Ausgabe 
3.8.1933 Frühausgabe
 
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das herzliche und freundschaftliche Verhältnis Deutschlands zu dem faschistischen Italien betont.

Wenn ihr durch Berlin und Potsdam geführt «erdet, dann habt ihr Gelegenheit, Vergleiche a n z u st e l l e n. Völker, die befreundet sind, sollen voneinander lernen, um in enger Gemeinschaft den großen Zielen der Menschheit zu dienen. Mit Recht sind häufig Vergleiche zwischen den alten Rö­mern und den P r e u ß e n gezogen worden. Was war Ihnen gemeinsam? Unbeugsamkeit im Unglück,

Der Empfang im Rathaus. Links: Dberbürgermei|tcr Sahm, im schwarzen Hemd der italienische Bot­schafter Cerutti.

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Zähigkeit, Opferwilligkeit, Manneszucht und letzten Endes ein starkes Gefühl für die menschliche Sen­dung, die Gottesfügung diesen beiden Völkern auf­erlegt hat. Das neue Deutschland grüßt Euch hier im Berliner Rathaus.

Ich hoffe, daß ihr die angenehmsten Erinne­rungen an euren Berliner Aufenthalt in die Heimat mitnehmen werdet. Ich wünsche sehr, daß dieser erste Besuch italienischer Iugend in Berlin nicht der letzte sein wird und ferner, daß auch zwischen Italien und Deutschland ein Schüleraustausch verabredet wird, um die beiden befreundeten Rationen einander immer näherzubringen.

Der Oberbürgermeister schloß seine Ansprache mit dem Ausdruck der gemeinsamen Gefühle und mit dem Ruf:Italien und Deutschland: Heil!", in den die Versammelten begeistert einstimmten.

Nachdem Stadtverordneter Matschuk die Rede des Oberbürgermeisters für die Jung- faschisten ins italienische übersetzt hatte, ertönte das Deutschlandlied und der Faschistenmarsch durch den Saal. Der Führerder Faschisten überreichte dem Oberbürgermeister den Orden der Balilla, wofür Oberbürgermeister Sa hm ihm eine Radierung des Berliner Rathauses übergab.

Botschafter Cerutti brachte ein Hoch auf Deutschland aus, in das die Jungfaschisten kräftig einstimmten. Dann begaben sich die jungen Gäste wieder vor das Rathaus, nahmen dort in langer Reihe Ausstellung und machten schließlich im Kraftwagen eine ausgedehnte Rundfahrt durch die Reichshauptstadt.

Hitlerjugend ehrt die italienischen Gäste. Am Mittwochabend oeranftalteten' 450 Mann der Hitlerjugend unter Leitung ihres Ge bietsführers Jahn zu Ehren der in Berlin jei- lenden Iungfaschisten auf dem Sportplatz Reh­berge ein großangelgtes Sportfest. Mit leb­haftem Interesse verfolgten die jungen Schwarz

Die Wahrheit über Deutschland.

Müller-Scheid spricht auf dem Weltkongreß der Neuapostolischen Kirchen. Mannhaftes Bekenntnis eines südafrikanischen Friedensrichters.

WER. grantfurt a. Ti, 2.August. Stuf dem hier ftattjinhenben Weltkongreß her Jley n ti n n l i f A e n Kirchen des In- und Aus- landes. zu dlm die PrS,identen der Neu-p°st°st. schen Kirchen von Nordamerika, Kanada, Süd­amerika, Afrika, Australien, China, Holland und der Schweiz erschienen sind, benutzte der Leiter der Landesstelle für Propaganda und Dolksaufklarung Pq Müller-Scheid die sich bietende Gelegen­heit um die Auslandsvertreter über die wah r e n Verhältnisse in Deutschland und das Wesen des Nationalsozialismus auf- luflären und die Greuelmärchen zu widerlegen, die von jüdischer und marxistischer Seite im Auslande über Deutschland und die Nationalsozialisten ver­breitet worden sind. Nachdem der Sohn des Haupt­leiters der Neuapostolischen Kirche, B i s cho f s, die Anwesenden mit den Zielen der Neu- apostolischen Kirche und ihrer engen Ver­bundenheit mit dem Nationalsozialismus aufgeklart hatte, führte

pg. Müller-Scheid

u. a. aus: Uns liegt in der Hauptsache daran, die Menschen innerlich davon zu über­zeugen, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Nationalsozialismus ist etwas ganz anderes als die vorübergehende Machtübernahme irgend­einer politischen Gruppe oder Partei.

wir wollen den deutschen Menschen von Grund auf ändern, namentlich seine Gesinnung wol­len wir auf eine ganz andere Basis stellen.

