Sie deutschen Hochschulen im nationalen Staat.
Berlin. 2. Mai. (ERB.) Der Borst and des Verbandes deutscher Hochschulen veröffentlicht eine Erklärung, in der es u. a. heißt:
„Die Wiedergeburt des deutschen Volkes und der Aufstieg des neuen Deutschen Reiches bedeutet für die Hochschulen unseres Vaterlandes Erfüllung ihrer Sehnsucht und Bestä ti- gung ihrer stets glühend empfundenen Hoffnungen. Vach dem Fortfall unseliger Klassengegensätze ist für alle Hochschulen wieder die Stunde gekommen, ihren Geist aus der tiefen Einheit der deutschen Volksseele heraus zu entfalten und das vielgestaltige Ringen dieser durch Vot und fremdes Diktat unterdrückten Seele bewußt auf die Aufgaben der Gegenwart hinzulcnken.
Sn diesem Sinne ist die deutsche Hochschule Politisch. Sie lehnt die Form der Politisierung ab, die eine Verengung auf Sonderanschauungen bedeutet. Sie bejaht eine Politisierung, die den gemeinsamen nationalen Willen stärkt und also Willens- schulung durch Wissensschulung bewirkt.
Freiheit der Forschung verstehen wir nicht als Heimatlosigkeit des Geistes und als wertblinden Relativismus, sondern als eine Darstellung der uralten deutschen Geistesfreiheit, die aus sittlicher Verantwortung vor der Wahrheit an der Welt der deutschen Wissenschaft weiterbaut: Freiheit der Lehre verstehen wir aus der Verantwortung vor der deutschen akademischen Jugend, die durch Wahrheitserkenntnis stark zum Handeln werden soll.
In diesem Bekenntnis liegt kein Bruch mit der ^leberlieferung unseres Hochschulwesens. Wi r verteidigen unsere alten ehrwürdigen Formen: die Selbstverwaltung durch Rektor, Senat und Fakultäten, die nicht bloß auf Wissenschaft beruhende Lebensverbundenheit von Studenten und Dozenten, die Selbstergänzung des Lehrkörpers. Wir haben aber auch den Willen zur Reform: Wiederherstellung der alten Auslese nach dem Adel von Geist und Charakter auf beiden Seiten, Verbesserung des Lehrverfahrens, Berücksichtigung neuer, für unsere Zeit dringlicher Wissenszweige. Darin liegt unser geistiger Wehrwillc. Wi» werden neue Formen der Rational- crziehung, wie Arbeitsdienst, Siedlungsschulung, Wehrsport, Grenzlandschuh durch Jugendorganisationen und Iugendbünde auch als unsere Sache betrachten, denn sie sind Sache der ganzen Ration.
Für die Freiheit der Ueberzeugung, soweit sie aus deutschem Wesen entspringt, werden wir, wie bisher, mit Festigkeit eintreten. Unechte Gesinnung, blindes Mitlaufen, leere Schlagworte sind undeutsch. Sie sind aber auch unschöpferisch und gehören nicht in den Raum der deutschen Hochschule. Deutsche Art und deutsches Recht, Selbstzucht und Dienst, Freiheit durch Gehorsam, Führung durch Geist und Idee sind unsere sittlichen Leitsterne. Auch wir sind Korporationen der Arbeit. Für die Gesamtheit der Bedingungen, unter denen unsere Arbeit allein gedeihen kann, einzutreten, ist unsere Gewissenspflicht. Wir dienen dem neuen Deutschland durch Einsetzen unserer Kraft für Gottgebundcnheit, Volkssitte, Wahrheit und Recht. Dafür fordern wir Raum, V e r st ä n d- nis und Hilfe der Führenden, Bereitschaft der uns anvertrauten Jugend.
Eine Aufforderung des Führers der Deutschen Studentenschaft.
