Ausgabe 
4.9.1933 Erstes Blatt
 
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Nachdruck verboten!

27. Fortsetzung.

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Watzenborn, den 4. September 1933.

Die Beerdigung findet Dienstag, den 5. Sept, nachm. 3 Uhr statt.

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Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Holz- Heim und der Feldgemeinde Bergheim für das Rj. 1933 liegt vom 5. September 1933 ab eine Woche lang auf der Bürgermei­sterei offen. Einwendungen können wäh­rend dieser Zeit mündlich oder zu Proto­koll vorgebracht werden. 5479D

Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker herangezogen werden.

Holzheim, den 2. September 1933.

Hessische Bürgermeisterei Holzheim. Buß.

Eduard Weiser suchte in seiner Brieftasche. Hier, Baron, können Sie eine solche War­nung lesen von ,einem, der es gut meint'. Vor kurzer Zeit flog sie mir ins Haus!"

Ah, ganz niederträchtig abgefaßt!" bemerkte Kurt v. Langen, als er den ihm überreichten Brief gelesen,unter der Maske des treu­besorgten Freundes eine solche hinterlistige Verdächtigung der reinen Frau! Gestatten Sie, Herr Weiser? Die Baronin wird ebenfalls Interesse haben?" .

Lilos Hände bebten ein wenig, als sie das Schreiben entgegennahm, und sie brauchte ver­hältnismäßig viel Zeit, die wenigen Zeilen zu lesen,' ein heißes Rot brannte aus ihren stark gepuderten Wangen, sie kannte den Brief ja gut! , .,

Eine Verdächtigung Magussis kann ich eigentlich nicht daraus lesen. Ihre Geheimniv- tuerei mit dem Kapellmeister konnte frem­den, die sie nicht so gut kennen wie wir, aller­dings Anlaß zu kühnen Mutmaßungen geben. Nun hat sich ja alles aufgeklärt, und man . wird beruhigt sein," sagte Lilo nachlässig, Eduard das Schreiben zurückgebend.

Ja, es hat sich aufgeklärt, gnädige Frau! wiederholte Eduard ihre Worte und sah sie dabei groß an. . ,xo£,..

Nun also! Warum so viel Lärm um nichts?

Ist die hinterhältig angegriffene Ehre einer Frau nichts?" fragte Kurt v. Langen,und dieser Brief tut es, trotz der anscheinenden Harmlosigkeit seiner Zeilen." w

'Es freut mit, daß Sie der gleichen Ansicht sind wie ich, Baron! Im übrigen ist es eine unnützige Zeitverschwendung, sich mit so etwas zu befassen. Der Absender hat sich selbst ge­richtet!" Eduard winkte dem Kellner, zu zah­len. Dann erhob er sich, um sich zu verabschieden.

Sieht man Sie bald einmal wieder, Herr Weiser?"

Vorläufig wohl kaum, Baron! In den nächsten Tagen reise ich geschäftlich nach Schweden."

Ah, fährt Magussi mit?" fragte Lilo eifrig.

Nein!" , ...

Sehr schroff und ablehnend klang dieses e ne Wort, während er kalt über sie hinwegsah, und auch seine Verabschiedung von ihr war knapp und kühl.

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Verschlossene Angebote sind mit entspre­chender Aufschrift bis spätestens Samstag, den 16. September 1933, beim Wohlfahrts­amt, Gartenstraße 2, einzureichen. Den An­geboten auf Matratzen usw. sind Drell- und Schutzdeckenmuster unter Angabe des Gewichtes der Füllung beizuschließen.

Es wird ausdrücklich bemerkt, daß aus­wärtige Gewerbetreibende sowie Waren­häuser und Filialgeschäfte von den Liefe­rungen ausgeschlossen sind.

Gießen, den 31. August 1933.

Bürgermeisterei Gießen (Wohlfahrtsamt).

