Ausgabe 
4.1.1933 Frühausgabe
 
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des Vorsitzenden chreS Direktoriums, Cuno, er­litten bat, trijft nicht nur sie, sondern ganz Ha m bürg und die deutsche Schilf- sahrt sowie all« Kreise der deutschen Wirt­schaft. die mit dem deutschen Lieberseehandel und der deutschen Schiffahrt verbunden sind. Linier Cunos Führung schloß die Hamburg Amerikalinie gleich nach dein Kriege jenen Ver­trag, der der deutschen Flagge die Meere wieder öffnete. Der Wiederaufbau der deutschen Handcisschiffahrt wird immer mit dem Namen Geheimrat Cunos verbunden bleiben. Das sichert iHm zugleich den bleibenden Dank Hamburgs. 'Der Senat bittet Sie, sein herzlichstes Beileid entgcgcnzunehmen.

Der Norddeutsche Lloyd hat an die Hamburg-Ämcrikalinie folgendes Telegramm ge­richtet: Trauernd stehen wir mit Ihnen an der Bahre des vortrefflichen Mannes, der sich durch seine intensive Arbeitskraft und seine großen Erfahrungen und sein reiches Wissen um die deutsche Handelsschiffahrt und insbesondere ihren Wiederaufbau nach dem Kriege so außerordent­liche Verdienste erworben hat und dessen NaMe unlöslich und unvergeßlich mit der deutschen Ncederei verbunden ist. Wir beklagen in dem leider viel zu früh Dahingeschiedenen nicht nur den treu bewährten Kollegen und Mitarbeiter, sondern auch den guten Freund, dessen persön­liche Liebenswürdigieit und vornehmer Charakter sein Andenken bei uns stets lebendig halten werden.

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Aus Anlaß des Ablebens von Geheimrat Cuno haben die Verwaltungsgebäude sowie sämtliche Schiffe der Hapag und des Norddeutschen Lloyd die Flaggen auf Halb stock gesetzt. Lieber Zeit und Ort der Beisetzung des Verstorbenen sind noch keine An­ordnungen getroffen worden.

ReichsprasidentundReichslanzler zum Tode L'Ms.

Berlin, 3. Jan. (WTB.) Der Herr Reichs­präsident hat an die Witwe des verstorbenen Reichskanzlers a. D. Cuno das nachstehende Tele­gramm gerichtet:Zu dem schweren Schicksalsschlag, der Sie, gnädige Frau, und die Ihren durch das so plötzliche Hinscheiden Ihres Herrn Gemahls betrof­fen hat, spreche ich Ihnen meine allerherz­lichste Teilnahme aus. Die hohen Verdienste, die der Entschlafene sich um das Vaterland und den Wiederaufbau seines Wirtschaftslebens erworben hat, sichern ihm ein bleibendes ehrendes An­gedenken. Gez. von Hindenburg, Reichs­präsident."

Reichskanzler von Schleicher hat an die Gattin des verstorbenen Reichskanzlers das nach­stehende Beileidstelegramm gesandt:Die Nach­richt von dem unerwarteten Hinscheiden Ihres Herrn Gemahls hat mich aus das Tiefste erschüt­tert. Ich bitte Sie, zugleich im Namen der Reichs­regierung den Ausdruck aufrichtigster Anteilnahme zu diesem schweren Verlust entgegenzunehmen. Der Verstorbene hat in schwerer Notzeit Deutschlands sich nicht 'gescheut, schwerste Verantwortung auf sich zu nehmen. Seine von heißer Liebe zum Vaterland getragene Arbeit sichert ihm stets ein dankbares Gedenken. Mehr als 15 Jahre hindurch hat Ihr Herr Gemahl als Mitglied und Vorsitzender des Direktoriums der Hamburg-Amerika-Linie sich u m den Wiederaufbau der deutschen Schiffahrt entscheidende Verdien st e erworben, für die ihn, der Dank unseres Landes gebührt. Möge der Allmächtige Ihnen und Ihren Angehörigen Trost in Ihrem schweren Leid spenden."

Oer Kampf um die Ernährung in Rußland.

