Ausgabe 
4.7.1933 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 153 Erstes Blatt

183. Jahrgang

Dienstag, 4. Juli 1933

(Er|d)ttni lägltch. autz« Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte (Biebener Familienblätter Heimat im Bild DieScholle monat$:Be$ngsprets:

Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Hernsprechanschlüsfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Gießen.

Postscheckkonto:

Frankfurt am Main 11686.

GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'lche Universttülr-Vuch- und Steindruckerei H. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7.

Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorfchrist 20°, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blurnschein und für den An­zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in (Sieben.

Randnoten.

Die jüngsten Berichte melden aus allen Zweigen der deutschen Wirtschaft eine wachsende, nach­haltige Belebung und eine allmähliche Wie­derkehr geordneter Erzeugung^ und Absatzverhält- nisse. Der tote Punkt scheint endgültig überwunden. Langsam beginnt die Wirtschaft vom Leerlauf der letzten Jahre wieder auf Touren zu kommen und den Arbeitskarten aus dem Sumpf marxistischer Experi­mente wieder aus den Berg einer freieren Sicht in bessere wirtschaftliche Verhältnisse zu ziehen. Die nationalsozialistische Revolution hat das Schwung­rad mit Macht in Bewegung gesetzt. Nichts kann sich ihm mehr hemmend in Den Weg stellen, wenn ja wenn mir alle bis zum letzten Volksgenossen oon unseren verantwortungsvollen Aufgaben und Pflichten fest überzeugt sind, daß doch schließlich im­mer wieder mir selbst es sind, die den ruhigen, siche­ren Gang unserer volkswirtschaftlichen Maschinerie in Bewegung halten. Wir müssen uns darüber klar sein, daß der Hebel der Arbeitsbeschaffung nicht zu­letzt in unseren Händen liegt. Die Regierung kann wohl die Wege ebnen, den Boden vorbereiten, alle hemmenden Schwierigkeiten helfend aus der Bahn räumen mehr aber nicht dann muß unsere Kraft einsetzen. Die Zeiten sind ein für alle Mal vorüber, wo mir mehr ober minder sorglos in den Tag hineinleben konnten. Das Schicksal verlangt von uns restlosen Einsatz! Nicht Paragraphen ver­mögen uns zu retten, sondern unser unbesiegbarer Wille, das deutsche Los zu meistern!

Aus jeden kommt es an, keiner kann und darf der Ausgabe sich entziehen. Wir alle können Arbeit schassen. Niemand kann sich ausreden, er habe nicht die Möglichkeit, am Wiederaufbau unse­rer deutschen Wirtschaft mitzuhelfen, denn er fei ja kein Arbeitgeber. Wie aber liegen in Wahrheit die Dinge? Wir alle sind ausnahmslos Ar­beitgeber der Wirtschaft. Jeder kann Ar­beit schassen, indem er sein sauer verdientes Geld nicht im Strumpf hütet, sondern auf dem Wege über d i e Sparta f-fen der deutschen Wirtschaft zur Verfügung st eilt und in­dem er bei der Deckung feines Bedarfes, menn nur irgend möglich, deutsche Erzeugnisse un­bedingt bevorzugt. Wer fremde Erzeugnisse kauft, versündigt sich an feinen arbeitslosen Volks­genossen. Es ist für uns unerträglich, im eigenen Lande Millionen von Errnerbslosen zu haben und auf der anderen Seite zu sehen mie durch den Kauf fremdländischer Waren dem Ausland die Taschen gefüllt werden.

