Ausgabe 
3.4.1933 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

Oer Abwehrboykott in Gießen. ,

Der von der NSDAP, veranstaltete Abwchr- boylott gegen jüdische Geschäfte zur Niederrin- gung der Greuclpropaganda im Auslande ist am Samstag in unserer Stadt ohne jeden Zwischensall verlaufen. Kurz vor zehn Llhr nahmen wie wir am Samstag schon berichteten die SA.-Posten Aufstellung vor den Eingängen der jüdischen Ge- schästc, um den Boykott durchzusühren. Eine An­zahl Geschäfte hatte von sich aus gar nicht gcössnet und hielt auch den ganzen Tag über geschlossen. In den offenstehenden Geschäften war nach unseren Beobachtungen kein Kundenverkehr zu bemerken. Sowohl beim Aufzug der SA.-Posten am Bor­mittag, wie auch während des ganzen Tages herrschte in den Geschäftsstrassen großer Publi­kumsverkehr, jedoch ging alles reibungslos vor sich, da von allen Seiten gute Disziplin gewahrt wurde. Gegen 18 Llhr Wurden die SA.-Posten zum Teil zurückgezogen, aber auch danach herrschte in den von dem Boykott betroffenen Geschäften I völlige Ruhe und verlief der Straßenverkehr ohne jeden Zwischenfall. .

Als Abschluß des Tages sand am Abend auf dem Landgraf-Philipp-Plah eine von der NSDAP, veranstaltete öffentliche Kundgebung statt, die sehr stark besucht war. Hierbei sprach Herr Bartholomäus, Gießen, über tue Be­deutung und die Ergebnisse des Boykott-Tages. I Der Redner sprach u. a. der Gießener Bürger­schaft Dank dafür aus, daß sie, bis auf wenige Ausnahmen, dem Boykottaufruf der NSDAP, geschlossen gefolgt sei und den Boykott in ent­schiedener Weise durchgeführt habe. Der Feldzug sei vorläufig unterbrochen worden, denn Adolf Hitler habe in bewundernswerter Langmut und Vornehmheit dem Judentum des Inlandes und des Auslandes noch einmal eine Frist zur Lieber­legung und Selbstbesinnung gegeben. Wenn bis Mittwochvormittag die lügenhafte Greuelpropa- ganda eingestellt sei, werde die NSDAP, als­bald die normale Lage wiederherstellen, sollte aber die Hetze gegen Deutschland auch dann noch andauern, so werde der Boykott sofort mit äußer­ster Schärfe und mit noch nie erlebter Kraft wieder begonnen und rücksichtslos durchgeführt ! werden, dann werde die NSDAP, zeigen, daß sie mit dem ganzen Judentum, auch in Deutsch­land, fertig werde. Der Redner betonte noch, daß die NSDAP, sich immer nachdrücklich für den Schuh des Mittelstandes einlehen und dabei auch den Kampf gegen die Warenhäuser, gan- gleich ob jüdische oder christliche, unentwegt fort- sühren werde. Ieht sei es die dringliche Auf- gäbe des deutschen Volkes, die nationale Re­gierung bei ihrer Ausbauarbeit mit aller Kraft und Hingebung zu unterstützen und den vom greisen Reichspräsidenten als nationale Reichs- regierung berufenen Männer treue Gefolgschaft zu leisten. Die Ansprache schloß mit einem Treu- qelöbnis für das große, einige deutsche Vater­land. Anschließend sang die Menge entblößten Hauptes den ersten Vers des Deutschlandliedes. Mit kurzen Huldigungsworten des Redners für den Reichskanzler Adolf Hitler, den Führer zu einem besseren Deutschland der Zukunft, begeistert auf genommenen Sieg-Heil-Rufen auf den Führer und dem gemeinsamen Gesang des Horst-Wessel-' Liedes fand die Kundgebung ihren Abschluß. Eine SA-Musikkapelle umrahmte mit flotter Marschmusik die Kundgebung und geleitete am Schlüsse die abrückenden Formationen der SA., während die große Menschenmenge sich nach allen Stadtteilen zerstreute.

Buntes Allerlei.

