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3.7.1933 Frühausgabe
 
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Großer nationalsozialistischer Wahlsieg im saarländischen Warndt

Lud weiter (Warndt). 2. 3uli. (WTB.) Bei den heutigen Gemeinderatswahlen, die deshalb statt, finden muhten, weil der oberste Gerichtshof des Saargebiets die vorhergegangenen auf Antrag der Autonomistenpartei für ungültig erklärt hatte, hat die mit einem riesigen, aus französischen Geldern bezahlten Aufwand propagierte Autonom! st en- l i st e nur einen ganz unwesentlichen Bruchteil der Gesamtstimmen erhalten. Die Nationalsozialisten haben einen st a r k e n Stimmenzuwachs erfahren: NSDAP. 786 Stimmen. 8 Sitze (bisher 50 Stimmen, keinen Sih); Kommunisten 841 Stimmen. 9 Sitze (bisher 887 Stimmen. 11 Sitze); Kommunistische O p - Position 270 Stimmen. 2 Sitze (bisher 401 Stim­men. 6 Sitze); Bürgerliche Vereinigung (volksparlei. wirtschaflspartei und Zentrum) 360 Stimmen, 3 Sitze (bisher 568 Stimmen. 6 Sitze); Unabhängige Bürgerpartei (Autonomi­sten) 131 Stimmen. 1 Sih (bisher keine Liste); So­zialdemokraten kein Sih (bisher 1 Sih).

3n drei Orten in Warndt fanden heule Lrsah- gemeinderatswahlen statt. L u d w e i l e r ist davon der einzige Ork. in der eine Autono- misienliske zustande gekommen war. von den beiden anderen Orten ist nur interessant, dah d i e N S D A P., die bei den vorigen Gemeinderats-

wählen dort überhaupt keine.» Sih hatte, einen grohen Erfolg errungen hat. 3n Karlsbrunn errangen sie 111 Stimmen und fünf Sitze von insgesamt zehn und in 7t a tz - weiter mit 124 Stimmen vier von 12 Sitzen.

Die Wahlen haben auch zu einer vernichtenden Niederlage der Sozialdemokraten geführt. Trotzdem gerade diese im Saargebiet neuerdings ihren Presseapparat in weitestgehendem Maße aus­gebaut hatten, ist es ihnen nicht gelungen, auch nur einen Sih zu erlangen, wenn die Kommuni st en noch ihre Position leidlich be­haupten konnten, so ist zu beachlen, daß gerade auch sie im Saargebiet die SPD. mit dem Vorwurf zu bekämpfen pflegen, mit den heimatfremden und sepa­ratistischen Tendenzen zu sympathisieren und sich nicht, wie sie selbst, rückhaltlos zur Rück- gliederung an Deutschland zu bekennen. Die Erfolge der Nationalsozialisten, die bisher in diesen Gemeinden überhaupt nicht ver­treten waren, sind um so bemerkenswerter, als ihnen selb st jede Propaganda im Saar­gebiet nach Möglichkeit unterbunden wird, während die Bemühungen der Gegner, das nationalsozialistische Regime selbst durch Verleum­dungen an der Saar in Mißkredit zu bringen, keiner­lei Einschränkungen unterworfen sind.

Es geht aufwärts!

Stimmen aus der Wirtschaft zum Arbeitsbeschaffungsprogramm.

Berlin, 1. Juli. (WTB.) Der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Stettin Balder- m a n n äußert sich in seiner Eigenschaft als Mit­glied der Zementindustrie zum Arbeitsbe­schaffungsprogramm etwa folgendermaßen:

Die Zementindustrie begrüßt besonders das Ar­beitsbeschaffungsprogramm der Regierung. Wäh­rend im vorigen Jahre die Kapazität der Werke nur mit 8 bis 25 v. H. ausgenutzt werden konnte, wird sie in diesem Jahre durch das Arbeitsbeschaf­fungsprogramm erheblich mehr ausge­schöpft. Die Zuschüsse, welche dem Hausbesitzer bei Jnstandsetzungs- und Ergänzungs­arbeiten usw. gewährt werden, haben sich bis­her als eine der besten Ankurbelungs- maßnahmen erwiesen und werden auch in diesem Jahre in erweitertem Ausmaß im neuen Wirtschaftsbeschaffungsplan vorgesehen, die für die gesamte B a uwirtschaft eine we­sentliche Hilfe bedeuten. Ganz besonders be­grüßt die Zementindustrie die Verkündung des großzügigen Straßenbauprogramms des Reiches, da sie hofft, daß nun wesentlich mehr Ze­ment zum Straßenbau verwendet werden wird, als es bisher der Fall war. Die wenigen bisher in Deutschland gebauten Betonstraßen haben sich ganz hervorragend bewährt.

Der 'Vorsitzende des Verbandes Wärt- tembergischer Industrieller äußert sich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des württembergischen Gerbervereins zum Ar­beitsbeschaffungsplan folgendermaßen:

Die Maßnahmen der Regierung haben auf die Lederindustrie stark belebend gewirkt, Stagnation und Vertrauenskrise sind überwunden. Die Lie­ferungen an Autoleder haben um 50 Prozent und mehr zugenommen. Der Index für Häute und Leder war vor einem Iahr 54, heute ist er zwischen 65 und 70 (1913 = 100). Die Schuh­fabriken find gut beschäftigt. Die Be­seitigung der Auto st euer hat der Auto­mobilindustrie einen seit Iahren nicht gekannten Aufschwung gebracht. Die Lieferungsbetriebe für die Automobilfabriken sind stark beschäftigt, zu

Beethovens Rennte.

Zum bevorstehenden Bolkökonzeri des Lrchester-Bereins Gietzen.

Verkörpert Joh. Seb. B a ch in seinem Gesamt­wert gläubigste Religiosität, so strebt Beetho­ven in seinem Schaffen höchstem sütlichen Wollen zu. Aus der Zeit der ersten Skizzen zur Neunten Symphonie läßt eine Aufzeichnung einen Ein­blick in das Innere des Meisters zu:Dich zu ret­ten, ist kein anderes Mittel als von hier: nur da­durch kannst du wieder so zu den Höhen deiner Kunst entschweben, wo du hier in Gemeinheit ver­sinkst. Nur eine Symphonie und dann fort, fort, fort! Derweilen die Gehalte ausgenommen, welches selbst auf Jahre geschehen kann." Die im Rinnen um den höchsten menschlichen Wert gestählten sitt­lichen Kräfte geben ihm höchstes Selbstvertrauen, das Bewußtsein des inneren Vermögens, das ihn sich den höchsten Anforderungen gegenüber gewach­sen fühlen und ihn innerlich mit den Großen seiner Zeit gleichberechtigt erscheinen läßt. Nur aus sol­chem heldischen Kraftbewußtsein ist es verständlich, daß er über den Sieger von Jena und Auerstedt urteilt:Ich hätte ihn doch besiegt!" Dieses Hin- auswachsen über die Enge des Ich, das titanenhafte Hinausstreben über das Persönliche zur universellen Geltung für die Menschheit, das wurde der Leit­gedanken für seine letzte Symphonie, in der er an den Grenzen der Ausdrucksfähigkeit der Instru­mentalmusik rüttelt, um höchstem, geistigem Wol­len restlose, nachhaltigste Kündung zu verleihen.

Denn die Sonderstellung dieses letzten sympho­nischen Werkes, die man ihm oft, vornehmlich nur feiner Form nach, zuweist, ist einzig durch ihren geistigen Gehalt bedingt. Das gesamte Erleben des Schicksals an sich und in seiner Umwelt erhält hier durch Beethoven seine Zusammenfassung, gesehen von der hohen Warte des Ueberwinders, erfüllt mit den im Schicksatskampfe gewonnenen Lebens- ertenntniffen.

