Nr. 258 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)5reitag, 3. November 1933
Ser Sieg der Freiheitskämpfer in Wand.
Starkes Echo im ganzen Baltikum.
Von unserem B-Äerichterstatier.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Reval, Ende Oktober 1933.
Nicht Reval und das estnische Land, sondern das ganze Baltikum steht im Zeichen des triumphalen Sieges der estnischen Freiheitskämpfer. Die dreitägige Volksabstimmung über die Verfassungsänderung war ein voller Erfolg! lieber 415 000 Wähler, das sind 54 v. H. der Wahlberechtigten, hatten sich für das Verfassungsgesetz der Freiheitskämpfer ausgesprochen, und nur 156 000 Stimmen waren dagegen abgegeben worden. Die Regierung T ö n n i s s o n hatte eine eindeutige Niederlage erlitten, aus der sie am Tage darauf die Schlußfolgerung zog und zurücktrat. Damit ist der innerpolitische Kampf, der nun schon seit mehr als
Weißt Du:
daß bereits vor mehr als sechs Jahren, am 31. Januar 1927, die erfolgte deutsche Entwaffnung durch die Zurückziehung der Interalliierten 2Nill- lärkontrollkommission von den Siegerstaalen ausdrücklich anerkannt worden ist?
einem Jahr Estland von einer Aufregung in die andere stürzte, entschieden. Gesiegt haben auch hier die jungen, sich zur autoritären Staatsführung bekennenden Kräfte des estnischen Volkes, während die Verfechter des demokratisch-parlamentarischen Systems auf der Strecke geblieben sind. Die Vorgänge in Estland erinnern in vielem an die letzte Entwicklung in Deutschland. Trotz aller Verbote und Verfolgungen, trotz des Versuchs der Regierung Tönnisson, die Freiheitskämpfer unter Einsatz aller staatlichen Machtmittel um den Erfolg zu bringen, hat sich d i e national-estnische Bewegung schließlich doch durchgesetzt.
Die Freiheitskämpfer rekrutieren sich in der Hauptsache aus ehemaligen Teilnehmern an dem Freiheitskampfe gegen den Bolschewismus. Der Führer dieser stark faschistisch gefärbten Frontkämpferorganisation ist der ehemalige Reserveoffizier und jetzige Rechtsanwalt S i r k, der es verstanden hat, die Sache der Freiheitskämpfer zu einer Angelegenheit des ganzen Volkes zu machen. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen hat schon seit jeher in Estland die Frage der S t a a t s f ü h r u n g gestanden. Bereits im August vorigen Jahres stand ein Verfassungsänderungsgesetz zur Volksabstimmung. Dies Gesetz, das als wichtigste Neuerung die Einführung des bisher fehlenden Staatspräsidentenpostens vorsah, es im übrigen aber bei der demokratisch-parlamentarischen Regierungsform belassen wollte, wurde vom Volke abgelehnt. Damals traten die Freiheitskämpfer zum ersten Mal als unerbittliche Gegner des herrschenden Systems in Erscheinung.
Bald darauf kamen sie mit einem eigenen 23er* fassungsänderungsvorschlag hervor, der ebenfalls die Schaffung eines Staatspräsidentenpostens, aber mit weit größerer Machtfülle, vorsah, der die Abgeordnetenzahl von 100 auf 50 herabgesetzt haben wollte, und überhaupt für dieZurückdrän- g u n g des Einflusses des Parlaments zugunsten autoritärer Staatsführung eintrat.
Dieser Vorschlag stieß auf den heftigsten Widerspruch der estnischen Parlamentsmehrheit, die ihren Einfluß unter allen Umständen aufrecht erhalten wollte und ihrerseits einen Gegenvorschlag ausarbeitete, demzufolge die Befugnisse des Staatspräsidenten etwa denen des deutschen Reichspräsiden
ten entsprechen sollten und der die Abgeordnetenzahl bei 100 belassen wollte. Obwohl dieser Vorschlag zuerst zur Volksabstimmung gestellt wurde, und die Regierung alles in Bewegung setzte, um ein günstiges Ergebnis zu erzielen, wurde auch dieser Entwurf im Juni dieses Jahres vom Volke a b - gelehnt. Dieses Ergebnis war um so blamabler, als nur 30 v. H. der Wahlberechtigten zur An- nähme des Gesetzes nötig gewesen wären.
