Nr. 105 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Samstag, 6. Mai 1953
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Deutschlands Kampf um den $riet)en.
Das markanteste Ereignis der deutschen Außenpolitik seit der Uebernahme der Geschäfte durch die Regierung der nationalen Revolution ist zweifellos die d e u t s ch - o o l n i s ch e Aussprache in Berlin und Warschau, die, wie man zuversichtlich erwarten darf, eine spürbare Entspannung in dem schon bedenklich zugespitzten Verhältnis beider ßän- der zur Folge haben wird. Welche Bedeutung auch die Reichsregierung den Bemühungen um eine Entgiftung der Atmosphäre zwischen uns und unserem östlichen Nachbarn beilegt, geht einmal daraus her- vor, daß der Reichskanzler persönlich eine Unterredung mit dem polnischen Gesandten hatte, die bann durch weitere Unterhaltungen mit dem Außenminister Freiherrn von Neurath und durch eine Rücksprache des deutschen Gesandten in Warschau beim polnischen Außenminister ergänzt wurde, zum andern aus der ungewöhnlich ausführlichen und nachdrücklichen Form, die für das amtliche Kommunique sowohl in Berlin wie in Warschau gewählt wlirde. Die Erklärung des Reichskanzlers, daß die Regierung der nationalen Revolution ihre Beziehungen zu Polen „strengstens im Rahmen der bestehenden Verträge" zu regeln gesonnen sei, liegt durchaus aus der außenpolitischen Linie, die Adolf Hitler in seiner großen Programmrede bei Eröffnung des Reichstages bereits vorgezeichnet hatte: unermüdlicher Kampf um die deutschen Lebensrechte, aber, soweit es an uns liegt, mit den Mitteln ftiedlicher Verständigung, wie sie die bestehen- den Verträge uns an die Hand geben. Wenn der Reichskanzler nun grade unserem polnischen Nachbarn gegenüber diese Bereitschaft der nationalen deutschen Regierung zur Erhaltung des Friedens und zu einer leidenschaftslosen Überprüfung der gemeinsamen Interessen beider Länder in betont feierlicher Form wiederholt hat, dann muß diese Erklärung und die verständnisvolle Aufnahme, die sie in Warschau gesunden hat, als wirkungsvollstes Argument gewertet werden im Kampf gegen die Lüge von irgend welchen kriegerischen Absichten des neuen nationalen Kurses, mit der seit dem 5. März in der ganzen Welt, besonders aber in den angel» sächsischen Landern, aus sehr durchsichtigen Gründen schamlose Brunnenvergiftung und verbrecherische Völkerverhetzung getrieben wird.
Niemandem unserer Nachbarn gegenüber konnte diese außerordentliche Mäßigung des Reichskanz- lers schwerer fallen, als gerade Polen, das in diesen letzten Monaten, da starke außenpolitische Spannungen die nationale Revolution in Deutschland begleiteten, wahre Orgien des Deutschen- Hasses, besonders in feinen 'Iß e ft mar- len, den im Versailler Diktat Deutschland geraubten, trotz aller Unterdrückungen und Zwangs- eoahncrungen noch heute non starken deutschen Minderheiten bewohnten Gebieten, entfesselt hatte. Wenn auch die Warschauer Regierung und der wegen seiner eindeutig deutschfeindlichen Einstellung berüchtigte Woywode von Ostoberschlesien auf amtliche deutsche Beschwerden hin ihr Bedauern aussprachen und Abhilfe versprachen, so geschah doch tatsächlich wenig oder gar nichts, um die von interessierter Seite eifrig geschürten, hemmungslosen Ausschreitungen des polnischen Mob gegen deutsche Geschäfte, deutsche Zeitungen, Büchereien, Vereine, ja gegen alle Deutschsprechenden überhaupt in Katta- witz und anderen oberschlesischen Städtrn wirkungsvoll zu unterbinden. Auch der unerhörte Zwischenfall in Danzig, wo Polen die zum Schutze seines Munitionsdepots auf der Westerplatte unterhaltene Besatzung vertragswidrig hatte verstärken wollen, liegt in dieser Linie offenbarer Provokationen. In Warschau hatte man anscheinend das Gefühl, bafi die weltpolitische Situation einem polnischen Handstreich auf Danzig ober gar einem Präventivkrieg mit dem Ziel der Einverleibung Ostpreußens selten günstig sei. Deutschland selber in einer innerpvliti- scheu Umwälzung größten Stils begriffen, die Beziehungen zu Rußland, die bislang allen polnischen Begehrlichkeiten einen spürbaren Dämpfer ausgesetzt hatten, merklich abgekühlt, statt dessen Annähe, rung Moskaus an das befreundete Frankreich und durch dessen Vermittlung sogar ein polnisch russischer Nichtangriffspakt, kein Wunder, wenn da der weiße Adler die Schwingen spreizte, um über deutsches Land niederzußoßen. Aber die gründliche Abfuhr, die Polen in Genf erfahren hat, wie die überraschend schnelle und energische Konsolidierung der innerpolitischen Verhältnisse in Deutschland mögen wohl vorerst den Polen den Appetit an einem kriegerischen Spaziergang über die Westgrenze verdorben haben.
