Ausgabe 
5.7.1933 Frühausgabe
 
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Der Reichsstaithalter im Gießener Fluchasen.

Reichsstattholler Sprenger schreitet die Front der Technischen Nochilfe ab

gewehrkompanie des hiesigen Bataillons die Kaserne und begab sich zum Bahnhof, um mit der Bahn nach Altengrabow (Truppenübungsplatz bei Magdeburg) gebracht zu werden. Die Mannschaften wurden von klingendem Spiel begleitet und manches Fenster öffnete sich, als die Soldaten zu ungewohnter Stunde durch einige Straßen der Stadt marschierten.

* Hessische Schulpersonalien. Mit sofortiger Wirkung wurde Lehrer Leonh. Daum zu Keilbach, Kreis Erbach i. O. bis auf weiteres beurlaubt. Der Handels-Studiendirektor an der Berufsschule Offenbach a. M. Dr. Robert Geb­hardt wurde auf fein Rachsuchen mit Wirkung vom 1. 3uli in den Ruhestand versetzt.

Geldschrankknacker in Braunfels.

WSR. Braunfels, 3. Juli. In der Rächt zum Samstag statteten Einbrecher der Fürstlichen Rentkammer in Braunfels einen Besuch ab- Die 2lrt des Borgehens laßt auf großstädtische Fachleute" schließen. Sie sicherten sich sorgfältig gegen Fingerabdrücke und verklebten die Fenster­

scheiben mit schwarzem Papier. Dann rückten sie zwei Geldschränke von der Wand und er* brachen die Rückwände derselben. In einem Geldschrank befanden sich lediglich einige Bücher, während der andere einige hundert Mark Wechselgeld enthielt. Sie sind wohl gestört wor- denn, denn der erfolgverheihende GeldschravL war nur angebohrt und nicht erbrochen. Die Frankfurter Kriminalpolizei hat bereits Spu­ren ausgenommen.

Aufhebung der Amtsverfassung im Kreise Wetzlar.

WSR. Wetzlar, 4. Juli. Der Kreistag des Kreises Wetzlar beschloß in seiner heutigen Sitzung die Aushebung der rheinischen Amtsverfassung im Gebiet des Kreises Wetzlar. Bis zum 1. Oktober 1933 werden die Aemter Groh-Rechtenbach, Ho­hensolms, Rodheim und Brandobcrndvrf aufgelöst. Die übrigen Aemter verfallen bis zum 1. April 1934 der Auflösung. Sollten sich Schwierigkeiten bei der Auflösung ergeben, so ist eine Berlegung der Fristen vorgesehen.

Spaten und Aehren.

3m Zeichen des Arbeitsdienstes.

Der Rsichsstatthalier startet zum Rundflug über Gießen.

Reichsstatthalter Sprenger begrüßt den Fallschirmpiloten. Aufnahmen: Photo-Pfaff.

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männlichen und 48 287 weiblichen, zusammen also 90 312 Personen. Das bedeutet einen Bevölkerungs­zuwachs von 847 Personen in den letzten acht Jahren.

Neue Bürgermeister und Beigeordnete in Hessen.

Die Staatspressestelle teilt mit: Die nachstehenden Bürgermeister und Beigeordneten wurden kommissarisch in ihr Amt eingesetzt:

Oberschmitten: Rudolf Kirchhoff an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Schnabel.

Dieburg: Franz Burkart an Stelle des in den Ruhestand getretenen Bürgermeisters Wick.

Reu-Isenburg: Die Amtszeit des Bei­geordneten Bauer wurde für beendet erklärt; der Posten wurde nicht mehr besetzt.

Schlierbach: Heinrich Michael Körbel an Stelle des freiwillig zurückgetretenen Bürgermei­sters Sehnert.

Erbach: Paul Treusch an Stelle des seit­herigen zweiten Beigeordneten Philipp Lenz, da dieser zum kommissarischen Bürgermeister von Er­bach ernannt wurde.

Ehengesäh: Georg Friedrich an Stelle des freiwillig zurückgetretenen Bürgermeisters Wolf.

Daten für Mittwoch, den 5. Juli.

1817: der Raturforscher Karl Bogt in Gießen geboren (gestorben 1895). 1853: der englische Kolonialpolitiker Cecil Rhodes in Hertfordshire geboren (gestorben 1902). 1908: der norwegisch r Dichter Ionas Lie in Bärum gestorben (ge­boren 1833).

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Eine Tür geht auf" und Sergeant Mc. Kenna".