Dieser hohen Idee konnte die bisherige Form der Symphonie nicht -mehr völlig genügen, denn solch ein Werk strebte über das Durchleben klang- kicher Realität hinaus zu einem Wachwerden letzter geistiger Hintergründe. So mußte Beethoven einen neuen Stil prägen, der das klang-sinnliche Moment zurückdrängte und zum Träger eines geistig-mu i- kalischen Denkprozesses wurde. Das Erfassen des in Beethovens Tonsymbolik festgehaltenen geistigen Hintergrundes schien seinen Zeitgenossen besondere Schwierigkeiten zu bereiten. So schreibt dieAllge-

ihnen gehören auch Lederfabriken, die Auto- polsterleder in höchster Qualität Herstellen. Die Möglichkeit. Ersatzbeschaffungen in Maschinen, Geräten usw. vom Gewinn und dadurch von der Einkommensteuer auf einmal abzuziehen, hat die Lederindustrie mit Freuden aufgegriffen, sie er­neuert ihren Maschinenpark und stellt neue Leute ein.

Es wird sich die alte Erfahrung bestätigen: Man muß Mut haben, Steuern zu erleich­tern ober abzubauen, um sie wieder stärker zum Fließen zu bringen und dadurch die Wirt­schaft zu beleben. Sa greifen die Maßnahmen der Regierung stark in das Wesen und Schaffen der Lederindustrie und ihrer Arbeiter und Angestellten ein, und über die Lederindustrie hinaus helfen sie der Landwirtschaft als Pradu.zentin des Rohmaterials unserer Industrie. Häute und Felle sind im Preise um 40 bis 80 Prozent gestiegen, tierischer Talg und Stearin, die sehr stark zur Herstellung von Leder verwendet werden, sind in höherem Matze gefragt. Die F o r ft« wirtschaft liefert die Eichen- und Fichtenrinde, Holz zu Gerbgruben, zu Rindenschuppen, zu Um­bauten. Auch für die Maschinenindustrie wirkt sich die Belebung in der Lederindustrie gün­stig aus. Dies alles scheint mir der natürliche, organische Weg zur Gesundung der Wirtschaft zu fein. Also nochmals: Den Weg freizumachen für eine stetige, organische, nicht über- stürzte Entwicklung, die keine Augenblickserfolge erzwingen will, sondern Dauer gewährt und Ver­trauen schafft.

Die neue Transservereinbarung.

Berlin 1. Juli. (CNB. Funkspruch.) Reichsbank- präsident Dr. Schacht erklärte Vertretern der Presse, daß die neuen Transfervereinba- r u n g e n vor allem auf die Lage des deutschen Exportes eingestellt seien. Die Reichsbank habe die äußersten Anstrengungen gemacht, den Interessen der Auslandgläubiger gerecht zu werden und ihnen nichts vorzuenthalten, was ihnen nach den Ver­

meine Musikzeitung" (1826):Es ist, als ob die Musik auf dem Kopfe gehen sollte und nicht auf den Füßen." Ludwig Spohr findet den vierten Satz somonströs und geschmacklos", daß er nicht begreifen kann,wie ihn ein Genius wie der Beet- hovensche .niederschreiben' konnte." Selbst die Be­geisterung bei der Wiener Uraufführung (7. Mai 1824) war nicht von langer Dauer, denn bei der Wiederholung des Konzertes glaubte man, das Pro­gramm durch eine Rofsini-Arie würzen zu müssen. Wenn auch die hehre Größe der Neunten Felix Mendelssohn-Bartholdy verschlossen blieb, so sollte diesem Werk in Richard Wagner der stärkste Vorkämpfer erstehen.