Berlin, 29. April. Der Führer der Deutschen Studentenschaft G. Krüger erließ an die örtlichen Studentenschaften folgende Anordnung: „Die Deutsche Studentenschaft steht a in Beginn eines Semesters, das das e r st e in dem nationalsozialistischen Staate ist. Die in diesen Tagen erfolgten Prüfungen lassen uns mit Arbeitsfreude die Hochschulen betreten und geben uns die Zuversicht, daß wir eine Wissenschaft finden werden,
die des Geistes der nationalsozialistischen Revolution teilhaftig ist. KommilitonenI In der wissenschaftlichen Arbeit wird sich erweisen, daß der deutsche Student nicht nur als Volksgenosse einsatzbereit war, sondern daß er in gleicher Weise fähig ist, die Aufgaben, vor die er im Rahmen der Hochschule gestellt ist, zu erfüllen. Diese Aufgabe ist die Wissenschaft. Sie ist nunmehr das Feld unseres Kampfes."
Kultusminister Rust an die preußische Giudentenschast.
Berlin, 2. Mai. (WTB.) Der preußische Kultusminister R u st hat heute folgenden Erlaß an die preußischen Studentenschaften gerichtet:
Kommilitonen! Mit dem Studentenrecht ist der Studentenschaft an den preußischen Hochschulen eine Verfassung gegeben, die ihre Rechte und Pflichten klar umgrenzt und der Studentenschaft eine gesetzmäßige Vertretung gibt. Damit sind die äußeren Grundlagen für den Beginn einer Zeit ernster und erfolgreicher Arbeit gegeben.
Eine Llmgestaltung der Lehrkörper ist die Aufgabe der Staatsregierung. Sie hat dazu jetzt die Vollmachten und wird davon Gebrauch machen. Die deutsche Studentenschaft hat vor aller Welt den Beweis zum mutigen und opferbereiten Einsatz für ihre nationalen Hochziele in Jahren der Unterdrückung und Entrechtung gebracht. Jetzt liegt auf ihr die Pflicht, vor Deutschland und der Welt durch Disziplin und Leistung den Ruf eines freien und hochstehen- den deutschen Hochschulwesens wieder herzu st ellen und zu befestigen.
Laßt Euch in der Erfüllung dieser großen und ehrenvollen Aufgabe nicht durch Entgleisungen einzelner Hochschullehrer beirren, die in diesen Tagen eines deutschen Ar- beitssrühlings in völliger Verkennung der Lage durch beleidigende Erklärungen das junge Deutschland herausfordern. Ich werde den Störungsversuchen des Arbeitsfriedens an den preußischen Hochschulen a u f beiden Seiten entgegenzutreten wissen.
Ich werde Studenten, die sich zu st ö r e n - den Aktionen andenHochschulenmiß- brauchen lassen, ebenso vom Hochschulstudium aus schließen, wie ich Lehrer, die unser deutsches Hochschulwesen und damit das neue Deutschland vor der Welt durch unzeitgemäße und unberechtigte Erklärungen denunzieren, nach den Bestimmungen des Gesetzes zum Schutze des deutschen Berufsbeamtentums von den Lehrstühlen der Preußin schen Hochschulen zu entfernen wissen werde.
Reue Beurlaubungen von Professoren.
Der Kultusminister Dr. R u st hat auf Grund des Beamtengesetzes die folgenden Lehrkräfte mit sofortiger Wirkung beurlaubt: Universität Berlin: die Professoren C h a j e s (Soziale Hygiene), Rona (Kolloidchemie), Friedrich Franz Friedmann (Tuberkulosebekämpfung), Frieden- thal (Physiologie), Blumenthal (Dermatologie), Birnbaum (Psychiatrie), Konrad Cohn, Mittwoch (Semitische Philologie), Pokorny (Irische Sprache), Richter (Innere Medizin), Schur, (Mathematik), I o l l o s (Zoologie), Walter Norden (Kommunalverwaltungslehre), Hans P r i n g s b e i m (Chemie), Hermann Großmann (Wirtschaftschemie), Otto L i p m a n n , Manes (Staats- und Sozialwissenschaften), Byk (Physik), Fischet (Kunstgeschichte). Den Dozenten Dr. Fritz Baade, Dr. Balogh, Kurt H a e n tz s ch e l, Walter Londe und Professor Wolff-Eisner (Innere Medizin) sind die ihnen erteilten Lehraufträge mit sofortiger Wirkung entzogen worden. — Universität Köln: die Professoren Schmalenbach (Betriebswirtschaftslehre), Schmidtmann (Sozialpolitik), Spitzer (Ro- —rjm «tu i hi ’i v,ii wnraasptw <.. wwiwr. strvv. r nwiMiMU—
manische Philologie), Cohn-V osssen (Mathematik), Braunfels, Lips (Völkerkunde und Soziologie), Esch, Bayer, Honigsheim (Philosophie und Soziologie). — Technische Hochschule Aachen: die Professoren H rip f (Mathematik), Fuchs (Technische Chemie), e u f e I (Soziologie), Mautner (Eisenbetonhochbauten), Levy (Chemie): die Privatdozen en Strauß und Pick. /
Auslese für das Richteramt in Preußen.
