r c n müsse vom Standpunkt des gesamten Volkes aus auch wirtschaftlich und landwirtschaftlich die Landwirtschaft in Ordnung gebracht werden, um die Ernährung des Volkes sicher- sttftellen. Wenn man diese grundsätzliche Einstellung habe und sie erkenne, dann spielten die Methoden, um die Landwirtschaft in Ordnung zu bringen eine zweite Rolle. Das seien Fragen der Zweckmäßigkeit. Während früher der Blick auf den einzelnen Bauern und Gutshof gerichtet gewesen sei und man sich in dem Begriff der Rentabilität festgerannt habe, gehe er vom Ganzen aus, dem Landwirt die notwendige Rentabilität und Lebensmöglichkeiten zu sichern. Der Minister betonte, daß er im Augenblick nicht über einzelne Maßnahmen sprechen wolle. Er halte es für besser, statt ein Programm zu entwickeln, von Fall zu Fall die Maßnahmen aufzuzeigen.
Auflösung des Iungdeutschen Ordens.
Berlin, 2. Juli. (OB.) Der Jungdeutsche Orden wird am Montag in Berlin mit einer kurzen Schlußbesprechung seiner Landeskomture seine Auflösung vollziehen. Gleichzeitig wird die Tageszeitung „Der Jungdeutsche" ihr Erscheinen ein st eilen. Der Jungdeutsche Orden ist bereits in verschiedenen Teilen Deutschlands, so z. B. in Sachsen und in Württemberg, verboten. Der Hochmeister M a h r a u n und die übrigSü noch vorhandenen Führer wollen s i ch a u s dem politischen Leben zurückziehen.
Keine Blumen werfen!
Berlin, 1. Juli. (ERB.) Der Adjutant des Reichskanzlers, Brückner, teilt mit: Bei den letzten großen Aufmärschen und Fahrten haben die Zuschauer wieder ein Bombar- dementmit Blumen auf den Wagen des Führers eröffnet. Dieses Werfen mit Blumen ist mit Gefahren für die Wageninsassen verbunden, wie wiederholte Vorfälle gezeigt haben. So erhielt kürzlich einer der Begleiter durch einen mit voller Wucht geschleuderten, auf Draht gebundenen Blumenstrauß eine Gesichtsver- letzung und hatte es nur einer rechtzeitigen Kopf- Wendung zu verdanken, daß nicht ein Auge gefährdet wurde. Das Werfen von Blumen auf den Wagen des Führers ist deshalb str i kt untersagt.
Aus aller Well.
Oer Deutsche Kavalkeristeniag in Düsseldorf.
Düsseldorf steht ganz im Zeichen des dritten Waffcntages der deutschen Kavallerie. Cs ist der erste Waffentag der Kavallerie im neuen nationalsozialistischen Staat, der den Gedanken der Kameradschaft pflegt und fördert. Äeberall, wohin das Auge reicht, Fahnen- und Blumenschmuck. Aus dem ganzen Reich sind die Kavalleristen eingetroffen, auch zahlreiche Abordnungen der früheren Kavallerieregimenter, die zu einem großen Teil mit ihren schönen alten Paradeuniformen angetan sind. Diele Offiziere der alten Armee sind angekommen, darunter der Schutzherr des Waffenringes der deutschen Kavallerie, Generalfeldmarschall von Mackensen. Feldmarschall von Mackensen legte am Grabe Schlageters einen Kranz nieder. An sämtlichen Düsseldorfer Krieger- und Ehrendenkmälern wurden Kränze niedergelegt. In Anwesenheit des Generalfeldmarschalls v. Mackensen und zahlreicher anderer hoher Gäste wurde ein Erinnerungsdenkmal der l. Husaren auf dem Hof der ehemaligen Alanenkaserne enthüllt.
