Nr. 154 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Mittwoch, 5. M1933
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
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Chefredakteur
Dr. Friede. Wilh. Lange. Berantworllich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undfür denAn- zeigenteil i. B.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.
Gescheiterte Konferenzen.
Außenpolitische Umschau.
Don Dr. Otto Hoehsch, o„t>. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin.
Cs ist wie ein Symbol, daß der völlige Bankerott der beiden Weltkonferenzen in Genf und in London mit dem Erinnerungstag an den Frieden von Berfa i l l e s zusammenfällt. Denn zum allergrößten Teile gehen die unüberwirdlichen Hindernisse der heutigen Situation auf diesen Friedensschluß zurück und natürlich auch auf die unbedingte Ablehnung der für ihn Verantwortlichen, diesen Vertrag, „der nicht nur eine gerechte Erledigung dieses großen Krieges darstellt, sondern auch die Grundlage schafft, auf der die Völker Europas in Frieden und Gleichheit zusammen leben können", (!) grundlegend zu ändern. Der eben zitierte Sah, der nicht nur wie Hohn klingt sondern Hohn i st, steht in der Mantelnote und Antwort der Alliierten auf die deutschen Gegenvorschläge. An derselben Stelle aber heißt es gleich weiter, der Vertrag schasse auch den Apparat für die friedliche Erledigung aller völkerrechtlichen Fragen, „wodurch die im Jahre 1919 geschaffene Regelung selber von Zeit zu Zeit abgeändert werden und neuen Ereignissen und neu entstehenden Verhältnissen angepaht werden kann". Sind wirklich noch nicht neue Ereignisse und neue Verhältnisse genug entstanden, um die Rotwendigkeit der Revision zu beweisen, die in dem bekannten Völkerbundsartikel noch besonders versprochen wurde?
Aber im Gegenteil: Selbst die eindeutige Zusage auf Abrüstung, Angleichung an den deutschen Rüstungszustand, wird nicht gehalten. Am 29. Juni hat tatsächlich die Abrüstungskonferenz ihre sofortige Vertagung bis zum — 16. Oktober beschlossen. Sie ist ban« kerott, sie kann, und der größte Teil ihrer Teilnehmer will auch nicht vorwärts. Ratürlich ist Frankreich der Hauptschuldige. Was soll die Zusage, man habe sich schon jetzt verpflichtet, für die Vorbereitung der 2. Lesung des englischen Konventionsentwurfs die nötigen Verhandlungen zu führen? Eins aber ist ganz klar: Hier liegt nicht die geringste Schuld bei uns, Deutschland hat noch in den beiden letzten Fragen sofort die Entscheidung getroffen, um die Weiterführung zu ermöglichen, und sein Vertreter hat unbedingt und nachdrücklich die Fortsetzung gefordert. Die anderen Großmächte sind vor aller Welt verantwortlich für diesen Ausgang. Und hat nun Deutschland nicht das Recht, sich jetzt die Hände wirklich frei zu machen für Rüstungsmittel, die es, wie z. D. die Polizei- Flugzeuge, unbedingt nötig hat?
Fast das gleiche Bild in London: Die Konferenz wird nur noch als ein Gespenst bezeichnet. Hier liegt die Schuld ohne Zweifel vornehmlich bei den Vereinigten Staaten. Der amerikanische Vertreter Hüll hat den verunglückten Versuch unternommen, seinen ersten Standpunkt und das jetzige Programm Roosevelts als vereinbar zu rechtfertigen. Ein anderer amerikanischer Delegierter hat sogar eine Entschließung vorgeschlagen, die grundsätzlich sich für den Goldstandard aussprach. Aber Roosevelt hat seinen Vertrauten, Professor M o l e y , nach London geschickt. Er hat ihm die Instruktion mitgegeben, daß Amerika durch Frankreichs Drohung mit einer Sprengung der Konferenz nicht einzuschüchtern und nötigenfalls entschlossen sei, eine Autarkiepolitik zu betreiben. Er hat dabet den Widerspruch zwischen einem Preiserhöhungsprogramm und einer schleunigen Dollarstabilisierung betont, der nicht zu lösen ist, weil er Entgegengesetztes vereinigen wollte, und den Widerspruch zwischen der Dinnenpolitik und einer Politik auf Zollabbau, die nicht möglich ist, solange die Binnenwirtschaftspolitik auf Preiserhöhung nicht durchgeführt ist. Aus diesem Zirkel kommt Roosevelt nicht heraus. Er will es auch gar nicht. Er hat der Konferenz offiziell mitgeteilt, daß er die Stabilisierung nicht an den Anfang, sondern an den Schluß der Weltwirtschaftskonferenz gesetzt wissen will und hat damit das Todesurteil über diese ausgesprochen.