Berlin, 2. Mai. (TA.) Der preußische Iustiz- minister hat eine Verfügung erlassen, nach der unter den Anwärtern für das Amt eines Richters, Staatsanwalts, Rechtsanwalts und Rotars künftig im Rahmen der Rcichsges-che eine Auslese nicht nur unter dem Gesichtspunkt intellektueller Befähigung und technischer Schulung, sondern auch auf Grund eine/t Beurteilung der Persönlichkeit als bewriß-
ten Gliedes des Vo.lksganzen getroffen werden soll. Der Anwärter wird in einem be- sonderen Termin nachzuweisen haben, daß Volksverbundenheit, soziales Einfühlungsvermögen, Verständnis für die gesamte völkische Entwicklung und für die Rotwendigkeit der Entwicklungsrichtung des Volkes in Gegenwart und Zukunft die Grundlage seiner Persönlichkeit ist. Demgemäß hat der preußische Iustizminister mit Wirkung ab 1 Mai 1 9 3 3 bestimmt, daß Referendare, dis nach bestandener großer Staatsprüfung zu Gerichtsassessoren ernannt, oder unmittelbar zur Rechtsanwaltschaft zugelassen zu wünschen werden, sich auf Stellung des Antrages auf Ernennung, bzw. Zulassung in einem, von dem Iustizminister anzuberaumenden Termin einer Nachprüfung zu unterziehen haben, deren Zweck es ist, dem Iustizminister ein Bild von der Volksverbundenheit des Bewerbers zu vermitteln.
Stahlhelm und NSDAP.
Reichskanzler Hitler anGeldte
Berlin, 29. April. (TU ). Reichskanzler Adolf Hiller Hal an den ersten Bundesführer des Stahlhelms, Reichsminister Seldle, folgenden Brief gerichtet:
„verehrter, lieber Herr Seldle! 3d) möchte Ihnen auf diesem 2D ege meinen tiefgefühlten Dank sagen für die gestern erfolgte äußere Bekundung ihrer loyalen Lin stet- lung und freundschaftlichen Gesinnung, die Sie mir so zum Ausdruck bringen. Ich bin überzeugt, daß der Bund der beiden verbände für alle Zeilen ein unerschütterlicher sein wird, ein dauernder Garant für den Bestand der nationalen Revolution. Rehmen Sie also nochmals meinen aufrichtigen Dank und meine herzlichsten Grüße entgegen.
Mit deutschem heil, Ihr ergebener
gez. Adolf Hiller."
