Menschenfreundes und des selbstlosen Beschützers dec Kranken und Einsamen. Die Aufgabe einer auf das Neue Testament sich gründenden Evangelischen Kirche sei der Kampf gegen Pha - risäisinus, Schriftgelehrtentum und Hierarchie. Für diesen dreifachen Kampf sei Friedrich von Bodelschwingh der rechte Führer: denn er sei ein absolut bescheidener und selbstloser Mensch, der die Sprache des Volkes zu reden verstehe und der nicht herrschen, sondern dienen wolle. Hinter Bethel und damit auch hinter Bodelschwingh stehe eine große Gemeinschaft von ernsten, opferbereiten und kämpfenden Christen in allen deutschen Landen. Ein evangelischer Bischof dürfe nicht ein von -Ehre und Ansehen umgebener Herrscher sein, sondern müsse ein wahrer Volksbischof, ein Diakon, ein Dienender sein. In diesem Geiste werde Bodelschwingh sein Amt führen.
Ihr Bekenntnis zu dem neuen Reichsbischof legte die Versammlung in folgender einmütig angenommenen Entschließung nieder: „Die zu einer Bodelschwingh-Kundgebung versammelten deutschen evangelischen Männer und Frauen Berlins grüßen in Ergebenheit und Dankbarkeit ihren neuen Reichsbischof und wünschen, daß es ihm gelingen möge, die notwendige innere Einheit des Kirchenvolkes herzustellen."
Bedenken der
„Deutschen Christen".
Eine Antwort des Präsidenten Kapler.
Berlin, 2. Juni. (TU.) Pfarrer H o s s e n f e l - der von der Glaubensbewegung Deutsche Christen richtete an Präsident Dr. K a p l e r einen Brief, in dein es heißt: Wie ich gehört habe, soll am 1. Feiertag in allen Kirchen der in dem Modus procedendi vorgesehene Assensus des Kirchenoolkes zu der Benennung des Reichsbischofs ersetzt werden durch eine im Kirchengebet eingeschlossene Kundgebung für den Pastor r). von Bodelschwingh. Vermutet wird auch, daß die feiernde Pfingstgemeinde aufgefordert werden soll, durch Sicherheben von den Plätzen und Absingen eines Lobgesanges ihre Zustimmung zu geben. Ich glaube nicht, daß dieses Vorhaben ohne große Unruhe durchgeführt werden könnte, sondern vermute, daß spontane Protestkundgebungen während des Gottesdienstes einsetzen werden! — O. K a p l e r hat auf dieses Schreiben erwidert, daß es sich lediglich um ein im biblischen Geiste gehaltenes rein religiöses Grußwort des Re i ch s b i s ch o f handele, in dem keinerlei Bezug auf die kirchenpolitische Lage genommen wird. Auch der Einschub in das allgemeine Kirchengebet sei frei von jeder kirchenpolitischen Bezugnahme. Der Gedanke, auf diese Weise ein Assensus des Kirchenvolks in der Bischofsfrage herbeiführen zu wollen, sei völlig abwegig.
Nichtlinien über den Neuaufbau derstudentischenVerbände
Berlin, 2. Juni. (TU.) Die Deutsche Stu- dehnten schäft teilt mit: Die Beauftragten der NSDAP, für die studentischen Verbände haben im Einverständnis mit dem Führer Adolf Hitler die folgenden Richtlinien über den Neuaufbau der studentischen Verbände erlassen:
1. Es wird gewünscht, daß die studentischen Verbände auf der Grundlage der nationalen Erhebung ihren Aufbau im Sinne der national sozialistischen Weltanschauung im besonderen des nationalsozialistischen Staatsgedankens vollziehen und sich zu einem eindeutigen Führerprinzip bekennen unter Ausschaltung der bisherigen parlamentarisch - geographischen Einrichtungen.
