Streicher, als dos erfreulichste Kenirzeichen der Aktion könne festgestellt werden, dost sie vom ganzen Volte getragen war. Auf die Frage, ob er glaube, daß eine Wiederaufnahme der Aktion am nächsten Mittwoch notwendig fein werde, erklärte Streicher nach den Meldungen, die aus dem Auslande bisher ein» gegangen seien, sei zu erwarten, daß eine Wiederaufnahme vermieden werden könne. Sollte aber das internationale Judentum den Kampf fortgeführt haben wollen, so sei die ASDA P. zu diesem Kampfe gern st et. Aber auch wenn diese 2lbwehrbewegung heute ihren Abschluß finde, so werde doch ein großes Ergebnis festzustellen sein: 1. Das internationale Judentum sehe, daß das neue Deutschland nicht mit sich Schindluder treiben lasse: 2. daß nicht nur das deutsch, Volk, sondern die ganze Welt durch den uns von den Juden selbst aufgezwungenen Abwehrkampf auf die Judenfrage hingewiesen worden sei, die nicht nur eine Frage des deutschen Volkes, sondern eine Frage der Menschheit sei.
(Sm skandalöser Aprilscherz in Belgrad.
Belgrad, 31. März. (TA.) Die Hetze gegen das neue Deutschland erreichte in Belgrad einen unglaublichen Höhepunkt, hinter dem Vorwand 2ines Aprilscherzes erschien eine Sonderaus
gabe der „Aovo st i". Das Blatt brachte die Äachricht von einem Attentat auf Hitler, der beim Verlassen seiner Wohnung durch drei Revolverschüsse getötet worden sein sollte. Der erfundene Bericht über den angeblichen Mordanschlag wurde ausführlich mit zahlreichen Einzelheiten ausgeschmückt. In Belgrad entstand beim Erscheinen des Blattes beispiellose Aufregung. Die einzelnen Exemplare wurden den Zeitungsverkäufern aus den Händen gerissen. Bei den deutschen amtlichen Vertretern liefen ununterbrochen telephonische Anfragen und Beileidskundgebungen, auch von feiten des diplomatischen Korps, ein. Die Verwirrung war um so größer, als das Blatt die Vordatierung vom 1.April erst auf der zweiten Seite brachte, so daß sie nicht gleich bemerkt werden konnte.
Als eine Rückfrage der deutschen Gesandtschaft in Berlin ergab, daß die Meldungen der „Ro- wosti" unzutreffend seien, verlangte der deutsche Gesandte v. Dufour-Feronce so- g eich ein. iln.errebung mit demAußenminister, protestierte entschieden gegen diesen unerhörten Vorfall und verlangte die B e st r a - fung der Schuldigen. Außenminister Ief - titsch gab seinem Bedauern über die rohe Hetze Ausdruck und versicherte dem Gesandten, dem Verlangen nach Bestrafung der Beschuldigten nachkommen zu wollen.
Zenissbeamlentiim und nationale Revolution.
Eine Rede des Reichsinnenministers Frick.