Der Stahlhelmftihrer-Appell
Berlin, 2. Mai. (T41J Die Bundespressestelle des Stahlhelm teilt mit: Der vom Bundes- führer des Stahlhelm, Reichsarbeitsminister Franz S e l d t e, befohlene Appell der Führerschaft des Stahlhelm bis zu den Kreisführern herunter, fand im großen Saal des Reichsarbeitsministeriums am Sonntag um 13 Ahr statt. Während sich über 1030 Stahlhelmführer im Hofe des Ministeriums versammelten, trat vor dem Gebäude in der Invalidenstraße eine Ehrenkompanie des Landesverbandes Groß-Berlin mit Fahnen und Musik an, deren Front dann der Bundesführer abschritt. Rachdem die Führerschaft des Stahlhelm dem Dundesführer gemeldet war, hielten der Dundesführer und die Kameraden v. B ü - low-Schwante und v. Morozowicz Ansprachen und Vorträge über die politische Lage und die kommenden Aufgaben des Bundes. Das von dem Dundesführer verkündete Gesetz seiner diktatorischen Führung, das von jetzt an f ü r den ganzen Bund Geltung hat, wurde von der gesamten Führerschaft m i t größter Begeisterung ausgenommen. Mit einem Treuegelöbnis für den Dundesführer Franz Se'ldte und dem gemeinsamen Gesang des vierten Verses des Deutschlandliedes fand der Appell seinen Abschluß.
Es wurden vorher folgende Ernennungen bekanntgegeben: Kamerad von Morozowicz zum Bevollmächtigten des Bundesführers, Kamerad v. S t e p h a n i zum Bundeshouptmann, Kamerad Frei he r r v. Sieben zum Bundes- Pressechef und Kamerad I ü t t n e r zum Führer des Landesverbandes Mitteldeutschland.
Die Reichsleitung der NSDAP, gibt weiter bekannt: „Die Erklärung des Stahlhelmführers Seldte, daß er mit seinem gesamten Verbände der NSDAP, beitritt, wird als ein gewissermaßen symbolischer Akt begrüßt, durch den seitens des „Bundes der Frontsoldaten" der Erfolg des Führertums Hitlers anerkannt wird. Darüber hinaus wird im gegenseitigen Einverständnis an der bewährten organisatorischen Scheidung fe st gehalten werden, die soweit geht, daß eine tatsächliche Doppelmitgliedschaft im einzelnen nach toie vor nicht zulässig sein soll. Die NSDÄP. ist überzeugt, daß die freundschaftliche Geste des Stahlhelms beiträgt zu weiterem vertrauensvollen Zusammenwirken zum Nutzen des deutschen Volkes. (Gez.) Rudolf He ß."
Die Bekanntmachung des stellvertretenden Führers der NSDAP, ist, wie die Telegraphen-Union ergänzend erfährt, dahin aufzufassen, daß wie bereits vor der nationalen Revolution die Mitgliedschaft beim Stahlhelm eine Mit - gliedfchaftbei derNSDAP. ausschließt und umgekehrt. Lediglich der Führer, der Arbeitsminister Seldte, ist als Bvndesführer des Stahlhelms zu gl e i d/e r Zeit Mitglied d e r NSDAP. Er und durch feine Person der gesamte von ihm geführte Stahlhelm unter st e h t somit d e m F ü h r e r A d o l f H i t l e r. Durch diese Neuordnung ist die nad) dem nationalen Umschwung erfolgte Freigabe der Mitgliedschaft der NSDAP, für Stahlhelmer überflüssig und für das einzelne Stahlhelmmitglied der frühere Stand wieder hergestellt worden.
Wechsel im Vorsitz des VOA.
In der Hauptvorstandssihung des Vereins für das Deutschtum im Ausland sind in Erfüllung der Forderung nach einer vom Geiste der. deutschen Crneuerungsbewegung getragenen Führung folgende Maßnahmen auf einstimmigen Beschluß des Wahlausschusses getroffen worden:
1- Der Wahlausschuß bittet Herrn Reichsminister a. D. Dr. G e ß l e r unter aufrichtigem Dank für seine dem VDA. geleisteten Dienste, trotz seiner wiederholt ausgesprochenen Rü<^ trittsabsichten bis zum Ende der Klagenfurter Tagung den Vorsitz beiz u behalten.
2. Der Wahlausschuß überträgt die Führung des VDA. Herrn Dr. Hans Steinacher mit dem Auftrag, die Reuorganisation des VDA. vorzunehmen und der Klagenfurter Pfingsttagung diejenige Bedeutung zu sichern, die ihr im volksdeutschen Leben zukommt.
