personalveränderlmgen in der hessischen.mstiz.
Der Herr Reichsstattholtcr hat auf Vorschlag der Hessischen Regierung am 27. Juni 1933 folgende Beamten auf Nachsuchen unter Anerkennung ihrer dem Staate geleisteten langjährigen treuen Dienste und des im nationalen Interesse bekundeten Opfersinns mit den, gesetzlichen Ruhegehalt in den Ruhe- st a n d versetzt:
Den Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht in Darmstadt Fritz Hoos; den Oberlandesgerichtsrat beim Oberlandesgericht zu Darmstadt Dr. Ernst Mayer: den Oberlandesgerichtsrnt beim Ober- londesgericht zu Darmstadt Friedrich Schnitz- lpahn: den Landgerichtsdirektor beim Landgericht Der Provinz Starkenburg zu Darmstadt Hermann Reuß: den Landgerichtsdirektor beim Landgericht der Provinz Oberhessen zu Gießen Ernst Cramer: die Landgerichtsdirektoren beim Landgericht der Provinz Rheinhessen zu Mainz Gustav E r ck m a n n und Dr. Karl Goldschmidt: den Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg zu Darmstadt Dr. Julius Lehr: die Landgerichtsräte bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen zu Gießen Dr. Moritz H a n s u l t und Aböls S t r a ck: den Amtsgerichtsdirektor beim Amtsgericht Offenbach Adolf Plagge: den Amtsgerichtsdirektor beim Amtsgericht Groß-Gerau Karl Trapp; den Amts- aerichtsdirektor beim Amtsgericht Scann Friedrich Dähn; den Amtsaerichtsdirektor beim Amtsgericht Bingen Friedrich Wachtel: den Amtsgerichtsdirektor beim Amtsgericht Oppenheim Dr. Johann Schneider: den Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Darmstadt Friedrich D r ö l l: den Amtsgerichtsrat beim Amtsgericht Seligenstadt Ernst Fricker; den Bürodirektor bei dem Amtsgericht Gießen Wilhelm Herrmann; den Bürodirektor bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen in Mainz Wilhelm
Kirn; den Oberjustizinspektor bei dem Amtsgericht Friedberg Heinrich Fisch; den Oberiustizinspektor bei dem Amtsgericht Bad-Rauheim Peter Krell; den Kanzleiinspektor bei dem Oberlandgericht Darmstadt Heinrich Schminke; den Kanzleioorsteher bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg in Darmstadt Georg Himmler; den Justizsekretär bei dem Amtsgericht Offenbach'Anton Schreier; den Justizsekretär bei Dem Amtsgericht Langen Karl Ritter; den Justizsekretär bei dem Amtsgericht Bad-Nauheim Heinrich Lottig; den Justizsekretär bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen in Gießen Franz Tipp e I; die Justizsekretäre bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen in Mainz Martin H a f \ e l, Johann Konrad Lochet und Heinrich Weber; den Oberassistent bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen in Mainz Josef Schilling; Den Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht Gießen Wilhelm Hebbel; den Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht Mainz Georg C a ft r i t i u s.
Der Herr Reichsstatchalter hat auf Vorschlag der hessischen Regierung den Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Büdingen, Dr. Werner Kunkel, auf Grund des §3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums mit Wirkung vom 16. Juni 1933 in den Ruhestand versetzt.
In den Ruhestand verseht wurden:
am 27. Juni 1933 der Amtsgerichtsrat Dr. Willi von Becker, zuletzt beim Amtsgericht Dber=3i^gel- heim, auf Grund des § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des .Perufsbeamtentums mit Wirkung vom 1. August 1933; der Landgerichtsrat Oskar B o e r ck e l in Mainz auf Nachsuchung mit Wirkung vom l.Juli 1933 mit dem gesetzlichen Ruhegehalt.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Opfert für die nationale Arbeit!