2. Es ist erwünscht, daß Führer des 23 erbau i) e 5 nur eine Persönlichkeit wird, deren nationalsozialistische Weltanschauung erprobt und verbürgt ist und die eine Gewähr dafür bietet, daß die Zusammenarbeit zwischen dem Verbände einerseits und den NSDSTB. und der Deutschen Studentenschaft anderseits auf einer vertrauensvollen Grundlage sich vollzieht. Der Führer des Verbandes stellt sich gemäß dem Führer-
Gießener Gtadttheater.
Benefiz -Vorstellung: „Krieg im Frieden."
Als vor einigen Dezennien die Herren G. v o n Moser und Franz vonSchönthandas Lustspiel „Krieg im Frieden" schrieben, war die Zeit eine wesentlich andere als die heutige. Zwar mag ein Lustspiel nicht das geeignete Mittel für eine zeitvergleichende Betrachtung sein, es drängt sich aber der ©inbrud auf, daß der Humor von einer ganz anderen Art ist, als jener, der uns aus den Lustspielen der Gegenwärtigen entgegentritt. In diesem Lustspiel, das man gestern abend sah (und mit herzlicher Freude verfolgte), war olles viel einfacher, eindeutiger und unverfälschter, ja, man darf sagen, naiver — die Dichter "eßen meist alles im voraus wissen. Als sich dann am Schluß des Stüdes insgesamt vier glüdliche Paare in den Armen lagen, so war auch das vorauszusehen gewesen und ging in Ordnung.
Noch ein anderes bestimmt den Charakter dieses reizenden Lustspiels: der leichte Ton, in dem hier der Soldat behandelt ist, der zu jener Zeit viele Iahrzehnte vor dem großen Kriege eben noch nicht so ausschließlich vom Geist der Pflicht und von dem Ernst überschattet gewesen zu sein scheint, wie das heute der Fall ist. Vielleicht ist zur Zeit der Geburt dieses Lustspiels auch das alte Soldatenlied entstanden: „Soldatenleben, das heißt lustig sein..." — Damals Lachte eben auch niemand an den Ernst des Krieges, sondern bestenfalls an Manöver, das dann ein willkommener Anlaß war, irgend ein Provinzstädt- chen in Aufruhr und die kleinen Mädchen für einige Zeit um den Verstand ’u 6rinnen.
Das geschieht in diesem Lustspiel reichlich. Hier feiert auch der leicht durch die Nase sprechende Leutnant (.Gestatten Gnädigste ... äh ... gestatten!") fröhliche Urständ, hier gibt es einen jungen Apotheker, der mit feinem Zylinder und weißbehand- schuhten Händen immer gerade im unrechten Augenblick kommt und verzweifelte Versuche macht, sich den Schwiegervater zu sichern; hier gibt es weiter den besorgten Stadtvater, der ob der Einquartierung den letzten Rest seiner Ruhe verliert, schließlich noch polnisch-deutsch radebrechende Burschen, verliebte Köchinnen und Stubenmädchen, besorgte Familienväter, reizende Backfischchen und nicht zuletzt auch eine junge rassige Ungarin, die allen Kopfe verdreht, dabei aber doch ihren Meister findet. Die Mutter, die lebhaft bemüht ist, ihre Tochter unter die Haube zu bringen, fehlt ebenso wenig, I
Prinzip selbstoerantwortlich feinen Mitarbeite r k r e i s zusammen.
3. Die Waffen st udentischen Verbände erkennen unter Annahme des auf dem außerordentlichen Waffenstudententag zu Goslar verkündeten Ehrengesetzes die dort aufgeführten Bedingungen als für sich bindend an. Für die nichtwaffenstuden- tischen Verbände gilt dies sinngemäß.
Die Beauftragten der NSDAP, gezw. Dr. S t a ■ del, gezw. Krüger, gezw. H e i d e r l ch.