3. Der VDA.-Führer Dr. Steinacher wird am Ende des Jahres dem Wahlausschuß als dem Träger der Organisation verantwortlichen Bericht erstatten.
Eine Gikaffenmutter kämpft um ihr Junges.
Von Cherry Kearion.
Mit Erlaubnis des Verlags I. Engelhorns Nachf. Stuttgart bringen wir nachstehend eine Probe aus dem soeben erschienenen neuesten Buch „P a l l a h / Ein Tierleben in afrikanischer Wildnis" von Cherry Kear- t o n, dem Verfasser des bekannten Buches „Die Insel der 5 Millionen Pinguine".
geringer Entfernung steht unter einer Baum- gruppe eine Herde Giraffen. Ihre Köpfe ragen ins Laubwerk hinauf, die gefleckten Leiber und Hälse sind fast nicht zu unterscheiden, solange sie sich nicht bewegen Doch der Löwe hat sie schon gesehen, und da zur Zeit nichts andres in Sicht ist, beginnt er sie anzuichleichen.
Naher und näher schiebt er sich heran, ohne 33er= dE zu erregen. Jetzt erkennt er fünf ausgewach- fene Giraffen und em noch ganz, ganz Junges ist dabei. Er weiß: wenn die Giraffen fortgaloppieren, kann er sie^nicht mehr einholen, aber wenn sie das Kleine im «tich lassen, kann er es mit Leichtigkeit reißen. Und so kriecht er mit der Absicht vorwärts das Junge möglidjft von den Großen abzufchnei- den. Nod) steht seine Mutter bei ihm: die Vorder- deine weit auseinandergefpreizt, hält sie den Kops gesenkt, um ihre Nase an einem niedrigen Ameisen- hugel zu reiben. Aber plötzlich wird sie' stutzig, blickt unruhig aus und gerade in ein Paar Augen die hinter den spärlichen Halmen hervorglühen.' '
Obgleich die Giraffe keinen Laut von sich zu geben vermag, wissen die andern vier, die gerade durch die Baumgruppe von ihr getrennt sind, sofort, daß da Gefahr ist. Und mit durch di" Luft wirbelnden Schwänzen suchen sie eiligst das Weite Eine Sekunde lang ist es, als wolle die Giraffen- mutter ihnen folgen, dann aber wendet sie fid) ihrem Kleinen zu, und — indem sie es vor sich her- drängt — macht sie sich mit ihm so schnell, als es seine kürzeren Beine erlauben, davon. Sie folgt der Richtung, in der die andern geflohen sind, die weit drüben schon in der dunstigen Ferne vei- schwinden. Immer wieder wirft sie'ängstliche Blicke nach hinten. Der Löwe hält fid) nicht länger mit Kriechen auf, sondern ruckt rasch offen näher, ganz ohne seine sonstige Vorsicht..
Die Giraffenmutter begreift, daß Entrinnen un möglich ist. Sie macht kehrt und stellt sich dem Löwen entgegen. Geschwind bugsiert sie das Kleine mit ihrer Schnauze an den einzigen Platz, wo es
verhältnismäßig sicher ist — nämlich unter ihren Baud), zwischen Vorder- und Hinterbeine.
Wie sie da so auf ihren spindeldünnen Beinen sich im Gleichgewicht zu halten sucht, erscheint sie nicht gerade als ein ebenbürtiger Gegner für den Löwen: doch für den Augenblick ist sie mit ihrem Kleinen in Sicherheit. Statt gerade vorzugehen, fängt der Löwe jetzt an, sie zu umkreisen: dabei vermeidet er vorsichtig, sich ihr auf mehr als etwa fünfundzwanzig bis dreißig Meter zu nähern. Sein Blick ist unablässig auf sie gerichtet. Er muß auf der Hut fein; weiß er doch, wie gefährlich die einzige Waffe, die die Giraffe besitzt, ihm werden kann. Kommt er ihr zu nahe, dann wird plötzlich mit einer ungeheuren Wucht der eine Vorderfuß vorschnellen; solch ein Hieb kann ihn glatt erledigen. Aber auch wenn er sich etwas mehr zurückhält, kann er sich dadurch in Gefahr begeben, daß er sie vielleicht für eine Sekundenlänge' aus dem Auge läßt. Den kurzen Augenblick kann sie dazu benutzen, selber vorzugehen und mit gesammelter Kraft ihren furchtbaren Hieb so auf ihn n-ieder- sausen zu lassen, daß ihm die Schulter zerschmettert wird.
