Ausgabe 
4.7.1933 Frühausgabe
 
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Nr. >53 Krühausgabe

183. Jahrgang

Dienstag, 4. Juli 1933

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Roosevelts Absage an die Weltwirtschastskonserenz.

Das amerikanische Torpedo.

Don unserem ll.-Berichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, 3. Juli 1933.

Selten hat sich wohl eine Konferenz in so grober Spannung befunden wie die Weltwirt­schaftskonferenz in den letzten Tagen, in denen sie auf die Antwort Roosevelts auf den Vorschlag zur vorläufigen Stabilisierung der Währungen wartete. Die Gerüchte eilten hin und her. Der französische Finanzminister Vonnet verschob seine Abreise, und Macdonald, der gute Konserenz-Papa, tat ein Tlebriges, die aufgereg­ten Gemüter zu beschwichtigen Um so größer ist daher jetzt die Enttäuschung, nachdem Roosevelts Antwort eingettsffen ist. Sie ist eine glatte Absage an die Konferenz, lehnt das mühselig ausgearbeitete Kompromiß für die Stabilisierung der Währungen rundweg ab und bringt die ganze Konferenz in eine Lage, die äußerst verwickelt ist. Wenn es schon nicht ge­lingt, auf dem Gebiet der Währungen zu einer Vereinbarung zu kommen wie soll es dann möglich fein, auf den sehr viel schwierigeren Ge­bieten der Zollvereinbarungen und der Frage der Stabilisierung der Preise zu einem Erfolg zu gelangen? Die Pessimisten, die die Konferenz damit bereits als gescheitert ansehen, sind jeden­falls in der Mehrzahl, obwohl noch einmal Versuche zur Rettung der Konferenz unternommen werden sollen.

Wie es zu dieser Lage gekommen ist, dürfte un­schwer feftzustellen sein. Man muß sich darüber klar werden, daß die Amerikaner durchaus ihre eigenen Interessen verfolgen und nicht daran denken, wirtschaftliche Vorteile, die sie sich von ihrer Währungspolitik erhoffen, preis­zugeben. Run glauben sie aber an die Infla­tion und an die Abwertung des Dollars. Seit­dem der Dollar gesunken ist, steigen in ganz Ame­rika die Preise, und zwar nicht nur die Papier­dollarpreise, sondern auch die Preise in Gold. Die Wirtschaft ist wieder wie angekurbelt. Der Umfang der Produktion steigt. Die Vörsen sind wieder fest. Kurzum: Cs hat eine Wirtschafts­belebung eingesetzt, die dem Spuk der Krise ein Ende bereitet zu haben scheint. Die Amerikaner suchen nun zweifellos nicht zu Unrecht den Grund für diese Erscheinung in der Dollarinflation. Sie befürchten daher auch, daß jeder Versuch, den amerikanischen Dollar zu stabilisieren, dem erfreu­lichen Prozeß der Wirtschaftsbelebung in Ame­rika ein Ende macht und damit die Vereinigten Staaten in die Krise zurück stürzen, die soeben überwunden erscheint. Die Infla­tion i st e n regieren in Amerika jedenfalls die Stunde, und wehe dem Politiker, der es wagen wollte, den Kurs des Dollars, der unaufhaltsam abwärts führt, aufhalten zu wollen.

Das muß man wissen, wenn man die Haltung Roosevelts verstehen will, die sichtlich i n Widerspruch zu den Erklärungen gestanden hat, die ein Teil der amerikanischen Abordnung, insbesondere der Schahkanzler Hüll und der Professor M 0 0 l e y , abgegeben haben. Gewiß haben die Amerikaner in London sehr deutlich gesehen, wie notwendig auch nur der Anschein eines Entgegenkommens an die Weltwirtschafts- konserenz durch die Amerikaner gewesen wäre. Aber Roosevelt, der sich gerade auf einer Ver­gnügungsfahrt auf seiner Vachtßumber=3ad 11 befand, sah die Dinge nüchterner und v 0 in rein amerikfanischen Standpunkt aus und ließ sich auf nichts ein. Das hat er Wohl auch nicht anders gekonnt, da ja sonst seine ganze Wirtschaftspolitik durchkreuzt gewesen wäre, die doch darauf abzielt, zunächst einmal durch Ab­wertung des Dollar und eine Währungsinflation die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Denn auch für Roosevelt, der eines Tages selbstverständlich den Dollar wieder stabilisieren will, ist der Zeitpunkt hierfür noch nicht gekommen. Er muß erst abwarten, bis noch größere Erfolge als die bisherigen auf dem Gebiet der Wirtschafts­ankurbelung zu verzeichnen sind. Er konnte nicht anders, als den Vorschlag auf Stabilisierung der Währungen ablehnen. Auch der Anschein einer anderweitigen Haltung hätte ja dem Pro­zeß der Wirtschaftsbelebung, der in Amerika eingesetzt hat und der zum größten Teil psycho­logisch begründet ist, gerade diese seine psycho­logische Grundlage entzogen.