Moskau, 3. Jan. (WTB.) Das Dnjeprope- trowfker Gaugericht verurteilte drei e h e m a - lige Funktionäre wegen böswilliger Sabotage d e r G e t r e i de a u f b r i n g u n g zum Tode, drei weiter« Angeklagte zu zehn­jähriger und fünf Angeklagte zu achtjähriger Frei­heitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft hatte festge-

Wiedersehen mit einer Gebebten.

Don Siegfried von Degefack.

Ich hatte sie vor dem Kriege sehr geliebt, denn sie schenkte mir alles, was sich ein junger Student wünschen kann: Sorglosigkeit, Ungebundenheit, und das tiefe Glück einer ersten, großen Leidenschaft. Aber dann kamen Jahre der Trennung, der Ent- sreindung, ich sah sie wohl noch dann und wann, flüchtig im Vorbeifahren, konnte aber das einst so geliebte Antlitz nicht recht wiedererkennen, und das gab jedesmal eine kleine schmerzliche Enttäuschung. Hatte sie sich verändert? Oder war ich selbst ein anderer geworden? Vielleicht beides. Der Krieg und die Nachkriegszeit hatten wohl uns beide ge­wandelt, und nun wußten wir nichts mehr mit­einander anzufangen.

Zwar fühlte ich immer wieder, wenn ich j)urd) diese vielgerühmte und ebenso oielgeschmähte Stadt kam, etwas wie eine heimliche Liebe, aber alle solche Gesühlsreste schüttelte ich energisch als sentimentale 'Anwandlungen ab: was war, kommt nicht wieder. Man soll nicht einer Borkriegs-Geliebten nach­trauern, besonders, wenn diese Geliebte eine ganze Stadt ist, und wenn diese Stadt München heißt. Mit dem im Norden geprägten Schlagwortein Bierdorf" glaube ich meine alte Liebe zu dieser Stadt für immer zu begraben.

Aber eine wirkliche Liebe stirbt wohl nicht so schnell, ja, auch wenn sie scheinbar schon längst ge­storben ist, kann sie plötzlich wieder auferstehen, lebendiger denn je: was wirklich einmal war, lebt weiter, aller Vernunft zum Trotz.

Schon auf dem Bahnhof, diesem häßlichen Un­getüm aus Ziegelsteinen, unter dem schmutzigen Glasgewölbe, begann das Wunder: alles war so merkwürdig vertraut, so unverändert. Sogar der dicke Gepäckträger mit dem Lederschurz erschien mir wie ein alter Bekannter: fast hätte ich ihm die schwielige Hand gedrückt. Und dann, als ich in der blauen Elektrischen am Stachus, am Lenbachplatz mit dem wasserrauschenden Denkmal-Brunnen vor- bei die Promenade entlang fuhr, auf den sonnen- beschienenen und taubenumschwärmten Odeonsplatz, die leuchtende Ludwigsstraße einbog, bann war es mit aller Vernunft vorbei: obgleich ich eigentlich weiter fahren sollte, stieg ich einfach aus, setzte mein Köfferchen zwischen das Taubengewimmel auf das Pflaster und stand nun. da, ein Verkehrshindernis, mitt.-n im Autogetute, Rädergeklingel und Flügel­geknatter der um mich bewegten Welt.

Und hier, an dieser Stelle, erkannte ich sie wie­der, die Züge der einst so geliebten Stadt: diese

stellt, daß die Angeklagten Protokoll« aufgesetzt hatten, in denen wissentlich falsch betäubet war, daß Saatgetreide zugrunde ge­gangen wäre und daß sie ferner verschiedene Dorfsowjets zurSabotagederGetreide- aufbri ngung angestistet hatten.

Schanhaikwan von den Japanern besetzt.

Der Krieg ins eigentliche China getragen.