Schon während seiner Leipziger Studienzeit hatte er sich der letzten Symphonie Beethovens mit fast fanatischer Liebe zugewandt; zur völligen Offen­barung wurde sie ihm aber erst gelegentlich seines Pariser Aufenthaltes durch die Aufführung unter Habeneck.Dies geschah durch meine Anhörung der Neunten Symphonie Beethovens, welche ich nun von diesem berühmten Orchester mit dem Er­folge eines beispiellos andauernden Studiums in so vollendeter und ergreifender Weise vorgetragen hörte, daß, wie mit einem Schlage, das in meiner Iugendschwärrnerei von mir geahnte Bild von die­sem wunderbaren Werke, nachdem es mir durch die Hinrichtung desselben durch das Leipziger Or­chester unter des biederen Polenz' Leitung gänzlich verwischt worden war, nun sonnenhell, wie mit Händen greifbar, vor mir stand. Wo ich früher nichts als mystische Konstellationen und klanglose Zaubergestalten vor mir gesehen hatte, strömte jetzt wie aus zahllosen Duellen der Strom einer nie versiegenden, das Herz mit namenloser Gewalt -dahinreißenden Melodie entgegen. Eine Aussüh- rung dieser Symphonie, die Richard Wagner am Palmsonntag 1846 in Dresden leitete, wurde zum Ausgangspunkt für den Siegeslauf des Wer­kes. Jedes bedeutende musikalische Ereignis krönte er mit einer Aufführung der Neunten, so auch die Grundsteinlegung des Bayreuther Festspielhauses.

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Gleichsam wie bei einer Geisterbeschwörung zuckt -das Thema aus dem brodelnden Chaos der leeren Quinten, wie züngelnde Flammen, unheimlich auf, bis es sich mit Unerbittlichkeit im Unisono des vol­len Orchesters verdichtet. Ein zweiter Ansatz zur Entwicklung läßt das Thema in freundlicherem B=Dur erscheinen, wendet sich aber wieder dem strengen ll-Moll zu. Das hoffnungoerheißende Sei­tenthema steht unter der bannenden Wucht des Hauptgedankens. Die Durchführung wird zu einem Ringen mit dem Schicksal, das im Gewoge des

trägen zustehe. Es fei zu bedauern, daß die Welt­wirtschaftskonferenz in diesem Problem noch nichts vermocht habe. Deutschland sei f e st e n t s ch l o s s e n, sein Haus mit eigenen Kräften in Ord­nung z u bringen. Es müßte infolgedessen auch die Frage der Auslandschulden selbst in die Hand nehmen. Sie könne nur mit fairen Mitteln und nicht durch brutale Eingriffe in die Wirtschaft gelöst werden. Der Absatz deutscher Waren auf dem Weltmärkte sei durch eine völlig einseitige Maßnahme, wie sie die Aufgabe des Gold­standards verschiedener Länder darstelle, in außerordentlicher Weise erschwert worden. Deutschland halte demgegenüber seine Währung durch ein Netz von künstlichen Maß­nahmen auf dem Gebiete der Devisenpolitik voll a u f r e d) t. Die Reichsregierung sei entschlossen, ihre Währungspolitik fest in der Hand zu behalten. Wenn man der deutschen Ausfuhr nicht eine größere Ent­faltungsmöglichkeit gebe, so werde Deutschland nicht in die Lage kommen, seine privaten Schulden zu bezahlen. Anspruch auf Bezah­lung ihrer Forderungen könnten nur d i e Län­der erheben, die bereit seien, deutsche Waren aufzunehmen. Wenn sich Deutschland zu einer Diskriminierung zwischen den verschiedenen Ländern nicht verstanden habe, so sei dies in der Hoffnung geschehen, daß sich doch noch einmal Besse­rung im internationalen Wirtschaftsleben bieten werde. Es liege im Interesse der Gläubigerländer, Deutschland so zu stärken, daß es an der Bezahlung weiter festhalten könne.

Das polnische Seefest.

Warschau, 30. Juni. (TU.) Staatspräsident Moscicki hat anläßlich des Seefestes am Donnerstag eine Rede gehaktem, die von allen polnischen Sen­dern übertragen wurde. Er erklärte, die polnische Küste ist das wertvollste Kleinod der Republik, das wachsam zu hüten und unnachgiebig zu verteidigen jeder Pole stets bereit ist. Wir sind und bleiben für immer an unserem polnischen Meer. DerKra­kauer Illustrierte Kurier" stellt in einem Artikel Kampf um die Ostsee und nichtStreit um Danzig" fest, daß in dem polnstch-danziger Streit die Freie Stabtnur scheinbar Polens Gegner ist. Der eigentliche Gegner, der unter dem Danziger Mäntelchen handelt, ist Deutschland und das deutsche Volk. Unter dem Schein des Kampfes um Polens Vertragsrechte in Danziger Häfen geht der