Das haben ruhige Beobachter auch in Europa Voraussagen können. Tleberraschend ist das nur für die Teilnehmer an der Konferenz gekommen, wo man in echter, man möchte fast sagen: Völkerbundsmanier, ein Kompromiß in der Sta- bilisierungsfrage ausgeknobelt hatte, der nach etwas aussah und doch nichts war. Man hatte tatsächlich geglaubt, daß die Ameri­kaner etwas derartiges zugestehen würden, und ist nun überaus enttäuscht, daß die Dinge ganz anders gelaufen sind. Der Schlag, der mit dieser Absage Roosevelts der Weltwirtschastskonserenz verseht wurde, ist zweifellos so groß, daß es fraglich erscheint, «vb sie überhaupt noch einen Erfolg haben wird. Der Zollwaffenstillstand gilt ja nur für die Dauer der Konferenz. Aus allen anderen Gebieten sind bisher lediglich Entwürfe, Entschließungen und ähnliche Maßnahmen ohne Inhalt zustandegebracht, und zwar immer, weil man hofft, daß man auf dem Gebiet der Währungen zu einem Ergebnis kommen würde. Erst wenn dieser Crfola da war, wollte man werter gehen.

Diese Taktik hat die Konferenz somit nahe an den Rand des Scheiterns gebracht, und nun, nachdem die Währungsfragen zu den Akten gelegt werden müssen, nachdem nun sogar die Goldländer auf eigene Faust eiye Entschließung faßten, die sich gleichmäßig gegen England und Amerika richtet, ist kein rechter Aus­weg mehr sichtbar. Daß England ohne Ame­rika sich etwa entschließen sollte, einer Währungs­stabilisierung zuzustimmen, ist ausgeschlossen, weil das bedeuten würde, daß England sich entgegen all seiner geschickst'ichen Tradition in ein amerika­feindliches Lager hineinmanäverieren ließe.

Es ist kein Zweifel, daß damit aber auch der Ur­heber der Konferenz selbst, Matdonald, eine

außerordentlich schwere Schlappe erlitten hat, die wahrscheinlich für sein Prestige weitgehende Folgen haben wird. Die Weltwirtschaftskonferenz war Mac­donalds ureigenste Idee. Er hoffte, durch diese Welt­wirtschaftskonferenz all die Schwierigkeiten über­brücken zu können, die nun einmal in den Beziehun­gen zwischen England und Amerika gegeben sind. Aber gerade damit ist er gescheitert. Denn es hat sich herausgestellt, daß es eine gemeinsame Linie zwischen England und Amerika gegenwärtig nicht gibt und daß England, wenn es sich nicht klar auf eine antiamerikanische Linie stellen will, noch dazu Gefahr läuft, auch seine europäischen Verbündeten zu verlieren.

Völliges Stollen der Konserenzardeiten.

Oie meisten Ausschüsse vertagen sich

L 0 n d 0 n , 3. Juli. (TU.) Auf der Weltwirtschasts- konferenz haben sich die meisten Ausschüsse und Unter­ausschüsse auf unbestimmte Zeit vertagt, da sich die Vertreter der Goldländer weigerten, wei­ter mitjuarbeiten. Die erste Sensation war das W e g- bleiben der Franzosen von der Nachmit­tagssitzung des Finanzausschusses für die Wieder­herstellung eines internationalen Währungsstan­dards. Sie entschuldigt ihr Wegbleiben damit, daß sie an der Sitzung der Goldstandardländer im Saooy-Hotels teilnehmen müßten. In französischen Delegiertenkreisen wurde jedoch unter der Hand er­klärt, daß eine FortsetzungderWährungs- verhandlungen in dem Ausschuß nach der endgültigen Absage Roosevelts auf die Stabilisie- rungsvorschläge zwecklos sei. Der Ausschuß wurde hieraus auf unbestimmte Zeit ver­tagt.