Im Hinblick auf dies Abstimmungsergebnis stand es schon damals einwandfrei fest, daß das herrschende System jeden Anklang im Volke verloren hatte. Die Regierung Tönnisson dachte aber nicht daran, dem stürmischen Drängen der Freiheitskämpfer nachzugeben und zurückzutreten, sondern es wurde die Parole herausgegeben: Kampf bis zum Aeußerften. Unter dem Vorwand, die Freiheitskämpfer wollten einen gewaltsamen Umsturz herbeiführen, wurde ihre Organisation im August dieses Jahres verboten, der Ausnahmezustand verhängt und die Presse- und Vereinsfreiheit aufgehoben. Und im Hinblick auf die bevorstehende Volksabstimmung über den Verfassungsentwurf der Freiheitskämpfer verabschiedete das estnische Parlament gleichzeitig ein Gesetz, das die Erhöhung des xur Annahme des Gesetzes notwendigen Stimmensatzes von 30 auf 50 v. H. der Stimmberechtigten vorsah.
Alle diese Maßnahmen haben aber nicht vermocht, die Volksabstimmung zugunsten der Regierung Tönnisson irgendwie zu beeinflußen. Im Gegenteil! In einem mit äußerster Heftigkeit geführten Abstimmungskampf, in dem hunderte von Massenversammlungen in allen Teilen des Landes abgehalten wurden, haben die Freiheitskämpfer einen überlegenen Sieg davongetragen. Sie haben nicht nur der bisherigen Systemregierung den Garaus gemacht und die Möglichkeit für eine neue autoritäre Regierung geschaffen, sondern darüber hinaus auch den Marxisten, die im Abstimmungskampf als ihre heftigsten Gegner auftraten, einen vernichten- d e n Schlag versetzt.
Gerade diese Tatsache läßt die Schlußfolgerung naheliegend erscheinen, daß der Sieg der Freiheitskämpfer nicht ohne Einwirkungen auch auf das benachbarte Lettland — in Litauen besteht ja bekanntlich schon seit mehreren Jahren eine autoritäre Regierung — bleiben wird. Auch in Lettland macht sich die Tätigkeit der dortigen faschistischen Organisationen, vor allem der „Perkonkrusts" (b. h. Kreuz des lettischen Donnergottes, Perkon) in zunehmenden Maße bemerkbar. Die Regierung in Riga kann sich auch nur mit Hilfe von Ausnahmemaßnahmen — erst kürzlich wurde die sozialdemokratische Wehrorganisation SSS. verboten und ein allgemeines Unifornwerbot erlassen — am Ruder halten. Auch hier wird die Forderung auf Neuwahlen und Derfasfungsänderung im Sinne autoritärer Staatsführung immer dringender erhoben. Die Wahlzeit des lettländischen Parlamentes läuft zwar noch ein Jahr, immerhin aber sind auch hier Heber» rafchungen nicht ausgeschlossen.
Es liegt in der Natur der Dinge, daß das Deutschtum dem inneren Umschwung im Baltikum zunächst abwartend gegenübersteht. Vor allem bestehen nicht unbegründete Besorgnisse über die Minderheitenpolitik der künftigen Machthaber. So wird das Deutschtum in Estland wahrscheinlich im neuen Parlament überhaupt nicht vertreten sein, da bei der Herabsetzung der Abgeordnetenzahl von 100 auf 50 die doppelte Stimmenzahl zur Durchdringung eines Abgeordneten nötig ist. In Lettland droht der „Perkonkrusts" sogar im Falle der Machtübernahme, alle Minderheiten und besonders die Deutschen aus dem Lande vertreiben zu wollen. Man hort dafür immer wieder die an den Haaren herbeigezogene Begründung, das neue Deutschland bereite einen Er-
Halali her Liebe.
