Ausgabe 
4.8.1933 Erstes Blatt
 
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chinesischen Küste planen. Man sprach in diesem Zusammenhänge auch von einer vollkom­menen Umstellung der amerikanischen Außen­politik. Cs hieß, man habe im Weißen Hause die ungeheure Bedeutung des Stillen Ozeans für die amerikanische Zukunft aufs neue ent­deckt Amerika stand ja, wie bekannt, noch vor wenigen Monaten im Begriff, seine ganzen asiatischen Derbindlichkeiten zu liquidieren, und es hieß, daß man sogar die Philippinen den Filipinos zurückzugeben gedächte, eine Nachricht, von der man freilich seither nichts mehr gehört hat. Fraglos hatte aber der amerikanische Prä­sident Hoover eine nur geringe Begeisterung für Ostasien aufzuweisen. Ob daran innerpolitische Gründe oder seine früheren asiatischen Eindrücke schuld waren, ist nicht bekannt geworden. Hoover war nämlich vor etwa dreißig Jahren in einem nordchinesischen Bergbauunternehmen als Pro­kurist tätig.

Sieht man die Dinge in diesem größeren Zu- sanimenhang, dann erklärt sich, wie man ohne weiteres erkennt, die japanische Unruhe von selber. Bisher konnte man sich in Tokio auf die Friedfertigkeit der Bereinigten Staaten verlassen. Ietzt versucht man offensichtlich, den Amerika­nern vorsichtshalber einen kleinen Schreck einzu- jagen Das ist aber, und hier beginnt der ja­panische Irrtum, ein etwas gefährliches Llnter- nehmen, gefährli ch im Hinblick auf die innere Lage der amerikanischen Na­tion. Diese befindet sich in einem so bedenklichen Zustande, daß man sehr wohl von der Notwen­digkeit einer Ablenkung der Aufmerk­samkeit nach außen sprechen darf. Bisher war das nicht möglich. Die Amerikaner gehören gewiß zu jenen Völkern, die weniger als andere an imperialistische Unternehmungen denken. Der amerikanische Imperialismus war bisher haupt­sächlich kaufmännisch bedingt, wie man denn ja auch etwas spöttisch von Dollarika an Stelle von Amerika sprach.

Japans Rückendeckung, auch wenn .wir nur an politische und diplomatische Rückendeckung denken, ist geringfügiger als bisher. Wenn sie sich seither nämlich auf die Franzosen verließen, so ist augenblicklich ein gewisser Stimmungs­wechsel in Frankreich unverkennbar. Zieht sich Amerika interessenmäßig von Europa zurück, so steigen damit die französischen Verpflichtungen in Europa, und jede Versuchung zu überseeischen abenteuerlichen Verpflichtungen nimmt damit ab. Auch darf man nicht übersehen, daß die französische Kolonialpolitik, besonders im Fernen Osten, im­mer nur eine Nebensache gewesen ist, ein Hilfsmit- tel, aber niemals eine Lebensfrage. Es ist nicht zu­viel gesagt, wenn man feststellt, daß Frank­reich, der heimliche Bundesgenosse Japans, sich gegenwärtig immer mehr europäisiert. Selbstverständlich wäre eine französische diploma­tische Unterstützung für die Japaner augenblicklich noch wertvoll. Ob man aber darauf eine so krie­gerische Politik begründen darf, wie sie augen­blicklich betrieben wird, ist recht zweifelhaft. I a - pan läuft Gefahr, sich zwischen sämt­liche Stühle der Weltpolitik zu set­zen Daß es wirtschaftlich eine Zeit außerordent­licher Bedrängnis durchmacht, ist bekannt. Daß es, kaufmännisch gesprochen, von der Newyorker Börse abhängt, hat sich wiederholt erwiesen.