*
Der neue Führer der deutschen Korpsstudenten, die im Äö Jener S C. vereinigt sind, Dr. Max B l u n ck - Franconia-Jena, teilt in einer Verlautbarung mit, daß die von dem Beauftragten des Reichskanzlers Adolf Hitler bekanntgegebenen Richtlinien und Wünsche für die organisatorische Gestaltung der studentischen Verbände überein- st i m m e n mit dem Inhalt der dem diesjährigen Kösener Kongreß bereits seit längerer Zeit vorliegenden Anträge, die wegen der vorzeitigen Vertagung des Kongresses nicht zum Beschluß erhoben werden konnten. Der neue Führer erklärt, daß er d i e V e r- antroortung dafür übernehme, daß die Arbeit des deutschen Korpsstudententums a u ch i n Zukunft in restloser Uebereinstim- mung mit Öen Aufgaben und Zielen der nationalen Revolution geleistet werden würde. Das deutsche Korpsstudententum werde zu seinem Teil die vaterländischen Aufgaben der Gegenwart und der Zukunft erfüllen in unendlicher Verehrung und grenzenlosem Vertrauen zu dem Volkskanzler Adolf Hitler, wie in dem Gefühl schicksalshafter und unlösbarer Verbundenheit mit dem gesamten deutschen Volk. Alle Einflüsse, die die Durchführung dieser Aufgabe hindern oder erschweren, werde er rücksichtslos beseitigen.
ArbeitsplanungundArbeiisdienst
Berlin, 2. Ium. (CAD.) Der Organisationsplan des zukünftigen Arbeitsdienstes ist fertig. Am 1. August wird mit der Einrichtung der Stammabteilungen für die Arbeitsdienstpflicht begonnen werden. In der Zeit vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember werden die Stammannschaften eingesetzt sein. Ab Anfang Ianuar 1934 beginnt der eigentliche Arbeitsdienst. In der letzten Woche fanden im Reichsarbeits- und Reichsernährungsministerium wichtige Besprechungen über die Arbeitsplanung, den Arbeitsdienst und die Finanzierung statt, bei denen sämtliche Länderregierungen vertreten waren. Kapitän T h o l e n s , der Leiter des Amtes für Arbeitsplanung in der Reichsleitung des Arbeitsdienstes, forderte vom Reichsernäh- rungsministerium, sich für die Bereitstellung von 450 Millionen M k. jährlich für die Restfinanzierung der Arbeitsbeschaffung durch Landeskultur bei dem Reichsfinanz- ministerium einzusetzen. Für die nächsten beiden Iahre müßten Baupläne für 1,5 Milliarden Mark allein für Landeskulturarbei- t e n aufgestellt werden. Die Vertreter der Länderregierungen stimmten den Vorschlägen der Reichsleitung des Arbeitsdienstes zu.
Ein Neichsausschuß für Fremdenverkehr.
Berlin, 2. 3uni. (WTB.) Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Funk trat am 1. Iuni der neu gebildete Reichsausschuß für Fremdenverkehr zusammen. Diesem werden unter dem Vorsitz des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda angehören außer Vertretern der Reichsministerien und der Länder die Reichsbahn, der Bund Deutscher Verkehrsverbände und Bäder, der Städtetag, die Schiffahrtslinien, die Luft-Hansa, der Industrie- und Handelstag, der Reichseinheits-Verband des Gaststättengewerbes usw. Die notwendigen Mittel für einheitliche Werbemahnahmen zur Förderung des deutschen Fremdenverkehrs für das gesamte Reichsgebiet werden von den großen Verkehrsunternehmungen aufgebracht. Mit der Bildung dieses Reichsausschusses ist zum erstenmal die Reichsregierung an die Spitze der deutschen Fremden-
wie öer_ Rentier, der über die Festveranstaltungen feiner Frau entsetzt ist und um feine Ruhe bangt. Das Lustspiel vereinigt also eine stattliche Reihe von Witzblattfiguren der „guten alten Zeit".
Das Stück mit all seinen Sentiments, der einfachen aber herzerfrischenden Situationskomik und dem äußeren Rahmen der Mode des ausgehenden 19. Jahrhunderts, ist schon fast zu einer kulturhistorischen Angelegenheit geworden. —
Das alles konnte keineswegs hindern, daß man sich drei Stunden lang prächtig unterhielt, es gab mel Anlaß zu herzlichem Lachen, und mancher Beifall auf offener Szene ließ erkennen, daß man dem Stuck alle Aufmerksamkeit schenkte. So war es wirk- lichlich ein glücklicher Gedanke des Ensembles unseres Stadttheaters, die Saison mit soviel Fröhlichkeit ausklingen zu lassen.