Eine Hubertusgeschichte.
Von Oberstleutnant a. O. Benary.
„Sinter Schenkel, linker Schenkel!" Komtesse Regina lehnte aufgeregt über die Brüstung des Sprunggartens. Leutnant Holk kämpfte mit feinem Dunkelbraunen vor dem Wassergraben. Verdammt, nur nicht wieder sich eine Bloße geben vor der Komtesse. Seit einem halben Jahr, seit ihr Vater sein Kommandeur geworden war, ging nun schon der Krieg zwischen ihr und ihm überall, wo sie sich trafen. Auf der Straße, im Kasino, auf dem Tennisplatz und in der Reitbahn. Und weiß Gott, er wollte siegen. Der Preis lohnte. Er faßte mit verdoppelter Kraft zu, setzte den linken Sporn dicht hinter dem Sattelgurt an. Aber der „Alarich" stand wie eine Mauer, rückte und rührte sich nicht. Komtesse Regina schürzte die Lippen: „Rohe Kraft macht es nicht allein, Herr von Holk. Weichheit muß sich mit Stärke paaren. Lassen Sie mich einmal versuchen." Holk mußte — wollte er nicht unhöflich fein — nachgeben. Er hob die Komteß in den Sattel. Sie fuhr dem Braunen ein paar Mal mit der Hand über den Hals: „Na, Alarich, du wirst mich doch nicht blamieren?" Und in der Tat bog Regina schon in Richtung auf den Wassergraben. Der Braune wollte sich noch einmal drücken. Aber seine Reiterin ließ ihn nicht aus der Spannung, schob ihn mit dem Kreuz gegen die Zügel vor. Der Braune spitzte die Ohren und zog den Graben an. Drei, vier Galoppsprünge und er war drüben. Komtesse Regina richtete sich auf und kam im Trabe zu Holk zurück. „Sehen Sie, er tut’s Man muß es ihm nur leicht m chen. Ich werde ihn auf der Hubertusjagd reiten. Holk sah erschrocken zu ihr empor: „Um Gottes willen, nein, Komteß. Ich gebe Ihnen meine Stute. Lassen Sie mir den „Alarich." — „Wird er aber unter ihrer harten Faust nicht wieder streiken, Herr von Holk?" — „Das hoffe ich nicht, wenn er mit fester Hand an den Zügel gestellt wird, Komtesse." Regina schmollte: „Sollte das eine Spitze sein?" — „Nun, wie Sie denken, Komtesse. Harte Fäuste sind oft besser, als harte Köpfe." Regina drehte den Braunen auf der Hinterhand herum: „Ekel!" — Holk lachte. „Nu, wenn schon!" _
Die ganze Stadt war in Aufregung. Selbst die Schulen hatten eine Stunde früher geschlossen. Vor den Gittern des Kasernenhofes drängte sich die Menge. Drinnen sammelte sich die Jagdgesellschaft,
die Reiter und Reiterinnen, die Rotröcke und die Uniformen des Regiments, die Uniformen der Verbände. Regina überprüfte das Sattelzeug ihres Braunen, Holk half ihr den Gurt enger schnallen: „Komtesse, noch ist es Zeit, zu tauschen. Ich habe gestern die Jagd abgeritten. Es gibt wirklich allerhand zu springen. Am Fuße des Paradeberges steht ein steifes Koppelrick, mindestens 1,20 hoch. Dann geht es scharf rechtsum, auf den großen Graben zu. Den Drey bekommen Sie mit dem .Alarich" nie heraus." Regina blitzte ihn kampflustig an: „Wetten, daß ich es doch schaffe!" Holk streckte ihr die Hand entgegen. „Topp, es gilt. Und der Preis?" Regina schlug lachend ein: „Wird sich finden!" Der Oberst trat an seine Tochter und seinen Adjutanten heran: „Habt wohl schon wieder die Klingen gekreuzt? Geben Sie es auf, Holk, das Mädel ist ein Dickkopf! Aber es wäre mir lieb, wenn Sie auf der Jagd ein bißchen auf sie aufpaffen würden."