So kreist er denn um sie herum, in ständiger Erwartung des Augenblicks, wo er sie überrumpeln kann, ohne selbst in Gefahr zu kommen. Die Giraffe aber wendet nicht einen Blick von ihm; das Gesicht ihm zugekehrt, drehte sie sich' unablässig um sich selber, die Vorderbeine in steter Bereitschaft, zu dem vernichtenden Schlag auszuholen. Und während dieses ganzen Manövers hält sie das Kleine in feinem Unterschlupf unter ihrem Bauch fest.
So drehen sie sid) wer weiß wie oft in der Bunde. Das Kleine wird schließlich unter den ewigen Bewegungen seiner Mutter ganz verwirrt und tappt einen Augenblick aus seinem Unterstand her- ous. Jetzt — denkt der Löwe, ist der rechte Augen-
- jL- *^n $a» sich des zarten Bratens zu be- machtigen, und wagt fid) näher. Da aber springt die Giraffe vor und schleudert einen tödlichen Hieb nad) ihm hm der ihn aber um Haaresbreite ver- eblt; schnell sammelt sie sich wieder, und ehe der Lowe noch aus ihrem sekundenlang verlorenen Gleichgewicht Nutzen ziehen kann, ist sie schon wieder rittlings über ihrem Kleinen und in Verteidigungsstellung.
Ist das eine Schreckensstunde für die kleine ©traffe! Unaufhörlich sieht sie den Löwen um sie beide herumkreisen und ihnen den Weg zur Flucht abschneiden, hört sein schreckliches Brummen und Knurren, und wird obendrein nod) gequält und verwirrt durch die fortwährende Drehbewegung ihrer Mutter und die fünften Püffe, die sie ihr versetzt,
wenn sie sich nicht mitdreht. Mit dem Kopse stößt sie gerade an der Mutter Bauch an, und zwischen ihren Vorderbeinen hindurch starrt sie voller Entsetzen nach dem Löwen.
So vergeht eine Stunde. Unermüdlich bleibt die Mutter in ihrer Verteidigungsstellung — dreht sich langsam, nicht zu langsam, nicht zu schnell, die Augen unablässig auf den Feind gerichtet, jede Absicht zu überraschendem Angriff, zu urplötzlichem Ansprung durchschauend. Aber als die Sonne mit immer stärkerer Glut herabbrennt, beginnt des Löwen Spannung nachzulassen. Einmal bleibt er stehen und nimmt die Giraffe aufs Korn, als überlege er, ob er wohl einen plötzlichen Ueberfall wagen soll. Dann aber fängt er wieder langsam an ZU kreisen, doch sein Blick folgt den Bewegungen der Giraffe nicht mehr so sicher. Und plötzlich gibt er es auf! Ohne auch nur einen einzigen Blick noch zurückzuwerfen/ macht er sich auf den Heimweg.
Die Girafsenmutter wartet noch ab, bis er außer Sicht ist, dann aber beugt sie ihren langen Hals herab, um ihr Kleines in die nötige Richtung zu ftubfen, und dann ziehen sie beide in aller Buhe ihres Wegs — den Gefährten nach.
Oie Mode in der Medizin.