Berlin, 1. April. (TU.) Am Samstognachmit- tag fand auf dem Tempelhofer Feld ein eindrucksvoller Massenaufmarsch der Nation abf^o zialist i s ch e n Beamtenabteilungen von Groß- Berlin statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Weihe von etwa 70 Fahnen der nationalsozialistischen Beamtenfachschaften in Verbindung mit einer Rede des nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten und Abteilungsleiters Dr. F a - bricius. Er richtete an die Beamtenschaft die Mahnung, der Notwendigkeit einer gemeinsamen Arbeit an der Wiederherstellung der deutschen Volksgemeinschaft eingedenk zu sein. Am Schluß seiner Rede weihte Dr. Fabricius die Fachschafts- fahnen auf dem gemeinsamen Spruch: „Nichts für uns, alles für das Volk!" Das Horft-Wefsel-Lieü und das Deutschlandlied beschlossen die Veranstaltung. Nach Beendigung der Fahnenweihe zogen die nationalen Beamtenschaften geschlossen durch die Stadt, vorbei an den Gebäuden der Reichs- und Staatsbehörden. Vor dem Gebäude des Reichsinnen- ministeriums am Königsplag, das die schwarzweißrote und die Hakenkreuzfahne aufgezogen hatte, sammelten sich die Züge. Vom Balkon des Gebäudes, von dem ebenfalls die schwarzweißrote und die Hakenkreuzflagge wehten, hielt
Reichsinnenminister Jricf
eine Anlprachc, in der er eingangs auf die weltgeschichtliche Umwälzung in Deutschland und den tsieg der nationalen Revolution hinwies. Die Revolution sei noch im Gange und die Arbeit beginne erst. Die Beamtenschaft sei durch das System der letzten 15 Jahre schwer in Mitleidenschaft gezogen. Das Parteibeamtenbuch sei das Unglück geworden für die ganze öffentliche Verwaltung Deutschlands. Fremdrassige und Fremdstämmige seien in großer Zahl in das deutsche Be- rufsbeamtentum aufgenommen worden.
Das System der letzten 15 Jahre müsse endgültig ausgeräumt werden. Das deutsche Volk könne nur von Deutschen regiert werden. Der Minister kündigte für die nächste Woche ein Gesetz an, das Vorsicht, daß nur deutschblütigc Beamte Slaatscmtorität in Deutschland verkörpern dürfen.
Das alte System habe sich willenlos dem Gegner unterworfen und dadurch den wirtschaftlichen Zu- sammenbruch herbeigeführt. Auch die Beamtenschaft hätte darunter zu leiden. Es sei Ehrenpflicht der Regierung der nationalen Erhebung, daß vom alten
System wegen nationaler Betätigung an Beamten begangene Unrecht wieder gutzumachen. Mit Stolz könne festgestellt werden, daß die nationale Revolution die Stellung der Regierung so befestigt habe, daß innenpolitisch die Macht fest in ihren Händen sei. Es gelte nun, sie auch außenpolitisch zu erneuern.
Unter Hinweis auf die Greuelpropaganda des Auslandes erklärte der Minister: Heute habe sich das deutsche Volk nur in einer kleinen Probe zur Wehr gesetzt, die schon genügen dürfte, um die Feinde des Deutschtums zur Besinnung und die Greuelpropaganda zum Schweigen zu bringen. Das deutsche Berufsbeamtentum müsse wieder in seiner Reinheit hergestellt werden. Man müsse sich hinwenden zu dem Idealismus der nationalen Freiheitsbewegung.
Der wirtschaftliche Zusammenbruch, unter dem Deutschland dank dem System der letzten Jahre gelitten habe, könne nicht mit einem Schlage beseitigt werden. Es werde noch großer Entbehrungen bedürfen. Aber die zu tragenden Lasten würden nach Maßgabe der
Leistungen gleichmäßig verteilt werden.
Die Regierung der nationalen Erhebung werde dahin arbeiten, daß Deutschland wieder angesehen und mächtig in der Welt werde, wie es nach seiner ruhmreichen Geschichte einen Anspruch habe. Der Minister schloß mit dem Ruf: „Sieg-Heil!" auf die nationale Erhebung und auf Adolf Hiller. Nach dm Gesang des Horst-Wessel- und des Deutschlandliedes setzten sich die Züge wieder in Bewegung.
Reichögeseh zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.
Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. meldet, sind bei den zuständigen Stellen der Reichsregierung gegenwärtig die Vorarbeiten für einen sehr bedeutsamen Gesetzentwurf im Gange. Es handelt sich dabei um die gesetzliche Fundierung der von der Reichsregierung für notwendig gehaltenen b e - amtenpolitifchen Maßnahmen, insbesondere hinsichtlich der früheren oder gegenwärtig noch im Amte befindlichen leitenden Beamten in Reich, Ländern und Gemeinden. Die nationale Regierung will sich mit diesem Gesetz die erforderlichen Grundlagen schaffen, um unerwünschte Mitarbeiter aus dem Beamtenkörper der öffentlichen Hand entfernen zu können. Nicht zuletzt wird es sich dabei auch darum handeln, in den Kommu - n e y in Deutschland diejenigen Bürgermeister
Intendant Dr. prasch Leiter des Landestheaters in Darmstadt.
wsv. Darmstadt, 2.April. Intendant Dr. Prasch, der Leiter des Gießener Stadttheakers, wird, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, die Leitung des Hessischen Landesthea- t e r s übernehmen.
Mit der vorliegenden Meldung aus Darmstadt bestätigen sich Gerüchte, die uns bereits vor Tagen zu Ohren gekommen sind und die davon wissen wollten, day der Intendant unseres Stadttheaters, Dr. Rolf Prasch, in nächster Zeit die Stätte feines hiesigen Wirkens verlassen werde, eine Äachricht, welche die Freunde des Gießener Theaters zugleich bedauern wie — im Interesse von Dr. Prasch — begrüßen werden. Wir haben erst zu Beginn dieser Spiel- zeit, tz^z^^^er-Jubiläums, die hiesige
Tätigkeit Praschs einer Würdigung unterzogen: am 24. Oktober 1927 wählte die Gießener Stadtverordnetenversammlung unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Keller den Oberspiel- leiter Dr. Prasch von Stuttgart zum Intendanten des Gießener Stadttheaters: mit der jefjt erfolgten, bzw. bevorstehenden Berufung Praschs nach Darmstadt findet seine überaus erfolgreiche Tätigkeit in Gießen ihr Ende. Prasch hatte damals, als er das Erbe von Hosrak Steingoetter antrat, nicht voraussehen können, unter welch schwierigen Verhältnissen er schon bald werde arbeiten müssen, und daß beispielsweise die Feier des 25jährigen Jubiläums in eine Zeit wirtschaftlicher und kultureller Depression fallen würde, wie sie zuvor noch nicht erlebt worden war. Die Amtszeit des Intendanten Prasch (von 1928 bis heute) war, dank seiner persönlichen Energie und optimistischenTheaterfreudig- keit eine Zeit entschiedener Aufwärtsentwicklung: Dr. Prasch hat während dieser fünf Jahre als Bühnenleiter, als Regisseur und — wie wir uns gerne erinnern — auch als Schauspieler dem Gießener Stadttheater Riveau, persönliches Profil und ein Ansehen zu geben vermocht, das unser Theater weit über die Grenzen der Stadt, unserer Heimatprovinz und selbst des gesamten Hessenlandes hinaus rühmlich bekannt gemacht hat. Die Stellung, die den von Gießen Scheidenden in Darmstadt am Hessischen Landestheater erwartet, ist von verpflichtender Tradition umgeben und nicht minder verantwortungsvoll als
jene, die Prasch 1928 hier übernommen hat: aber wir zweifeln nicht, daß die menschlichen und künstlerischen Qualitäten unseres Intendanten den Anforderungen vollauf gerecht werden, die man in Darmstadt an ihn stellt. Für das Gießener Theater ist es sehr ehrenvoll, daß man sein repräsentativstes Mitglied in eine so sichtbare und gewichtige Stellung berufen hat: die Gießener werden, zumal in Erinnerung an feine letzte schöne Schauspielerleistung (»Bor Sonnenuntergang"), ihren scheidenden Intendanten mit allen guten Wünschen begleiten.