An der Südostecke des Exerzierplatzes wurde eine kurze Rast gemacht. Der Gefreite mit der Schleppkugel ritt los, die künstliche Fährte zu legen. Der Oberst sah auf die Uhr: „Bei der trockenen Witterung steht sie fauststark. Wir können dem Schlepper gut zehn Minuten Vorsprung geben. Er steckte die Uhr wieder ein: „Trompeter anblasen!" Froh klangen die Jagdfanfaren über die Heide. Mit hellem Geläut stürmte die Meute auf die Fährte. Der Oberst hob die Peitsche: „Gute Jagd, meine Herren!" Mit mächtigen Sprüngen fegte sein Fuchs den Hunden nach. Das Feld setzte sich hinter ihm in Bewegung. Holk hatte sich, wie gewöhnlich, einen Platz ganz außen rechts gesucht. So konnte er, ohne ins Gedränge zu geraten, seinen Strich reiten. Regina lag etwa drei oder vier Pferdelängen links von ihm.
Der erste Sprung, ein Flechtzaun, bergan am Hang, kam in Sicht. Holk schielte nach dem „Alarich" Er atmete erleichtert auf. Ohne die Fahrt zu steigern, zog der Wallach das Hindernis an. Seine Reiterin schien seiner ganz Meister. Durch den lichten Hochwald ging es, dem Kamm des Berges zu und über glatten Kleeacker auf ihm entlang. Das Tempo verstärkte sich wesentlich. Holk sah, wie „Alarich" immer mehr gegen die Zugel pullte. Er hielt es für geraten, sich in sein Fahrwasser zu legen. Jetzt kam der erste Dreh nach rechts, den Berghang hinab auf die Sensationssprunge, das hohe Koppelrick und den breiten Wassergraben zu. Die Wagen mit den Zuschauern standen in der Kurve. Ein allgemeines Bravo erscholl, als der Kommandeur als Erster hinübersegelte. „Manch" legte die Ohren an. Der Lärm paßte ihm nicht. Er wollte wegbrechen, aber seine Reiterin richtete ihn
oberungsfeldzug nach dem Baltikum vor. Es wird sicher nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Auch im baltischen Raum werden es sich die jungen baltischen Bewegungen überlegen müssen, ob sie mit einem großen Nachbarland, auf das sie wirtschaftlich und kulturell angewiesen sind, für immer brechen wollen ober ob es nicht doch besser ist, auf der Grundlage einer verwandten Weltanschauung z u einem friedlichen Ausgleich zu ge
langen. Diese Verständigung wird umso eher möglich sein, als nach einem Verschwinden der stark polenfreundlichen bisherigen Parteien und Machthaber die Möglichkeit gegeben ist, auf einer wirklich sachlichen Plattform bei aller Wahrung der nationalen Eigenart auch der baltischen Länder eine -für beide Teile befriedigende Einigung herbeizuführen.
Gprachenkamps aus Malta.
Das nationale Ministerium vom britischen Gouverneur abgeseht.
Malta, 2. Nov. (TU.) Das unter der Leitung von Sir Hugo Mifsud stehende nationale Ministerium Maltas mürbe am Donnerstag vorn englischen Generalgouverneur Sir Daoib Campbell infolge der Meinungsverschiedenheiten über die Sprachenfrage a b g e s e tz t, nachdem das Kabinett erklärt hatte, es könne der im Jahre 1932 eingeführten Bestimmung, wonach in den maltesischen Volksschulen nur Englisch und Maltesisch gelehrt werden soll, nicht nachkommen. Das Kabinett erstrebte in Übereinstimmung mit einem großen Teil der Bevölkerung die Wiedereinführung der zur Zeit nur in den höheren Schulen gelehrten italieni schen Sprache auch in den Volksschulen.
