Ausgabe 
3.8.1933 Erstes Blatt
 
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36 bis 41 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 31 bis 35, geringere Saugkälber 26 bis 30, geringe Saugkälber 20 bis 25 Mark: Schafe: beste Schafe 26 bis 28, mittlere Schafe 21 bis 25; Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 42 bis 45, von 200 bis 240 Pfund 43 bis 45, von 160 bis 200 Pfund 41 bis 44 Mark. Marktverlauf: Kälber mittelmäßig, Schafe und Schweine rege; alles ausverkauft.

Oie Bedeutung der Heimat- und Trachtenvereine.

Mainz, 2. 2Iug. (WSN.) Bei der Jubi­läumsfeier des G e b i r g s t r a ch t e n v e r - eins hielt der Darmstädter Oberbürgermeister und Landtagspräsident Dr. Müller die Festrede. Es bedeute jedesmül eine besondere Freude, so er­klärte er, urwüchsiges Bolkstum, so wie es in den Heimatvereinen zum Ausdruck komme, zu sehen. Heute sei es aber ganz besonders eindrucksvoll, er­leben zu dürfen, wie die Heimat- u n d T rach - tenvereine wieder in fester Verbindung mit dem deutschen Volkstume stehen und die Vereinzelung und Isolierung, in die sie zu ge­raten drohten, nun als überwunden gelten kann, wo das ganze Volk in besonders eindringlicher Weise seine Zusammengehörigkeit erleben dürfe. Wenn aber dieser neue Geist nicht gekommen wäre, so würde alle Treue, aller Fleiß und Zähigkeit nichts genutzt haben, und.das deutsche Volk hätte

ein für alle Mal seine Macht verloren gehabt. In wenigen Jahren hätte man diese Trachten nur noch gegen Entgelt und als Zirkusattraktionen sehen können. Heute aber werde wieder geschätzt, was in der Vergangenheit groß und schön gewesen ist, und aus Achtung und Ehrfurcht tragen wir Sorge, es zu erhalten. Wenn auch die Bayernvereine sich mit Recht von der Politik, wie sie im alten Staate als Parteien- und Interessenpolitik getrieben wurde, ferngehalten haben, so wachsen ihnen aus der heutigen Staatsauffassung wichtige Aufgaben zu. Dazu zählen vor allem die Sicherung der deutschen Zukunft, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und die Erhaltung unseres deutschen Volkstums in all seinem Reichtum.

Ein ungetreuer Marktmeister.

WSÄ. Darmstadt, 2.2lug. Einigen Ge­müsehändlern des Darmstädter Wochenmarktes war es seit längerer Zeit aufgefallen, daß der 41jährige städtische Marktmeister Fritz Bött­cher Standgeldscheine in zweierlei Form verausgabte, wovon sie die Stadtver­waltung in Kenntnis setzten. Die Kriminalpolizei stellte fest, daß Böttcher schon seit zwei bis drei Jahren falsche Marktscheine anfertigte und an die Marktleute verkaufte. Wenn auch der einzelne Schein nur einen geringen Betrag dar­stellte, so häufte sich die Summe in der langen Zeitspanne der Beruntreuungen zu einer beträcht­lichen Höhe an. Die anfängliche Annahme, daß

ein größerer PersonenkreiS in die Sache ver­wickelt sei, erwies sich erfreulicherweise als halt­los. Böttcher, der leider das volle Vertrauen seiner Behörde genoß, hat das veruntreute Geld für sich verbraucht. Er wurde sofort festgenommen und in Anteriuchungshaft ins Landgerichtsge­fängnis eingeliefert. Als seine Frau von der strafbaren Handlunqsweise ihres Mannes erfuhr, nahm sie sich die Saech derart zu Herzen, daß sie sich noch in der Nacht die Pulsadern öffnete und vom Balkon ihrer im dritten Stock gelegenen Wohnung sich in. den Hof hinabstürzte, wo sie tot liegen blieb.

Anklageerhebung gegen die Mörder Hanv Handwerks.

F r a n k f u r t a. M., 2. Aug. (WSN.) Die Staats­anwaltschaft hat nunmehr Anklage im Fall Hand­werk gegen drei Personen erhoben. Es wird der 19- jährige Kochlehrling Josef Reitinger des M o r- d e s an Hans Handwerk und Mordversu­ch e s an drei Zeugen, darunter dem Bruder des Hans Handwerk, sowie des schweren Land­friedensbruchs beschuldigt. Der 23jährige kaufmännische Angestellte Erich Götte ist der Begünstigung Reitingers und der 28jährige Fuhr­mann Ernst Kni edel des schweren Landfriedens­bruchs angeklagt worden. Die Angeklagten waren Kommunisten und Reitinger und Götte gehörten dem Roten Frontkämpferbund an. Die Anklage erstreckt sich zunächst auf Vorgänge, die sich am Abend des

24. Juni 1932 BreitegasseZeN obspielten. Ein Trupp Nationalsozialisten kam aus einer Versamm­lung der NSDAP, in Gräffs Garten und wurde von Kommunisten verfolgt. Reitinger ist geständig mehrere Schüsse abgegeben zu haben, durch, die einem SA.-Mann die rechte Hüfte durchschossen und ein Kommunist, der die Kleidung ähnlich der SA. trug, am Oberarm und am Brustkorb verletzt wurde. Der Fall Handwerk trug sich am 4. Juli o. I. in der Langestraße zu. Die drei Gebrüder Handwerk kamen von einem Demonstrationszug in Bockenheim und wollten nach ihrer Wohnung im Städelshof, Es kam ihnen in der Langestraße eine von der Polizei abgedrängte Menschenmenge entgegen. Beim Ein­biegen in den Städelshof sah Willi Handwerk, daß ein alter Mann sich am Koppel zu schaffen machte und Handwerk drehte sich um, da er einen Angriff vermutete. Inzwischen hatte Kniedel einen SA.- Mann angefallen und als der Ueberfallene Kniedel an die Wand des Eingangs zum Städelhof drückte, fielen fünf Schüsse. Friedrich Handwerk wurde in den Oberschenkel, Hans Handwerk in den Kopf getroffen. Hans Handwerk verstarb als­bald im Heiliggeisthospital. Reitinger flüchtete nach seiner Wohnung am Börsenplatz, wo er die Waffe versteckte. Reitinger hatte wiederholt Geständnis ab­gelegt. Zuletzt hat er die gemachten Angaben wider­rufen und behauptet, daß ein inzwischen verstorbe­ner Kommunist der Schütze gewesen sei. Die Ver­handlung gegen die Angeklagten wird in der kom­menden Schwurgerichtstagung stattfinden.

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen Frau Elisabethe Hofmann, geb. Schmidt sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Weisel sagen wir herzlichen Dank.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Heuchelheim, den 3. August 1933.

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