Prozeß um dieAttantique".

Um die Ueberreste des französischen Luxusdarnp- fersAtlantique", der vor einigen Monaten

wirken kann."

Napoleon Hatje das schönste Haus der Stadt für sie richten lassen, doch sic zog es vor, in dem Heim, das man dem Gatten angeboten hatte, Wohnung zu nehmen. Kaiser Alexander, Friedrich Wilhelm und einige Minister erwarteten sie. und jeder be­mühte sich, ihr die peinliche Situation zu erleichtern. Man unterrichtete sie von allem Wissenswerten, dann überließ man sie dem Schicksal. Zwei Hofdamen empfingen Napoleon. Er war zu Pferde gekommen und hatte seinen ganzen Generalstab zu diesem Be­such mitgebracht. Er sprang mit raschen Schritten die Treppe hinauf und wurde Luise vom König vorgestellt. Sie war an diesem Tage schöner als je, und es war kein Wunder, daß Napoleon ihr in Verlegenheit und grenzenlosem Staunen gegenüber stand. Wie anders war diese Frau, als er geglaubt hatte. Engelhaft anzujehen, mit der ihr eigenen An­mut der Bewegungen, elegant gekleidet und von einer hoheitsvollen Würde, die ihren Eindruck auf niemanden verfehlte. Doch Napoleon war schwierige Lagen gewöhnt und wurde bald Herr über seine Verlegenheit. Luise ging mit Tapferkeit auf ihre Ziele los, und seine Ablenkungen wurden von ihr abgewehrt. Aus die Frage, wo sie ihre Toiletten bezöge, antwortete sie:Sire, sind wir hierher gc- tommen. um von nichtigen Dingen zu sprechen/" Darauf hörte er aufmerksamer zu. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn nicht nach einftünöiqcr Unter­haltung unvermutet der König ins Zimmer getreten wäre? Napoleon hat darüber geäußert,eine Viertel stunde später hätte ich ihr alles versprochen!" Zweifellos hatte ihre Frpuen- schönheit, ihre Würde und ihre Klugheit, die sie stets in weiblichen Grenzen hielt, einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. .

Er scheidet mit Versprechungen und ladt den Hos für den Abend zu einem Fest ein. Voller Hoff­nungen fuhr Luise um 20 Uhr in feinem Staate wagen zum Galadiner. Sie findet viele Gaste in bester Stimmung versammelt. Das Diner verlaust munter, angeregte Unterhaltungen kürzen die Stun­den. Als der Kaiser der Königin eine Rose über­reicht, nimmt sie sie mit den Worten:Aber nur mit Magdeburg, Sire".

Ihr Opfer war umsonst gebracht. Napoleon konnte sich zu keinen leichteren Friedensbedingungen ver­stehen und man mußte weiter leiden und kämpfen. 1 (Schluß folgt.)

Reichspräsident von Hindenburg Ehrenbürger von Gedern.

v Gedern, 31.März. Zu dem gestrigen Be­richt über die Sitzung des Gemeinde ra t es. in der einstimmig beschlossen wurde, den Reichs­kanzler Adolf Hitler zum Ehrenbürger von Gedern zu ernennen, ist ergänzend mitzu- teilen daß durch Beschluß des Gemeinderats auch Reichspräsident von Hindenburg zum EhrenbürgervonGedern ernannt wurde.

Im Anschluß an die Sitzung machte Bürger­meister Müller bei einer großen nationalen Kundgebung vor dem Rathaus der Einwohner­schaft Mitteilung von den Beschlüssen des Ge­meinderates. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP. Alfred Klein forderte von der Bevölkerung die genaue Durchführung der angeorbneten Boy- kottbestimmungen, sowie auch weiterhin Ordnung und Disziplin. Auf seinen Wunsch hin beschloß die Gemeindevertretung noch während der Kund­gebung, den freien Platz an Brühl- und Otto« Müller-StraßeA d o l f - H i tl er - P la tz zu benennen. Dort wird am 20. April, dem Geburts­lage des Kanzlers, eine Eiche gepflanzt werden.

Das neue Frankfurter Gtadt- parlament.

Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Hitler Ehrenbürger von Frankfurt.

WSN. Frankfurt a. M., 31. März. Das ncugewählte Frankfurter Stadtparla­ment trat heute zu seiner ersten Sitzung zusam­men. Diese gestaltete sich zu einer feierlichen Kundgebung für die neue Regierung. Der Sitzungssaal war geschmückt mit den Frankfurter Farben, der Reichsflagge Schwarzweißrot und dem Hakenkreuzbanner. Der Andrang des Pu­blikums war außerordentlich stark, und ein gro­ßer Teil der Bevölkerung folgte auf dem Römer­berg der durch Lautsprecher übertragenen Sitzung. Bereits um 16 Llhr war der Platz bis zur letzten Ecke gefüllt. Eine SA.-Kapelle konzertierte bis zum Beginn der Sitzung unter dem hakenkreuz­geschmückten Balkon des Römer. .

Nach feierlichem Einzug der nationalsozialisti­schen Stadtverordneten eröffnete der kommissa­rische Oberbürgermeister die Sitzung mit einer Ansprache, in der er die Maßnahmen des Ma­gistrats zum Wiederaufbau der Frankfurter Wirt­schaft darlegte. An die Rede schloß sich die Ver- | pflichtung der Stadtverordneten an.

Darauf fand unter Leitung des Alterspräsi­denten Stadtv. F e y (DNDP.) die W a h l d e s Präsidiums statt. Zum Stadtverordneten- Vorsteher wurde Stadtv. Lange (NSDAP.) ge- I wählt, der dann die Leitung der Sitzung über­nahm. Nach einer Rede des Gauleiters^ der NSDAP.. Sprenger, wurde mit den Stim­men der Nationalsozialisten eine neue ®e- schäftsordnung angenommen. Die Wahl der übrigen Mitglieder des Präsidiums ergab Stim­menmehrheit für die nationalsozialistischen Stadt­verordneten Dr. L u e r als stellvertretenden Vor­sitzenden. Wehl. Schriftführer, B e i I 2. Schrift-

Luise von Preußen.

Der Lebens- und Leidensweg einer edlen Königin. Don Irene Hagedorn.

allemal ausradierk habe. Zur Erinnerung an den Vorkämpser der nationalsozialistischen Be­wegung Horst Wessel beantragte Stadtverord- netcr Kramer dem Rathenauplatz den Namen Hör st-Wessel-Platz" zu geben. Auch diese Anträge wurden mit den Stimmen der Nationalsozialisten angenommen.

Die Sitzung schloß mit dem Absingen der ersten Strophe des Deutschlandliedes und des Horst- Wessel-Liedes.

Amtsniederlegung des Friedberger Handelskammerpräsidenten.

WEN. Friedberg, 31.März. Kaufmann Louis Hirsch hat sein Amt als Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer niedergelegt.

Dom Maurer zum Studienrat.

WSN. M a r b u r g . 31. März. Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß der kriegsblinde Studienrat Dr. Hans Ludwig, der gelegent­lich der Reichstagseröfsnung in der Potsdamer Garnisonkirche sprach, vor Dem Kriege als Mau­rer seiner Arbeit nachging. Nachdem er im Iahre 1915 blind geschossen war, arbeitete er sich in unermüdlichem Studium zu seiner jetzigen Stm» lung empor. Ludwig ist aus Erksdorf bei Kirch­hain gebürtig.

Straßenumbenennungen in Groß-Gerau

WSN. Groß-Gerau, 31. März. Der Ge­meinderat hat beschlossen, folgende Straßen umzubenennen: Walther-Rathenau-Straße in Adolf-Hitler-Straße, August-Bebel- Straße in Peter-Gemeinder-Straße, Karl-Liebknecht-Straße in H o r st - Wessel- Straße, Heinrich-Heine-Strahe in H e r - mann-Löns-Straße.