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Da stimmt etwas nicht zwischen Magussi und ihrem Mann," sagte Liloferne plötzliche Reise nach Schweden ist auffallend - gib mir, bitte, noch eine Zigarette, Kurt! Es war vorauszusehen, daß es da einen tüchtigen Krach geben mußte bei den strengen, spieß­bürgerlichen Ansichten der Familien Bunte und Weiser. Magussi auf der Bühne ein Verbrechen! Von ihr allerdings ein starkes Stück und eigentlich unverzeihlich!"

Ihre ganze Art ärgerte ihn und verletzte ihn in seinem Empfinden. Und diese Sache mit dem anonymen Brief mußte er jetzt auf­geklärt haben. Er schämte sich für Lilo.

Ob aber so stark und unverzeihlich wie das Schreiben eines anonymen Briefes? Ich weiß nicht, wozu mehr Mut gehört!" fragte er langsam.

Sie zuckte die Achseln. .

Mein Gott, was ihr für ein Wesen mit dieser Magussi macht. Tatsache bleibt, daß sie sich mit diesem abenteuerlichen Schritt in der Gesellschaft unmöglich gemacht hat!"

Bist du der Ansicht, daß die Fürstin Wal­denau einer solchen Dame in so auffallender Weise Freundlichkeiten erweist? Frau Magussi Weiser hat sich nicht außerhalb der Gesell­schaft gestellt wie du es getan, als du jenen anonymen Brief an Eduard Weiser sandtest/ sagte er, sie fest im Ange haltend.

Sie wurde dunkelrot.

Ich habe es nicht getan!" fuhr sie fort, wer wagt das zu behaupten?"

Ich! Oder kannst du leugnen?"

Ja!" Trotzig warf sie den Kopf zurück.

Warum hast du nicht wenigstens den Mut, diese Tat einzugcstehen? Eduard Weiser hat dich als Absender vermutet sein Benehmen hat cs deutlich genug verraten! Warst du denn von allen guten Geistern verlassen?" Er schüt­telte den Kopf,das ist etwas, was ich nicht begreifen kann das tun doch nur zweit­klassige Menschen Menschen, mit denen man sich nicht an einen Tisch setzt"

und doch sitzest du mit einem solchen an einem Tisch", höhnte sie.

Es wird zum letzten Mal gewesen sein!" ent­gegnete er scharf,man macht sich nicht gern un­möglich, um deinen Ausdruck zu gebrauchen." Un­sagbar hochmütig und ablehnend sah er in diesem Augenblick aus. Erschreckend spürte sie seine Ge­ringschätzung. Mit einem Mal hatte sich eine Kluft zwischen ihnen aufgetan, die wohl kaum zu über­brücken war, wie sie unbewußt fühlte.

Sien.suhr auf; wuterfüllt funkelten ihre Augen ihn an.

Natürlich, du warst immer schon in dieses blonde, scheinheilige Lärvchen vergafft! Ich habe es dir längst angemerkt! Das Glas bekamst du heute abend ja nicht von den Augen!"

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Zum Schlafengehen war sie noch zu unruhig. Und rasch, wie sie war, setzte sie sich, sobald sie es sich bequem gemacht und das orangefarbene Ge- fellschaftskleid mit einem seidenen, gesteppten Schlaf- rock vertauscht, noch vor den Schreibtisch. Sie ver­wendete das Datum des Übernächsten Tages, an dem sie den Brief abfenden wollte doch festge- halten mußten ihre Gedanken werden.

Sie schrieb, sie habe es sich plötzlich überlegt; sie wolle einige Zeit auf Reifen gehen; es fei ihr hier zu langweilig geworden; sie habe Sehnsucht nach interessanten, geistig hochstehenden Menschen be- kommen, die man in diesemspießigen Rest hier nicht finde! Vorerst wolle sie nach Bersin zu ihrer Freundin Molly von Brauchitzsch; diese habe Be­ziehungen zu Filmkreisen, und sie möchte dort ein- geführt werden. Wie er wisse, habe sie ja starkes Interesse für den Film, und es sei nicht ausgeschlos- fen, daß sie sich dem Film widmen werde.