Japan will mit seiner Flottendemonstration ein ganz verständliches Ziel erreichen, nämlich seine nordchinesischen Eroberungen schützen. In Wahrheit lenkt es aber mit dieser Flotten­demonstration den Blick auf den schwachen Punkt seiner asiatischen Stellung. Japans ganzer Gewinn zu Lande hängt an der Beherrschung des chinesi­schen Meeres. Wenn die Amerikaner tatsächlich Ernst machen wollen, dann sind sie in der Lage, den Japanern die Freude an ihren chinesischen Er­oberungen zu rauben.

Der frühere ReichStagspräsident Lobe im Konzenirationslager.

Breslau, 4. Aug. (WTB. Funkspruch.) Am Freitagvormittag wurden ins Breslauer Kon­zentrationslager eingeliefert der frühere Reichstagspräsident L ö b e, welcher in Begleitung von mehreren Kriminalbeamten aus Berlin tarn, so­wie Frau Lüdemann, die Frau des bereits im Konzentrationslager befindlichen früheren Oberprä­sidenten von Niederschlesien, wegen Verbreitung unwahrer Behauptungen über das Kon- zentra tionslager, und der berüchtigte Jour­nalist Fritz Kunde, der frühere Herausgeber der jetzt verbotenen WochenzeitungDer Greifer".

Großer Schlag gegen kommunistische Hetzer.

Köln, 4. Aug. (WTB. Funkspruch.) In Stadt und Kreis Neuwied ist der Polizei die Auf­deckung und Aushebung einer großen kommunistischen Geheimorganisation gelungen. In mehreren Ortschaften wurden insgesamt 3 2 Kommunisten verhaftet. Die Kommu­nisten hatten in Neuwied, dem Sitz der Bezirkslei­tung Koblenz der KPD., geheime Besprechungen ad- gehalten und versucht, eine Neuorganisation der kommunistischen Bewegung durckzuführen. Sie arbei­teten mit Geheimcode und brachten auch eine große Menge hochverräterischer Druckschriften in Umlauf.

Attentat auf die deutsche Gefandtschast in Prag.

Eine kommunistische Attacke.

Prag, 3.Aug. (WTB.) Kurz vor 21 Uhr am heutigen Abend erschien eine Gruppe von etwa 5 0 Kommunisten vor dem Gebäude der deutschen Gesandtschaft. Die drei vor dem Gebäude diensthabenden Polizeibeamten stell­ten sich den Demonstranten entgegen, konnten jedoch nicht verhindern, daß eine Gruppe von 15 Mann durchbrach und sich dem Gesandtschafts­gebäude näherte. Aus dieser Gruppe, die laute N a ch e r u f e ausstieb, wurde ein faustgroßer Bleiknopf gegen ein neben dem Gesandtschafts­portal liegendes Fenster geschleudert, das in Scherben ging. Der Bleiknopf trug zwei ein- gekratzte Aufschriften. Auf einer stand in tschechi­scher Sprache:Die Arbeiterjugend rächt die Er­mordeten", auf der anderen stand in deutscher Sprache:Notfron t". Nach der Tat ergriffen die Demonstranten die Flucht. Es gelang jedoch den nacheilenden Polizeibeamten, den Atten­täter und zwei seiner Komplizen zu verhaften. Ausweislich des Polizeiberichts handelt es sich um einen gewissen Ottokar Hro- m a d k a aus Svitkov bei Pardubitz als Täter, I sowie den Dekorateur Hausler aus Ziskov 1

und den Medizinstudenten D i s a r o v i c aus Birchovih als Mitverhaftete.

Mißglückte Flugblattpropaganda in Schweden

G ö t e b o r g , 3. Aug. (WTB.) Die Polizei ver­haftete heute abend zwei Sommuniften und eine Kommunistin, die sich dem im hiesiaen Hafen lie­genden deutschen LinienschiffSchles­wig-Holstein" genähert und versucht hatten, kommunistische Flugblätter unter der Besatzung zu verteilen. Die Fluadlätter, die beleidi­gende Vorwürfe gegen die Reichsregierung enthiel­ten, wurden beschlagnahmt.

Aus der Fabrik für Lügenmeldungen.