Waffen st ill st andsangcbot und bricht da­mit sein Bündnis. Das war der grausamste Augen­blick im Leben der Königin Luise! Sic hatte an diesen Mann geglaubt und einen verehrungswur- digen Freund und Berater in ihm gesehen, und mußte nun ihren Irrtum erkennen. Napoleon ist gern bereit, Alexanders Wünschen nachzukomnicm Man vereinbarte in seinem kostbaren Zelt, das aus einem Floß auf dem Memelfluß lag, eine 11 n t c r - redung, an der auch Friedrich Wilhelm III. teil nehmen sollte. Doch nur der Russcnkaiser wird zu- gelassen. Um so recht seine Verachtung zu zeigen, läßt Napoleon den Preußentönig zwei Stunden lang im strömenden Regen am Ufer warten. Erst der nächste Tag sieht die drei Monarchen zusammen. Napoleon behandelt Friedrich Wilhelm mit pein voller Herablassung. Die Friedensverhandlungen kamen nicht vom Fleck. Napoleon ließ bald diesc, bald jene Lösung Vorschlägen, ohne sich sestzulege:i. War es Laune, daß er eines Tages freundlicher auf Friedrich Wilhelm III. zu sprechen war ober kluge Berechnung. Während einer Mahlzeit hob er fein Glas, und zur Verwunderung aller Anwesenden trank er auf das Wohl der Königin Luise. Sollte man dieser Aeußerung eine Bedeutung beimessen/ Es war anzunehmen, da man von seiner Seite keine Scherze mit derartigen Dingen gewöhnt war. Viel­leicht hieß es, bessere Bedingungen zu bekommen ' In vorsichtigen Worten berichtete man die Tatsache der Königin und machte ihr den Vorschlag, m i t Napoleon persönlich zu verhandeln. Luise begriff, um was es ging, und der Wunsch, sich für ihr Volk zu opfern, bestimmte ihre Antwort. Sie willigte ein. Was waren die schändlichsten Be­leidigungen gegen ihre Person, wenn es um das Wohl des Volkes ging!

Schon am nächsten Tage schreibt sic Dem Gatten: Ich komme, ich fliege nach Tilsit, wenn Du cs wünschest, und wenn Du glaubst, daß ich Gutes er-

Weitere Veränderungen im hessischen Schulwesen.

Das Ministerium für Kultus und Dildungs- toclen gibt bekannt:

Mit sofortiger Wirkung wurden bis auf wei­teres beurlaubt: Studienrat Rupp an Der Oberrealschule Heppenheim. EtuDienrat Von Der Schmitt an Der Realschule Neu-Isen­burg, StuDienrat Albert Mannheimeran Der LuDwigs-Oberrealschule in DarmstaDt. Ober- ftuDienrat Wilhelm Koch an Der LuDwigs-Ober­realschule DarmstaDt. StuDienrat Franz Como an Dem Realgymnasium DarmstaDt. Reallehrerin Martin an Der Realschule Oppenheim. ©tuDien- rat Karl Hehl an Der Oberrealschule Worms. Oberreallehrerin Sichel an Der StuDienanstalt Mainz, Oberreallehrerin Cahn an Der Stu­Dienanstalt Maiiu, Rektor Remy in Offenbach. Direktorin Faßbender in Offenbach.

Mit sofortiger Wirkung entzogen wurDe Dem etuDicnDircttor Dr. Mahr Die Leitung Der Cleonorenschule in DarmstaDt, Oberstudien- Direktor R o l o f f Die Leitung Der Oberrealschule in MichelstaDt, StuDienrat Professor Simon Die Stellvertretung Des Direktors am Gymnasium

I in Bingen.

Mit sofortiger Wirkung beauftragt wur- Den: StuDienrat August Beck mit Der Führung Der Geschäfte Des Direktors Der Eleonorenschule in DarmstaDt, OberftuDienrat Prof. 2 i eb r ich mit Der Führung Der Geschäfte Des Direktors Der Oberrealschule in MichelstaDt, StuDienrat Schmahl mit Der Führung Der Direktions­geschäfte am Gymnasium in Bingen, Lehrer A. Roth in Offenbach mit Der kommissarischen Lei­tung Der Schule an Der Goethestraße m Offen­bach Lehrer Wißner in Offenbach mit Der kommissarischen Leitung Der Schule an Der Wil- helmstraße in Offenbach.

spornte.