In der Hauptsache seien es zwei Kräfte, die die Menschen und die Welt beeinflussen, nämlich die Kultur und die Zivilisation. In der Der- gangenheit habe man Ueberzioilisation getrieben und die Kultur vernachlässigt, heute aber müsse das Umgekehrte gemacht werden. Wirtschaft und Handel, die beiden Träger der Zivilisation, seien in falsche Bahnen geraten, zum Scha­den des Volkes und Vaterlandes. Die­ser Weg dürfe nicht wieder beschritten werden, denn nicht durch übermäßigen Export sei die Lage Deutschlands zu retten, sondern nur durch Bin­nenkolonisation, denn die Zukunft Deutsch­lands liege in Deutschland s-lbst.

wir wollen keinen Krieg, nicht nur weil wir nicht gerüstet sind, sondern auch aus rein rassepolitischen Gründen, denn In einem neuen Krieg würden wieder die b e st e n Kräfte des Volkes d a h i n g e r a f f t, gerade die Kräfte, die wir ;um Aufbau des Vaterlandes brauchen, und selbst ein er­folgreicher Krieg stände in keinem Verhältnis zu dem unersetzlichen Verlust, der uns dadurch entstehen würde.

Wenn wir in der Frage des Antisemitismus un- duldsam sind und bleiben, so beginnt das Der- ständnis dafür überall in der Welt, wo der Natio- nalsozialismus Wurzeln faßt, zu wachsen. In den moralischen Aufbau unseres Volkes wol­len wir alle ein spannen, die guten Wil­lens sind. Zum Schluß seiner Ausführungen for- berte Müller-Scheid die ausländischen Gäste auf, in ihrer Heimat die Wahrheit über Deutschland zu verbreiten. Damit würden sie der neuen Weltanschauung, dem Nationalso­zialismus, der sich doch bald die ganze Welt erobern werde, den größten Dienst er­weisen.

Oer Hauptleiter der Neuapostolischen Kirchen, Bischoff sen.

teilte dann mit, daß er an sämtliche neuapostolifchen Gemeinden Deutschlands (in Betracht kommen 2000 Gemeinden mit mehreren hunderttausend Mitglie­dern) einen Aufruf zu einer freiwilligen Spende zur Förderung der nationa­len Arbeit erlassen habe. Die Sammlung er­gab den Betrag von 57 533 Mark, welche der Hauptleiter dem Finanzamt Frankfurt-West über­wiesen habe.

Als Vertreter der ausländischen Gäste meldete sich dann

der südafrikanische Friedensrichter Schnar-p ftoff

zu Wort, der u. a. ausführte: Wir haben jetzt in Deutschland ein klares Bild von der wah­ren Lage erhalten. Ich habe jetzt aus eigener Anschauung erfahren dürfen, daß die Greuel­märchen über Deutschland wirklich Mär­chen waren und daß sich die günstigen Nachrichten über Deutschland bestätigen, die uns der Haupt­leiter unserer Kirche übermittelte.

wir haben uns restlos davon überzeugt, daß in Deutschland nie bessere Verhältnisse herrsch- ten wie gegenwärtig, wir freuten uns über die Disziplin der braunen Soldaten und die Opferwilligkeit des Volkes, kurz, wir haben uns davon überzeugt, daß es mit Deutschland aufwärts geht. Jür ein solches Deutsch­land einzutreten, ist uns nicht nur sympathisch, sondern es ist eine moralische Pflicht.

Wir werden also nicht nur draußen für Deutsch­land eintreten, weil es unser Hauptleiter wünscht, sondern weil wir überzeugt lind, daß wir Gu­tes tun, wenn wir di e Joes des größten Deutschen Adolf Hitler unterstützen.

Mit einem begeistert aufgenommenen Sieg-Heil auf den Volkskanzler schloß die Kundgebung.

