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1. Fortsetzung.
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„Mama —1" Leise fiel das Wort von Lippen.
„Ach, Kind, was haft du getan?"
„Papa war wohl sehr böse?"
Der Blick, mit dem die Mutter sie statt der Antwort ansah, sagte Magussi genug, und zentnerschwer lag ihr mit einem Male das Herz in der Brust. Dennoch warf sie trotzig den Kopf zurück.
„Was ich getan habe, Mama? Nichts! Einen kleinen Ausflug mit einer Freundin —"
„Du hättest vorher fragen müssen!"
„Dann hätte ich keine Erlaubnis bekommen! Und gerade an dieser kleinen Reise lag mir viel —"
„Jederzeit hättest du mit Papa und mir nach Leipzig fahren können. Diese unangebrachte Heimlichkeit —"
hatte ihren berechtigten Grund!
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„Richte dich ein, Maria, wir werden am Sonntag Gäste haben — Generaldirektor Weiser und Frau, sowie den Sohn!" sagte er plötzlich. „Magussis Verlobung soll sein!"
Frau Maria erschrak. „Mein Gott, August, so schnell — sie weiß doch noch gar nichts! — Du darfst es auch nicht überstürzen."
Gleichgültig streifte er die Asche von der Zigarre in die aus Kupfer getriebene Aschenschale, „ich werde heute nachmittag hinüberfahren und mit ihm die Angelegenheit zum Abschluß bringen! Eduard Weiser ist Feuer und Flamme — man wartet nur auf Magussis Jawort — sie werden es heute nachmittag bekommen!"
„Wenn Magussi aber nein sagt?" warf Frau Maria bang ein, „sie mag Eduard nicht besonders; er ist ihr zu einfach und hausbacken, obwohl ich stets sehr für ihn gesprochen habe."
„Sie wird nicht nein sagen, dafür lasse mich sorgen!" bemerkte der Kommerzienrat herrisch, „Eduard Weiser ist gerade der richtige Mann, ihr die abenteuerlichen Pläne aus dem Kopf zu jagen! Er ist ein gediegener, ehrlicher Charakter und ein außerordentlich tüchtiger Kaufmann, der mein Werk auf der Höhe holten und in meinem Sinne fortführen wird. Das ist die Hauptsache."
„Ich meine, die Hauptsache ist doch Magussis Glück!" sagte Frau Maria schüchtern; es tat ihr weh, daß der Gatte so geschäftsmäßig und nüchtern sprach, obwohl sie im Grunde mit ihm einig war; denn einen besseren, treueren Mann hätte Magussi weit und breit nicht finden können!
„Siehst du das auch in der Verwirklichung ihrer unmöglichen phantastischen Wünsche?" fragte der Kommerzienrat in scharfem Ton, „das Glück unserer Tochter liegt in der Familie, an der Seite eines braven Mannes — aber nicht da, wo bunter Flitterkram und trügerischer Schein gilt! Dazu habe ich meine Tochter nicht erzogen! — Richte alles zu einem würdigen Verlobungsmahl her! — Vor allem hat Magussi den Umgang mit ihrer überspannten Freundin, der Elisabeth Charlotte Konsilius, zu meiden! Eine geschiedene Frau ist kein Umgang für sie."
„Wir kennen Lilo doch schon seit ihrer Kinderfreundschaft mit Magussi! Und an Lilo lag es nicht, daß ihre Ehe nach so kurzer Zeit wieder getrennt wurde. Sie hatte zu jung geheiratet."
„Ganz klar ist mir die Sache nicht, und so, wie Elisabeth Charlotte sie uns dargestellt hat, ist es
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bestimmt nicht! Auf jeden Fall hat sich Lilo tn ihren Ehejahren nicht so entwickelt, wie ich es von der Tochter meines allen, leider zu früh verstorbenen Freundes erwartet hatte. Sie ist mir zu modern — im nicht guten Sinne — und zu extravagant geworden, beinahe Boheme, und ich halte sie nicht mal ehrlich in ihrer Freundschaft mit Magussi! Der Einfluß dieses Hauses ist kein besonderer auf unser Kind — du siehst ja auch, wer dort verkehrt! Magussis Verlobung wird Schluß mit all dem Larifari machen. Von nun an hat sie an Ernsteres zu denken! Ich werde es ihr in aller Ruhe sagen, und sie hat sich zu fügen."
Frau Maria wagte keinen Widerspruch. Wenn der Gatte so aussah und in diesem Tonfall sprach, war jedes weitere Wort vergebens.
Wäre nur Magussi erst zurück und die Aussprache mit ihr überstanden!
Der Kommerzienrat liebte die Tochter abgöttisch; jeden Wunsch hätte er ihr erfüllt, der mit seinen Ansichten übereinstimmte. Leider aber gingen die Wünsche Magussis sehr oft dagegen, und dann gab es bei der Tochter Eigensinn und bei des Gatten Machtbewußtsein häufige Meinungsverschiedenheiten, und sie hatte Mühe, zu schlichten und wieder einzurenken — wie ein Getreidekorn erschien sie sich oft, das zwischen zwei Mühlsteinen zerrieben wird! —
Der Tag ging hin wie jeder andere. Mit keinem Wort erwähnte der Kommerzienrat die Tochter.
2Iber Frau Maria konnte in ihm lesen; sie merkte wie aufgebracht er über Magussi war — Eigenmächtigkeiten vertrug er durchaus nicht, weder im Geschäft, noch viel weniger aber im Hause und in der Familie! Die Ehe mit diesem starken Manne hatte in der zarten Frau, die sehr fügsamer Natur war, jeden eigenen Willen erstickt. Sie war innerlich and äußerlich ganz abhängig von dem Gatten; ihrer großen Liebe war auch ein gut Teil Furcht vor ihm beigemischt, so daß sie kaum ein Wort anderer Meinung wagte. —
Am Spätnachmittag des andern Tages fuhr der elegante braune Merceswagen der Frau Lilo von Konsilius vor der Villa des Kommerzienrats vor.