Ein ähnliches Schicksal wurde dem Ausschuß zu­teil, in dem die ft a a 11 i d) e n Zuschüsse an Die Handels-Marinen behandelt werden. Hier erklärte der italienische Vertreter, daß die Subfibienfrage eng mit dem Währungsproblem ver­bunden sei. Die Italiener müßten daher zuerst bei ihrer Regierung anfragen, wie sie sich weiter verhalten sollten. Der Ausschuß wurde hierauf ebenfalls auf unbestimmte Zeit ver­tagt.

Im Ausschuß für Handelspolitik, de­ren Vorsitzender der Hamburger Bürgermeister K r oa m a n n ist, erklärte der Schweizer S t u ck i, die Mehrheit der Delegierten hätte bei der Eröff­nungssitzung die Ansicht geäußert, daß die Grund­lage des Welthandels eine fta b i l e Währung fei. Da diese Grundlage nicht mehr bestehe, habe es keinenZweck.dieVerh an Ölungen fort» z u s e tz e n. Die Italiener und Franzosen unter­stützten seine Ansicht und eine Entschließung auf Vertagung wurde e i n ft i m m i g a n g e n 0 m = m e n. Ein ähnliches Schicksal teilten d i e m e i ft e n anderen Ausschüsse. Einer der wenigen Aus­schüsse, die eine Sitzung auf Dienstag angesetzt haben, ist der Ausschuß fürProbuktions- r e g c l u n g , der zur Zeit die Kohlenfrage behan­delt. Hier erklärte der Vorsitzende, daß man sich dem unwürdigen Beispiel der anderen Ausschüsse nicht anschließen, sondern Weiterarbeiten werde.

Eine Erklärung

der Goldstandardländer.

Aufrechterhaltung ihrer Währungen.

London, 3. Juli. (TU.) Die Vertreter der Goldstandardländer, Frankreich, Italien, Polen, Belgien, Schweiz und Holland

haben am Montagnachmittag nach einer Sitzung im Savoy hotel auf eigene Faust folgende Er­klärung herausgegeben:

Die unterzeichneten Regierungen sind überzeugt, daß die Aufrechterhaltung ihrer Wäh­rungen wesentlich für die wirtschaftliche und fi­nanzielle Wiedererholung der Welt und des Kredits sowie für die Sicherung des sozia­len Fortschritts in ihren Ländern ist. Sic bestätigen daher ihre Absicht, das freie Funktionieren des Goldstandards in ihren Ländern zu den bestehenden Goldparitäten und innerhalb des Rahmenwerkes der bestehenden Währungsgesehe aufrechtzuerhalten. Sie fordern ihre Zentralbanken auf, in enger Ver­bindung ; u bleiben, um dieser Erklärung d i e Höch sie Wirksamkeit zu geben.

Enttäuschung in Paris und London.

London, 4.Juli. (WT2. Funkspruch.) Die eng­lischen Blätter geben ihrer starken Enttäuschung über die Erklärung Roosevelts offen Ausdruck und unter­lassen es nicht, darauf hinzuweisen, daß der Ver­trauensmann des Präsidenten, der be­rühmte Professor Maley und ebenso der amerika­nische Delegationsführer Staatssekretär Hüll, die van Roosevelt verworfene Entschließung über den Goldstandard gebilligt haben. Auch der sehr offene, ober wie ein Blatt sagt, sehr schulmei­sterliche Ton der Botschaft des Präsidenten er­regt Mißfallen. Trotzdem erklären die Zeitungen, daß von einem Abbruch der Konferenz nicht die Rede sein dürfe. Von verschiedenen Blättern wird Roosevelt Unkonseguenz oorgeworsen. In einem Copyright-Artikel in derDaily Mail" setzt sich der bekannte Wirtschaftssachverständige Ke y n e s dafür ein, daß sich Großbritannien von den Goldstandarländern abwende und sich dem vom amerikanischen Präsidenten vor­geschlagenen Verfahren ans ch ließe.

Auch in Paris hat Roosevelt eine schlechte Presse. Die Blätter sind außerordentlich kritisch und stellen die Frage, ob unter den gegebenen Um­ständen, b a s i ch auch Engi an b zurück- halte, bic weitere Fortsetzung ber Arbei­ten in Lonbon für ben Augenblick opportun fei. Echo be Paris" sagt, wenn bie Länder mit Gold­währung wirklich bie gegenwärtige Parität ihrer Währungen aufrecht erhalten wollten, müßten sie sich schleunig st von ber We 11wirt - schaftskonferenz zurückziehen.

Ab io.3iili endgßWe Sperre sör SA. und SS.