Während im Rheinstadion das große Reitturnier seine Fortsetzung fand, setzte sich der Zug der Standarten unter Vorantritt des Musikkorps der König-Husaren in Bewegung, überall herzlich begrüßt. Am Rhein sind die Vertreter aller früheren Kavallerieregimenter in ihren bunten Paradeuni
formen und mit ihren Fahnen in Spalieraufstellung angetreten. Durch das Spalier wurden die Standarten unter einem Ehrensalut von 21 Schüssen und dein Präsentiermarsch einer Reichswehrkapelle auf den Dampfer geführt. Während das Standartenschiff unter den Klängen des Reichswehr-Trompeterkorps sich in Bewegung setzte, nahm die große vaterländische Rheinstrom-Kundgebung unter dem Motto „Deutsch der Rhein" ihren Anfang. Nach dieser Ehrung der alten Standarten fand im Stadion ein „Deutscher Abend" statt.
Der Sonntag, der mit dem Festzug seinen Höhepunkt erreichte, wurde nach alter Tradition durch einen Feldgottesdienst eingeleitet. Auf den Rheinparkwiesen sammelten sich dann die Regimentsabordnungen und Kavallerievereine zum Festzug. Eine gewaltige Menschenmenge umsäumte den Platz vor der Rheinterrasfe. Im Paradeschritt zogen die Kavalleristen an dem Generalfeldmarschall von Mackensen, dem Kronprinzen und den alten Kavalleriegeneralen vorbei. Rach dem Vorbeimarsch wurden dem Kronprinzen und dem Generalfeldmarschall nochmals stürmische Kundgebungen dargebracht.
35. Jahrestag des Deutschen Flottenvereins.
Die 35. Jahrestagung des deutschen Flottenvereins in der Königsberger Stadt- Halle eröffnete der geschäftsführende Vorsitzende, Admiral a. D. Bauer. Nachdem Kapitän zur See Krafft, die Grüße des Admirals Dr. b. c. R a e - der übermittelt und die Verbundenheit zwischen Reichsmarine und Flottenverein durch ein Hurra auf den Flottenverein bekräftigt hatte, Geheimrat S ch e l l o n g die Grüße der deutschen Kolonialgesellschaft und Korvettenkapitän Wirsbitzki die des Bundes deutscher Marinevereine übermittelt hatte, machte Exzellenz Bauer Mitteilung über seine Unterredung mit dem Reichskanzler über die Weiterarbeit des Flottenoereins. Der Kanzler habe gesagt, der Flottenverein solle so weiter arbeiten, wie bisher, unter derselben Leitung, es werde durch eine Vereinbarung mit dem Reichs- jugendführer auch die Nachwuchsfrage für den Flottenverein geregelt werden. Eine Entschließung der Hauptversammlung, die den Präsidenten ermächtigt, von sich aus die notwendigen Satzungsänderungen vorzunehmen, fand die einstimmige Billigung der Hauptversammlung.
„Graf Zeppelin" zur dritten Südamerikafahrt aufgestiegen.
Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Samstag, 20.34 Uhr, in Friedrichshafen zu seiner dritten diesjährigen Südamerikafahrt unter Führung von Kapitän Lehmann aufgestiegen. An Bord befinden sich 14 Passagiere. Außer 124 Kilogramm Post werden 160 Kilogramm Frachtstücke, darunter acht Nachrichtentauben, befördert. Mit dem Luftschiff ist folgendes Schreiben abgegangen: An die Ortsgruppe Der NSDAP, in Pernambuco. Mit großer Freude haben die Friedrichshafener Parteigenossen von der Gründung Ihrer Ortsgruppe durch den Funkoffizier des „Graf Zeppelin", Pg. Dumke, erfahren. Wir wünschen Ihnen fern von der Heimat für Ihre Weiterentwicklung alles Gute und hoffen, daß unser stolzes Luftschiff zwischen den beiden Erdteilen und den Landesstellen dazu beitragen möge, die Weltanschauung des Nationalsozialismus bei Ihnen zu festigen und zu vertiefen. Als äußeres Zeichen unserer Verbundenheit mit den Volksgenossen im Ausland und besonders mit Ihrer Ortsgruppe als dem Gegenpol des deutschen Weltluftschiffsoerkehrs senden Ihnen die Kreisleitung Tettnang und Ortsgruppe Friedrichshafen zusammen Flagge und Wimpel des Dritten Reiches. Mögen die Farben, die heute über den Straßen Deutschlands wehen, bei Ihren Veranstaltungen alle Deutschen daran erinnern, daß nach 14- jähriger Schmach ein junges Deutschland entstanden ist, das sich rastlos einsetzt für ein Reich der alten Größe und Weltgeltung, in dem jeder Volksgenosse Lebensmöglichkeiten besitzt. Dies danken mir unserem Führer Adolf Hitler! Heil und Sieg! NSDAP. Kreisleitung Tettnang, (gez.) Göttin-
Roman von Helma von Hellermann.