Die Ausführung wurde dem Charakter des Lustspiels vollkommen gerecht. Karl 23 o Id führte mit gewohnt glücklicher Hand Regie, die Schauspieler waren mit Lust und Liebe bei der Sache und hatten im saft vollbesetzten Hause den richtigen Resonanzboden. 1
Als der für feine Nichte sehr verantwortunqs- bewußte Onkel und von seiner Einquartierung durchaus nicht immer erbauter Quartierwirt traf
V o l ck stets den richtigen Ton. Maria Koch unterstützte ihn als seine Frau sehr wacker Ilka Etvos, die exzentrische Nichte aus der Pußta, wurde Liesel Beling mit echt ungarischer Leiden- f£9aft' viel Charme und Temperament dargestellt. Sybille-Cvelyne Flemming war eine sehr distin- gierte Gesellschafterin und geheimnisumwobene Gattin des Stabsarztes. Stadtrat Henkel, der stets Beschäftigte, Hastige, Nervöse, wurde von Wolf- gang Kühne auf das originellste dargestellt. Luise Schubert-Jüngling gab seine Frau Sophie mit gewohnter Sicherheit. Elisabeth Wie- Lanri?ei1roar. 0and schwärmerischer Backfisch, Peter » a I f oi11 gab dem General eine feine menschliche Note, Wilhelm Dieten stellte den charaktervollen Ulanen-Leutnant, der schließlich das Rennen macht, und Walter Michel war ein schneidiger Stabsarzt für Körper und Seele. Als Husaren-Leutnant Schwadroneur und doch schließlich verhinderter Freier, war Heinrich Hub aanz an seinem Platz. •Rainer Eggemann als schüchterner Apotheker fand sich in feiner komischen Rolle überraschend gut Zurecht. Kurt-Peter Hamel war der Prototyp des Leutnantsburschen aus Oberschlesien und Gert Geiger das Muster eines diskreten Domestiken. Agathe Walther-Lederer gefiel als in Liebessachen erfahrene Köchin, Lotte Wöhrmann
Verkehrs-Bewegung getreten. Der starten Zersplitterung der deutschen Verkehrswerbung wird ein Ende bereitet werden. Die von den Fremdenverkehrsorten ebenso wie von den Landesverkchrsverbänden durchzuführenden Wer- bemahnahmen werden ihre Begutachtung beim Rcichsausschuh für Fremdenverkehr finden. Außerdem wird der Reichsausschuh die Förderung und Zusammenfassung der deutschen Verkehrswerbung für das gesamte Reichsgebiet durchführen.
In einer Besprechung zwischen Vertretern des Bundes deutscher Verkehrsverbände und des Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes wurde beschlossen, die beiden Spitzenverbände des Fremdenverkehrs unter dem Namen „Bund deutscher Verkehrsverbände und Bäder" zu vereinigen. In den engeren Vorstand des Bundes hat Bundespräsident Staatsminister Esser den bisherigen ersten Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Bäderverbandes, Bürgermeister H e ß - Wiesbaden, und seinen Stellvertreter, den Vorsitzenden der Balneologischen Gesellschaft, Professor Dr. Vogt- Pyrmont, berufen.
Or. Goebbels dankt für die italienische Gastfreundschaft.
Berlin, 2. Juni. (WTB.-Funkspruch.) Reichs- minifter Dr. Goebbels hat nach feiner Rückkehr aus Italien folgendes Telegramm an den italienischen Regierungschef gerichtet:
„An Se. ExzellenzMluffolini, Rom. Ich scheide von Italien mit tiefer Bewunderung für den Faschismus und feinen großen Duce. Die italienische Nation ist durch Euer Exzellenz Wirken in die erste Reihe der Völker eingerückt worden. Die Ergebnisse der faschistischen Politik, die ich ken- nenlernen durfte, sind imponierend und bcispiel- qcbenb. Es ist mir ein herzliches Bedürfnis, Euerer Exzellenz für die so überaus gastliche Aufnahme in Jbrem Lande meine aufrichtige Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Meine besten Wünsche gelten Ihnen und Ihrem Werk. Dr. Goebbels."