Tokio, 3. Jan. (IU.) Das japanische Kriegs­ministerium erklärt, daß es ein Telegramm von dem Stabschef der japanischen Armee in Lhina, Nakamura, erhalten habe, in dem mitgeteitt wird, daß die japanischen Truppen am 3. Januar um 3.20 Uhr Schanhaikwan beseht haben. Die japanischen Truppen sind in die Stadt ein­gerückt und haben sämtliche staatlichen Gebäude beseht. Die chinesischen Truppen, die ohne wider­stand Schanhaikwan verlassen, werden von der ja­panischen Armee weiter verfolgt. In Schanghaikwan sind mehrere Tausend chinesische Truppen von der japanischen Infanterie entwaffnet worden, kriegsministec A r a k i erklärte, die Ereignisse seien so weit getrieben morden, daß Japan nichts weiter übrig bleibe, als die Ereignisse ihren Lauf nehmen zu lassen. Die japanische Regie­rung habe genug gewarnt und erklärt, daß Marschall Tschanghsueliang die Verantwortung für die politische Lage trage, da er durch seine Truppen- zufammenziehungen die japanische Armee provo­ziert habe. Die japanischen Truppen haben mit der Besetzung der chinesischen Grenzstadt Schanhaik­wan zum erstenmal den Fuß in das eigent­liche China gefetzt. Die chinesische Regie­rung hat dem Völkerbund Mitteilung von den Kämpfen um Schanhaikwan remadjt; sie hat aber keine Protestnote an Japan gerichtet.

peinliche Wahrheit.

London, 3. Ian. (WTB.) 5>?r polnische Botschafter in London hat heute im Foreign-Osfice eine Beschwerde über die Silvesterveranstaltung des enali- schen Llntcrhaltungsrundfun.s über­reicht. In der Silvestern.a-)t hatte der englische Nundfunk Silvesterprogramme mehrerer euro­päischer Staaten übertragen. Bevor auf eine neue ausländische Station umgeschaltet wurde, machte der Sprecher einig: einleitende Be­merkungen. Bei der Llmschaltung auf Warschau soll Polen, der Note zufolge, als ein Land be­zeichnet werden fein, das ein Drittelseines Staatshaushalts für Nüstungen ausgibt. In dieser Bemerkung sieht Polen die Verwendung der englischen Srnder zu poli­tischer Propaganda gegen eine befreundete Macht und fordert Maßnahmen, die eine Wiederholung unmöglich machen.

Oer kommunistische Lleberfall auf das Arbeitslager in der Rhön.

Weimar, 3. Jan. (ERB.) Zu dem bereits ge­meldeten kommunistischen lleberfall auf das von der thüringischen Regierung errichtete Arbeitslager auf dein sogenanntenEllenbogen" in der Hohen Rhön berichtet der als Lagerkommandant abkommandierte Polizeihauptmann Schmückte u. a.: Der lieber fall ist planmäßig erfolgt. Das,ergibt sich schon aus der Tatsache, daß auch Urlauber des Lagers überfallen worden sind. Außerdem wurde von Vertrauensleuten dem Lagerkomman­danten mitgeteilt, daß Kommunisten die Absicht hät­ten, das Lager zu stürmen. Diese Meldungen hat­ten den Kommandante i veranlaßt, zwei Tage vor dem lleberfall eine Alarmübung abzuhalten. Dieser Uebung ist es zu verdanken, daß der Angriff abgeschlagen werden konnte. Die Freiwilligen hat­ten die Höhe um das Lager besetzt. Don den Kom­munisten wurden ungefähr 2 0 0 bis 250 Schüsse abgegeben. Die Verteidiger des Lagers

heitere Unbeschwertheit, diese lässige Unbekümmert­heit, diese wohltuende Unbetriebsamkeit und Un= qeschäftigkeit der um mich her schlendernden, rollen­den und flatternden Wesen, die gottlob noch nicht vom Berliner Tempo ersaßt sind. Hier sprüht schon südliches Licht, hier leuchtet schon südliches Blau, hier weht schon etwas italienische Luft, hier, der Odeonsplatz mit der Florentiner Feldherrnhalle, dem klingenden Barock der Theatinerkirche, ist der Vorplatz zu Italien, zu allen Herrlichkeiten des Südens. Und wenn auch diese sandgelben Bauten und Paläste, diese Feldherrnhalle und dieses Sie­gestor nichtecht" und nur Kopien sind, hier, in der Ludwigsstraße, in diesem flimmernden süd­lichen Licht, haben sie, allen Stilpedanten zum Trotz, ihr eigenes Leben und damit ihre Berechti­gung. Es gibt in Deutschland so wenig schöne Straßen, diese Ludwigsstraße ist und bleibt eine der schönsten.