Der nationalsozialistische Staat hat die Fronten zusammengeschweißt. Im Generalangriff gegen die Arbeitslosigkeit steht das über alle früheren Älassen- und Stände- und Berufsgegensätze geeinte deutsche Volk. Das große Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung geht entschlossen und kompromißlos gegen die eigentlichen Ursachen der Wirtschaftsnot vor. Nur so kann eine nachhaltige Wirtschaftsbe­lebung ermöglicht werden. Die ersten Wirkungen der kühnen, umfassenden Maßnahmen sehen wir bereits in dem auffallend fortschreitenden Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahre. Seit dem Höhepunkt im Januar 1933 sind bereits 1 Million Arbeitslose wieder in die Wirtschaft eingereiht wor­den. Sorgen wir alle dafür, daß derRuf des Kanzlers zur Mitarbeit das größte Echo findet. Vergessen mir nicht, uns bei jeder Gelegenheit unserer Pflichten zu erinnern. Helft Arbeit schaffen! Kauft deutsche Waren und ehrt Eures Volkes Arbeit!

Während die Sowjetpresse mit der japanischen Presse einen Nach richtenkrieg um Wladiwostok, Sachalin und Kamtschatka führt und mit gequält anmutendern Humor die Nachrichten über japa­nische Absichten auf diese Gebiete zurückzuweifen bestrebt ist, hat L i t w i n o w in L o n d o n er­folgreiche Bemühungen um die Konsolidie­rung der Beziehungen der Sowjet- Tlnion x u ihren europäischen Nach­barn und Rivalen entfaltet. Man versteht jetzt den Lärm, den die Sowjetpresse mit großem Stim­menaufwand seinerzeit um das Hugenberg-Mc- morandum geschlagen hat; es war ihr jedes Mittel recht, um die Grundlage für eine Annäherung an Polen, die Kleine Entente und vor allem an England zu finden.

Während der Friedenspakt mit den Rand- staaten noch nicht zustande gekommen ist und in einzelnen beteiligten Ländern nicht ohne Wider­spruch bleiben dürfte, ist die für Rußland noch wichtigere Aussöhnung mit England endlich erfolgt. Angesichts ihrer Bedingungen, die einen vollen Rückzug Rußlands darstellen, fragt man sich, warum dieses Ergebnis nicht schon vor Wochen möglich war. Man muß sich aber daran erinnern, daß der Prozeß gegen die englischen Ingenieure seinerzeit aus inner- politischen Prestigegründen inszeniert worden war, daß Rußland unter dem englischen Druck alsbald nach dem Prozeß bereits vier Engländer hatte heimkehren lassen, obwohl die ihnen zugedachten Strafen an sich wesentlich mil­der waren, als bei den russischen Angeklagten. Auch jetzt sind die Moskauer Blätter bemüht, das Ergebnis von London als einen vollen Er­folg der Sowjetpolitik dazustellen, indem sie das Hauptgewicht auf die Aufhebung der eng­lischen Einfuhrsperre legen und darauf Hinweisen, daß die englische Absicht, die Sowjet­union in Zahlungsschwierigkeiten gegenüber an­deren Ländern zu bringen, nicht habe verwirk­licht werden können. Die3svestija" klärt ihre Leser dahin auf, daß erst England seine Ver­suche aufgegeben habe, die Sowjetregierung auf die Knie zu zwingen und daß die Sowjetregie­rung hierauf beim Präsidium des Zentralexeku­tivkomitees für die beiden Engländer Amnestie

Tausende Rußlanddeutscher dem Hungertvde preisgegeben.

Das Schicksal der deutschen Wolgakolonisten unter dem bolschewistischen Fünsjahresplan.

Brüder in Rot."

Ein Hilfüwert für die deutschen Stammesbrüder.

Don Dr. Karl Brill.

Verzweifelte Hilferufe vieler Tausende deutscher Männer, Frauen und Kinder bringen aus allen Teilen Sowjetruhlanbs ins Reich herüber. So grausig find bie berichteten Einzelheiten aus ben Hungergebieten, baß man an lieber- treibungen glauben möchte. Leiber aber finb burch zuverlässige Beobachter bie furchtbaren Tatsachen vollauf bestätigt worben. Eine morbenbe Welle von Not ist burch ben Mißerfolg bes ersten Fünf-Jahres- Plans über bas ganze russische Volk hereingebrochen. Zehn Millionen Menschen in einem Jahre verhungert, in einem Reiche, bas vor bem Kriege (betreibe in riesigen Mengen ausführen konnte, bas ist ber Ertrag ber phantastischsten Fehl» rechnung.