Was vor Jahresfrist noch in unabsehbar weiter Ferne zu liegen schien, ist heute Tatsache geworden: Die Arbeitslosigkeit geht in beschleunigtem Tempo zurück. Seit Ende Januar ist die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen um mehr als eine Million gesunken. Ein verheißungsvoller Anfang! Noch aber st ehen Millionen Erwerbslose draußen, pochen an die Tore der Wirtschaft, begehren Einlaß, wollen Arbeit und Brot. Auch sie müssen wieder in Werkstätten, Geschäftsräume und Äontore zurüc^eführt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Regierung Der nationalen Revolution mit einem großzügig angelegten Arbeitsbeschaffungsplan den Generalangriff gegen die Arbeitslosigkeit eröffnet
Soll dieser Generalangriff zum Ziele führen, bedarf es einer tatkräftigen Mitarbeit des gesamt en deutschenVolkes. Dazu hat der Reichskanzler Adolf Hitler alle Volksgenossen aufgerufen. Arbeitslosigkeit bedeutet Volksnot. Jeder Deutsche hat darum die Pflicht, das Seine zur Ueber- windung dieser Not zu tun. Und wie kann das geschehen? Durch Beteiligung an der Spende für b i e nationale Arbeit! Wer sich eines regelmäßigen Einkommens erfreut oder gar ein Vermögen sein Eigen nennt, hat Die Pflicht, nach besten Kräften für diese Spende zu opfern. Nur dann kann die Arbeitslosigkeit wirksam bekämpft werden. Alle sind gerufen! Keiner darf fehlen! Auch der kleinste Betrag ist willkommen. Wer spendet, d'ient der Volksgemeinschaft und nützt dadurch auch sich und seiner Familie.
Darum fordert die Regierung der nationalen Revolution: Helft alle Arbeit schaffen! Vergeßt eure arbeitslosen Volksgenossen nicht! Vergeßt sie nicht, die am schwersten unter dem Unglück und der Mißwirtschaft in den Nachkriegsjahren zu leiden hatten! Gebt für die Spende zur Förderung Der nationalen Arbeit! (Annahme ft eilen Der Spenden: Finanzämter, Zollämter, Hauptzollämter. Ueberweisung an diese Annahmestellen durch: Post, Bank, Sparkasse).
Kundgebung vor der Llniversiiäi.
Reichvslatthaller Sprenger über das Führeclum.
Nach der Feier des Jahresfestes in der Aula der Universität, über die wir bereits eingehend berichteten, fand vor dem Dorlesungsgebäude eine Kundgebung statt.
Die itorporationen hallen sich im Halbkreis mit ihren Fahnen aufgestellt, zahlreiche Dozenten nah- men an der Kundgebung teil. Die Kundgebung wurde durch den Führer der Studentenschaft stud. jur. Adam mit herzlichem Willkommgruß an den Reichsstatthalter Sprenger eröffnet. Der Reichsstatthalter nahm sodann zu einer kurzen Ansprache das Wort, in der er insbesondere über das Führer- tum sprach. Führer könne nicht jeder werden, so führte er u. a. aus, ein Führer müsse zu diesem Amt berufen fein. Berufen und auserwählt könne die studentische Jugend sein. Die ja eine ganz außer- orDentliche Bildung genieße. Als neue Grundlage für das Führertum werde aber die Volksverbundenheit gefordert. Es könne nicht allein ein bestimmtes Ausmaß von Wissenschaft entscheiden, vielmehr sei ein charaktervoller Mensch, ein innerlich gefestigter Mensch, die Voraussetzung für jeden Führer. Es komme dabei in Zukunft nicht so allein darauf an, daß der Student viel Wissenschaft in sich vereinige, sondern auch darauf, daß er mit der Waffe urnzu- achen verstehe. In seinen weiteren Worten wies der Redner noch auf Die grundsätzlichen Ausführungen des Führers der Gießener Studentenschaft während des Festaktes hin und schloß mit einem „Heil Hiller", das von der Zuhörerschaft begeistert aufgenommen wurde. Bei der Abfahrt wurde dem Reichsstatthalter noch manche Huldigung zuteil.
Vor dem Festakt in der Aula der Universität hatte der Reichsstatthalter, nachdem Seine Magnifizenz Der Rektor ihn im Namen der Universität willkommen geheißen hatte, die Angehörigen des Lehrkörpers in der kleinen Aula begrüßt, auch der hessische Ministerpräsident Professor Dr. Werner, Ministerialrat Ringshausen, der stellvertretende Gauleiter H e y s e, Dr. Blank vom Kultusministerium, der Leiter Der Staatspressestelle Falk, der Kreisleiter Dr. Hardt und der Führer der Gießener Studentenschaft stud. jur. Adam waren dazu erschienen.
notigen.