Oder macht meine so plötzlich wiedererwachte Liebe mich blind? Ja, ich bin wieder verliebt, wie da­mals, vor zwanzig Jahren, verliebt in diese leuch­tende Stadt mit den beiden mächtig ^aufragenden malachitgrünen Zwiebelkuppen der Frauenkirche, dem strahlenden südlichen Himmel.

Beinahe lasse ich mein Köfferchen mitten zwischen den fetten und gefräßigen Tauben auf dem Odeons­platz liegen. Ich schleppe es wieder in die Elektrische, fahre weiter. Gute Freunde nehmen mich auf. Aber es läßt mir keine Ruhe, ich muß wieder hinaus, alle die Straßen und Plätze wiedersehen, auf denen ich als Student umhergewandert bin. Amalien- und Schellingstraße, da ist noch mein Erker_ über dem Bäckerladen, von dem aus ich an einer Schnur mit Brötchen und Kuchen direkt aus der Bäckerei in mein Rimmer hinaufzog. Und drüben, an der anderen Ecke, ist noch der Fleischerladen, in dem ich jeden Abend, in Schlafrock und Pantoffeln, den kalken Aufschnitt einkaufte. Und an der dritten Ecke, da ist der Blumenladen, von wo ich die Nelken und Rosen bezog, wenn ein lieber Besuch fatn. Und richtig, dort ist noch der alte Briefkasten, der so viele Verlobungs-Anzeigen schlucken mutzte, daß er fast platzte ...

Und hier, am Siegestor, trafen wir uns immer, wenn wir ins Residenz-Theater gingen, um Mo­zart zu hören: hier wurde mir der schwarze Smo­king-Schlips feierlich gebunden, denn das verstand ich nicht, und habe es noch heute nicht gelernt. Aber jetzt laufe ich ja auch nicht mehr in Smoking und Zylinder herum, das waren komische Zeiten! Und hier, am Brunnen vor der Universität, tanzten wir einmal ganz allein, in einer mondhellen Fa­schingsnacht. Verrückte Zeiten, aber schön waren sie doch!

waren bis auf den Kommandanten und einzelne Führer nicht b e w a s f n e 1. Das Gefecht dauerte annähernd zwei Stunden: dann gelang es, die An­greifer zurückzuschlagen. Im Lager selbst wurden drei Angreiser zurückbehalten, wäh­rend später von der Hildburghausener Polizei noch ife u n ro _e i t e r e Verhaftungen in Frankenheiin vorgenommen wurden. Sieben Kom­munisten sind nicht nach Frankenheim zurückgekehrt. Man nimmt an, daß diese verletzt sind und sich ver­borgen halten.

öie Amenkc - Anleihe der Pfalz-Städte.

DieTilgnngsratc kann n cht gezahlt werden.

Mannheim, 3. Jan. (TU.) Die psälzischen Städte Ludwigshafen, Kaiserslautern, Speyer, Frankenthal, Neustadt a. d. H., Zweibrücken und Landau hatten im Jahre 1926 in Amerika gemeinsam eine Anleihe in

Höhe von 3,^> Millionen Tollar ausgenom­men. Die Anleihemittel wurden estimmungsgemäß für den Ausbau der Wasjrr , Gas - und Elektrizitätswerke verwlstdt. Bisher wur­den die jeweiligen Zins- und Tihungsbetröge frist­gemäß in vollem Umfange geaalt. Arn 1. Januar 1933 war die Zahlung voi 4 1 0000 RM. Zinsen nach Ueberwindung p ößter Schwierig­keiten zwar möglich, doch kann iie Tilgungs­rate im Gegenwert von 590)00 RM. nicht mehr aufgebracht werden. Begründet wird diese Unmöglichkeit damit, daß dilFinanz kraft der an der Anleihe beteiligten (äädte infolge der gerade in der Rheinpfalz in befoners krassem Aus­maße in Erscheinung tretenden Wirtschaftskrise der letzten Jahre außerordenlich schlecht wurde. Die Finanzquellen rourbei außerdem durch die in der Arbeitslosensü'sorge in den letzten Jahren zu ihren llngunten eingetretene Lastenverschiebung völlig cschöpst. Mit den Gläubigern soll jetzt über ihre Befredigung verhan­delt werden. Die Anleihe wird in leüyork notiert.