Berlin, 3. August. (ENB.) Eine besonders d r e i st e Lüge leistete sich kürzlich das Blatt des tschechoslowakischen Außenministers Dr. Bene sch, Geste Slov o", das über die Tagung des Sächsischen Kavallerieoerbandes im Juni in Bautzen berichtet. Das Blatt macht aus dieser Tagung des Sächsischen Kavallerieverbandes ein Schreckensereignis für ganz Sachsen. So heißt es wörtlich:Sächsische Reiterei durch­braust die Lausitz. Samstag und Sonntag fand in

Bautzen eine Tagung ehemaliger Frontkämpfer statt, die bei der Reiterei dienten. 5000 Reiter durch­ritten die Lausitzer Dörfer, so heißt es in dem Be­richt weiter, vor denen sich die Einwohner in den Kellern versteckten wie in den Zeiten des schwe­dischen Einfalls im Dreißigjährigen Krieg. In der letzten Zeit ordnete die deutsche Regierung an, daß derartige Paraden in der Lausitz abgehalten werden sollen, Damit die Lausitzer Bevölkerung eingeschüch­tert werde." Der Höhepunkt der Dreistigkeit in dem Bericht wird erreicht mit der Bemerkung:Bei dieser Reiterei wurden 38 Personen verwundet, meistens Dorfbewohner, die von der wild reitenden Kavallerie umgerissen wurden."

Wohl selten ist ein solcher U n f i n n als Meldung eines doch als ernst gelten wollenden Blattes in die Welt gesetzt worden, rote in diesem Falle, roo sich in Bautzen die Teilnehmer eines Kavallerietreffens versammelt hatten, die, wie ausdrücklich zu bemer­ken ist, überhaupt nicht beritten waren: auch am Festzug nahmen keine Reiter teil. OerAngriff" in Wien beschlagnahmt.

Wien, 3. August. (WTB.) Die Staatsanwalt­schaft hat die heute hier eingetroffene Ausgabe des BerlinerAngriff" wegen Beleidigung von Mitgliedern der Bundesregierung beschlag­nahmt.

Aus aller Well.

DasEmden' -Ehrenmal.

Zum Gedenken an die ersteEmde n" errichtet, wie dieWandelhalle" meldet, die Stadt Emden am Gebäude der Polizeiwache ein Ehrenmal. Die Gedenktafel, die zur Zeit von dem Emdener Bildhauer Fritz Liebsch angefertigt wird, wird unter dem Bild des Kreuzers folgende Inschrift tragen:SMS. Emden, Kommandant Fregatten­kapitän Karl von Müller, versenkte im Indischen Ozean zahlreiche Handelsschiffe, zerstörte die Tank­anlage von Madras, vernichtete im Hafen von Pe- nang den russischen KreuzerSchemtschug" und den französischen ZerstörerMousquet", wurde am 9. November 1914 verfolgt von einer Uebermacht von Feinden und nach heißem Kampf mit dem australischen KreuzerSydney" auf den Keeling- Inseln aufgesetzt, fast die Hälfte der Besatzung war für das Vaterland gefallen. Ruhmvolles Schiff nimmer vergißt dein die Stadt, deren Namen du trugst um den Erdball."

Schießunfall auf KreuzerKarlsruhe". vier Verletzte.

Auf dem KreuzerK a r l s r u h e", der zur Zeit in der Kieler Bucht liegt, ist beim Uebungsschießen eine 5-Zentimeter-Hülsenkartusche beim Laden vor­zeitig zur Entzündung gekommen, bevor der Abschluß ganz geschlossen war. Leider sind dabei vier Verletzte zu beklagen, die in das Garni­sonlazarett Kiel-Wik eingeliefert wurden. Von den Verletzten, bei denen keine Lebensgefahr besteht, sind Oberstückmeister Schwarz und Obermatrose Nietsche leicht am Arm bzw. Unterschenkel ver­letzt. Obermatrose Hennenkemper ist an Kopf und Arm und Obermatrose Hennig an der Brust erheblicher verletzt worden.

Devisenschmuggel endgültig unterbunden.