Ader keineswegs dürfen wir uns irgendwelchen Illusionen darüber hingeben, daß die Warschauer Machthaber so schnell auf ihre vernehmsten außen- politischen Ziele verzichten, ohne die sie sich eine Arrondierung der polnischen „Großmacht" nicht denken können, schon das schlechte Gewissen von Leuten, die sich an fast all ihren Grenzen weite Gebiete ihrer Nachbarn widerrechtlich angeeignet haben oder haben schenken lassen, läßt die Polen nicht ruhen. In steter Angst, daß Deutsche, Ukrainer und Litauer eines Tages das ihnen Geraubte zu- rückfordern könnten, steigern sich die Polen in eine Erregung hinein, die für Osteuropa solange eine Kriegsgefahr bedeuten muß, als nicht auf dem Wege der Revision der Verträge die politisch wie wirtschastlich gänzlich unhaltbaren Zustände im Raum zwischen Deutschland und Rußland eine vernünftige Neuordnung nach den Wünschen und Bedürfnissen der in Versailles wie durch die späteren Friedensbrüche der Polen vergewaltigten Volker erfahren. Daß Deutschland nicht die Absicht hat, diese notroenbige, früher ober später einmal unaus- fchiebbare Revision feiner Ostgrenze mit Wafsenge-
Reichsbankpräsident Dr. Schacht in Amerika.
Oie Aufgabe der Vereinigten Staaten im Kampf gegen die Weltwirtschastskrisis.
Washington. 5.Mai. (WTB.) Reichsbank- präsident Dr. Schacht ist mit dem Sonderzug in Washington eingetroffen. 3n Baltimore hatte Botschafter Dr. Luther den Zug bestiegen, um bei dein gemeinsamen Frühstück mit dem Reichsbankpräsidenten die Dispositionen für die nächsten Tage zu besprechen. Auf dem Bahnsteig in Washington erwartete Dr. Schacht Unter- staatssekretär Phillips, der chn im Bornen der amerikanischen Regierung herzlich begrüßte. In Etaatsautomobilen fuhren Dr. Schacht und seine Begleitung ins Mayflower-Hotel, wo ein Presseempfang ftattfand.
Dr. Schacht erklärte u. o., daß die Bereinigten Staaten die Führung übernehmen müßten. um aus dem allgemeinen Riedergang der Weltwirtschaft herauszukommen. Deutschland würde seine Privatschulden bezahlen und seine Währung stabil erhalten. Cr müsse aber jeden Dimetallismus (Gold und Silber als Deckung für den Rotenumlaus) a b l e h n e n.