8. Fortsetzung. Rachdruck verbotenl
Die blonde Frau nickte. „Wird dankend angenommen." Es klang durchaus gleichmütig. Aber den Mann ärgerte es, daß er ihr den Willen hatte tun müssen. Er glaubte nicht an das Zufällige dieser Begegnung.
„Der Wagen kommt", meldete der kleine Page, dessen Augen mit seinen blankgeputzten Messingknöpfen um die Wette funkelten. Diensteifrig riß er die Glastür auf, um die Herrschaften hinaus- ^ulassen. Magnus Steinherr war sein heimliches
„Nanu", lachte Gebier, die sonderbaren Zickmck- kuroen bemerkend, in denen der langgestreckte Helle Wagen angefahren kam, „Ihr Chauffeur glaubt wohl, auf der Eisbahn zu fein, daß er so schöne Bogen fährt?"
Steinherr runzelte die Stirn. Sollte der Kerl schon wieder--Der Wagen kam in schnellstem
Tempo näher, fuhr vorrüber, wurde so scharf gebremst, daß er sich, die Vorderräder in der Luft, um die eigene Achse drehte, und hielt dann endlich, halb auf dem Bürgersteig stehend.
„Nee, so 'ne Glätte — was is'n das — Bremse kaputt", krähte eine -heisere Stimme fidel vom Führersitz. „'n Abend, Herr Doktor, 'n Abend — immer einsteigen die Herrschaften, is schon gut! Olle Bremse kaputt, das Luder..." Ein quiekendes Geräusch zu scharf angedrehter Mechanik.
Magnus Steinherr trat an den Wagen und öffnete den Schlag.
„Ich bin nid) besoffen, Herr Doktor", beteuerte die Stimme treuherzig, „bloß die Beine, ich kann nid)..."
Mit einem Griff hatte der Mann im offenen Abendpelz den Inhaber des Führersitzes heraus- gezogen, schüttelte ihn wie ein Bündel alter Lappen und setzte ihn dann hart aufs Pflaster, ohne ein Wort zu verlieren.
„Einen Moment", bat er. „Ich will den Wagen nur richtig stellen, dann können Sie einsteigen."
Er hatte schon den Fuß auf dem Trittbrett, als er sich umwandte. Ein Fremder stand neben ihm, den Hut in der Hand. „Verzeihen Sie, mein Herr — wenn ich Ihnen aushelfen dürfte?" Das Licht des Hoteleingangs fiel auf ein fcymales, vornehmes Gesicht. Der Kragen des dünnen Mantels war hochgeschlagen.
Was den anderen bewog, innezuhalten, wußte er nicht. War es der angenehme Klang einer kultivierten Stimme, war es der Anzug, der Armut verriet? Unzählige Male steuerte er doch seinen Wagen allein; man nahm doch keinen Fremden so von der Straße weg!
„Sind Sie Chauffeur?" fragte er statt der abweisenden Worte, die nicht über seine Lippen gewollt.
„Jawohl."
„Und stellungslos?"
Wieder ein leichtes Verneigen.
„Im Besitz Ihres Führerscheins?"
„Ich habe alle meine Papiere bei mir."
Die beiden Männer sahen sich an, der ältere im kostbaren Pelz, vom Hauche des Erfolgs und Luxus' umgeben, und der jüngere im Mantel, der bessere Tage gesehen, die Zeichen ärmlichen Lebens in seinen feinen Zügen, auf die das Licht der elektrischen Bogenlampen grelle Weiße und seltsame Schatten warf. Und der Reiche hatte plötzlich einen ganz eigenen Zug im schönen, kühnen Gesicht, das so selten Gefühl verriet.
„Gut." Er trat zurück. „Steigen Sie ein und zeigen Sie mal Ihre Kunst. Das Weitere nachher."