Hemden von der Tribüne aus die Darbietungen der Hitlerjugend. Zwischendurch ertönien, von der Kapelle gespielt, oaterlanbiiche Lieder. Kräftiges Händeklatschen der jungen Faschisten und der nach Tausenden zählenden Zuschauermenge folgte den Vorführungen. Nach Eintritt der Dunkelheit flamm­ten zahlreiche Scheinwerfer auf Erst spät am Abend fand die Veranstaltung mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes ihr Ende. Darauf ertönte von den Faschisten gesungen und von der Kapelle be­gleitet die Giovinezza Mit zahlreichen Hochrufen auf Hitler und Musfol' ni endete die ein­drucksvolle Veranstaltung, worauf die italienischen Gäste, die außer ihrem silbernen Führerzeichen die Hakenkreuzbinde trugen, mit ihren Offizieren in die Quartiere zurückbefördert wurden.

öte kirchlichen Wahlen

Berlin, 2. August. (WTB.) Der Bevollmäch­tigte des Reichsmintsters des Innern für die Ueber- wachung der unparteiischen Durchfüh rung der Kirchenwahlen erläßt folgende

Bierth Bekanntmachung:

Oer kirchliche Wahlkampf hat für die Gemeinde- glieder in ihrer Gesamtheit mit dem 23. Juli d. 3. seinen Abschluß gefunden. Auf Grund der vorliegen­den Wahlergebnisse wird sich die Bildung der höheren kirchlichen v e r t r e t u n g s k ö r per reibungslos vollziehen. 3ch gebe der Erwar­tung Ausdruck, daß nunmehr der Wille zu friedlicher kirchlicher Zusammenar­beit überall Platz greift. Die im ordnungsmäßigen Verfahren Gewählten stehen hierbei unter dem Schuh der Reichsregierung.

Staatssekretär P f u n d t n e r.

Einheitslisten.

Berlin, 2. Aug. (WTB.) Die unterzeich­neten Bevollmächtigten der Wahlvorschläge Deutsche C h r i st e n" undEvangelium und Kirche" sind aus dem Bestreben zu sach­licher Arbeit am Reubau der Kirche überein- gekommen, für die bevorstehenden Provin -

zialsynodalwahlen Einheitslisten einzureichen. Sonderlisten verwirr en die Lage. Die Verantwortung gegen Kirche und Volk verbietet solche unnötigen Sondermah- nahmen.

Deutsche Christen", gez. Hossenfelder, Eckert.

Evangelium und Kirche", gez. Schultz, 2 a k ob i.

Aus aller Well.

Adolf Hiller beglückt ein krankes Kind.

Ein zehnjähriges Mädchen in dem Dorf Sirrin bei Altona, das nach einer überstandenen Kinder­lähmung kränklich geblieben ist und trotz seiner Jugend 180 Pfund wiegt, hatte an den Reichskanz­ler geschrieben und ihm sein Leid geklagt, es könne an den nationalen Feiern nicht teilnehmen und auch nicht die Uebertraaungen am Radio hören, da es keinen Apparat besitze. Groß war nun die Freude des Kindes, als an seinem 10. Geburtstag ein großer neuer Radioapparat vom Volks­kanzler Hitler eintraf, der kostenlos aufgebaut wurde. Außerdem ist angeordnet worden, daß das Kind die Radiogebühren nicht zu zahlen braucht.

Zur (Erinnerung an den KreuzerLmden"

Die Pottzeipresfestelle Recklinghausen teilt, wie dieWandelhalle" berichtet, mit: Um die Erinne­rung an die ruhmreichen Kriegstaten des kleinen KreuzersEmden" xu festigen, haben bereits in den Vorjahren zahlreiche Mitglieder der Besatzung dieses Kreuzers von der zuständigen Behörde ihres Heimatlandes die Genehmigung zur Führung des NamensEmden" als Zusatz zu ihrem Familiennamen erhalten. Als Endtermin für die Verleihung war in Preußen zunächst der 1. August 1931 festgesetzt. Seitdem gehen aber noch fortgesetzt Anträge auf Genehmigung dieses Zusatznamens ein. Der preußische Minister des Inneren hat sich daher entschlossen, allen begründeten Anträgen die- ser Art, die bis zum 31. Dezember 1933 gestellt werden, stattzugeben, um auch noch denjenigen An­gehörigen derEmden"-BesatzunA, die sich aus be­sonderen Gründen früher zur Stellung eines ent­sprechenden Antrages nicht entschließen konnten, 3um letzten Male die Möglichkeit zu geben, den Zu- fatznamenEmden" zu erlangen.