Rolf Prasch ist 1883 in Karlsruhe (Baden) als einziger Sohn des verstorbenen Intendanten am Mannheimer Rationaltheater, Aloys Prasch, und dessen Ehefrau, der bekannten Schauspielerin Auguste Prgsch-Grevenberg, geboren. Rach bestandener Reifeprüfung in Berlin studierte Prasch zunächst in Freiburg und Berlin die Rechte und ging im Jahre 1908 nach Ablegung seines Referendar-Examens, einer seit langem gehegten Reigung folgend, zur Bühnenlaufbahn über. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er durch Arthur Kraußneck (Staatstheater Berlin) sowie durch seine Mutter, die dem Gießener Publikum durch ihre zahlreichen Gastspiele wohlbekannt ist. Rach seinem Debüt in Düsseldorf 1908 erhielt Prasch sein erstes Engagement in Zwickau _ und hatte während seiner dortigen Bühnentätigkeit Gelegenheit, sein Studium zum Abschluß zu bringen und in Heidelberg zum Dr. jur. zu promovieren.
Dr. Prasch wurde hiernach an das Stadttheater in Bremen verpflichtet, ging von dort an die Vereinigten städtischen Bühnen in Zürich, bis er durch Geh. '.Rat Grube an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg engagiert wurde, wo er bis zum Jahre 1915 tätig mar; durch den Krieg wurde er verhindert, einem Rufe Max Reinhardts nach Berlin Folge zu leisten. Prasch war bann über fünf Jahre lang kaufmännisch und organisatorisch in einer Kriegsgesellschaft tätig. Nach Beendigung des Krieges wandte er sich wieder seinem eigentlichen Berufe 511 und wirkte in leitender Stellung und auch als Darsteller an verschiedenen Berliner Bühnen, später am Stadttheater in Basel, dann am Neuen Schauspielhaus in Königsberg, als Oberspielleiter und Dramaturg am Staatstheater in Kassel und am Danziger Stadttheater. Nach einer einjährigen Tätigkeit an den Barnowsky-Bühnen in Berlin war Dr. Prasch vom 1. Oktober 1927 bis zu seinem Engagement in Gießen als Oberspielleiter am Stuttgarter Schauspielhaus beschäftigt.
vorzeitig ausdem Amtezu entfernen, deren Verträge an sich noch langfristig lausen, die aber von einem Stadtparlament gewählt wurden, dessen Zusammensetzung nun sich völlig geändert hat. Es ist anzunehmen, daß der Gesetzentwurf neben der Möglichkeit der Entfernung solcher beamteter Kräfte auch Bestimmungen über die Gewährung von Ruhegehaltsbezügen für die zu entlassenden Beamten enthält, wobei vermutlich den finanziellen Notwendigkeiten äußerster Sparsamkeit Rechnung getragen werde wird.
Erörterung von Beamtenfragen beim Reichskanzler.
Berlin, 1. April. (WTB.) Der Herr Reichskanzler empfing heute nachmittag den Leiter der nationalsozialistischen Beamtenabteilung M. d. R. Sprenger und dessen Organisationsleiter Reef. Die Fragen des Berufs- beamtentums, insbesondere die der Stan- desorganisationen der Beamtenschaft, wurden eingehend besprochen.
Korruptionsskandal beim Krankenkaffenverband.
Berlin, 1. April. (RB.) Vor einer Woche wurde dem preußischen Ministerium des Innern umfangreiches Material zugeleitet, das das Vorliegen großer Unregelmäßig- leiten beim Verband der Krankenkassen im Bezirk des Oberversicherungsamtes Berlin betraf. Eine Durchsuchung im Hause des Krankenkassenverbandes und in den Geschäftsräumen des Hauptverbandes der Krankenkassen Deutschlands förderte außerordentlich belastendes Material zutage. Acht Mitglieder der Geschäftsführung des Krankenkassenverbandes wurden in Hast genommen, darunter Direktor Lehmann vom Hauptverband der Krankenkassen, Direktor 'Sen- big, Direktor Schulz, der bisherige sozialdemokratische Stadtrat Ahrens und einige Geschäftsführer. Die ilnterfudjung hat bereits zahlreiche Fälle von Untreue und Betrug ergeben. Schiebungen sind besonders in der Weise vorgenommen worden, daß die Vorstandsmitglieder des Krankenkassenverbandes für eine Reihe von Sonderausgaben besondere Gesellschaften.grünbeten, bei benen sie ebenfalls Vorstanbsmitglieber waren unb gleichfalls Gehälter bezogen. Die einzelnen Stellungen schoben sich bie Direktoren gegenseitig zu. Durch ben Zugriff ber Kriminalpolizei konnten Millionenwerte sichergestellt unb ben Mitgliebern ber Krankenkassen erhalten werben.