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Aus aller Well.

Orkanartiger Sturm im Atlantischen Ozean.

Infolge orkanartiger außerordentlich schwe- rer Stürm« im Atlantischen Ozean wird der am Dienstag fällige Lloyd-Dampfer 'Breme n" mit zweitägiger Verspätung nicht vor Donnerstag in Äeuyork eintrerfen. Der große DampferLeviathan" und zahlreiche Heinere Ozeandampfer werden sich gleichfalls um mehrere Tage verspäten.

Die Strandung des russischen EisbrechersMalygin"

Zu dem Llnglück des großen sowjetrusiischen EisbrechersMalygin" im Nördlichen Eismeer wird noch gemeldet, daß der Eisbrecher in voller Fahrt im Dunkel der Nacht a u f einen Eisberg gerannt ist und sich dabei ein großes Leck zugezogen hat. Sofort nach dem Llnglück wurden 808-Nufe ausgesandt, die von den Funkstationen an der Eismeerküste aichgefan- gen wurden. Wie derMalygin" in einem Funk­spruch mitteilt, hat sich seine Lage wesentlich verschlechtert. In den Mafchinenraum ist Wasier gedrungen, das nicht herausgepumpt wer­den konnte. Es'bcsteht sogar die Gefahr, daß das Wasser den ganzen Mafchinenraum «überflutet. Der Kapitän des Eisbrechers hat um weitere Hilfe gebeten. Ein anderer Eisbrecher versuchte, Öen'Malygin" abzuschleppen, doch waren die Bemühungen umsonst. Der russische Eisbrecher Lenin" befindet sich zur Zeit unterwegs nach Spitzbergen. Nach Meldungen, die von ru^ scher Seite m Spitzbergen eingelaufen sind, erfolgte die Strandung desMalygin", der von Ruß­land nach den russ scheu Kohlengruben in Spitz­bergen unterwegs war, am 29. Dezember dicht am Eingang des Eisfjords Wiederflottmachung des Eisbrechers war bisher nicht möglich. Die Besatzung von über 100 Mann soll woHlaus sein.

Eine Familie bei einem Brand ums Leben gekommen.

3n der kleinen Stadt Shrlby (USA.) brach nachts in einem Wohnhaus Feuer aus. Eine Mutter und ihre fünf Kinder fanden den Feuertod. Der Vater wurde zwar gerettet, .hat aber so lebensgefährliche Verlet­zungen erlitten, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.

(Eine Baugrube der Hamburger Untergrundbahn ersoffen.

Die in monatelanger Arbeit hergestellte Bau­grube für den neuen Hamburger Untergrund» bahnhofIungfernstieg" ist ersoffen. Wasser der Binnenalster, das mit ungeheurer Kraft unter der Spundwand durchgebrochen war, drang mit so großer Schnelligkeit in den Schacht ein, daß die in der Baugrube beschäftigten Arbei­ter sich nur mit größter Not retten konnten. Die Hamburger Hochbahn-Gesellschaft teilt mit, daß die Abdichtung der Daugrube sofort in An­

griff genommen worden sei. Der bereits fertig- gestellte erste Bauabschnitt und er im Betrieb befindliche Tunnel seien nicht gcfährdet. Die wasserdichten Querwände zum Schutze dieser Teile hätten ihren Zweck vollstämig erfüllt.

Mord in der Reuyorker Unerwell.

Der Gangster Larr Gay, der n der Neuyvr- fer Llnterwelt unter dem NameiMilchkönig" bekannt war, wurde in einer de: vergangenen Nächte beim Betreten eines Nachklubs, den er unterhielt, durch einen Revvlverschtß getötet. Der Mörder ist der Pförtner des l'lubs, der sich angeblich für eine Herabsetzung sei.er Bezüge an dem Getöteten rächen wollte. Lari Fay wandte bei seinen Reisen seit langem aurerordentlichse« Vorsichtsmaßnahmen an. Er fuhr z. B. immer in einem gepanzerten Automobil. Lrotzdem hat ihn nun das Schicksal ereilt, dem er entgehen wollte.