Geschickt manövrierte der neue Fahrer den Wagen in die richtige Stellung, sprang dann herunter und öffnete in korrekter Haltung Den Schlag. Beide Damen betrachteten ihn in flüchtiger Neugierde; sie hatten die kleine Szene vom Hoteleingang aus beobachtet.
Gebier tippte an seinen Hut. Steinherr nickte, freundlicher als es sonst seine Gew 'mheit war. „Ihr Name?"
„Vandro", sagte der Fremde, der e Pelzdecke über die Knie der Damen gebreitet hatte und nun auf das Einsteigen des Besitzers wartete, um den Schlag zu schließen.
„Vandro ...", wiederholte Hans-Heinrich Gebier, halb zu den Damen gewandt. „Komisch, so hieß der Versicherungsfritze, der mir dieser Tage unbedingt eine Police andrehen wollte. Aber ein nobles „von" prangte auf feiner Karte."
Er hatte nicht laut gesprochen, aber die beiden Drauhenstehenden horten es dennoch. Steinherr sah, wie eine dunkle Blutwelle in das Gesicht des andern stieg. Seine Nasenflügel bebten.
„Es ist mein Bruder", sagte er leise auf den stumm fragenden Blick, „den Adel führen wir mit Fug und Recht." Sehr schlank und sehr gerade stand er da, den Hut in der Hand. Sein blondes Haar flatterte im wehenden Wind.
„Ich glaube Ihnen", sagte Steinherr ruhig. Und wieder war jener forschende Ausdruck in seinen Zügen, der Teilnahme ohne Mitleid verriet.
Der Betrunkene, der bis dahin still auf dem Steinpflaster gesessen und vor sich hingedost hatte, wurde plötzlich munter, als er das Geräusch des angekurbelten Motors hörte, und versuchte, aufzu- siehen.
„Mitnehmen, Sie, Herr — ich will mit! Hier is so kalt", rief er weinerlich und begann vor sich hinzuschimpfen, als die Beine wiederum versagten und niemand Miene machte, ihm zu helfen.
Ein patrouillierender Schutzmann kam über die
g e r, Ortsgruppenleiter (gez.) Seibold, Kreisleiter, MdL.
SS.-THann In Braunschweig von Kommunisten erschossen.
Der SS.-Mann Gerhard Land mann wurde in Braunschweig von Kommunisten e r s ch o s - s e n. Landmann war mit einem Sonderkommando von einigen SS.-Männern im Auftrage der SS.° Hilsspolizei unterwegs, um Durchsuchungen nach verbotenen Flugschriften vorzunehmen. Kurz nach Mitternacht wurde in einer Wirtschaft eine große Anzahl kommunistischer Flugschriften festgestellt, Die Besitzer der Flugschriften flüchteten. Als Landmann die Fliehenden anrief, fielen einige Schüsse, von denen Landmann so schwer an Kopf und Hals getroffen wurde, daß er kurze Zeit darauf verblutete. Das ganze Straßenviertel wurde sofort abgeriegelt und etwa 30 Verdächtige festgenommen.
*
In Braunschweig legten Ministerpräsident Klag- g e 5 und Staatsminister Albers an der Stelle, an der in der Nacht zum Freitag der SS.-Mcmn Landmann von Kommunisten erschossen wurde, je einen Strauß roter Rosen nieder und ehrten das Andenken des Ermordeten durch ein stilles Gedenken. In der Straße, in der die Mordtat geschah, hat sich in der Nacht zum Samstag ein unglaublicher Vorgang abgespielt. Eine Abordnung Hilfspolizei, die an Der Stelle, wo Landmann fein Leben lassen mußte, die Ehrenwache hielt, wurde gegen Morgen aus dem gleichen Garten, aus dem in der Nacht
Zum Freitag die tödlichen Schüsse fielen, beschos. f e n. Die Hilfspolizisten erwiderten das Feuer. Eine von Verstärkungen der Hilfspolizei und der Schutz- polizei sofort oorgenommene Durchsuchung des ©artens blieb ergebnislos, desgleichen eine Durchkämmung des gesamten Häuserblocks.
Gleichschaltung aller deutschen Slenographenverelne auf die Cinheitskurzschrift.