-r- Tageskalender für Dienstag. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Eine Tür geht auf", dazu „Sergeant Mc. Kenna".
** Anmeldung zum Blumenschmuck- Wettbewerb. Der Verkehrs- und Verschänerungs-
verein teilt mit, daß die Meldefrist zum diesjährigen Blumenschmuckwettbewerb bis zum 15. Juli 1933 verlängert ist. Anmeldeformulare zu dem Wettbewerb find im Verkehrsbursau, Seltersweg 89, zu erhalten.
** Schulpersonalie. Der Studienrat am hiesigen Landgraf - Ludwigs - Gymnasium Georg Schellhorn wurde mit Wirkung vorn 12. Juni zum Oberstudiendirektor an der Studienanstalt in Gießen ernannt.
** Schont d i e Walderdbeere. Wieder ist die Erdbeerzeit, und wieder sammelt alt und jung die köstlich aromatisch duftende Erdbeere. Leider läßt man dabei immer noch die schuldige Rücksicht auf die zarten Erdbeerpflänzchen vermissen. Erdbeersträußchen werden gesammelt und nach Hause getragen. Wieviel Pflänzchen durch Das Abreißen Der etwas festen Erdbeerstengel Schaden leiden, daraiz denkt fast fein Sammler, und doch leidet fast jedes zweite, dritte Pflänzchen unter der rücksichtslosen Behandlung. Ueberhaupt sollen Erdbeeren nur beerleinweise gepflückt werden, andernfalls trägt der Sammler im Sträußlein viele unreife Beere mit nach Hause und schmälert auf diese ungeschickte Art und Weise des Einsammelns den Erdbeerenertrag des deutschen Waldes.
** Abschied vom Standartenführer. Dem Bericht über die Abschiedsfeier für Standartenführer Engmann ist berichtigend nachzutragen, daß der Standartenführer Lutter nicht aus Friedberg, sondern aus Darmstadt kommt.
** Sommerfell der Bür gervereini- gu n g Sachsenhausen - Gießen. Am Sonntag hielt die Bürgervereinigung Sachsenhausen-Gießen unter reger Beteiligung von Mitgliedern und Gästen ihr diesjähriges Sommerfest auf der Pulvermühle ab. Die musikalischen Darbietungen bestritt die Kapelle Otter. Rach der Begrüßungsansprache durch den 1. Vorsitzenden, Herrn Sietlamm, wurden die Kinderspiele, wie Eierlaufen, Sackhüpfen usw. veranstaltet, auch wurden an die Kinder Würstchen und Brötchen, sowie an die Gewinner Bretzeln verteilt. Der Besitzer der Pulvermühle, Herr 2 o ch e m , hatte außerdem die Möglichkeit zum Tanze getroffen. Besondere Freude machte es den Besuchern, wieder einmal die schönen alten deutschen Tänze erklingen zu hören. Die Veranstaltung nahm einen allseits befriedigenden Verlauf.
** DieZimmermeifterzwangsinnung Stabt und ßanbfreis Gießen hielt am Samstag im Restaurant „Zum Andres" eine gutbesuchte Jnnunasversammlung ab. Zunächst referierte Obermeister Schelm (Lollar) über die in letzter Zeit im Interesse Des HanDwerks getroffenen Maß- nahmen. Er machte ferner Mitteilung davon, daß in nächster Zeit eine grundsätzliche Äenderung im Jnnungswesen zu erwarten sei. Der Redner sprach sodann über den allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrag, insbesondere über die Tariflöhne, über den 8-Stundentag und seine Auswirkung. Geschäftsführer Kirchner (Gießen) erläuterte die vom Vorstand hinsichtlich Der Beitragsreaelung beabsichtigten Maßnahmen, Denen von Der Versammlung ^gestimmt wurde. Vorstandsmitglied W i ß n e r (Lan- darf) berichtete über den zur Zeit stattfindenden Schulungskursus für die Führer der Innungen und Gewerdevereine, um dann Erläuterungen über den geplanten Kursus für Gesellen- und Meistersöhne zu geben. Obermeister Schelm forderte zur Verwendung inländischen Holzes auf und besprach die Verkaufspreise für Schnittholz. Zum Schluß forderte er weitgehende Mitarbeit an den bevorstehenden großen Aufgaben und brachte ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Reichskanzler Adolf Hitler aus.