Kampf um die Gestaltung der politischen und wirt­schaftlichen Kräfte an der Ostsee, ein Kamps zwischen der germanischen und slawischen Rasse und die Herrschaft über dieses Seegebiet." Danzig sei nur ein blindes Werkzeug Deutschlands, indessen könne Polen niemals freiwill g auf seine verbrieften Rechte verzichten. Im Anschluß an den bevorstehenden B e» s u ch des Senatspräsidenten der Freien Stadt Danzig in Warschau erklärt das Blatt, Polen könne den Weg der Verhandlungen wohl zu gehen versuchen, dürfe aber nichts ver­säumen und die nächste Zeit zur Festigung seiner Stellung und vor allen Dingen zur Herstellung einer unmittelbaren Beziehung mit der Danziger Bevölkerung ausnutzen, um sie über seine Absichten aufzuklären und sie dafür zu gewinnen. Wenn dies gelänge, würde Polen im nächsten Abschnitt des Kampfes um die Ostsee eine günstigere Stellung und Siegesaussichten besitzen.

Schwere Ausschreitungen in OstobersMesien.

Aufständische und Kadetten schienen auf deutsche Mindcrheitsangehörige.

K a 11 o w i tz , 30. Juni. Während des polnischen Seefestes kam es zu schweren Ausschrei­tungen Aufstän-discher gegen die deut- s ch e Minderheit, an denen sich auch pol­nisches Militär beteiligte. Als eine Jugend­gruppe des Deutschen Volksbundes aus Giesche- wald nach einer der üblichen Versammlungen sich auf dem Heimwege befand, wurde sie in der Nähe des Ortes von einem Trupp Aufständischer ange­halten. Der Führer der Aufständischen beschimpfte die Deutschen, während die anderen mehrere Schüsse auf die Deutschen abgaben und sie mit Steinen bewarfen. Die jungen Leute setzten sich energisch zur Wehr. Schließlich bekamen die Aufständischen Verstärkung durch eine A n - zahl Kadetten aus Lemberg, die sich aus Anlaß des Seefestes in einem Lager bei Griesche- wald aufhielten. Unter Abgabe von Schüssen dran­gen die Kadetten mit aufgepflanztem Seitengewehr auf die Deutschen ein, worauf diese nach Grieschewald flüchteten. Die Aufständi­schen und Kadetten folgten ihnen und veranstalteten in Grieschewald Haussuchungen, wobei meh­rere Deutsche, die an den Vorfällen gar nicht be­teiligt waren, verprügelt wurden

Der Ozeanflug Balbos.

Ein Todesopfer bei der Landung in Amsterdam. Oie zweite Etappe erreicht.

Der italienische Luftfahrtminister General Dalbo hat mit seinem Geschwader nunmehr die erste 1400 Kilometer umfassende Etappe seines Ozeansluges, OrbetelloAmsterdam über Vasel, Breisach, Mannheim, Mainz, Köln, zurück- gelegt. Von seinen 24 Apparaten sind 23 gut angekommen, die 24. Maschine ist durch ein 11 n g l ü d bei der Landung, das auch ein To­desopfer forderte, so schwer beschädigt, dah sie durch eine neue Maschine ersetzt werden muh. Die 24 Apparate sind in vier Staffeln eingeteilt. Von diesen vier Staffeln ist die erste mit sechs Apparaten schwarz, die zweite rot. die dritte weih und die vierte grün gestrichen, damit eine gute llebersicht über das Geschwader gewährleistet ist. Die schwarze Staffel wurde von General Balbo und General. Pelle­grini, dem Direktor der Fliegerschule in Or- betello, geführt, die rote Stoffel von Kapitän Tlannini, die weihe Staffel von Kapitän G i o r d e n o, die grüne Staffel von Oberst Longo. Die zu dem Flug benutzten Apparate sind Savoia - Marchetti - S 55 X - Flugzeuge. Die Motoren sind sogenannte Isotta-Frachini-Asso- 750 r>8°Motoren.