Die Reichsleitung des RS.-Lehrerbundes meldet: Der Reichsminister des Innern hat die Reichsleitung des Rationalsozialistischen Lehrerbundes mit der Gleichschaltung aller Kurzschrift- Verbände und -Vereine Deutschlands beauftragt. Der Verband Stolze-Schreh hat sich jetzt auf den Boden der Denkschrift des RS. - Lehrerbundes gestellt und wird fortan für die Einheitskurzschrift werben. Eine Vereinfachung ihres Regelwerkes entspricht den Ausführungen der Denkschrift des RS.-Lehrerbundes. Das System der Cinheitskurzschrift selbst wird dadurch nicht geändert. Damit ist das Ziel der Durchführung einer einheitlichen deutschen Kurzschrift, für die der Deutsche Stenographenbund von jeher eingetreten ist, erreicht.
Ueberschwemmungen in Rordoslkorea.
Infolge schwerer Regenfälle kam es, wie ein Funkspruch aus Tokio meldet, in Nordostkorea zu Ueberschwemmungen. 35 Personen sind e r - trunken, sechs werden vermißt. Es ist umfangreicher Materialschaden angerichtet worden. Die Verkehrslinien sind unterbrochen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Konzert des Reichs Symphonie- Orchesterö in der Volkshajle.
Eine Ansprache des Reichsstatthalters.
Das große Symphonie-Konzert, das am gestrigen Abend in Der Volkshalle stattfand, gestaltete fich zu einem großen musikalischen Ereignis in unserer Stadt. Die Veranstaltung vereinigte eine große Anzahl aufmerksamer Zuhörer aus allen Kreisen Der Bürgerschaft unserer Stadt. Die Volkshalle war bis auf den letzten Platz besetzt.
Nach Der Aufführung Der 1. Symphonie in C-Moll von Joh. Brahms hielt Reichsstatthalter Sprenger eine längere Ansprache. Er führte u. a. aus: Das Konzert unD Das Orchester seien ein Beweis, Daß Die NSDAP, auf allen Gebieten aufbauen wolle. Es sei erfreulich, daß das Orchester nach jahrelangen Bemühungen heute eine so überaus stattliche Zahl von Zuhörern vor sich habe. Er freue sich aber besonders, daß die neue Konzertreise des Orchesters in Hessen und Hessen-Nassau, in seinem Gaugebiete also, beginne. Gießen habe von jeher eine Vorrangstellung auf dem Gebiete der Musik eingenommen; man müsse sich dabei dessen erinnern, daß man in Gießen vor allem die deutschen Meister in ihren Werken zu Gehör brachte und insbesondere Max Reger viel aufgeführt worden sei, der anderswo nicht zur Geltung gekommen sei.
ßeiber. habe sich schon in der Zeit vor dem Kriege in der Musik eine gewisse Anonymität breit gemacht, da es an geeigneten Persönlichkeiten gefehlt habe, die deutsche Musik gepflegt hätten. Träger einer Kultur müsse aber immer die Gesamtheit sein, wenn auch die Höhepunkte im musikalischen und im künstlerischen Leben immer von Persönlichkeiten bestimmt würden. Heute sei liberalistische Denkungsart in der Musik überwunden und eine gesunde natürliche Reaktion habe Platz gegriffen. Die Zeit des Jazz fei vorüber. Die gesunde Reaktion habe ja einsetzen müssen, etwa so, wie eine Gesundung noch einem Krankheitsprozeß. So wie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens haben sich nun auch in der Musik Zellen gebildet; aus ihnen seien schon herrlick)e Orchester hervorgegangen. So sei auch das Reichs-
Symphonie-Orchester entstanden und es setzte sich aus Kräften zusammen, die der anderen Musik zu dienen nicht gewillt gewesen seien. Nun aber könnten sie ernten, was sie an Gutem gesät haben. So wie fremder politischer Wille in Deutschland aus- geschaltet worden sei, so werde jetzt auch fremder Geist in der deutschen Kultur ausgeschaltet. Adolf Hitler habe die NSDAP, nicht lebiglid) als Partei gegrünbet, sonbern mit ihr gleichzeitig eine neue Weltanschauung "aufgerufen. Diese Weltanschauung müsse ein Volk breit untermauert werben.