In einer Radiorede an das amerikanische Volk erklärte er nach Dankesworten an Präsident Roosevelt u. a.: Er habe bei seinem letzten Besuch in den Vereinigten Staaten vor zweieinhalb Jahren einige Entwicklungen vorausgesagt. seine Prophezeiungen seien ungern gehört worden, hätten sich aber inzwischen als richtig erwies en. Er müsse auch diesmal einige Wahrheiten sagen. Die erste Wahrheit bestehe darin, daß, nachdem Amerika die Initiative zur Bekämpfung der Weltkrise übernommen habe, die Hoffnung auf einen Fortschritt zur Ueberwindung 6er all gemeinen Depression gestiegen sei. Die zweite Wahrheit laute: Zu Unrecht würden von vielen Leuten wirtschaftliche Gründe als die Ursachen der Weltkrise angegeben. Die Krise sei nicht wirtschaftlicher, sondern moralischer Art. In der Tat werde eine Besserung der Wirtschaft erst ein- treten, wenn die Welt es a u s g e b e, die im Kriege unterlegenen Völker niederzuhalten. Die dritte Wahrheit liege in der Mahnung: Versucht nicht, die Symptome zu kurieren, sondern beseitigt die Ursachen der Krise! Aenderungen der Währung, Zolltarifmaßnahmen und ähnliche Dinge allein genügten zur Herbeiführung einer Gesundung der Wirtschaft nicht. Der Welt ständen nur zwei Wege offen, nämlich der der wirtschaftlichen Isolierung, die zu einer allgemeinen Senkung der Lebenshaltung führen müs- se, ober der der internationalen Zusammenarbeit für die Eröffnung neuer Märkte.
Roosevelts Sanierungsprogramm
Tie Farmer fordern Ltaatsgaraniie.
Washington, 5. Mai. (Reuter.) Präsident Roosevelt sprach heute in der amerikanischen Handelskammer über die Wirtschaftsprobleme der Vereinigten Staaten. Er berührte dabei die Bemühungen, die bisher unternommen worden sind, um das Handelsvolumen auszudehnen und die Arbeitslosigkeit einzudämmen. Man müsse bei den Arbeitgebern darauf hinwirken, daß sie von neuen Lohnsenkungen Abstand nähmen, sondern sich vielmehr unaerzüglich zu L o h n- erhöhungen verstünden, die den Arbeiter in den Stand setzten, die Kosten der Lebens
haltung aufzubringen. Die Regierung werde alle Bemühungen unterstützen, die daraus hinauslaufen, sowohl eine lieber Produktion, als auch eine Zahlung von Schandlöhnen zu verhindern. Der Feiertagsverband der amerikanischen Farmer hat beschlossen, vom 13. Mai ab die landwirtschaftlichen Erzeugnisse nicht auf die Märkte zu schicken, bis sich b i e Preise gebessert haben. An der
Zusammenkunft nahmen 1500 Delegierte aus 17 amerikanischen Staaten und aus Kanada teil. Es wurde gefordert, daß die gesetzgebende Gewalt jedem Farmer die Rücker st attung seiner Pro- duktionskosten nebst einem bescheidenen Gewinn gewährleisten solle, und daß keine Hypotheken mehr für verfallen erklärt werden sollen.
„Eine Stunde mit Hitler."
Sine Unfcrrebung des „Daily Telegraph- mit bem Reichskanzler.
C o n b o n , 5. Mai. (TU.) „Daily Telegraph" veröffentlicht ein Interview mit dem Reichskanzler. Hitler wandte sich gegen die Behauptung, daß Deutschland einen Krieg wolle. Niemand in Deutschland, der den Krieg mitgemacht habe, wolle diese Erfahrungen noch einmal machen. Körperliche Ertüchtigung junger Deutscher solle ihre THannesfugenben unb Baferlanbs- liebe roieber erwecken unb sie moralisch kräftigen. Der Versailler Vertrag bebeute eine m o - ralische Herabsetzung bes deutschen Volkes. von der sich die Deutschen befreien wollten, indem sie die Gleichheit, aber keine große Armee verlangten. Er, der Kanzler, würde eine Herabsetzung der Entente-Armeen einer deutschen heeresvermehrung vorziehen. Er hoffe, daß sich die Revision durch friedliche Mit- t e l erreichen lasse. Der Gedanke an eine überseeische Expansion Deutschlands, wie sie vielleicht vor dem Kriege bestanden habe, sei auf- gegeben worden. Deutschland wolle nicht in einen Wettbewerb zur See mit England ciQlreteiL Das deutsche Schicksal hänge nicht von Kolonien ober Dominien ab, sondern von
seinen östlichen Grenzen. Die Deutschen seien keine zweitklassige Ration, aber die Welt wolle uns Deutschen in den Banden der Knechtschaft halten.