Die Gesamtflugstrecke beträgt 11300 Km., von denen noch 9900 Km. zu bewältigen' sind. Es ent­fallen auf die nächste Etappe AmsterdamLondon- derry 1000 Km. General Balbo hofft, den Flug jetzt ohne Störung durchführen zu können, nachdem die

Kampfes zwischen Hoffnung, Trostlosigkeit und Sehnen schwankt, erfüllt von unbeirrbarem Sieges­willen. Die Entscheidung fällt. Jrn Unisono stürzen Streicher und Holzbläser herab; in die Reprise donnert die Pauke hinein, gigantische Kräfte sind entfacht. Fast möchte man in der Coda noch auf den Sieg hoffen, da bricht naä) zweimaligem Hin­halten die Schicksalsmacht um so bedrohlicher und aufbäumenber hervor; leer, im Unisono, klingt der Satz starr in riesenhafter Größe aus, ohne die Schicksalsfrage zur Lösung gebracht zu haben.Ent­behren sollst du! Selbst entbehren!" (Richard Wagner.)

Um nicht durch die Trostlosigkeit der Enttäuschung der Verzweiflung anheimzufallen, stürzt sich der um das Glück Kämpfende in den Traum des Ge­nusses. In wildem, aufgepeitschtem Wirbel, immer heftiger, fast an's Groteske grenzend, steigert sich das Scherzo; rhythmisch akzentuiert durch die häm­mernde Pauke. Wenn auch das Trio in freund- lichere Gefilde leitet, auf deren Naturhaftigkeit das Lebensgefühl erstarken könnte, um so sarkastischer bricht das Scherzo wieder hervor, in der Coda noch einen kurzen Blick in die freundliche Welt des Trios gewährend.

Innere Einkehr läßt im Adagio den Schicksals­kämpfer sich den letzten Gründen des Seins, dem Trost und der Stärkung durch die Gottesnähe, sich zuwenden. Verklärung und damit erwachende Hoff­nung auf den endlichen Sieg ziehen in sein Inne­res ein.

Das Finale dringt die geistige Auseinander­setzung. Dem wilden Aufschrei des Orchesters stellen sich Rezitative der Celli und Kontrabässe gegenüber; gleichsam als musikalische Sprecher wollen sie ent­scheiden. Die Themen der vorausgegangenen Sätze erscheinen und werden abgelehnt. Aufzeichnungen Beethovens in seinem Skizzenbuch geben uns Auf­schluß über den Sinn der Rezitative: Nach dem Fi­naleanfang:Nein, diese Wirrnisse erinnern an un­fern verzweiflungsvollen Zustand. Heut ist ein feier­licher Tag, dieser sei gefeiert durch Gesang!" Das Thema des ersten Satzes wird abgelehnt:O nein, dieses ist es nicht, etwas Anderes, Gefälliges ist es, was ich fordere." Das Scherzothema findet keine Billigung:Auch dieses nicht, ist nicht besser!" Da er auch dem Adagiothema nicht beipflichten kann, er­greift er selbst die Initiative und läßt die Melodie des Freudenliedes aus dem Unisono der Bässe und Celli zu immer größerem Glanz heranwachsen; sie finden aber noch nicht ihre klangliche Krönung. Noch einmal bricht der Aufschrei des Finaleanfanges durch. Die Instrumente vermögen nicht mehr den Willen des Schaffenden zu verkünden, nur allein die

Eisbrecher gemeldet haben, daß auch auf Labrador die nötigen Landungsmöglichkeiten geschaffen wor­den sind. General Balbo rechnet offenbar mit einem gewissen Ausfall, zumal von den Piloten, die seit zwei Jahren für diesen Flug geschult worden sind, immerhin nur wenige an einem Ozeanflug bisher teilgenommen haben und das Geschwader auf der Strecke IslandLabrador ganz zweifellos, genau wie seinerzeit Gronau, auf Wetterschwierigkeiten stoßen wird. Labrador ist als Nebelland bekannt.