Mit ergebenem Gottoertrauen nimmt Luise alles hin Er Der Gerechte, wird ihn strafen. Als Alexan­der' am' 2. April nach Memel kommt, blüht die alte Freundschaft wieder auf, und man gelobt sich unver­brüchliches Zusammenhalten g egen Na­poleon, keinen Sonderfrieden, Zuruckdrangung der Franzosen über den Rhein, Wiederherstellung Preußens im Umfange von 1805, Errichtung eines deutschen Staatenbundes, darin führend Preußen und Oesterreich. UeberaU setzte eine straffere Füh­rung ein, dazu der Schutz des hochgefchatzten Alexan­der' Auch Friedrich Wilhelms größere Tatkraft schafft das Gefühl, daß das Schlimmste überwun­den ist.

Da kommt die Schreckensnachricht: D a n z i g i st ge f a 11 c n ! So stark steht Luise unter Dem Em- druck dieses Unglücks, daß sie ihre ganze Kraft aus- bietet um Alexander zu einem Gegenschlag zu er­muntern. Tatsächlich rreicht sie, daß die Franzosen eine empfindliche Niederlage erhalten. Zwei Tage später, am 14. Juni, wendet sich das Schicksal, und das russisch-preußische Heer wird bei Friedland io endgültig geschlagen und zersprengt, daß man den Krieg als verloren ansehen muß. Doch die Königin verzweifelt nicht. Immer wieder richtet sie ihre Um­gebung auf, und ihre beiden Grundsätze wir ver­trauen aus Gott, und wir gehen in Ehren unter, verfehlen ihre Wirkung nicht. Man hofft noch immer. _

Alexander beginnt fein wahres Gesicht zu zeigen, das er unter der Maske des liebenswürdigen Freun­des so lange verstecken konnte, als es um seine eigene Vorteile ging. Er richtete an Napoleon ein

IV.

Oie Begegnung mit Napoleon.

Die Königin Überstand die Fahrt nach M c- m e l wider Erwarten gut. Es schien überhaupt, als ob mit dem neuen Jahr neue Hoffnungen keimen foUten. Alexander hatte Hilfe geschickt, und im Ver­ein mit seinen Truppen konnte man im ßebruar Die Franzosen bei Königsberg schlagen. Napoleon horchte auf. War Gefahr im Anzuge? Er schickte ein Waffen st ill st andsangebot mit leid­lichen Bedingungen, doch man lehnte es ab, da man ihm nicht traute. Der König war nach diesem Siege aufgelebt. Er begann Entschlüsse zu fassen. Da setzte Frankreich mit doppeltem Druck die Lügen über Luise in die Welt. Dem Kaiser war jedes Mittel der Kriegsführung recht, aber daß der H a ß g e ge n Preußens leitende Männer ihn jede Rit­terlichkeit vergessen ließ, und daß er seinen Unmut an einer Frau ausließ, nahm ihm selbst seine nächste Umgebung übel. In Preußen hatte er das Gegenteil von dem erreicht, was er erreichen wollte. Das Volk liebte und verehrte seine Königin. Je mehr es sic beschmutzt sah, um so mehr grub sich die Empörung tief in Die Herzen der Menschen ein. In dieser Stim­mung wurde der Grundstein geschaffen, der |pater zu den Befreiungskriegen führte. Wörtlich schreibt Napoleon einmal in einem Bulletin:Die Empö­rung über die Urheber dieses Krieges hat den höch­sten Grad erreicht. Jedermann weiß, daß die Kon>- qin an allen Leiden, die das preußische Volk er­dulden muß, schuld ist. UeberaU hört man sagen, sic war so gut und sanft vor einem Jahr, aber wie jat sie sich nach der verhängnisvollen Zusammen­kunft mit Alexander verändert! In ihren Gemächern hat man das Bild des Kaisers von Rußland gefun­den, das er ihr geschenkt hat. In Charlottenburg fand man ihren Briefwechsel mit dem König während der letzten drei Jahre, darunter von Engländern verfaßte Schreiben, die auseinandersetzten, daß man den mit Napoleon geschlossenen Verträgen keinerlei Rechnung tragen dürfe, sondern sich ganz an Ruß­land hallen müsse. Sie beweisen, wenn es eines Be­weises bedürfte, wie unglücklich die dürften sind, Die Weibern Einfluß auf politische Angelegenhellen ge­statten. Die Noten, die Berichte und die Staats- papierc rochen nach Moschus und fanden sich unter Bändern und Spitzen und anderen Toilettegegen- ständen. Die Fürstin hat allen Frauen den Kop verdreht, aber heute sind sie anderer Meinung. Napoleon vergleicht sie mit Tassos Armida und der schönen Helena, die Trojas Unglück heraufbeschwo­ren hatte und zu immer neuen Kriegstaten an»