Landkreis (Rieften.
X Wieseck, 1. Juli. In einer im Saal von Gastwirt H o r m a n n abgehaltenen Versammlung fand die Gleichschaltung Der „Sänger- oereinigung 192 5" statt. Der VorstanD wurde wie folgt neu gebildet: 1. Vorsitzender: Karl Ba lser; 2. Vorsitzenber: Heinrich Wagner; 1.Schriftführer: Christian Kreiling; 2. Schriftführer: Otto Spuck: Rechner: Karl Stiehl: Beisitzer: Ludwig Weller, Karl Weller, Heinrich Werner, Karl Stark, Karl Ihm, Wilhelm Klipper!, Adolf Deibel, August D o r in e h l, Otto Langenhagen, Otto Weller, Wilhelm E ck - hatdt, Wilhelm Korber, Willi Jung. Vom Ortsgruppenleiter der NSDAP. Beigeordneten Karl Euler wurde inzwischen der Vorstand bestätigt. Die Sängeroereinigung mit etwa 350 Mitgliedern und 65 Sängern ist der größte Verein unserer Ge- meinde, und steht unter der altbewährten Leitung seines Dirigenten Philipp Gros. Nach der Auflösung des Arbeitergesanavereins „Sängerkranz" trat ein großer Teil Der Mitglieder in Die Sänger- Vereinigung ein.
Erkenne Dich in Deinen Ahnen!
(Stammbaum oder Ahnentafel? — Me findet man seine Vorfahren? Don Christian Gehring.
„Die Ahnentafel ist Die mathematische Feststellung Der Unsterblichkeit!"
Unsterblichkeit! Das ist Das Gut, worum es geht, wenn wir Den Blick zurückwerfen auf Die Geschlechter, Die an unserem Werden schufen. Und wieviel Ahnen hatten teil, bis wir waren? Diele, viele, Tausende. Ein Beispiel: 420 Jahre mit 14 Ge- schlechterreihen sind z. B. 16 382 Menschen: 8191 Männer und 8191 Frauen. Sie alle haben gegeben, vererbt, verstärkt, sie alle fluten irgendwie durch unser Blut, atmen in uns Heimat, Familie, Staat. Eine große Blutskette, ein großer Dienst am Volk.
Jede Stammreihe ist lebendige Handschrift des Schicksals. Auf und ab, Verloschen und neues Erwachen spiegelt sich in der Ahnentafel. Glück und Leid, Freude und Kummer haben an Der Kette geschmiedet, die uns mit blutroten Banden an Volk und Heimat fesselt.
So gesehen, leuchtet deutsches Ahnengut wie heiliger Schatz. Das Buch des Volkes entfaltet sich, und wo immer wir auch Hinsehen mögen, stets glüht uns Der Geist unferer Väter, Die Seele unserer Ahnen entgegen, ein Mal Der Erinnerung, eine Mahnung zur Dankbarkeit, ein Schwur zur Treue. TauisenD HänDe haben an uns gewoben, tausend Herzen schlugen mit der Uhr der Zeit, Ahnen und Urahnen schenkten sich von Geschlecht zu Geschlecht und leben heute in uns weiter, die wir ihr Erde atmen.
Das ist die Gnade der Unsterblichkeit, das Vorwärts des Blutstromes, der uns trägt, stärkt und erlöst.
*
Wir haben in der letzten Zeit viel über den Wert des Familiensinnes gehört. Unser Volk stand nach Jahren unwürdiger Vergeßlichkeit auf und besann sich auf sich selbst und sein ureigenstes Leben. Die Frage nach den Vorfahren ließ manchen in der Chronik seiner Ahnen suchen, um Rechenschaft zu finden über das „Wvher stamme ich? Wer waren meine Ahnen und Urahnen?"