Mit der Anweisung der Devisenbewirtschas- tungsstelle an die Banken, im Auslandreife­verkehr keinen Betrag über 50 Mark auf Reife­registerschecks auszuhändigen, ist der D e v i s en- schm u g g e l, der wochenlang in den deutschen Grenzgebieten im Schwung war, endgültig z u m Abschluß gebracht worden. Die Trierer Zollfahndungsstelle hat festgestellt, daß allein aus dem Trierer Bezirk schätzungsweise03 000 Mark nach Luxemburg und in das Saargebiet verschoben worden sind.

350 000 Pilger besuchten den heiligen Rock.

Am Mittwoch besuchten etwa 42 000 Pilger den Heiligen Rock in Trier, so daß damit bisher eine Gesamtzahl von 350000 Wallfahrern erreicht wird.

Verbrecherbande in Köln festgenommen.

Eine 41köpfige Verbrecherbande ist jetzt in Köln dingfest gemacht worden. Außer vier Einbruchs­diebstählen werden ihnen Anstiftung zum Mord, Eidesverletzung, Anstiftung zum Meineid, Brand­stiftungen aller Art und Sachbeschädigungen mit Ver­sicherungsbetrug zur Last gelegt.

Schwere Zuchthausstrafen für kommunistische Bombenhersteller.

Vor dem Breslauer Sondergericht hatten sich neun ehemalige Kommunisten und Mitglieder des Rotfrontkämpferbundes sowie des Bundes der Freunde der Sowjetunion aus Beuthen (Oberschle­sien) wegen Herstellung von Bomben zu verant­worten. Die Angeklagten hatten im Juni 1932 eine Straße in Beuthen abgeriegelt und von einem Eisenzaun zwölf faustgroße hohle Kugeln abgebro­chen, um aus ihnen Bomben herzustellen. Das Ge­richt verurteilte zwei Angeklagte zu je z e h n I a h - ren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrver­lust. Vier weitere Angeklagte zu Zuchthausstrafen von fünf bis sieben Jahren und einen Jugendlichen zu fünf Jahren Gefängnis. Ein Angeklagter wurde freigofprochen.

Mitglieder des Balbo-Geschwaders nach (Europa zurückgekehrt.

Vier Mitglieder des Balbo-Geschwaders, darunter der Neffe des Generals, Leutnant B a l b o, sind auf einem deutschen Dampfer nach Europa zu­rückgekehrt und jetzt in Paris eingetroffen. Die vier Flieger, die die technische Organisation des Atlantik­fluges bis jetzt durchgeführt haben, werden nunmehr nach den Anweisungen ihres Führers die notwendi­gen Vorbereitungen für die Ankunft des Geschwa­ders in Europa in die Wege leiten.

Entgleisung eines O Zuges bei Lüttich.

Der internationale O-Zug 150, der Köln um 7.43 Uhr verläßt und um 12.01 Uhr in Brüssel eintreffen sollte, ist am Donnerstag in der Gegend von Landen zwischen Lüttich und Löwen entgleist. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten wurden vier Wagen aus dem Gleis geworfen. Eine größere Anzahl Per- fönen ist verletzt und in das Löwener Kranken­haus übergeführt worden. Tote sind anscheinend nicht zu beklagen, lieber die näheren Umstände ist bisher noch nichts bekannt.

Noch ein Todesopfer der Lxplosionskatastrophe in Brünn.

Die Exolosionskatastrophe in dem Brünner Hotel (Europa'7 hat ein neues Todesopfer gefor­dert. Einer dsr Schwerverletzten ist gestorben.

Aus der Provinzialhaupistadi.

Oie Gebührensenkung im Krastsahr zeugverkehr.

Der Reichsrat hielt am gestrigen Donnerstag eine Vollsitzung ab, in der zahlreiche kleinere Vorlagen erledigt wurden, darunter auch die neue Gebüh renordnung für behördliche Maßnah­men im Kraftfahrzeugverkehr, die die Gebühren für die Erteilung des Führerscheines und andere behördliche Bescheinigungen erheblich herabsetz k. Die neue Gebührenordnung soll am 20. August in Kraft treten.

