im Hinblick auf innere große Mitarbeiterschaft in Gießen und in Oberhessen wiedergeben, und um deren Äcachtung wir unsere Leser hiermit bitten. Verlag des Gießener Anzeigers

Aufgaben der Welt- wirtschafiskonferenz.

Wenn nun In den Genfer Abrüstungsverhand- hingen wirklich etwas erreicht werben sollte, so kann es In der Auswirkung auf die nächste Zeit nur von ideeller uns psychologischer Bedeutung sein. Der Zustand, der aus dem Rüstungsgebiet angestrebt wird, kann nach dem deutschen Zugeständnis günstigenfalls in fünf Iah. ren erreicht werden. Anders und schneller sollen die Wirkungen sein, die dann von der Weltwirtschastskonferenz in London ins Auge gefaßt werden, wenn eben Genf die psycholo. gisch.politischen Voraussetzungen schasst. Darüber wird man sich aus allen Seiten im klaren sein, das Drängen Amerikas ist besonders bezeichnend dasür daß die Weltwirtschaft von den Londoner Verhandlungen nicht theoretische Kundgebungen und nicht nur die berühmten akademischenEmpfehlun- gen* erwartet, daß sie vielmehr Taten sehen will. DieEmpfehlungen", wie wir sie von früheren ähnlichen Veranstaltungen kennen, verpflichten nie- wand. Es muß auf ein Sofortprogramm ^gear­beitet werden, das je nachdem vertraglichen Charak­ter hat oder im Hinblick auf neue Entwicklungsnot- Wendigkeiten die Staaten aus überlebten vertrag- lichen Bindungen, beispielsweise aus der starren Auslegung des Meistbegünstigungsprinzips, entläßt. 91 ur durch ein solches Sofortprogramm können die schlimmsten Notstände wirksam angegriffen werden. Rur auf einer solchen Grundlage wird es auch mög­lich sein, den weitergehenden Empfehlungen, durch die dann bas Programm erweitert werben rann, praktische Bedeutung zu geben.

Die Ausgaben, mit denen sich die Weltwirtschasts- konferenz zu beschäftigen hat, liegen auf den Gebie­ten der zwischenstaatlichen Finanzpolitik, der Wäh- rungen und der Handelspolitik. Es muß endlich die Folgerung aus der Erkenntnis gezogen werden, die schon in Den Beschlüssen der Konferenz von Stresa ihren Ausdruck sanden und die den wirtschaftlichen Unsinn einer Methode kennzeichnen, die durch fünft- liche und undurchführbare internationale Schuldverpflichtungen einen Ausgleich für Krlegszerstorungen im Bereich der wirtschaftlichen Güterwelt anstreben.

Was Deutschland betrifft, so find wir durch das Abkommen von Lausanne schon weitgehend aus die- sen Verstrickungen befreit, soweit es sich um poli­tische Schulden handelt. Drückend aber liegt auf uns noch eine riesige 2 a ft von PrivatfchuI - b e n. Zwischen Frankreich, Englanb und Amerika harrt bas politische Schulbenproblem noch der Er- lebigung. Wir finb an einer befriebigenben Losung auch aus biesem Gebiet der zwischenstaatlichen Be­ziehungen durchaus interessiert, einmal, weil von hier aus immer wieder Nervosität in die weltpoli­tischen Auseinandersetzungen getragen wird, zum andern aber auch, weil eine weltwirtschaftliche Be­ruhigung mit voller Sicherheit des Austausches und der Kalkulation erst möglich ist, wenn dieses trübe Kapitel der Nachkriegsirrungen gänzlich abge- schIoffen ist.

Nach den Vorschlägen der Konferenz von Stresa sollen zwar eingegangene Verpflichtungen erfüllt werden, zumal wenn es sich um private Schulden handelt. Die wirtschaftliche Welt weiß aber langst, daß ein unerbittliches Pochen des Gläubigers auf feinem Schein ihm unter Umständen selbst schwer» ften Schaden bringen kann. Die Weltwirtschaftskon- ferenz muh sich bemühen, eine wahrhaft überpartei­liche und sachlich zuständige Instanz zu schassen, die jeweils über die Konsolidierung kurzfristiger Schul- den, über Konversionen ober Ztnsherabsetzung, über vorübergehende Ermäßigung der Zahlungen, über ein vollständiges Moratorium ober schließlich auch über einen Schulbennachlaß Beschluß zu fassen hätte, um Gesahrenmöglichkeiten für eine ruhige weltwirt­schaftliche Entwicklung von dieser Seite her bauernd auszuschließen.