Die Absetzung der Regierung von Malta durch den englischen Gouverneur ist eine Folge der Spannung, die seit Jahren zwischen den englischen Beherrschern der Inselgruppe und den einheimischen Nationalisten besteht. Auf Grund der Verfassung vom Jahre 1920 ist der einheimischen Bevölkerung eine gewisse Autonomie in der Weise zugestanden worden, daß die Angelegenheiten der inneren Verwaltung von Vertrauensleuten der Malteser verwaltet werden, die jedoch von dem englischen Gouverneur jederzeit abgesetzt werden können. Parallel mit dem Aufkommen des Faschismus in Italien ist auch
auf den Inseln das Gefühl der Zugehörigkeit zum lateinischen Kulturkreis erwacht. Die Forderung der Nationalisten, die den Einfluß der italienischen Kultur und der katholischen Religion unverändert erhalten wollen, führte im Jahr 1930 zu einem die Gemüter stark erregenden Kulturkampf und einem Konflikt zwischen England und dem Vatikan, der schließlich durch den Rücktritt des damaligen englischen Gouverneurs Lord Strickland beigelegt wurde. Damals wurde zum Ausgleich der Erfolge der Nationalisten auf kirchlichem Gebiet die i t a l ie n i s ch e Unter« richtssp.rache inben V o lksschulen durch die englische ersetzt. Italienisch durfte erst an den höheren Schulen gelehrt werden. Es ist interessant, daß das englische Kolonialamt auf die strikte Einhaltung gerade dieser Vorschriften den größten Wert legt und insbesondere als einen der Hauptgründe für die Absetzung der Regierung den Umstand angibt, daß Lehrer der Elementarschulen in steigendem Maße zur Ausbildung nach Jtaliengesandt worden seien. So ist der neue Konflikt auf Malta in der Hauptsache der Ausdruck eines Nationalitätenkampfes, der für bas britische Reich eine neue Erscheinung bedeutet, da der traditionelle britische Liberalismus den zahlreichen Nationalitäten des Reiches bisher voll« Freiheit in der ©eftaltung ihrer kulturellen Angelegenheiten gelassen hat.
Die SrtietWrt des
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Heichölustsahrtminister Göring beglückwünscht
Friedrichshafen, 2. Nov. (WTB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat feine große Dreieckfahrt beendet und ist, wie bereits gemeldet, in Friedrichshafen um 7.15 Uhr auf dem Werftgelände glatt gelandet. Das Luftschiff hat, dank seiner bewährten Führung und Mannschaft, während dieser Fahrt wieder harte Proben seiner Leistungsfähigkeit bestanden. Auf großen Teilen seiner Fahrt hatte das Luftschiff mit heftigen Stürmen zu kämpfen. Die diesmalige Großfahrt verlief in sieben Etappen. Die erste Teilstrecke Friedrichshafen—Pernambuco wurde in der Rekordzeit von rund 2V- Tagen ohne Schwierigkeit zurückgelegt. Nach Auswechselung von Post und Passagieren und nach Ergänzung von Wasser und Brennstoffvorräten vollzog sich glatt die Küstenfahrt nach Rio de Janeiro. Ebenso verlief die Rückfahrt von Rio de Janeiro nach Pernambuco ohne Zwischenfälle. Das Luftschiff startete nun nach Miami. Nach kurzem Aufenthalt erfolgte die Weiterfahrt nach Akron. Von hier aus besuchte bas Luftschiff als Repräsentant Deutschlanbs unter bem Jubel ber Bevölkerung bie Weltausstellung in Chi- kago. Bei ber Rückfahrt über ben Norbatlantik nach Sevilla unb Friebrichshafen überquerte bas Luftschiff zum 50. Male ben Aequator. Mit Vottenbung ber Dreieckfahrt hat bas Luftschiff eine Gesamt- strecke von r u n b 28000 Kilometer zurückgelegt. Mit bieser Fahrt ist bie biesjährige Fahr- tenperiobe abgeschlossen.