Besonders schwer betroffen sind die einstmals so blühenden deutschen Bauernkolonien in Südruhland, in der Ukraine und an der Wolga. Zu den blutigen Verfolgun­gen ihrer evangelischen, katholischen und menno- nitischen Bewohner durch den kirchenfeindlichen Sowjetstaat kam die Zerrüttung ihrer wirtschaft­lichen Grundlagen durch den Versuch, auch hier das kollektivistische System und die Vernichtung des Privateigentums zu erzwingen, für das im marxistischen Gebäude fein Raum ist. Unerf'itt- lich hat die herrschende Partei für die ihr allein lebensnotwendig scheinenden Schichten die irgend­wie erreichbaren Mengen an Lebensrnitteln ge­sichert und die übrigen Teile der Be­völkerung ihrem Geschick überlassen. Unter dem jetzigen System wird die bevorstehende Ernte viel zu klein sein, um das ganze Volk ein 3ahr lang ernähren zu können. Kenner der Verhältnisse wagen keine günstigere Schätzung als die, daß bereits im Dezember eine noch furchtbarere Hungersnot droht, als sie Rußland in diesem Jahr durchgemacht hat. weit schlimmer auch als die von 1921/22.

Davon, daß zwei Millionen Deutsche in Rußland wohnten und mit ihrer Arbeit und ihrem Können ein wesentlicher Faktor der ganzen russischen Volkswirtschaft geworden waren, wußten vor dem Kriege im kleindeutschen Reich nicht viel Menschen, wie man sich auch um das Schicksal des übrigen Auslanddeutschtums so gut wie gar nicht kümmerte. Es gehört zur Tragik der deutschen Ration, daß sie erst durch den Krieg und durch die Nachkriegserlebnisse zum Bewußtsein kam, daß alle Deutschen in der Welt in einer großen Schicksalsgemein­schaft verknüpft sind, aus der sich keine Gruppe lösen darf, und von der keine vergessen und geopfert werden darf ohne Schaden an der Seele der ganzen Nation. Erst dann wurde man sich im Reiche der Verpflichtungen und der Zu­

sammengehörigkeit gegenüber den Volksgenossen in aller Welt bewußt, als die Macht fehlte, sich schützend vor sie zu stellen.

Wach und lebendig ist heute im ganzen Volk d*a s Gefühl für gemeinsame deutsche Not. Wo Hilfe gebracht werden kann, wird sie gebracht werden. Angesichts der Vernichtung, die das Deutschtum in Sowjetruhland in seinem ganzen Bestand bedroht, haben sich mit den kirchlichen Organisationen aller Bekenntnisse und mit der NS.-Volkswohlfahrt die graften Deutsch­tumsverbände, VDA., Deutscher Schutzbund zu einemReichsausschuft Brüder in N o t". Berlin W 35, Postscheckkonto 85 000, zusammen­geschlossen, bei dem alle Spenden zufammen- slieften. Hilfe für die hungernden deutschen. Fa­milien in Rußland können in doppelter Form erfolgen: es werden aus den eingehenden Geld­spenden (nur solche sind möglich wegen der Zoll» und Einfuhrbestimmungen) entweder Beträge an die Valutaläden in Rußland zur Gutschrift auf Lebensrnittel für bestimmte Empfänger überwie­

sen, ober aber es werben ftanbarbifierte und durch die russischen Behörden konzessionierte Le­bensmittelpakete versandt.