Einwohnerzahl der Stadt Gießen 36345. Rach langwieriger Arbeit der Zusammenstellung und Lleberprüfung der Zählbogen, die zur Bolks-, Berufs- und Betriebszählung ausgegeben und von der Bürgerschaft ausgefüllt worden waren, liegt nunmehr in den wesentlichsten Zahlen das Ergebnis vor. Am 16. Juni, dem Stichtag der Bolkszählung, wurden in Gießen 17 432 männ­liche und 18 913 weibliche, insgesamt also 36 345 Personen festgestellt. In diese Zahl sind die Studenten, das Militär und die Kliniks- und Anstaltsinsassen einbezogen. Bei der vorher­gehenden Bolkszählung im Jahre 1925 wurden in Gießen 15 819 männliche und 17 706 weibliche Personen verzeichnet. Zu dieser Zahl kamen aber noch 569 Militärpersonen, die damals nicht in der Stadt weilten. Die Gesamtzahl der Ein­wohner betrug somit im Jahre 1925 34 094 Per­sonen. Der Bergleich der beiden Gesamtzahlen ergibt innerhalb dieser acht Jahre einen Be­völkerungszuwachs von insgesamt 2251 Personen. Der Bevölkerungszuwachs in Prozenten ausgedrückt, beläuft sich auf 6,6 Prozent. Gewerbekarten wurden in unserer Stadt 1286 ausgestellt, Landwirtschaftskarten wurden 103 ausgesüllt. Bei der Zahl der Gewerbebetriebe sind nur jene erfaßt, in denen zwei oder mehr Personen beschäftigt sind; bei den landwirtschaft­lichen Betrieben wurde eine Mindestgrenze von 5030 Quadratmeter bewirtschafteter Fläche zu­grunde gelegt. Haushaltungen wurden in unserer Stadt 9444 gezählt. Grundstückslisten wurden 2978 ausgefüllt.

Das vorläufige Volkszählungs­ergebnis in Hessen

Auf Grund der von den Gemeindebehörden ermit­telten vorläufigen Ergebnisse hat das Hessische Lan­desstatistische Amt die ortsanwesende Bevölkerung des Volksstaates Hessen am 16. Juni 1933 mit 1426 830 Personen festgestellt, davon 637 358, männliche und 729 472 weibliche Personen. Die orts- anwesende Bevölkerung ist um 68 385 Personen oder 5 Prozent höher als bei der letzten Volkszählung 1925. Die für verwaltungsrechtliche Zwecke maß­gebende sogenannte Wohnbevölkerung muß erst noch anhand der jetzt zur Einlieferung gelangenden Zähl- paviere im Landesstatistischen Amt ermittelt werden.

Auf Grund des vorläufig abgeschlossenen Ge­meindebogens für die Stadt Darmstadt ergibt sich eine ortsanwesende Bevölkerung von 42 025

" SihungdesStadtrats. Der Stadtrat ist für den kommenden Freitag, 7. Juli, 17 Uhr, zu einer öffentlichen Sitzung in den Sitzungssaal des Stadthauses Bergstraße eingeladen worden. Die Tagesordnung sieht die Prüfung der Stadt" rechnungen von 1927, 1928 und 1929 vor. Ferner steht eine Anzahl Gesuche um Erlaubnis-Ertei­lung zum Betrieb von Gast- und Schankwirt­schaften und zum Kleinhandel mit Brantwein zur Beratung. Außerdem liegen verschiedene Bau­gesuche vor.

** Zur Hebung nach Altengrabow. Heute nacht gegen 24 Uhr verließ die Maschinen-

Ein Rachkriegsjahrzehnt hat genügt, um unse­rem Volke die schreckliche Gewißheit zu bringen, daß es durch die ihm ^geraubte allgemeine Wehrpflicht wertvollste Bande der Bolks- gemeinschaft verloren hat, die sich im Weltkriege auf das Beste bewährten. Wohl ist aus dem Volke heraus versucht worden, einen gleichwer­tigen Ersatz zu schaffen. Doch fast unüberwind­liche Hindernisse, die engstirnige xqib selbstsüch­tige Parieipolitiker auf türmten, wurden diesem Streben entgegengestellt. So kam das älnver- meidliche: Männer, die alljährlich in gleichem

meinsame Wollen, alle gehorchten, aber alle waren vom gleichen idealen Schwung beseelt, brauchten also eigentlich diese Schule nicht mehr durchzumachen. Denn sie achteten im voraus die Handarbeit, sie dienten bewußt im Glauben an eine bessere Zukunft, aber sie halfen mit, den Grundstein für das große und gewaltige Werk zu legen, das jetzt errichtet werden soll.

Rur noch wenige Monate werden ins Land gehen, dann flattern von allen Arbeitslagern die Wimpel mit dem Spaten und den beiden gekreuzten Aehren, dann wer­

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In Spandau befindet sich die erste Führerschule für die Anwärter aus leitende Stellungen beim Arbeits­dienst. Hier werden bei strengster Disziplin den Männern, die im ganzen Reich die Arbeitsdienstpslicht organisieren sollen, die einheitlichen großen Richtlinien für ihr Handeln gegeben. Unsere Silber zeigen: Oben: Das Hissen der Flagge des Arbeitsdienstes auf dem Hofe der Reichsführerschule. Die Flagge weist auf grünem Tuch die Embleme des Arbeitsdienstes, Spaten und Aehren, auf. Unten: Blick in einen der 'Schlafräume der Schule. Unten links: Major a. 2). Lancalle, dec Leiter der Führerschule.