Eine nationalsozialistische Geldlotterie für Arbeit und Brot.
Berlin. 2. Iuni. (ERB.) Die Rationalsozialistische Parteikorrespondenz veröffentlicht eine Bekanntmachung des Reichsschatzmeisters der RSDAP., wonach am 1. Iuli eine große, im ganzen Reich zugelassene Geldlotterie für „Arbeit und Brot" beginnt. Damit der Erfolg nicht durch Sammlungen ähnlicher Art gefährdet wird, bedürfen alle anderen von den Gauen und Ortsgruppen geplanten öffentlichen Sammlungen der Genehmigung, Anträge auf Zulassung von Lotterien an die Länderregierungen bis auf weiteres der Zustimmung des Reichsschatzmeisters. Vom 3. Iuli bis zum Ziehungstag am 27. September ist in allen Versammlungen zum Loserwerb aufzufordern. Der Vertrieb der Lose wird zunächst durch das bestehende Lotjeriege- werbe erfolgen.
Tagung des Zungdo in Bielefeld verboten.
Bielefeld, 2. Iuni. (FSD.) Der Polizeipräsident hat die in Dielefeld für den 3. bis 5. Iuni d. I. anberaumte Tagung des Iungdeut- schen Ordens verboten. Die Reise von Mitgliedern des Iungdeutschen Ordens zu dieser Tagung ist daher zwecklos.
Abschluß der Voruntersuchung gegen die Neichstagsbrandstister.
Berlin, 3. Iuni. (ERB.) Rach einer Mitteilung des Presseleiters der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion hat der Tlntersuchungs- richter des Reichsgerichts, Reichsgerichtsrat Vogt, die Voruntersuchung gegen van der Lübbe, Torgler, Dimitroff, Popoff und Taneff wegen der Inbrandsetzung des Reichstages und wegen Hochverrats abgeschlossen und die Akten dem Oberreichsanwalt in Leipzig zugeleitet. — Der „Völkische Beobachter" schreibt dazu: Es war nach allem Vorgefundenen klar, daß der eine erwischte Verbrecher zahlreiche Helfers-
als Stubenmädchen. Das Bühnenbild von Karl Löffler schuf dem Lustspiel einen farbenfrohen und für das Zeitbild gut treffenden Rahmen. Beleuchtung: Ludwig Keim, Kostüme: Curt Huber.
Das Publikum dankte zum Schluß mit anhaltendem Beifall. Drei Tische, mit Blumen und Geschenken reich bedeckt, waren der sinnfällige Ausdruck der herzlichen Verbundenheit unserer großen Theatergemeinde mit ihren Schauspielern und ein äußeres Zeichen herzlichen Dankes für so viele schöne Stunden der Erbauung und Aufmunterung in der jetzt abgeschlossenen Spielzeit. —n.
Merkwürdige Veränderung.
Von Peter Purzelbaum.
Zu Ende des Monats Mai des Iahres 1883 starb Tom Pouce, der berühmteste Zwerg aller Zeiten, ein winziges Persönchen, das selbst dem Prince os Wales, dem nachmaligen K^nig Eduard VII. — den bekanntlich sonst nichts in Erstaunen setzte — imponiert hatte. Eduard soll nach der Besichtigung dieses sehr zu kurz geratenen Menschleins in seiner witzigen Art bemerkt haben:
„Ahoi! Ich hab' schon größere Zwerge gesehen!"
Tom Pouce, der stets von dem Trompetenschwall einer gewaltsamen Reklame begleitet auftrat und sich dem p. t. Publikum nie anders als im roten Generalsfrad, an dem ein Dutzend unmöglicher, natürlich selbst verliehener Orden baumelten, zeigte, hatte sich als „Kleinster Mann der Welt" auf seinen Reisen in Amerika und Europa ein ansehnliches Vermögen erworben, das er nach Beendigung seiner „Künstlerlaufbahn" InJBroofltjn bis zu seinem Tode vergnüglich verzehrte.