Der Sinn für Familienforschung ist wieder geweckt. Teils liegt sogar bereits ein amtliches Interesse vor, auf der anderen Seite aber wird jeder, dem es ernst ist, sein großes „Vorleben" in der Ahnenreihe kennenzulernen, Die Frage nach Den Vorfahren mit Eifer verfolgen.
Aber wie? Für Den, Der sich bislang wenig oder gar nicht um die Herkunft und Den Weg seiner Familie kümmerte, ergeben sich Die Losungen nicht immer auf Den ersten Anhieb. Und wenn man weiß, daß es heute noch viele Leute gibt Die nicht viel mehr als Die Namen ihrer Großeltern kennen, versteht man die großen Schwierigkeiten, Die mancher überminDen muß, um in Das Dickicht seiner „Vorgeschichte" einzudringen. Der einfachste Weg ist immer noch Die münDlidje Ueberlieferung von Vater und Mutter, Tante und Onkel. Sie wissen zunächst am besten die nächstliegenden Reihen klar geordnet wiederzugeben. In ihnen lebt gewöhnlich noch die Zeit der letzten achtzig bis hundert Jahre. Erzählungen am Familientisch, Geschichten von Den Ureltern, alte Briefe und Bilder sind ihnen bekannt und geben die erste Brücke auf den Weg zurück.
Darüber hinaus aber muß sich der Suchende auf die schriftlichen Spuren verlassen. Hier bleibt das
sicherste Hilfsmittel immer noch bas Kirchenbuch. Wer weiß, in welche Kirchengemeinde die elterliche Familie, die Großeltern oder Urgroßeltern gehörten, dem ist schon die .Hauptarbeit geglückt. In Den Sir- chenbüchern nämlich ist alles genau eingetragen, Geburt und Tod, taufe und Hochzeit, hier findet der Urenkel seine Urgroßväter und Urgroßmütter wohlaufgeführt, oft sogar mit Einzelheiten: besondere Verdienste werden da erwähnt, Todesart angegeben, ja oft kann man, wenn man Glück hat, Stellen aus der Grabrede finden und so einen besonderen Einblick in die Verhältnisse seiner Ahnen werfen. Die Kirchenbücher reichen ja meist auch am weitesten zurück, bis zum Dreißigjährigen Kriege gewöhnlich, aber in vielen Gemeinden umfassen sie auch noch Die Zeit zuvor. Ein anDercr Weg geht über Die alten Bürgerbücher, aber sie sind nicht so allgemein wie ihre Nachbarn Der Kirche. Versagen aber beiDe, bleibt noch der Weg über Provinzialarchive.
Man sieht, es ist nicht immer leicht, seinen Ahnen nachzugehen. Die Zeit hat viel verwischt, verdunkelt, ja ausgelöscht. Immerhin, ein Stück weit kommt jeder, ganz allein sogar, stoßt er aber auf Den bekannten toten Punkt, dann soll er nicht gleich den Mut sinken lassen. Irgendwo zeigt sich immer noch ein kleiner Ansatz zu in weiteren Gelingen. In diesem Zusammenhang sei auch des segensreichen Wirkens Der genealogischen 23 e r e i n_c gedacht. Die in vielen Städten anzutreffen sind. Sie werden gerne Helsen, wenn dem Sucher der Faden ausgeht. Manch einer wird sich nun, angeregt durch Die Frage nach der deutschen Abstammung, gern einen Stammbaum oder eine Ahnentafel auf- ftellen. Das find zwei grundverschiedene Dinge, aber ebenso interessant wie reizvoll. Ludwig Finckh, der „Rosendoktor" vom Bodensee, ein feinsinniger Dichter, hat in seinem „Ahnenbüchlein", aus das in diesem Zusammenhang unbedingt hin- gewiesen werden muß, den Stammbaum wie folgt gekennzeichnet: „Beim Stammbaum rollt Der Blutstropfen von einem einzigen Ahnen herunter durch hundert Adern, und wer ihn in sich trägt, her wird festgehalten". Die Ahnentafel ist die .Umkehrung: „Alle Menschen, Mann und Weil», die an Deinem Leben gezeugt haben, an dir schuldig sind, bis in die graueste Vorzeit, werden aufgenommen. Die Stammtafel enthält also alle Nachfahren, die Ahnentafel alle Vorfahren eines Menschen."