Schritt und Tritt nebeneinander marschierten, die sich kennen und schätzen lernten, die einander verstanden und sich unter den Fahnen zu einer im Donner der Geschütze und unter dem Hagel der Geschosse millionenfach bewährten Volksge­meinschaft fanden, lebten sich nach dem Kriege auseinander, vergaßen sogar, ihre Söhne in einem Geiste zu erziehen, der dem AkademUer ebenso wie dem Steinklopfer auf der Landstraße die gleiche Hochachtung entgegenbringt. Tiefen taten sich auf, die unüberbrückbar schienen, Kasten bildeten sich, die ein Eigenleben führten. Immer mehr schwand der Sinn für das Gemeinsame, immer schärfer trat das, was der einzelne unbe­dingt für sich in Anspruch glaubte nehmen zu müssen, in den Vordergrund. Selbstzucht und Ge­horsam gingen darüber verloren, aber auch Hilfs­bereitschaft und nur zu oft auch nationale Ge­schlossenheit in allerwichtigsten Lebensfragen un­seres Volkes.

Was beste Männer unserer Ration anstrebten und vorbereiteten, was schon im Rahmen des Freiwilligen Arbeitsdienstes versuchsweise durch­exerziert worden ist: wieder um alle Volksgenos­sen dos gleiche Band zu schlingen, die Grundlage für Einordnung und nationale Gemeinschafts­arbeit zu finden, volkserzieherisch zu wirken und das, was am Volkskörper zu verkümmern und zu verkommen drohte, der Gesunhung entgegen­zuführen, wird jetzt Wirklichkeit werden. Zwar stellt sich diese Wirklichkeit uns in der Form der Llmschaltung vom freiwilligen zum Pflichtarbeitsdienst vor, aber was dieser Dienst umschließt, anstrebt und fördern soll und wird, ist das Wesentliche. Erneut soll unsere Heranwachsende Jugend, gleichgültig wel­chen Ständen sie entstammt, wie der Bildungs­gang des einzelnen war, ob reich oder arm, geistig hervorragend oder nur durchschnittlich begabt, zusammengeführt werden. Hoffnungsvoll unb anfeuemd sind die Ergebnisse des letzten Jahres. Da stand der Student mit Dell und Säge im Wald neben dem arbeitslos gewordenen Fabrikarbeiter, da gruben gemeinsam die Iung- männer aus dem Vorder- und aus dem Hinter­haus Abzugsgräben. Alle einte bereits das ge­

ben zehntausende von jungen Männern diese- Zeichen am Rockkragen tragen. Sie werden es tragen in dem Bewußtsein, daß sie für einen wenn auch kurzen Zeitraum gerufen wurden, um in Gottes freier Ratur aufbauende Arbeit zu leisten, die aber nicht nur dem hinter ihnen war­tenden Siedler oder Handwerker, sondern ihnen und ihrem Volke zugute kommen wird. Sie werden Gleiche unter Gleichen sein, sie werden in ihren Führern vorbildliche Kameraden finden, sie werden sich selbst in allem zu dienen und einander zu helfen haben, sie werden als Menschen aus den Lagern zurückkehren, die vieles Unangenehme und mit echter Volksgemeinschaft Unvereinbare, das ihnen anhaftete, abgestreift haben.

Um wieviel leichter wird ihnen dann das Leben und der* Kampf ums Dasein, wenn sie in das bürgerliche Leben mit der leider in einem kur­zen Jahrzehnt nur zu schnell und zu gewaltig ver­schütteten Selbstzucht wieder eintreten! Sie können ganz anders zupacken, weil sie gelernt haben, ein dienendes Glied im Dolksganzen zu fein, sie wer­den aber auch, auf ihren neuen Posten gestellt, ganz anders als zuvor führen können. Denn sie wissen die ihnen Anvertrauten gerecht zu behandeln, sie wis­sen deren Arbeit ebenso wie die der Angehörigen aller anderen Berufe zu schätzen unb zu ehren.

Und immer werden sie sich der Monate erinnern, da sie im Arbeitslager den Spaten gebrauchten, werden den Geist, den sie hier aufnahmen, ihren Söhnen und Töchtern vererben. Haben sie aber in einfacher unb beharrlicher Arbeit ihren bescheibenen Anteil zur Erreichung eines hohen Zieles beigetra­gen, so haben sie sich selbst Werte geschaf­fen, bie für sie unvergänglich sind, unvergänglich, weil sie im Zeichen ber Volksgemeinschaft ent­stauben. Unb biefe Volksgemeinschaft, ohne bie es fernen Aufbau, ohne die es im Leben einer Nation überhaupt nichts Fruchtbringendes gibt, ist es, bie uns bie Arbe-itsdienstpflicht, bie für jeden unterschieblos gilt, bringen soll unb auch bringen wirb. Spaten unb Aehren finb bie Feldzeichen ber in bie Arbeitslager einziehenden Generationen, un­ter diesen Zeichen werben sie die schönsten Siege zu erringen haben.