Als Tom Pouce einmal in Paris auftrat, berpinöerte das riesige Gedränge, das bei seinem Erscheinen den Vorstellungsraum erfüllte, die nähere Besichtigung des Raturwunders, so daß viele Reugierige, die ein Sxtrahonorar erschwin- gen tonnten, auf den Einfall tarnen, Tom Pouce m feinet Wohnung zu besuchen.
So klopften nun die reichsten und vornehmsten Leute, zumal die Damen, die nichts Besseres äUs. batten, an die Tür des kleinen Kerlchens, und das ging schließlich so weit, daß es zum guten Ton der Gesellschaft gehörte, sich mit Som Pouce einmal unterhalten zu haben.
Helfer gehabt haben mußte, und der Rach- forschung nach diesen Komplizen sind die Monate mühevoller Untersuchung gewidmet gewesen. Zu welchen Ergebnissen Reichsgerichtsrat Vogt gelangt ist und welche Zusammenhänge sich haben ausdeden lassen, wird der kommende Prozeß erweisen. Iedenfalls wird auch dieser An- sck)lag auf ein dem deutschen Volk gewidmetes Monument nun seine entsprechende Sühne finden.
Aus aller Welt.
Hindenburg in Reudeck.
Mit dem fahrplanmäßigen Personenzug aus Marienburg traf Reichspräsident v. Hindenburg am Freitagvormittag gegen Uhr in seinem Salonwagen auf dem Bahnhof Rosenberg in Begleitung seines Sohnes Oberst von Hindenburg ein. Eine Abteilung SA. und SS. der Ortsgruppe Rosenberg hatte Aufstellung genommen, deren Führer Lehrer Fratzscher einen Willkommensgruß entbot und seiner Freude Ausdruck gab, den Reichspräsidenten in diesem Jahre der nationalen Freiheit in Neudeck begrüßen zu dürfen. Der Feldmarschall dankte für den Gruß, überbrachte die Grüße des Reichskanzlers Adolf Hitler und erkundigte sich nach der Stärke der angetretenen SA.-Gruppe. Er bestieg dann feinen Kraftwagen und fuhr mit feinem Sohn, begrüßt von einer großen Menschenmenge in Richtung Neudeck weiter.
Außerordcnllicher hochschuttag in (Erfurt.
Der Verband der Deutschen Hochschulen hat in Erfurt einen außerordentlichen Hochschultag abgehalten, um seinen Vorstand zu erneuern. Gewählt wurden zu verantwortlichen Führern Pros. 1 Dr. Schacht von der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin als erster Vorsitzender, Pros. Dr. I Rebe r m eher von der Universität Tübingen als zweiter Vorsitzender. Im ganzen besteht der Vorstand satzungsgemäß aus sechs Ordinarien und * zwei Richtordinarien. Der Hochschultag gab ferner dem Vorstand die Vollmacht, die Ausschüsse des Verbandes neu zu besehen. Anschließend wurde folgendes Crgebenheitste- legramm an den Reichskanzler gesandt: Die neue Führung des Deutschen Hochschulverbandes begrüßt in Verehrung und Treue den Kanzler des deutschen Volkes und gelobt freudige Mitarbeit am Aufbau des Reiches.
Schweres Eisenbahnunglück in Bosnien.