Abschluß der SA.-Führeriagung. - Oer Reichskanzler besucht den Chiemgau

Bad Reichenhall, 3. Juli. (TU.) Die Führertagung der S2l. und SS. in Bad Reichen- hall nahm am Sonntag ihren Fortgang. Am Vor­mittag hielten die SA.-Führer eine Besprechung ab in der Stabschef Röhm die Richtlinien für die Reucinteilung der SA. bekanntgab. Er teilte gleichzeitig mit, daß vom 10. Juli ab der Zugang zur SA. und im Einver­nehmen mit dem Reichsführer der SS. a u $ f u r die SS. endgültig gesperrt wird. Rach internen Beratungen waren die SA.,.» und Stahlhelmsührcr Gäste beim Reich skanz- ler in Berchtesgaden. Während des Be­suchs traf ein Trupp Salzburger S A.- Männer beim Führer ein, die sich nachts über die Grenze geschlagen hatten und überbrachten dem Führer die Grüße der SA. mit dem Ver­sprechen, treu auszuharrcn, bis auch für das österreichische Bruderland 0 i e Stunde der Befreiung von Dollfuß und Feh schlage. Der Führer zeigte sich über den Besuch sehr erfreut und sprach zu den Salz­burger SA.-Männern von der einstigen Verfol­gung der Bewegung in Deutschland. Wenn sie treu zur Idee hielten, würde auch für sieder Sieg nicht mehr fern fein.

Zum Abschluß ber Tagung hatte bie oberste SA.-Führung sämtliche SA.-, «2.- unb «tahlhelm- führer unb Gäste, unter Denen sich wieder Reichsstatthalter General Ritter von Epp unb die bonerischen S^oatsmin'^er W a g n e r F r a n k unb Esser befanben, zu einem Besuche

Des Chiemsees geloben. In allen Dör­fern bes Chiemgaues harrten bie Leute ber Durch­fahrt des Führers. An ber Dampferstotion in Stock bereitete Chiemgauer S A. unb Hitler- j u g e n b unb bic Bevölkerung ber Seebörfer bem Führer einen begeisterten Empfang. Nomens der bayerischen Staatsregierung begrüßte Staatsmini­ster E s s e r ben Führer unb seinen Stabschef Röhm sowie alle Führer ber braunen, schwarzen unb felb- graiien Hitlerbataillone. Unter lebhaftestem Beifall teilte ber Minister mit, baß bie bayerische Staats- regierung ber S A. taufenb Freiplätze für je Dvcrtägige Erholung als Zeichen ihres Dankes zur Verfügung ber obersten SA.-Führung stelle. Die Gäste unternahmen Johann mit bem größ­ten Chiemseebampfer eine Runbfahrt. Auf ber Fraueninsel mürbe bie Fahrt unterbrochen Hier mürbe ber Führer von ber Schuljugenb bes Frauenklosters unb von ber begeisterten Jugend mit stürmischen Heilrufen begrüßt. Das Deutschlanb- unb bas Horst-Wessel-Lied erklangen, als bie Fahrt roeiterging. Eine kurze Besichtigung bes Schl 0 s - f e 5 Herren-Chiemsee schloß sich an.

DerVölkische Beobachter" bemerkt zu der Führertagung u. a.: Die große SA.-Führer- tagung bot die Möglichkeit, die nunmehr neu in die Front der Träger des neuen Staates getrete­nen Kameraden desStahlhelminmehr­tägigem Zusammensein persönlich kennenzulernen. Diese SA.-Führertagung war ein Markstein auf dem Wege der Vollendung der deutschen Revolu- tion. Von hier aus gibt es nur noch einen

Willen, ber bie Waffenträger ber deutschen Revolution in einheitliche Richtung lenkt: Der Wille des obersten Führers der nationalsozialisti­schen Kampffront, Adolf Hitler.

©er Stahlheim dem Befehl der obersten SA.-Führung unterstellt.