Gleichschaltung im Reichsver- band der Deutschen Industrie.
Berlin, 1. April. (WTB.) Der »Völkische Beobachter" veröffentlicht folgende parteioffiziöse Mitteilung ber RED AP.:
Die nationale Revolution hat eine entsprech enbe Anpassung ber industriellen Verbandspolitik erforderlich gemacht. Dr. Otto CIB a g en e r im Verbindungsstabe der RSDAP. hat sich deshalb heute mit dem Präsidium des Reichsverbandes ber Deutschen Jn- bustrie in Verbinbung gesetzt unb folgenbe Beschlüsse erwirkt:
1. Als Vertrauensmann ber RSDAP. wirb Dr. Hans von Lucke, als Vertrauensmann deutschnationaler Wirtschaftskreise Herr Alsreb Möllers, M. d. R., ber Vorsitzenbe bes Bundes für nationale Wirtschaft unb Werkgemeinschaft, in bie Geschäftsführung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie ausgenommen.
2. Präsidium und Geschäs tsfüh- rung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie werden in personeller Hinsicht umgestaltet.
3. Dem Urlaubsgesuch des bisherigen geschäftsführenden Präsidialmitgliedes Herrn Geheimrat Käst l wird stattgegeben.
Mit dieser beginnenden Aenderung der industriellen Wirtschaftspolitik soll unserer weltanschaulichen Einstellung zur Wirtschaft Rechnung getragen werben. Die wirtschaftspolitischen 'Organe ber RSDAP. haben in wirtschaftspolitischen Fragen aufs engste mit un
serem neuen Vertrauensmann in der Geschäftsführung bes Reichsverbandes ber Deutschen In- bustrie zusammenzuarbeiten, jegliches eigenmächtige Vorgehen einzelner Gruppen hat zu unterbleiben. In bringenben unb wichtigen Fällen sind die bisherigen Wirtschaftsbeauftragten der RSDAP. zur Herbeiführung einer vorläufigen Entscheidung befugt. Sie halten dauernde Verbindung mit unserem Vertrauensmann im Reichsverband der Deutschen Industrie.
Die Gorge für das Handwerk.
Reichskonnnisfar Wienbeck über seine Aufgabe.
Hannover, 31. März. (ERB.) Auf einer Vorstandssihung des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages in Hannover bezeichnete der Reichskommissar für den Mittelstand Ministerialdirektor Dr. Wienbeck als vordringlich eine Minderung der Belastung desHand- Werks durch Steuern, Sozialabga- b e n und die Auswirkungen des landwirtschaftlichen Vollstreckungsschutzes. Durch Senkung der Hauszinssteuer müßten neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Grundsätzlich sei diese Steuer baldmöglichst zu beseitigen. Wichtig seien ferner bieBekämpfungderSchwarz-- arbeit und eine Reform des Kreditwesens sowie in organisatorischer Hinsicht die Aenderung des Wahlrechts zu den Handwerkskammern, der Umbau des Reichswirtschastsrates und die Am- gliederung des handwerklichen Organisationswesens im berufsständischen Sinne.
3n der Aussprache wurde diesen Ausführungen zugestimmt. Der Vorstand sprach sich dafür aus, daß zur Vermeidung unnötiger Kosten für d i e bevorstehenden Kammerw.ahlen Ein- h e i t s I i st e n aufzustellen seien. An den Reichskanzler wurde ein Telegramm abgesandt, in dem bie beruflichen Spitzenvertretungen bes Handwerks sich der nationalen Regierung restlos zur Verfügung stellen, sie würden getreu der sozialen Mission des Handweirs an dem Wiederaufbau der deutschen Volksgemeinschaft mithelfen.