Der Reichsminister ber Luftfahrt, Ministerpräsi- bent Goring, hat bie Dreieckfahrt unb 50. Ozeanüberquerung bes Luftschiffes „Graf Zeppelin" zum Anlaß genommen, bem Führer Dr. Eckener unb allen Mitgliebern ber Besatzung in besonberer Form
seinen Dank und feine Anerkennung auszusprechen. Er hat an Dr. Eckener folgendes Schreiben gerichtet:
Ich benutze den Anlaß der 50. Ozeanfahrt des „Graf Zeppelin", um Ihnen als dem erprobten Vorkämpfer der Verkehrsluftschiffahrt meine warme Anerkennung für Ihre erfolgreiche Tätigkeit auszusprechen.
Sie haben es sich zur Aufgabe gestellt, das Erbe des alten Grafen Zeppelin als heiliges Vermächtnis zum Wohl des Vaterlandes zu erhalten und allen Widerständen zum Trotz zu immer größerer Höhe zu führen. Ihrer kühnen Entschlossenheit und Ihrem zähen Willen ist es wesentlich zu danken, daß die zahlreichen Fahrten des einzigen Luftschiffes mit einer Gesamtleistung von über 700 000 Kilometer erfolgreich durchgeführt werden konnten. Diese Fahrten haben dazu beigetragen, dem deutschen Namen in aller Welt wieder Klang und Inhalt zu geben und im deutschen Volke den unerschütterlichen Glauben an das eigene Können lebendig zu erhalten.
Ich gebe mich der Erwartung hin, daß die Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. unter Ihrer bewährten Führung im gleichen Sinne weiterwirken unb, bie Zeichen der Zeit verstehend, wie bisher am Aufbau des neuen Deutschland Anteil nehmen wird.
Ich wünsche Ihnen, Ihren Mitarbeitern und dem unter den Farben des alten Reiches sowie dem tolzen Symbol des Hakenkreuzes fahrenden Luft- chiff weiterhin große Erfolge und danke Ihnen be- onders für das, was Sie für Deutschlands Weltgeltung geleistet haben.
Heil Hitler!
gez. Göring.
noch ihm letzten Augenblick grabe. Krach! sagte bie oberste Stange. Die Splitter flogen nur so in ber Gegenb herum. Das gab bem Wallach den Rest. Er nahm den Kopf zwischen die Beine und brauste ab. Ein Schrei rang sich von Reginas Lippen. Holk war schon zur Stelle. Jetzt mußte es sich zeigen, was seine Stute konnte. Ein Zungenschlag, und sie war neben „Alarich", der stur geradeaus auf einen Steinbruch steuerte. Holk drängte seine Stute noch mehr an ihn heran und griff mit der Rechten nach seinem Zaumzeug. Der Braune wurde auf der Stelle kürzer: „Nachgeben, Regina, und stillfitzen!" Er drückte mit der Stute gegen die Vorhand des Wallachs. Es war auch höchste Zeit. Ein Graben kam in bedrohliche Näye. Aber auch die Komtesse hatte sich wiedergefunden. Sie nahm langsam die Zügel auf. Holk ließ den Kopf des Wallachs los, und wie ein Doppelgespann flogen die beiden über den Graben.
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Halali, Halali! Jagd aus! Die Reiter sprangen von den Pferden, lockerten die Gurte. Holk schritt auf Regina zu: „Ich gratuliere, glänzend gewonnen!" Regina senkte den Kopf: „Na, so glänzend war es gerade nicht, wenn Sie nicht gewesen wären." Holk beugte sich über ihre Hand: „Regina, wollen wir es nicht immer so halten? Wollen wir fortan nicht gemeinsam gegen die Hindernisse des Lebens angehen?" — Regina sah ihn kaum an: „Ich glaube, es wird das Beste sein", murmelte sie.
Oie letzten Ewer auf -er Niederelbe.