Berlin, 4. Juli. (ERB.) In der parteiamt­lichen vom Führer erlassenen Verordnung über die Eingliederung des Stahlhelm wird u. a. ausgeführt: Der gesamte Stahl­helm tritt unter den Befehl der obersten SA.- Führung und wird nach ihren Richtlinien n 9 u gegliedert. Der Iungstahlhelm und bic Sporteinheiten werden durch die Stahl- Helmdienststellen auf Befehl der Obersten SA.- Führung entsprechend den Gliederungen der SA. neu zusammengefaßt. Diese Umfteltung muß bis zu einem Zeitpunkt beendet fein, den die oberste SA.-Führung noch bestimmt. Für die übrigen Teile des Stahlhelm gibt der Bundesführer die erforderlichen Be­fehle. Als Zeichen der Verbundenheit des Stahl­helm mit der nationalsozialistischen Bewegung tragen diese Teile des Stahlhelm die feldgraue Armbinde mit schwär- zem Hakenkreuz auf weißem Grund. Dem Iungstahlhelm und den S Portein­heiten verleihe ich als einem Teil mei­ner S A. deren Armbinde und das an der Mühe zwischen den Kokarden zu tragende Hoheitsabzeichen.

(gez.) Adolf Hitler.

Kirchliche Neuordnung auch außerhalb Preußens.

Berlin, 3. Juli. (TU.) von kirchlicher Seile wird mitgeteilt:

Die Verfügung, mit der Dehrkreispfarrer 2R äl­ter als Bevollmächtigter des Reichskanzlers am 28. Juni d i e Leitung des Deutschen Evan­gelischen Kirchenbundes übernahm, ist das wichtigste kirchengeschichtliche Dokument in dem stür­mischen Gang der kirchenpolitischen Ereignisse. Die lkbernaf*me der Geschäftsleilung des Kirchenbundes durch Wehrkreispfarrer Müller war die notwendige und selbstverständliche Folge der durch den preußi­schen Kultusminister eingeleiteten Maßnahmen. Die gesamten Vollmachten des Kirchen­bundes sind nunmehr in einer Hand vereinigt, zumal da auch der Ausirag an die drei Bevollmächtigten Kapier (Seehen), Marahrens und Hesse erledigt ist.

Wenn somit auch eine einheitliche Führung der Deutschen Christen gewährleistet ist, so ist darüber hinaus parallel mit den Maßnahmen des preußi­schen Staatskommissars inmehrerenaußer- preußischen Landeskirchen die kirch­liche Reuordnung in Angriff genom­men worden, und zwar in den Landeskirchen des Freistaates Sachsen, in Hessen, in Lippe- Detmold, Bremen und Eutin. 3n der bayerischen evangelischen Kirche b e st e h e n keine Gegensätze zur bayerischen Staatsregie­rung, so daß sich weitere Maßnahmen erübrigten.

©er Kirchenkommiffar für Sachsen.

Berlin, 3. Juli. (TU.) In ber evangelisch-luthe­rischen Kirche bes Freistaates Sachsen ist Pfarrer Friedrich Koch mit ber Wahrnehmung aller bem Lanbesbischof zustehenben Rechte unb Befugnisse beauftragt worben. In ber Verfügung bes sächsi­schen Innenministeriums heißt es:Die kirchlichen Behörben haben von sich bisher keine burchgreifen- ben Schritte zur Anpassung ber kirchlichen Verhält­nisse an ben durch bie nationale Erhebung geschaffe­nen Zustand unternommen." Infolgedessen hat das Ministerium bie erforberlichen Maßnahmen getrof­fen. Pfarrer Koch hat bie bisherigen stellen mit ber vorläufigen Weiterführung ber Geschäfte bean­tragt. Er hat mit sofortiger Wirkung sämtliche gewählten kirchlichen Vertretungen aufgelöst und eine Reihe von kirchlichen Amtsträgern beurlaubt. Pfarrer Koch, ber 1887 geboren würbe, war nach bem Kriege im Lanbesverein für Innere Mission tätig. Er ist vor allem als Geschäftsführer bes Evangelischen Presse» verbanbes für Sachsen hervorgetreten.

Oie Aktion des Reichöinnenministcrs.

Berlin, 3. Juli. (WTB.) Entsprechend bem ihm von bem Reichskanzler erteilten Auftrag, im Sinne bes Schreibens bes Reichspräfibenten vom 30. Juni 1933 Verhandlungen mit ben Organen ber preußifchenstaatsregie- rung unb ben Vertretern ber preußi­schen Landeskirchen einzuleiten, hat ber Reichsinnenmini ft er zu einer Bespre­chung mit ben Beteiligten auf Freitag, ben 7. Juki 1933, 11 Uhr vormittags, in bas Reichsmincherium bes Innern eingelaben.

Einordnung der Inneren Mission in den Neubau der Kirche.

Berlin. 3. Juli. (ERB.) Der Vorstand des Zentralausschusses für die Innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche hat beschlossen, sich zur Zusammenarbeit mitdem staats-