Kleine politische Nachrichten.
Der Deutsche Rundfunk überträgt auf alle Sender am Donnerstag, dem 6. April, um 20.15 Ahr aus dem Großen Saal des Reichsministeriums für Volksaufklärung unb Propo- ganba denpolitischenEmpfangsabend des Berliner Verbands der auswärtigen Presse. Programm: Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Dr. Thum, Absprache des Reichsministers Dr. Goebbels. Rede des Reichskanzlers Adolf Hitler, Schlußansprache des Kommerzienrats Dr. Krumbhaar.
Das Aeichsministerium für Volks- aufklärung und Propaganda nimmt den Geschäftsbetrieb am 1. April auf. Weitere Bewerbungen sind aussichtslos. Ferner wenden sich an das Ministerium täglich Hunderte von Personen mit Anträgen und Vorschlägen, welche mit dem Arbeitsgebiet des Ministeriums nicht das Geringste zu tun habe. Das Reichsministerium bittet die Oesfentlichkeit, daß ber allen Besuchen unb Zuschriften zunächst sorgsam geprüft wird, ob diese auch in den Arbeitsbereich des Ministeriums fallen.
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Der preußische Kultusminister hat die Akademie der Arbeit an der Aniversität Frankfurt a. M. geschlossen. Die sogenannte Akademie der Arbeit war in Wirklichkeit eine Brutstätte des Marxismus und ein Tummelplatz volksfeindlicher volksfremder Elemente.
Geheimer Hofrat Professor Dr. Gerhard Anschütz, der Staatsrechtslehrer an der Aniversität Heidelberg, hat beim badischen Staatsministerium um seine Enthebung vom Amt unb Versetzung in den Ruhestand nachgesucht. Geheimrat Anschütz ist ber Kommentator ber preußischen Verfassung unb ber Weimarer Reichsverfassung.
Alter Mann im Frühling.
Von Peter Bauer.
Er geht bebächtig bie vier ausgetretenen Stein- ftufen zum Garten hinunter, indem er jede von ihnen mit seinen kleinen wässerigen Augen abtastet. Dabei knickt er stark in die Knie und tritt hart aus, toiil bie febernben Bänber und Sehnen längst lahm sind.
Erst auf ebener Erde werden seine Schritte wieder sicherer, was ihn mit einem Male etliche Jahre jünger erscheinen läßt. Er braucht jetzt nicht mehr die Blicke am Boden gleiten zu lassen. Sie können beim Gehen in den blühenden Baumkronen verweilen, deretwegen er gekommen ist. Vor und in ben winzigen Blütenzelten summen Dienen, die sich wie fröhliche Menschen auf einem Festplah tummeln. Linker einem breitwipseligen Apfelbaum sitzt der Alte nieder. Er kann, wenn er den Arm hebt, die die ft e greifen, so tief haben sie ihr weitvorspringendes Blütenbach über bie Bank gebaut. ■ Er muß seine Pfeife wieder anzünden. Immer, wenn er nachdenklich wirb, vergißt er bas Ziehen. Sie ist rasch in Brand gesetzt. Man merkt die Gewohnheit. Schneller als gewöhnlich folgen jetzt die emporschwebenden Rauchwölkchen einander. Die Erinnerung hat ihn wieder. Da kann er nicht sitzen bleiben. Er geht den Gartenpfad vor dem Apfelbaum hin und zurück, so weit der Duft der Blüten reicht, den er trotz des Qualmens riecht.