Das Unglück bei der Landung ist darauf zu- rückzuführen, daß die MaschineS 55 zu stark auf die Wasserfläche aufprallte. Der Apparat überschlug sich und versank. Der Bemannung eines Motorbootes der holländischen Marine ge­lang es, die vier Mann der Besatzung, die ins Wasser gefallen waren, zu retten. Von ihnen sind drei verletzt worden, darunter einer schwor. Der vierte war unter das Flugzeug geraten und ist erstick t.

Die ersten zehn Maschinen des Luftgeschwaders mit General Balbo an der Spitze, sind am Sonntag, kurz vor 7.30 Uhr, zur zweiten Etappe nach Londonderry gestartet. Unmittelbar danach setzten sich nacheinander auch die übrigen Appa­rate des Geschwaders in Bewegung. In London­derry (Irland) ist das italienische Ozeangeschwa­der planmäßig eingetroffen. Damit hat Balbo die zweite Etappe seines Transozeanflugs durch­flogen.

menschliche Stimme kann hier die Losung geben. Das Baritonsolo führt hin zum Hymnus an die Freude, der in seinem Jubel vom Soloquartett und vom Chor ausgenommen wird. Ein heldisches Kampf­lied (Tenorsolo), vom Männerchor beantwortet, bildet das Kampffpiel in einem Orchesterfugato ab. Das im­mer mehr erstarkende Lebensgefühl findet seine letzte Fundierung im Erkennen des Göttlichen. Gottesge­danke und Freudenhymnus verknüpfen sich zur Ein­heit in einem Doppelfugato. In weihevollem Jnne- halten verklärt ein Soloquartettsatz den Gedanken der inneren Bindung der Menschen. Durch die Freude, dann aber in dithyrambischem Rausch stei­gert sich das Finale zu höchster Ekstase. Dr. H.

Das Telephongespräch als Beweismittel.

Telephon-Gespräche konnten bisher niemals als Beweismittel vor Gericht verwendet werden, da ihnen jeder dokumentarische Wert fehlte. Run ist es seit langem der Wunsch vieler Geschäftsleute und An­wälte, eine Vorrichtung zu haben, durch die die Tele­phongespräche ausgezeichnet werden, damit sie even­tuell als Zeugnis oder auch als Detektiv dienen können. Bor einigen Jahren wurde ein Apparat herausgebracht, das sog. Telegraphon, das telepho- nische Gespräche auf Wachsplatten festhielt. Aber infolge des hohen Preises und der geringen Brauch­barkeit der Wachsplatten konnte sich, diese Erfindung nicht einbürgern. Runmehr aber hat, wie Heinz Dillge in der WochenschriftDie Umschau" berichtet, ein Berliner Ingenieur ein kleines Gerät erfunden, das er Teleskriptor nennt. Dieser Apparat, der wie ein Kopfhörer aufgesetzt werden kann, nimmt das ganze, am Telephon geführte Gespräch, Rede und Gegenrede, auf. Man seht sich den Teleskripkor auf und hält dann den Telephonhörer an die Muschel des Gerätes. Die Zuleitungsschnur führt über eine kleine Taschenlampen-Datterie zu den Gramophon- Duchsen eines Rundsunk-Apparates; hier wird das Gespräch sehr verstärkt, und statt des Lautsprechers wird an den Rundfunk-Empsänger ein Platten- Selbstausnahme-Gerät angeschlossen, das nun das Gespräch auf eine Schallplatte aufzeichnet. Die Platte, die unzerbrechlich ist, kann auf jedem Grammophon wiedergegeben werden. Da sich ein Rundfunk-Gerät und ein Grammophon im Besitz vieler befindet, so braucht man nur noch den Teleskriptor und einen Schallplattenschreiber, um so jedes Telephon-Ge-» spräch, dem man eine gewisse Wichtigkeit zuschreibt, festhalten und nach Belieben wiederholen zu können.