Die neue Kraftfahrzeuggebührenordnung sieht auf allen Gebieten des Kraftfahrzeug­wesens erhebliche Senkungen vor. Von den neuen Gebühren sind besonders die für die E r - teilung eines Führerscheins hervorzu­heben, der künftig für Krafträder 2 Mark und in allen anderen Fällen 3 Mark kostet. Für die Prü­fung eines Antrages auf Erteilung eines Führer­scheines werden 50 Pfennig für Krafträder und 1 Mark für Kraftwagen erhoben, die selben Ge­bühren für die Ergänzung eines Führerscheins. Für die Ausfertigung eines Ersatzführerscheines werden die gleichen Gebühren wie für den neuen Führer­schein erhoben. Die (Erteilung einer Typen­bescheinigung kostet künftig für Krafträder 8 Mark und für Kraftwagen 16 Mark. Die Gebühr für die (Erteilung einer Bescheinigung, Eintra­gung d e s Fahrzeuges in die Liste und Z u - teilungdesKennzeichens beträgt für Kraft­räder 2 RM., für Kraftwagen 3 RM. Die gleiche Ge­bühr gilt für die (Erneuerung der Bescheinigung bei veränderter Bauart des Fahrzeuges sowie beim Wechsel des Wohnortes und beim Wechsel des (Eigentümers. Die erneute Zulassung nach Abmeldung bis zur Dauer von acht Monaten kostet für Krafträder 1,50 Mark und für Kraftwagen 2,50 Mark. Für die Abstempelung des Kennzeichens durch die Polizeibehörde werden Gebühren von 50 Pf. für Krafträder und von 1 Mark für Kraftwagen erhoben. Die Gebühr für die Ausstellung eines Zeugnisses durch einen beamteten Arzt wird einheitlich auf 6 Mark festgesetzt. Für die Erteilung eines inter­nationalen Zulassungsscheins gilt eine Gebühr von 3 Mark für Krafträder und von 5 Mark in den anderen Fällen. Die gleichen Gebühren gel­ten für die (Erteilung eines internationalen Führer­scheines. Die neue Gebührenordnung tritt am 20. August in Kraft.

In der Begründung der Gebührenvorlage ver­weist die Regierung auf die verschiedenen, zur För­derung der Motorisierung Deutschlands in der Kraft­verkehrswirtschaft schon getroffenen Maßnahmen. Sie erinnert an die Erleichterung bei der Kraftfahr­zeugsteuer und an die Senkung der Versicherungs­prämien. Wegen Senkung der Sachverständigen- gebühren bei Prüfung der Kraftfahrzeuge und Kraft- fcchrzeugführer schweben Verhandlungen. Ebenso werde die Senkung der Brenn st offpreise betrieben. Im Rahmen der Verbilligungsbestrebun­gen sei auch die Herabsetzung der Gebühren für be­hördliche Maßnahmen im Kraftfahrzeugverkehr un­erläßlich.

Gründung eines Hetchsausschuffes für Liebhabermusikvereine.

Wie das VDZ.-Bureau meldet, dürfte die in Grün­dung begriffene Deutsche Musiker- und Musikkammer voraussichtlich auch die Liebhabermusik betreuen. Da auf diesem Gebiet noch keine Reichsorganisation be­steht, ist gegenwärtig die vom Deutschen Gemeinde- tag geleitete Spitzenorganisation der öffentlichen und privaten Unternehmen ernster Musik, die Ardeits- gemeinschaft für Konzertwesen in Berlin, im Einver­nehmen mit dem Reichskartell der deutschen Musiker­schaft damit beschäftigt, einenReichsausschuß für Liebhabermusikvereine zu bilden, der gegebenenfalls später in die Deutsche Musiker- und Musikkammer übergeleitet werden soll.