Dieser Gedanke war ihr mit einem Male durch den Kopf geflogen, und schnell hatte sie ihn schon auch niedergeschrieben mit dem festen Entschluß, seine Verwirklichung zu suchen beim Film würden sich ihr allerhand Möglichkeiten bieten!

Lilo war wirklich gezwungen gewesen, den Brief abzusenden, da Kurt von Langen sie weder ange­rufen noch aufgefucht hatte, so sehr sie auf ihn ge­wartet. Mit Absicht hatte er seinen Aufenthalt bei dem Bruder auf acht Tage ausgedehnt. Es war ihm unmöglich gewesen, Lilo jetzt zu sehen, nach­dem er ihren Charakter erkannt. Für so niedrig hätte er sie doch nicht gehalten, daß sie zu dem verwerflichen Mittel eines anonymen Briefes ge­griffen, um der Freundin zu schaden.

Das hatte seine Verliebtheit ganz erkalten las­sen. Es war ja nur ein Rausch gewesen, der ihn zu der feschen und reizvollen Frau gezogen. Er hatte sich manchmal gegen ihre Art gesträubt, aber warum sollte er nicht nehmen, was sich ihm bot? Und sie war ihm wirklich eine bequeme Freundin gewesen, bis er gemerkt, daß sie ihn festhalten wollte für aüe Zeit, daß sie mit allen Mitteln bestrebt war, Baronin von Langen zu werden. Als eine solche hätte er sich aber, wenn er überhaupt an Heiraten gedacht, eine andere vor­gestellt, als gerade Lilo von Konsilius, die wohl zur Freundin, aber nicht zur Ehefrau taugte.

Darum hieß es, sich langsam zurückziehen. Er wollte nicht rücksichtslos werden, wie sie es wohl verdient, da sie sich mit jenem Brief in einem so erbärmlichen Licht gezeigt, daß es eigentlich nicht nötig war, noch Rücksichten zu üben.

Dennoch wollte er ihr Gelegenheit geben, daß die Lösung ihrer Beziehungen von ihr ausging diese Genugtuung würde er ihr in seiner Ritterlichkeit gern gönnen.

Deutlich genug hatte er ihr allerlei zu verstehen gegeben. Daß sie begriffen, bewies ihm der Brief. Und froh war er, wie reibungslos und über Er­warten glatt die Trennung erfolgt war.

(Fortsetzung folgt.)

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Gestern abend 11 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel

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im Alter von 70 Jahren.

Die trauernden Hinterbliebenen:

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Mit dieser Angelegenheit haben deine Beobach­tungen nichts zu tun. Bitte, schweife nicht ab. Ich gebe gerne zu, daß ick) Frau Magussi Weiser sehr verehre und sehr hoch schätze."

Wohl höher als mich? Natürlich, zuletzt ist man doch die Dumme!" zischte sie.

Mein Gott, Lilo, wie kannst du so wahnsin­nig geschmacklos sein! Willst du dich, bitte, nicht mäßigen? Mir scheint, unser Tisch wird ein Ge­genstand der Aufmerksamkeit, und du weißt, daß ich nicht liebe, wenn man auffällt!" sagte er kalt.

Ich will gehen!" stieß sie heftig hervor.

Wie es dir beliebt!"