Deutschland habe auf dem Gebiete Der Musik immer an erster Stelle in Der Welt geftanben, und wenn, wie Beethoven sage, Musik Offenbarung sei und höher als alle Weisheit und Philosophie, so müsse diese Offenbarung dem Volke nahe gebracht werden. Das Volk müsse Träger der Politik und Der Kultur sei, also auch Der Musik. Dann werde der Weg frei sein für Männer, wie es Der Kapellmeister Adam, Der Dirigent Des Reichssymphonie-Orchesters sei. Er möge Die Deutsche Musik hinaustragen in alle Gaue, ja über Die Deutschen Grenzen hinaus, Denn Dann werDe Deutschland auch wieder zur Anerkennung in Der Welt auch auf Dem Gebiete der Musik kommen. Man habe aber auch bem Führer zu bauten für bie Vorsorge, mit Der er sich allem wibme. Er sei ber Schirmherr bes Orchesters. Alle Welt müsse verstehen lernen bas „Dennoch!" unb bas „Deutschlanb, Deutschlanb über alles!" Lebhafter Beifall bankte bem Rebner. Gemeinsam würbe sobann bas Deutschlanb-Lieb gesungen.
Heber die musikalische Bebeutung bes Konzerts wirb an anderer Stelle berichtet.
Neue kommissarische Bürgermeister und Beigeordnete.
Die Staats presse st eile teilt mit: Die nachstehenden Bürgermeister unb Beigeordneten wurden kommissarisch in ihr Amt eingesetzt:
Klein-Karben: Philipp Meiß an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Gg. Dietrich;
Butzbach: Heinrich Weickhardt an Stelle des zurückgetretenen zweiten Beigeordneten L. Ioutz;
Straße. Magnus Steinherr rief ihr herbei und gab ihm seine Karte.
„Er kommt auf bie Wache", versprach der Hüter ber Drbnung unb begab sich zu bem Sünber, bft aus voller Kehle zu fingen begann.
„Unb nun wollen wir fahren", sagte Steinherr. „Sie kennen sich in ber Stadt aus?" — Gut. Gnädige Frau, Ihre Adresse, bitte?"
„Bendlerstraße 18", tarn die Stimme der Malo- reen aus dem Wagen.
„Zuerst dorthin."
Steinherr stieg ein. Gleich darauf glitt der Wagen leicht und lautlos dahin.
10. Kapitel.
Li Kalesso betrachtete bas Profil des vor ihr sitzenden Mannes, das sich wie eine Silhouette gegen bas Halbbunkel abhob. Gern hätte sie bie klaren, festen Linien mit zarten Fingerspitzen nachgezeichnet. Wie wunberooll der Kopf auf den Schultern saß, gegen bie sie sich beim letzten Tanz leise gelehnt.
Sie atmete tief. „Es war boch ein schöner Abenb", sagte sie aus ihren Gedanken heraus.
Steinherr wandte den Kopf und lächelte ihr zu. Glücklich und selbstvergessen hing ihr Blick an dem seinen. Die Frau neben ihr zog den Pelz am Hals fester zusammen, als fröre sie, und lehnte sich tiefer in ihre Ecke zurück. Nur einmal züngelten ihre Augen wie ein grünlicher Blitz zwischen Den beiDen hin und her, dann senkten sich die breiten Lider. Sie sprach kein Wort. Gebier betrachtete sie in demütiger Ergebenheit. Wie lange warb er schon um sie; aber immer noch stand er wie ein Bettler vor verschlossenem Tor.
Schweigend glitt der Wagen dahin. Unb biefes Schweigen wurde allmählich erfüllt von ber Gegenwart jener blassen Frau, deren blonbes Haupt so still auf bem zarten bunflcn Samtpolster ruhte. Der Duft irgenbeines zarten Parfüms schwebte in bem geschlossenen Raum wie ein geheimnisvolles Fluidum, dem man sich nicht entziehen konnte. Eine aufreizende Unruhe ging aus von dieser stummen Reglosigkeit, die ins Blut kroch unb den Atem beengte. Die Kalesso saß zusammengesunken da, plötzlich bedrückt und ängstlich, ohne zu wissen, warum — und sah unverwandt auf Steinhcrr, als erwarte sie von ihm Hilfe aus einer Gefahr. Gebier starrte auf die ringgeschmückten Hände der anderen, die wie schlanke weiße Blüten auf dem Hermelin lagen. Wunderschöne Hände waren es.