Es besteht auch bie Möglichkeit, burch bie beteilig­ten Verbände mit bestimmten notleibenbcn Familien in Verbindung zu treten. Sicherlich wirb eine Der­artige persönliche Beziehung, bie zu bauernben Patenschaften führen könnte, unter Menschen glei­cher Sprache unb gleichen Blutes ben Notleibenben ein noch stärkeres Gefühl dafür geben, daß das Mutterland aller seiner Kinder weit draußen ge­denkt. Die Aufgabe, vielen Tausenden Hilfe zu bringen, ist so groß, daß man wohl in Versuchung kommen könnte, sie als unlösbar anzusehen. Aber: wenn man nicht alle mehr aus dem Hungerelenb herausreißen kann, müssen es doch möglichst viele sein. Und sollte eine Volk von 65 Millionen nicht sich getrauen, etwa ebensoviele Zehntaufende seines Blutes unb seines Glaubens vor bem Untergang zu schützen! Voller Vertrauen halten bie Verzwei­felten Ausschau nach unserer volksbrüberlichen Hilfe. Enttäuschen wir sie nicht!

Warum schweigt die Welt?

Oer VOA. wird für Aufklärung über die Menschenvernichtung in Rußland sorgen.

Berlin, 3. Juli. (TU.) Der Volksbr'nb für bas Deutschtum im Auslanb unterrichtete bie Presse über bie Lage ber Rußlandbeutschen. Geheimrat Elei - now erklärte: Von ollen Völkerschaften in ber Sowjetunion ist bie beutsche Nationalität burch ben Bolschewismus am schwersten getroffen. Aus ber Million reicher Bauern, bie in verschiebenen Teilen Rußlanbs bas Rückgrat ber Wirtschaft bilbeten, finb reine Proletarier geworben. Ihre Lage ist hoffnungslos, weil sie bas Los aller Bauern in ber Sowjetunion teilen. Es ist kaum möglich, unseren Volksgenossen anbers zu helfen, als burch rück­sichtslose Aufklärung in ber ganzen Welt über bie allgemeine Menschenvernichtung, bie bie Bolschewiken treiben, ohne baß bie übrige Welt auch nur ben gering ft en Anteil baran nimmt. Rußlanb steht vor einer Io­ta! Hungersnot. Der Boben im Schwarzerbe­strich ist völlig verunkrautet. Die Verkehrsmittel be­finden sich am Ende ihrer Leistungsfähigkeit. Die Viehherden finb abgeschlachtet. Der Bauer flüchtet baher in bie Stäbte, um sich vor bem Verhungern zu retten. Die Hungersnot ist so groß, bah zahl­reiche Fälle von Menschenfresserei vor­gekommen sinb. Mit ber wirtschaftlichen Ausplün­derung Hanb in Hanb geht bie Vernachlässi­gung ber Schulbilbung. Nicht einmal bie Muttersprache kann ber Deutsche im Geiste ber beut- schen Kultur pflegen. Die Lage ist augenblicklich so, baß ein Rotwelsch entsteht, ähnlich wie ihn bie Ost- juben sprechen. In ben letzten fünf Jahren hätte seitens bes Reiches mehr für bie Rußlanbbeutschen getan werben können, wenn unsere Politik stärker burch völkische ©ebanfengänge bestimmt worben

wäre. Aber alle Anregungen nach bieser Richtung mürben zurückaewiesen, sobalb bie Gefahr entstaub, bas russischeGeschäft" zu erschweren. Die Not ber Deutschen in Rußlanb ist so groß, baß sie burch Repressalien ber Sowjetregierung kaum noch vergrößert werben kann. Darum brau­chen mir nichts zu fürchten, bie Lage unserer Volks­genossen zu verschlimmern, menn mir in einen gewaltigen Propaganbafelbzug z u ihren Gun st en eintreten.