In der Nähe von Mostar war ein Personenzug in ein schweres Hagelunwetter geraten, das die Strecke bis über 30 Zentimeter hoch mit Eiskörnern bedeckt hatte. Schon dadurch war das Passieren des Zuges wesentlich erschwert. Durch das Unwetter waren jedoch auch Erd mass en in Bewegung geraten, die die Strecke verschütteten. Das Hindernis befand sich gerade an einer Stelle, die schwer zu übersehen war, so daß der Zug mit voller Kraft in die Erbmassen hineinfuhr und auf den vereisten Schienen auch nicht zum Stehen gebracht werden konnte. Die Lokomotive und die beiden anhängenden Wagen, der Dienstwagen und ein Personenwagen 3. Klasse, wurden i n e i n = andergeschoben. Dabei wurden zwei Reifende getötet; eine Frau starb noch während des Transportes in das Krankenhaus. Weiter sind noch vier Personen so schwer verletzt, daß für sie Lebensgefahr besteht. 20 Personen erlitten leichtere Verletzungen.
lleberfall in Hollywood.
Bewaffnete Banditen drangen in einen Saal, in dem ein berühmter Filmschauspie- l e r einigen Kollegen ein Gast mahl gab. Die Teilnehmer wurden zunächst geknebelt. Da-n bemächtigten sich die Räuber allen vorha aicn Geldes unda ller erreichbaren Wertgegenstände. Das geraubte Gut dürste insgesamt einen Wert von 30 000 Dollar haben. Die Verbrecher entkamen unerkannt.
Ozeanflieger Hauptmann Köhl fliegt nach Amerika.
Der Fliegerhauptmann und Ozeanflieger Dr.-Jng. h. c. Hermann Köhl wird am 3. Juni mit dem „Graf Zeppelin" nach B r a f i l i en fliegen. Seinen Aufenthalt wird er dazu benutzen, die ersten Besprechungen für seinen Geschwaderflug nach Südamerika im Sommer 1934 zu führen.
Run bewohnte der Zwerg mitsamt seinem Gefolge die Hälfte eines in einer Seitengasse gelegenen kleinen Hauses, dessen andere Hälfte von Lablache gemietet war. Dieser berühmte Sänger war das direkte Gegenteil seines kleinen Rachbarn. Mit seinen breiten Schultern, seiner Höhe von fast zwei Meter, seiner Dickleibigkeit und den mächtigen Gliedern hätte er ganz gut als Riese auftreten und sein Geld erwerben können, wenn er nicht zufällig mit einer gold- werten Stimme begnadet gewesen wäre. Trotz seiner riesigen Ausmaße und seiner Stärke war Lablache ungemein nervös veranlagt, und das ewige Klingeln, Klopsen, Treppauf- und Treppab- Laufen der immer zahlreicher werdenden Besucher Tom Pouces störten ihn derart, daß er beschloß, der müßigen Reugierde der Pariser Gesellschaft einmal einen Streich zu spielen.
Bald bot sich hierzu die Gelegenheit, denn Tom Pouce mußte einige Tage so plötzlich verreisen, daß er seinem Publikum in der Eile nichts davon mitteilen konnte. Es kamen daher unausgesetzt neue Besucher, und da sie die Wohnung des „Kleinen Generals" versperrt fanden, klopften sie kurz entschlossen an der gegenüberliegenden Türe. Sofort ließ sich ein wuchtiger Grenadierschritt vernehmen, beide Flügel sprangen auf und den erstaunten Parisern zeigte sich eine riesige Gestalt in rotem Frack mit Schleppsäbel, Federbusch und zahllosen Phantasieordenssternen.
„Sie wünschen?", fragte die Gestalt in tiefstem Daß.
„Könnten wir den Herrn General sprechen?" „Iawohl, der bin ich", entgegnete Lablache. „Herrn General Tom Pouce meinen wir." „Gewiß", rief Lablache, „der bin ich — bitte treten Sie ein."
Allgemeines Entsetzen.
„Aber Sie sind ja gar fein Zwerg", schrien die Pariser durcheinander.
„2a, meine Damen und Herren", antwortete der Riese mit unerschütterlichem Ernst, „ich befinde mich in meiner Wohnung und wozu soll ich mir da Zwang antun, wenn ich aufzutreten nicht genötigt bin?!"
Diese geheimnisvolle Täuschung wurde bald in der französischen Hauptstadt ruchbar, und als Tom Pouce wieder nach Paris zurückgekehrt war, ließ sich zu seinem Erstaunen niemand mehr an seiner Wohnungstür blicken.