Mißglückter Raubüberfall auf eine Sparkasse.

Auf die Stadtsparkasse in Elsterwerda (Provinz Sachsen) wurde ein plumper Raubüberfall versucht. Der Täter fuhr mit einem Milchauto vor, drang in den Kassenraum ein, den gerade her letzte Kunde verlassen hatte, und verlangte unter Vor­haltung einer Schußwaffe von den Beamten die Herausgabe von Geld. Dem Kassierer gelang es, die offenstehende Kasse zuzuwerfen. Ein Angestellter konnte den Telephonapparat erreichen und das im Ort befindliche Arbeitslager alarmieren. Bevor der Räuber den Wagen wieder in Gang gebracht hatte, wurde er verhaftet. Es handett sich um einen 22 Jahre alten Tischler, der schon wegen schweren Einbruchdiebstahls vorbestraft ist. Die Waffe des Verhafteten entpuppte sich als eine Scheintodpistole.

Höhenrekord einer französischen Fliegerin.

Die französische Fliegerin Helene Boucher hat einen neuen Höhenrekord aufgestellt. Sie hat mit einem kleinen Eindecker von 95 PS. in der zweiten Kategorie (weniger als 450 Kg.) den weib­lichen Welthöhenrekord, den feit 1931 die amerika­nische Fliegerin May Maizlip mit 5516 Meter hielt, auf 6100 Meter erhöht.

28 Todesopfer der Hitze in Reuyork.

Die Hitze halt in Reuyork weiter an, ohne Aussicht auf Abkühlung. Bisher wurden 2 8 $ o - desopfer der Hitze gemeldet. Die Zahl der Hitzschläge ist sehr groß. Die Krankenhäuser sind mit Hitzekranken überfüllt.

Riesige Aeberschwemmungen auf Trinidad.

Wie aus Port of Spain (Trinidad) gemeldet wird, sind infolge heftiger Regengüsse drei Flüsse über die Tlefer getreten und haben weite Land­strecken überschwemmt. 2n der Stadt wurde riesiger Sachschaden angerichtet. Das Wasser steht im Innern der Stadt schulterhoch. Die Bevöl­kerung ist von Panik ergriffen, da eine wei­tere Ausdehnung der Lleberschwemmungen be­fürchtet wird.

Verantwortlich für Politik: i D.: Ernst Blurnschein.

Oer Mllaqsschlas.

Eine Geschichte aus meiner Kindheit.

Von Selma Lagerlöf

Leutnant Lagerlöf war der festen Ueberzeu- flung, daß Kinder vor allem anderen lernen müh­ten, einen guten Mittagsschlas zu halten, wenn ihnen ihr ganzes Leben lang Gesundheit und Kräfte erhalten bleiben und sie zu nützlichen, tüch­tigen Menschen heranwachsen sollten.

Dies wurde den Kindern fest eingeprägt, und zu diesem Zweck nahm der Leutnant jeden Tag, gleich nachdem gegessen war, die beiden Jüngsten mit auf seinKontor", das sich in einem kleinen Flügel rechts vom Hofplahe befand.

Dieses Kontor war ein recht geräumiges Zim­mer, und es sah darin gewiß noch genau so aus, wie zur Zeit der alten Pastoren, als es diesen noch als Amtsstube diente.

In der Querwand, der Tür gerade gegenüber, war ein Fenster, und unter diesem stand ein gro­ßes, lederbezogenes Sofa mit einem ovalen Tisch davor. Die nördliche Wand entlang stand zuerst ein Bett, dann ein mit schwarzem Leder bezogener Lehnstuhl, dann kam der große schwarze Schreibtisch und ein hoher Schrank mit vielen Schiebkasten, Chiffoniere genannt. An der süd- lichen langen Wand befand sich ebenfalls ein Bett und ein mit schwarzem Leder bezogener Stuhl' Dann kam der Ofen, und neben diesem hingen drei Jagdflinten, zwei Jagdtaschen aus Seehund­leder, eine große Reiterpistole und zwei Pulver- Hörner. Ein Florett kreuzte einen abgebrochenen Säbel, und mitten in dem Waffenkranz Granate ein großes Eichhorn.