Auf dem Gebiet der Währungspolitik müssen vertragliche Bindungen angestrebt werden, die ein Ausspielen der einen Währung gegen die andere auf dem Wege über inflatorische Maßnah- men dauernd unmöglich machen. Wenn es sich nach übereinstimmender Meinung als notwendig erroei- fen sollte, die Weltwirtschaft von der Geldseite her anzukurbeln, so müßten diese Maßnahmen gleich­zeitig und gleichlaufend in allen gro­ßen Wirtschaftsländern eingeleitet wer­den. Voraussetzung für eine gesunde Währung-- und Etatpolitik ist einmal die Schaffung eines Wäh­rungsfonds, der dazu bestimmt fein würde, vorüber- gehende Verlegenheiten auszugleichen. Wenn diese Voraussetzung geschaffen ist, dann kann auch die Forderung nach Aufhebung der Beschränkung des Devisenoerkehrs gestellt werden. Solange diese Be­schränkungen aufrechterhalten bleiben, kann in den zwischenstaatlichen Austauschbeziehungen nicht das Gefühl des vollkommenen Vertrauens und der un­beschränkten Sicherheit aufkommen.

Von letzthin entscheidender Bedeutung aber wird es sein, ob die Londoner Konferenz den handels­politischen Unterbau der Weltwirt­schaft so erneuern kann, daß er den Notwendig­keiten einer internationalen Arbeitsteilung gleich­zeitig mit den berechtigten Interessen der einzelnen Volkswirtschaften Rechnung zu tragen vermag. Es ist selbstverständlich unmöglich, der schutzzollnerischen Wirklichkeit ein radikal freihändlerisches Weltwirt­schaftsprogramm entgegenzusetzen. Der Versuch, ein solches Programm in die Wirklichkeit 3u übertragen, müßte das Chaos nur vergrößern. Aber es muh d i e Möglichkeit zu Wirtschaftsbünd­nis s e n geschaffen werden, in denen sich die betei­ligten Staaten besondere Begünstigungen einräu» men, ohne daß auf Grund der bisherigen Auslegung der Meistbegünstigung diese auch von außen - I stehenoen Staaten in Anspruch genommen 1

Dem Präsidium des Vereins Deutscher Zeitungs-Ver- leger sind in letzter Zeit zahlreiche Berichte und Beschwer- den Über Mißstände ^gegangen, die sich auf dem Gebiet des Wettbewerbes der Zeitungen untereinander heraus- gebildet haben.

Der D. D. Z -D. hat stets den Grundsatz vertreten, daß em gesunder Wettbewerb im Zeitungswesen not­wendig ist, weil damit zugleich eine Leistungssteigerung und Hebung der geistigen Werte der Ze hingen verbunden ist Das Präsidium des V. D.Z.-D. hält an diesem Grund­satz auch weiterhin fest.

Die Methoden, die in letzter Zeit wie aus den ein­gegangenen Berichten hervorgeht - im Wettbewerb der Zeitungen untereinander in großem Umfange angewendet werden, haben aber mit einem freien Leistungswettbewerb nichts mehr zu tun. Sie sind vielmehr der Ausfluß eines übersteigerten und damit ungesunden Konkurrenzkampfes, der sich auf die Dauer für alle Beteiligten wirtschaftlich nachteilig auswirken muß. Auf dem Gebiete der Abonne­ments- und Anzeigenwerbung sind vielfach von Werbern, insbesondere von Kolonnen, Mittel angewandt worden, die sowohl gegen die guten Sitten wie gegen die gesetz­lichen Bestimmungen verstoßen und daher aufs schärfste zu mißbilligen sind.

Das Präsidium des D. D.Z.-D. hat sich mit den vorliegenden Beschwerden eingehend befaßt. Es fordert hiermit alle Mitgl edsverlage auf, Die vorhandenen Miß- brauche auf dem Gebiete des Wettbewerbs unverzüglich abzustellen.

werden können. Indem man die Tore zu einer sol­chen Entwicklung öffnet, gibt man d i e Möglich- keitzur Bildung erweiterter Binnen- Märkte in wirtschastsgeographischen Räumen, die nicht durch staatliche Grenzen eingeengt sind. Inner- halb solcher Wirtschastsbündnisie müßte natürlich auch aus staats- und bevölkerungspolitischen Grün- den Vorsorge getroffen werden, daß d i e Land- wirts ch a s t in ihrer Existenz nicht gefährdet wird. Diese Gesichtspunkte würden für Deutschland beson­dere Bedeutung gewinnen, wenn es auf diese Weise Daran gehen wollte, den inneren Markt über Oester­reich nach dem europäischen Südosten hm zu er­weitern. In diesem Falle mühte wieder an das auf der Konferenz von Stresa vorgeschlagene Abkom- men über die Regelung des Getreide- Exvortes der Donauländer angeknüpft werden.