Wenn du den größten deutschen Hafen, den von Hamburg, aufsuchst, da knattern, fauchen, röcheln, husten in wenigen Minuten oft ungezählte Barkassen und Motorboote an dir vorbei. Aber etwas Seltenes und ganz Anderes ist es schon heute, wenn du mit dem grünen Hafendampfer ben Strom überquerst, um in ben Kuhwärber Hafen zu gelangen, unb wenn ba einer unserer größeren typischen Elbsegler, ein Ewer, mit vollen Segeln lautlos ein ganzes Stück neben bir her gleitet. Der „Schipper" — ber Eigentümer unb gleichzeitig Kapitän — steht am Ruber, „Bestmann" unb „Jung" stehen vorn unb mitschiffs, jebes Winkes vom Alten gewärtig, um bei brohenbem Zusammenstoß bie Fallen unb Schotten ber manchmal 80 bis 100 Quabratmeter großen Segel zu bebienen. Zwar hat nach ber See- unb Wasserstraßenorbnung jeber Dampfer bem Segler aus bem Wege zu gehen, aber bas Durcheinanber bes Welthafens schafft oft in wenigen Sehmben unvorhergesehene Zwischen
fälle. Der Orts- unb Sachkunbige, Heimatliebende und Heimatkenner weiß, daß es nur eine Frage von einigen Jahren noch ist, bis solche und ähnliche Bilder auf Nimmerwiesersehen von der Elbe verschwunden sein werden. Denn: Das Segelschiff stirbt aus! Vergebliche Mühe, es am Leden halten zu wollen, es ist nicht mehr zeitgemäß! Maschine und Motor unterbieten bas letzte Segel. Die Folgen bieser Tragobie für bas Lanb- schaftsdilb, bas Hanbwerk, für Volkskunst, Trachten und Bräuche find einschneidend. Von jenen braven Kleinseglern, die auf den deutschen Strömen und an den Küsten die Kleinarbeit versahen, ist in ber Oefsentlichkeit kaum je viel gesprochen worben. Unb boch war ihre Tätigkeit wichtig. Vollzogen sie doch den Austausch der Güter unter den einzelnen Landschaften und den mit Deutschland Handel treibenden europäischen Küstenländern. Ein volles Jahrtausend und länger wurde das Antlitz der Niederelbe und ihrer Küstengebiete bestimmt von dem aus Holz gebauten niederelbischen Ewer. Von diesem ehemals bedeutendsten, weil zahl- und artenreichsten Vertretern der deutschen Kleinschiffahrt erzählt Christian Hadenfeldt in einem mit vielen farbenfrohen Abbildungen geschmückten Beitrag des Novemberheftes von Delhagen & Klafings Monatsheften.
Lustreise mit Schlangen.
Auf einem Flug von Salmoa nach Wau auf Neu- Guinea hatte der Pilot ein böses Abenteuer zu bestehen. Bald nach dem Start spürte er, daß sich neben ihm etwas bewegte, und als er sich umwandte, erblickte er den Kopf einer großen Schlange. Zum Umkehren war es zu spät, und auch ein« Notlandung war auf dem felsigen Gebiet, das er überflog, unmöglich. Der Flieger ergriff also einen Schraubenschlüssel und versetzte der Schlange einen Hieb auf den Kopf. In diesem Augenblick tauchten an einer anderen Seite drei weitere Schlangen auf. Der Rest des Fluges war ein Alptraum. Dies« Strecke ist schon an sich wegen der zahlreichen Berg- spitzen und Luftlöcher schwer zu bewältigen: aber in dieser Situation zu fliegen, bedeutet eine übermenschliche Anstrengung. Bei ber Ankunft in Wau sank der Flieger völlig erschöpft auf seinem Sitz zusammen. Es stellte sich heraus, daß die Schlangen einer vollkommen harmlosen Art angehörten. Si« hatten wahrscheinlich in der regnerischen Rächt, dis dem Flugtage voranging, in dem Apparat Schutz gesucht, ber zuqedeckt auf dem Landungsfeld stand.