Anber östlichen Querwand befand sich die Eingangstür mit einem wandfesten Kleiderschrank auf der einen Seite und einem Bücherspind aus der anderen. Unten in dem Kleiderschrank stand des Leutnants schöner Geldschrein mit Kunst- schloß und dichten Beschlägen, dieselbe Geld­kassette, die der Regimentsschreiber einstens be­nützt hatte, und die an der einen Ecke etwas verkohlt war, weil sie einmal nahe daran gewesen war, verbrannt zu werden.

3n dem Bücherschrank verwahrte Leutnant Lagerlöf seine großen Rechnungsbücher, und außerdem fanden sich da sämtliche Schulbücher zweier Generationen. Viele Jahrgänge des Europäischen Feuilletons" standen da in enger

Gemeinschaft mit Homer, Cicero und Livius zu- sammen Die Biographie Peters des Großen und | Friedrichs 11 waren hierher verwiesen worden, weil sie in einfachen grauen Pappdeckel gebunden waren, und desgleichen auch Wilhelm von Brauns Werke, diese aber nicht um ihres Einbandes wil­len, sondern aus andern Gründen Aus dem Bo­den des Schranks lagen Feldmcßgeräte, die von der Zeit her stammten, wo Leutnant Lagerlös bei der Flurbereinigung tätig war, und außerdem waren da auch noch Kästen mit Angelgeräten, Grundleinen und vieles andere.

Wenn nun der Leutnant und seine beiden Töch­terchen das Zimmer betreten hatten, so war das erste, was sie taten, die Fliegen hinauszujagen. Fenster und Türen wurden sperrangelweit auf- gemacht, und Leutnant Lagerlöf nahm ein Hand­tuch, mit dem er di? Fliegen jagte, die beiden Kleinen aber nahmen ihre Schürzen ab und schwangen sie eifrig hin und her. Sie wedelten und jagten, sie kletterten auf Tische und Stühle. Die Fliegen flogen umher und surrten und woll­ten nicht hinaus, schließlich mußten sie doch nach- geben.

Wenn alle Fliegen verschwunden waren, hängte Leutnant Lagerlöf das Handtuch wieder an die Wand, die Kinder banden die Schürzen wieder um, und Fenster und Türen wurden geschlossen. Aber eine Fliege war trotzdem noch da, diedie alte Kontorfliege" genannt wurde. Sie war diese tägliche Jagd gewohnt und verstand es, sich zu verstecken, während die Jagd vor sich ging. Aber sobald es wieder still und ruhig geworden war, kam sie hervor und setzte sich an die Zimmerdecke.

Es wurde indes keine Jagd mehr auf sie gemacht, denn diese Fliege war ihnen zu schlau, diese Fliege konnten sie nicht loswerden, das wußten der Leutnant und die Kinder recht wohl. Deshalb gingen sie nun an das nächste, was vor dem Mittagsschlas besorgt werden muhte.

Auf das Ledersofa wurden zwei lederbezogene Kissen und ein Federkissen als Kopfunterlage für Leutnant Lagerlöf gelegt; auf diese streckte er sich aus, schloß die Augen und tat, als ob er schliefe.

Aber dann kamen die kleinen Mädchen auf ihn zugestürzt und warfen sich über ihn mit lautem Geschrei. Wie kleine Bälle wurden sie toeit ins Zimmer hinein zurückgeworfen, kamen aber sofort ^wieder heran, wie eigensinnige junge Hündlein. Sie zerrten den Leutnant am Bart, zupften ihn am Haar, kletterten auf das Sofa

und trieben allen möglichen Llnfug. Wenn dann alle drei sich recht satt vergnügt hatten, klatschte Leninas-Lagerlöf in die Hände und sagte:Jetzt ist's genug".

Aber baä hals fein bißchen, die Kinder mach­ten lustig weiter. Sie krochen auf das Sofa, wurden wie Bälle auf den Boden geworfen,' kamen abermals herbei und schrien und lärmten.

Wenn es noch eine Weile so weitergegangen war, klatschte Leutnant Lagerlöf zweimal in die Hände und sagte:Jetzt ist's aber wirklich ge­nug.

Doch auch das half nicht das geringste, die Kinder kamen unter Schreien und Lachen herbei- gestürzt, wurden weit zurückgeschleudert, ließen sich aber nicht abwehren.

Doch jetzt dauerte es nicht mehr lange, bis Leutnant Lagerlöf dreimal in die Hände klatschte und sagte, jetzt sei es zu Ende, wirklich zu Ende.