Die Fülle der Probleme und ihre Kompliziertheit können hier nur in rohen Umrissen angeöeutet wer­den. Wenn man die gewaltige Ausgabe überschaut, so erscheint es als selbstverständlich, daß sie nur in einer politisch beruhigten zltmo- sphäre mit einiger Erfolgsmöglichkeit angegriffen werden kann. Mussolini, Roosevelt, Macdonald und Adolf Hiller haben es erkannt, baß Gens auch über London entscheidet. Wird Frankreich das auch einsehen?

Die Währungsprovleme Der Welt.

Vcratungen der Notenuanklciter in Basel.

Basel, 4. Juni. (WTB) Im Hinblick aus die für Pfingsten vorgesehene ordentliche Tagung des Bcrroaltungsrates der Bank für internationalen Zahlungsausgleich traten am Pfingstsonntag nach- mittag die Gouverneure der wichtig st en Notenbanken zu den üblichen Vorbesprechungen zusammen. An diesen Besprechungen nahm neben den Gouverneuren der Bank von Frankreich und der Bank von England auch der bereits am Samstag in Basel eingetroffene Reichsbankpräsident Dr. Schacht teil. Es handelt sich Darum, die Richtlinien für die Delegierten, Die Die Bank für internationa­len Zahlungsausgleich auf Der ß o n D o n e r 23 e 11- wirtschaftskonferenz vertreten werden, fest- zulegen und womöglich präzise zu formulieren, ins­besondere in Bezug auf Die Lösung Des Wäh­rungsproblems. So entschieden sich auch die Organe der B. I. Z. verschiedene Male für Die Wie- Derherstellung Der GolDwährung in allen Län- Dem ausgesprochen haben, so begreiflich ist es. Daß jetzt. Da mehrere ßänDer Die Goldwährung aufge- leben haben, über Die proklamierten allgemeinen Prinzipien hinaus eine Einigung Der Zentralbanken auf konkrete Formulierungen unD Vorschläge schwer zu erreichen ist. Die Meinungsverfchieben- Heiken zwischen Den Vertretern jener LänDer, Die Die Goldwährung verlassen haben, und Den Vertre-

Für Den freien Wettbewerb im Zeitungswesen können nur folgende Richtlinien maßgebend fein:

Die Weibung soll stets die eigene Leistung Der Zeitung im redaltionellen Teil und den besonderen Wei bewert ihres Anzeigenteils In den Vorder- gründ stellen.

Die Verächtlichmachung und Verunglimpfung von Konkurrenzleitungen oder Konkurrenzverlagen ist unzulässig.

Auch die schärfsten propaganda-Maßnahmen dür- sen die Grenzen nicht überschreiten, die durch gesetz­liche Bestimmungen (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) und durch die gewerbeübliche Der- kehrssitte gezogen sind.

Ebenso unzulässig ist die Werbung mit Mitteln, die gegen die guten Sitten verstoßen, z. B. An­drohung von geschästlichem ober veruflichemBoykott, Androhung von Wirtschaftlichen Nachteilen, Auf- stellen von schwarzen Listen und Anwendung ähn­licher Druckmittel

Das Präsidium des D. D. Z.-D. erwartet, daß die Mitgliedsverlage bei ihren Werbemaßnahmen die obigen Gesichtspunkte berücksichtigen und daß Die Verlage zur Durch ehung dieser Richtlinien schärfste Kontrolle über ihre Werber ausüben und ungeeignete Eleknente gus der Werbung entfernen. Fälle von Verstößen gegen diese AichMmen sind Defti V.D.Z.-D. unverzüglich zur Kennt- nis zu bringen.

Verein Deutscher Zeitungs-Verleger

(Herausgeber der deutschen Tageszeitungen) E.D.

Das Präsidium:

Amann, l)r. Fänecke, Fahr, Dr. Knittel, v. Zweck

kern Der wenigen Staaten und Notenbanken, Die noch an Der GolDwährung festhalten, finD schon auf mehreren Tagungen Der B. I. Z. in Erscheinung

Amerikas Preisgabe der Goldwährung

Washington, 4. Juni. Dem amer ikani- sch en Senat lag Das Gesetz über Die Auf­hebung Der GolDwährung zur Beschluß­fassung vor. Es wurde nach heftiger Debatte ange­nommen.