Wichtiger nun als die Frage nach dem Weiterlauf der Konferenz ist die Währungsfrage. Es steht also fest, daß Amerika auf absehbare Zeit nicht zum Goldstandard zurückkehrt. Das hat die kleineren Goldländer wie die Schweiz, Holland und Belgien sehr aufgeregt, und auch in Frankreich werden wenigstens vereinzelte Zweifel laut, ob demgegenüber selbst Frankreich auf die Dauer den Goldstandard aufrecht erhalten könne. Am kritischsten und am weitesten wohl zu einem Entschluß liegen die Dinge in Holland.
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Die Ratifizierung des Vier- mächtepaktes scheint im Laufe des Iuli in Aussicht zu sein, aber nicht in einer feierlichen Zusammenkunft der vier daran beteiligten leitenden Staatsmänner. Dagegen wird eine Zusammenkunft zwischen Mussolini und Daladier vorbereitet, die erste Begegnung seit dem Weltkrieg und unzweifelhaft ein Ereignis von Bedeutung. Worüber die beiden sprechen werden, liegt auf der Hand: Richt nur über die bekannten Fragen des französisch- italienischen Verhältnisses, sondern besonders auch über die Frage S ü d o st e u r o p a. Was geht in dieser Beziehung vor? Es ist wohl kein Zweifel daran, daß Mussolini den Vorschlag einer engeren Verbindung zwischen Deutschösterreich und Ungarn schärfer
Die Krisis der Weliwirischafiskonferenz.
Geringe Aussichten auf ein Kompromiß zwischen den europäischen Goldstandardiändern und dem angelsächsisch-skandinavischen Block.
London, 5. Iuli. (ERB. Funkspruch.) Der gestrige Tag hat eine endgültige Entscheidung über das Schicksal der Weltwirtschaftskonferenz nicht gebracht. Der Beschluß des Büros der Konferenz, sich bis Donnerstagvormittag zu vertagen, gibt dem Präidenten und den einzelnen Hauptdelegationen Gelegenheit, inoffiziell die Möglichkeiten ei ne s Ausweges aus der Sackgasse, in die man durch die scharfe Erklärung Roosevelts geraten ist, zu erörtern. Bor allem wird aber die amerikanische Delegation in den Stand gesetzt, mit Washington Rücksprache zu nehmen, dessen von inneramerikanischen Gesichtspunkten beeinflußte Stellungnahme ihr offenbar nicht ganz gelegen kommt, weil sie Amerika das Odium der „Torpedierung" der Konferenz aufbürden könnte. Iedenfalls zeigte sich am gestrigen Tage deutlich das Bestreben, den peinlichen Eindruck, den die Roosevelt-Erklärung auch in englischen Konferenzkreisen durch ihre Formulierung hervorgerufen hat, zu verwischen.
Außerdem besteht übereinstimmend bei den Amerikanern, den Engländern und Skandinaviern der Wunsch, in der besonders wichtigen Frage einer Revalorisierung des Weltmarktpreisniveaus untereinander wie auch mit gewissen außereuropäischen Staaten, eventuell auch außerhalb des Rahmens der gegenwärtigen Konferenz in Fühlung zu bleiben. Cs ist bemerkenswert, daß in der gestrigen Unterhausdebatte über das Budget immer die B o r dr in g li ch ke i t w i r t s ch a f t s p o litt s ch e r vor währungstechnischen Entschlüssen mehrfach betont wurde. Auch aus Skandinavien und Japan liegen Meldungen vor, die das be- ondere Interesse dieser Länder an der Inangriffnahme der wirtschaftspolitischen Probleme (Zolltarife, Produktionsregelung, Preisverbesserung) bekunden.