Im einzelnen verlautet noch, daß es in Deutsch­land Tausende von kleinen Jnstrumentalmusikver- einen gibt, die sehr ernsthaft die gute Musik pflegen. Man will nun diese Vereine zusammen- f a f j e n , um auf diese Weise der Pflege deut- scherVolksmusik einen starkenJmpuls z u geben. Dabei ist selbstverständlich nicht beab­sichtigt, den Berufsmusikern irgendwelche Konkurrenz zu machen. Im Gegenteil erhofft man von einer Zu­sammenfassung der Liebhabermusikvereine zugleich auch eine Förderung der Bestrebungen, die auf einen besseren Besuch von Veranstaltungen der Berufs­musiker hinzielen.

Daten für Freitag, 4. August.

1848: General Otto von Emmich, der (Eroberer von Lüttich geboren (gestorben 1915); 1860: der Schriftsteller Knut Hamsun in" Gudbrandsdal ge­boren; 1870: Sieg der Preußen und Bayern über die Franzosen bei Weißenburg; 1875: der Mär­

chendichter H. Ehr. Andersen in Kopenhagen ge­storben (geboren 1805).

Bericht der Staatspolizeistelle Gießen

Aus der Stadt und dem Kreise Gießen sind heute neun Personen in das Konzentrationslager O thofen übergeführt. Unter diesen Personen befand s ch ein Geschäftsmann aus Gießen, der seinen Ange teUten das Tragen von nationalen Abzeichen und die Wer­bung für die NSBO. nicht gestatten wollte. Ein junger Mann hatte sich auf dem Arbeitsamt in Gießen geäußert, er ginge in kein Nazi-Arbeils- lager. Auch er wurde nach Osthofen verbracht.

Weiterhin befinden sich unter den nach Osthofen eingelieferten Personen solche, die sich fortgesetzt in antinationalem Sinne äußerten und Angehörige der nationalen Verbände beleidigten.

Ein Jude aus Lich, der hinsichtlich der Beziehungen zu Christenmädchen sich abfällig geäußert haben |oll, kam auch nach Osthofen.

Oie Oranierfestspiele in Dillenburg.

Dillenburg, die Geburtsstadt Wilhelms des Ver­schwiegenen, eröffnet am 6. August die große nassauische Fe st woche anläßlich der 400. Wiederkehr des Geburtstages des großen Oraniers. Den Höhepunkt der Veranstaltungen bilden eine Aufführung des historischen FestspielsW i l h e l m, Prinz von Oranien" auf der Freilichtbühne bei den Ruinen des ehemaligen Dillenburger Schlos­ses und ein großer historischer Festzug, darstel­lend den Einzug des Prinzen Wilhelm von Dra­men in Dillenburg am 7. Mai 1567 auf seiner Flucht vor Alba, unter der Ehreneskorte der in Dillenburg biwakierenden Fußknechte und Reisigen des Feld- marschalls Friedrich von Rolzhausen. An diesem Tage ist Dillenburg Ziel einer Plakettenfahrt d e r Kraftfahrer. An diese wird eine künstle­risch-wertvolle Plakette mit einer Ansicht des ehe^ maligen Dillenburger Schlosses und dem Porträt des Oranierprinzen ausgegeben. Am 9. August wer­den das Festspiel und der Festzug wiederholt. Hohe Gäste aus dem Reich und aus den Niederlanden werden zu den Feierlichkeiten erwartet. Auf die Heu» tige Anzeige sei hingewiesen.

Sonderzüge anläßlich der Oranierfeicrn.

Aus Anlaß der Dranierfeiern in Dillenburg sind für Sonntag, 6. August, nachstehende Sonderzüge vorgesehen: Wallau Dillenburg, Wallau ab 7.28 Uhr, Dillenburg an 9.10 Der Zug hat Anschluß von Biedenkopf. Straßebersbach Dillenburg, Straß- ebersbach ab 9.40, Dillenburg an 10.20. Dillenburg Straßebersbach, Dillenburg ab 19.30, Straßebers- bad) an 20.10. HerbornGladenbach, Herborn ab 18.39. Gladenbach an 19.59. HerbornRennerod, Herborn ab 18.43, Rennerod an 20.06. Die Züge nach Gladenbach und Rennerod haben Anschluß von Dillenburg. Dillenburg ab 18.21. Sonderzug Wetz­larDillenburg, ab Wetzlar 9.40, gegen 10.25 an Dillenburg. Die Sonderzüge halten auf allen Unter- wegsstationen.