„Lilo, ich habe nun doch Angst!" — Die dunkelblauen Augen des schönen, blonden Mädchens, das noch zögernd sitzen blieb, irrten ängstlich über die Fenster des Hauses, von denen schon zwei erleuchtet waren.
„Mama ist zu Hause; sie sitzt im Wohnzimmer, vielleicht beim Tee! Bitte, komm einen Augenblick mit hinauf. Schicke den Chauffeur einstweilen fort; er kann dich ja in einer halben Stunde wieder ab- holen!"
„Kleiner Angsthase!" Die Angeredete lachte. „Wie läßt du dich einschüchtern mit deinen dreiundzwanzig Jahren--du bist doch kein Wickelkind mehr!
Erkläre das deinem Vater endlich einmal mit aller Bestimmtheit! — Wenn du zu allem immer fein demütig Ja und Amen sagst, so wird man dich schulmeistern, bis du Großmutter bist! Ich liebe und ver-
„Willst du dich nicht näher aussprechen? Dein Brief deutete ja bereits Verschiedenes an! Dennoch will ich nicht hoffen, daß —
„Doch, Mama, ich habe es getan! Ich habe meine Stimme von unparteiischer, maßgebender Seite prüfen lassen, da ich nichts auf die Schmeicheleien gebe, die man der Tochter des Herrn Kommerzienrats Bunte zollt, obwohl ich genau weiß, daß ich schon viel kann und bei weiterer Ausbildung noch viel mehr leisten werde. Auf das Urteil der Gesangsmeisterin kann ich wirklich stolz fein!"
Magussis Augen leuchteten vor Genugtuung, während sie das sagte.
,-Sie war geradezu begeistert!" rief Lilo eifrig.
„Es interessiert mich nicht!" wehrte die Kommerzienrätin kühl ab.
„Gnädige Frau, das kann Ihr Ernst nicht sein!" meinte Lilo vorwurfsvoll, „die Künstlerin sagte, solch schönes Material und solch große Musikalität seien ihr nur sehr selten begegnet, und ihr würde es eine große Freude sein, diese Stimme bis zur Bühnenreife auszubilden! Unentgeltlich — nur mit dem Wechsel auf die Zukunft! Ist das nicht bezeichnend, gnädige Frau? Die Gesangsmeisterin wußte doch gar nicht, wer Magussi war, konnte ihr also auch nicht wegen zu erwartenden Honorars nach dem Munde reden", — eifrig sprach Lilo für die es ein prickelndes Gefühl war, Mitwirkende in einem Schauspiel zu sein, dessen Heldin die Freundin war!
„Warum das alles, Magussi? Es hat doch gar keinen Zweck —"
„Warum, Mama? Weil ich mich der Kunst widmen will, in der allein ich Erfüllung meines Lebens sehe!" entgegenete Magussi ruhig.
„Das ist ganz ausgeschlossen, 'Kind, und ich bitte dich, wenn du mich lieb hast, dir diesen Wunsch aus dem Kopf zu schlagen! Du kennst Papas Ansichten —"
„die aber nicht die meinen sind! Papa, immer Papa —I Soll er denn in allem maßgebend fein? Ich verehre und liebe ihn sehr — aber mein Leben, meine Persönlichkeit kann ich ihm nicht zum Opfer bringen! So in chm ausgehen wie du, wäre für mich Selbstmord! Ich bin jung, und mein Leben liegt noch vor mir! Ich will es leben, wie ich es für mein Glück halte — und ihr wollt doch mein Glück —"
„Eltern müssen die Kinder ihre eigenen Wege gehen lassen!" warf Lilo ein.
Groß und verweisend blickte die Kommerzienrätin sie an.
„Und wohin hat Ihr Weg Sie geführt, Frau Lilo? Sie hatten sich den Mann Ihrer Wahl gegen den Willen Ihres Vaters ertrotzt und hatten es bald zu büßen! — Dürfen die Ellern den Kindern denn nicht ihre Lebenserfahrungen warnend vor Augen stellen, wenn sie sehen, daß deren Wünsche und Neigungen sich auf falscher Bahn bewegen?"
kFortsetzung folgt.)
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,^$d) weiß es, Lilo, und ich danke es dir auch! Ach, manchmal ist es nicht schön bei uns!" seufzte Magussi.
Lilo sprang zuerst aus dem Wagen. Sie sah sehr fesch aus in der roten, mit Oppossum verbrämten Lederjacke.
„Gut, ich will dir auch noch den Gefallen tun und deine schöne alte Dame begrüßen und sie um gut Wetter für dich bitten! Du kommst ja mit dem besten Ergebnis heim — ein Goldschatz ruht in deiner Kehle, und eine glänzende Zukunft ist dir sicher!"
„Ach, Lilo, wie mir das Herz klopft! So gut Papa sonst ist, in seinem Zorn ist er furchtbar! Und ich habe unrecht getan, daß ich, ohne den Eltern etwas davon zu sagen, einfach mit dir davongefahren bin!" meinte Magussi.
„Nimm doch nicht alles so tragisch! warf Lilo leicht hin. —
Aber schwer und ängstlich war Magussis Sinn, und ihr bißchen Mut sank in nichts zusammen, als sie über den breiten, gepflegten Weg des Vorgartens nach der Eingangstür des Hauses ging.
2. Kapitel.
„Da find die Ausreißer, Mama!" Mit gutgespielter Lustigkeit rief Magussi es schon von der Schwelle des Wohnzimmers her, dabei die Hand der Freundin fest fassend.
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