Der Tote im Kanalschachl

In Wittenberg (Bezirk Halle) hörtez zur Arbeit gehende Leute plötzlich Hilferufe aus der Erde bringen. Unter einem Kanalleckei an der Ecke Adler- und Lutherstraße kam menschliches Stöhnen und Rufen hervor. Die [ofoit benachrich­tigten Kriminalpolizei, Schutzpolizei un) Feuerwehr stellten fest, daß zwischen dem Einsteiceschacht und der Einmündung in den vorbeifließenien Bach in den Kanalröhren ein Mensch lag. Ra^i eitrigster Arbeit gelang es, dkn Unglücklichen heriorzuziehen. Als man ihn jedoch geborgen hatte, wo- er bereits tot. Es handelt sich um den 65jährigm Arbeiter Hermann Vossen aus Wittenberg. Die linke Pulsader war zweimal durchschnitten. Ein blutiges Messer steckte in der rechten inneren Zrusttasche. Ob ein Verbrechen oorliegt, konnte bisher noch nicht geklärt werden. Einige Festnahmen sind trfolgt.

Bierzehnjährige als Tvafsendiebe.

Ein unglaublicher Vorfall ereignete sich .n einem Waffengeschäft in Essen. Fünf junge Burschen i ,i Alter von etwa 14 Jahren betraten das Wasfen- aeschäft, das etwa 30 Meter vom Rathaus in dem sich eine Polizeiwache befindet, entfernt l egt und verlangten von der Derkäuferin die Vorlage von Knieschonern. Während die allein im Laden an­wesende Verkäuferin die verlangten Waren heraus­suchte, hoben die Bürschen die Glasplatte der Laden­theke hoch und nahmen einige Schußwaf - f e n an s i ch. Die Verkäuferin wollte hierauf die Tür festhalten, um die Jungen am Entkommen zu hindern. Sie wurde jedoch von den Burschei über­wältigt und mißhandelt. In dem Hand­gemenge gelang es ihr jedoch, einen der Bengels sestzuhalten und ihm die gestohlene Pistol; zu ent­reißen. Die Menschenmenge nahm Parte für die Waffenräuber (!). Die Polizei nahm einemBurschen fest, während seine drei Gefährten enttarn.

Die Leopoldskraße, die hohe, festliche Säulenreihe der grünen Pappeln, Giselastraße. Da ist noch die Schwabinger Pension, in der wir uns zum erstenmal sahen, in der alles das begann, was bis heute gehalten hat und ein Leben lang halten wird. Und dort, der Englische Garten, die weiten grü­nen Rasenflächen, das kecke Monopteros-Tempelchen. der alte chinesische Turm, überall grüßen mich gute Bekannte. Hier, unter diesen mächtigen Bäu­men, glühten damals die Leuchtkäfer in einer war­men Juninacht, und hier, an diesen Büschen, blüh­ten an einem sonnigen Wintermorgen die Eis- kristalle des Rauhreifs.

Und dort, vor der Ludwigskirche, hockt noch im­mer das alte Weibchen und röstet Kastanien im trüben Schein einer Petroleumlampe. Ich kaufe mir wie damals eine braune Düte für zwanzig Pfen­nig, wie gut sie schmecken, und wie gut sie in der Manteltasche wärmen!

Nein, was wirklich war, das bleibt, das lebt weiter, wenn auch in immer neuer Wandlung. Und wenn wir beide, diese geliebte Stadt und ich, uns auch im Lauf der Jahrzehnte verändert haben, überall, auf allen Wegen, erkenne ich doch das Antlitz von früher wieder. Wir waren uns fremd geworden, aber nun bricht Vertrautes wieder durch: wir haben uns wiedergefunden.

Aus Entenjagd am Irischen Haff.

Schwer klatscht der Regen gegen die Fenster. Von grauen Wolken bedeckt liegt die ostpreußische Landschaft da. Lind gerade heute wollen wir hinaus aufs Haff zur Entenjagd. Doch ein ganz klein Fünkchen Hoffnung ist noch vorhanden: viel­leicht schlägt das Wetter noch um; es ist ja erst Vormittag.