DieDurchführungdesArbeits- beschaffungsprogramms.

Berlin, 3. Juni. (WTB.) Der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung verpflichtet Die für Die Durch­führung Des Arbeitsbeschafsungspro» g r a m m 5 zustänbigen Lanbesbehörben, Die Träger Der Arbeit zur strengen Beachtung Der Vorschrift anzuhalten, Daß Der Unternehmergewinn bet Der Ausführung von Arbeiten aus Dem Arbeits- befchaffunasprogramm auf ein möglichst gerin­ge sMaßzubeschränken ist, um Den zur Der- fügung stehenDen Mitteln einen möglichst hohen Wirkungsgrad zu verleihen. Gerade bei den der ganzen Volkswirtschaft dienenden Arbeitsbuchs- fungsmaßnahmen muß der GrundsatzGemeinnutz geht vor Eigennutz" unbedingte Geltung haben. Da- her muß von den Unternehmen, denen Arbeitsbe- schafsungsaufträge zufließen, erwartet werden, daß sie mit der denkbar klein st en Gewinn- fpannearbeiten Unternehmer, die dieser selbst- verständlichen Forderung nicht nachkommen, werden aus eine Berücksichtigung bei der Vergebung von öffentlichen Arbeiten künftig nicht mehr zu rechnen haben. Schließlich weist her Reichskommissar erneut auf die Folgen einer Verzögerung in Der Ausführung Der genehmigten Arbeiten hin. Träger, Die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, laufen Gefahr, Das ihnen bewilligte Darlehen überhaupt nicht zu erhalten, ober Die ihnen bereits ausgezahlten Beträge vorzeitig zurück- zahlen zu müsien.

Lieber eine Million Aufnahmegesuche in die NSDAP.

München, 5. Juni. (ERB.! Reichsschatzmeister Schwarz erläßt im .Völkischen Beobachter- folgende Bekanntmachung: Kurz vor der Mitgliedersperre sind bei der Reichs­leitung derartige Massen von Auf. n a h m egesuch en eingegangen (weit über eine Million), dah die Erledigung dieser Aufnahmen Monate in Anspruch nimmt. Reklama­tionen hinsichtlich dieser Anmeldungen sind daher vollkommen zwecklos und vermehren nur unnö­tigerweise die Arbeit bei der Zentrale.

Nach Afrika!

Don Dr. Paul Rohrbach.

Auf See, EnDe Mai 1933.

Diese Zeilen, Die vornehmlich Dem jungen Deutschland gelten, schreibe ich an Bord eines deutschen Dampfers noch auf einem europäischen Meer, aber wenn sie dem Leser zu Ge- sicht kommen, werden uns schon ozeaniscye Wogen schaukeln. Wozu Afrikafahrt, und wozu Berichte von ihr? Der Amerikaner, der vor einem halben 2ahr im NeuyorkerJournal of Commerce die Worte schriebDeutschland kann nicht auf immer von feinem Platz an der Sonne als Kolonialmacht verbannt werden!", würde antworten: Weil es ohne deutsche Kolonien kein wirk­liches neues Deutschland gibt! Jawohl, wir stimmen dem bei, nur gehört dazu vorher c i n deutscher Wille, und diesen zu wecken, ist die Pflicht von uns Weiteren, die noch das deutsche Afrikq gekannt Haden.

Unsere junge Generation weiß gar nicht, welch einen Anspruch sie hat und was ihr vorenthalten bleibt, solange sie nicht fordern gelernt hat: Her mit unserem deutschen Anteil an Afrika! Diese, Dem jungen Deutschland nur zu oft noch unbewußte Forderuna ist es, um deretwillen ich mich noch ein­mal nach Afrika aufgemacht habe, und dazu habe ich gleich ein Stück junges Deutschland mitgenommen: meine To chter, Studentin der Volkswirtschaft an der Münchener Universität, damit sie Gelegen­heit findet, für ihre Generation zu bekräftigen, was wir in Afrika sehen und erleben.