durch einen großen Brand fast völlig vernichtet wurde, entspinnt sich jetzt ein gerichtliches Nachspiel, das einen bedeutenden Umsang annehmen wird. Nachdem alle Verhandlungen über eine Auszahlung der Versicherungssum m c vergeblich geblie­ben sind sah sich die Gesellschaft, der der zerstörte Dampfer gehört, die Süd-Atlantik-Compagme, ge­nötigt, 7 2 Versicherungsgesellschaften, die gemeinsam die Versicherung des «chiffes über­nommen hatten, auf Zahlung der gesamten Versiche­rungssumme in Höhe von 170 Millionen Franken, über 30 Millionen Mark, zu verklagen. In Dem Prozeß vor dem Pariser Zivilgerichtshof soll vor allem die Frage geklärt werden, ob das Schiss, wie die Schiffahrtsgesellschaft behauptet, völlig zerstört sei und nicht wieder hergcstellt werden kann, oder ob das Urteil der Sachverständigen der Versicherungs­gesellschaften zutrifst. die in ihrem Gutachten be­haupten, daß kein Totalschaden vorliegt, sondern der Schiffskörper und die Maschinenanlagen nur unwesentliche Schäden aufweisen, und der aller­dings vernichtete Innenausbau von einer englischen Werft für etwa 100 Millionen Franken neu aus» geführt werden könnte. Da jedoch die Sachverstan digen des Seegerichts anderer Meinung find, und das Schiff als verloren betrachten, werden die Ver- sicherungsgesellschaften mit Dem Gutachten ihrer Sachverständigen vor Gericht wohl >ucht durch bringen Deswegen wird von dieser Seite weiter behauptet: das Feuer konnte sich nur wegen eines Konstruktionsfehlers derart schnell über ba* Schiff ausbreiten, daß nicht einmal alle an Bord befindlichen Passagiere gerettet werden konnten und in den Flammen umkamen. Liegt nun tatsächlich em Konstruktionsfehler vor, dann muß die Werst, die das Schiff erbaute, Die Kosten für die Wiederher­stellungsarbeiten oder für den notwendigen Neubau tragen. Interessant ist es, daß Die Versicherung von Den Gesellschaften erst am Mbrgen Der Katastrophe übernommen wurde. Ein Einwands kann daraus jedoch nicht erhoben werden, da das Sch'fs bei Aus­bruch des Brandes schon voll versichert war Wahr­scheinlich wird der Prozeß, in Anbetracht der Bc- tragshöhe über Die erste Instanz hmausgehen und bis zu feiner endgültigen Entscheidung lange Zeit in Anspruch nehmen.

Dta Münchmeycr. _ _ t s ,

Goddelau: Bürgermeister <zr. Hartung durch

Benkler: Beigeordneter Wilhelm Hammel durch ^IZroß-Gerau: Beigeordneter Jak. Nold II. durch Dr. Iak. Wettläufer als zweiter Beigeordneter

Kelsterbach: Bürgermeister Hardt durch Karl Bamberger: Beigeordneter L,reutel durch Wilhelm ^Klchn-Gerau: Bürgermeister 2ak, 2enDer Durch Karl Reibstein: Beigeordneter Wilh. Reibstem durch Gg. Reinheimer: Beigeordneter Wilh.Pitsch Durch Architekt Ioh. Ludwig Schulrnayer

Nauheim: Bürgermeister Hch. Kaul Durch Phil- Ackermann. ,,«... -

Raunheim: BeigeorDneter Hch. Ackermann Durch Hch. Schürmann. ~ , «... -

Rüsselsheim: Beigeordneter Ioy. Hardt durch Iul. Kemmerer. . . x,,,,

Trebur. Beigeordneter Peter seudtner durch Daniel Edler. _ <

Walldorf: Bürgermeister Adam Jourdan Durch Jean Becker. . ,

Worfelden: Bürgermeister Gg- Klink Durch Ingenieur Theod. Schulz. r

Büttelborn: Beig. Eifsert Durch Alex Neummin. Biebesheim: Beig. Iak. Hassenzahl durch Hch.