Dr. Salett, Professor an der Nothern- Hniberfität in Chicago führte Dann über seine Erlebnisse in Sowjetruftland u. a. aus: Die Zahl der nach Sibirien verbannten deut­schen Kulaken beträgt etwa 70 000; sie gehen in den Konzentrationslagern langsam zugrunde. 3n manchen deutschen Dörfern ist schon e i n Viertel der Bevölkeru-ng an Hunger gestorben. Bei vorsichtiger Schätzung sind in den letzten Monaten rund 100 000 deutsche Ko­lonisten verhungert. Dazu kommt noch, daß in Sibirien bereits in weiten Landstrichen d i c Pest äusgebrochen ist und der Typhus in ganz Ruftland in aufterordentlichem Mafte wütet. Auch der Ausbruch der Cholera steht unmittelbar bevor. Es ist höchste Zeit, daft von allen berufenen Stellen energische Hilfsaktionen eingeleitel werden, um dieser Schande in der Welt zu steuern. Nicht zuletzt wegen der Greuel- propaganda über die Vorgänge im Reich gelte es, an die Welt die Frage zu richten, warum die Verschwörung des Schweigens zu dieser entsetzlichen Tragödie, die sich nun schon seit Jahren in Ruftland vollzieht.

Oer Oanziger Staatsbesuch in Warschau.

Beiderseitiger Wille zur Zusammenarbeit.

erwirkt habe. Die Aushebung der Einfuhrsperre sei eine Niederlage der englischen Scharfmacher und ein Beweis, daft Kolonialmethoden gegen­über der Sowjetunion zwecklos seien. Die Prawda" geht davon aus, daft der 3ngenieur- prozeft für England nicht der Grund, sondern nur der Vorwand zu einem Wirtschaftsangriff auf den proletarischen Staat gewesen sei.

Die Einigung zwischen England unb Rußlanb ist im Wechel von äußerlich unabhängigen Akten ber englischen unb ber russischen Regierung erfolgt. Jns- befonbere hat England nicht Darauf bestanden, for­melle Zusicherungen oon der Sowjetunion dafür zu erhalten, daß derartige Schauprozesse künftig nicht mehr auf Kosten einiger Staaten veranstaltet wer­den. Der Sinn des englischen Vorgehens war aber so deutlich und die Aussprache mit Rußland von Anfang an fo unverblümt, daß an eine Wieder­holung der russischen Methoden, wenigstens gegen­über England auf lange Zeit hinaus nicht zu den­ken ist.

Regierung und Presse.

Berlin, 1. Juli. (ERB.) Der stellvertretende Reichspressechef Dr. I a h n ck e, eröffnete am Sams­tag die erste staatliche Pressekonferenz. Während bisher die Berliner Journalisten sich jeden Tag zusammenfanden und Vertreter der Regierung baten, ihnen Mitteilungen über bedeutendere Vor­gänge zu geben, wird von nun an bie Reichs- regierung selbst als einladender Teil für die täglichen Pressekonferenzen fungieren. Dr. Jahncke, der den Vorsitz in dieser Pressekonferenz führt, rotes daraus hin, daß mit dem heutigen Tage für die gesamte deutsche Presse und ihr Verhältnis zur Re­gierung eine wichtige Aenderung einge­treten sei. Jeder, der die nationalsozialistische Bewe­gung wirklich kenne, kenne auch ihren Drang nach Totalität und nach Autorität. Durch die neuen staatlichen Pressekonferenzen solle die Verbindung zwischen Presse und Regierung enger gestaltet werden, und zwar auch in dem Sinne, daß die Presse auto­ritativ mehr an die Regierung gebun« d e n wird. Er kündigte nähere Bestimmungen über die Neuregelung der Pressekonferenz an.

Danzig, 3. 3uli. (WTB.) Der Präsident des Senates Dr. R a u s ch n i n g und der stellvertre­tende Präsident Greifer find zu ihrem Besuch der polnischen Regierung in Warschau eingetrof­fen. Nach der Begrüßung im Festsaal des Bahn­hofes durch polnische Regierungsvertreter begaben sich die Danziger Herren im Kraftwagen nach dem Hotel Europejski, vor dem ein Doppelposten aufzog. Gegen mittag wurden Dr. Rauschning und Vizepräsident Greiser vom Staatspräsidenten M o s c i s k i empfangen. Cs folgten Besuche im Ministerpräfidium und beim Außenminister Beck. Ein Frühstück, das der Auhenminister zu Ehren der Danziger Gäste gab sowie ein Emp­fang im Rathaus schlossen sich an.