Auch die Arzneimittel haben ihre Mode, und das Moderne kommt bei ihnen nicht nur in der Beliebtheit und Bevorzugung ihrer Anwendung, sondern auch in der „Kleidung" zum Ausdruck. Wahrend diese bei vielen Mitteln unseres Arznei- schahes ursprünglich so reich war, daß durch sie die eigentliche Gestalt des Mittels verhüllt und dadurch ihr eigentlicher Wert kaum erkannt, wurde, finden wir sie später immer mehr Dort diesen entstellenden Umhängen befreit. Mystik die nicht nur mit der Geschichte der Kräuter, sondern vielfad) mit ihrer „Tugend und Wirkung" und schließlich mit ihrer Anwendung in Heilkunst und Heilkunde eng verknüpft ist, stellt das Gewand dar, das diese Heilmittel vergangener Jahrtausende bekleidet und umhüllt und die es namentlich dem „aufgeklärten Zeitalter" unmöglich dem „aufgeklärten Zeitalter" unmöglich machte, die wahre Gestalt dieser alten Arzneischähe zu erkennen. Diese Verhüllung zu beseitigen und den wahren Kern ans Licht zu bringen, ist ein Teil der Aufgabe der modernen Heilmittelforschung. Prof. Dr. E S t a r k e n st e i n schreibt zu diesem fesselnden Vorwurf im Maiheft von V e l - Hagen & Klasings Monatsheften: "Es kann keineswegs gesagt werden, daß etwa all den mystischen Vorstellungen über die Heil
kraft solcher Heilmittel immer ein wahrer Kern zugrunde liegen muß; aber vielfach ist ein solcher Rachweis gelungen, und dann steht plötzlich das alte Volksmittel, seiner Mystik entkleidet, vollkommen nüchtern, aber noch immer segensreich und nicht nur mit den alten, sondern auch mi- neuen Heilkräften ausgestattet, vor uns. Dann hören wir oft den Ausdruck: Ja, die Alten hatten doch den richtigen Blick für die richtigen Heilkräfte der Ratur und hatten schon längst das Richtige herausgefunden, wozu die Gegenwart erst durch mühevolle wissenschaftliche Forschung gelangt. In Wirklichkeit liegen aber die Dinge ganz anders. Die Entdeckung neuer Arzneimittel erfolgt oft ganz unabhängig und meist in völliger Unkenntnis der Vergangenheit, lediglich als Folge wissenschaftlicher Gegenwartsbestrebungen."
Em Klub spielt Eisenbahn.
Während im allgemeinen die englischen Klubs an Mitgliedern verlieren, hat einer in letzter Zeit einen großen Aufschwung genommen. Das ist der „Eisenbahnmodell-Klub". 3n dieser Vereinigung sind alle Leute zusammengeschlossen, die auch noch in höherem Alter ihr höchstes Vergnügen daran finden, „Eisenbahn zu spielen". Es gibt augenscheinlich in Groß-Britannien eine ganze Anzahl von Leuten in Amt und Würden, die ihr „technisches Steckenpferd" auf die Weise teilen, daß sie sich kleine Lokomotiv-Modelle kaufen oder auch selbst Herstellen und sie auf einem Miniatur-Eisenbahnnetz über Brücken, durch Tunnels und Bahnhöfe hindurchfahren lassen. Dieses Spiel wird höchst ernsthaft betrieben, und man nimmt ganz bestimmte Schienennehe der englischen Eisenbahn-Gesellschaften zum Muster, die genau nachgeahmt werden. „Es ist erstaunlich", sagte kürzlich der Sekretär des Klubs, „wie sehr diese Leidenschaft jungen und alten Männern jeden Berufs und jeden Standes zusagt. Die Liebe zur Technik und zum Basteln findet hier ein weites Feld der Betätigung, und so mancher, der sich in seiner Tagesarbeit mit ganz andern Dingen beschäftigen mußi findet darin Zerstreuung und Ablenkung. Auch die britische Industrie hat dadurch gewonnen. Als der Klub sich bildete, waren es hauptsächlich deutsche Eisenbahnmodelle, die man als Spielzeug verwendete, aber seitdem sind auch vortreffliche englische Modelle auf den Markt gebracht worden." Bei einer Ausstellung, öie der Klub kürzlich veranstaltete, wurden viele Hunderte solche Miniatur-Eisenbahnen gezeigt, die größtenteils in ihrer Art Meisterwerke waren.