Er bezahlte, half ihr höflich in den Pelzmantel und trat mit ihr auf die Straße. Kühl wehte der Nachtwind um die heißen Gesichter. Es hatte auf­gehört zu regnen. Dünne, opalschimmernde Wolken- jchleier huschten eilig über die sich rundende Mond­sichel. Man ging die wenigen Schritte bis zur nahen Autohaltestelle; Lilo trippelte vorsichtig in ihren hochhackigen Wildlederhalbschuhen neben ihm her. Er hatte beide Hände in die Taschen seines Ulsters vergraben; nicht wie sonst hatte er sie zärt­lich untergefaßt. Mit schrägem, scheuem Blick streifte sie sein kaltes, ablehnendes Gesicht. Es ärgerte sie sehr. Aber nachlaufen würde sie ihm gewiß nickst. Da waren noch andere, die sich um sie bemühten. In ihrer dummen Verliebtheit hatte sie ihm schon manche verlockende Heiratsaussicht geopfert. Es wurde allmählich Zeit, daß sie sich ernstlich nach einem sicheren Hafen umsah. Und war sie wieder verheiratet, konnte sie dennoch tun und lassen, was ihr beliebte vor allem mußten ihre Geldver­hältnisse wieder in Ordnung gebracht werden. Sei­netwegen wollte sie gewiß ihre besten Jahre nicht länger opfern, das fiel ihr nicht ein.

Blitzschnell flog ihr alles durch den Kopf, wäh­rend der Kraftwagen sie ihrer Wohnung zuführte. Die Unterhaltung zwischen ihnen war sehr ein­silbig, nur auf ein paar nickstssagende Worte be­schränkt, und jeder war froh, als man am Ziel war. Nicht wie sonst hatte er sie in toller Ver­liebtheit im Arm gehalten und geküßt. Höflich half er ihr aus dem Wagen und schloß ihr die Haus­tür auf. ;

Wann sehen wir uns wieder?" fragte sie zö­gernd.

Er überlegte einen Augenblick.

Morgen, übermorgen bin ich voraussichtlich bei meinem Bruder."

Ich kann mir bann etwas anderes vorneh­men?"

Für diese Tage, ja! Servus!" Er küßte ihr die Hand und bestieg den Wagen, den er hatte warten lassen. Er verzichtete also heute auf die Tasse Tee, um die er sonst noch zu bitten pflegte, wenn sie aus einem Konzert oder Theater tarnen. Sie wußte, was das alles zu bedeuten hatte, aber sie ließ sich nicht wegwerfen; dann wollte f i e es fein, die Schluß machte!

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Amtsverkündigungen aus den! oberhessischen und preußischen

Kreisen.

Kreis Alsfeld.

An die Bürgermeistereien des Kreises.

Die Körung der neuangeschafften Ziegen­böcke ist verschiedentlich noch nicht durch- geführt. Die betreffenden Gemeinden wer­den hiermit aufgefordert, die Körung der neuangeschafften Ziegenböcke noch^vvr Be­ginn der Sprungperiobe vornehmen zu lassen. Anmeldungen sind zu richten an den Vorsitzenden der Kreiskörkommission Als- feld-Alsfeld, Herrn Veterinärrat Dr. Ohly in Alsfeld. 5482C

Dilltreis.

Grünfuttersilos, die als einfache Erd­gruben mit Beton bzw. Ziegelsteinwänden und «höben nach den von der Landwirt schaftskammer aufgestellten Normaltypen angelegt werden, bedürfen keiner baupoli­zeilichen Genehmigung; dagegen bedarf es einer Bauanzeige, die der Bauherr unter Beifügung einer Typenzeichnung und einer einfachen Lageplanskizze, aus der sich die Baustelle ergibt, durch die Ortspolizei­behörde an die Baugenehmigungsbehörde zu richten hat.

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Ein Film für alle Frauen!

Gießen, den 4 September 1933.

Die Einäscherung findet in aller Stille statt

Wir bitten, von Beileidsbesuchen und Blumenspenden abzusehen.

Wir betrauern tief das Ableben unseres 1b. A. H.

Dr.phil.Wilhelm Schraub

akt. 02/04 (XXX.X)

Studienrat in Gießen.

Am 2 September verschied infolge eines Unfalls mein geliebter

Mann und mein treusorgender Vater

Herr Studienrat

Dr. Wilhelm Schraub

In tiefer Trauer:

Else Schraub, geb. Curschmann

Walter Schraub.

Die Landsmannschaft Darmstadtia.

I. A. d. C.:

Ernst Eckhardt (XXX) XX a. i.

5481 L)

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