Den Tendenzen dieser Länder, die den Borrang der wirtschaftspolitischen von den monetären Problemen auch in der Prozedur der Londoner Konferenz gewahrt wissen wollen, steht auck weiterhin unter Führung Frankreichs der europäische Goldblock gegenüber. Das Hinarbeiten der Goldblockländer auf die Liquidierung der Konferenz erklärt sich aus ihrem- Bestreben, von den Verpflichtungen des im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskonferenz abgeschlossenen Zollwaffen st ill st andes loszukommen, um Gegenmaßnahmen gegen die Auswirkungen des amerikanischen Exportes treffen zu können, der sich des starken Anreizes einer devalvierten Währung erfreut. Man wird morgen die verschiedensten Bersuche unternehmen, um die widerstrebenden Meinungen auf eine Kompromißformel zu einigen, wobei etwa der? Gedanke eine Rolle spielen könnte, daß die Steigerung der inneramerikanischen Preise in Verbindung mit einer entsprechenden liberalen Zollpolitik eher einen Anreiz für die Weltwirtschaft und die Einfuhr nach Amerika bieten kann.
Italien hält an der Goldwährung fest.
Verteidigung der Lira und der nationalen Ersparnisse.
Rom, 4. Iuli. (WTB.) Ein Leitartikel des „Giornale d'Italia" beschäftigt sich mit den derzeitigen starken Fluktuationen auf den internationalen Geldmärkten. Italien werde wie bisher auch weiterhin in der Währungsfrage die Stellung einnehmen, die der italienische Ministerpräsident in sei
ner Rede zu Pesaro gekennzeichnet habe, Verteidigung der Lira, deren gegenwärtiger Wert auf festen Grundlagen ruhe, bis zum äußersten. Die italienische Währung sei fest aus dem Goldstandard aufgebaut und verteidige sich dank ihrer organischen Struktur non selbst. Sollte jedoch die internationale Entwicklung eine Aktion erforderlich machen, so werde sie entschlossen und zur gegebenen Zeit durchgeführt werden. Italien teile also keineswegs die anderweit verbreiteten inflationistischen Illusionen und bleibe den Grundsätzen einer soliden Währung ergeben. Diese erfordere eine Der leidig ungdernationalenErsparnisse, die kostbares Erbgut der gesamten Nation seien.
Roosevelt wünscht Fortsetzung der Konferenz. .
Washington, 5. Juli. (Reuter. Funkfpruch.) Präsident Roosevelt ist nach Beendigung seiner Lrholungskreuzfahrt ins Weiße Haus zurückgekehrt. Der Präsident hat der amerikanischen Delegation auf der Weltwirtschaftskonferen; in London neueWeisungen telegraphiert, denen zufolge sie nichts unversucht lassen sollen, um einen F o r t g a ng der Konferenz zu sichern.
In unterrichteten Kreisen verlautet, daß Präsident Roosevelt um Mitternacht eine wichtige Erklärung abgeben werde. Man betont in amtlichen Kreisen, daß die neue Botschaft des Präsidenten den Goldwährungsländern zeigen werde, was
Im Saargebiet, und zwar in jenem Teil, der hart an die französische Grenze stößt, und zudem noch die beste Kohle besitzt, im Warndt, hat es am Sonntag eine neue Probe auf das Erempel, das durch die Bevölkerung im Jahre 1935 statuiert werden soll, gegeben. In drei Dörfern, in Ludwei- ler, Karlsbrunn und Naßweiler werden die Gemeindevertreter gewählt. Dabei ergab sich, daß die mit französischen Geldern ausgehaltenc separatistische Partei, die sich außerdem des Wohlwollens der in französischen Händen be-- findlichen großen Aktiengesellschaften erfreut, eine vernichtende Niederlage erlitt. Dagegen konnten überall die Nationalsozialisten auf den ersten Anhieb hin eine f e st e und große Stellung sich erobern, so daß das Wort von einem „nationalsozialistischen Wahlsieg im Saarland" seine Berechtigung hat.
Das eindeutige Bekenntnis der Bevölkerung — in diesem Zusammenhang ist die Feststellung unumgänglich, daß selbst die Kommunisten vor ihren Anhängern sagen müssen, daß sie 1935 ins Reich zurück wollen, ganz gleich, was dann mit ihnen geschehe — zu ihrem deutschen Volkstum ist ein politisches Moment von hervorragender Bedeutung. Man darf nicht vergessen, daß in den letzten Wochen und Monaten Vorgänge an der Saar zu verzeichnen waren, die eine gewisse Skepsis rechtfertigten, eine Skepsis allerdings nur in Bezug auf die Qualitäten von Führern gewisser politischer Parteien, die heute noch im Saargebiet sind. Anscheinend haben diese Herren nicht die richtige Einstellung zu dem neuen Deutschland finden können. Ein Teil der Zentrumspresse des Saargebietes insbesondere hat in einer peinlichkomischen Art stets alles zusammenzutragen versucht, was dem neuen Regime hätte abträglich sein können. Darüber hinaus sind auch personelle
die wett tun könne, ohne daß zuvor ein „w ä h r u n g s w a f f e n st i ll sl o n d" geschlos- fe n zu werden brauche. Roosevelt hatte es für feine Pflicht zu beweisen, daß der weg noch frei fei, um die Weltkrise durch eine internationale Gemeinschaftsaktion zu heilen.