Uebergehend auf die innere Politik sagte Hitler, daß die großen vermögen verschwinden mühten und daß die Einkommen aus „nicht- erarbeiteten (Erträgen“ ernstlich beschnitten werden mühten. Um die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit zu vermeiden, würden Korporationen nach italienisch- saschistischem Muster geschaffen werden. (Es werde eine Verteilung des Reichtums auf breiterer Grundlage elnlrelen. In Zukunft werde es nur noch eint Aristokra - lie der Arbeit geben. Arbeit sei wertvoller als (Eigentum. Jeder junge Mann, ganz gleich welchen Herkommens, müsse ein Jahr im Arbeitslager verbringen. Unter den Deutschstämmigen würden die Klassenunterschiede abgeschasst werden. Die demoralisierende Lrwerbslosen-llnterstühuug müsse eine Ende haben, sie werde in Lohn umgewandelt werden.
Der Berliner Vertrag mit Sowjet-Rußland verlängert. Gesicherte Grundlage für eine pflege her heutsch-russischen Beziehungen.
Berlin, 5. Mai. (TU.) Amtlich. Der deutsche Botschafter v. D i r k s e n und der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Litwinow, haben heute in Moskau bie Ratifikationsurkunden zur ^nkwstfehung des am 24.3uni 1931 in Moskau utttavirfjneien Protokolls über bie B er Lä nge t u n g des Berliner Vertrages vom 24.April 1926 und des deutsch- sowjetischen Abkommens libqe ein Schlichtungsverfahren vom 25. 3anuag 1929,0 usgetaufdjf. (Es ist im Interesse der Bezieftuogen der beiden Länder wie auch im Interesse Des allapmeinen Friedens mit besonderer ©enugiuung'*fHeftcUen, daß der Berliner Vertrag, der mit dem ^Rapallo-Vertrag d i e Grundlage der deutsch-sowjetischen Beziehungen bildet, durch den erfolgten Austausch der Botififatioflfcurio«ben nunmehr erneut rechtskräftig geworden ist.
walt burchzusetzen, bas hat der Reichskanzler in der Aussprache mit dem polnischen Gesandten in fel)r prägnanten Worten erneut erklärt. Aber bis zu einer friedlichen Unterhaltung darüber ist es noch weit. Dringender war für uns die akute Gefahr eines vom Zaun gebrochenen Konflikts zu bannen, der aus der überhitzten Atmosphäre der letzten Monate leicht hätte entstehen können zu einer Zeit, bie uns mnerpolitifd) noch in der ersten Phase des nationalen Aufbaus begriffen sah, und außenpolitisch uns unter der Einwirkung der Greuelpropaganda und der Furcht vor einem nationalen Wiedererstarten Deutschlands wenig Chancen für eine Auseinandersetzung mit Polen ohne Einmischung Dritter bot So ist durch die deutsch-polnische Aussprache eine Entspannung vorbereitet, die, wenn die Regierung in Warschau die Kraft unb den Willen dazu hat, auch auf bie Völker übertragen werden könnte, denn ohne diese Beruhigung der Atmosphäre wird die leidenschaftslose Prüfung der gemeinsamen Interessen beider Länder, die sowohl Reichskanzler Adolf Hitler wie auch der polnische Außenminister Beck wünschen, kaum ertragreich sein. Doch der Anfang ist gemacht, an Warschau liegt es nun, die deutsch-polnischen Beziehungen fteundlicher zu gestalten.