Der Wettergott hat es gut mit uns gemeint. Der Regen hak aufgehört, und eben hat die Sonne schon verstohlen aus den Wolken heraus­geschaut. Jetzt aber schnell umgezogen, denn heute abend wird viel ßeben draußen auf den Blänken (schilffreien Wasserstellen im Schilf) sein.

Glutrot steht die Sonne am Himmel. In einer guten halben Stunde wird sie untergehen. Wir müssen uns eilen, wenn wir noch rechtzeitig an unferm Platz fein wollen, da, wo die Wellen des Hasfs von dem Schilsmeer aufgenommen werden.

Den halben Weg haben wir glücklich hinter uns gebracht; doch das dicke Ende kommt nach: der Marsch durch den etwa 200 Meter breiten Schilf­gürtel. Immer tiefer sinkt 6er_ Fuß in dem sumpfigen Boden ein; immer höher w.rd das Schilf. Schon müssen wir es schneiden unö auf den schmalen Pfad legen, um überhaupt vorwärts

zu lampten. Da wird es lichter, wir sind am Ziel.

Rot leuchtend geht die Sonne hinter der Neh­rung unter. In langen Wogen rollt d s Hass in das Schilf und gegen unsere kleine Irel. Schars heben sich die dunklen Schifferkähne legen den helleren Himmel ab. Weiße Schauinköfchen tän­zeln munter auf den Wellen.

Da,sitt, litt, sitt, sitt", die erste <nte ist un- bescho^sen vorbei. Da schon wieder de pfeifende Flügelschlag, undrumms" und nochmals rumms", ein lauter Platsch, und die ente treibt auf dem Wasser. Der brave Hund hlt sie und legt sie wedelnd vor des Jägers Füß. Dom fer­nen Dorf bringt, kaum zu hören, der Jesang ost-- preußischer Volkslieder herüber. Der szöne Abend nach dem tagelangen Regen hat een überall Leben hervorgerufen.

Noch oft streichen Enten vorübe:- Noch oft fährt beim lauten Knall der Flint, ein greller Feuerblitz aus dem Lauf. Doch es vird dunkler, die Sterne werden heller. Jedem voi uns beiden baumeln fünf Enten am Galgen; es ist Zeit zur Heimkehr. Aus dem Gu'.shos flamme^ die Lichter auf. Sie weisen uns die Richtung zur Rückweg.

Wir sind auf dem Hose angelaigt. Noch ein Blick nach dem Haff. Matt glänzt <s im Mond­schein, und schwarz hebt sich die nächt.ge Eiche am Llser gegen den helleren Himnel ab.

Ostpreußen, wie bist du schön! E. A. B.

Neue BismarckfuuSe.

Der Bismarckforscher A O. Mryer hat noch unbekannte Lebenszeugntz'e Bisma-cks aufgespürt, die sich an Wert für die Erkenntnis j ines Menschen­tums getrost den Briefen an Braut und Gattin an die Seite stellen lassen. Der Enkel des Fürsten ge­währte Professor A. O. Meyer Einb vf in Bismmcks Handexemplare derLojungen und Lehrtexte der Brüdergemeinde", die Bismarckan 1864 bis zu seinem Tode vor allem also auch in der Zeit seines Wirkens als führender Staatsmann tagaus, tag« ein begleiteten, und die er nicht nur als Andachts­buch, sondern auch als Haas- and Notizkalender be­nutzte. Die Notizen und Anst7eichungen in ihnen bilden die denkbar lauter ft e Quelle für sein inneres Leben, weil Bismarck hier nur mit sich selbst und seinem Gotte Zwiesprache hält. Diese Quelle hat tun Professor 21. O. Meyer im Januarheft der Zeitwende" (C. H. Beck, Mlmchen) zum ersten- mal der Öffentlichkeit erschlossen; seine Darstellung gibt dem Leser ein tief ergreifendes Bild non per Gottverbundenheit und 2)emui des Mannes, in dessen Händen das Schicksal Europas lag.