OieDickers-ZngenieurepassierenBerlin
Berlin, 4. Iuli. (TU.) Die auf Grund der russisch - englischen Unterhandlungen sreiaelassenen Vickers-Ingenieure Thornton und M a c d o» n a l d, trafen am Dienstag auf ihrer Reife nach London in Berlin ein. In einer Unterredung, die der Vertreter der „B. Z." mit ihnen hatten, erklärten sie, daß die Disziplin sehr streng gewesen sei. Entgegen den Gefängnisvorschriften sei es ihnen gelungen, ein Rasiermesser und eia Taschenmesser einzuschmuggeln. Obgleich die Beamten gesehen hätten, daß sie frisch rasiert gewesen seien, hatten sie keine Frage an die Ingenieure gerichtet. Man habe wohl aus „höheren Sphären", die es auch heute im Bolschewikenstaate gebe, Anweisung erhalten, die Engländer in der Gewohnheit des Rasierens nichtzu stören. Obgleich sie durch die Haft sehr niedergeschlagen gewesen seien, hätten sie doch nicht den Eindruck gemacht, als ob sie mit Selbstmordgedanken umgingen. Infolgedessen hätte man ihnen auch d i e Messer gelassen, obgleich sie im russischen Sinne als schwere Verbrecher gegolten hätten. Die beiden Ingenieure haben die Reichshauptstadt wieder verlassen, um sich in ihre Heimat zu begeben.
Aenderungen vorgekommen, die als Willenskundgebungen in einer ganz bestimmten Richtung gedeutet werden müssen, veranlaßt seltsamerweise von Persönlichkeiten, deren politische Zuverlässigkeit gerade im Schicksalsjahr 1919 sehr umstritten war und die erst nach der Stabilisierung der deutschen Mark wieder voll und ganz ihr Herz für das große Reich im Osten entdecken konnten.
Jeder Grenzdeutsche wird diese Entwicklung bedauern, aber es scheint uns notwendig, rechtzeitig hier zu warnen. Das Volk an der Saar will nicht, daß seine Führer auf zwei Schultern tragen. Wer im Reiche die Zielbewußtheit, die mitreißende Gewalt der Massen, die der Inbegriff der nationalen Revolution sind, erlebt hat, weiß, was die von diesem naturgesetzlichen Vorgang gleichfalls befruchtete Bevölkerung an der Saar will, was sie gut heißt, was ihr Ziel ist. Man verkennt durchaus gewisse politische Vorgänge der letzten Zeit, wenn man aus ihnen die Schlußfolgerung zu ziehen glaubt, jetzt könne man im Saargebiet „eine Politik auf eigene Faust" treiben. Der Wille, der eindeutige und unbeugsame Wille der Saarbevölkerung kann allein nur als Richtschnur für das Handeln aller saarländischen Politiker dienen. Es sei davor gewarnt, die nur angedeutete Gefahr zu unterstützen. Die dortige Völkerbundsregierung hat unter völliger Verkennung der ihr gestellten Ausgabe sich eindeutig in den Dienst der französischen Propaganda gestellt, hat marxistische Elemente, die aus dem Reich verschwanden, mit offenen Armen ausgenommen und läßt es zu, daß diese Landesverräter vom Wirken und Ablauf der Erhebung des deutschen Volkes ein völlig falsches Bild entwerfen. Das Deutschtum aber der Saarbevölkerung ist unerschütterlich und wenn bestimmte seiner politischen Führer ihre bisherige Politik sortsetzen, dann werden ihnen gewisse Erfahrungen nicht erspart bleiben.