Wie wenig Polen ein Einzelfall in bem unser neues Reich, das erwachte Deutschland umbrausenden Orkan von UebelrooUen, Mißgunst, Neid und Angst, Verleumdung und Drohungen ist, das sehen wir täglich in Genf, wo auf der Abrüstungskonferenz der deutsche Hauptdelegierte, Botschafter Nadolny, in erbittertem zähem Kamps um bie praktische Verwirklichung der Deutschland theoretisch zuerkannten Gleichberechtigung steht, nur sehr gelegentlich sekundiert von dem Italiener oder Ameri-
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Taner, Zumeist aber als ehtfapt r Fechter gegen die geschlossene Front der Gro^^Se, die durch schnelle Annahme des unDeränberrmqK6|(ifd)en Abriistungs- plans alle deutschen Bed/^-ungbeiseiteschieben unb die berechtigten Fordern.- y>®iliuf gleiche Behandlung unter den Tisch fallz v Wen mochten. Und das, obwohl auch in Genf bc 7 ^ibtneft der nationalen Revolution keineswegs, ’ ’man hier und da im Ausland erwartet und ^rRhvohl gehofft hatte, mit der Faust auf den Ii| »schlagen hat, sondern
durch weitgehendes En stammen in wichtigen
Fragen seine Verstän^ »ereitschaft und seinen entschiedenen Willen D ., hatte, zum Zustandekommen einer Abr Kodüel®ntion das ©einige beizutragen, (ogar —*aq dessen hinaus,
jÄMnWgSg SmeMiSL Lmdeuvlatz. ■
3n politischen Kreisen der Reichshauptstadt wirb die Bedeutung der Verlängerung des Berliner Vertrags voll gewürdigt. Bei der Beurteilung muß man zunächst davon ausgehen, daß eine starke innerlich gefestigte nationale Regierung am ehesten in öer Lage i st, gute außenpolitische Beziehungen 3u Sowsetrußland zu unterhalten, weil sie frei i st von innenpolitischen Rücksichten früherer Regierungen. Nach der wirtschaftlichen Seite ist zu unterstreichen, daß Sowjet- rußland zur Zeit unser bester Abneh- m e r ist. Die russische Einfuhr nach Deutschland ist infolge der Schutzmaßnahmen für unsere Landwirtschaft etwas zurückgegan- gen. Vielleicht lassen sich aber noch im Lau e der nächsten Zeit Wege finden, auf denen die ruf ischen Interessen wieder stärker berücksichtigt werden können. In der Praxis wickelt sich der Wirt- schaftsverkehr zwischen den beiden Ländern reibungslos ab. Er wird zweifellos noch gebeffert werden, wenn die bewußte Fernhaltung
mit einem sichtbaren Ergebnis in der Abrüstungsfrage aufwarten zu können.
Es sieht auch so aus, als ob der Streit um die Vereinheitlichung des Heere«- t h p s, die Deutschland aus guten Gründen zurückgestellt wissen wollte, in der kommenden Woche erneut entfacht und zu einer Entscheidung getrieben werden sollte. Deutschland kann nicht auf seine Reichswehr als Stamm jeder Landesverteidigung verzichten und sich auf kurz ausgebildete, für den Felddienst unbrauchbare Milizen beschränken, denen die andern Mächte im Kriegsfälle vierzehn Jahrgänge langausgebilde- ter und für den modernen technischen Krieg geschulter Reserven entgegenstellen könnten. Deutschland kann hierauf noch weniger eingehen, al« in _ der Frage der Kolonialyeere die andern Mächte, in erster Linie natürlich daS daran besonders interessierte Frankreich keineswegs gesonnen sind, der deutschen Forderung auf Zurückhaltung in den Kolonien im Kriegsfälle zu entsprechen. Auch die Probleme der gleichen Bewaffnung und der Zubilligung einer Luftrüstung für Deutschland sind noch keineswegs geklärt. So kämpft Deutschland nach wie vor um fekn elementarstes Recht auf Sicherheit. Der Kamps ist hart und langwierig, er stellt an die deutsche Außenpolitik die höchsten Anforderungen an Zähigkeit, Entschlußkraft und Einfühlungsvermögen. Das deutsche Volk aber muß handeln nach den Worten des Reichskanzlers am 1. Mai, je mehr die Welt sich gegen uns stellt, um so mehr müssen wir zu einer Einheit werden, die sich nicht beugt und den Witten nach gleichem Recht sich nicht aus der Brust reihen läßt.