Bornotizen.

Tage'ska 1 ender für Freitag. VHC.: Monatsversammlung bei Hopfeld. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Kaiserwalzer".

Das Lichtspielhaus (Bahnhofstraße) macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß der FilmKaiserwalzer" nicht lediglich bis Samstag (wie in der gestrigen Anzeige vermerkt war), sondern bis einschließlich Sonntag läuft.

Der 1. Kraft- und Sportklub 1893 Gießen veranstaltet aus Anlaß feines 40jäbrLaen Bestehens am morgigen Samstag, 20 Uhr, im Caf6 Leib einenDeutschen Sportabend". Ein vielseitiges Programm wird die Teilnehmer unterhalten. Ein Teil des Reinertrags des Abends wird demOpfer der Arbeit" zugeführt. Auf die heutige Anzeige sei besonders hingewiesen.

*

** Für d i e Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft. Die Freie Friseur- Innung Gießen-Land hat, wie uns der Führer der Innung, Herr Ludwig Kraus köpf (Großen-Lin- den) mitteilt, für die Adolf-Hitler-Spende der deut­schen Wirtschaft den Betrag von 104 Mark über­wiesen.

* Fettverbilligung auch für Qln - staltsinsassen. Wie das Vdz.-Bureau mel­det, hat der Reichsarbeitsminister bestimmt, daß auch bei den Insassen von Anstalten der öffent­lichen und freien Wohlfahrtspflege, sotveit es sich um in geschlossener Fürsorge untergebrachte Per­sonen handelt und die Voraussetzung der Be­dürftigkeit gegeben ist, der Bezug des Reichs­verbilligungsscheins für Speisefette zuzugestehen ist. Zu den Anstalten in diesem Sinne gehören, wie weiter verlautet, auch die Krankenanstalten, Heilstätten, Genesungsheime, Erholungsheime und ähnliche Anstalten. Die Fettverbilligung komme für alle Anstaltsinsassen in Frage, die sie er­halten würden, wenn sie nicht in der Anstalt wären. Dabei handelt es sich z. B. um Haupt- unterstützungsempfänger und Zuschlagsempfängcr der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge, um Empfänger von Kurzarbeiterunterstühung, um Kriegsbeschädigte, um Sozialrentner und Kinder­reiche, wenn sie sich in Anstalten befinden und wenn sie ihren Verhältnissen nach auch außer­halb der Anstalt bezugsberechtigt sind oder wären. Es komme also nicht darauf an, ob die öffentliche Fürsorge die Anstaltskosten trägt. Ie- doch sind die Reichsverbilligungsscheine für An­staltsinsassen zu versagen, wenn ein Bedürfnis offensichtlich nicht vorliegt.

Wettervoraussage.

Das Hochdruckgebiet ist etwas nordwestlich zurückgewandert. Infolgedessen liegen wir mehr im Bereich seiner Südseite, die aber in unserem Gebiet noch zur Fortdauer der herrschenden Wetterlage führen wird. Hingegen gestaltet sich östlich der Elbe der Witterungscharakter etwas wechselhaft, denn Luftmassen der nördlichen Stö­rungstätigkeit dringen dort vor.

Aussichten für Samstag: Etwas wol­kig, sonst aufheiternd, warm und trocken.

Aussichten für Sonntag: Fortdauer des sommerlichen Wetters.

Lufttemperaturen am 3. August: mittags 22,8 Grad; abends 16,8 Grad ; am 4. August: morgens 14,6 Grad. Maximum 23.6 Grad, Minimum 10,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. August: abends 25,2 Grad; am 4. August: mor­gens 17,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 12% Stunden.

Verantwortlich für Politik: L 23.: Ernst Blumschein.

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