Lind nun krochen die beiden Kinder sofort in ihr Bett. Sie zogen chr Kopfkissen hervor, legten es unter den Kopf und streckten sich aus, um zu schlafen

Doch siehe, nach einer kleinen Weile fing Leut­nant Lagerlöf an zu schnarchen. Er schnarchte nicht gerade besonders hart, aber doch immer genügend laut, daß die beiden Kinder, die sich daran gewöhnen sollten, nach Tisch zu schlafen, wach gehalten wurden.

Sie durften nicht aufstehen, dursten sich nicht bewegen oder miteinander plaudern, sondern muhten ganz still auf einem Fleck liegen bleiben.

Sie betrachteten die Flickenteppiche auf dem Fußboden und erkannten an den Flicken Frau Lagerlöfs und Mamsell Lovisas alte Kleider wieder, die in Streifen geschnitten zu Läufern gewebt worden waren. Sie richteten ihre Blicke auf General Malmbergs Porträt, das zwischen zwei Schlachtenbildern an der Wand hing sie besahen sich das Tintenfaß und die Schreib­feder, das Eichhorn und die Jagdtaschen, das Florett und die weitberühmte Flinte, die Hasen- töter genannt wurde. Auch verfolgten sie die Verzierungen an der Decke und zählten die Sterne auf der Tapete, die Ragelköpfe im Fuß­boden und die Vierecke der Vorhänge. Wahrlich die Zeit wurde den Kleinen sehr lang!

Draußen vor dem Fenster hörten sie die lusti- gen Stimmen der größeren Kinder, die keinen Mittagschlas mehr zu halten brauchten. Ach da ^auhen aßen die andern jetzt Kirschen 'und Stachelbeeren sie waren frei und glücklich!

Die einzige Hoffnung der Kleinen beruhte auf der Kontorfliege. Denn diese summte und summte um Leutnant Lagerlöfs Gesicht herum und machte sich so lästig bemerkbar, wie nur möglich. Unö wenn sie nur aushielt, dann mußte es chr schließ­lich doch gelingen, den schlafenden Vater aufzu- wecken.

Zeitschriften.

Das August-Heft derKunst", Deutsche Monatsschrift für Kunst und Wohnkultur, Preis 2,50 Mark, Verlag F. Bruckmann AG., München, wird durch eine gründliche Würdigung des großen Bildhauers Veit Stoß (zum 400. Todestage) von Hubert Wilm sehr würdig eingeleitet , dazu wunder­volle Aufnahmen der bedeutendsten Werke des Mei- sters ,n Nürnberg, Bamberg und Krakau. Aus dem reichen Inhalt des vornehm ausgestatteten, vorzüg- !)lr cr-^t)rUKC!tenv $ßf*es erwähnen wir ferner zwei Aufsätze die dem Schaffen von Alfred Kubin ge- widmet sind; die beigegebenen Reproduktionen ver- mitteln em Bild vom Schaffen dieses merkwürdigen Zeichners, als dessen Ahnherren Hieronymus Bwch, der Hollen-Breughel und Goya bezeichnet werden.

* un®, ®enig bekanntes Gebiet behandelt ein ^bilderter AufsatzModerne Malerei in Kanada". Ganz herrkiche Aufnahmen schmücken die sehr lesens­werte BetrachtungEin Griff in deinen Garten" oon Lugenie von Tarnens. Für die Liebhaber gedie­gener neuzeitlicher Architektur und Wohnkultur o>e- tet das Heft in Bild und Text vielfältige Anregung.

Hochfchulnacbrichten.

Zur Besetzung des Lehrstuhls für Strafrecht und ."^.Prozeßrecht an der Universität Leipzig ist em Ruf an Professor Dr. Nagler in Breslau ergangen.

Dem Bonner Ordinarius Professor Dr. Friedrich Pretrusky wurde der Lehrstuhl für gerichtliche JJlebi3tn an der Universität Leipzig angeboten.

Professor Dr. Otto Koellreuter in Jena, öcr, mie bereits gemeldet, erst kürzlich einen Ruf nach Heidelberg erhielt, hat inzwischen eine weitere Berufung auf das Ordinariat für öffentliches Recht an der Universität München erhalten.

Der ao. Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule München Dr. Artur Cohen ist mit sofortiger Wirkung aus dem bayerischen Staatsdienst entlassen worden.