Ludwig Geipert.

Bewerbersperre

bei der hessischen Schutzpolizei.

Die Pressestelle der Hessischen Staatsregierung teilt mit: Der Staatskommissar für das Polizei­wesen in Hessen Dr. Best hat unter dem 1. April folgende Bekanntmachung erlassen:

Für Die nächste Zeit sinD Bewerber für die hessische Schutzpolizei in aus- reichenDcr Zahl vorgemerkt. Ich bitte daher, bis auf weiteres von Einstellungsgesuchen. sowie mündlichen Vorsprachen Abstand zu I nehmen."

Bornotizcrr.

Tageskalender für 21 o n tag. Oberhessischer Kunstverein: Turmhaus am 2ranD 13 bis 17 Uhr, Ausstellung Lichtspielhaus Bahnhofstraße 16, 18 und 20.30 UhrBlutendes Deutschland".

- Militärpersonalie- Oberleutant Gunderloch beim 1. Bataillon 15. Insonterie- Regiments wurde mit Wirkung vom 1- April ab zum Hauptmann befördert.

Amtsenthebung

von SPD. Bürgermeistern.

WSN. Darmstadt, 31. März. Die Presse' stelle der hessischen Staatsregierung teilt mit: Fol­gende marxistische (SPD.) Bürgermei­ster und Beigeordnete wurden mit so­fortiger Wirkung ihres Amtes enthoben und durch nachstehende Kommissare erseht.

Bauschheim: Bürgermeister Kraft durch Hans $^3cS)cim: Bürgermeister Iak. Gooß, durch

Gernsheim: Beigeordneter Bopp durch Dr. Ge-

Die vorgenommenc Wahl der von 13 auf 10 herabgesetzten unbesoldeten Stadirate ergab für die Nationalsozialisten 6 etaötratc, für Die SozialDemokraten 2, für Das Zentrum 1, für Die nationale Arbeitsgemeinschaft 1 StaDtrat

Der Aeltestenausschuh setzt sich zusam­men aus acht Nationalsozialisten, Drei Sozial- Demokratcn unD je einem Mitglied des Zentrums und der nationalen Arbeitsgemeinschaft.

Außerhalb der Geschäftsordnung ergriff Stadt- I verordneter Kramer (Natsoz.) Das Wort. Os sei bisher üblich gewesen. Daß jeDer. der in den I marxistischen Parteien eine Rolle zu spielen ver­stand. mit Ehrungen überhäuft wurde, auch wenn I er sie nicht verdiente. Da es ein Grundsatz Der Deutschen sei, ihre Meister zu ehren, so wolle auch Die Frankfurter nationale Bürgerschaft Den Meister unD Schöpfer Des jungen Deutschlands ehren. Er stelle daher Den Antrag, gleichzeitig mit Dem Reichspräsidenten von H in d en b arg auch den Reichskanzler des jungen Deutsch- land die Ehrenbürgerrechte zu verleihen. Dieser Antrag wurde gegen die stimmen oer SPD. ohne Aussprache angenommen. Wei­terhin stellte er den Antrag. Den Magistrat xu ersuchen. Umbenennungen von Stra­ßen und Plätzen vorzunehmen. Die Maunus- anlage solle Den Namen A D o l f-Hitler- Anlage erhalten. Fernerhin solle Die Unter- mainbrüde in Adolf-Hit l e r - B r u ck e um­benannt werden als Symbol Dafür daß der Führer des jungen Deutschland Mott Hitler die Mainlinie aus der deutschen Politik ein für