Wir wollen unsere alten Schutzgebiete besuchen und außerdem zusehen, was Engländer, Buren und andere weiße Völker auf ihrem afrika­nischen Anteil schaffen. Erst Dann kann man einen Begriff Davon bekommen, welch ein unermeßliches FelD in dem Erdteil zwischen der großen Wüste und den zwei Ozeanen Der europäischen Arbeit noch offen steht, und was es für uns heißen würde, ein für alle Mal von einem gebührenden Anteil an der kommenden Entwicklung dieses ungeheuren Raumes ausgeschlossen zu bleiben! Die Benachteiligung für uns, die Daraus käme, ist gar nicht abzuschatzen. Sie wäre untragbar wegen des materiellen Schadens, Der Zeitlich für uns im Quadrat Der Entfernung vom Tage des Verlustes unserer Kolonien wächst, als auch wegen der moralischen Einbuße, Die wir da­durch erlitten, daß andere ihre Arbeit an der Kul­tivierung und Sanierung eines unvorstellbar großen Stückes Welt tun, wir aber als Zaungäste babei- stehen.

Diese Art, auf Afrika zu blicken, muß vor allen Dingen der Jugend unseres Volkes selbstver­ständlich werden, wenn sich fein Wille entzünden soll, gegen die Enge, in die wir heute gepreßt sind, auch das koloniale Heilmittel zu fordern. Niemand ist stärker und praktischer als unsere junge Gene­ration an dem Geständnis interessiert, das schon vor sieben Jahren der frühere Schatzkanzler unb jetzige Peer von England Philipp Snowden mit den Worten ablegte:Der Teil Des Versailler FrieDensvertrages, Der Deutschland seiner Kolonien beraubte, bilbet nicht nur einen offenen Bruch Der von den Verbündeten während des Krieges ge­gebenen Versprechungen, sondern er ist auch ein offen zugegebener Versuch, das wirtschaftliche Hoch- kommen Deutschlands zum Vorteil feiner Handels- rivalen künstlich zu unterdrücken."

Als unsere Gegner das von Wilson abgegebene und vom amerikanischen Staatssekretär Lansing am 5. November 1918 in ihrer aller Namen be­kräftigte Versprechen einer unparteiischen Schlich- tung aller kolonialen Ansprüche verleugneten, war es also ihre Absicht, Deutschland Damit zu verkrüp- peln. Bedürfen wir Da noch weiteren Zeugnisses, wenn wir heute das zurücksordern, was uns von Afrika gebührt und gehört?

Niemand wußte besser, als unsere Kriegsgegner, daß die Kolonien für Deutschland lebenswich­tig waren und daß sie ihr Wort brachen, als sie uns unseren überseeischen Besitz nahmen. Noch un­mittelbar vor dem Waffenstillstand, am 19. Oktober 1918, fünfte der Vertrauensmann Wilsons, Oberst House, über Die Koloniakfrage nach Washington: DeutschlanDsberechtigte Ansprüche" in der Kolo­nialfrage seien,daß es einen Zugang zu den Roh- stossen in den Tropen braucht. Daß es ein Gebiet Zur Ausnahme seines Bevölkerungsüberschusses nötig hat. Daß nach Den vorgeschlagenen FrieDensbedin- gungen Die Eroberung keinen Rechtsan. fpruch Der Gegner begrünDet."

Während Der Verhandlungen, Die vor Dem Frie­densdiktat zwischen Den Alliierten ftattfanDen, erin­nerte Der südafrikanische General Smuts den Präsidenten Wilson in einem sehr bestimmt gegol­tenen Briefe daran, daß es moralisch unerlaubt und gefährlich fei, den Deutschen Die in Den Vierzehn Punkten gegebenen Zusagen nicht zu halten. Es ist schwer begreiflich. Daß ein solches Material, wie Oberst Houses Lyoner Funkspruch, Smuts Brief an Wilson unb SnoroDens GestänDnis in unserer Pro- paganba für Die Rückgabe Der Kolonien bisher so gut wie unbenutzt geblieben finb. Dasselbe gilt von einem weiteren Wort Snorobens: es seieine kostspielige, unwahre We11propa - g a n b a burchgeführt worben, um in aller Welt den Einbruck zu erwecken, baß Deutschlanb keinerlei kolonisatorische Fähigkeiten besitze."

Snoroben benkt babei an bas berüchtigte Blau- buch, bas bie englische Regierung in Sübwestafrika über angebliche beutsche Kolonial- greuel anfertigen ließ, um es Wilson in bie Hänbe zu spielen unb ihn bazu zu bewegen, baß er Den Wortbruch an Deutschlanb geschehen ließ. Dies Machwerk ist schon vor sechs Jahren durch einstim­migen Beschluß der deutschen, englischen und buri- schen Mitglieder des südwestafrikanischen Landes- rats für nichiig unb ungültig erklärt