Nur Steinherr sah ruhig und scheinbar unbewegt durchs Fenster auf seinen neuen Chauffeur, ber so sicher und gewandt den schweren Wagen lenkte! Aber auch ihm war die Nähe der schweigenden Frau fühlbar bis in die Nervenspitzen. Nur einmal drehte er sich um, sah wie zufällig in jene Ecke. Lautlos war Die kleine Bewegung gewesen, aber sofort hoben sich bie Liber. Wie Smaragben, wenn ein Lichtstrahl sie trifft, erstrahlten die grünlichen Augen — und schlossen sich wieder. Wie geheimer Gruß wirkte dieses jähe Aufblitzen.
Die schwarzen Brauen bes Mannes schoben sich bicht zusammen. Was wollte sie von ihm: Ihn zu sich zwingen? Sein Wille war stärker.
Der Wagen verlangsamte die Fahrt und hielt vor einer kleinen Villa, deren Fenster auf das Hupen des Chauffeurs sich wie auf ein Zauberwort erleuchteten. Aus der geöffneten Haustür floß ein heller Lichtftreifen. Ein Diener lief ans Gartentor. Die Herren waren ausgestiegen.
Mit lächelndem Kopfneigen verabschiedete sich Frau Maloreen von ihrer Nachbarin, mit einem leichten Streicheln über Wange und Arm von Oehler, der sie flehend ansah. Sie schüttelte den Kopf. Erst als Magnus Steinherr sich über ihre Hand beugte, sprach sie. Nur zwei Worte: „Auf Wiedersehen!" Es klang wie Befehl und Bitte zugleich. Sie sah empor zu ihm, der sie um Kopfeslänge überragte. Geheimnisvoll leuchteten bie Augen in bem weißen Gesicht.
„Guten Abenb, meine gnäbige Frau", sagte Steinherr ruhig.
Da lachte sie ganz leise. Voll überraschenden Scharms waren plötzlich Die blassen Züge. UnD war im Hause verschwunden, während der lockende Laut noch in der kalten, stillen Nachtluft zu schweben schien.
Einen tiefen Atemzug der Erleichterung tat Li Kalesso, als der Wagen sich wieder in Bewegung setzte. Sie würden Gebier im Klub auf der Königsallee absetzen, wo er seine Nächte zu verbringen pflegte, und dann zu zweien weiterfahren nach ihrer Wohnung. Magnus hatte die neue Einrichtung des Dämenzimmers noch nicht gesehen, alles aus eigenem Verdienst angeschafft. Sie war stolz auf ihr reizendes Heim. Aber der Wagen bog um die Ecke, glitt durch die nachtstillen Straßen des vornehmen Villenviertels, in das sie vor kurzem gezogen, ehe der Dritte sie verlassen hatte.
Grenzenlos enttäuscht starrte sie zum Fenster hinaus, an dem Mauern, Bäume, Laternen wie schattenhafte Schemen vorüberhuschten. Warum kam Magnus nicht zu ihr? Wohin wollte er? Was erfüllte sein. Gedanken, daß er den schönen Abend so jäh beschloß? Er war so unmöglich zu halten wie fließendes Wasser, entglitt, wenn man ihn am festesten gebunden wähnte. Nie besaß man ihn ganz.
„Verzeih, wenn ich nicht mitkomme, Li — ich habe aber noch dringende Geschäfte zu erledigen." Er hielt ihre beiden Hände fest, küßte sie. Sie spürte die Wärme seiner Sippen und zitterte.
„Magnus, wirklich Geschäfte?" Ach, daß er doch bliebe.
„Ich lüge dich nie an, Li." Seine Stimme war sanft wie selten.
Ein unterdrückter Seufzer. „Morgen?"
„Vielleicht, wenn die Aufsichtsratssitzung sich nicht zu lange ausdehnt."
„Rufe mich doch auf jeden Fall an, ja? Ab zwei Uhr bin ich zu Hause. Gute Nacht, Magnus."
(Fortsetzung folgt.)