Vor zwanzig Jahren hatte er ihn das erstemal blühen gesehen. Da hatte er zur silbernen Hochzeit mit seiner Frau unter dem üppigen Flor gesessen, den schon der Wind abzuflocken begonnen und der ihnen ins Haar geschneit. Den Hos hatte er kurz zuvor, da er sich noch rüstig genug gefühlt, unb vor allem auch bes Sohnes wegen gekauft. Ihm hatte er kein Glück gebracht. Roch bevor der Apfelbaum aufs neue in die Blüten gegangen, hatte man ihm feine Frau auf den Friedhof getragen. Da war ihm die Freude und ber Mut zur Arbeit vergangen. Dafür hatte sich bas Gefühl bei ihm eingeschlichen, baß er sich zu viel zugetraut, baß ihn der Hos belaste. Wie wenn er die Bürde körperlich auf Rücken und Racken drücken gespürt, war seine bis dahin aufrechte Haltung in einem kleinen Winkel nach vorn gesunken. Man wächst langsam der Erde zu, hatte er mit einem Lächeln den nächsten Bekannten geäußert, denen feine Veränderung ausgefallen war. Richtig froh war er erst wieder geworden, als überall das kräftige Zupacken des heimgekehrten Sohnes fruchtete. And beim Einzug der Schwiegertochter hatte
er mitgefeiert, als wäre damit wieder alles tote früher geworden. Daß er sich getäuscht, war ihm erst später um so schmerzlicher zum Bewußtsein gekommen.
Ja, wer wie du wieder blühen könnte, murmelt der Greis vor dem Apfelbaum stehenbleibend. Mit einer kraftlosen Geste hebt er die Arme nach ihm hin unb läßt sie toieber sinken. Da kläfft plötzlich! eine helle Hunbestimme in bie Gartenstille. And schon ist ein rehbrauner Pinscher bei ihm und tobt in Sprüngen um ihn herum. So toll kann sich nur ein Hund freuen. Der wedelnde Schwanz- stummel kommt nicht zur Ruhe. Das ganze Hintergestell tanzt. Der Alte muß sich bücken und streicheln. Immer wieder streicheln und sich die Hand lecken lassen. „Sif! Sis!" Ein kleines Mädchen rennt über die Gartenstufen herab und beginnt sich mit dem Hund um die Gunst des Großvaters zu balgen. Dem Alten gibt es zu viel Ansturm. Er zieht es vor, sich wieder zu sehen. So bekommt er am schnellsten Ruhe. Die Kleine will eine Geschichte erzählt haben und Sif hat sich ausgestreckt und lauscht mit gespitzten Ohren, ob nicht einmal sein Rame fällt. Schließlich scheint er eine andere Aeberraschung zu wittern. Er jagt bellend davon. Eine Katze, denkt der Alte. Aber da springt auch das Mädchen fort.
Jetzt hört auch der Alte Stimmen: Sein Sohn unb seine Schwiegertochter kommen, von Kind und Hund umspielt. Glückliche Menschen, empfindet der Alte. Blühend wie der Apfelbaum. Sie sollen sich freuen. Das andere kommt früh genug. And es wird einem schwer, weil jede Weisheit errungen sein will. Auch das Sich-Bescheiden-Lernen. Mer dann kann dieses Letzte auch Glück sein, denkt er noch, während er den Kommenden entgegengeht, das Glück: um sich herum Glückliche zu sehen...
Zeitschriften.
Die Aprilnummer von Westermanns Monatsheften bringt eine Rovelle von Th. W Elbertzhägen „Die Reunte'. Sie schildert einen entscheidenden Zeitraum aus dem Schaffen Beethovens, den Aufschwung zu seinem größten Werk: ber neunten Sinfonie. Besonbere Beachtung wird bie Abhanblung von Regierungsrat Matthias Schmitt „Die Arbarinachung unb die Besiedlung der Pontinischen Sümpfe" finden. Das schon unter Cäsar, später unter vielen Päpsten in Angriff genommene, aber nie burcngeführte Werk, geht seiner Vottenbung entgegen. Die Faschisten werden bis zum 13. Jahrestag ihrer Herrschaft hier aus einem unwegsamen Fiebergebiet eine ber blühendsten italienischen Provinzen, geschaffen haben.