Im Anschluß daran erklärte Senatspräsident Dr. Rausching der Presse, der herzliche Empfang in Warschau habe in ihm die Hoffnung erweckt, daß die Beseitigung der Schwierigkeiten leichter sein würde, wenn das notwendige gegenseitige Vertrauen wieder hergestellt sei, zumal Danzig mit Polen nicht allein durch vertragliche und wirtschaftliche, sondern auch durch geographische Ndomente verbunden sei. Das Wesen der nationalsozialistischen Bewegung, die nicht allein oon politischen Triebkräften getragen werde, sondern eine innere Wiedergeburt des deutschen Volkes und eine Besinnung auf d i e Werte des Volkstumes überhaupt fei, müßte besonders in Polen Verständnis auslösen. Der nationalsozialistischen Regierung in Danzig sei nicht nur an korrekten, sondern auch a n freundschaftlichen Beziehungenzu P o- len gelegen. Der Warschauer Besuch solle gleich­sam eine allgemeine Vorbereitung der Atmosphäre für die bevorstehenden Verhandlungen sein, die nach einem Gegenbesuch der polnischen Regierungsoertre- ter in Danzig in kürzester Zeit ausgenommen wer­den würden, um dadurch eine neue Epoche in den Beziehungen zwischen Danzig und Polen ein­zuleiten.

Am Abend fand ein Essen beim stellvertretenden Ministerpräsidenten Zawadski statt, bei dem die­

ser erklärte, Polen lege größten Wert darauf, durch guten Willen und in gegenseitigem Vertrauen d i e Schwierigkeiten ausdemWegezuräu- men. Er wies auf die natürlichen Bande, die Dan­zig mit Polen feit Jahren verbunden hätten, hin und sprach den Wunsch zur engsten Zusammenarbeit mit Danzig aus. Senatspräsident Rausching be­tonte ebenfalls die aufrichtige Bereitschaft zur Zu­sammenarbeit. Wenn beide Teile vom Boden der bestehenden Verträge aus bereit seien, gegenseitig die Rechte und Pflichten zum gemeinsamen Besten zu achten, sei die Möglichkeit zur baldigen Verständi­gung vorhanden. In später Abendstunde traten die Vertreter die Rückreise nach Danzig an.

Oer Reichspräsident stiftet die Rettungsmedaille neu.

Berlin, 1. Juli. (DDZ.-Funkspruch.) Unter Gegenzeichnung des Reichsinnenministers hat Reichspräsident oon Hindenburg eine Verordnung über die Verleihung von Aus­zeichnungen für die Errettung von Menschen aus Lebensgefahr erlassen. Danach wird die Rettungsmedaille am Bande verliehen, wenn sich der Retter bei dem Rettungswerk in ganz besonders erheb­licher eigener Lebensgefahr befunden hat. Die Erinnerugsmedaille für Ret­tung aus Gefahr, die nicht zum An- legen bestimmt ist, wird verliehen, wenn sich der Retter in erheblicher Lebensgefahr be­funden hat, die Verleihung beider Medaillen hat zur Voraussetzung, daß die Rettungstat von dem Retter bis zu einem gewissen Grade selbstän - big zu Ende geführt ist unb baß er seiner ganzen Persönlichkeit nach einer solchen Auszeich­nung würbig erscheint. Die Mebaillen werben in ber Regel nicht verliehen, wenn Personen bei ber Rettung Schutzbefohlener zwar chr eigenes Leben eingesetzt, babei aber nur innerhalb der Grenzen ihrer Pflicht gehanbeli