9er Warndt bekennt sich znm neuen Reich.
ins Auge gefaßt hat und in Paris darüber auch verhandeln läßt. Damit sind alle Fragen des Südostraumes aufgerührt. In der Diskussion erhielt der Plan gleich eine monarchische Spitze, d. h. eine W i e d e r h e r st e l l u n g d e r H a b s- bürget Doppelmonarchre. Die Kleine Entente hat sich in Paris und London leb- haft dagegen gewandt und dabet in Pans den schon beinahe vergessenen Plan. Tardreus für das Donaugebiet ausgespielt, also den w r r t- schaftlichen Zusammen s ch l u ß.aller si^- osteuropäischen Länder mit Einschluß Oestem:erchs und Ungarns zu einem gemeinsamen Wirtschafts- ^Äas die Sache jetzt etwas ernsthafter machte, war die Behandlung in Englands Am 22. Juni erörterte Reuter, das Bureau, das m engster Verbindung mit der englischen Außen- Politik arbeitet, ausführlich die Möglichkeiten der Donaufrage: Anschluß? Lebensfähiges Oesterreich allein? Donaublock? Wiederherstellung der österreichisch-ungarischen Monarchie. Der Ton lag dabei auf dem letzten und daß dieser Vor- schlag, der ernstlich erwogen werde, für Groß, britannien annehmbar sei und auch für Frank reich und Italien, Deutschland müsse dann die vollzogene Tatsache hinnehmen. Es> folgte dne „Times" am 24. Juni nicht genau in der gleichen, aber in ähnlicher Vöeise. . r.,
Das ganze beweist nur, daß, wie es natürlich ist über die ganze Frage wieder -mm^ leb- bakter gesprochen wird, m e h r n i ch t. Alle diese Pläne haben an sich, daß sie sich gegen
seitig aufheben und einig nur in einem negativen Punkte sind, nämlich daß Oester- re ch sich nicht an Deutschland anschließen dürfe. Daß die Legitimisten in Wien und in Budapest die Zeit für günstig halten, kann man ohne weiteres glauben. Aber in Ungarn lehnt der Ministerpräsident G ö m b ö s die Pläne der Habsburger Wiederherstellung durchaus ab, und was sind die Legitimisten in Oesterreich, wo in kurzer Zeit durch einen Sieg des Rationalsozialismus eine ganz andere Lage da sein kann? Wie Kleine Entente und Restauration, Frankreich und Italien in ihren Borstellungen über die Sanierung des Südostens voneinander abweichen, weiß man. Kurz, sobald hier etwas praktisch ungefaßt wird, hebt eins das andere auf und es bleibt nur Zeitungslärm und aufgeregtes Verhandeln der Diplomatie.
Blicken wir über diese zwar wichtigen aber im ganzen kleineren Dinge hinaus, so wird uns immer deutlicher eine einfach weltgeschichtliche Perspektive. Denn das bedeutet die immer deutlicher werdende Parallelität der Dinge in Deutschland und in Rordamerika. Das außenpolitische Amt der RSDAP. veröffentlichte eine Unterredung mit dem Präsidenten der United Preß, in der dieser sehr richtig darauf hinwies, daß sich auch in Amerika eine Revolution vollzieht, eine neue Einstellung zum Staat, I zur Macht, zum Verhältnis zwischen Staat und Wirtschaft, genauer gesagt zum alten finanz- kapitalistischen Denken, Der Mittel
punkt dieses Umschwungs ist der neugewählte Präsident. Er hat sich mit einem Kreise persönlicher Mitarbeiter umgeben, zumeist Professoren, die der Volkswih den „Gehirntrust" nennt, und dessen Mittelpunkt jener Professor Molch von der Columbia-Universität in Rett- York ist. Man sieht, wie Roosevelt diese Dinge weiter treibt und von ihnen weiter getrieben wird. Er ist sich darüber klar, daß ihn das zugleich in eine Autarkiepolitik hineintreibt. Man muh jetzt ganz klar vor Augen haben, daß Amerika diesen Weg gehen will. Run sind die Konsequenzen erst recht für die anderen Länder damit gegeben — für Deutschland bedarf es keines Wortes. Die Weltwirtschaftskonferenz kann deshalb, wie noch einmal gesagt sei, es zu nichts bringen. Aber e i n internationales Problem, endlos erörtert, stellt sich damit für den amerikanischen Präsidenten auch ganz hart hin. Das ist die Schuldenfrage. Sein binnenwirtschaftlicher Weg führt weg von der bekannten Verbindung: Zinszahlung gegen Warenausfuhr. Das zwingt die Schuldner Amerikas an Transfer-Moratorium zu denken, noch mehr an Zinszahlungseinstellung und zuletzt an Abschreibung großer Kapitalien auf den amerikanischen Anlagen. Diesen Zusammenhang jetzt eröffnet zu sehen, kann niemand überraschen, der die Entwicklung der interalliierten Schulden und der Weltwirtschaftspolitik in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt hat. Auch das scheint eine zwangsläufige Entwicklung zu sein!