Eine schöne Aufgabe für jeden, in der Vergangenheit feines Blutes zu suchen, den Pulsschlag feines ^amilienherzens abzuhorchen, den Wurzeln seines Stammes nachzugehen, um aus ihm die großen Werte zu schöpfen, die Ahnen und Urahnen in ihm vereinigten und als lebendiges Erbe auf uns weitergaben als heilig Vermächtnis ihres Blutes, ihres Herzens und ihrer Seele.
Ahnenforschung ist Ehrfurcht vor der Größe Der Vergangenheit, Bekenntnis zum Bluterbe. Ein Spiegel des Menschenlebens, der in feinem bunten Farbenfpiel wie Weisheit leuchtet, Stärke gibt und frei macht. Neben dem Ruhmvollen findet sich oft das Arme und Traurige, aber immer flutet das Leben, her Glaube an die Zukunft, an des Blutes Sieg, an die Unsterblichkeit von Geschlecht zu Geschlecht.
Kunst und Wissenschaft.
Welturaufführung Der Oper „Arabella" von Richard Strauß.
Zu einem Kunsterlebnis höchsten Ranges gestaltete sich in Dresden die Welturaufführung der lyrischen Komödie „QI ra bei la“ von Richard Strauß. Das Haus war schon feit langem ausverkauft. Rus der ganzen Welt waren Intendanten, Dirigenten, Sänger und Pressevertreter nach Dresden gekommen. In den weiten Foyers hörte man Sprachen aller Herren Länder. In der Mittelloge des ersten Ranges hatte der Reichsstatthalter von Sachsen Platz genommen. S2l.-Männer bildeten auf dem Wege zur Loge und im Wandelgang Spalier. Weiter bemerkte man u. a. Vertreter der Reichs- Staats- und Stabt- behörden. Die Uraufführung bildete eine schlechthin vollkommene Wiedergabe Der Oper, Die in ein echt wienerisches Milieu der 60er Iahre führt. Schon während des ersten Aktes (jab es spontanen Beifall: am Aktschluß muhte sich Strauß bereits mehrfach geigen, ebenso nach dem etwas schwächeren zweiten Akt. Am Ende der Oper wurden Richard Strauß, Die Darsteller unD Clemens Krauß als Gastdirigent mit Beifall und Blumen überschüttet. Die Uraufführung war ein ausgesprochener Erfolg.
Veränderung in der preußischen ftunffoerroalfung.
Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Rust hat den Generaldirektor Der Staatlichen Museen Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Dr. h. c. WaeholDt sowie Den Direktor Der Rationalgalerie (einschließlich Der Sammlung in Der Kronprinzengalerie) Geheimen Regierungsrat Prof. Dr. Iusti beurlaubt, ferner Den Geheimen Regierungsrat Dr. Fried- tänher von Der Leitung Der Direktion Der Gemäldegalerie im Kaiser-Friedrich-Museum entbunden. Zur Leitung sind vertretungsweise berufen worden: an Die ©eneralDireftion Der Staatlichen Museen der Prof. Dr. Kümmel unter Beibehaltung Der Direktion der Asiatischen Abteilung. an Die Ranonalgalerie der Direktor des Städtischen Museums für Kunst und Gewerbe in Halle (Saale) Prof. Dr. S ch a r d t, an die Gemäldegalerie der Direktor Der Städtischen Sammlungen in Düsseldorf, Prof. Dr. K o e t s ch a u. Gleichzeitig ist an Stelle des bereits früher beurlaubten Professor Dr. Glaser der Professor Dr. Hermann Schmitz in Berlin mit der Direktion der Staatlichen Kunstbibliothek vertretungsweise beauftragt worden. ,
375 Jahre Universität Jena.
Die 375 -Jahrfeier der Thüringer Landesuniversität Jena erreichte am Samstag ihren Höhenpunkt. Die Stadt hatte reichen Flaggenschmuck angelegt. Im Senatssaal des Uni» versitätsgebäudes fand die feierliche Ernennung von Fabrikbesitzer Hans Richard Kohler aus Altenburg und Fabrikbesitzer Otto D o n a l i e s aus Zeitz au Ehrenbürgern der Universität statt. Hierauf erfolgte eine feierliche Kranzniederlegung an den Ehrentafeln für die gefallenen Studenten im Hofe der Universität. Glocken dröhnten über die Stabt, als die Professorenschaft, an ihrer Spitze der Rektor
Prof. Dr. E s a u in Amtstracht die Universität verließ. Die Bevölkerung bildete viele Glieder tief Spalier, als sich Der Zug zur Stadtkirche in Bewegung setzte. Nachdem her Rektor Die erschienenen Ehrengäste begrüßt hatte, gedachte er der gefallenen Studenten. Er gedachte ferner aller Ausländsdeutschen, „mit denen wir uns auf ewig verbunden fühlen". Er bezeichnete es dann als die Aufgaben Des Deutschen Akademikers, sich eine möglichst breite Wissensgrundlage zu schaffen, „Damit Die deutsche Wissenschaft ihren Platz in Der Welt nicht einbüßt, den sie bisher trotz aller Auswirkungen Des Krieges behauptet hat". Die zweite Aufgabe her beutschen Hochschule bestehe barin, daß sie ein starkes Nationalgefühl unb bie Liebe zu Volk unb Staat in bie Jugenb pflanzt. Im Anschluß an Die Rebe bes Rektors folgte bie akademische Preisverteilung und die Verkündung der neuen Aufgaben her verschiedenen Fakultäten. Der Reichspräsident, der Reichskanzler und der Reichsinnenminifter Dr. Frick hatten herzliche Glückwunschschreiben gefanbt, für bie Der Rektor seinen Dank aussprach. Später erfolgte bie Eröffnung her Jubiläumsausstellung her Universitätsbibliothek unb ber Ausstellung des Stadtmuseums „Sena und feine Studenten".
GrenzlanDkundgebung bes üyffhäuferverbaudes der Vereine Deutscher Studenten.
Die ehrwürdige Llniversitäts- und Hansestadt Frankfurt a. d. O. erlebte eine gewaltige GrenzlanDkundgebung des Kyff Häuserverbandes der Vereine Deutscher Studenten, Gau Groß-' Berlin, die trotz der ungünstigen Witterung einen überwältigenden Verlauf nahm.
Rachdem der Zug, von den Einwohnern stürmisch begrüßt, durch die Stadt marschiert war und auf dem Rathausplatz mit all feinen Abordnungen und Verbänden Aufstellung genommen hatte, legte der Vorsitzende des Gauver- bandes Groß-Berlin, Polizeirat Henning, die Gründe dar, die die VDSt.er veranlaßt hätten, eine Grenzlandkundgebung in Frankfurt a. d. O. zu veranstalten. Heute gelte es. Die Arbeit für das Grenzlanddeutschtum in die Seele aller Volksgenossen einzuhämmern. Oberbürgermeister Dr. Kinne erläuterte dann Die Rot des Deutschen Ostens, hervorgerufen durch die unglückselige Grenzziehung auf Grund des Versailler Schänd-» diktates, bekannte sich indessen zur Selbsthilfe und zum Vertrauen auf Die eigene Kraft und den unbeugsamen Willen des deutschen Volkes zum Wiederaufstieg. Der Führer des Kyffhäuser- verbandes der VDSt., Oberpräsident Pg. Ku- b e, gelobte seinem Vorredner treue Mithilfe aller VDSt.er auf dem Gebiete der Grenzlandarbeit und wies hin auf die Pionierarbeit seines Verbandes im deutschen Osten unter Hervorhebung der Verdienste von Pfarrer Iulius Koch (Berlin). — Alle Bestrebungen von gegnerischer Seite, in dieser bedeutungsvollen Arbeit hindernd oder zersetzend zu wirken, würden scheitern an dem harten Willen des deutschen Volkes, das Durch Die Bewegung des Volkskanzlers zu einem geschlossenen Ganzen herangewachsen fei. Das beweise am besten diese Kundgebung, wo nicht


